{"id":91252,"date":"2022-12-07T09:02:41","date_gmt":"2022-12-07T08:02:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91252"},"modified":"2022-12-07T11:06:28","modified_gmt":"2022-12-07T10:06:28","slug":"das-29-treffen-des-ministerrates-der-organisation-fuer-sicherheit-und-zusammenarbeit-in-europa-osze-ein-weiterer-schritt-in-die-bedeutungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91252","title":{"rendered":"Das 29. Treffen des Ministerrates der Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) &#8211; ein weiterer Schritt in die Bedeutungslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Anfang Dezember 2022 fand im polnischen Lodz das 29. Treffen des Ministerrates der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) statt. Polen, das 2022 turnusgem&auml;&szlig; die Pr&auml;sidentschaft innehat, verweigerte der russischen Delegation die erforderlichen Visa, sodass Au&szlig;enminister Lawrow und sein Team an der Zusammenkunft nicht teilnehmen konnten. Weil sich die teilnehmenden Staaten nicht einigen konnten, wurde auf eine gemeinsame Abschlusserkl&auml;rung verzichtet. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die OSZE<\/strong><\/p><p>Die Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist die weltweit gr&ouml;&szlig;te regionale Sicherheitsorganisation. Sie verf&uuml;gt &uuml;ber vier beschlussfassende Gremien, die auf verschiedenen politischen Ebenen zusammenkommen: Der Ministerrat tagt j&auml;hrlich in dem Land, das aktuell den Vorsitz innehat. Der St&auml;ndige Rat besteht aus den St&auml;ndigen Vertretern (Botschafterinnen und Botschaftern) bei der OSZE und tagt w&ouml;chentlich. Eine Sonderrolle nimmt das w&ouml;chentliche Forum f&uuml;r Sicherheitskooperation mit eigener Beschlusskompetenz in politisch-milit&auml;rischen Fragen ein. Das letzte Treffen der Staats- und Regierungschefs fand 2010 in Astana statt.<\/p><p>In den Gremien sind alle 57 Teilnehmerstaaten gleichberechtigt. Der amtierende Vorsitz (2022: Polen) tr&auml;gt die Verantwortung f&uuml;r exekutive Ma&szlig;nahmen. Unterst&uuml;tzung leisten der vorherige (2021: Schweden) und der folgende Vorsitz (2023: Nord Mazedonien), die zusammen mit dem amtierenden Vorsitz die sogenannte Troika bilden. Die Vorsitzreihenfolge ist nicht festgelegt. Die Generalsekret&auml;rin der OSZE (seit Dezember 2020 Helga Maria Schmid, Deutschland) unterst&uuml;tzt den Vorsitz und leitet das OSZE-Sekretariat.<\/p><p><strong>Mitgliedsstaaten<\/strong><\/p><p><\/p><center>\n<table>\n<colgroup>\n<col>\n<col>\n<col>\n<col>\n<col> <\/colgroup>\n<tbody>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Albanien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Georgien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Litauen<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Portugal<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">T&uuml;rkei<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Andorra<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Griechenland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Luxemburg<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Rum&auml;nien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Turkmenistan<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Armenien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Gro&szlig;britannien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Malta<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Russland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Ukraine<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Aserbaidschan<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Irland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Mazedonien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">San Marino<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Ungarn<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Belgien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Island<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Moldawien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Schweden<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">USA<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Bosnien-Herz.