{"id":90823,"date":"2022-11-25T09:00:44","date_gmt":"2022-11-25T08:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90823"},"modified":"2022-12-01T14:07:19","modified_gmt":"2022-12-01T13:07:19","slug":"saubermaennerinnen-die-schmutzigen-seiten-der-politisch-korrekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90823","title":{"rendered":"Sauberm\u00e4nner*innen: Die schmutzigen Seiten der Politisch Korrekten"},"content":{"rendered":"<p>Eines der beliebtesten ideologischen und politischen Machtinstrumente des liberalen Establishments ist das Moralisieren. Moralisieren beinhaltet immer auch (ob ausdr&uuml;cklich oder unausgesprochen) die Behauptung, &bdquo;Wir sind die Guten, ihr seid die B&ouml;sen&ldquo;. Aber wie schon das Sprichwort sagt: Wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, auf den selbst zeigen die drei anderen Finger. Unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> hat sich deshalb mal Gedanken &uuml;ber die schmutzigen Seiten des politischen korrekten B&uuml;rgertums gemacht. Also &uuml;ber die Mitb&uuml;rger, die so gerne in der Rolle der &bdquo;Sauberm&auml;nner*innen&ldquo; auftreten.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3686\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-90823-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-SaubermaennerInnen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-SaubermaennerInnen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-SaubermaennerInnen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-SaubermaennerInnen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=90823-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-SaubermaennerInnen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221125-SaubermaennerInnen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Psychoanalytiker sprechen von einer &bdquo;Reaktionsbildung&ldquo;, wenn ein Mensch einen emotionalen Impuls abwehren muss (etwa weil er sozial unerw&uuml;nscht ist) und das gegenteilige Verhaltensmuster entwickelt. So kann sich zum Beispiel eine Feindseligkeit, die &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; abgewehrt werden muss, in auffallender, &uuml;berm&auml;&szlig;iger Freundlichkeit ausdr&uuml;cken. Genau das ist es, warum ich den Gutmenschen und Moralpredigern so misstrauisch gegen&uuml;berstehe: Meines Erachtens steckt dahinter eine solche Reaktionsbildung. Die eigenen &bdquo;schmutzigen&ldquo; Bed&uuml;rfnisse werden von politisch korrekten Moralaposteln abgewehrt, indem sie sich demonstrativ und lautstark f&uuml;r das Gegenteil engagieren. Das ist, wie der &ouml;sterreichische Philosoph Robert Pfaller es sehr sch&ouml;n formuliert hat, mit einem &bdquo;Genie&szlig;en des Schmutzigen&ldquo; verbunden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Reaktionsbildung ist eine zutiefst zweideutige Form der Abwehr, weil sich in ihr gerade im Abwehren immer auch das Abzuwehrende Durchbruch verschafft. Das macht sie so kostbar, denn in ihr steckt heimliches Genie&szlig;en&ldquo; (Robert Pfaller: Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft, S. 181).\n<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Die Anh&auml;nger der Politischen Korrektheit sind deshalb oft so fanatisch, weil sie auf diese Weise ihren eigenen Schmutz <em>ebenso abwehren wie genie&szlig;en k&ouml;nnen<\/em>. So k&ouml;nnen sie zum Beispiel die eigene Feindseligkeit und Vernichtungslust durch die Beteiligung an einem politisch korrekten Shitstorm, bei dem ein Mensch beruflich und sozial vernichtet wird, sowohl abwehren als auch ausleben.