{"id":90830,"date":"2022-11-26T11:45:48","date_gmt":"2022-11-26T10:45:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830"},"modified":"2023-01-26T12:56:08","modified_gmt":"2023-01-26T11:56:08","slug":"interview-wieso-ruft-der-chef-des-us-generalstabs-mark-milley-jetzt-zu-verhandlungen-mit-russland-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830","title":{"rendered":"Interview: Wieso ruft der Chef des US-Generalstabs Mark Milley jetzt zu Verhandlungen mit Russland auf?"},"content":{"rendered":"<p>Eine Stimme der Vernunft (Verhandlungen mit Russland anstreben) kommt jetzt ausgerechnet aus dem Pentagon, von Joe Bidens oberstem Milit&auml;rberater, General Mark Milley. Letzterer machte der Administration den obigen Vorschlag und holte sich wohl eine Abfuhr &ndash; dann brach er das Schweigegebot und ging &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2022\/11\/10\/us\/politics\/biden-ukraine-russia-diplomacy.html\">die New York Times<\/a> an die &Ouml;ffentlichkeit. Obwohl er damit seine Karriere riskiert, wollte er doch nicht den Dingen ihren Lauf lassen bis hin zu dem Punkt, an dem die NATO nur die Wahl h&auml;tte, eine Kr&ouml;te zu schlucken oder nuklear zu eskalieren. Mehr als die Russen f&uuml;rchtet er offenbar die Inkompetenz und Hybris der Bidens, Blinkens, Nulands, Selenskis und Baerbocks dieser Welt. Der ehemalige Pentagon-Berater Colonel <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2022\/11\/16\/poland-wwiii-scare-shows-why-top-us-general-wants-peace-w-doug-macgregor\/\">Doug Macgregor versucht im Interview<\/a> mit dem US-amerikanischen Journalisten Aaron Mat&eacute; von &sbquo;The Grayzone&lsquo;, unsere Sinne f&uuml;r die milit&auml;rische Realit&auml;t zu sch&auml;rfen. Von <strong>Redaktion<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Aaron Mat&eacute; (AM)<\/strong>: Willkommen bei Pushback, ich bin Aaron Mat&eacute;. Zugeschaltet ist Doug Macgregor, pensionierter Oberst der US-Army und ehemaliger Berater des Pentagon. Doug, danke, dass Sie wieder bei uns auf Sendung sind.<\/p><p><strong>Doug Macgregor (DMG):<\/strong> Gerne!<\/p><p><strong>Aaron Mat&eacute; (AM):<\/strong> Was ist Ihre Reaktion auf die neue Entwicklung von Ende letzter Woche? Wie aus dem Nichts erscheint pl&ouml;tzlich der oberste Offizier des US-Milit&auml;rs, General Mark Milley, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff (JCS), und spricht sich f&uuml;r Verhandlungen mit Russland aus. Das geschieht nur ein paar Wochen, nachdem progressive Kongressabgeordnete gezwungen wurden, ihren Aufruf f&uuml;r die gleiche Sache, n&auml;mlich mit Russland &uuml;ber die Beendigung dieses Krieges zu sprechen, zur&uuml;ckzuziehen. Und jetzt ruft der h&ouml;chste Offizier des Landes, General Milley, in offensichtlichem Dissens mit Vertretern der Biden-Regierung, zu Gespr&auml;chen mit Russland auf. Wie beurteilen Sie die Bedeutung dieses Vorgangs, und warum ist es von allen Menschen ausgerechnet General Milley, der sich f&uuml;r Gespr&auml;che mit Russland stark macht?<\/p><p><strong>Doug Macgregor (DMG):<\/strong> Nun, zun&auml;chst einmal ist Milley daf&uuml;r bekannt, dass er nur Sachen unternimmt, deren Ergebnis er abgesch&auml;tzt und als f&uuml;r sich g&uuml;nstig bewertet hat. Er verriet Dinge aus Gespr&auml;chen mit Trump, die ihm Nutzen bringen sollten. Wir hatten keine Ahnung, ob sie wahr waren oder nicht. Jetzt macht er dasselbe mit der New York Times (NYT).<\/p><p>Im Wesentlichen sagte er, glaube ich, die Ukrainer h&auml;tten alles getan, was man sinnvollerweise erwarten kann, und es sei jetzt Zeit zum Verhandeln. Ziemlich genau das hat er gesagt und h&ouml;chstwahrscheinlich auch an die Adresse von Pr&auml;sident Biden gerichtet. Nat&uuml;rlich wollten Biden, Sullivan, Blinken und die anderen nichts davon wissen. So gibt es zwei sehr interessante Aspekte, der zweite betrifft das &bdquo;aus der Schule Plaudern&ldquo;.<\/p><p>General Milley ist der wichtigste milit&auml;rische Berater des Pr&auml;sidenten. Ehrlich gesagt, alles was er sagt, ist vertraulich und sollte mit Schweigen behandelt werden. Er kann denken und glauben, was er will, aber sobald er etwas davon mit dem Pr&auml;sidenten teilt &ndash; ganz offen gesagt, Aaron, dort h&ouml;rt es auf. W&auml;hrend des Zweiten Weltkrieges war Admiral Leahy im Wei&szlig;en Haus etwa das, was heute der Vorsitzende der JCS ist, au&szlig;erdem gab es Ernest King von den National Forces und George Marshall von den Bodentruppen und der Air Force. Sie gingen nicht an die &Ouml;ffentlichkeit und lie&szlig;en nichts von dem durchsickern, was sie jemals mit dem Pr&auml;sidenten besprochen hatten, selbst dann nicht, als dieser gestorben war. Okay, das haben wir also ziemlich strikt eingehalten. Es gibt ein paar Ausnahmen, wo jemand aus der Schule geplaudert hat, und wenn das einem hohen General passiert, dann wird er normalerweise entfernt. Denn das ist nicht sein Job, er soll beraten, er ist kein Meinungsmacher, kein politischer Stratege. Dann also drittens, was hat Milley vor?