{"id":9082,"date":"2011-04-14T14:43:02","date_gmt":"2011-04-14T12:43:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9082"},"modified":"2014-08-13T14:21:11","modified_gmt":"2014-08-13T12:21:11","slug":"die-welt-und-der-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9082","title":{"rendered":"Die WELT und der Euro"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ja nicht neu, dass die beiden Springer-Zeitungen BILD und WELT stets die Klassenbesten sind, wenn es darum geht, den Euro niederzuschreiben. Im Hause Springer scheint man sich eine ultraharte W&auml;hrung zu w&uuml;nschen und wenn dies schon nicht mehr die &bdquo;gute alte D-Mark&ldquo; sein kann, so soll der Euro doch bitte die legend&auml;re St&auml;rke der D-Mark &uuml;bernehmen. Um dem Leser den Eindruck zu vermitteln, der Euro sei eine windelweiche W&auml;hrung, schrecken diese Bl&auml;tter noch nicht einmal vor Manipulationen und Falschdarstellungen zur&uuml;ck, wie auch das gestern erschienene Verwirrst&uuml;ck &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article13153730\/Nur-drei-Waehrungen-sind-schwaecher-als-der-Euro.html\">Nur drei W&auml;hrungen sind schw&auml;cher als der Euro<\/a>&ldquo; beweist. Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Wenn Journalisten &uuml;ber den Wert von W&auml;hrungen schreiben, vergessen sie meist, dass es sich bei den immer wieder zitierten Kursen um Wechselkurse handelt. Der Euro kann beispielsweise nicht absolut stark oder schwach sein, sondern immer nur relativ zu einer anderen W&auml;hrung. Meist wird dabei der Wechselkurs zum US-Dollar als Ma&szlig;stab herangezogen &ndash; ist der Euro schwach, ist der US-Dollar im direkten Vergleich stark und umgekehrt. Da der Euro nun aber sowohl im lang- als auch im kurzfristigen Vergleich gegen&uuml;ber dem Dollar keineswegs schwach notiert, hat die WELT nun einmal einen Blick auf andere W&auml;hrungen gewagt, um zu dem &uuml;berraschenden Fazit zu kommen, dass nur drei W&auml;hrungen schw&auml;cher als der Euro seien. Neben dem US-Dollar nennt die WELT hier den chinesischen Renminbi und den argentinischen Peso &ndash; letzteren mit dem Zusatz &bdquo;Pleite-Staat&ldquo;, so dass auch der d&uuml;mmste Leser wei&szlig;, wohin sich die Argumentation bewegen soll. Schwache W&auml;hrungen sind die W&auml;hrungen von &bdquo;Pleite-Staaten&ldquo; und daher ist es &auml;u&szlig;erst bedrohlich, dass der Euro nun die viertschw&auml;chste W&auml;hrung sein soll.<\/p><p><a href=\"\/upload\/bilder\/110414_waehrungen_gross.png\"><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110414_waehrungen_klein.png\" alt=\"Der Eurokurs im Vergleich\"><\/a><\/p><p><strong>Der passende Bezugspunkt zur These<\/strong><\/p><p>Aber wie kommt die WELT eigentlich auf die Idee, dass es nur drei W&auml;hrungen g&auml;be, die &bdquo;schw&auml;cher als der Euro&ldquo; sind? Wenn man nur das Bezugsma&szlig; geschickt legt, kann man anhand der Wechselkurse jede noch so abstruse These belegen. Die WELT hat sich &bdquo;das Fr&uuml;hjahr 2009&ldquo; als Bezugsma&szlig; ausgew&auml;hlt. In der offiziellen Begr&uuml;ndung hei&szlig;t es, dass zu diesem Zeitpunkt nun einmal der &bdquo;aktuelle Konjunkturzyklus&ldquo; begonnen h&auml;tte. Diese Begr&uuml;ndung mag f&uuml;r andere volkswirtschaftliche Parameter halbwegs angebracht sein, f&uuml;r die Betrachtung der Wechselkurse ist sie komplett absurd, hatte die Finanzkrise zu diesem Zeitpunkt doch das gesamte Wechselkurssystem heftig durchgesch&uuml;ttelt. <\/p><p>Auf dem H&ouml;hepunkt der Finanzkrise fand eine weltweite Finanzflucht in die vermeintlich sicheren Leitw&auml;hrungen Euro und US-Dollar statt, was dazu f&uuml;hrte, dass in diesem Zeitraum kleinere W&auml;hrungen massiv an Wert verloren haben. So <a href=\"http:\/\/www.ecb.int\/stats\/exchange\/eurofxref\/html\/index.en.html\">verloren<\/a> beispielsweise