{"id":91654,"date":"2022-12-27T11:45:23","date_gmt":"2022-12-27T10:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91654"},"modified":"2023-01-04T10:39:39","modified_gmt":"2023-01-04T09:39:39","slug":"was-ist-mit-der-faschistischen-gefahr-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91654","title":{"rendered":"Was ist mit der faschistischen Gefahr? (2\/2)"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag versucht, mit dem Wissen der letzten 50 Jahre einen Ausblick zu wagen. Wie steht es um die Demokratie? Wieviel davon bleibt uns? Mit was m&uuml;ssen wir rechnen? &Uuml;ber welche Entt&auml;uschungen m&uuml;ssen wir sprechen? Was m&uuml;ssen wir zusammen tun? Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2166\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-91654-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221226_Was_ist_mit_der_faschistischen_Gefahr_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221226_Was_ist_mit_der_faschistischen_Gefahr_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221226_Was_ist_mit_der_faschistischen_Gefahr_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221226_Was_ist_mit_der_faschistischen_Gefahr_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=91654-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221226_Was_ist_mit_der_faschistischen_Gefahr_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221226_Was_ist_mit_der_faschistischen_Gefahr_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Dieser Artikel war zwischendurch nicht mehr abrufbar, weil es einer kritischen Anmerkung bedurfte. Diese finden Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92093\">hier<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Lesen Sie auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91649\">den ersten Teil<\/a><\/em>.<\/p><p><strong>Die Rolle faschistischer Organisationen<\/strong><\/p><p>Welche Rolle spielen <em>NSU<\/em>, <em>combat 18<\/em> und andere neonazistische Gruppierungen? Wie ist die Rolle der AfD einzusch&auml;tzen? Spielen neofaschistische Organisationen und Parteien in Deutschland eine staatstragende Rolle?<\/p><p>Um sich Antworten zu n&auml;hern, kann man auf die Geschichte des Antifaschismus zur&uuml;ckgreifen, wo es viele Versuche gab, die Rolle von faschistischen Organisationen f&uuml;r einen b&uuml;rgerlichen Staat einzuordnen.<\/p><p>Als Erstes st&ouml;&szlig;t man dabei auf die These vom &bdquo;<em>Kettenhund des Kapitals<\/em>&ldquo;, die sich sehr plausibel und faktenreich am &Uuml;bergang von der Weimarer Republik hin zum Faschismus erkl&auml;ren l&auml;sst. Mit diesem Bild wird eine gesellschaftliche Situation Anfang der 1930er Jahre beschrieben, in der sich auch die &ouml;konomische Klasse nicht mehr sicher war, ob die parlamentarische Ordnung noch jene Herrschaftsform ist, die den Kapitalismus sicher durch die Krise f&uuml;hren kann oder ob die gewaltigen politischen Spannungen dazu f&uuml;hren k&ouml;nnten, dass nicht nur politische Parteien, sondern das kapitalistische System als Ganzes zur Disposition stehen.<\/p><p>Bekanntlich hat ein Teil der kapitalistischen Klasse die Entscheidung getroffen, den Aufstieg der NSDAP direkt, finanziell, politisch und propagandistisch zu unterst&uuml;tzen. Unstrittig ist ebenfalls, dass wesentliche Teile des Gro&szlig;kapitals einer &bdquo;autorit&auml;ren L&ouml;sung&ldquo;, einem &bdquo;<em>Neuen Staat<\/em>&ldquo; (wie von Kanzler Franz von Papen propagiert) begeistert zugestimmt hatten, mit dem Ziel, eine Weltmarktposition wieder zu erlangen, die sie Anfang der 1930er Jahre nicht mehr hatten. Gemeinsam war allen Fraktionen des Kapitals, dass der Klassenkampf beendet werden m&uuml;sse und dass die Weimarer Republik bei der Stilllegung von Klassengegens&auml;tzen versagt habe.