{"id":91770,"date":"2022-12-19T14:00:18","date_gmt":"2022-12-19T13:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91770"},"modified":"2022-12-21T14:12:05","modified_gmt":"2022-12-21T13:12:05","slug":"studie-der-otto-brenner-stiftung-zu-berichterstattung-deutscher-leitmedien-ueber-ukraine-krieg-tendenzioes-einseitig-und-oft-sehr-einheitlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91770","title":{"rendered":"Studie der Otto-Brenner-Stiftung zu Berichterstattung deutscher \u201eLeitmedien\u201c \u00fcber Ukraine-Krieg: Tendenzi\u00f6s, einseitig und oft \u201esehr einheitlich\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz sowie der Ludwig-Maximilians-Universit&auml;t M&uuml;nchen haben erstmals auf breiter Datenbasis die Medienberichterstattung &uuml;ber den Ukraine-Krieg analysiert. Daf&uuml;r wurden 4.300 Beitr&auml;ge aus acht deutschen &bdquo;Leitmedien&ldquo; mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Finanziert wurde die Studie von der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung. Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7457\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-91770-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Studie_zur_Berichterstattung_deutscher_Leitmedien_ueber_Ukraine_Krieg_Oft_sehr_einheitlich_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Studie_zur_Berichterstattung_deutscher_Leitmedien_ueber_Ukraine_Krieg_Oft_sehr_einheitlich_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Studie_zur_Berichterstattung_deutscher_Leitmedien_ueber_Ukraine_Krieg_Oft_sehr_einheitlich_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Studie_zur_Berichterstattung_deutscher_Leitmedien_ueber_Ukraine_Krieg_Oft_sehr_einheitlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=91770-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Studie_zur_Berichterstattung_deutscher_Leitmedien_ueber_Ukraine_Krieg_Oft_sehr_einheitlich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221219_Studie_zur_Berichterstattung_deutscher_Leitmedien_ueber_Ukraine_Krieg_Oft_sehr_einheitlich_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Analysiert wurde laut <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/fileadmin\/user_data\/stiftung\/02_Wissenschaftsportal\/03_Publikationen\/2022_Ukraine_Zwischenbericht.pdf\">Studien-Darstellung<\/a> &bdquo;die Berichterstattung &uuml;ber den Krieg gegen die Ukraine und seine Folgen in acht deutschen Leitmedien (FAZ, S&uuml;ddeutsche Zeitung, Bild, Spiegel, Zeit, ARD Tagesschau (20 Uhr), ZDF Heute (19 Uhr), RTL Aktuell (18:45)) zwischen dem 24. Februar (Tag des russischen Einmarschs) und dem 31. Mai 2022. Die Medien wurden nach ihrer Reichweite, ihrer redaktionellen Linie (politische Ausrichtung) und ihrem vermuteten Einfluss auf die Berichterstattung anderer Medien (Meinungsf&uuml;hrermedien) ausgew&auml;hlt.&ldquo;<\/p><p>Zentrale Forschungsfragen waren unter anderem: <\/p><ol>\n<li>Welche Akteure kommen in der Berichterstattung vor und wie werden diese bewertet? <\/li>\n<li>Welche Ma&szlig;nahmen zur L&ouml;sung des Konflikts werden in den untersuchten Medien thematisiert und wie werden diese bewertet? <\/li>\n<li>Welche thematischen Schwerpunkte hat die Berichterstattung? <\/li>\n<li>Unterscheiden sich die untersuchten Medien in ihrer Berichterstattung (Vielfalt im Mediensystem)? <\/li>\n<li>Spiegeln die untersuchten Medien die Position der Bundesregierung wider und wie werden abweichende Positionen dargestellt? <\/li>\n<\/ol><p><strong>Akteursanalyse: &bdquo;Regierung hat <\/strong><strong>viermal h&ouml;here Medienpr&auml;senz als die Opposition&ldquo;<\/strong><\/p><p>&bdquo;Betrachtet man genauer, welche deutschen Parteien und Politiker die Berichterstattung pr&auml;gten, zeigt sich das aus Studien zu fr&uuml;heren Krisen bekannte Bild, dass die Oppositionsparteien sowie ihre Vertreter in der Berichterstattung allenfalls marginal vertreten sind&ldquo;, hei&szlig;t es in der Studie. Von den Berichten &uuml;ber deutsche Parteien und ihre Politiker entfielen fast die H&auml;lfte (48 Prozent) auf die SPD, danach folgen die Gr&uuml;nen und ihre Politiker mit 23 Prozent. Linkspartei und AfD hatten laut der Untersuchung in der Berichterstattung &bdquo;praktisch keine Medienpr&auml;senz&ldquo;. Ein Vergleich der Medienpr&auml;senz von Regierungs- und Oppositionsparteien ergab eine &bdquo;80 prozentige und somit eine mehr als viermal h&ouml;here Medienpr&auml;senz als die Opposition&ldquo;.