{"id":90835,"date":"2022-11-25T09:45:54","date_gmt":"2022-11-25T08:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90835"},"modified":"2022-11-25T16:17:41","modified_gmt":"2022-11-25T15:17:41","slug":"die-nachdenkseiten-haetten-eher-das-bundesverdienstkreuz-verdient-als-den-entzug-der-gemeinnuetzigkeit-begruendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90835","title":{"rendered":"Die NachDenkSeiten h\u00e4tten eher das Bundesverdienstkreuz verdient als den Entzug der Gemeinn\u00fctzigkeit. Begr\u00fcndung"},"content":{"rendered":"<p>Nur wenige andere Medien haben in den letzten zwei Jahrzehnten so viel zur Volksbildung beigetragen wie die NachDenkSeiten. Sie sind ziemlich genau vor 19 Jahren, am 30. November 2003, an den Start gegangen. Und haben seitdem auf mehreren Feldern unseres Zusammenlebens Leistungen zur Aufkl&auml;rung und Volksbildung erbracht. Der Frage nach dem Engagement der NachDenkSeiten f&uuml;r die Volksbildung widme ich mich mit diesem Beitrag, weil das f&uuml;r die NachDenkSeiten zust&auml;ndige Finanzamt in seiner Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Aberkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit in einer zentralen Passage auf die angeblich mangelhafte Leistung f&uuml;r die &bdquo;Volksbildung&ldquo; zu sprechen kommt. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6087\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-90835-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-Bundesverdienstkreuz-fuer-NachDenkSeiten-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-Bundesverdienstkreuz-fuer-NachDenkSeiten-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-Bundesverdienstkreuz-fuer-NachDenkSeiten-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-Bundesverdienstkreuz-fuer-NachDenkSeiten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=90835-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221125-Bundesverdienstkreuz-fuer-NachDenkSeiten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221125-Bundesverdienstkreuz-fuer-NachDenkSeiten-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zentrale Aussagen in der &bdquo;Erl&auml;uterung zur Aufhebung der Gemeinn&uuml;tzigkeit&ldquo; bezogen auf den F&ouml;rderverein der NachDenkSeiten IQM e.V. sind: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die erneute Pr&uuml;fung der satzungsm&auml;&szlig;igen Voraussetzungen f&uuml;hrte zu dem Ergebnis, dass die in der Satzung aufgef&uuml;hrte Zweckverwirklichung, das Betreiben einer Website, nicht geeignet ist einen gemeinn&uuml;tzigen Zweck zu verwirklichen. &hellip;<\/p>\n<p>Der Verein verfolgt mit dem Betrieb dieser Internetseite weder die Volksbildung noch einen anderen in &sect; 52 AO genannten gemeinn&uuml;tzigen Zweck. &hellip;<\/p>\n<p>Aus dem Themenspektrum der Website ist ersichtlich, dass mittels der eingestellten Artikel objektiv weder die Wissensvermittlung noch politische Bildungsaspekte im Sinne der gemeinn&uuml;tzigen Volksbildung prim&auml;r gef&ouml;rdert werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Anhang geben wir die gesamte Erl&auml;uterung zur Aufhebung der Gemeinn&uuml;tzigkeit wieder und empfehlen dieses Dokument Ihrer Aufmerksamkeit.<\/p><p>Der Hinweis darauf, mit den NachDenkSeiten w&uuml;rde nur eine Website betrieben und das Betreiben einer Website sei nicht geeignet, einen gemeinn&uuml;tzigen Zweck zu verwirklichen, zeugt davon, dass die Verfasser dieser Begr&uuml;ndung in einer anderen Welt leben. Websites sind heute bei sehr vielen Menschen die Basis und die Kernelemente ihrer Bildung und Willensbildung. Das mag man beklagen, aber es ist so.