<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Italien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Monaco<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Schweiz<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Usbekistan<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Bulgarien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Kanada<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Mongolei<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Serbien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Vatikanstadt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">D&auml;nemark<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Kasachstan<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Montenegro<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Slowakei<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Wei&szlig;russland<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Deutschland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Kirgistan<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Niederlande<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Slowenien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Zypern<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Estland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Kroatien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Norwegen<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Spanien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Finnland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Lettland<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">&Ouml;sterreich<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Tadschikistan<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Frankreich<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Liechtenstein<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Polen<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\">Tschechien<\/td>\n<td bgcolor=\"#ffffcc\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><\/p><\/center><strong>Ablauf des Treffens und wesentliche Statements<\/strong><p>&Uuml;ber das Treffen wurde in den &bdquo;Leitmedien&ldquo; nicht im Detail berichtet, sodass nur wenige Stellungnahmen der teilnehmenden Staaten ver&ouml;ffentlicht wurden. Das Treffen wurde von Polens Au&szlig;enminister Zbigniew Rau er&ouml;ffnet, da sein Land aktuell den Vorsitz innehat. Der Krieg in der Ukraine war das beherrschende Thema des Treffens. Die Generalsekret&auml;rin der OSZE, Helga Schmid, stellte dazu fest, dass er &bdquo;verheerende Auswirkungen&ldquo; f&uuml;r die Organisation habe und warf Russland &bdquo;Verrat&ldquo; an den Prinzipien der OSZE vor.<\/p><p><strong>Die Vorsitzende der Parlamentarischen Versammlung, die Schwedin Margareta Cederfeld<\/strong><\/p><p>Die Vorsitzende der Parlamentarischen Versammlung, die Schwedin Margareta Cederfeld schloss sich dieser Einsch&auml;tzung an, indem sie u.a. sagte, <em>&bdquo;es sei noch nicht klar, wieviel Schaden die OSZE noch aushalten k&ouml;nne, bevor sie zerbr&ouml;selt.&ldquo;<\/em> Gleichzeitig stellte sie fest :<em>&bdquo;Wie sehr wir auch unterschiedliche Meinungen an diesem Tisch haben m&ouml;gen, ich bin &uuml;berzeugt, dass niemand sich ein Ende der OSZE w&uuml;nscht.&ldquo;<\/em><\/p><p>Dann ging sie sofort auf den Krieg in der Ukraine ein und erkl&auml;rte: <em>&bdquo;Jetzt ist es an der Zeit, die OSZE zu unterst&uuml;tzen und der Ukraine beizustehen.&ldquo; <\/em>Russland warf sie eine massive Verletzung der Schlussakte von Helsinki vor und sagte: <em>&bdquo;Russland hat den Krieg begonnen und muss daf&uuml;r bezahlen.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Der Spanier Josep Borrell, Hoher Vertreter der EU f&uuml;r Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik<\/strong><\/p><p>Der Spanier Josep Borrell, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hoher_Vertreter_der_EU_f%C3%BCr_Au%C3%9Fen-_und_Sicherheitspolitik\">Hoher Vertreter der EU f&uuml;r Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik<\/a>, erinnerte an die Schlussakte von Helsinki und erkl&auml;rte: <em>&bdquo;<\/em>1975 haben unsere Vorg&auml;nger die Schlussakte von Helsinki unterzeichnet und waren sich &uuml;ber folgende Prinzipien einig: Verzicht auf milit&auml;rische Gewalt, Anerkennung von Souver&auml;nit&auml;t und staatliche Integrit&auml;t, und Schutz von Menschenrechten und Freiz&uuml;gigkeit.