<\/p><p>Exemplarisch war dies bei den faschistoiden Hetzkampagnen gegen Ungeimpfte zu bemerken. Pl&ouml;tzlich sanken Intellektuelle, K&uuml;nstler, Journalisten und Politiker, die ansonsten bei jeder Gelegenheit Demokratie, Rechtsstaat und Humanit&auml;t predigen, auf das Niveau eines faschistischen Mobs herab und hetzten voller Vernichtungslust gegen Menschen, die f&uuml;r sich die Entscheidung getroffen hatten, sich nicht impfen zu lassen. Inzwischen wissen wir: Die Bedenken der Skeptiker (in Bezug auf die Corona-Impfung) waren nicht unbegr&uuml;ndet (Siehe dazu zum Beispiel diesen Bericht der Berliner Zeitung, in dem endlich auch mal Menschen zu Wort kommen, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/gesundheit-oekologie\/patienten-mit-impfnebenwirkungen-ich-dachte-ich-muss-jetzt-sterben-li.215904\">die schwere Impfsch&auml;den erlitten haben<\/a>).<\/p><p>Derartige Hetzkampagnen sind einmal mehr die Best&auml;tigung f&uuml;r zwei Thesen von Sigmund Freud: N&auml;mlich <em>erstens<\/em>, dass die Zivilisation nur ein ganz d&uuml;nner Firnis ist, der sehr schnell aufbrechen kann. Und <em>zweitens<\/em>, dass die Menschen sich &uuml;berwiegend eben nicht rational verhalten, sondern tief emotionale Wesen sind und f&uuml;r rationale Appelle oft nicht empf&auml;nglich. Und das gilt ausdr&uuml;cklich auch f&uuml;r gebildete Menschen. Dies konnte man am Beispiel der Hetze gegen Ungeimpfte ja zur Gen&uuml;ge beobachten. Es gibt ja kaum einen Prominenten, der bei der Hatz auf Ungeimpfte nicht mitgemacht h&auml;tte.<\/p><p>Und leider hat sich ausgerechnet die Bundesregierung in der Corona-Krise als verantwortungsloser Akteur gezeigt: Sie sch&uuml;rte nicht nur hemmungslos Angst, Panik und Schuldgef&uuml;hle, sondern tat dies auch absichtlich und planvoll (Siehe dazu den <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/aus-dem-innenministerium-wie-sag-ichs-den-leuten-internes-papier-empfiehlt-den-deutschen-angst-zu-machen_id_11851227.html\">Bericht des Magazins &bdquo;Focus&ldquo;<\/a> ).<\/p><p>Gleichzeitig agierten die Bundesregierung, Zulassungsbeh&ouml;rden und gro&szlig;e Teile der Wissenschafts-Community irrational: Vorher selbstverst&auml;ndliche, kritische Standards f&uuml;r die Zulassung und &Uuml;berwachung von Medikamenten oder die Pr&uuml;fung des medizinischen Nutzens waren pl&ouml;tzlich nicht mehr selbstverst&auml;ndlich (siehe dazu den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89043\">Bericht der NachDenkSeiten zur Sicherheit der Impfstoffe<\/a>). Anders formuliert: Das Denken und Fragenstellen war verboten, das Glauben und Gehorchen fortan eine nicht mehr diskutierbare Pflicht. Ein typisches Beispiel daf&uuml;r: Die Krankenkasse BKK Provita entlie&szlig; ihren Vorstandsvorsitzenden, weil dieser auf bedenkliche Fakten in Zusammenhang mit den gentechnischen Corona-Impfstoffen hingewiesen hatte, n&auml;mlich dass nach den Abrechnungsdaten der BKK, die er hochrechnen lie&szlig; auf ganz Deutschland, wesentlich mehr Menschen an Impfsch&auml;den litten und sich hatten behandeln lassen m&uuml;ssen, als das zust&auml;ndige Paul-Ehrlich-Institut in seiner Stastistik erfasst hatte. In dem gesellschaftlichen Klima seinerzeit reichte es aus, auf solche Tatsachen und Fakten auch nur hinzuweisen, um gek&uuml;ndigt zu werden.<\/p><p>Als Jugendlicher habe ich nicht verstehen k&ouml;nnen, wie im Dritten Reich eine ganze Gesellschaft in einen inhumanen, verbrecherischen Faschismus umkippen konnte, und habe dar&uuml;ber viel mit meinen Eltern gestritten. Inzwischen habe ich begriffen: Das kann heute genauso schnell wieder passieren. Und diejenigen, die sich am lautesten als Demokraten geb&auml;rden, werden m&ouml;glicherweise die Ersten sein, die dabei &bdquo;Hurra!