{"id":9097,"date":"2011-04-15T09:14:32","date_gmt":"2011-04-15T07:14:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9097"},"modified":"2014-08-13T16:00:38","modified_gmt":"2014-08-13T14:00:38","slug":"ein-verhangnisvoller-deal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9097","title":{"rendered":"Ein verh\u00e4ngnisvoller Deal"},"content":{"rendered":"<p>&Uuml;ber drei Billionen Euro Privatverm&ouml;gen werden in der Schweiz gebunkert. Sch&auml;tzungen gehen davon aus, dass 50% bis 70% dieses Geldes illegaler Herkunft sind. Ein dreistelliger Milliardenbetrag stammt von deutschen Steuerfl&uuml;chtlingen. Eine Studie der Bundesbank geht davon aus, dass 500 Milliarden Euro ohne Kenntnis des Fiskus im Ausland schlummern, ein Drittel davon in der Schweiz. Doch wer nun denkt, dass der deutsche Fiskus ein &uuml;berm&auml;&szlig;iges Interesse daran h&auml;tte, diese Straftaten zu ahnden, der irrt. Wie die Schweizer Nachrichtenagentur sda <a href=\"http:\/\/www.bluewin.ch\/de\/index.php\/24,397911\/Julius_B%C3%A4r_bezahlt_50_Mio._Euro_um_Steuerverfahren_abzuwenden\/de\/news\/wirtschaft\/sda\/\">meldet<\/a>, haben die deutschen Beh&ouml;rden hinter den Kulissen einen Deal mit dem Schweizer Bankhaus Julius B&auml;r abgeschlossen. Die Bank zahlt einmalig 50 Mio. Euro Bu&szlig;geld, daf&uuml;r stellen die Beh&ouml;rden die laufenden Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein. Das ist bereits skandal&ouml;s &ndash; vollends skandal&ouml;s wird dieser Deal allerdings, wenn man sich vor Augen h&auml;lt, dass der Whistleblower, der die Verfahren gegen Julius B&auml;r erm&ouml;glichte, seit Januar diesen Jahres ohne Verfahren und ohne Anklageerhebung in der Schweiz in Untersuchungshaft sitzt. Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Vorgeschichte: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/34\/34023\/1.html\">Whistleblower vor Gericht &ndash; die Rudolf-Elmer-Story<\/a><\/strong><\/p><p>Als der ehemalige Schweizer Banker Rudolf Elmer im Januar im feinen Londoner Frontline-Club unter dem Blitzlichtgewitter der Photographen Wikileaks-Sprecher Julian Assange eine CD &uuml;bergab, die angeblich die Bankdaten hunderter hochkar&auml;tiger Steuers&uuml;nder enthielt, l&ouml;ste dies offenbar bei einigen Superreichen die blanke Panik aus. Elmer war fr&uuml;her als leitender Manager des Bankhauses Julius B&auml;r f&uuml;r dessen Tochter im Steuerparadies Cayman Islands verantwortlich. Es liegt daher auf der Hand, dass die meisten deutschen Staatsb&uuml;rger, die sich seitdem durch Selbstanzeige den Steuerbeh&ouml;rden stellten, Kunden von Julius B&auml;r sind, die die ganz besonderen Dienste des Hauses in Anspruch nahmen. <\/p><p><strong>Steuerhinterziehung unter karibischer Sonne und Schweizer Aufsicht<\/strong><\/p><p>Wer sein Geld von einer Schweizer Bank &uuml;ber Trusts auf den Caymans anlegt, der tut dies nicht, um Risiken zu streuen oder weil er eine besondere Rendite erwartet. Im Gegenteil &ndash; die Mondpreise, die Banken und Anwaltskanzleien f&uuml;r ihre Dienstleistungen auf den Caymans verlangen, lassen nur den Schluss zu, dass der einzige Zweck solcher Modelle Steuerhinterziehung und Geldw&auml;sche sind. Ein solcher Trust ist eine Stiftung, die von einem Treuh&auml;nder (Anwalt) gef&uuml;hrt wird und bei der