{"id":91500,"date":"2022-12-13T09:09:02","date_gmt":"2022-12-13T08:09:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91500"},"modified":"2022-12-13T10:31:20","modified_gmt":"2022-12-13T09:31:20","slug":"gute-geoelte-drehtuer-wie-die-finanzlobby-die-allgemeinheit-um-ihr-verdientes-und-erspartes-erleichtert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91500","title":{"rendered":"Gute ge\u00f6lte Dreht\u00fcr. Wie die Finanzlobby die Allgemeinheit um ihr Verdientes und Erspartes erleichtert."},"content":{"rendered":"<p>Walter Riester, &bdquo;Arbeiterf&uuml;hrer&ldquo; im Dienst der Versicherungswirtschaft, Sigmar Gabriel, T&uuml;rklopfer f&uuml;r die Deutsche Bank, Friedrich Merz, CDU-Chef mit BlackRocks Segen. Aber korrupt will trotzdem keiner sein. Eine Studie der B&uuml;rgerbewegung Finanzwende zeichnet ein erschreckendes Bild von der Einflussmacht der Finanzindustrie bei Gesetzgebung, politischer Landschaftspflege und medialer Massenmanipulation. Ein Beispiel unter vielen: &bdquo;Riestern lohnt sich&ldquo; &ndash; f&uuml;r die Allianz, Commerzbank und Carsten Maschmeyer. Der Kunde aber wird abgespeist, mit Miniertr&auml;gen, die die zahllosen Rentenk&uuml;rzungen nicht ann&auml;hernd kompensieren. Der Betrug hat System und nennt sich Umverteilung. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs war und ist eines der gr&ouml;&szlig;ten Umverteilungsman&ouml;ver der j&uuml;ngeren deutschen Geschichte: Man beraube die Menschen eines wachsenden Teils ihrer gesetzlichen Rentenanspr&uuml;che und n&ouml;tige sie, die entstehende L&uuml;cke mit einer privaten Altersvorsorge zu f&uuml;llen. Was 2002 unter dem Namen Riester-Rente ins Werk gesetzt wurde, hat Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern gigantische Profite beschert &ndash; &uuml;ppig subventioniert aus Steuergeldern. F&uuml;r die vielen Kleinsparer, die bei bis heute abgeschlossenen 16 Millionen Riester-Vertr&auml;gen auf die falschen Versprechungen hereingefallen sind, bleibt dagegen ein mithin mickriges Taschengeld h&auml;ngen oder sie machen sogar Miese, sofern sie die Kontrakte vorzeitig k&uuml;ndigen. Allemal verlustreich ist das Gesch&auml;ft f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Betroffenen, wenn man es mit den durch etliche Renten(k&uuml;rzungs)reformen verordneten Einbu&szlig;en bei den staatlichen Altersbez&uuml;gen aufrechnet. Aber genau darum ging es ja: Umverteilung.<\/p><p>Die B&uuml;rgerbewegung Finanzwende hat in der Vorwoche eine Studie zu Macht und Machenschaften der Finanzlobby in Deutschland vorgelegt, Titel: <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/wp-content\/uploads\/Finanzlobby_Im-Auftrag-des-Geldes.pdf\">&bdquo;Im Auftrag des Geldes&ldquo;<\/a>. Als eines von sieben Fallbeispielen beleuchtet die Untersuchung die Vor- und Begleitarbeiten der unter Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der (SPD) durchgesetzten Teilprivatisierung der Altersvorsorge, &uuml;ber die seinerzeit etwa die ABN Amro Bank jubelte, sie sei ein &bdquo;Segen f&uuml;r die Finanzbranche&ldquo;. Segensreich wirkte sich der Bruch mit der parit&auml;tisch finanzierten Rente auch f&uuml;r den Namensgeber Walter Riester aus, dem als damaligem Bundesarbeitsminister der Ruf eines &bdquo;gestandenen Sozialdemokraten&ldquo; und kampferprobten Gewerkschafters anhaftete. Das war freilich nur ein Teil der gro&szlig;angelegten T&auml;uschung, wonach es bei dem Projekt um die Interessen des &bdquo;kleinen Mannes&ldquo; gehe. &Uuml;berliefert ist dazu dieser Satz von Riester: &bdquo;Jede Rentnerin und jeder Rentner wird jetzt und in Zukunft <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/rentenreform-die-rente-ist-sicher-ganz-privat-793030.html\">mehr Rente<\/a> erhalten als nach altem Recht.