&ldquo;<\/p><p>Er f&uuml;gte hinzu, dass Russland mit seinem Krieg in der Ukraine nicht nur gegen die Prinzipien der OSZE versto&szlig;en habe, sondern auch gegen die Charta von Paris und die der Vereinten Nationen. Weiter sagte er, dass Russland durch seinen Angriffskrieg die Sicherheit Europas zerst&ouml;rt habe. <em>(&bdquo;Russia&rsquo;s war of aggression has effectively destroyed the security in Europe.&ldquo;)<\/em><\/p><p>In diesem Zusammenhang warf Borrell Russland vor, Ossetien, Abchasien und Transnistrien zu destabilisieren. Er unterstrich die Verpflichtung der Europ&auml;ischen Union f&uuml;r die territoriale Integrit&auml;t, die Sicherheit und den Frieden der Ukraine und machte deutlich, welche Unterst&uuml;tzung die EU der Ukraine bislang geleistet habe und in 2023 noch leisten werde. Mit Blick auf Wei&szlig;russland forderte er Pr&auml;sident Lukaschenko auf, alle politischen Gefangenen freizulassen und freie Wahlen zu erm&ouml;glichen.<\/p><p><strong>Kirgisien und Kasachstan<\/strong><\/p><p>Bei den bekannt gewordenen Statements der teilnehmenden osteurop&auml;ischen\/asiatischen Staaten fiel auf, dass der Krieg in der Ukraine vielfach gar nicht erw&auml;hnt wurde, z.B. in der Erkl&auml;rung des stellvertretenden Au&szlig;enministers von Kirgisien, Aibek Moldogaziew, oder des stellvertretenden Premierministers und Au&szlig;enministers von Kasachstan, Mukhtar Tileuberdi. Dieser wies allgemein auf die komplexen geopolitischen Verh&auml;ltnisse hin und erkl&auml;rte bildlich, dass die L&auml;nder Stra&szlig;en und Br&uuml;cken bauen sollten statt W&auml;llen und Gr&auml;ben.<\/p><p><strong>Aserbaidschan<\/strong><\/p><p>Der Au&szlig;enminister von Aserbaidschan, Jeyhun Bayramov, verzichtete auf eine Erkl&auml;rung zum Ukraine-Krieg, sondern nutzte stattdessen die Gelegenheit, Armeniens aggressive Haltung gegen&uuml;ber Aserbaidschan zu verurteilen.<\/p><p><strong>Serbien<\/strong><\/p><p>Der serbische Au&szlig;enminister, Ivica Dacic, stellte Sinn und Zweck der OSZE infrage, indem er sagte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich denke, dass wir langsam an den Punkt kommen, ob eine Organisation noch Sinn macht, in der keine Entscheidung verbindlich ist beziehungsweise wegen der erforderlichen Einstimmigkeit &uuml;berhaupt keine Entscheidungen getroffen werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dann macht er einen Schwenk zum Thema Serbien und Kosovo und bezeichnet es als &bdquo;Doppelstandard&ldquo;, wenn man dem Kosovo, den er als integralen Teil Serbiens bezeichnet, die Eigenst&auml;ndigkeit zugestehe, Donezk und Krim aber nicht, weil das gegen die territoriale Integrit&auml;t der Ukraine versto&szlig;e.<\/p><p><strong>Wei&szlig;russland<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den am 26. November pl&ouml;tzlich verstorbenen wei&szlig;russischen Au&szlig;enminister Makei las der St&auml;ndige Vertreter Wei&szlig;russlands bei der OSZE dessen Statement vor. Er verglich die aktuelle Situation in Europa mit einem brennenden Haus und sagte, dieses Haus brenne nicht seit Februar dieses Jahres, sondern kokele seit Jahrzehnten und alle seien daf&uuml;r verantwortlich, dieses Feuer zu l&ouml;schen. Dass das nicht passiere, sei der Grund, warum die OSZE als politisches Forum f&uuml;r Dialog und gegenseitigen Respekt kaum noch atme.<em> <\/em>Viele Mitglieder der Organisation seien der Meinung, man k&ouml;nne das Feuer ganz einfach l&ouml;schen, indem man die Schuldigen identifiziere, dann d&auml;monisiere, isoliere und bestrafe. Das sei eine kurze Beschreibung der Haltung des Westens gegen&uuml;ber Russland und Wei&szlig;russland.<\/p><p>Als Beispiel f&uuml;r diese Haltung f&uuml;hrte er aus, dass der russische Au&szlig;enminister von diesem Treffen ausgeschlossen wurde, ebenso wie der Sekret&auml;r der Collective Security Treaty Organization (CSTO) als Beobachter des Meetings. Diese Praxis sei ein Zeichen von Angst und Schw&auml;che vor alternativen Standpunkten. Auf diese Weise sei der Ministerrat zu einem Forum f&uuml;r Propaganda geworden, aber die traurige Wahrheit sei, dass Propaganda kein Vertrauen wiederherstellen oder neue Br&uuml;cken der Verst&auml;ndigung bauen k&ouml;nne, um Zwietracht und Animosit&auml;ten in Europa zu beseitigen. Das k&ouml;nne nur Diplomatie. <\/p><p>Wei&szlig;russland glaubt, Europa k&ouml;nne noch zur&uuml;ck vor dem Abgrund einer drohenden globalen milit&auml;rischen Katastrophe. Man k&ouml;nne das Feuer eines Krieges in Europa stoppen<em>.