der Name des oder der &bdquo;Stifter&ldquo; nur dem Treuh&auml;nder selbst bekannt ist. Diese Trusts sind dann vollkommen legal, wenn der &bdquo;Stifter&ldquo; kein Geld aus ihnen abzieht &ndash; aber warum sollte man einen s&uuml;ndhaft teuren Trust auf den Caymans gr&uuml;nden, wenn man vorhat, das Geld wirklich zu stiften? F&uuml;r Schweizer Banken ist dies ein durchaus lukratives Gesch&auml;ft, wobei man jedoch erw&auml;hnen muss, dass die Praxis, nach der diese Banken vorgehen, sogar gegen Schweizer Gesetze verst&ouml;&szlig;t. <\/p><p>Eigentlich sollte der Staat f&uuml;r jeden B&uuml;rger, der ihm gerichtsfeste Beweise gegen einen Straft&auml;ter vorlegt, dankbar sein. Wenn neben der strafrechtlich relevanten Beweise auch noch Informationen ausgeh&auml;ndigt werden, mit denen der Staat einen Diebstahl an der Allgemeinheit (nichts anderes ist Steuerhinterziehung) in zwei- bis dreistelliger Millionenh&ouml;he ahnden kann, sollte der Informant nach gesundem Menschenverstand eigentlich mit den h&ouml;chsten Orden &uuml;berh&auml;uft werden. Die Realit&auml;t sieht jedoch anders aus. Der Informant Rudolf Elmer wurde zwei Tage nach der CD-&Uuml;bergabe im Frontline-Club von den Schweizer Beh&ouml;rden in Haft genommen und sitzt auch heute &ndash; drei Monate sp&auml;ter &ndash; noch im Gef&auml;ngnis. Da den Schweizer Beh&ouml;rden die CD &uuml;berhaupt nicht vorliegt handelt es sich hierbei um eine Haft ohne konkrete Anhaltspunkte. Als <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/unternehmen-und-konjunktur\/Warum-Elmer-in-UHaft-bleibt-\/story\/28032257\">Begr&uuml;ndung<\/a> f&uuml;hrt die Staatsanwaltschaft die angebliche Verdunklungsgefahr an &ndash; ein abstruser Vorwurf.<\/p><p><strong>Recht ohne Gerechtigkeit<\/strong><\/p><p>Die Daten, wegen der 150 deutsche Steuerbetr&uuml;ger Selbstanzeige <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/companiesNews\/idDEBEE73D0IM20110414\">erstatteten<\/a> stammen jedoch nicht von der WikiLeaks-CD, sondern wahrscheinlich von fr&uuml;heren Datens&auml;tzen, die &uuml;ber Rudolf Elmer an die deutschen Beh&ouml;rden gelangten. Wenn man die Erfahrungswerte zugrunde legt, werden die Steuerbetr&uuml;ger wegen ihrer Selbstanzeige wohl ohne Haftstrafen davonkommen. Die Bank Julius B&auml;r, ohne deren t&auml;tige Mithilfe diese Straftaten nicht h&auml;tten begangen werden k&ouml;nnen, hat sich mit einer l&auml;cherlich wirkenden Bu&szlig;geldzahlung vor weiterer Strafverfolgung freigekauft. Der Whistleblower, ohne dessen Zivilcourage diese Verbrechen &uuml;berhaupt nicht ans Licht gekommen w&auml;ren, sitzt im Gef&auml;ngnis, w&auml;hrend die Straft&auml;ter und deren Helfer mit einer Verwarnung davonkommen. <\/p><p>Nach der Bu&szlig;geldzahlung plant Julius B&auml;r derweil bereits den ganz gro&szlig;en Einstieg ins Deutschland-Gesch&auml;ft. In den n&auml;chsten vier Jahren will B&auml;r sein Deutschlandgesch&auml;ft verdreifachen und sich dabei das M&auml;ntelchen der Legalit&auml;t &uuml;berstreifen. Die Verhandlungen &uuml;ber ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem deutschen Finanzministerium und der Schweiz sind bereits fortgeschritten und sollen noch <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/unternehmen\/finanzdienstleister\/:steuerparadies-schweiz-25-prozent-fuer-steuerhinterzieher\/50197452.html\">in