<\/p><p>Legt man diese knappe Skizze &ouml;konomischer und politischer Bedingungen zugrunde, dann halte ich die These, dass es heute ein machtpolitisches Interesse daran gibt, (bewaffnete) Neonazis als &bdquo;Kettenhunde des Kapitals&ldquo; zu halten, f&uuml;r falsch.<\/p><p>Die hegemonialen Kr&auml;fte der Business Class wollen kein neues &bdquo;33&ldquo; vorbereiten, ganz im Gegenteil: Sie tun alles, um das zu verhindern, was damals die NSDAP an die Macht brachte: Eine Mischung aus politischen, wirtschaftlichen, ideologischen und institutionellen Krisen, die mit legalen Mitteln nicht mehr zu bew&auml;ltigen waren.<\/p><p>Zu Recht stellt der Historiker Peter Scherer in diesem Kontext &ndash; mit Blick auf die heutige Weltmarktposition &ndash; die Fragen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Welche Rohstoffe k&ouml;nnte ein faschistisches Regime zum Ziel seiner Feldz&uuml;ge machen, die nicht schon l&auml;ngst in der Hand der Konzerne sind? Welche Arbeitskr&auml;fte k&ouml;nnte es auftun, die nicht schon l&auml;ngst f&uuml;r den Weltmarkt ausgebeutet werden?&ldquo; (Wem geh&ouml;rt der 9. November? Z., Nr.72, Dezember 2007, S.18)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und welche Verfolgungsma&szlig;nahmen k&ouml;nnte ein faschistisches Regime bereitstellen, die nicht bereits heute legal darauf warten, massenhafte Proteste &ndash; in der Zukunft &ndash; niederzuschlagen?<\/p><p>Eine weitere These, die die Rolle von faschistischen Parteien und Organisationen zu fassen versucht, spricht von deren Bedeutung als &bdquo;<em>Systemreserve<\/em>&ldquo;. In Erinnerung gerufen wird damit die Rolle der reaktion&auml;ren bis profaschistischen <em>Freikorps<\/em> nach der milit&auml;rischen Niederlage im Ersten Weltkrieg. Neben regul&auml;ren Polizeieinheiten spielten irregul&auml;re Truppen der Freikorps eine bedeutsame Rolle bei der Niederschlagung revolution&auml;rer Erhebungen 1918\/19. In den 1920er und 1930er Jahren spielten zudem die SA- und SS-Trupps der Nazis eine &auml;hnliche Rolle, indem sie Arbeiterversammlungen &uuml;berfielen, Anschl&auml;ge ver&uuml;bten und Demonstrationen der &sbquo;Roten&lsquo; angriffen. Im Gro&szlig;en und Ganzen lie&szlig; man sie gew&auml;hren, schlie&szlig;lich war die Niederschlagung von Klassenk&auml;mpfen, die Ausschaltung der KPD ein Ziel, das sich b&uuml;rgerliche Parteien und die NSDAP in der Weimarer Republik teilten.<\/p><p>Auch diese historisch belegte Rolle von (bewaffneten) Faschisten als &bdquo;<em>Systemreserve<\/em>&ldquo; halte ich zur gegenw&auml;rtigen Beschreibung der Rolle neonazistischer Organisationen f&uuml;r ungeeignet: Wer die staatliche Vorratshaltung an Macht- und Gewaltpotenzialen vor Augen hat, die verschwindend kleine parlamentarische Opposition, die schwache radikale Linke, der sollte also auch die Rolle der Neonazis als &bdquo;Systemreserve&ldquo; &uuml;berdenken. Das macht sie nicht weniger gef&auml;hrlich, wenn sie Menschen bedrohen, &bdquo;national befreite Zonen&ldquo; durchzusetzen versuchen. Es geht darum, ihnen keine Rolle zuzuweisen, keine Macht zuzusprechen, die sie bestenfalls in ihrem eigenen neonazistischen Wahn einnehmen.