&ldquo; <\/p><p><strong>&bdquo;Beispiel f&uuml;r politische Korruption&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wenigstens f&uuml;r sich selbst wurde die sch&ouml;ne Aussicht wahr. Nach Ende der rot-gr&uuml;nen Koalition kassierte Riester als einfacher Bundestagsabgeordneter mit die h&ouml;chsten Nebenverdienste im Parlament &ndash; vornehmlich als Referent f&uuml;r Finanzunternehmen. Und kaum aus dem Bundestag ausgeschieden, stieg er in den Aufsichtsrat des Finanzdienstleisters Union Asset Management Holding auf. Seine gesch&auml;ftlichen Verbindungen und die des fr&uuml;heren Wirtschaftsweisen Bert R&uuml;rup zum Finanzdienstleister AWD nannte Transparency International sp&auml;ter ein <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/unwuerdig-unanstaendig-11435021.html\">&bdquo;Beispiel f&uuml;r politische Korruption&ldquo;<\/a>. Davon gibt es etliche mehr. So zeigt die Analyse von Finanzwende auf, dass zum Zeitpunkt der Schr&ouml;der&rsquo;schen Rentenreform &bdquo;mehr als jeder zehnte&ldquo; Bundestagsabgeordnete mit der Finanzbranche &bdquo;verbandelt&ldquo; gewesen sei, &bdquo;ob als Aufsichtsratsmitglied, wegen einer vorherigen Berufs- oder einer Nebent&auml;tigkeit&ldquo;. Im Finanzausschuss war sogar &bdquo;fast jedes f&uuml;nfte Mitglied&ldquo; (18 Prozent) einem entsprechenden Unternehmen verbunden, darunter etwa der ehemalige Finanzstaatssekret&auml;r und CSU-Mann Hansgeorg Hauser. Er stand parallel zu seinem Mandat ab 2000 auf der Payroll der Commerzbank als &bdquo;Beauftragter des Vorstands (f&uuml;r) die Pflege der Beziehungen zu Politik, Parteien&ldquo;.  <\/p><p>&Uuml;berhaupt war die Riester-Z&auml;sur Resultat einer langj&auml;hrigen PR-Kampagne, in deren Mittelpunkt das Lamento &uuml;ber das umlagefinanzierte Rentensystem stand, das wegen der demographischen Umw&auml;lzungen angeblich nicht mehr zukunftsf&auml;hig und finanzierbar sei. Die Botschaft wurde den Menschen mit viel falscher Expertise und barer M&uuml;nze &uuml;ber Monate und Jahre in die K&ouml;pfe geh&auml;mmert. Wie die Rechercheabteilung von Finanzwende ermittelte, spendierte der Finanzsektor von 1998 bis 2002, also zwischen Ank&uuml;ndigung der Rentenprivatisierung und deren Inkrafttreten, 4,5 Millionen Euro an die Parteien &ndash; doppelt so viel wie in der vorangegangenen Legislaturperiode. Fast eine halbe Million Euro lie&szlig; allein die Allianz-Versicherung springen, bis heute einer der f&uuml;hrenden Anbieter von Riester-Produkten. Die beiden Haupteinfallstore f&uuml;r Lobbyisten waren das Arbeits- und das Finanzministerium unter Hans Eichel &ndash; noch so ein &bdquo;Sozialdemokrat&ldquo; &ndash; sp&auml;ter seien die Abgesandten der Wirtschaft &bdquo;in Anh&ouml;rungen, vertraulichen Hintergrundgespr&auml;chen und auf parlamentarischen Abenden&ldquo; aufgetaucht. <\/p><p><strong>Propaganda mit Mutter Beimer<\/strong><\/p><p>2003 sahen im &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen Millionen Zuschauer eine dreiteilige &bdquo;Dokumentation&ldquo;, die mit dem vermeintlichen &bdquo;M&auml;rchen von der sicheren Rente&ldquo; abrechnete und offen f&uuml;r die private Vorsorge warb, kofinanziert durch den neoliberalen Thinktank Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Selbst in der Familienserie Marienhof wurde die L&uuml;ge von der sicheren und profitablen Privatrente platziert, &bdquo;heimlich gekauft&ldquo; vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der bei einem Budget von j&auml;hrlich 15 Millionen Euro bis zu 150 Lobbyisten daf&uuml;r bezahlt, die Gesetzgeber im Bund auf Linie zu bringen. Zitat: &bdquo;Sie schwirren aus, um Abgeordnete, Regierungsmitglieder, Parteien und Mitarbeiter*innen in Abgeordnetenb&uuml;ros und Ministerien zu bearbeiten. Sie spannen Wissenschaftler*innen f&uuml;r ihre Zwecke ein, platzieren ihre Positionen in Massenmedien und versuchen, mit Bildungsmaterialien an Schulen junge Menschen in ihrem Sinne zu pr&auml;gen.&ldquo; Immerhin flog sp&auml;ter der Marienhof-Deal, welcher der ARD 200.000 Euro verschaffte, auf und der GDV wurde vom Deutschen Rat f&uuml;r Public Relations ger&uuml;gt. Das tat keinem weh und offenbarte r&uuml;ckblickend bestenfalls ein winziges Puzzleteilchen eines Riesenkomplotts, dessen Beteiligte und Profiteure aus Wirtschaft, Politik und Medien ansonsten unbehelligt blieben. <\/p><p>Aber trotz des ganzen Aufwands lief der Absatz an Riester-Kontrakten anfangs nur schleppend an. Deshalb wurde zwei Jahre sp&auml;ter mit der n&auml;chsten Gro&szlig;reform nachgeholfen. Dabei hob Rot-Gr&uuml;n sechs von elf Kriterien auf, die ein Finanzprodukt erf&uuml;llen musste, um als Riester-Rente durchzugehen und staatlich gef&ouml;rdert zu werden. Gesorgt wurde ferner daf&uuml;r, dass die Vermittler ihre Provisionen schneller erhielten, die nat&uuml;rlich stattlich ausfallen, wenn gem&auml;&szlig; Studie &bdquo;nahezu jeder vierte eingezahlte Euro in die Kosten&ldquo; flie&szlig;t. Und prompt brummte das Business und produzierte Empork&ouml;mmlinge wie den Finanzvermittler Carsten Maschmeyer, Gr&uuml;nder des Allgemeinen Wirtschaftsdiensts (AWD) und Schr&ouml;der-Intimus, dessen Kanzlerkandidatur er<br>\n1998 mit einer Anzeigenkampagne im Wert von 650.000 D-Mark pushte. Von l&auml;stigen Z&uuml;geln befreit gingen die von ihm schwerpunktm&auml;&szlig;ig vertriebenen Riester-Produkte ab 2005 richtig durch die Decke und machten ihn zum Multimilliard&auml;r, womit er gerne hausieren ging:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es ist jedoch so, als wenn wir auf einer &Ouml;lquelle sitzen. Sie ist angebohrt, sie ist riesig gro&szlig;, und sie wird sprudeln.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Und auch seine F&ouml;rderer lie&szlig; er nicht h&auml;ngen. Maschmeyer finanzierte Schr&ouml;ders Autobiographie, machte &bdquo;Rentenexperte&ldquo; R&uuml;rup zu seinem Kompagnon bei der Maschmeyer-R&uuml;rup-AG und lie&szlig; Riester lukrative Reden bei AWD-Events schwingen. <\/p><p><strong>Gesetze durchs Hintert&uuml;rchen<\/strong><\/p><p>Eine der wichtigsten und begehrtesten &bdquo;&Ouml;lquellen&ldquo; f&uuml;r alle Arten von Profitgeiern ist bekanntlich die Staatskasse, zum gro&szlig;en Teil gef&uuml;llt mit dem Geld der einfachen Steuerzahler. Nach Berechnungen der Studienautoren summieren sich allein die Sch&auml;den, die die Lobbyarbeit der Finanzindustrie gegen die &ndash; einstmals geplante &ndash; Finanztransaktionssteuer, gegen &ndash; einstmals geplante &ndash; h&ouml;here Eigenkapitalauflagen f&uuml;r Banken als Reaktion auf die Weltfinanzkrise von 2008 sowie im Kontext der CumEx-Schiebereien verursacht hat, auf mindestens 341 Milliarden Euro. Weil entsprechende Zahlen bei einer Vielzahl weiterer Skandale noch nicht vorliegen, &bdquo;d&uuml;rfte der finanzielle Gesamtschaden f&uuml;r Wirtschaft und Gesellschaft um ein Vielfaches h&ouml;her liegen&ldquo;, konstatieren die Autoren. &bdquo;Wenn eine Lobby derart unverfroren Gesetze und Regulierungsprozesse zum Schaden der Allgemeinheit beeinflussen kann, leidet darunter auch das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie&ldquo;, befand Daniel Mittler, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Finanzwende Recherche in einem <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/2022\/12\/09\/im-auftrag-des-geldes-neue-studie-gibt-erstmals-systematischen-einblick-in-auswirkung-und-arbeitsweise-der-finanzlobby-in-deutschland\/\">Pressestatement<\/a>. Es gebe &bdquo;eine gut ge&ouml;lte Dreht&uuml;r von der Politik in die Lobby und zur&uuml;ck&ldquo;, weshalb man zumindest teilweise von einem &bdquo;gekaperten Staat&ldquo; sprechen m&uuml;sse. <\/p><p>Die Analyse liefert hierf&uuml;r auf 120 Seiten umfangreiches Anschauungsmaterial und ist &auml;u&szlig;erst lesenswert. Man erf&auml;hrt zum Beispiel, dass die Deutsche Kreditbank (DKB) pro Jahr &bdquo;&uuml;ber 1.000 Gesetzesverfahren und politische Initiativen&ldquo; mit ihren Lobbyaktivit&auml;ten begleitet, oder wie sich &bdquo;Lobbys&ouml;ldner&ldquo; mieten lassen, also Agenturen, die im Auftrag von Unternehmen und Verb&auml;nden in Ministerien und Bundestag Klinken putzen. Man gewinnt Einblick in das Arsenal der Lobbytechniken: von klandestinen Gespr&auml;chsrunden mit Entscheidungstr&auml;gern, &uuml;ber Auftragsgutachten, gekaufte Wissenschaftler, Parteispenden, Sponsoring, irref&uuml;hrende Gemeinwohlrhetorik, Meinungsmache an Kitas und Schulen (&bdquo;Deep Lobbying&ldquo;) bis hin zu veritablen Gaunerst&uuml;cken. Ein solches waren die Vorg&auml;nge rund um das Sepa-Begleitgesetz zum europ&auml;ischen Zahlungsverkehr, das der Bundestag im November 2012 beschloss. Davor hatte der Branchenverband GDV mit einem F&uuml;nf-Punkte-Papier bei der Bundesanstalt f&uuml;r Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und im Finanzministerium f&uuml;r eine Ma&szlig;nahme lobbyiert, die es erm&ouml;glicht h&auml;tte, Sparern bestimmte Gewinne vorzuenthalten. Als sich der Gang der Dinge verz&ouml;gerte, wanderte das Rezept klammheimlich als Anhang in besagtes Sepa-Gesetz. Und h&auml;tte nicht der Bundesrat infolge der Proteste von Verbrauchersch&uuml;tzern die Sache gestoppt, w&auml;re der Schwindel gegl&uuml;ckt.  <\/p><p><strong>Einheitsfront der Einfl&uuml;sterer<\/strong><\/p><p>In der Regel f&uuml;hrt die Finanzlobby ihre Initiativen zum Erfolg, was sich schon durch ihre Omnipr&auml;senz erkl&auml;rt. Allein auf Bundesebene hat sie circa 1.500 Einflussagenten im Stall. Auf jeden im Finanzausschuss des Bundestages sitzenden Abgeordneten kommen rechnerisch 33 Influencer aus dem Geldbusiness, das sich deren Einsatz im Jahr 2000 gem&auml;&szlig; des schon vor zwei Jahren ver&ouml;ffentlichten Finanzwende-Reports <a href=\"https:\/\/www.finanzwende.de\/fileadmin\/user_upload\/Lobbyreport_Finanzwende.pdf\">&bdquo;Ungleiches Terrain&ldquo;<\/a> sch&auml;tzungsweise 