{"id":90878,"date":"2022-11-27T11:45:26","date_gmt":"2022-11-27T10:45:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90878"},"modified":"2022-11-27T13:30:54","modified_gmt":"2022-11-27T12:30:54","slug":"prominente-stimmen-fuer-wiederbelebung-der-unasur-beste-plattform-fuer-integration-in-suedamerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90878","title":{"rendered":"Prominente Stimmen f\u00fcr Wiederbelebung der Unasur: \u201eBeste Plattform f\u00fcr Integration in S\u00fcdamerika\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine Gruppe hochrangiger lateinamerikanischer Politiker hat die amtierenden Pr&auml;sidenten S&uuml;damerikas aufgefordert, die Union S&uuml;damerikanischer Nationen (Unasur) wieder ins Leben zu rufen, die 2008 als regionales Integrationsgremium gegr&uuml;ndet wurde und ein Jahrzehnt sp&auml;ter nach einem politischen Rechtsruck in mehreren Mitgliedsstaaten einen deutlichen Niedergang erlebte. Guillaume Long, ehemaliger ecuadorianischer Au&szlig;enminister und Mitunterzeichner des Briefes, <a href=\"https:\/\/venezuelanalysis.com\/news\/15647\">erkl&auml;rte<\/a> gegen&uuml;ber Venezuelanalysis, dass die Bedingungen in S&uuml;damerika reif f&uuml;r die R&uuml;ckkehr der Unasur seien. Von <strong>Jos&eacute; Luis Granados Ceja<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Verfasser des offenen Briefes, zu denen unter anderem sieben ehemalige Pr&auml;sidenten, derzeitige und ehemalige Parlamentarier, ehemalige Au&szlig;enminister und Direktoren internationaler Organisationen geh&ouml;ren, appellierten eindringlich an die zw&ouml;lf&nbsp;politischen F&uuml;hrer der Region, angesichts des sich ver&auml;ndernden internationalen Klimas auf eine Integration hinzuarbeiten. Unter anderem hei&szlig;t es in dem Brief:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Ein integriertes, b&uuml;ndnisfreies und friedliches Lateinamerika wird internationales Ansehen zur&uuml;ckgewinnen und in der Lage sein, die Irrelevanz, in der wir uns befinden, zu &uuml;berwinden.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zur rechtlichen Lage erkl&auml;rt Guillaume Long:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Es ist rechtlich und juristisch absolut m&ouml;glich. (&hellip;) Es gibt keine Hindernisse; alles, was man braucht, ist der politische Wille, um die Unasur wiederzubeleben&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Der ehemalige Minister unter der linksgerichteten Regierung von Rafael Correa hat k&uuml;rzlich gemeinsam mit Natasha Su&ntilde;&eacute; einen Bericht f&uuml;r das Centre for Economic and Policy Research (CEPR) verfasst, in dem Wege zur Wiederbelebung der Unasur aufgezeigt werden.<\/p><p>Regionale Integration ist ein langj&auml;hriges Ziel von Politikern in ganz Lateinamerika und war eine Priorit&auml;t f&uuml;r die Regierung von Hugo Ch&aacute;vez in Venezuela. Die Bem&uuml;hungen um die Verwirklichung dieses Ziels erreichten 2004&nbsp; einen Meilenstein mit der Gr&uuml;ndung der S&uuml;damerikanischen Gemeinschaft der Nationen, die 2008 in Unasur umbenannt wurde und deren Gr&uuml;ndungsvertrag 2011 nach der Ratifizierung durch die Mitgliedsstaaten in Kraft treten sollte.<\/p><p>Long zufolge war Unasur im Gegensatz zu anderen regionalen Gremien von Anfang an als &ldquo;multidimensionaler Integrationsmechanismus&rdquo; mit R&auml;ten f&uuml;r Bereiche wie Energie, Infrastruktur oder Umwelt konzipiert und &auml;hnelt damit eher der Europ&auml;ischen Union als beispielsweise der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).<\/p><p>Neben der Entwicklung ihrer eigenen Institutionalit&auml;t spielte die regionale Organisation in den ersten Jahren eine Schl&uuml;sselrolle bei der Vermittlung von Problemen in der Region ohne die Einmischung der gr&ouml;&szlig;ten Macht der Region, der Vereinigten Staaten.<\/p><p>&ldquo;Unasur hat mehrere Krisen abgewendet, darunter innenpolitische Krisen und antidemokratische Versuche, Regierungen zu st&uuml;rzen. In einer Reihe von F&auml;llen hat sie sehr effizient gehandelt: in Bolivien 2008, in Ecuador 2010, aber auch in Venezuela 2013 &ndash; 2014&rdquo;, so Long gegen&uuml;ber Venezuelanalysis.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221115_Unasur_HQ.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221115_Unasur_HQ.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>Hauptgeb&auml;ude der Unasur in Quito, Ecuador &ndash; Shutterstock \/ JopsStock<\/small><\/p><p>Zwischen 2017 und 2019 musste die Organisation jedoch eine Reihe von R&uuml;ckschl&auml;gen hinnehmen. Diese waren&nbsp;Folge eines politischen Wandels in der Region, bei dem eine Reihe rechter, Washington-freundlicher Politiker ins Amt gew&auml;hlt wurden. Nachdem Ernesto Samper auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, konnten sich die Mitgliedsstaaten nicht auf einen neuen Generalsekret&auml;r einigen.