<\/em> Dazu m&uuml;sse man die Vorstellung und Praxis von politischer, sozialer und kultureller &Uuml;berlegenheit aufgeben und au&szlig;erdem die Welt um uns herum in all ihrer Komplexit&auml;t und Unterschiedlichkeit mit Ernsthaftigkeit akzeptieren. Und er schloss sein Statement mit einem Appell:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Lassen Sie uns endlich die Diplomaten f&uuml;r die friedliche Zukunft unseres Kontinents einsetzen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Russland<\/strong><\/p><p>Unabh&auml;ngig von der Pressekonferenz, die der russische Au&szlig;enminister Lawrow praktisch parallel zum Treffen des Ministerrates in Moskau gegeben hat, gab der St&auml;ndige Vertreter Russlands bei der OSZE, Alexander Lukashevich, eine konziliantere Erkl&auml;rung auf dem Treffen ab, indem er sagte, dass Russland bereit sei, die Zusammenarbeit mit der OSZE wieder aufzunehmen, falls die &bdquo;russophobe Hysterie&ldquo; <em>(&bdquo;Russophobic hysteria&ldquo;)<\/em> beendet w&uuml;rde. (Russland blockiert aktuell durch sein Veto den Haushalt der OSZE.) Trotz der aktuellen Probleme glaube Russland an eine Zukunft der OSZE. Die Organisation habe immer noch eine Verpflichtung als Plattform f&uuml;r ebenb&uuml;rtigen und gegenseitigen Dialog und Zusammenarbeit. Daf&uuml;r m&uuml;sse eine neue Basis geschaffen werden, nachdem fr&uuml;here Ans&auml;tze sich selbst diskreditiert h&auml;tten.<\/p><p><strong>USA<\/strong><\/p><p>In Vertretung des US-amerikanischen Au&szlig;enministers Blinken, der wegen des Besuchs des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Emmanuel Macron in Washington geblieben war, nahm &bdquo;Under Secretary of State for Political Affairs&ldquo; Victoria Nuland an dem Treffen teil. Sie nahm Bezug auf das Statement des wei&szlig;russischen Vertreters und erkl&auml;rte, dass es einen klaren Weg gebe, das angesprochene Feuer zu l&ouml;schen, und zwar dadurch, dass Russland seinen b&ouml;sartigen Krieg gegen die Ukraine beende, seine milit&auml;rischen Angriffe und auch die b&ouml;sartigen Angriffe gegen die Zivilbev&ouml;lkerung, und Wei&szlig;russland aufh&ouml;re, als Plattform f&uuml;r derartige Angriffe zu agieren. <em>(&bdquo;With due respect to our Belarusian colleague, there is a very clear way to stop this fire, to stop it today, and that is for Russia to stop its vicious war against Ukraine, its military attacks, but also now its vicious attacks on civilians, and for Belarus to cease to be an enabling platform for those vicious attacks.&ldquo;)<\/em><\/p><p>Trotz all des Horrors in diesem Jahr seien Amerikaner Optimisten, und sie werde Lodz optimistischer verlassen als bei ihrer Ankunft, weil Putin damit gescheitert sei, die Ukraine und auch die OSZE zu zerbrechen. Im Gegenteil, diese Organisation habe, wie auch die UN, Nein gesagt zu Moskaus Bestrebungen, sie zu spalten, zu paralysieren und zu zerst&ouml;ren. Nach ihrer Erstarrung in den vergangenen Jahren sei die Organisation unter der F&uuml;hrung von Au&szlig;enminister Rau und Generalsekret&auml;rin Schmid st&auml;rker, flexibler und auch widerstandsf&auml;higer geworden. Es w&auml;ren neue Methoden geschaffen worden, die gemeinsamen Werte zu verteidigen wie Sicherheit, demokratische Institutionen und auch die Menschenrechte, besonders auch durch neue Aktivit&auml;ten in der Ukraine und das Unterst&uuml;tzungsprogramm f&uuml;r das Land. Bezugnehmend auf die Stellungnahmen der verschiedenen Staaten erkl&auml;rte die US-Vertreterin:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Diese Organisation ist sich einiger als je zuvor, weil wir verstanden haben, wie zerbrechlich Werte und Institutionen sind, f&uuml;r die wir so lange gearbeitet haben und wie sehr wir sicherstellen m&uuml;ssen, dass wir diese sch&uuml;tzen und verteidigen m&uuml;ssen und eine Organisation ben&ouml;tigen, die das f&uuml;r ihre B&uuml;rger sicherstellt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Deutschland<\/strong><\/p><p>Die deutsche Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock begann ihr Statement mit sehr pers&ouml;nlichen Worten gegen&uuml;ber dem polnischen Au&szlig;enminister Rau und der Generalsekret&auml;rin Helga Schmid, indem sie sagte:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Dieses Vorsitzjahr war mehr als schwer &ndash; aber es war auch noch nie so notwendig. Die Ukraine, Euer Nachbarland, lieber Zbigniew Rau, wurde am 24. Februar &uuml;berfallen. Seitdem erleben wir in der Ukraine einen brutalen Angriffskrieg, nicht nur auf die Infrastruktur, sondern gezielt auf die Zivilbev&ouml;lkerung.