<\/p><p><strong>Untersuchte Medien bewerten Selenskyj und Baerbock fast ausschlie&szlig;lich positiv &ndash; Russland und Putin extrem negativ<\/strong><\/p><p>Schaubild 6 zeigt den Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der analysierten Medien f&uuml;r elf besonders h&auml;ufig bewertete Akteure in Prozent. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen1_Schaubild.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen1_Schaubild_thumb.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Besonders auff&auml;llig: Ohne Ausnahme bewerteten alle untersuchten Medien von FAZ &uuml;ber Spiegel bis Tagesschau den ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj fast durchgehend positiv. Die Studie spricht in dem Zusammenhang von &bdquo;nahezu ausschlie&szlig;lich positive Bewertungen erhielten dabei die Ukraine (Saldo 64%) und ihr Pr&auml;sident Selenskyj (Saldo 67%)&ldquo;.<\/p><p>Dies erstaunt, denn in den Untersuchungszeitraum f&auml;llt zum Beispiel das per Pr&auml;sidenten-Dekret erfolgte <a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/documents\/1532022-41765\">Verbot fast aller Oppositionsparteien in der Ukraine<\/a>. Eine der wenigen noch nicht verbotenen Parteien ist die rechtsextreme Swoboda-Partei. Ebenso per Dekret erfolgte auch die im Wortsinne durchgef&uuml;hrte <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/medien\/selenskyj-legt-tv-sender-zusammen-5138614.html\">Gleichschaltung aller ukrainischen TV-Sender<\/a> beziehungsweise, wenn diese der Opposition aus Sicht des Pr&auml;sidenten zu nahe standen, deren direktes Verbot. <\/p><p>Wohlgemerkt hei&szlig;t dies nicht, dass die untersuchten &bdquo;Leitmedien&ldquo; diese Verbote und forcierten Zusammenlegungen komplett ignoriert h&auml;tten, die Berichterstattung erfolgte aber mehrheitlich, ohne dass Kritik an diesem Vorgehen ge&auml;u&szlig;ert wurde. Beim ZDF <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/verbot-parteien-ukraine-krieg-russland-100.html\">hei&szlig;t es beispielsweise<\/a> angesichts des Verbotes von 12 Oppositionsparteien und der Gleichschaltung der TV-Medien:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Einerseits st&uuml;nden die Parteiverbote und der TV-Zusammenschluss in Kontinuit&auml;t zum Vorgehen des staatlichen Sicherheitsrates der Ukraine gegen pro-russische Politiker und Oligarchen seit Februar 2021. Zum anderen in direkter Verbindung mit den Notwendigkeiten des Kriegszustandes. (&hellip;) Von den betroffenen Personen und Parteien gehe tats&auml;chlich eine bedeutsame Gefahr aus.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die quantitative Studie best&auml;tigt auch erstmals auf breiter Datengrundlage den Berichterstattungsbias der sogenannten &bdquo;Leitmedien&ldquo; in Bezug auf die Gr&uuml;nen und ihre Ministerriege. Wie man an dem obigen Schaubild erkennen kann, werden nur Wirtschaftsminister Habeck und vor allem Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock &bdquo;deutlich positiv&ldquo; bewertet: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Insgesamt zeigt sich nicht, dass die von uns untersuchten Medien gegen&uuml;ber der Bundesregierung insgesamt besonders kritiklos waren. Vielmehr bewerteten sie nur die gr&uuml;nen Minister Baerbock und Habeck (19%) deutlich positiv, w&auml;hrend sie die &uuml;brigen Regierungsmitglieder &uuml;berwiegend kritisierten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Kritisierten&ldquo;, das f&uuml;hrt die Studie auch weiter aus, bezeugt ebenfalls eine Art der einheitlichen Berichterstattung, denn Kritik erfolgt fast ausschlie&szlig;lich nur in dem Zusammenhang, wie die fraglichen Politiker sich in dem untersuchten Zeitraum zum Thema Waffenlieferungen aussprachen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Bewertung von Scholz schwankte dar&uuml;ber hinaus im Zeitverlauf stark mit &uuml;berwiegend positiver Berichterstattung zu Beginn und einem Tiefpunkt Mitte April w&auml;hrend der Diskussionen um Waffenlieferungen und einen m&ouml;glichen Scholz-Besuch in Kiew.