<\/p><p>Nun, ich kann euch versichern, dass Milley Angst hat, und das aus gutem Grund. Er hat zwar keine eigene Gefechtserfahrung, aber er kennt die einfachen, harten Tatsachen: Wir haben nicht gen&uuml;gend Munition, gen&uuml;gend Treibstoff, gen&uuml;gend Ersatzteile, gen&uuml;gend Soldaten bereit, um uns auf eine Konfrontation mit Russland einzulassen. Aber er wei&szlig; auch, dass es unter bestimmten Umst&auml;nden auf eine Konfrontation mit Russland hinausl&auml;uft. Nun, vor ein paar Wochen war General Petraeus hier, der viel mit Milleys selbstst&auml;ndiger Art gemeinsam hat, und er platzte mit der Idee einer multinationalen Task Force heraus, einer &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo;, &uuml;berwiegend zusammengesetzt aus Kr&auml;ften der USA, Polens und Rum&auml;niens, im Ganzen 90.000 Mann stark, die irgendwann in der Westukraine auftauchen sollte, und das werde zu einem friedlichen Ergebnis f&uuml;hren. Nun, Milley ist nicht dumm, er wei&szlig;, dass das nicht friedlich ausgehen w&uuml;rde. Die Russen haben ganz klar gesagt, dass sie jede Einmischung in ihre Operation als feindlichen Akt behandeln werden. Au&szlig;erdem ist ihm klar, dass wir nicht in der Lage sind, uns lange selbst zu versorgen.<\/p><p>Die Ukrainer haben bis jetzt etwa 7.000 Artilleriegranaten am Tag verschossen. Bei den Russen sind es 20.000. Gerade haben wir mit den Koreanern die Lieferung von 100.000 Granaten vom Kaliber 155 Millimeter vereinbart. Wir haben sie f&uuml;r die Ukrainer gekauft. Nun, das Problem ist, das reicht gerade mal 14 Tage lang aus, um die Artillerie zu versorgen. Bei den Russen w&uuml;rde es f&uuml;r f&uuml;nf Tage reichen. Was ich sagen will: Wir k&ouml;nnen sie nicht konfrontieren, weil uns in der Tiefe der Nachschub fehlt. Und Milley wei&szlig; noch mehr: Er wei&szlig;, was kommen wird. Er hat gesehen, wie die Russen ihre Vorgehensweise v&ouml;llig ge&auml;ndert haben. Als sie in die Ukraine einmarschierten, war es, als h&auml;tten sie eine Hand auf dem R&uuml;cken festgebunden. Sie nutzten nie mehr als 20 Prozent ihrer Bodentruppen, bei anf&auml;nglich 110.000 Soldaten in der Ukraine. Und im August verlegten sie sich ganz auf die Defensive. Und dabei ist es geblieben: die Stellung konsolidieren, die H&ouml;rner einziehen, denn die Gener&auml;le hatten Putin gesagt, dass der einzige Weg, dies zu beenden, der milit&auml;rische ist.<\/p><p>Wenn wir das milit&auml;risch beenden wollen, bedeutet das: massive Offensiven, mehr Soldaten, mehr Material. Das braucht seine Zeit, und deshalb sagten die Russen: Sch&ouml;n, wir tauschen Landgewinn gegen Zeit, konsolidieren unsere Stellungen, minimieren unsere Verluste und lassen die Ukrainer sich verausgaben.<\/p><p><strong>Die schlimmsten Kriegstreiber sind Zivilisten<\/strong><\/p><p>Milley wei&szlig; alles &uuml;ber diese Dinge und ist beunruhigt, weil er mit Leuten redet, die keinen Bezug zur Realit&auml;t zu haben scheinen. Und darin liegt die Gefahr. Er m&ouml;chte nicht eines Tages zum Pr&auml;sidenten gehen und sagen m&uuml;ssen: Herr Pr&auml;sident, unsere konventionellen Streitkr&auml;fte stehen kurz vor der Vernichtung, weil wir dort hineingetaumelt oder irgendwie hineingezogen worden sind, und jetzt k&ouml;nnen wir nur noch entweder die Russen um freien Abzug bitten oder nuklear antworten, aber das m&ouml;chte er nicht erleben.<\/p><p>Niemand in Washington, der bei Sinnen ist, m&ouml;chte das erleben. Das Thema stand auch im Zentrum der Gespr&auml;che zwischen China und Washington, oder zwischen Xi und Biden, und es wurde klar gesagt, dass keine Atomwaffen irgendwo eingesetzt werden sollten, unter keinen Umst&auml;nden. Ich glaube, dass General Milley sich Sorgen macht, gro&szlig;e Sorgen wegen seiner Ansprechpartner und deren Ahnungslosigkeit in Bezug auf die Realit&auml;t der Kriegsf&uuml;hrung.<\/p><p><strong>AM<\/strong>: Nur um Sie richtig zu verstehen: Milley kommt anderen Kollegen im Wei&szlig;en Haus zuvor, die Ihrer Meinung nach eine volle amerikanische Kriegsbeteiligung w&uuml;nschen?