<\/em><\/p>\n<p><em>Mehr als 15 Millionen Menschen sind bis heute aus der Ukraine geflohen, die Mehrheit nach oder durch Polen. Und das Drehbuch ist klar: Es geht um die Zerst&ouml;rung der Ukraine als unabh&auml;ngiger Staat. Aber es geht auch um die Zerst&ouml;rung der europ&auml;ischen Friedensordnung, des internationalen Rechts und dieser unserer gemeinsamen Organisation, der OSZE. In dieser Lage hast Du, lieber Zbigniew Rau, hast Du, liebe Helga Schmid, die OSZE gef&uuml;hrt &ndash; als Inbegriff von kooperativer, wertebasierter Sicherheit. Ihr habt die Verpflichtungen aus Helsinki und Paris verteidigt, unsere Werte hoch- und das Leid der Menschen in der Ukraine im Fokus gehalten. Daf&uuml;r bin ich als deutsche Au&szlig;enministerin, daf&uuml;r ist mein Land, daf&uuml;r sind alle hier im Raum Euch sehr dankbar.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Im weiteren Verlauf ihres Statements sagte Frau Baerbock:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Wir haben uns entschieden &ndash; bei all unserer Unterschiedlichkeit &ndash; uns auf das zur&uuml;ckzubesinnen, was f&uuml;r diese Organisation und die Menschen in unserem gemeinsamen Europa am wichtigsten ist. Und das sind der Frieden, die Freiheit und die Menschenrechte. &hellip;Ein Staatspr&auml;sident mit seiner Regierung hat sich entschieden, Europa in Feuer und Flammen zu legen. Und es ist an diesem einen Mann, es ist an dieser einen Regierung, dieses brutale Feuer, den Angriff auf unsere gemeinsame Ordnung, endlich einzustellen&hellip;Wir haben uns gemeinsam daf&uuml;r entschieden &ndash; obwohl wir gerade unsere Freiheit und unseren Frieden verteidigen m&uuml;ssen &ndash; andere L&auml;nder, andere Regionen nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn es ist jetzt wichtig, dass unsere Arbeit gerade in Zentralasien verst&auml;rkt weitergef&uuml;hrt wird, dass die regionale Kooperation mit der OSZE dort ausgebaut wird &ndash; mit Blick auf Grenzsicherheit, die Bek&auml;mpfung von Drogen- und Waffenhandel und die Eind&auml;mmung der Klimakrise. Daher gilt es umso mehr, diese Arbeit gemeinsam auszubauen, weil wir erleben, dass Destabilisierung auch auf andere Regionen &uuml;bergreift. &hellip;Ich m&ouml;chte abschlie&szlig;end eine Frau zitieren, die eine der st&auml;rksten Freiheitsk&auml;mpferinnen in unserem gemeinsamen Europa ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Maria Kalesnikova hat gesagt: &bdquo;Freedom is worth fighting for&ldquo; &ndash; und deshalb k&auml;mpfen wir in der OSZE gemeinsam f&uuml;r Frieden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Mongolei<\/strong><\/p><p>Die Mongolei ist das j&uuml;ngste Mitglied der OSZE. Ihr Au&szlig;enminister Battsetseg Batmunkh gab der Zufriedenheit seines Landes Ausdruck, die Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedsstaaten weiterzuentwickeln. Er sprach besonders die wirtschaftlichen Aspekte an, nannte als gemeinsame Aufgabenbereiche aber auch Umwelt, Klimawandel, Kampf gegen die Korruption und Cyber-Sicherheit. Zum Krieg in der Ukraine nahm er keine Stellung.<\/p><p><strong>Schweiz<\/strong><\/p><p>Das einzige Land, das konkret Bezug nahm, wie man die aktuellen Probleme l&ouml;sen k&ouml;nnte, war die Schweiz im Rahmen des von ihr entwickelten Aktionsplans. Sie wurde repr&auml;sentiert durch ihre Au&szlig;enministerin Livia Leu. Sie wies auf eine in den vergangenen Jahren st&auml;ndig zunehmende Vertrauenskrise zwischen den Mitgliedsstaaten hin und machte besonders den russischen Angriffskrieg in der Ukraine f&uuml;r die Verhinderung gemeinsamer L&ouml;sungen verantwortlich. Trotzdem bliebe die OSZE relevant und deshalb werde die Schweiz die Organisation als ein wichtiges Instrument f&uuml;r die Verh&uuml;tung und L&ouml;sung von Konflikten in Europa weiterhin unterst&uuml;tzen. W&ouml;rtlich sagte Frau Leu: <em>&bdquo;Die Schweiz ist zuversichtlich, dass die OSZE auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird als ein regionaler Sicherheitsakteur und wertvolle Dialog-Plattform.