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Schwarz-wei&szlig;-Berichterstattung: Ukraine positiv &ndash; Russland negativ<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend wie aufgezeigt die Ukraine und ihr Pr&auml;sident fast ausschlie&szlig;lich positiv dargestellt wurden, wurden im Falle Russlands (-88 Prozent) und Pr&auml;sident Wladimir Putin (-96 Prozent) diese medial ebenso ausschlie&szlig;lich negativ bewertet. Gerade die von der Studie gemessene extrem negative Darstellung von Russland, also einem ganzen Land, erscheint in diesem Zusammenhang problematisch, gerade in Bezug auf die untersuchten Medien des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks (&Ouml;RR) und deren Programmauftrag als Medium und Faktor der freien Meinungsbildung. Was bleibt von &bdquo;freier Meinungsbildung&ldquo; &uuml;brig, wenn ein Land generalisierend als &bdquo;negativ&ldquo; pr&auml;sentiert wird? <\/p><p><strong>Russische Perspektiven werden fast gar nicht in den Leitmedien wiedergegeben<\/strong><\/p><p>Hinzu kommt in diesem Zusammenhang ein weiteres Ergebnis der Studie. Ein erg&auml;nzender Untersuchungsfaktor war, &bdquo;auf welchen L&auml;nderperspektiven der Schwerpunkt der Berichterstattung lag&ldquo;. Hierzu erfasste die Studie f&uuml;r jeden Beitrag, ob dieser &bdquo;aus Perspektive der Ukraine (z.B. Entscheidungen der ukrainischen Regierung oder Probleme der ukrainischen Bev&ouml;lkerung), aus der Perspektive Russlands (z.B. Entscheidungen der russischen Regierung oder Probleme der russischen Bev&ouml;lkerung), aus der Perspektive Deutschlands (z.B. Entscheidungen der deutschen Regierung oder Probleme der deutschen Bev&ouml;lkerung)&ldquo; verfasst wurde. Das Res&uuml;mee der Studie:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Analysen zeigt auf, dass in den von uns untersuchten Medien insgesamt die Perspektive Deutschlands vorherrschte (42%). Relativ h&auml;ufig wurde auch die Perspektive der Ukraine eingenommen (28%). Die Perspektive Russlands wurde dagegen sogar deutlich seltener eingenommen (10%) als die Perspektive anderer L&auml;nder, z.B. anderer Nachbarstaaten Russlands (20%).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das hei&szlig;t, deutsche &bdquo;Leitmedien&ldquo; gaben im Vergleich viermal &ouml;fter die Perspektive Ukraine denn die der Russischen F&ouml;deration wieder. Selbst &uuml;ber Sichtweisen Polens oder Litauens wurde doppelt so oft berichtet wie &uuml;ber die russischen. Wie soll der Bundesb&uuml;rger auf dieser einseitigen Informationsbasis in die Lage versetzt werden, das Geschehen umfassend zu verstehen und einordnen zu k&ouml;nnen?<\/p><p><strong>Von FAZ &uuml;ber SPIEGEL bis ARD: Alleiniger Verursacher des Kriegs ist Russland<\/strong><\/p><p>Um zu messen, wer in den untersuchten Medien als Verursacher des Ukraine-Krieges bezeichnet wurde, haben die Kommunikationswissenschaftler f&uuml;r jeden Beitrag drei potenzielle Verursacher erfasst: Russland, die Ukraine und &bdquo;der Westen&ldquo; (definiert in dem Fall als NATO-Mitglieder). Das Ergebnis?<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es konnten f&uuml;r jeden Beitrag folglich auch zwei oder alle drei Gennannten als Verursacher codiert werden. Dennoch wurde in nahezu allen Beitr&auml;gen (93%) Russland bzw. Pr&auml;sident Putin die alleinige Verantwortung f&uuml;r den Krieg zugeschrieben. &bdquo;Der Westen&ldquo; wurde in nur 4% als (mit-)verantwortlich bezeichnet, die Ukraine noch seltener (2%). Andere Verursacher als Russland wurden zudem allenfalls in den beiden &uuml;berregionalen Tageszeitungen sowie in Spiegel und Zeit in nennenswerter H&auml;ufigkeit erw&auml;hnt (je etwa 10%).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen2_Grafik.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen2_Grafik_thumb.