<\/p><p>Weder stehen die b&uuml;rgerlichen Parteien noch das Kapital vor einem neuen &bdquo;<em>33<\/em>&ldquo;, noch laufen die tats&auml;chlichen Krisenerscheinungen darauf zu. Weder innerhalb der b&uuml;rgerlichen Parteien scheinen Aufl&ouml;sungs- bzw. Desintegrationserscheinungen auf, noch gibt es auch nur das geringste Anzeichen daf&uuml;r, dass das Kapital au&szlig;erhalb codierter Konkurrenz-Regeln ums &Uuml;berleben k&auml;mpfen m&uuml;sse. Weder heute noch auf absehbare Zeit braucht\/zielt die gegenw&auml;rtige Ordnung darauf ab, sich eine neofaschistische Reserve zu halten, um Krisen extralegal zu l&ouml;sen. Es gibt weder diese Krisen, die an ein solches (faschistisches) Szenario heranreichen, noch gibt es systemoppositionelle Kr&auml;fte, die nicht anders zu schlagen sind als mit offener, faschistischer Gewalt.<\/p><p><strong>Der gr&ouml;&szlig;te Gegner b&uuml;rgerlicher Staaten sind sie selbst<\/strong><\/p><p>Von wem gehen die Gefahren aus? F&uuml;r Deutschland kann man die Bedeutung der AfD als halbwegs gering einsch&auml;tzen. Um einiges anders sieht es am Rand Europas aus, wie z.B. in Griechenland, wo die institutionelle und &ouml;konomische Krise, die faktische Entmachtung der politischen Parteien (durch EU-IWF-Troika-Diktate) der faschistischen Partei (<em>Goldene Morgenr&ouml;te<\/em>) eine wachsende Bedeutung zuspielt hatte. Aber auch dort zeigte die politische Entwicklung, dass man alles daran setzte, auf eine nicht-faschistische L&ouml;sung zu setzen: Man machte sich die <em>Syriza <\/em>gef&uuml;gig, bis sie der Christdemokratie so &auml;hnlich wurde, dass Letztere dann auch prompt die Wahlen gewann. Diese politische Haltung wird auf EU-Ebene nach wie vor favorisiert: Man &uuml;bt nicht nur aus kosmetischen Gr&uuml;nden Kritik an der polnischen und\/oder ungarischen Regierung, wenn man diesen die Verletzung von Rechtsstaatsstandards (Gewaltenteilung, Unabh&auml;ngigkeit der Justiz und Medien etc.) vorwirft. Ich w&uuml;rde nach wie vor davon ausgehen, dass man an bestimmten staatlichen Kontrollinstanzen festh&auml;lt, um eine Verselbstst&auml;ndigung der Exekutivgewalt zu vermeiden.<\/p><p><strong>Was steht uns bevor?<\/strong><\/p><p>Mi dem Wissen von heute w&uuml;rde ich von einer sehr ambivalenten Situation ausgehen, die nur in dieser Widerspr&uuml;chlichkeit zu verstehen ist.<\/p><p>Auf der einen Seite spricht nicht viel daf&uuml;r, dass die politische und &ouml;konomische Klasse auf eine faschistische Option setzt. So verr&uuml;ckt sich das anh&ouml;rt, aber ein sehr gewichtiger Grund ist die Niederlage der Faschismen in den 1940er Jahren. Die herrschende Klasse hat zwei ganz zentrale Erfahrungen mit dem Faschismus gemacht:<\/p><p>Erstens liegt dem Faschismus die fast v&ouml;llige Entfesselung der Exekutivmacht zugrunde. Alle anderen politischen Positionen und Gegens&auml;tze sind ausgeschaltet worden. Das System hat kein inneres Korrektiv mehr. Dazu geh&ouml;rt auch eine Opposition, die das wankende System optimieren, reformieren und nachjustieren kann. Diese Verselbstst&auml;ndigung kann auch selbstm&ouml;rderische Z&uuml;ge annehmen, was sich auch am Beispiel von Nazi-Deutschland belegen lie&szlig;e.<\/p><p>Zum Zweiten hat vor allem die politische Klasse die Erfahrung gemacht, dass man Faschisten nicht wie Hilfsjungen behandeln kann, die man mal f&uuml;r eine kurze Zeit ranl&auml;sst, um sie dann wieder abzuservieren. Tats&auml;chlich wurden auch Mitglieder der politischen Klasse zur Zielscheibe des erstarkenden Faschismus, wie dies die <em>Organisation Consul<\/em> in den 1920er Jahren mit gezielten Morden an b&uuml;rgerlichen Politikern bewies. Diesem faschistischen Terror fielen damals der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger (1921) und der b&uuml;rgerliche Reichsau&szlig;enminister Walther Rathenau (1922) zum Opfer.