&ldquo;<\/em><\/p><p>Sie betrachte die OSZE als einzige regionale Sicherheitsorganisation, die Ost und West zusammenbringe und auch in Zukunft eine f&uuml;hrende Rolle im Krisenmanagement in Europa &uuml;bernehmen werde. Die Schweiz habe im Januar 2022 einen Aktionsplan ins Leben gerufen, der relevant bliebe und unter dem Aspekt des Ukrainekriegs angepasst wurde. Als Beispiele nannte Frau Leu Experten-Teams f&uuml;r sogenannte &bdquo;fact-finding missions&ldquo;, um Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu untersuchen. Frau Leu begr&uuml;&szlig;te das Unterst&uuml;tzungsprogramm f&uuml;r die Ukraine, das eine weitere Pr&auml;senz der OSZE in dem Land erm&ouml;gliche.<\/p><p><strong>Ukraine<\/strong><\/p><p>Besonders umfassend wurde &uuml;ber das Statement des ukrainischen Au&szlig;enministers Dmytro Kuleba berichtet, das sich erwartungsgem&auml;&szlig; ausschlie&szlig;lich mit Russland besch&auml;ftigte. Kuleba bezeichnete den Krieg als &bdquo;Russlands v&ouml;lkerm&ouml;rderischer Angriffskrieg gegen die Ukraine&ldquo; und appellierte an die Teilnehmer des Treffens, dies als &bdquo;Genozid&ldquo; zu bezeichnen. Kuleba w&ouml;rtlich:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Daher rufe ich die Teilnehmerstaaten auf, dieses Verbrechen als V&ouml;lkermord anzuerkennen&ldquo;.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Weiterhin erg&auml;nzte er, dass die OSZE f&uuml;r einen dauerhaften Frieden einen Sieg der Ukraine und die Wiederherstellung ihrer international anerkannten Grenzen ben&ouml;tige. Dann f&uuml;hrte er den 10-Punkte-Plan von Pr&auml;sident Selensky aus:<\/p><ul>\n<li>radioaktive und nukleare Sicherheit;<\/li>\n<li>Ern&auml;hrungssicherheit;<\/li>\n<li>Energiesicherheit;<\/li>\n<li>Freilassung aller Gefangenen und Verschleppten;<\/li>\n<li>Implementierung der Umsetzung der Charta der Vereinten Nationen und Wiederherstellung der territorialen Integrit&auml;t der Ukraine;<\/li>\n<li>Abzug aller russischen Truppen und Einstellung aller Feindseligkeiten;<\/li>\n<li>Wiederherstellung der Rechtsordnung;<\/li>\n<li>Beseitigung der Umweltzerst&ouml;rung;<\/li>\n<li>Verh&uuml;tung von Eskalation;<\/li>\n<li>Versicherung des Kriegsendes (Confirmation of the end of the war).<\/li>\n<\/ul><p>Weil der russische Krieg weitreichende Konsequenzen und negative Auswirkungen auf die Sicherheit der ganzen Welt &uuml;ber die Ukraine und Europa hinaus habe, habe dieser Friedensplan das Potential f&uuml;r ein globales Format. Abschlie&szlig;end forderte Kuleba ein Sondertribunal f&uuml;r die Abarbeitung von Kriegsverbrechen.<\/p><p><strong>Abschlusserkl&auml;rung<\/strong><\/p><p>Die EU verfasste eine besonders umfangreiche Abschlusserkl&auml;rung, die sich ausschlie&szlig;lich auf den Krieg in der Ukraine bezog. Man bedankte sich bei den Ausrichtern des Treffens und machte deutlich, dass die &uuml;berwiegende Mehrzahl der Teilnehmerstaaten den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verurteilt habe. Man werde die Ukraine auch in Zukunft in allen Belangen unterst&uuml;tzen. Russland werde f&uuml;r all seine Verbrechen zur Verantwortung gezogen. Die EU wies darauf hin, dass es neben der Aggression in der Ukraine sowohl in Russland als auch in Wei&szlig;russland Repressionen gegen die Zivilbev&ouml;lkerung gebe.<\/p><p>Allen Einrichtungen der OSZE und ihren Partnern sicherte die EU ihre weitere Unterst&uuml;tzung zu und erkl&auml;rte, auch Mazedonien als n&auml;chsten Vorsitzenden des Ministerrates uneingeschr&auml;nkt zu unterst&uuml;tzen. Abschlie&szlig;end wies die EU in ihrer Abschlusserkl&auml;rung darauf hin, dass die aktuelle Krise nicht auf das Versagen der OSZE zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sei, sondern ausschlie&szlig;lich auf das verbrecherische Verhalten Russlands. Es liege an Russland, sein Verhalten zu &auml;ndern, beginnend damit, den Krieg zu beenden, bedingungslos seine Truppen und das gesamte milit&auml;rische Ger&auml;t innerhalb der international anerkannten Grenzen aus der Ukraine abzuziehen und seine internationalen Verpflichtungen zu erf&uuml;llen.<\/p><p>Nur wenn alle 57 Mitgliedsstaaten sich an die gemeinsamen Regeln hielten und sich den gemeinsamen Werten und Prinzipien verpflichtet f&uuml;hlten, k&ouml;nne eine gemeinsame unteilbare Sicherheit erreicht werden, basierend auf Vertrauen, Zusammenarbeit und Frieden.