<\/p><p>Die ausweglose Situation veranlasste sieben Regierungen, den Vertrag zu k&uuml;ndigen und die Organisation zwischen 2018 und 2020 zu verlassen. Die erste, die ihren Austritt ank&uuml;ndigte, war Kolumbien, damals unter der Pr&auml;sidentschaft von Iv&aacute;n Duque, dem Proteg&eacute; des ehemaligen rechtsextremen Pr&auml;sidenten &Aacute;lvaro Uribe. Duque erkl&auml;rte damals ausdr&uuml;cklich, er habe den Austritt wegen der &ldquo;Komplizenschaft&rdquo; der Organisation bei angeblichen &Uuml;bergriffen der venezolanischen Regierung beschlossen.<\/p><p>Auf den Austritt Kolumbiens folgten Brasilien, Ecuador, Argentinien und Uruguay, deren Staatsoberh&auml;upter engere Beziehungen zu Washington anstrebten, da US-Beamte darauf dr&auml;ngten, der OAS eine wichtigere Rolle in hemisph&auml;rischen Angelegenheiten zu sichern, einschlie&szlig;lich der Bem&uuml;hungen um einen Regimewechsel in Venezuela.<\/p><p>Brasilien verlie&szlig; die Organisation unter dem rechtsextremen Pr&auml;sidenten Jair Bolsonaro per Pr&auml;sidialdekret. Auch der ehemalige argentinische Pr&auml;sident Mauricio Macri verlie&szlig; die Unasur, ohne den Kongress des Landes einzubeziehen.<\/p><p>Seit ihrem Austritt haben sowohl Brasilien als auch Argentinien ihre rechtsgerichteten F&uuml;hrungen abgesetzt und Regierungen gew&auml;hlt, die der Teilnahme an regionalen Integrationsprojekten eher zugeneigt sind. Long hob die m&ouml;gliche Rolle Brasiliens hervor und erinnerte daran, dass die Integration &ldquo;immer ein brasilianisches geopolitisches Projekt&rdquo; gewesen sei.<\/p><p>Die R&uuml;ckkehr von Luiz In&aacute;cio &ldquo;Lula&rdquo; da Silva ins Pr&auml;sidentenamt gilt als gutes Zeichen. Im Wahlkampf sagte Lula, dass unter seiner Regierung den Beziehungen des Landes zu seinen Nachbarn wieder besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden w&uuml;rde.<\/p><p>Mehrere dem gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten nahestehende Personen haben erkl&auml;rt, dass die Wiederherstellung der regionalen Beziehungen eine Priorit&auml;t der neuen Regierung Lula sein sollte. Bei einem k&uuml;rzlichen Treffen der Puebla-Gruppe, in der mehrere fortschrittliche Politiker der Region vertreten sind, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2022\/11\/261139\/puebla-gruppe-tagte-kolumbien\">forderte<\/a> die ehemalige brasilianische Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff, die Unasur m&uuml;sse &ldquo;wieder aufgebaut&rdquo; werden.<\/p><p>Long vertrat ebenfalls die Ansicht, dass der kolumbianische Pr&auml;sident Gustavo Petro ein starker Verb&uuml;ndeter bei den Bem&uuml;hungen um eine Wiederbelebung des Gremiums sein w&uuml;rde:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Seine Au&szlig;enpolitik hat in den letzten Wochen gezeigt, wie sehr er zu einer Form der lateinamerikanischen Integration zur&uuml;ckkehren m&ouml;chte, und ich denke, dass die s&uuml;damerikanische Integration der Unasur nicht nur mit seinen Zielen vereinbar, sondern f&uuml;r sie sogar notwendig w&auml;re.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die formelle R&uuml;ckkehr Brasiliens, Argentiniens und Kolumbiens in die Unasur w&uuml;rde ihr Profil und ihren Bekanntheitsgrad wieder erh&ouml;hen.<\/p><p>Die Unasur hat dem CEPR-Bericht zufolge jedoch noch einen langen Weg vor sich. Long und Su&ntilde;&eacute; geben eine Reihe von Empfehlungen ab und schlagen bedeutende Reformen des Gr&uuml;ndungsvertrags vor, um die Fehler zu korrigieren, die zum Niedergang der Organisation gef&uuml;hrt haben.<\/p><p>Die Autoren des Schreibens sehen die Unasur als &ldquo;die beste Plattform, um einen Raum der Integration in S&uuml;damerika wiederherzustellen&rdquo;. Sie argumentieren weiter, dass angesichts der eskalierenden internationalen Bedrohungen und Destabilisierung ein regionaler Integrationsmechanismus dazu dienen w&uuml;rde, die Interessen S&uuml;damerikas besser zu sch&uuml;tzen. Diese Ansicht vertritt auch Long angesichts eines neuen &ldquo;Kalten Krieges&rdquo; zwischen den USA und China.<\/p><p>Titelfoto: shutterstock \/ GrAl<\/p><p>&Uuml;bersetzung: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/blog\/2022\/11\/261137\/lateinamerika-rueckkehr-unasur\">Amerika21<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90577\">&bdquo;Lateinamerika vereint&ldquo; &ndash; Neue Impulse f&uuml;r regionale Integration<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89874\">Stimmen aus Kuba: Kapitalismus, Unterentwicklung und das Ziel, beides zu &uuml;berwinden<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/e14ceb031efc4d0a9a480eba1e543645\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gruppe hochrangiger lateinamerikanischer Politiker hat die amtierenden Pr&auml;sidenten S&uuml;damerikas aufgefordert, die Union S&uuml;damerikanischer Nationen (Unasur) wieder ins Leben zu rufen, die 2008 als regionales Integrationsgremium gegr&uuml;ndet wurde und ein Jahrzehnt sp&auml;ter nach einem politischen Rechtsruck in mehreren Mitgliedsstaaten einen deutlichen Niedergang erlebte. 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