<\/p><p>In dem neonazistischen Mord an dem christdemokratischen Regierungsdirektor in Kassel, Walter L&uuml;bcke, 2019 scheint genau diese Gefahr auf und hat bekanntlich auch zu einigen institutionellen Ver&auml;nderungen gef&uuml;hrt.<\/p><p>Aber es gibt auch eine Entwicklung, die wir heute in ihrer Dynamik und ihren Konsequenzen kaum absehen k&ouml;nnen.<\/p><p>Es geht um ein Kriegsszenario, in dem die alten Hegemonialm&auml;chte (USA, Frankreich, England, Deutschland) auf eine milit&auml;rische Eskalation gegen Russland und die Volksrepublik China zusteuern.<\/p><p>Diese weltkriegsnahe Eskalation hat l&auml;ngst die Phase der Unterschwelligkeit und der Beschwichtigung verlassen. Offen erkl&auml;rt uns die gr&uuml;ne Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock, dass man (&uuml;ber die Bande Ukraine) Russland &bdquo;ruinieren&ldquo; werde. W&auml;hrend all dies vor unseren Augen (und der Haust&uuml;r Europas) passiert, wird unverhohlen davon gesprochen, dass man die Macht und den Einfluss der VR China &bdquo;eind&auml;mmen&ldquo; m&uuml;sse. Dabei geht es nicht nur um die Wirtschaftsmacht Chinas, sondern auch und gerade um deren Weigerung, die alten &bdquo;F&uuml;hrungsm&auml;chte&ldquo; l&auml;nger auszuhalten, was als Ungeheuerlichkeit und als Kriegsgrund verstanden wird.<\/p><p>Diese Entwicklung wird uns &ndash; mit all den innenpolitischen Auswirkungen &ndash; in den n&auml;chsten Jahren pr&auml;gen. Dazu geh&ouml;ren massive Verschlechterungen der Lebensbedingungen, die weiter ansteigenden Formen der Repression und Einsch&uuml;chterung und die Vor- und Ein&uuml;bungen in den Krieg.<\/p><p>Genau in diesem Kontext sprach Wolfgang Ischinger, ehemaliger Botschafter in Washington und Ex-Chef der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz in M&uuml;nchen, das aus, was eine &bdquo;Zeitenwende&ldquo; mit einschlie&szlig;t: Ein Systemwechsel.<\/p><p>In der BILD-Zeitung vom 21. November 2022 l&auml;sst er Deutschland und die Welt wissen: Deutschland braucht die &bdquo;Kriegswirtschaft&ldquo;!<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ischinger sieht auch einen politischen Grund, um von &sbquo;Kriegswirtschaft&lsquo; zu sprechen: &sbquo;Offenbar haben allzu viele noch nicht begriffen, dass wir erst am Anfang der Zeitenwende stehen, und dass es tats&auml;chlich richtigen Krieg mitten in Europa gibt, dessen Ende leider nicht absehbar ist&lsquo;.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Aufforderung zur Kriegswirtschaft ist nichts anderes als ein Systemwechsel!<\/p><p>Denn all das bedeutet zweierlei: Der Staat bekommt eine wachsende Bedeutung, die die Ideologie vom &bdquo;schlanken&ldquo; (Nachtw&auml;chter-)Staat hinter sich l&auml;sst.<\/p><p>Das bedeutet aber auch, dass sich die Rolle der Exekutivmacht ganz nahe an den Rand der Verselbstst&auml;ndigung bewegen wird. Man wird mit Blick auf den (kommenden) Krieg die institutionellen Rechte (weiter) einschr&auml;nken bzw. suspendieren, um die &bdquo;Hindernisse&ldquo; und &bdquo;b&uuml;rokratischen Hemmnisse&ldquo; (Wolfgang Ischinger) f&uuml;r einen handlungsf&auml;higen und schlagkr&auml;ftigen Staat im Gefechtsstand zu beseitigen.<\/p><p>Diese &bdquo;Kriegswirtschaft&ldquo; braucht aber auch neben der Repression und Einsch&uuml;chterung eine massive, allgegenw&auml;rtige Feinderkennung. Ein Feind, vor dem wir mehr Angst bekommen m&uuml;ssen als vor allen Einschr&auml;nkungen, die uns die eigene Regierung aufb&uuml;rdet. Bereits jetzt ist die Russophobie allt&auml;glich. Mit Blick auf China wird sich das noch gewaltig steigern.