<\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Ich halte das f&uuml;r m&ouml;glich &ndash; dr&uuml;cken wir&rsquo;s so aus: Ich glaube, dass der Vorschlag von Petraeus den Zivilisten sehr attraktiv erscheint. Denn was haben wir in den letzten 30 Jahren erlebt? Eine Reihe von Interventionskriegen, immer auf Wunsch der jeweiligen Au&szlig;enminister. Frau Albright war immer vorne mit dabei. Denken Sie an ihr ber&uuml;hmtes Gespr&auml;ch mit General Powell:<\/p><p>Nun, Herr General, Sie sprechen immer &uuml;ber diese tolle Armee. Warum sollten wir sie nicht einsetzen? Powell antwortete nat&uuml;rlich: Das Milit&auml;r sollte nicht wahllos eingesetzt werden. Sondern nur, wenn es die letzte M&ouml;glichkeit ist, wenn man dazu gezwungen ist. Aber das Fazit, das alle Neocons und Globalisten von der Operation Desert Storm ziehen, ist dieses: &bdquo;Sieh dir die sch&ouml;nen Spielsachen an. Wir k&ouml;nnen sie &uuml;berallhin mitnehmen. Wir k&ouml;nnen jeden, den wir wollen, zum Gehorsam zwingen.&ldquo;<\/p><p>Nun, es gibt da ein kleines Problem. Russland kann man nicht zum Gehorsam zwingen, ebensowenig China. Wenn wir es trotzdem versuchen, verlieren wir in Osteuropa. Milley hat das ausgerechnet, versteht es und macht sich Sorgen, dass Blinken, Sullivan und Biden es nicht verstehen, weil sie von Kool-Aid [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] besoffen sind. Was meine ich mit Kool-Aid? Seit dem 24. Februar haben du und ich und alle Leute der ukrainischen Siegesrede gelauscht: &bdquo;Die Ukrainer gewinnen, sieh doch, sie gewinnen&hellip;&ldquo;<\/p><p>Nun, sieh dir die Landkarte an. Sie gewinnen mitnichten. Und sie haben schon mehr als 100.000 Tote und noch mehr Verletzte. Und eine gro&szlig;e Menge an Ausr&uuml;stung ging verloren &ndash; zerst&ouml;rt oder gestohlen. Sie pfeifen momentan auf dem letzten Loch. Sie haben nichts mehr aufzubieten &ndash; sie warten nur noch, bis der Hammer erscheint, der sie zermalmen wird, und deshalb sagt Milley: &bdquo;Sie haben ungef&auml;hr alles getan, was man erwarten kann, ich finde, sie sollten jetzt verhandeln&ldquo; und welche Antwort bekommt er? &bdquo;Auf keinen Fall. Wir m&uuml;ssen die Russen kleinkriegen, sie besiegen, sie m&uuml;ssen begreifen, wir m&uuml;ssen ihnen diese Lektion erteilen&ldquo;. Es ist verr&uuml;ckt.<\/p><p><strong>AM<\/strong>: Hier ist eine Meldung von CNN, die zu Ihrer These passt, dass die B&uuml;rokraten, die Zivilisten im Au&szlig;enministerium viel aggressivere Falken sind als die Leute im Pentagon. CNN sagt, &bdquo;ein Beamter erkl&auml;rte, dass das Au&szlig;enministerium genau die Gegenposition von General Milley vertritt. Diese Dynamik f&uuml;hrte zu der einzigartigen Situation, in der die Milit&auml;rs in st&auml;rkerem Ma&szlig;e als die US-Diplomaten zur Diplomatie dr&auml;ngen.&ldquo;<\/p><p><strong>&Uuml;bersch&auml;tzung der US-Streitkr&auml;fte<\/strong><\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Nat&uuml;rlich. Nun, du wei&szlig;t, dass wir seit mindestens 20, eher 30 Jahren das amerikanische Volk bel&uuml;gen &ndash; wieso bel&uuml;gen &ndash; wir haben immer gesagt: &bdquo;wir sind die gr&ouml;&szlig;te Milit&auml;rmacht der Welt, niemand kann sich mit uns messen.&ldquo; Aaron, das stimmte schon damals nicht! Und seit 1991 haben wir den gr&ouml;&szlig;ten Teil unserer F&auml;higkeiten abgebaut. Was wir heute haben, ist ein Schatten von dem, was vor 30 Jahren existierte. Und heute haben wir kein Monopol mehr auf die Technologien, die uns so erfolgreich machten. Vieles davon ist Mikroelektronik, die die Waffen pr&auml;ziser macht.<\/p><p>Tatsache ist, die Gener&auml;le haben sich alle zwei Wochen mit neu geschaffenen Medaillen f&uuml;r Weihnachten geschm&uuml;ckt und allen erz&auml;hlt, sie seien Helden, und wir k&ouml;nnten alles erreichen, aber das stimmt nicht, und sie sahen, dass der Bluff nicht funktionierte, und dann ging, denke ich, Milley ins Wei&szlig;e Haus und sagte: Seht her, ihr wisst, dass das sehr gef&auml;hrlich ist, wir wollen das nicht fortsetzen, wir m&uuml;ssen das beenden, bevor es unkontrollierbar wird. Nebenbei, als wir vor diesem Interview am Diskutieren waren, h&ouml;rten wir von zwei irregeleiteten Raketen, die kurz hinter der polnischen Grenze eingeschlagen sind, wobei zwei Polen get&ouml;tet wurden. Deshalb tagt jetzt der polnische nationale Verteidigungsrat.<\/p><p>Nun, ich wei&szlig; nicht, was dabei herauskommen wird, ich nehme an, die Russen werden sagen, wie leid es ihnen tut [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>], und versprechen, daf&uuml;r zu sorgen, dass es nicht wieder passiert. Ob dann die Polen damit zufrieden sein werden, ist schwer zu sagen, aber auf Seiten der NATO sehe ich kein Bed&uuml;rfnis, die Allianz zum Kampf gegen Russland zu motivieren, ich sehe einfach nichts dergleichen. Vielleicht wollen die Polen k&auml;mpfen, oder einige der Rum&auml;nen, aber das h&auml;ngt alles von uns ab, wir sind das R&uuml;ckgrat. Wir haben angefangen, die F&uuml;hrung liegt bei uns.<\/p><p><strong>AM<\/strong>: Lassen Sie uns &uuml;ber den Zustand der ukrainischen Streitkr&auml;fte sprechen. Wie Sie schon sagten, ist das &uuml;bliche Bild, das man uns vermittelt, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt, und zum Beweis f&uuml;hrt man die Siege in Cherson und Charkow an.