200 Millionen Euro pro Jahr kosten lie&szlig;. Laut Lobbyregister des Bundestages (Stand November 2022) ist unter den 101 Organisationen mit den gr&ouml;&szlig;ten Lobbybudgets die Finanzbranche mit elf vertreten, danach folgt der Energiesektor mit neun und die Autoindustrie mit sechs Eintr&auml;gen. <\/p><p>Allerdings ziehen die einzelnen Wirtschaftssektoren immer h&auml;ufiger an einem Strang. Weil auch die Realwirtschaft durch den &bdquo;Trend der Finanzialisierung&ldquo; immer st&auml;rker der Logik des Finanzsektors unterworfen ist, hat sich laut Analyse eine &bdquo;Einheitsfront&ldquo; gebildet dergestalt, dass sich auch gro&szlig;e Konzerne des produzierenden Gewerbes bei Themen wie Finanztransaktionssteuer und h&ouml;here Eigenkapitalauflagen f&uuml;r Banken immer wieder auf die Seite der Finanzlobby schlagen. Selbst bei divergierenden Interessen entstehen mitunter solche Allianzen. So w&auml;ren nach dem Finanzcrash 2008 selbst Vertreter kleiner Geldinstitute gegen mehr Regulierung und h&ouml;here Eigenkapitalauflagen Sturm gelaufen, obwohl dies ihre Wettbewerbsnachteile verringert h&auml;tte. <\/p><p>Die tiefsten Abgr&uuml;nde macht die Studie da sichtbar, wo es &bdquo;pers&ouml;nlich&ldquo; wird, wo es um Dreht&uuml;ren, Nebeneink&uuml;nfte und geheime Kungeleien geht. Nach Recherchen der Initiative Abgeordnetenwatch.de hatten sich sogenannte Seitenwechsler in der abgelaufenen Legislaturperiode in nicht weniger als 509 F&auml;llen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihren Regierungsmitgliedern getroffen. Darunter Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der nun f&uuml;r die Allianz vorstellig wurde, oder der ehemalige CDU-Generalsekret&auml;r Peter Tauber, der f&uuml;r die Deutsche Verm&ouml;gensberatung und den Deutschen Unternehmensverband Verm&ouml;gensberatung (DUV) wirkt. <\/p><p><strong>Gescheitert &ndash; weiter Kasse machen<\/strong><\/p><p>Dabei sind das noch &bdquo;kleine Fische&ldquo;, verglichen mit einem Sigmar Gabriel oder Joschka Fischer (Gr&uuml;ne). Ersterer, einst SPD-Chef und Bundesau&szlig;enminister, sitzt seit 2020 im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. F&uuml;r die lobbyierte er 2020 per Direktdraht mit Merkel am Telefon und per E-Mail, damit die sich in Br&uuml;ssel f&uuml;r die Aussetzung der EU-Bankenabgabe starkmachen m&ouml;ge. Im Wortlaut: &bdquo;Ich bin ehrlich gesagt ziemlich froh, dass Sie gerade ,an Deck&rsquo; sind.&ldquo; Dagegen hatte er noch 2018 gegen&uuml;ber der Bild-Zeitung bemerkt: &bdquo;Man soll nicht an T&uuml;ren klopfen, hinter denen man selbst mal gesessen hat.&ldquo; Und Fischer? Der fr&uuml;here Au&szlig;enminister und Vizekanzler gr&uuml;ndete 2009 zusammen mit dem langj&auml;hrigen Pressesprecher der Gr&uuml;nen im Bundestag, Dietmar Huber, die Lobby- und Beratungsfirma Joschka Fischer and Company, die unter anderem im Dienst der Deutschen B&ouml;rse stand. Und dann ist da noch Friedrich Merz, der heute Chef der CDU und der Unionsfraktion im Bundestag ist und davor mal ganz vieles anderes war: Allein 2006 sa&szlig; er in acht Aufsichts-, Verwaltungs- und Beir&auml;ten. Bis 2021 war er Vizepr&auml;sident des Lobbyverbands &bdquo;Wirtschaftsrat der CDU&rdquo; und von 2016 bis 2020 Aufsichtsrat des US-Verm&ouml;gensverwalters BlackRock. <\/p><p>Apropos: F&uuml;r BlackRock, den weltweit gr&ouml;&szlig;ten Verm&ouml;gensverwalter, k&ouml;nnte