<\/p><p><strong>Begr&uuml;ndung der fehlenden Abschlusserkl&auml;rung der OSZE<\/strong><\/p><p>Die Au&szlig;enminister der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben sich vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht auf eine gemeinsame Resolution einigen k&ouml;nnen. Es habe daf&uuml;r keinen Konsens gegeben, sagte der OSZE-Vorsitzende, Polens Au&szlig;enminister Zbigniew Rau, zum Abschluss des Ministerrats in Lodz<em>. &bdquo;Es ist das schwierigste Jahr in der Geschichte der Organisation, der Grund daf&uuml;r ist bekannt&ldquo;,<\/em> sagte Rau in Anspielung auf den Krieg. Auch sei die Haltung der &uuml;berw&auml;ltigenden Mehrheit der Mitgliedsl&auml;nder zur russischen Aggression gegen die Ukraine bekannt. Es w&auml;re laut Rau aber sinnlos gewesen, nach einem generellen Abschlussdokument zu suchen, das keinen Bezug zur politischen Realit&auml;t gehabt h&auml;tte:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Das h&auml;tte der Glaubw&uuml;rdigkeit der Organisation nicht gen&uuml;tzt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Trotzdem werde die OSZE weiterhin als Forum zum Dialog ben&ouml;tigt, sagte Nord-Mazedoniens Au&szlig;enminister Bujar Osmani, der im kommenden Jahr den OSZE-Vorsitz von Rau &uuml;bernimmt. Die Organisation sei <em>&bdquo;weder gel&auml;hmt, im Koma oder tot<\/em>&ldquo;, sie habe vielmehr ihre Widerstandskraft in einer beispiellos schwierigen Zeit bewiesen.<\/p><p><strong>Die Pressekonferenz des russischen Au&szlig;enministers Sergey Lawrow in Moskau<\/strong><\/p><p>Die Darstellung des 29. Treffens des Ministerrates w&auml;re, ohne auf die Pressekonferenz des russischen Au&szlig;enministers einzugehen, nicht vollst&auml;ndig, weil er dort die Position Russlands verdeutlicht hat, die er sonst in Lodz vorgetragen h&auml;tte, wenn die polnische Regierung ihm und seiner Delegation ein Visum erteilt h&auml;tte.<\/p><p><strong>Lawrow zur Sicherheit Europas<\/strong><\/p><p>Parallel zum 29. Treffen des Ministerrates, an dem die russische Delegation unter F&uuml;hrung des russischen Au&szlig;enministers nicht teilnehmen konnte, weil Polen die erforderlichen Visa verweigert hatte, gab Au&szlig;enminister Lawrow in Moskau eine Pressekonferenz. Zun&auml;chst verurteilte er die polnische Entscheidung, der russischen Delegation die notwendigen Visa zu verweigern und nannte das eine &bdquo;bewusste Provokation&ldquo;. Nach einem Exkurs zur aus seiner Sicht inakzeptablen NATO-Osterweiterung<em> &ndash; &bdquo;NATO&rsquo;s expansion posed a threat to Russia, as the Alliance got too close to Russia&rsquo;s borders.&ldquo; (Die<\/em> NATO-Erweiterung bedrohe Russland dadurch, dass die Allianz zu nah an Russlands Grenze heranger&uuml;ckt sei.) &ndash; &auml;u&szlig;erte er sich umfassend zur OSZE. Er erkl&auml;rte, dass die OSZE geschaffen worden sei, um das Verh&auml;ltnis zwischen Ost und West zu beruhigen, dass aber die Dominanz des Westens dies verhindert habe. Die OSZE sei mittlerweile eine nebens&auml;chliche Organisation. Im letzten Jahr habe der schwedische Vorsitz das Begr&auml;bnis vorbereitet und in diesem Jahr habe Polen das Grab geschaufelt. <em>(&bdquo;Last year, the Swedes, as the chairman, prepared his funeral, and this year the Poles are digging the grave.&ldquo;)<\/em><\/p><p>Die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas sei darauf reduziert, von den USA vollst&auml;ndig kontrolliert zu werden. Der Westen versuche, eine Sicherheit ohne Russland und Wei&szlig;russland zu schaffen. Nat&uuml;rlich sei eine solche Sicherheitsarchitektur unm&ouml;glich, aber weil der Westen dies so wolle, m&uuml;ssten sich Russland und Wei&szlig;russland selbst um ihre Sicherheit k&uuml;mmern. Er glaube nicht, dass die fr&uuml;heren Beziehungen zwischen Russland und dem Westen in naher Zukunft wiederhergestellt werden k&ouml;nnten. Die OSZE sei gegr&uuml;ndet worden, damit jedermanns Stimme geh&ouml;rt werden k&ouml;nne und dass sich kein Land von diesem Prozess ausgeschlossen f&uuml;hle. Jetzt sei alles auf den Kopf gestellt worden. Der Westen arbeite exakt gegen das, wof&uuml;r die OSZE gegr&uuml;ndet worden sei. Mit Blick auf die EU meinte der russische Au&szlig;enminister, dass diese sich unter der Kontrolle der USA und der NATO bef&auml;nde. Auf die Frage von Journalisten, ob es die Chance g&auml;be, dass sich Russlands und Amerikas Pr&auml;sidenten und auch die beiden Au&szlig;enminister im n&auml;chsten Jahr treffen w&uuml;rden, zeigte sich Lawrow nicht optimistisch. Er habe zwar k&uuml;rzlich mit seinem US-amerikanischen Kollegen telefoniert, aber es g&auml;be keine ernsthaften Verhandlungen. Abschlie&szlig;end erkl&auml;rte Lawrow: Falls unsere westlichen Nachbarn und ehemaligen Partner irgendwann an einer gemeinsamen Arbeit f&uuml;r die europ&auml;ische Sicherheit interessiert sein sollten, werde das nicht einfach, sondern sehr viel schwerer sein, und die Frage w&uuml;rde sein, was mit der OSZE generell geschehen w&uuml;rde. Er unterstrich, dass eine neue Form von Zusammenarbeit vollst&auml;ndig auf eine neue Basis gestellt werden m&uuml;sse.