<\/p><p><strong>Die russische Strategie<\/strong><\/p><p>Aber mittlerweile wird auch still und leise zugegeben, wie hier in der NYT, dass das russische Milit&auml;r trotz dieser Schlappen auf dem Schlachtfeld immer noch eine effektive Kampagne mit Raketen und Drohnen gegen die ukrainische Infrastruktur betreibt, was nach Ansicht von US-Beamten und milit&auml;rischen Analysten auf L&uuml;cken in dem schwer belasteten ukrainischen Luftverteidigungssystem schlie&szlig;en l&auml;sst. Und vielleicht aus diesem Grund sagte j&uuml;ngst ein US-Beamter in dem Magazin *Politico*:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Warum nicht &uuml;ber Friedensverhandlungen reden, bevor wir weitere 100.000 Soldaten ins Verderben schicken?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ist es nicht bezeichnend, dass es nun Kommentare dieser Art aus offiziellen Quellen gibt, was es meines Wissens bisher in diesem Krieg noch nicht gab?<\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Nun, die russische Entscheidung, sich nach anf&auml;nglichen Gebietsgewinnen in den russisch sprechenden Regionen passiv und defensiv zu verhalten, hat sich in Wirklichkeit bezahlt gemacht, und die Ukrainer verloren zigtausende Soldaten in der endlosen Reihe ihrer Gegenangriffe. Nun verweisen viele Leute auf Charkow und sagen, das war doch ein sch&ouml;ner Erfolg dort oben &ndash; nun, dort standen aber nur 2.000 Russen. Nichts in dem flachen Gel&auml;nde konnte die Russen aufhalten, bis sie den Fluss erreichten, der kurz vor der russischen Grenze verl&auml;uft. Die Russen sagten: Wir brauchen diese 2.000 Mann und werden sie nicht opfern, also holt sie dort raus und lasst die Ukrainer das Gebiet besetzen.<\/p><p>Und, nebenbei, w&auml;hrend sie dort drin sind, wollen wir mit einem Gegenangriff so viele von ihnen t&ouml;ten, wie wir k&ouml;nnen &ndash; und genau das taten sie, und die Ukrainer verloren 30 bis 40 Prozent dieser Soldaten, von urspr&uuml;nglich 30.000, ein herber Verlust. Und &auml;hnliche Situationen gab es entlang dieser ganzen &ouml;stlichen Front, erst in Cherson war es dann anders. In Cherson hatten wir 30.000 russische Soldaten in der Stadt, und flussaufw&auml;rts am Dnepr gab es einen Staudamm. Wenn dieser zerst&ouml;rt w&uuml;rde, w&uuml;rde die ganze Stadt &uuml;berschwemmt werden. Die Russen entschieden sich gegen dieses Szenario. Sie wussten, dass sie die Stellung halten konnten, darum ging es nicht, sie hatten enorme Verteidigungsanlagen gebaut.<\/p><p>Doch der oberste Kommandeur sagte zu Putin: Herr Pr&auml;sident, ich will die Truppen da rausholen, wir brauchen dieses Gebiet jetzt nicht, wir k&ouml;nnen es jederzeit aufs Neue in Besitz nehmen. Holen wir die Soldaten raus, lassen sie sich ausruhen und regenerieren, dann k&ouml;nnen wir sie in den Gro&szlig;offensiven dieses Winters einsetzen.<\/p><p>Die Russen haben Territorien immer als etwas betrachtet, das nur gut ist, wenn es der eigenen Seite Vorteile bringt. Sie haben eine lange Geschichte, Gebiete links und rechts aufzugeben, wenn es strategisch sinnvoll war. So haben sie die Mongolen bek&auml;mpft, so haben sie die Hunnen bek&auml;mpft, und auch die T&uuml;rken, die Tartaren, jeden Gegner. Und sie bek&auml;mpften mit dieser Methode auch Napoleon und die Franzosen, und sp&auml;ter im Zweiten Weltkrieg die Deutschen. Gel&auml;nde an und f&uuml;r sich hat nicht viel Wert, au&szlig;er wenn es dem Besitzer Vorteile bringt. Wenn du einen Vorteil hast, halt ihn fest, und das haben sie entlang der ganzen Ostfront beherzigt. Sie haben den Frontverlauf so gew&auml;hlt, dass sich ihr Gel&auml;nde leicht verteidigen l&auml;sst, denn du willst dich mit dem geringsten Aufwand verteidigen und dabei zugleich m&ouml;glichst viele Angreifer t&ouml;ten.<\/p><p>Darauf verstehen sich die Russen, sie haben das erfolgreich praktiziert. Die jetzige Situation kann nicht lange so bleiben, weil es der Ukraine an Soldaten fehlt. Sie haben nicht einmal mehr Treibstoff f&uuml;r ihre gepanzerten Fahrzeuge. Deshalb mussten sie viele davon, die meisten, zur&uuml;ckziehen. So kommen sie keinen Schritt weiter. Sie k&ouml;nnen auch ihre Verwundeten nicht mehr vom Schlachtfeld in Sicherheit bringen. So sterben viele Ukrainer unn&ouml;tig an ihren Verletzungen. Wir schicken ihnen 100 M113-Mannschaftstransporter in unterschiedlichem Zustand, und die meisten m&uuml;ssen dann als Krankenwagen herhalten. Auf schwer umk&auml;mpften Schlachtfeldern kannst du nicht mit Helikoptern landen, um Menschen zu evakuieren.