<\/p><p>Die Behauptung, aus dem &bdquo;Themenspektrum&ldquo; der NachDenkSeiten sei ersichtlich, dass &bdquo;mittels der eingestellten Artikel objektiv weder die Wissensvermittlung noch politische Bildungsaspekte im Sinne der gemeinn&uuml;tzigen Volksbildung gef&ouml;rdert&ldquo; werden, zeigt, dass die Verfasser dieser Behauptung die bisherige Leistung der NachDenkSeiten &uuml;berhaupt nicht kennen. Die NachDenkSeiten haben n&auml;mlich anders als viele andere Medien und oft im Konflikt mit ihnen richtig informiert und gewissenhaft analysiert. Die NachDenkSeiten haben in manchen f&uuml;r unsere Gesellschaft und Wirtschaft wichtigen Themenbereichen fundamentale Basisarbeit der Volksbildung geleistet. Das soll an sechs Beispielen gezeigt werden. Viele unserer Leserinnen und Leser werden sich an diese Beispiele erinnern. Sie werden wie wir erstaunt sein &uuml;ber die Feststellung der Finanzbeh&ouml;rde.<\/p><ol>\n<li><strong>Erster Beleg f&uuml;r eine umfassende und tiefgreifende Volksbildungsleistung der NachDenkSeiten: Die NachDenkSeiten haben den demographischen Wandel und seine Konsequenzen f&uuml;r die Regelung der Altersvorsorge von Anfang an differenziert und richtig beurteilt, und unentwegt dar&uuml;ber informiert.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die NachDenkSeiten haben den Monopolanspruch der neoliberalen Ideologie zur Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft und der damit verbundenen politischen Entscheidungen von Anfang an hinterfragt und insbesondere auf die nach wie vor gegebene Notwendigkeit hingewiesen, die vom britischen National&ouml;konomen Keynes empfohlenen makro&ouml;konomischen Instrumente einzusetzen.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Im Kontext mit 2. wurde auf den NachDenkSeiten von Beginn der sogenannten Reformpolitik an auf den Missbrauch des sch&ouml;nen Wortes Reform aufmerksam gemacht und eine um vieles differenziertere Betrachtung und Politik empfohlen. In unseren Reihen wurde die richtige Kennzeichnung der damaligen Reformpolitik gepr&auml;gt: Die Reforml&uuml;ge.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Die NachDenkSeiten haben die Agitation f&uuml;r die Privatisierung bisher &ouml;ffentlicher Leistungen analysiert und der Privatisierung aller Lebensbereiche widersprochen.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Auf den NachDenkSeiten wurden nie und auch nicht andeutungsweise dem Irrglauben gefolgt, Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Wir haben mit wiederkehrenden Hinweisen auf die sachliche Begr&uuml;ndung einer Politik der guten Nachbarschaft wirkliche Volksbildung betrieben.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Auf den NachDenkSeiten sind im Laufe der Zeit eine gro&szlig;e Zahl von Denkfehlern, die vor allem die wirtschaftspolitische Debatte pr&auml;gen, beschrieben und analysiert worden. Wo sonst fand diese grundlegende Volksbildung statt?<\/strong><\/li>\n<\/ol><p>Es folgt nun eine Darstellung der oben genannten sechs Belege f&uuml;r den Beitrag der NachDenkSeiten zur Volksbildung. Die Liste k&ouml;nnte ohne Schwierigkeiten sch&auml;tzungsweise auf 50 bis 100 erweitert werden. <\/p><p>Die gesamte Leistung der NachDenkSeiten vom Beginn am 30.11.2003 bis heute ist im Netz vorhanden und jedermann zug&auml;nglich. Wer sich &uuml;ber diese im Datenbestand enthaltene Volksbildungsleistung informieren will, die oder der braucht nur zur&uuml;ckzuscrollen, zu lesen und zu beobachten, und wird staunen, welch eine F&uuml;lle von Wissen, welch eine Leistung f&uuml;r Bildung und Volksbildung von der Redaktion und von vielen bekannten und unbekannten Gastautoren aufbereitet und zur Verf&uuml;gung gestellt worden ist.<\/p><p>Um es kurz zu sagen: Die NachDenkSeiten h&auml;tten eher das Bundesverdienstkreuz verdient als den Entzug der Gemeinn&uuml;tzigkeit.<\/p><p><strong>Nun also zu den Belegen f&uuml;r die Volksbildungsleistung der NachDenkSeiten:<\/strong><\/p><p><strong>1. Erster Beleg f&uuml;r eine umfassende und tiefgreifende Volksbildungsleistung der NachDenkSeiten: Die NachDenkSeiten haben den demographischen Wandel und seine Konsequenzen f&uuml;r die Regelung der Altersvorsorge von Anfang an differenziert und richtig beurteilt, und unentwegt dar&uuml;ber informiert.