diesem Jahr abgeschlossen werden<\/a>. <\/p><p><strong>Die Kapitulation vor dem Verbrechen<\/strong><\/p><p>Um die Interessen der Schweizer Banken zu wahren, soll eine Abgeltungssteuer in H&ouml;he von 25% eingef&uuml;hrt werden, die auch r&uuml;ckwirkend gilt. Wenn sich die Schweizer Banken an die Gesetze halten, ziehen sie ihren deutschen Kunden diese 25% Abgeltungssteuer auf Zinsgewinne ab und <a href=\"http:\/\/steuergerechtigkeit.blogspot.com\/2010\/10\/steuerdeal-schweiz-deutschland.html\">&uuml;berweisen sie anonymisiert<\/a> an den deutschen Fiskus. Der deutsche Fiskus erh&auml;lt das Geld, wei&szlig; aber nicht, von wem es stammt. Aufgrund dieses offensichtlichen Informationsdefizits w&auml;re dann jedes Schweizer Konto legal &ndash; ob nun tats&auml;chlich Steuern abgef&uuml;hrt werden oder nicht. Und was, wenn die Banken sich nicht an die Gesetze halten? M&uuml;ssen sie dann auch wieder ein verschwindend geringes Bu&szlig;geld zahlen? F&uuml;r das lukrative Gesch&auml;ft mit den Cayman-Trusts w&auml;re das Abgeltungssteuermodell ohnehin keine Gefahr, da die &bdquo;Stifter&ldquo; den Banken offiziell gar nicht bekannt sind und Trusts, die aus einer Steueroase heraus operieren, weder in der Schweiz noch in Deutschland steuerpflichtig sind.<\/p><p>Wenn der Staat nur wollte, k&ouml;nnte er den Schweizer Banken-Banditismus (Jean Ziegler) ohne weiteres bek&auml;mpfen. Man m&uuml;sste die bereits vorhandenen Gesetze nur anwenden und mit angemessener H&auml;rte gegen die Mittelsm&auml;nner dieser organisierten Kriminalit&auml;t vorgehen. Wie das gehen kann, haben die US-Beh&ouml;rden im Fall UBS bewiesen. Nachdem Washington ank&uuml;ndigte, nicht nur Haftbefehle gegen Suballterne, sondern auch gegen den Bankvorstand <a href=\"http:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/Specials\/Bankgeheimnis_im_Kreuzfeuer\/News\/Steuerermittlungen_in_den_USA_die_Probleme_der_UBS.html?cid=630366\">auszustellen<\/a>, lenkten die Schweizer Banker ein, zahlten ein Bu&szlig;geld von 780 Millionen Dollar und <a href=\"http:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/Specials\/Bankgeheimnis_im_Kreuzfeuer\/News\/UBS_verzichtet_auf_Offshore-Banking_fuer_US-Buerger.html?cid=6807180\">verpflichteten sich<\/a>, keine Offshore-Dienstleistungen mehr f&uuml;r US-B&uuml;rger anzubieten, die unter das Schweizer Bankgeheimnis fallen. Warum geht so etwas nicht auch in Deutschland? Der j&uuml;ngste Deal mit Julius B&auml;r ist eine Kapitulationserkl&auml;rung vor dem organisierten Verbrechen mit wei&szlig;em Kragen.<\/p><p>Siehe dazu auch schon: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/20080331_steuerflucht_als_Kavaliersdelikt.pdf\">Steuerhinterflucht als Kavaliersdelikt [PDF &ndash; 23.6 KB]<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&Uuml;ber drei Billionen Euro Privatverm&ouml;gen werden in der Schweiz gebunkert. Sch&auml;tzungen gehen davon aus, dass 50% bis 70% dieses Geldes illegaler Herkunft sind. Ein dreistelliger Milliardenbetrag stammt von deutschen Steuerfl&uuml;chtlingen. Eine Studie der Bundesbank geht davon aus, dass 500 Milliarden Euro ohne Kenntnis des Fiskus im Ausland schlummern, ein Drittel davon in der Schweiz. 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