&ldquo; schreien. Denn wenn es eine Mehrheitsfraktion in Deutschland gibt, dann ist es ist die Fraktion der Konformisten und Opportunisten.<\/p><p>Viele werden jetzt vielleicht denken: Das ist doch nun wirklich &uuml;bertrieben! Deshalb m&ouml;chte ich meine obige Analyse jetzt an einigen Beispielen belegen und veranschaulichen sowie um eine These erg&auml;nzen. Meine These lautet: Die Politisch Korrekten, die sich selbst zumeist als linksliberal verorten, haben all das, was sie bei anderen &ndash; zum Beispiel Rechtsradikalen &ndash; so vehement bek&auml;mpfen, selbst in sich. Anders ausgedr&uuml;ckt:<\/p><ul>\n<li>die Antirassisten denken rassistisch;<\/li>\n<li>die Diversit&auml;tsaktivisten sind wie die Rechtsradikalen von einem Homogenit&auml;tswahn besessen;<\/li>\n<li>die Anh&auml;nger der Genderideologie denken ausgesprochen sexistisch anstatt in universellen Menschenrechtskategorien;<\/li>\n<li>die angeblichen K&auml;mpfer f&uuml;r Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit in Politik und Medien denken wie der Staatsrechtler Carl Schmitt, der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Vordenker der Nazis. Er sah das Politische in der Unterscheidung zwischen Freund und Feind begr&uuml;ndet.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Der Rassismus der Antirassisten<\/strong><\/p><p>Die Antirassisten klagen gerne die b&ouml;sen &bdquo;alten, wei&szlig;en M&auml;nner&ldquo; an. So hei&szlig;t es zum Beispiel in einem politischen Feuilleton des Deutschlandfunks:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der alte oder der alternde wei&szlig;e Mann ist Hauptangriffsziel in der Gender-Debatte. Zu Recht, meint Autor Enno Park: Denn der alte wei&szlig;e Mann ist ignorant, l&auml;sst jede Empathie vermissen und stilisiert sich dann auch noch selbst zum Opfer.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Da werden einer sozialen Gruppe kollektiv schlechte Eigenschaften zugeschrieben aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts und des Alters. Also eine dreifache Diskrimierung, und eine davon massiv rassistisch. Denn die schlechten Eigenschaften werden ja mit der Hautfarbe begr&uuml;ndet. Genau das ist klassisch rassistisches Denken, erg&auml;nzt um Sexismus und Verachtung f&uuml;r alte Menschen. Man stelle sich einfach mal vor, so eine Formulierung w&uuml;rde auf Menschen mit schwarzer Hautfarbe oder auf Frauen bezogen. Es g&auml;be einen Riesenaufstand. Aber alte, wei&szlig;e M&auml;nner d&uuml;rfen ganz selbstverst&auml;ndlich diskriminiert werden. In diesem &bdquo;politischen Feuilleton&ldquo; des Deutschlandfunks hei&szlig;t es weiter:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir alten wei&szlig;en M&auml;nner sind der Normalfall. Die Gesellschaft macht es uns weiterhin leicht, an die Schalthebel und Fleischt&ouml;pfe zu kommen. F&uuml;r Frauen, Migranten oder Behinderte sieht das v&ouml;llig anders aus. Was wir ignorieren. Es ist ja nicht unsere Schuld, dass Frauen, Migranten und Behinderte keine alten wei&szlig;en M&auml;nner sind. Es ist wirklich bemerkenswert, wir (sic) sehr wir auf dem Sockel unserer Privilegien hocken und niemandem wirklich zuh&ouml;ren, au&szlig;er anderen alten wei&szlig;en M&auml;nnern.