die von der WELT als harte &bdquo;Rohstoffdevisen&ldquo; bezeichneten Australischer Dollar und S&uuml;dafrikanisches Rand im Herbst 2008 gegen&uuml;ber dem Euro rund 30% an Wert. <\/p><p><strong>Devisenkurse als Kollateralsch&auml;den von Spekulationen<\/strong><\/p><p>Andere W&auml;hrungen, wie der Yen oder der Schweizer Franken gewannen in dieser Periode sogar noch an Wert gegen&uuml;ber dem Euro. Der Grund f&uuml;r diesen zeitweiligen Wertzuwachs hatte allerdings nichts mit der Realwirtschaft, sondern vor allem mit besonders &bdquo;raffinierten&ldquo; Finanzinstrumenten (<a href=\"http:\/\/www.flassbeck.de\/pdf\/2007\/28.2.07\/Carry%20Trade.pdf\">sogenannte Carry-Trades [PDF &ndash; 47KB]<\/a>) zu tun, die in dieser Zeit platzten. Bei einem Carry-Trade leiht man sich Geld in einer W&auml;hrung mit niedrigem Leitzins (in der Vorkrisenzeit waren dies der Yen und der Franken) und legt es in einem Hochzinsland (damals Australien und Island) in der Landesw&auml;hrung an, um an der Zinsdifferenz zu verdienen. <\/p><p>Mit dem Absturz der &bdquo;Hochzinsw&auml;hrungen&ldquo; platzte dieses Gesch&auml;ft und die Kunden mussten ihre Kredite in Japan und der Schweiz schleunigst tilgen, was zu einer gesteigerten Nachfrage dieser W&auml;hrungen f&uuml;hrte. Die isl&auml;ndische Krone ist im Herbst 2008 an dieser besonders absurden Geldanlage zerbrochen. Die j&uuml;ngste St&auml;rke der &bdquo;Rohstoffdevisen&ldquo; (WELT) Norwegische Krone und Australischer Dollar sind ebenfalls zu signifikanten Teilen auf <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D\/Doc~EA2B7B064A5F845559D5962DB6F1006B2~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Carry-Trades zur&uuml;ckzuf&uuml;hren<\/a>, die momentan ihre Renaissance feiern. Davon ist der WELT freilich nicht die Rede.<\/p><p><strong>Wenn man nur will, kann man auch das genaue Gegenteil belegen<\/strong><\/p><p>Interessanterweise trifft die Kernthese der WELT, der Euro h&auml;tte sich schw&auml;cher entwickelt als alle anderen gro&szlig;en W&auml;hrungen (au&szlig;er dem Dollar), nur dann zu, wenn man das turbulente Fr&uuml;hjahr 2009 als Bezugsma&szlig; nimmt. H&auml;tte man diesen Vergleichspunkt nur ein paar Monate verschoben, w&auml;re man zu einem komplett anderen Ergebnis gekommen. So w&auml;ren beispielsweise mit einem Bezugspunkt in der Periode Fr&uuml;hjahr bis Herbst 2010 nur der Schweizer Franken und der Australische Dollar st&auml;rker als der Euro und mit einem Bezugsma&szlig;stab, der j&uuml;nger als der Winter 2010 ist, k&ouml;nnte man nahezu durchg&auml;ngig belegen, dass der Euro die st&auml;rkste aller gro&szlig;en W&auml;hrungen ist. Die Aussage, der Euro sei die h&auml;rteste W&auml;hrung der Welt, ist allerdings &ndash; aus den gleichen Gr&uuml;nden &ndash; ebenso manipulativ und falsch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ja nicht neu, dass die beiden Springer-Zeitungen BILD und WELT stets die Klassenbesten sind, wenn es darum geht, den Euro niederzuschreiben. Im Hause Springer scheint man sich eine ultraharte W&auml;hrung zu w&uuml;nschen und wenn dies schon nicht mehr die &bdquo;gute alte D-Mark&ldquo; sein kann, so soll der Euro doch bitte die legend&auml;re St&auml;rke<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9082\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[134,12,183],"tags":[459,271,1085,328],"class_list":["post-9082","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzen-und-waehrung","category-manipulation-des-monats","category-medienkritik","tag-bild","tag-springer","tag-wechselkurse","tag-welt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9082"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9082\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9085,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9082\/revisions\/9085"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}