k&uuml;nftig auch die von der Bundesregierung  geplante Aktienrente interessant werden. Die will Finanzminister Christian Lindner (FDP) nicht nur mit zehn, sondern schon bald <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/wirtschaft\/aktienrente-christian-lindner-milliarden-kapital-beitragssaetze-gesetzliche-rentenversicherung-91959741.html\">100 Milliarden Euro Kapital<\/a> best&uuml;cken. Damit die Ertr&auml;ge &bdquo;einen sp&uuml;rbaren Effekt auf die Stabilisierung der Rentenbeitr&auml;ge und des Rentenniveaus haben k&ouml;nnen&ldquo;. Das  wurde immer auch von der Riester-Rente behauptet. Heute ist sie als Ansparmodell f&uuml;rs Altenteil praktisch unbrauchbar. Und trotzdem findet das Treiben, das Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV) vor &uuml;ber zwei Jahren gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61094\">&bdquo;legalen Betrug mit staatlicher Unterst&uuml;tzung&rdquo;<\/a> brandmarkte, kein Ende. &bdquo;Das Scheitern der Riester-Rente als Symbol f&uuml;r das Versagen der Versicherungsbranche soll um jeden Preis verhindert werden&ldquo;, wird er in der Studie zitiert. Und was macht die Regierung: Zur &uuml;berf&auml;lligen Abschaffung des Modells findet sich im rot-gr&uuml;n-gelben Koalitionsvertrag kein Wort &ndash;  schon gar nicht im Fl&uuml;sterton.   <\/p><p>Titelbild: Anki Hoglund\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/1812e579f92b4c7eb2113e2c06867b7f\" alt=\"\" title=\"\" height=\"0\" width=\"0\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walter Riester, &bdquo;Arbeiterf&uuml;hrer&ldquo; im Dienst der Versicherungswirtschaft, Sigmar Gabriel, T&uuml;rklopfer f&uuml;r die Deutsche Bank, Friedrich Merz, CDU-Chef mit BlackRocks Segen. Aber korrupt will trotzdem keiner sein. Eine Studie der B&uuml;rgerbewegung Finanzwende zeichnet ein erschreckendes Bild von der Einflussmacht der Finanzindustrie bei Gesetzgebung, politischer Landschaftspflege und medialer Massenmanipulation. Ein Beispiel unter vielen: &bdquo;Riestern lohnt sich&ldquo; &ndash;<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91500\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":91501,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[130,127,85,40],"tags":[3147,3320,293,714,401,344,783,273,345,1609,346,411],"class_list":["post-91500","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drehtuer-politik-und-wirtschaft","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-pr","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","tag-aktienrente","tag-buergerbewegung-finanzwende","tag-finanzwirtschaft","tag-fischer-joschka","tag-gabriel-sigmar","tag-maschmeyer-carsten","tag-merz-friedrich","tag-privatvorsorge","tag-ruerup-bert","tag-rentenreform","tag-riester-walter","tag-schroeder-gerhard"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Shutterstock_594241916-1.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=91500"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91500\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91514,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91500\/revisions\/91514"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/91501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=91500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=91500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=91500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}