<\/strong><\/p><p>Schon im Vorfeld des Bundestagswahlkampfes 1998 war erkennbar, dass die Lobby der Versicherungswirtschaft und der Banken erkannt hatte, dass der demographische Wandel genutzt werden kann, um ein neues Gesch&auml;ftsfeld zu erschlie&szlig;en: die private Altersvorsorge, mit Steuergeldern subventioniert.<\/p><p>Damals erschien in deutschen Medien eine gro&szlig;e Zahl von gro&szlig;en Anzeigen, deren Hauptbotschaft war, dass der demographische Wandel mehr Privatvorsorge verlange und diese &ouml;ffentlich gef&ouml;rdert werden m&uuml;sse.<\/p><p>Diese Botschaft ist dann zu Beginn der Nuller-Jahre, also in der Zeit der Regierung Schr&ouml;der\/Riester, in vielen Artikeln und Sendungen propagiert worden. ZDF und ARD haben ganze Themen-Wochen mit dem Thema &bdquo;demographischer Wandel und Altersvorsorge&ldquo; gef&uuml;llt. Finanzdienstleister wie Carsten Maschmeyer und sogenannte Wissenschaftler wie Bert R&uuml;rup, Raffelh&uuml;schen, B&ouml;rsch-Supan und Meinhard Miegel haben sich &ndash; meist aus durchsichtigen Interessen &ndash; diesem Thema gewidmet. Maschmeyer und R&uuml;rup haben sogar eine Aktiengesellschaft zur Durchsetzung der von ihnen gef&ouml;rderten Interessen gegr&uuml;ndet. Das ist dann &ndash; viel zu sp&auml;t &ndash; <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/a-703595.html\">im Jahre 2010 sogar dem Manager Magazin aufgefallen<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<strong>Maschmeyer R&uuml;rup AG Die Weltverrenter<\/strong><\/p>\n<p>Carsten Maschmeyer und Bert R&uuml;rup sind das&nbsp;schillerndste Duo der deutschen Wirtschaft. Der Ex-AWD-Chef und der Ex-Wirtschaftsweise wollen mit ihrer Beraterfirma das deutsche Rentenkonzept als Blaupause gewinnbringend ins Ausland verkaufen &ndash; von der T&uuml;rkei &uuml;ber Russland bis nach China.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Zusammengefasst lautete die Botschaft der Vertreter der staatlich gef&ouml;rderten privaten Vorsorge:<\/strong><\/p><blockquote><p>\nWir werden immer weniger. Wir werden immer &auml;lter. Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr. Jetzt hilft nur noch private Vorsorge. Und diese muss mit Steuergeldern gef&ouml;rdert werden.\n<\/p><\/blockquote><p>Diese irref&uuml;hrende Volksbildung &ndash; man k&ouml;nnte sie auch Propaganda nennen &ndash; hatte praktische gesetzgeberische Konsequenzen: die Riester-Rente wurde eingef&uuml;hrt, au&szlig;erdem die sogenannte R&uuml;rup-Rente f&uuml;r die Besserverdienenden und dann auch noch die Entgeltumwandlung f&uuml;r vom Steuerzahler gef&ouml;rderte und von der Versicherungs- und Bankenwirtschaft organisierte betriebliche Altersvorsorge.<\/p><p>Die NachDenkSeiten &ndash; und im Vorfeld ihrer Gr&uuml;ndung auch der Initiator und Herausgeber der NachDenkSeiten &ndash; haben auf die Denkfehler und den propagandistischen Charakter dieser oben formulierten Hauptbotschaft rechtzeitig und intensiv hingewiesen. Wir haben vor allem aufgezeigt, dass sich mit der Privatisierung oder Teilprivatisierung der Gesetzlichen Altersvorsorge ja nichts an der demographischen Relation &auml;ndern wird. Wir haben darauf hingewiesen, dass die entscheidenden St&uuml;tzen des Funktionierens der Altersvorsorge auch in Zukunft die Entwicklung der Erwerbsquote und der Produktivit&auml;t sein werden und au&szlig;erdem es ja auch noch die Stellschrauben des Beitragssatzes gibt. <\/p><p>Die NachDenkSeiten haben damals konkret darauf hingewiesen, wie die Menschen betrogen worden sind. Ihnen ist zum Beispiel erz&auml;hlt worden, die Beitr&auml;ge zur Rentenversicherung w&uuml;rden stabil gehalten. Tats&auml;chlich mussten die Teilnehmer an der Privatvorsorge mindestens 4 Prozent ihres Lohns als Pr&auml;mie\/Beitrag f&uuml;r die private Riester-Rente bezahlen. Stattdessen h&auml;tte man den Rentenbeitrag f&uuml;r die Gesetzliche Rente ein bisschen, etwa um 1 oder 2 Punkte, erh&ouml;hen k&ouml;nnen und h&auml;tte damit eine h&ouml;here Leistungsf&auml;higkeit des Altersvorsorgesystems erzielt. Das w&auml;re deshalb mit einem geringen Beitragsaufwand