<\/p><p>So funktionierte es in Vietnam und Korea: Ein MASH-Helikopter [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] taucht auf, sammelt die Verletzten ein, fliegt sie aus und ihr Leben wird gerettet. Hier funktioniert das nicht! Die Russen haben ein integriertes Luftverteidigungssystem. Deshalb ist auch die ukrainische Luftwaffe nicht sehr effektiv. Wenn wir mit unserer Air Force dort reingingen, w&uuml;rden wir in k&uuml;rzester Zeit viele Maschinen verlieren. Und k&uuml;rzlich wurde bekanntgegeben, dass auch der Bereitschaftsgrad unserer Air Force zu w&uuml;nschen &uuml;brigl&auml;sst.<\/p><p><strong>Befreiungsversuche<\/strong><\/p><p>Daher glaube ich, unsere Gener&auml;le haben endlich reinen Tisch gemacht und sich gegen die Regierungslinie positioniert. Wie weit sie unter vier Augen gegangen sind, wei&szlig; ich nicht, aber ich glaube, Milley bef&uuml;rchtet, man werde sie zu Fehlentscheidungen zwingen, also hat er seine Stimme h&ouml;ren lassen, und nachdem er mit der Antwort sehr unzufrieden war, beschloss er, es durchsickern zu lassen. Vielleicht kriegen wir in den kommenden Tagen ein klareres Bild, wie schlimm es auf unserer Seite wirklich aussieht, das w&auml;re hilfreich. Das amerikanische Volk sollte wissen, dass, w&auml;hrend wir nicht allzu starke Kr&auml;fte haben und diese nicht in optimalem Zustand sind, wir auf die Truppenst&auml;rke bezogen mehr Gener&auml;le und Admir&auml;le haben als w&auml;hrend unserer ganzen Geschichte. Es ist, als fielen sie von den B&auml;umen. Wir hatten so viele Hauptquartiere mit so vielen Admir&auml;len und Gener&auml;len, dass einem das Lachen dar&uuml;ber vergeht. Es ist eine Schande.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Erst diese Woche hat sich CIA-Chef Bill Burns mit seinem russischen Amtskollegen zusammengesetzt. Das Wei&szlig;e Haus bestand darauf, dass es nicht um die Beendigung des Krieges gegangen sei oder eine &Uuml;bereinkunft, sondern nur um Deeskalation und die Vermeidung eines Atomkrieges. Glauben Sie das?<\/p><p><strong>DMG:<\/strong> Ja, da wei&szlig; ich nicht mehr als du. Es kann gut sein, dass Bill Burns, angesichts seines Hintergrundes, strikte Order hat, auf keinen Fall einen Waffenstillstand zu er&ouml;rtern. Denn die erste Voraussetzung f&uuml;r Friedensgespr&auml;che ist ein Waffenstillstand, und gegen den hat sich jeder gestellt, denn es hei&szlig;t ja, die Ukraine gewinnt, und dann will man keinen Waffenstillstand.<\/p><p>Also kann es gut sein, dass sie die Wahrheit sagen, au&szlig;erdem, wenn Du jetzt zu den Russen gingest, glaube ich nicht, dass du einen Waffenstillstand herausholen k&ouml;nntest. Verhandeln k&ouml;nntest du, aber was w&uuml;rdest du erreichen? Ich meine, ihre urspr&uuml;nglichen Ziele, um das mal so zu sagen, waren ganz einfach. Nummer 1: Die Ukraine soll nicht in die NATO. Kein NATO-Land darf in der Ukraine Truppen stationieren. Nummer 2: Die beiden abgespaltenen Ostgebiete erhalten Autonomie. Die Einwohner sind schlie&szlig;lich Russen. Nummer 3: Die Krim sollte als legitimer Teil Russlands anerkannt werden. Das war sie seit 1700. Die Episode mit Chruschtschow, der in betrunkenem Zustand Kiew mit der Krim beschenkte, ist Unsinn. Und schlie&szlig;lich, zur&uuml;ck zu den Ministergerichten, gib den in der Ukraine lebenden Russen die gleichen Rechte wie anderen B&uuml;rgern. Und das ist alles.<\/p><p>Und wenn du jetzt pl&ouml;tzlich auftauchtest, was glaubst du, dass du von den Russen bek&auml;mest? Ich glaube nicht, dass du viel herausholen w&uuml;rdest. Sie w&uuml;rden dich anh&ouml;ren, aber ich glaube nicht, du w&uuml;rdest viel erreichen.<\/p><p><strong>Zivile versus milit&auml;rische Ziele<\/strong><\/p><p><strong>AM: <\/strong>Nach<strong> <\/strong>dem Angriff auf die Kerch-Br&uuml;cke, die Russland mit der Krim verbindet, antwortete Russland mit den bis heute schlimmsten Angriffen auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine, und k&uuml;rzlich wurden sie fortgesetzt. Ich frage mich, wenn kein Waffenstillstand kommt, sondern eine gro&szlig;e russische Offensive mit den neu ausgehobenen Hunderttausenden von Soldaten, was glaubst du, wie das aussehen wird?<\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Zuallererst muss ich zur&uuml;ck zu einem Punkt, um dich dort zu korrigieren. Wir reden immer von ziviler Infrastruktur. Aber wenn du im Krieg bist und das Stromnetz versorgt deine [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]) Armee, und du zerst&ouml;rst das Stromnetz, dann nicht, weil du der Bev&ouml;lkerung schaden willst. Sondern du versuchst, das Milit&auml;r vom Zugang zu Energie abzuschneiden. Also sollten wir eines verstehen: die Russen haben nicht absichtlich Zivilisten als Ziel ausgew&auml;hlt &ndash; umgekehrt jedoch gibt es eine Menge Beweise, dass der amerikanische HIMARS-Raketenwerfer von den Ukrainern wissentlich zum Angriff auf Zivilisten in Donezk, Luhansk, der Krim und anderen Orten eingesetzt wurde. