{"id":91515,"date":"2022-12-13T10:47:35","date_gmt":"2022-12-13T09:47:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91515"},"modified":"2022-12-13T12:20:53","modified_gmt":"2022-12-13T11:20:53","slug":"die-gezielte-beeinflussung-ein-brisantes-buch-ueber-methoden-politischer-propaganda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91515","title":{"rendered":"Die gezielte Beeinflussung &#8211; ein brisantes Buch \u00fcber Methoden politischer Propaganda"},"content":{"rendered":"<p>Die Meinungsmanipulation h&auml;lt die Menschen im Griff. Fast jeder hat eine Meinung, aber es fragt sich, wie sie zustande kommt. Dabei spielen die Medien eine Hauptrolle, sie bestimmen, was wie gewusst wird. Wer sie besitzt, hat die Deutungshoheit und verf&uuml;gt &uuml;ber die eigentliche Macht im Staat. Aber von ausschlaggebender Bedeutung ist, wer die Manipulatoren manipuliert beziehungsweise lenkt. Eine Buchbesprechung von <strong>Wolfgang Bittner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNun registrieren wir schon seit langem das, was der Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht M&uuml;ller, in seinem Buch &bdquo;<em>Glaube wenig, Hinterfrage alles, Denke selbst<\/em>&ldquo; in Vermeidung des Begriffs der Gleichschaltung aus der Nazi-Zeit &bdquo;Gleichrichtung&ldquo; genannt hat. Zeitweise ist zu bemerken, dass fast alle Medien zum selben Thema dieselben Meinungen vertreten, oft sogar wortgleich, wobei die verwendeten Begriffe offensichtlich vorgegeben sind.<\/p><p>Nicht selten scheint es so, als bez&ouml;gen Redaktionen, aber auch Politiker und Politikerinnen, ihre Informationen von dubiosen &bdquo;Service-Agenturen&ldquo;, die Regierungspropaganda betreiben, zumeist &uuml;bereinstimmend mit US-amerikanischen Interessen. Sehr deutlich wurde das in letzter Zeit bei Kommentaren zu Russland, China, Iran, Syrien, Venezuela und insbesondere bei Berichten von der &bdquo;Kriegsfront&ldquo; in der Ukraine.<\/p><p>Das alles ist von den B&uuml;rgern, den Medienkonsumenten, nur schwer zu durchschauen, vielen ist &uuml;berhaupt nicht bewusst, dass sie in ihrer Meinungsbildung manipuliert werden. An dieser Stelle setzt auch das soeben erschienene Buch &bdquo;Moderne Propaganda. 80 Methoden der Meinungslenkung&ldquo; an. Der Autor Johannes Menath (29) ist Chemieingenieur, nach eigenen Angaben parteilos, und hat zusammen mit Freunden eine &bdquo;Agora-Initiative&ldquo; gegr&uuml;ndet (Agora war der Marktplatz im antiken Athen), in der politische Themen diskutiert werden. Daraus entstand 2021 ein schmaler Band mit dem Titel &bdquo;Handbuch der &ouml;ffentlichen Meinung&ldquo;, der in Insiderkreisen Aufsehen erregte.<\/p><p>In dem <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/moderne-propaganda.html\">nun erschienenen Buch<\/a> geht Menath genauer auf Methoden der politischen Propaganda, also der &bdquo;gezielten Beeinflussung unseres Denkens, F&uuml;hlens und Handelns&ldquo; ein. &bdquo;Das Repertoire an Methoden ist enorm, die Meinungslenkung als solche bei vielen Formen aber nur schwer zu entlarven&ldquo;, hei&szlig;t es im Klappentext. Propaganda zu durchschauen und sie damit ihrer &bdquo;Wirkmacht&ldquo; zu entziehen, ist ein Anliegen des &uuml;bersichtlich gegliederten, auch f&uuml;r weniger politisch informierte Menschen gut lesbaren Buches.<\/p><p>In seiner Einleitung schreibt Menath: &bdquo; Die Massenkommunikation entfesselt mithilfe der Instrumentalisierung psychologischer Effekte eine Gewalt, die f&uuml;r denjenigen unsichtbar bleibt, der in ihrem Bann steht.&ldquo; Er stellt die hochaktuelle Frage: &bdquo;Wie bringt man die Bev&ouml;lkerung eines Landes dazu, in einen Krieg zu ziehen, den sie eigentlich nicht will? Wie bringt man sie dazu, ein Ziel zu verfolgen, das gegen ihre fundamentalen Interessen verst&ouml;&szlig;t?