<\/p><p>Man ahnt vielleicht, wie nahe diese &bdquo;Zeitenwende&ldquo; an Kernbedingungen einer faschistischen Herrschaft heranreicht: Innerer und &auml;u&szlig;erer Kriegszustand, die Selbstsuspendierung der b&uuml;rgerlichen Ordnung, das Regieren mit dem\/im Ausnahmezustand &hellip;<\/p><p>August Thalheimer geh&ouml;rt zu den ganz bedeutsamen kommunistischen Politikern und Theoretikern und hat diesen Prozess in den 1920er und 1930er Jahren sehr pr&auml;zise beschrieben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Aush&ouml;hlung des b&uuml;rgerlich-parlamentarischen Systems erfolgt schrittweise. Und die Bourgeoise ist dabei der Hauptagent. (&hellip;) Die Herstellung der offenen Diktatur selbst kann nur durch einen Sprung, einen Putsch oder einen Staatsstreich erfolgen, bei dem die Bourgeoise selbst das passive Element ist. Ihre Sache ist es, die Bedingungen zu schaffen, damit sie sozial &sbquo;gerettet&lsquo; und politisch vergewaltigt werden kann. Das Vergewaltigen selbst aber besorgt der Held des Staatsstreiches oder des Putsches. Das Individuum oder die Organisation findet sich dazu immer, wenn ein Bed&uuml;rfnis dazu da ist.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn wir diese Einordnung auch f&uuml;r heute gelten lassen, dann w&uuml;ssten wir, wer der &bdquo;Hauptagent&ldquo; ist und was wir zusammen tun m&uuml;ssten.<\/p><p>Und wir k&ouml;nnten August Thalheimer sicherlich auch an unserer Seite haben, wenn wir dabei auch &uuml;ber falsche Selbsteinsch&auml;tzungen und &uuml;ber unberechtigte Bezichtigungen reden w&uuml;rden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es ist nat&uuml;rlich kein Vorwurf f&uuml;r irgendjemand, bei diesem verwickelten, in vielen Farben schillernden, wie ein Proteus sich verwandelnden Objekt nicht auf den ersten Hieb vollst&auml;ndig und richtig alle wesentlichen Z&uuml;ge erfasst zu haben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Gubin Yury\/shutterstock.com<\/p><p>Auszug aus dem (bald erscheinenden) Buch: <em>Was Sie schon immer einmal &uuml;ber den Anti\/Faschismus wissen wollten<\/em>, Wolf Wetzel, Edition H, Verlag Selbrund GmbH, 2023<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <em>Bonapartismus und Faschismus<\/em>, (1930), August Thalheimer in: &bdquo;Faschismus-Diagnosen, Kurt P&auml;tzold, Verlag am Park, S.58<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag versucht, mit dem Wissen der letzten 50 Jahre einen Ausblick zu wagen. Wie steht es um die Demokratie? Wieviel davon bleibt uns? Mit was m&uuml;ssen wir rechnen? &Uuml;ber welche Entt&auml;uschungen m&uuml;ssen wir sprechen? Was m&uuml;ssen wir zusammen tun? Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":91650,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,165,125],"tags":[1945,3260,955,2993,2475,3321],"class_list":["post-91654","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-rechte-gefahr","tag-faschismus","tag-feindbild","tag-neonazismus","tag-starker-staat","tag-weimarer-republik","tag-zeitenwende"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Shutterstock_109899941.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91654","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=91654"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91654\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92109,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91654\/revisions\/92109"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/91650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=91654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=91654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=91654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}