m&ouml;glich gewesen, weil die Gesetzliche Rente mit Verwaltungskosten von maximal einem Prozent der Beitr&auml;ge betrieben wird, w&auml;hrend f&uuml;r die Riester-Rente und ihre Verwaltung und die Werbung und die Gewinne der Banken und Versicherungen 10 oder sogar 20 Prozent und mehr vom Beitragsaufkommen abgezweigt werden mussten und m&uuml;ssen. Schon deshalb war die Riester-Rente nicht leistungsf&auml;hig und am Ende ein peinlicher Flop. <\/p><p>Das sogenannte demographische Problem w&auml;re im Rahmen des gegebenen Systems der Gesetzlichen Altersvorsorge leichter und effizienter zu l&ouml;sen gewesen. <\/p><p><strong>Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten haben das lange vorher in dieser Website lesen k&ouml;nnen. Das war echte Volksbildung. <\/strong><\/p><p>Obwohl die Analysen klar und richtig und ehrlich waren, konnten wir uns gegen die massive Propaganda nicht durchsetzen. Die erw&auml;hnten Reformen wurden eingeleitet. Es war ein teures Experiment auf der Basis einer falschen, fehlgeleiteten Volksbildung durch die Hauptmedien, gef&ouml;rdert von gro&szlig;en Interessen und der Lobby. Soll das die gew&uuml;nschte Volksbildung sein?<\/p><p><strong>2. Zweiter Beleg f&uuml;r die Volksbildungsqualit&auml;t der NachDenkSeiten: Die NDS haben den Monopolanspruch der neoliberalen Ideologie zur Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft und der damit verbundenen politischen Entscheidungen von Anfang an hinterfragt und insbesondere auf die nach wie vor gegebene Notwendigkeit hingewiesen, die vom britischen National&ouml;konomen Keynes empfohlenen makro&ouml;konomischen Instrumente einzusetzen.<\/strong><\/p><p>Schon Mitte der siebziger Jahre begann in Deutschland und dar&uuml;ber hinaus eine eigenartige Diskussion &uuml;ber das angebliche Versagen der Keynesianischen Instrumente der Wirtschaftspolitik. Keynes is out &ndash; so lautete die Parole. Das war das Bekenntnis der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Lehre. Das war insofern besonders erstaunlich, als gerade in den siebziger Jahren in Deutschland zumindest mehrmals bewiesen worden ist, wie von den politisch Verantwortlichen mit Hilfe von Konjunkturprogrammen konjunkturelle T&auml;ler und Arbeitslosigkeit &uuml;berwunden werden konnten. Das galt zum Beispiel 1973\/1974 f&uuml;r die &Uuml;berwindung der gesamtwirtschaftlichen Folgen der ersten &Ouml;lpreisexplosion. Das galt 1975 und es galt kurze Zeit sp&auml;ter, als das sogenannte Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) beschlossen und umgesetzt wurde. Nachweisbar wurden damit hunderttausende von Arbeitspl&auml;tzen geschaffen. Aber das passte nicht ins Bild und deshalb wurden diese Erfahrungen beiseitegeschoben. Zum Beispiel hatte damals das ifo Institut in einem Gutachten zum ZIP festgestellt, es h&auml;tte 400.000 neue Arbeitspl&auml;tze gebracht. Dieses Gutachten ist heute nicht mehr auffindbar. Verschwunden, weil es nicht in die herrschende Linie passte.<\/p><p>Die NachDenkSeiten haben nach ihrer Gr&uuml;ndung immer wieder auf diese wichtigen Erfahrungen hingewiesen und haben mitgeholfen, die Tore f&uuml;r eine differenzierte vielf&auml;ltige Wirtschaftspolitik zu &ouml;ffnen. Dabei war es wichtig, Menschen von der Einsicht in die richtigen Zusammenh&auml;nge zu &uuml;berzeugen. Dabei war es wichtig, &uuml;ber schwierige wirtschaftliche Zusammenh&auml;nge aufzukl&auml;ren. Das war grundlegende Volksbildung, die von den NachDenkSeiten geleistet worden ist.<\/p><p>Heute ist die wirtschaftspolitische Debatte und auch die Wirtschaftspolitik in der Praxis wieder um vieles weniger doktrin&auml;r. Dass das so gekommen ist, ist auch ein Verdienst der NachDenkSeiten. Andere Medien haben sich sehr viel schwerer getan bei der &Uuml;berwindung der aus Interessengr&uuml;nden verbreiteten Vorurteile.