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Dar&uuml;ber redet keiner, weil ja die Ukraine immer makellos, demokratisch und perfekt ist, und Russland b&ouml;se, autorit&auml;r und f&uuml;rchterlich. Aber in Wahrheit bietet die ukrainische Seite keinen sch&ouml;nen Anblick. Bei den Russen hat man sich bisher recht genau an Ziele von milit&auml;rischem Wert gehalten. Wie es aber in Zukunft sein wird, wei&szlig; ich nicht.<\/p><p>Im Kosovokrieg, w&auml;hrend der Luftangriffe auf Serbien, war ich Direktor des Joint Operation Center. Und wir hatten schon nach eineinhalb Wochen alle im engsten Sinne milit&auml;rischen Ziele zerst&ouml;rt: alle Flugpl&auml;tze, Kasernen und solche Dinge. Es war nicht mehr viel &uuml;brig &ndash; Jugoslawien war fast noch ein Dritte-Welt-Land, es war nicht sehr weit entwickelt.<\/p><p>Dann hatten wir eine Sitzung, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sollen wir die Yugo-Fabrik angreifen? [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Nun, dort werden tats&auml;chlich auch Fahrzeuge f&uuml;r die jugoslawische Armee gebaut. OK, wir greifen sie an. Was ist mit den Donaubr&uuml;cken? Nun, von diesen wurden nur zwei vom Milit&auml;r benutzt. Aber es gab 23 Br&uuml;cken &ndash; k&ouml;nnte die jugoslawische Armee auch die anderen benutzen? Ja &ndash; also griffen wir alle dreiundzwanzig an.<\/p><p>Was ich sagen will, ist, wenn du in den Krieg ziehst, dann r&uuml;ckt das, was anf&auml;nglich rein zivil war, mit dem Fortschreiten des Krieges und des Mobilisierungsgrades immer mehr in die Kategorie des &bdquo;warte mal, das hat auch m&ouml;gliche milit&auml;rische Anwendungen&ldquo;.<\/p><p>Ich finde, wir haben es damals im Kosovokrieg &uuml;bertrieben. Ich glaube nicht, dass die Russen diesen Punkt schon erreicht haben. Aber ich glaube, wenn die gro&szlig;en Offensiven beginnen, werden sie alles vernichten, was Widerstand leisten k&ouml;nnte. Sie werden es nicht darauf ankommen lassen.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p><strong>Die Optionen der Russen<\/strong><\/p><p>Aber soweit ich das bisher aus der Ferne sehen konnte, sind die Russen bisher viel vorsichtiger und sorgf&auml;ltiger bei der Auswahl ihrer Ziele gewesen als die NATO in Serbien.<\/p><p>Wenn sie jetzt auch die Wasserversorgung angreifen &ndash; und es sieht danach aus &ndash; das hei&szlig;t: Angriff auf Wasserwerke, auf Kraftwerke, auf Treibstoffdepots f&uuml;r Diesel, Benzin, auf jede Art von Raffinierungskapazit&auml;t und Produktionskapazit&auml;t, nicht nur milit&auml;risch &ndash; all das muss sein, wenn du das Niveau der gegen dich gerichteten F&auml;higkeiten senken willst, und ich glaube, wir werden erleben, dass die Russen nun jeden Tag und jede Nacht bis zur Gro&szlig;offensive dazu nutzen werden, auch die restlichen F&auml;higkeiten des Gegners zu dezimieren.<\/p><p>Es ist nun im russischen Interesse, die Ukrainer frieren zu lassen. Es ist im russischen Interesse, die Europ&auml;er frieren zu lassen. Ganz besonders die Deutschen. Wir haben daf&uuml;r gesorgt und es herbeigef&uuml;hrt [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]. Nicht die Russen waren es, sondern wir. Und das wissen die Russen. Es geh&ouml;rt nicht zu den Sachen, die sie zu Beginn ihrer Operation, dieser SMO, geplant hatten.<\/p><p>Diese SMO begann sehr begrenzt, sehr gezielt und sollte ein bestimmtes Ergebnis liefern. Doch dazu kam es nicht. Die zugrundeliegenden Annahmen waren fehlerhaft. Die Russen konnten nicht ahnen, dass wir milit&auml;rische Ausr&uuml;stung im Wert von so vielen Milliarden Dollar liefern w&uuml;rden. Ich glaube auch nicht, dass sie damit rechneten, dass wir Angestellte britischer oder US-amerikanischer Firmen, ehemalige oder sogar aktive Soldaten in ziviler Kleidung, an die Front schicken w&uuml;rden, um komplexe Systeme wie den HIMARS-Raketenwerfer zu bedienen. Wir kennen nicht einmal das volle Ausma&szlig; dieser Aktivit&auml;ten. Ich glaube auch nicht, dass sie damit rechneten, dass auf Kommandeursebene NATO-Personal zur Unterst&uuml;tzung des ukrainischen Personals eingesetzt werden w&uuml;rde. Und sie ahnten nicht, dass NATO-Hauptquartiere die ukrainische Kriegsf&uuml;hrung aus der Ferne lenken w&uuml;rden.<\/p><p>So haben die Russen den Gegner falsch eingesch&auml;tzt, diese Einsch&auml;tzung m&uuml;ssen sie nun korrigieren und unbarmherzig werden, um diesen Krieg zu einem Ende zu bringen. Und ich glaube, General Milley wei&szlig; &uuml;ber diese Dinge Bescheid. Und Milley kann nicht der Einzige sein, und deshalb glaube ich, er ging ins Wei&szlig;e Haus, sagte dort die Wahrheit und war nicht zufrieden mit der Antwort, die man ihm gab.