&ldquo; Seine Antwort lautet: &bdquo;Eine unsichtbare Wolke k&uuml;nstlicher Emotionen, Meinungen, Propaganda kann Weltanschauungen verbreiten. Gehorsam oder Revolutionen erzeugen, Kriegen zum Ausbruch verhelfen und sie beenden, Politiker st&uuml;rzen &ndash; oder zu Staatsoberh&auml;uptern machen.&ldquo;<\/p><p>Im Folgenden stellt Menath 80 Methoden der Meinungslenkung und -bildung vor. Dass er dabei zumeist von wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgeht, sich dementsprechend in seinen Ausf&uuml;hrungen h&auml;ufig neutral verh&auml;lt, wird gleich zu Anfang in den Kapiteln &bdquo;Framing und &bdquo;Monopolisierung&ldquo; deutlich. Zum Beispiel geht er darauf ein, &bdquo;dass Kriege oft damit begr&uuml;ndet werden, man m&uuml;sse den Menschen des Landes, gegen das man Krieg f&uuml;hrt, &sbquo;helfen&lsquo;, man m&uuml;sse ihnen &sbquo;Freiheit und Demokratie bringen&lsquo;&ldquo;.<\/p><p>Obwohl die USA an dieser Stelle nicht genannt werden, ist nat&uuml;rlich v&ouml;llig klar, wo der &bdquo;Deutungsrahmen, der hier erzeugt wird&ldquo;, zum Tragen kommt, n&auml;mlich in der seit jeher praktizierten Destabilisierungspolitik und der Kriegsf&uuml;hrung der Supermacht, von der die meisten Konflikte der vergangenen Jahrzehnte verursacht worden sind.<\/p><p>In gleicher Weise verf&auml;hrt der Autor, wenn er zur Monopolisierung bestimmter Sachverhalte schreibt: &bdquo;Wird ein Thema jedoch stets auf ein und dieselbe Art und Weise pr&auml;sentiert, verleitet das zu dem Schluss, es handle sich um die alleinige Wahrheit, und es suggeriert, dass derjenige doch verr&uuml;ckt sein muss, der eine andere Ansicht vertritt.&ldquo; Dies f&uuml;hre dazu, &bdquo;dass kritisch denkende Menschen zu Au&szlig;enseitern abgestempelt werden, sobald sie ihren Standpunkt &auml;u&szlig;ern&ldquo;.<\/p><p>Folglich hielten sich viele mit ihrer Meinung und ihren Erkenntnissen zur&uuml;ck und setzten damit eine &bdquo;Schweigespirale&ldquo; in Gang, einen &bdquo;Teufelskreis aus einseitiger Berichterstattung und immer gr&ouml;&szlig;er werdender Angst, sich abweichend zum Meinungsmonopol zu &auml;u&szlig;ern&ldquo;. Das unterbinde jeden politischen Diskurs, so Menath. &bdquo;Die Medien sind zum einzigen Organ geworden, das die &ouml;ffentliche Meinung bestimmt.&ldquo;<\/p><p>Auch wenn hier nicht der Umgang mit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg thematisiert wird, ist unmittelbar einsichtig, was gemeint ist. Aber die Schlussfolgerung &uuml;berl&auml;sst Menath &ndash; ebenso wie beim Deutungsrahmen &bdquo;Krieg f&uuml;r die Menschenrechte&ldquo; &ndash; den Lesern. Das kann als Plus des Buches gewertet werden, erm&ouml;glicht es doch voreingenommenen Lesern gerade bei diesen umstrittenen Themen zu eigenen &Uuml;berlegungen zu kommen, eventuell sogar dazu, f&uuml;r sich die gegenw&auml;rtige politische Situation zu analysieren &ndash; eine bemerkenswerte Strategie, die aufgehen k&ouml;nnte. Der Autor referiert die Methoden der Meinungslenkung, ohne konkret auf die politische Realit&auml;t einzugehen, doch diese tritt immer wieder unmissverst&auml;ndlich hervor.<\/p><p>Wenn Menath auf die Steuerung der &ouml;ffentlichen Meinung durch L&uuml;ge, Verschweigen oder Inszenierung von Scheindebatten eingeht, gibt er dann doch konkrete Beispiele wie den Eintritt in den Irakkrieg und den Sturz der sandinistischen Regierung von Nicaragua. Er nennt die Reizw&ouml;rter in der Berichterstattung, die beim Publikum negative emotionale Reaktionen hervorrufen, zum Beispiel &bdquo;Regime&ldquo;, &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;, &bdquo;Gutmensch&ldquo; oder &bdquo;Wutb&uuml;rger&ldquo;. Widerst&auml;ndige Politiker werden d&auml;monisiert und als &bdquo;Teufel in Person&ldquo; dargestellt, so Milosevic, Gaddafi, Saddam Hussein oder Assad, andere werden hofiert.