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/gender-debatte-die-welt-aus-alter-weisser-maennersicht-100.html\">Link zur Quelle f&uuml;r beide Zitate<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>Da werden die wei&szlig;en rum&auml;nischen Arbeiter, die ihre Heimat und ihre Familien verlassen mussten und sich in der Fleischindustrie ausbeuten lassen m&uuml;ssen, um wirtschaftlich zu &uuml;berleben, aber freuen: Sie sind privilegiert! Sie haben Macht! Auch die vielen wei&szlig;en und insbesondere &auml;lteren M&auml;nner, die seit Jahren keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben, werden sich ein Bein abfreuen: Sie geh&ouml;ren zu den Privilegierten! Wie sch&ouml;n!<\/p><p><strong>Die edlen Rassisten von &bdquo;Fridays for Future&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ein weiteres Beispiel, dieses Mal von den edlen Aktivisten der &bdquo;Fridays for Future&ldquo;-Bewegung, die eine Musikerin wegen ihrer Frisur von einer geplanten Veranstaltung wieder ausluden. Die FAZ berichtete dazu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Ortsgruppe in Hannover hatte Ronja Maltzahn und ihre Band f&uuml;r einen f&uuml;r diesen Freitag geplanten Klimastreik mit Verweis auf Maltzahns Dreadlocks kurzfristig wieder ausgeladen. Man wolle auf &sbquo;ein antikolonialistisches und antirassistisches Narrativ setzen&lsquo;, daher sei es &sbquo;nicht vertretbar, eine wei&szlig;e Person mit Dreadlocks auf unserer B&uuml;hne zu haben&lsquo;, hie&szlig; es in der Absage an die K&uuml;nstlerin. Wei&szlig;e Menschen mit Dreadlocks w&uuml;rden sich &sbquo;den Teil einer anderen Kultur aneignen ohne die systematische Unterdr&uuml;ckung dahinter zu erleben.&lsquo; Wenn Maltzahn sich die Dreadlocks abschneide, k&ouml;nne sie aber auftreten, hie&szlig; es weiter.&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/wegen-dreadlocks-fridays-for-future-laedt-musikerin-aus-17906731.html\">Link zur Quelle<\/a> )\n<\/p><\/blockquote><p>&Auml;hnliche Vorf&auml;lle gibt es immer wieder. So verbot eine Kita in Erfurt Kindern generell, sich zum Fasching zu verkleiden. Man wolle die Kinder &bdquo;sensibilisieren f&uuml;r Stereotype&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article205347911\/Kita-verbietet-Kostueme-am-Rosenmontag-Kultursensibler-Umgang.html\">berichtet die WELT<\/a>. Aber ist es nicht eine allzu k&uuml;hne Behauptung, dies Rassismus zu nennen? Ich finde nein. Denn hinter diesen Vorw&uuml;rfen steckt ja die Vorstellung, dass Kulturen sich nicht vermischen d&uuml;rfen, sondern &bdquo;rein&ldquo; bleiben m&uuml;ssen. Genau das zeichnet rassistisches und v&ouml;lkisches Denken aus. Die Nationalsozialisten des Dritten Reiches h&auml;tten solche modernen &bdquo;Reinheitsfanatiker&ldquo; deshalb sofort als &bdquo;Geistesverwandte&ldquo; wahrgenommen.<\/p><p><strong>Der Sexismus der Genderideologen<\/strong><\/p><p>Wenn man das Radio oder Fernsehen einschaltet, dann kann man sich eines sicher sein: Es wird geradezu zwangsneurotisch pedantisch genau gegendert. Auch wenn es dabei zu sprachlichem Bl&ouml;dsinn kommt. (&bdquo;Zwei Radfahrende kamen bei dem Unfall ums Leben&ldquo;. Sch&ouml;n, dass heutzutage auch Tote noch radfahren k&ouml;nnen.) Diese Genderideologie der Politisch Korrekten nimmt inzwischen immer absurdere Formen an. Selbst internationale Gr&ouml;&szlig;en ihres Faches, wie die Hollywood-Schauspielerin Scarlett Johansson, bleiben nicht vor dem inquisitorischen Verfolgungswahn der Genderideologen verschont. Wie die franz&ouml;sische Filmregisseurin Caroline Fourest in ihrem Buch &bdquo;Generation beleidigt&ldquo; berichtet, musste Johansson aufgrund des &ouml;ffentlichen Drucks von Transgender-Aktivisten darauf verzichten, die Rolle eines transsexuellen Zuh&auml;lters in den siebziger Jahren zu spielen. Fourest fragt zu Recht, warum eine gro&szlig;e Hollywood-Schauspielerin davon abgehalten wird, eine Rolle zu spielen, die dazu beitr&auml;gt, Vorurteile abzubauen. Der Film w&uuml;rde ohne Scarlett Johansson schwieriger in die Kinos zu bringen sein und geringere Mittel haben &ndash; und ein geringeres Publikumsecho bekommen. Fourest benennt eine Motivation, die ihre Frage teilweise beantwortet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Solche Anschuldigungen werden bisweilen von Schauspielerinnen erhoben, die selbst die Rolle nicht bekommen haben&ldquo; (Fourest, Generation beleidigt, S. 88).