<\/p><p><strong>Zusammenfassende Bewertung<\/strong><\/p><p>Es ist zweifellos ein Skandal, dass Polen der russischen Delegation keine Visa erteilt und damit ihre Teilnahme am Treffen des Ministerrates verhindert hat. Unklar ist, ob diese Ma&szlig;nahme ein polnischer Alleingang oder innerhalb der OSZE, zumindest mit der Troika, abgestimmt war. Es gibt in einer Organisation immer wieder Ereignisse und Handlungsweisen von Mitgliedsstaaten, die mit den Grunds&auml;tzen nicht vereinbar sind. Es muss allerdings bezweifelt werden, ob solche Probleme durch einen Ausschluss gel&ouml;st werden k&ouml;nnen. Zweifellos hat Russland mit seinem Krieg gegen die Ukraine fundamental nicht nur gegen das V&ouml;lkerrecht, sondern damit auch gegen die Prinzipien der OSZE versto&szlig;en, aber h&auml;tte man dann nicht auch die T&uuml;rkei wegen ihrer Luftangriffe in Syrien und im Irak oder auch Armenien und Aserbaidschan wegen ihres Krieges von dem Treffen ausschlie&szlig;en m&uuml;ssen?<\/p><p>Die Pflicht der OSZE ist es, internationale Differenzen vor allem auch zwischen West und Ost auszugleichen. Polen hat das anscheinend nicht verstanden, und damit hat die OSZE als Ganzes eine gro&szlig;e Chance f&uuml;r Gespr&auml;che mit Russland vertan.<\/p><p>Das Treffen in Lodz hat bez&uuml;glich des Ukrainekrieges die Differenzen zwischen den westlichen und &ouml;stlichen Mitgliedsstaaten aufgezeigt und gleichzeitig deutlich gemacht, dass die OSZE &uuml;berhaupt keinen L&ouml;sungsansatz hat, um dies zu &auml;ndern. Der Krieg in der Ukraine hat zwar das Treffen dominiert, aber keinerlei Initiativen erkennen lassen, wie man ihn beenden kann. Die ultimativen Forderungen des ukrainischen Au&szlig;enministers Kuleba, die er quasi als Friedensplan bezeichnet hat, gehen an der Realit&auml;t vollst&auml;ndig vorbei. Der Hinweis von Kuleba, dass dieser Plan aus seiner Sicht geeignet sei, weltweit vergleichbare Probleme zu l&ouml;sen, zeigt einmal mehr die vollst&auml;ndige Selbst&uuml;bersch&auml;tzung der ukrainischen F&uuml;hrung.<\/p><p>Die OSZE hat schon bei der Umsetzung des Minsk-Abkommens versagt und ist seit Kriegsbeginn praktisch in der Versenkung verschwunden. Dabei w&auml;re und ist eine Aufgabe der Organisation, als Mediator zu fungieren und die Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zu bringen.<\/p><p>Die Aussage von Victoria Nuland, <em>&bdquo;This Organization is more united than ever&ldquo;<\/em>, ist &uuml;berhaupt nicht nachvollziehbar. Vielmehr muss man sich wohl der Einsch&auml;tzung der Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung, der Schwedin Margareta Cederfeld, anschlie&szlig;en, als sie sagte, <em>&bdquo;es sei noch nicht klar, wieviel Schaden die OSZE noch aushalten k&ouml;nne, bevor sie zerbr&ouml;selt&ldquo;.<\/em><\/p><p>Die Tatsache, dass es der OSZE nicht einmal gelungen ist, nach dem Treffen eine gemeinsame Abschlusserkl&auml;rung zu verfassen, ist ein weiteres Indiz daf&uuml;r, dass die Organisation zur Bedeutungslosigkeit tendiert.<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Sodel Vladyslav<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88064\">Krieg in der Ukraine &ndash; Wo bleibt eigentlich die OSZE?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90138\">Gefangen &ndash; eine sehr lesenswerte Au&szlig;enperspektive eines ehemals ranghohen pakistanischen Milit&auml;rs und Diplomaten<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/2ffbb45f87fe42b5958d12ac1561d3fc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Dezember 2022 fand im polnischen Lodz das 29. Treffen des Ministerrates der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) statt. Polen, das 2022 turnusgem&auml;&szlig; die Pr&auml;sidentschaft innehat, verweigerte der russischen Delegation die erforderlichen Visa, sodass Au&szlig;enminister Lawrow und sein Team an der Zusammenkunft nicht teilnehmen konnten. 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