<\/p><p>Wie Protestbewegungen zum Verstummen gebracht werden k&ouml;nnen, beschreibt Menath in dem Kapitel &bdquo;Demontage mithilfe der Mohawk-Valley-Formel&ldquo;, einer Methode von 1937, um den Willen streikender Arbeiter zu brechen (worauf Noam Chomsky in seinem Buch &bdquo;Media Control&ldquo; eingeht):<\/p><blockquote><p>&bdquo;Zuerst muss man Propaganda verbreiten, welche die protestierende Gruppe als Feind der Ordnung brandmarkt und zum Au&szlig;enseiter erkl&auml;rt. Dann ist ein Kreis aus einflussreichen und prominenten Personen zu bilden, der sich gegen die Demonstranten wendet, w&auml;hrend diese gleichzeitig mit massiver Polizeigewalt eingesch&uuml;chtert werden. Im n&auml;chsten Schritt gr&uuml;ndet man eine Gegenbewegung &hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Wem f&auml;llt da nicht sofort die hasserf&uuml;llte Propaganda gegen die Querdenker-Bewegung ein? Organisatoren und Redner wurden durch Einsch&uuml;chterung, Rufsch&auml;digung und juristischen Druck &bdquo;ausgeschaltet&ldquo;, einzelne Gruppen durch Unterwanderung gezielt zersetzt. Auf diese Weise gehen Verwaltungsbeh&ouml;rden, Polizei, Justiz und Geheimdienste gegen B&uuml;rger vor, die berechtigte, aber von der Obrigkeit nicht akzeptierte Anliegen vertreten.<\/p><p>Auch kritische Autoren und Autorinnen k&ouml;nnen ohne viel Aufhebens mundtot gemacht werden, indem man sie verschweigt, boykottiert, diskreditiert oder daf&uuml;r sorgt, dass ihre B&uuml;cher im Handel &bdquo;ausgelistet&ldquo; werden. Sind sie bereits popul&auml;r, wird auf ihre &bdquo;Gef&auml;hrlichkeit&ldquo; hingewiesen, anstatt sich mit den Inhalten ihrer B&uuml;cher auseinanderzusetzen.<\/p><p>Menath nennt weitere Methoden, die vermehrt eingesetzt werden: Zensur, Desinformation, Diffamierung oder auch &bdquo;Kanalisierung&ldquo;, indem man &bdquo;den politischen Gegner dazu bringt, dass er von seinen Kernthemen abr&uuml;ckt, bei Linken etwa weg von der Globalisierungskritik, um sich stattdessen Geschlechterfragen oder dem Umweltaktivismus zuzuwenden &hellip;&ldquo;<\/p><p>Besonders effektiv in der Meinungsmanipulation ist die verdeckte Form von Propaganda durch scheinbar unabh&auml;ngige Medien, die eine einhellige Meinung pr&auml;sentieren, zum Beispiel staatlicher oder einflussreicher privater Stellen, was nicht ohne Weiteres erkennbar ist. Damit hat tagt&auml;glich zu tun, wer das Radio anstellt, ins Fernsehen oder in die ma&szlig;gebenden Zeitungen schaut. Nicht selten wird eine Realit&auml;t vorgespiegelt, die es nicht gibt. Und das hat dazu gef&uuml;hrt, dass viele Menschen aufgrund der Informationsschwemme und Reiz&uuml;berflutung nicht mehr unterscheiden k&ouml;nnen, was richtig und falsch, was wahr oder gelogen ist.<\/p><p>Zu dieser gegenw&auml;rtigen gesellschaftlichen Situation greift Menath auf ein Goethe-Zitat zur&uuml;ck: &bdquo;Niemand ist mehr Sklave, als der sich f&uuml;r frei h&auml;lt, ohne es zu sein.&ldquo; Er pl&auml;diert f&uuml;r Aufkl&auml;rung und Bildung, &bdquo;gerade auch in Hinblick auf Faktoren, die unsere Psyche beeinflussen&ldquo;, denn &bdquo;jede Demokratie ist nur so stark wie das souver&auml;ne Bewusstsein der W&auml;hler&ldquo;. Er betont: &bdquo;Wer ein Gesp&uuml;r f&uuml;r die Empfindlichkeit von Meinungsbildungsprozessen besitzt und demokratiegef&auml;hrdenden Tendenzen in seinem Land etwas entgegensetzen m&ouml;chte, der muss selbst aktiv werden&ldquo;, vor allem &bdquo;einen Weg zur mentalen Befreiung finden&ldquo;.<\/p><p>Alles in allem hat Johannes Menath ein Standardwerk zur Meinungslenkung verfasst, dem eine breite Leserschaft zu w&uuml;nschen ist. Und dem Verleger des zeitgeist Verlags, Thomas R&ouml;ttcher, ist zu danken, dass er wieder ein durchaus brisantes Buch ver&ouml;ffentlicht hat, was in der Verlagsbranche schon l&auml;nger keine Selbstverst&auml;ndlichkeit mehr ist.<\/p><p><em>Johannes Menath, &bdquo;Moderne Propaganda. 80 Methoden der Meinungslenkung&ldquo;, zeitgeist, H&ouml;hr-Grenzhausen 2022, 160 S., TB, 16,90 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meinungsmanipulation h&auml;lt die Menschen im Griff. 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