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Mit Bezug auf das, was Sie gerade ausgef&uuml;hrt haben, wie dieser Krieg f&uuml;r Russland zu einem Imperativ wird, die Ukrainer und Europ&auml;er frieren zu lassen: Wenn Sie in Washington kraft Ihres Amtes diesen Krieg beenden k&ouml;nnten, w&uuml;rden Sie doch diese Option ergreifen, au&szlig;er wenn Ihnen ukrainische und europ&auml;ische Menschenleben egal w&auml;ren?<\/p><p><strong>DMG:<\/strong> Nun, Aaron, ich habe nicht viele Hinweise auf gro&szlig;es Mitgef&uuml;hl in dieser Abteilung entdecken k&ouml;nnen. Wenn es dieses Mitgef&uuml;hl g&auml;be, h&auml;tten wir den Krieg niemals so weit kommen lassen. Und, wie ich dir und deinen Kollegen schon gesagt habe, h&auml;tte ich auch nicht geglaubt, dass uns mal ein US-Pr&auml;sident in Osteuropa in einen Krieg mit Russland verwickeln w&uuml;rde.<\/p><p>Unser einziges wirkliches Interesse an dieser Region liegt in der Beendigung des Krieges und der Implementierung einer L&ouml;sung, was immer dazu n&ouml;tig ist. Ende Februar schrieb ich einen Gastartikel und schlug vor, eine Armee aus neutralen Staaten zusammenzustellen, aus Finnland, Indien, &Ouml;sterreich, Malaysia und anderen, die zwischen den Armeen der Russen und Ukrainer f&uuml;r eine Waffenstillstandszone sorgen sollte. Und dann Gespr&auml;che f&uuml;hren, bis eine L&ouml;sung gefunden ist. Aber niemand interessierte sich daf&uuml;r. Doch jetzt gibt es auf einmal wenigstens *eine* Stimme der Vernunft, und bestimmt gibt es noch mehr Menschen in Uniform, die auch sagen: es ist Zeit aufzuh&ouml;ren &ndash; aber ich glaube nicht, dass wir das schaffen.<\/p><p><strong>Die UNO ist keine Hilfe<\/strong><\/p><p><strong>AM<\/strong>: Glauben Sie, dass Russland ausreichende Anstrengungen unternommen hat in dieser Richtung &ndash; einmal sprach ja Putin von Friedenstruppen f&uuml;r den Donbass? Aber aus meiner Perspektive, und vielleicht t&auml;usche ich mich ja, konnte ich nicht erkennen, dass sie viel Aufhebens davon machten. Ich habe sie nicht im UN-Sicherheitsrat gesehen, um dort zu sagen, wir brauchen internationale Friedenstruppen, um die Bewohner des Donbass zu sch&uuml;tzen und einen Krieg zu vermeiden, oder wir werden selbst einmarschieren m&uuml;ssen, weil es kein anderer tut, und die USA sind zur&uuml;ck in der Ukraine, die diese ethnischen Russen im Donbass mit Artilleriefeuer belegt. Deshalb brauchen wir internationale Friedenstruppen. Hat Ihrer Meinung nach Russland sich ausreichend engagiert, um die Gewalt zu vermeiden?<\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Nun, ich wei&szlig;, dass viele Russen in den St&auml;dten und D&ouml;rfern des Donbass leben, die laut eigener Aussage kurz davorstanden, von Mitgliedern des Asow-Regiments liquidiert zu werden, als im letzten Moment russische Truppen und Panzer auftauchten und verhinderten, dass sie erschossen und ihr Dorf niedergebrannt wurde. Also war das eine reale Gefahr.<\/p><p>Ich glaube nicht, dass Putin viel Vertrauen in die UNO hatte, und vermute, dass er wahrscheinlich damit richtig lag, wenn man an die letzte Abstimmung denkt. Ich meine, die meisten Delegierten der UNO, wenn wir sagen, ihr sollt auf eine bestimmte Weise abstimmen, werden sie es tun, weil wir &uuml;ber Mittel verf&uuml;gen, ihr Leben zu beeinflussen, indem wir die dollarbasierte Wirtschaft und Finanzen zusammen mit den Finanzinstitutionen kontrollieren. Wir kontrollieren den IWF und die Weltbank, und folglich, wenn du in Zentralafrika, Lateinamerika oder S&uuml;dwestasien bist, wirst du dich dann widersetzen und sagen, es tut uns leid, wir sind nicht eurer Meinung, die Russen haben ein stichhaltiges Argument? Viel eher werden wir sagen: Seht, wir m&ouml;gen zwar diesmal mit den Russen sympathisieren, aber es ist nicht in unserem Interesse, uns damit zu exponieren, deshalb werden wir mit den USA stimmen.<\/p><p>So hatte er [Putin] wahrscheinlich recht mit der Schlussfolgerung, dass er von dort nicht viel Hilfe zu erwarten hatte. Ich glaube, sein gr&ouml;&szlig;tes Problem war, nicht zu verstehen, was uns derzeit in Washington regiert, diese Bande die *entschlossen ist*, auf Teufel komm raus, Russland zu ruinieren, das Land und seine Regierung zu zerschlagen, und zweitens glaube ich, er untersch&auml;tzte, in welchem Ausma&szlig; wir tats&auml;chlich in Kiew das Sagen hatten.<\/p><p><strong>Selenski als Spielball des Westens<\/strong><\/p><p><strong>AM:<\/strong> Und wie weit reicht diese Kontrolle, zum Beispiel&hellip;<\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Absolut. Sie ist absolut. Wenn der US-Pr&auml;sident Verhandlungen zu einer Friedensl&ouml;sung wollte, w&uuml;rde er Selenski anweisen, die Klappe zu halten. Nun gibt es die Theorie, dass Selenski von Ultranationalisten umgeben ist, die ihn t&ouml;ten wollen, wenn er so etwas tut. Ich wei&szlig; nicht &hellip; dazu kann ich nichts sagen. Aber wenn ihm die Ukraine am Herzen liegt, sollte er vielleicht dieses Risiko eingehen, um Menschenleben zu retten. Bis jetzt konnte ich jedoch keine Ans&auml;tze in dieser Richtung erkennen, oder hast du welche gesehen?