\n<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Es geht um das Gesch&auml;ft und darum, einen l&auml;stigen Konkurrenten aus dem Wettbewerb zu entfernen, indem man ihn &bdquo;disqualifiziert&ldquo;. Das ist die eine Seite. Die andere Seite bei solchen Vorw&uuml;rfen ist der darin zum Ausdruck kommende Sexismus. Menschen werden von diesen Ideologen nie als Menschen mit universell geltenden Rechten wahrgenommen, sondern immer an ihr Geschlecht und ihre sexuelle Orientierung erinnert und darauf reduziert. Wenn man dies konsequent weiterdenkt, dann d&uuml;rften beispielsweise lesbische Schauspielerinnen wie Ulrike Folkerts, die in der Serie &bdquo;Tatort&ldquo; eine heterosexuelle Kommissarin spielt, diese Rolle nicht spielen, weil sie lesbisch ist. Und dr&uuml;ckt es dann nicht auch eine b&ouml;sartige, menschenfeindliche Verachtung von Opfern der Gesellschaft aus, wenn ein nicht-s&uuml;chtiger, gesunder Schauspieler es sich anma&szlig;t, einen Alkoholiker zu spielen?<\/p><p><strong>Die Homogenit&auml;tssucht der liberalen Eliten<\/strong><\/p><p>Zum Schluss noch ein letztes Beispiel: In Zeitungen wie der &bdquo;taz&ldquo; kann man immer wieder die Forderung nach &bdquo;Diversit&auml;t&ldquo; lesen. (Siehe zum Beispiel den Artikel <a href=\"https:\/\/taz.de\/Diversitaet-bei-der-Bundestagswahl\/!5802918\/\">&bdquo;Diversit&auml;t bei der Bundestagswahl: Fehlende Vielfalt&ldquo;<\/a>.) Aber nat&uuml;rlich nicht nur dort. &bdquo;Diversit&auml;t&ldquo; ist sozusagen das Mantra des linksliberalen Milieus. Dagegen ist im Grundsatz auch nichts zu sagen. Es ist richtig, dass z. B. in den Medien darauf geachtet wird, dass an prominenter Stelle (z. B. im Fernsehen als Moderatoren) auch Menschen aus anderen Ethnien bzw. sogenannte &bdquo;People of Colour&ldquo; vertreten sind, und diese Diversit&auml;t als etwas Selbstverst&auml;ndliches wahrgenommen wird.<\/p><p>Es gibt bei der Forderung der liberalen Eliten nach Diversit&auml;t nur einen kleinen Sch&ouml;nheitsfehler: Solange sich Diversit&auml;t auf die Hautfarbe, die ethnische Herkunft, die Religion oder das Geschlecht bezieht, ist f&uuml;r sie Diversit&auml;t ein absolutes Muss. Aber wehe, es weicht jemand vom Weltbild des liberalen Establishments auch nur einen Millimeter ab, dann ist ganz schnell Schluss mit der Diversit&auml;t! Ganz nach dem Motto: Wo k&auml;men wir denn da hin, wenn jeder einfach eine abweichende Meinung haben darf!<\/p><p>Auch was dieses Verhalten angeht, ist eine gewisse geistige Verwandtschaft zu autorit&auml;ren und repressiven Regimen nicht zu &uuml;bersehen. Und ein Politikverst&auml;ndnis wie es der Staatsrechtler und Vordenker der Nazis, Carl Schmitt, formulierte. F&uuml;r ihn war Politik die Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Genau diese bin&auml;re Logik pr&auml;gt leider immer mehr die aktuellen politischen Debatten. Eine Folge davon ist, dass Deutsche russischer Herkunft wegen des Ukrainekriegs diskriminiert werden (siehe dazu den <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/diskriminierung-deutsche-aus-russland-100.html\">Bericht des S&uuml;dwestfunks<\/a>).