<\/p><p><strong>3. Im Kontext mit 2. wurde auf den NachDenkSeiten von Beginn der sogenannten Reformpolitik an auf den Missbrauch des sch&ouml;nen Wortes &bdquo;Reform&ldquo; aufmerksam gemacht und eine um vieles differenziertere Betrachtung und Politik empfohlen. In unseren Reihen wurde die richtige Kennzeichnung der damaligen Reformpolitik gepr&auml;gt: Die Reforml&uuml;ge.<\/strong><\/p><p>Reformen waren in guten Zeiten immer Ver&auml;nderungen zugunsten der Mehrheit der V&ouml;lker. Ab Ende des letzten Jahrhunderts, also in Deutschland etwa ab 1998 und dann zu Beginn der Nuller-Jahre sind in Deutschland &bdquo;Reformen&ldquo; propagiert und durchgesetzt worden, die von der gro&szlig;en Mehrheit der Menschen eher Opfer verlangten als Gutes brachten. Zu diesem Zweck wurde eine F&uuml;lle von Fehlurteilen und Vorurteilen verbreitet. Die NachDenkSeiten haben diese gewissenhaft analysiert, beschrieben, konterkariert. Der Herausgeber der NachDenkSeiten hat parallel ein f&uuml;r diese Debatte wichtiges Werk geschrieben: &bdquo;Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren&ldquo; &ndash; erschienen bei Droemer im Jahr 2004, also im Jahr nach dem Start der NachDenkSeiten.<\/p><p>Wer sich in dieser Zeit gesellschaftlich und politisch fortbilden wollte, der fand damals in den NachDenkSeiten und ihren Betreibern verl&auml;ssliche Partner zur Volksbildung in Sachen Reform.<\/p><p><strong>4. Vierter Beleg: Die NachDenkSeiten haben die Agitation f&uuml;r die Privatisierung bisher &ouml;ffentlicher Leistungen analysiert und der Privatisierung aller Lebensbereiche widersprochen.<\/strong><\/p><p>Weil die Privatisierung meist mit einem ordentlichen Gesch&auml;ft verbunden war und deshalb die Motivation der Privatisierungsgewinner gro&szlig; und ihre Kassen meist gut gef&uuml;llt sind, erwies sich die Volksbildung und Aufkl&auml;rung zu diesen Vorg&auml;ngen als sehr schwierig. Es ist dennoch gelungen, einen weiten Kreis von Menschen so zu informieren und auszubilden, dass die Privatisierung aller Lebensbereiche nicht die volle Unterst&uuml;tzung fand. Das war Volksbildung im besten Sinne des Wortes.<\/p><p>Die Aufkl&auml;rungsarbeit hatte gelegentlich markante Erfolge. Zum Beispiel w&auml;re wahrscheinlich die Deutsche Bahn AG ohne den Widerstand volksbildender Personen und Gruppen komplett privatisiert worden. Und damit w&auml;re das Elend der Deutschen Bahn noch gr&ouml;&szlig;er als mit der jetzigen quasi Teil-Privatisierung. <\/p><p>Im konkreten Fall kam den NachDenkSeiten auch zugute, dass ich als Herausgeber und Autor in meiner fr&uuml;heren Funktion als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt intensiv erlebte und erfuhr, wie anders die sogenannte und geschm&auml;hte &bdquo;Beh&ouml;rdenbahn&ldquo; funktionierte &ndash; n&auml;mlich besser als heute im teilprivatisierten Zustand.<\/p><p><strong>5. Auf den NachDenkSeiten wurde nie und auch nicht andeutungsweise dem Irrglauben gefolgt, Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Wir haben mit wiederkehrenden Hinweisen auf die sachliche Begr&uuml;ndung einer Politik der guten Nachbarschaft wirkliche Volksbildung betrieben.<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass Deutschland nur einen guten Platz in Europa und in der Welt finden kann, wenn es die 1969 zum Durchbruch gekommene Politik des Sich Vertragens und der guten Nachbarschaft pflegt, f&ouml;rdert und wenn in internationalen Gespr&auml;chen und Verhandlungen dieser Art des politischen Zusammenlebens der V&ouml;lker das Wort geredet wird.<\/p><p>Friedenspolitik, also die Politik der guten Nachbarschaft, muss verstanden und unterst&uuml;tzt werden. Andernfalls neigen viele Menschen zum Mittel der Gewalt. Deshalb ist Volksbildung auf diesem Terrain ganz besonders wichtig.<\/p><p><strong>6. Auf den NachDenkSeiten sind im Laufe der Zeit eine gro&szlig;e Zahl von Denkfehlern, die vor allem die wirtschaftspolitische und gesellschaftspolitische Debatte pr&auml;gen, beschrieben und analysiert worden. Wo sonst fand diese grundlegende Volksbildung statt?