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>93 Prozent aller Beitr&auml;ge von FAZ, S&uuml;ddeutsche, Spiegel, ARD, ZDF etc. sehen laut der Medienanalyse Russland als &bdquo;alleinigen&ldquo; Verantwortlichen f&uuml;r den Kriegsausbruch. Das hei&szlig;t im Umkehrschluss auch, dass die besagten Medien m&ouml;gliche eskalierende Faktoren wie bewusste Nichtumsetzung von Minsk 2 durch Kiew, zunehmende Artillerieangriffe auf die Zivilbev&ouml;lkerung im Donbass hinter der Kontaktlinie oder auch die Tatsache, dass es keinerlei Zugest&auml;ndnisse des Westens an die ab sp&auml;testens 2021 vehement vorgetragenen Sicherheitsbedenkens Moskaus hinsichtlich einer NATO-Integration der Ukraine gab, nicht einmal erw&auml;hnten. Krieg ist fast nie monokausal auf einen einzigen Verursacher zur&uuml;ckzuf&uuml;hren und Medien h&auml;tten eigentlich die Aufgabe, dieser Komplexit&auml;t in ihrer Berichterstattung Rechnung zu tragen.<\/p><p><strong>Ma&szlig;nahmen zur Beendigung des Krieges: Tagesschau mit negativster Bewertung zu diplomatischen L&ouml;sungsans&auml;tzen <\/strong><\/p><p>Die zentrale Streitfrage im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg war w&auml;hrend des Untersuchungszeitraums, welche Ma&szlig;nahmen am ehesten geeignet sind, den Krieg zu beenden. Um zu messen, wie dies in den untersuchten Medien dargestellt wurde, haben die Forscher zun&auml;chst erfasst, welche Ma&szlig;nahmen zur Beendigung des Krieges in einem Beitrag erw&auml;hnt wurden. Dabei konnten bis zu drei Ma&szlig;nahmen codiert werden. F&uuml;r jede dieser Ma&szlig;nahmen wurde dann anschlie&szlig;end auf einer f&uuml;nfstufigen Skala bestimmt, wie sinnvoll diese Ma&szlig;nahmen bewertet wurden (eindeutig sinnvoll &ndash; eindeutig nicht sinnvoll). F&uuml;r die Analysen konzentrierten sich die Forscher auf die f&uuml;nf Ma&szlig;nahmen, die am h&auml;ufigsten thematisiert wurden und die Konfliktlinien laut Einsch&auml;tzung der Autoren am besten abbilden: Humanit&auml;re Ma&szlig;nahmen (z.B. Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten), diplomatische Ma&szlig;nahmen, milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine, wobei dort noch einmal explizit die Lieferung schwerer Waffen unterschieden wurde sowie Wirtschaftssanktionen gegen die Russische F&ouml;deration.<\/p><p>In der Auswertung der Studie hei&szlig;t es dazu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Analysen zeigen, dass sich die Berichterstattung mit Abstand am h&auml;ufigsten Wirtschaftssanktionen gegen Russland widmete (1.168 Nennungen), wobei die Medien diese Ma&szlig;nahme in zwei Dritteln der F&auml;lle (66%) wertend einordneten. Milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine wurde in 748 F&auml;llen thematisiert und in 72% dieser F&auml;lle bewertet. Deutlich seltener thematisierten die Medien diplomatische Ma&szlig;nahmen (393; in 66% bewertet) sowie explizit die Lieferung schwerer Waffen (330; in 83% bewertet). Humanit&auml;re Ma&szlig;nahmen waren noch seltener Gegenstand medialer Berichterstattung (284) und wurden zudem am seltensten bewertet (56%).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Medien die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine im Allgemeinen (74 Prozent) &bdquo;au&szlig;erordentlich positiv&ldquo; bewerten. Etwas weniger deutlich, aber immer noch als &uuml;berwiegend sinnvoll wurde auch die Lieferung von schweren Waffen bewertet. &Auml;hnlich h&auml;ufig als &bdquo;sinnvoll&ldquo; bewertet wurde zudem die Verh&auml;ngung wirtschaftlicher Sanktionen (64 Prozent). Hingegen wurde die Ma&szlig;nahme &bdquo;diplomatische Verhandlungen&ldquo; in weniger als der H&auml;lfte der Beitr&auml;ge (43 Prozent) als sinnvoll erachtet. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen3_Studie.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen3_Studie_thumb.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Eine zentrale Frage der Studie mit Verweis auf die dazu laufende &ouml;ffentliche Diskussion war, ob die &bdquo;Leitmedien&ldquo; in der Frage Vorrang f&uuml;r Diplomatie oder Waffenlieferung eine einheitliche Position vertreten. Die Analyse zeigt, dass die Lieferung schwerer Waffen von allen untersuchten Medien mit Ausnahme des Wochenmagazins Spiegel &bdquo;deutlich &uuml;berwiegend&ldquo; bef&uuml;rwortet wurde. Nur im Spiegel hielten sich ablehnende und bef&uuml;rwortende Beitr&auml;ge in dem Zeitraum die Waage. Noch frappierender f&auml;llt die Bewertung &uuml;ber diplomatische Ma&szlig;nahmen aus. Laut der Untersuchung war der Spiegel das einzige der untersuchten Medien, welches diplomatische Verhandlungen positiver bewertete als die Lieferung schwerer Waffen. Am negativsten (-10 Prozent) urteilte ausgerechnet die Tagesschau &uuml;ber diplomatische Ma&szlig;nahmen zur Beendigung des Krieges. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen4_Studie.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221219_Screen4_Studie_thumb.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Fazit der Studie: &bdquo;Tats&auml;chlich sehr einheitlich &uuml;ber den Krieg berichtet&hellip;&ldquo;<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In einigen F&auml;llen haben die von uns untersuchten Medien tats&auml;chlich sehr einheitlich &uuml;ber den Krieg berichtet. Das betrifft insbesondere die Zuschreibung der Kriegsverantwortung an Russland und die Bewertung der beiden Kriegsparteien. Dieses Berichterstattungsmuster ist aber wenig verwunderlich, weil Russland &ndash; bei allem m&ouml;glichen Verst&auml;ndnis f&uuml;r eine dort vielleicht als bedrohlich wahrgenommene Ost-Erweiterung der NATO &ndash; einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine f&uuml;hrt, der wenig Spielraum f&uuml;r andere Bewertungen l&auml;sst. In anderen F&auml;llen ist die Einheitlichkeit der Berichterstattung allerdings weniger trivial. Dies betrifft insbesondere die Bewertung der unterschiedlichen Ma&szlig;nahmen zur Beendigung des Krieges. Dass die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine im Allgemeinen und die Lieferung schwerer Waffen im Besonderen in den meisten der untersuchten Medien als deutlich &uuml;berwiegend sinnvoll und auch als sinnvoller als diplomatische Ma&szlig;nahmen dargestellt wurden, (&hellip;) &uuml;berrascht in dieser Deutlichkeit.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So das Zwischenfazit der Studie. Abschlie&szlig;end verweisen die Autoren noch darauf, dass die Frage, warum sich die untersuchten Medien so deutlich f&uuml;r eine milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine ausgesprochen haben und signifikant weniger f&uuml;r diplomatische Ans&auml;tze, zwar elementar sei, aber nicht mittels der angewandten quantitativen Inhaltsanalyse erkl&auml;rt werden kann.<\/p><p>Falls Sie, werte Leserinnen und Leser, einen Erkl&auml;rungsansatz daf&uuml;r haben oder andere Aspekte kommentieren wollen, schreiben Sie uns gerne: <a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe@nachdenkseiten.de<\/a>.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91854\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/sie-moechten\/sich-ueber-aktuelles-informieren\/detail\/news\/die-qualitaet-der-medienberichterstattung-ueber-den-ukraine-krieg\/news-a\/show\/news-c\/NewsItem\/\">Screenshot<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91010\">Russlands Krieg im Spiegel von westlichem V&ouml;lkerrechtsnihilismus und Propaganda<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91465\">Wer ver&uuml;bte Nord-Stream-Anschlag? 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Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":91771,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,41,171],"tags":[3240,1672,2947,2669,466,1029,915,259,2620,260,2377,1019],"class_list":["post-91770","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-militaereinsaetzekriege","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-embedded-journalism","tag-herdenjournalismus","tag-leitmedien","tag-nato","tag-otto-brenner-stiftung","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-selenskyj-wolodymyr","tag-ukraine","tag-waffenlieferungen","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/221219_Cover_Otto-Brenner.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91770","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=91770"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91770\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91861,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91770\/revisions\/91861"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/91771"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=91770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=91770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=91770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}