<\/p><p>Deshalb ist es so wichtig, solche totalit&auml;ren Tendenzen als solche zu benennen und sich dagegen zu stellen. Was konkret zum Beispiel bedeutet, laut und vernehmlich zu protestieren, wenn Menschen, die beispielsweise eine vom Mainstream abweichende Meinung zum Ukrainekrieg vertreten, als &bdquo;Putin-Versteher&ldquo; denunziert und diskriminiert werden, anstatt dass sachlich und mit Argumenten auf deren Standpunkt eingegangen wird. Das Gleiche gilt, wenn B&uuml;rgerproteste von der Regierung oder den Medien sofort in die rechte Ecke gestellt werden, ohne dass man sich mit ihnen in der Sache auseinandersetzt.<\/p><p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/p><p>Hinter den geschilderten Verhaltensweisen stecken antidemokratische und antiplurale Affekte, die die politisch korrekten Sauberm&auml;nner*innen nicht wahrhaben wollen, denn sie halten sich ja f&uuml;r die Guten. Aber Menschen sind nun einmal ambivalente Wesen, und das gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r die Sauberm&auml;nner*innen. Statt bei politischen Fragen zu moralisieren, sollte also besser gefragt werden: Was ist unser oder mein Interesse? Erst recht bei existentiellen Fragen wie &bdquo;Krieg oder Frieden&ldquo;.<\/p><p>Der Drei&szlig;igj&auml;hrige Krieg h&auml;tte bis in die Gegenwart angedauert, wenn die damaligen Eliten nicht dazu in der Lage gewesen w&auml;ren, sich von ihren religi&ouml;s-moralischen Haltungen zu l&ouml;sen und stattdessen nach ihren Interessen zu fragen. Deshalb waren sie in der Lage zu begreifen: Dieser Krieg schadet mir mehr, als er mir n&uuml;tzt. Das Prinzip dahinter, sachlich-n&uuml;chterne Interessenanalyse statt emotional aufgeladenes Moralisieren, ist auch heute das, was unsere Gesellschaft mehr voranbringen w&uuml;rde als selbstgerechtes Moralisieren.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91072\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Zoomstudio\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der beliebtesten ideologischen und politischen Machtinstrumente des liberalen Establishments ist das Moralisieren. Moralisieren beinhaltet immer auch (ob ausdr&uuml;cklich oder unausgesprochen) die Behauptung, &bdquo;Wir sind die Guten, ihr seid die B&ouml;sen&ldquo;. Aber wie schon das Sprichwort sagt: Wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, auf den selbst zeigen die drei anderen Finger. Unser Autor <strong>Udo<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90823\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":90824,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,201,165,11,161],"tags":[3041,3314,2190,2880,2269,1163,2155,2247,2798,826],"class_list":["post-90823","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-ideologiekritik","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-cancel-culture","tag-diversitaet","tag-genderpolitik","tag-impfungen","tag-konformitaetsdruck","tag-meinungspluralismus","tag-opportunismus","tag-political-correctness","tag-psychoanalyse","tag-rassismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Shutterstock_1157473840.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=90823"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90823\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91082,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90823\/revisions\/91082"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/90824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=90823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=90823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=90823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}