<\/p><p><strong>AM<\/strong>: Nein. Ich meine, wir wissen von Fiona Hill [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>], dass nach offiziellen Angaben Ende April ein Entwurf f&uuml;r ein Friedensabkommen existierte. Sie erkl&auml;rte nicht, was diesen Plan vereitelt hat, aber Putin behauptet, und die ukrainischen Medien berichten gest&uuml;tzt auf Selenski-nahe Quellen, dass der damalige britische Premierminister Boris Johnson nach Kiew kam und Selenski wissen lie&szlig;, dass der Westen seine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine beenden w&uuml;rde, falls er ein Friedensabkommen mit Russland schlie&szlig;en sollte. Er befahl ihm also de facto, weiterzuk&auml;mpfen, und Selenski gehorchte.<\/p><p><strong>DMG<\/strong>: Wir d&uuml;rfen nicht vergessen, dass London und Washington in dieser Angelegenheit am selben Strang ziehen. Dass Boris Johnson in Kiew diese Dinge sagen konnte, w&auml;re niemals denkbar gewesen ohne vorherige Abstimmung mit Washington. Man kann also sicher sein, dass sie sich einig waren. Und London, das au&szlig;er uns der sch&auml;rfste Bef&uuml;rworter des Krieges mit Russland ist, wie du am Einsatz ihrer Spezialkr&auml;fte als Trainer und Assistenten an allen m&ouml;glichen Stellen in der Ukraine sehen kannst, bildet auf britischem Boden tausende ukrainischer Soldaten aus, schon seit einiger Zeit. Deshalb sollten wir nicht so sehr Boris Johnson als Akteur sehen, sondern London als Teil jener Achse mit Washington, das im Sinne von Washington agiert.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/obi849eRuN4\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Transkript und &Uuml;bersetzung: Max Stadler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Kool-Aid ist ein in den 1920-er Jahren in Nebraska hergestelltes Getr&auml;nkekonzentrat. &bdquo;Drinking the Kool-Aid&ldquo; ist eine Metapher f&uuml;r die &Uuml;bernahme einer Ideologie unter Gruppenzwang.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Das Akronym M*A*S*H steht f&uuml;r den Hubschrauber Bell 47. Die Buchstaben bedeuten: Mobile Army Surgical Hospital.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Macgregor meint hier wohl eher: die feindliche Armee.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] &Uuml;ber derartige Angriffe wird in RT auf t&auml;glicher Basis sowie in Dokumentationen berichtet, w&auml;hrend westliche Medien das Thema konsequent verschweigen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Gemeint ist die heutige serbische Firma Zastava, die damals den Yugo, einen Kleinstwagen, baute.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Die Amerikaner sagen immer &bdquo;wir&ldquo;, wenn sie von den USA reden, und bleiben diesem &bdquo;wir&ldquo; treu, egal in wie unvorteilhaften Licht die USA erscheinen. Der Satz bezieht sich ansonsten auf die Gasknappheit angesichts des kommenden Winters, ausgel&ouml;st durch die Sanktionspolitik und die Sabotageakte an den Nordstream-Pipelines. Was Macgregor hier sagen will, ist wahrscheinlich: Es w&auml;re im russischen Interesse, wenn auch die Deutschen endlich begriffen, wer ihnen die Energieprobleme eingebrockt hat, n&auml;mlich nicht Putin, sondern sie selbst und die USA.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Fiona Hill arbeitete als Expertin f&uuml;r russische und europ&auml;ische Beziehungen unter den Pr&auml;sidenten Bush, Obama und Trump.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Man &bdquo;stellte fest&ldquo;, bald danach, dass die fehlgeleitete Rakete von einer ukrainischen S-300-Luftverteidigungsbatterie stammte, und verk&uuml;ndete dies von h&ouml;chster Stelle aus (Biden). Es ist schon ungew&ouml;hnlich, dass man diesmal nicht den Russen die Schuld gab, und es zeigt den dringenden Wunsch, eine direkte Kriegsbeteiligung nach NATO-Artikel 5 zu vermeiden.<\/p>\n<\/div><p>Titelbild: Von U.S. Secretary of Defense &ndash; SECDEF USSOCOM Change of Command, CC BY 2.0, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=122488581\">commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=122488581<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90762\">Wolfgang Ischinger fordert &bdquo;Kriegswirtschaft&ldquo; f&uuml;r Deutschland<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90778\">Selenski will den dritten Weltkrieg. 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