<\/strong><\/p><p>Denkfehler zu kennen, zu begreifen und dar&uuml;ber zu informieren, ist ein wichtiger Weg und gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung zum eigenst&auml;ndigen Denken. Hier ein Auszug aus einer Liste von Denkfehlern, die auf den NachDenkSeiten und bei Bildungsveranstaltungen der NachDenkSeiten-Macher beschrieben und analysiert worden sind:<\/p><ul>\n<li>Die Globalisierung ist ein neues Ph&auml;nomen.<\/li>\n<li>Die Zeiten, als man aus dem Vollen sch&ouml;pfen konnte, sind vorbei<\/li>\n<li>Wir leben &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse<\/li>\n<li>Konjunkturprogramme sind Strohfeuer<\/li>\n<li>Wir leben vom Export<\/li>\n<li>Steigende Aktienkurse sind gut<\/li>\n<li>Die Lohnnebenkosten sind zu hoch<\/li>\n<li>Das Normalarbeitsverh&auml;ltnis ist ein Auslaufmodell<\/li>\n<li>Sozial ist, was Arbeit schafft <\/li>\n<li>usw.<\/li>\n<\/ul><p>In anderen Medien begegnet man oft Menschen, die diese und viele andere Vorurteile und Denkfehler teilen. Auch amtliche Papiere und Vorschl&auml;ge wie jene zur Agenda 2010 waren und sind voll davon. Die Redaktion der NachDenkSeiten ist von vornherein mit dem Willen angetreten, Denkfehlern nicht zu folgen, sondern ihnen zu widersprechen und sie zu diesem Zweck zu analysieren. Wahre Volksbildung.<\/p><p>Das waren sechs Belege aus dem &bdquo;Themenspektrum&ldquo; der NachDenkSeiten f&uuml;r wichtige Beitr&auml;ge dieses Mediums zur sogenannten Volksbildung. <\/p><p><strong>Bitte berichten Sie auch in Ihrem Umfeld, also in Ihrem Bekannten-, Familien- und Freundeskreis, &uuml;ber diese Vorg&auml;nge. Die Aberkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit des F&ouml;rdervereins der NachDenkSeiten ist ausgesprochen und aus vielerlei Gr&uuml;nden fragw&uuml;rdig. Das haben schon die oben beschriebenen sechs Belege gezeigt. Und das wird jede Leserin und jeder Leser erkennen, wenn sie auf unserer Seite zur&uuml;ckscrollen, im Idealfall bis zum 30. November 2003, dem Tag des Starts der NachDenkSeiten.<\/strong><\/p><p>Wir werden in der n&auml;chsten Zeit mit weiteren Belegen f&uuml;r die Volksbildungsleistung der NachDenkSeiten nachlegen.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Auszug aus dem Bescheid des Finanzamtes Landau zu Aberkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit des F&ouml;rdervereins der NachDenkSeiten IQM e.V. vom 24.10.2022<\/strong><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221125-Volksbildung.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221125-Volksbildung.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur wenige andere Medien haben in den letzten zwei Jahrzehnten so viel zur Volksbildung beigetragen wie die NachDenkSeiten. Sie sind ziemlich genau vor 19 Jahren, am 30. November 2003, an den Start gegangen. Und haben seitdem auf mehreren Feldern unseres Zusammenlebens Leistungen zur Aufkl&auml;rung und Volksbildung erbracht. Der Frage nach dem Engagement der NachDenkSeiten f&uuml;r<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90835\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":67522,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,35],"tags":[284,2013,2596,243,477,273,312],"class_list":["post-90835","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","tag-deregulierung","tag-entspannungspolitik","tag-gemeinnuetzigkeit","tag-in-eigener-sache","tag-keynesianismus","tag-privatvorsorge","tag-reformpolitik"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/nds.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90835","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=90835"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90835\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":90886,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/90835\/revisions\/90886"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/67522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=90835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=90835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=90835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}