{"id":91778,"date":"2022-12-19T15:26:28","date_gmt":"2022-12-19T14:26:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91778"},"modified":"2022-12-19T17:51:33","modified_gmt":"2022-12-19T16:51:33","slug":"katar-wie-sich-deutschland-nicht-nur-fussballerisch-zum-deppen-machte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91778","title":{"rendered":"Katar: Wie sich Deutschland nicht nur fu\u00dfballerisch zum Deppen machte"},"content":{"rendered":"<p>Die Fu&szlig;ball-WM in Katar ist Geschichte. Nach vier Wochen endete das Spektakel mit einem furiosen Finale, in dem sich Argentinien im Elfmeterschie&szlig;en mit 4:2 gegen Frankreich durchsetzte.<br>\nSportlich war an diesem Event wenig auszusetzen, auch wenn das Teilnehmerfeld mit 32 Mannschaften arg aufgebl&auml;ht war. In den Vorrundengruppen setzten sich &ndash; mit Ausnahme von Marokko und Australien &ndash; die Favoriten durch, auch das Ausscheiden der deutschen Mannschaft kam nicht unbedingt &uuml;berraschend. Ab dem Achtelfinale gab es viele gute, spannende und manchmal auch dramatische Spiele zu sehen, doch nur der Siegeszug der Marokkaner, der sie nach Siegen gegen Spanien und Portugal bis ins Halbfinale f&uuml;hrte, ist als echte Sensation zu werten. Von <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9209\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-91778-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Katar_Wie_sich_Deutschland_nicht_nur_fussballerisch_zum_Deppen_machte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Katar_Wie_sich_Deutschland_nicht_nur_fussballerisch_zum_Deppen_machte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Katar_Wie_sich_Deutschland_nicht_nur_fussballerisch_zum_Deppen_machte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Katar_Wie_sich_Deutschland_nicht_nur_fussballerisch_zum_Deppen_machte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=91778-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221219_Katar_Wie_sich_Deutschland_nicht_nur_fussballerisch_zum_Deppen_machte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221219_Katar_Wie_sich_Deutschland_nicht_nur_fussballerisch_zum_Deppen_machte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>F&uuml;r Katar war die WM ein voller Erfolg. Gesch&auml;tzt rund 220 Milliarden Dollar lie&szlig; sich das Emirat die Ausrichtung dieser global beachteten Gro&szlig;veranstaltung kosten, Bestechungsgelder f&uuml;r die Vergabe noch nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Die vergangenen sieben Weltmeisterschaften haben Sch&auml;tzungen zufolge zusammen rund 44 Milliarden Dollar gekostet, hat das Handelsblatt errechnet. Gut investiertes Geld, das diesen Zwergstaat mit seinen gigantischen &Ouml;l- und Gasvorkommen f&uuml;r mehrere Wochen in den Fokus der Welt&ouml;ffentlichkeit r&uuml;ckte. Ein arabisches Land als Gastgeber einer exzellent organisierten Gro&szlig;veranstaltung, ein un&uuml;berh&ouml;rbares Signal f&uuml;r die Zukunft. Die w&auml;hrend der WM bekannt gewordene Bestechung von EU-Abgeordneten zwecks imagef&ouml;rdernder Einflussnahme h&auml;tte man sich eigentlich sparen k&ouml;nnen, doch Geld spielt f&uuml;r Katar eh keine Rolle.<\/p><p>Auch f&uuml;r den Weltfu&szlig;ballverband FIFA, dessen inneren Kern man getrost als kriminelle Vereinigung bezeichnen kann, war diese WM ein Triumph. Er erzielte bei dieser WM einen Rekordumsatz und sieht das als Startschuss f&uuml;r eine weitere Expansion mit noch gr&ouml;&szlig;eren Wettbewerben, wie etwa einer Klub-WM mit 32 Teilnehmern. F&uuml;r die kommenden vier Jahre wird ein Umsatz von 11 Milliarden Euro angestrebt. Davon profitieren auch die kleinen Mitgliedsverb&auml;nde, entsprechend unangefochten geht FIFA-Chef Infantino jetzt in die Wahl f&uuml;r seine n&auml;chste Amtsperiode.<\/p><p>Derweil steht Europa &ndash; allen voran Deutschland &ndash; schmollend in der Ecke. Sehr sp&auml;t fiel auch jenen Politikern, die derzeit durch die Welt reisen, um bei diesem Emirat und etlichen anderen Schurkenstaaten um ein paar Eimer Fl&uuml;ssiggas und Erd&ouml;l zu betteln, ein, dass da in Katar in Sachen Demokratie, Arbeitsschutz, Frauen- und Queer-Rechten einiges schiefl&auml;uft, was zweifellos stimmt. Es begann eine absurde Boykott-Diskussion, denn dieser Zug war nat&uuml;rlich l&auml;ngst abgefahren. Vor Ort versuchte man es dann noch mit ein paar albernen &bdquo;Protest&ldquo;- Gesten, wie etwa einer harmlosen, mehrfarbigen Binde, die der deutsche Mannschaftskapit&auml;n Manuel Neuer beim ersten Spiel der DFB-Auswahl tragen sollte. Doch der mahnende Zeigefinger von FIFA-Boss Infantino reichte aus, um den Widerstandsgeist der deutschen Menschenrechtsk&auml;mpfer auf dem Rasen zum Erl&ouml;schen zu bringen. &Uuml;brig blieb &ndash; noch alberner &ndash; ein Mannschaftsfoto, bei dem sich alle Spieler den Mund zuhielten. Und eine deutsche Ministerin, die besagte Binde auf der Ehrentrib&uuml;ne &uuml;berstreifte.  <\/p><p>An der Heimatfront bem&uuml;hten sich die gro&szlig;en Medien nach Kr&auml;ften, m&ouml;glichst viele Haare in der WM-Suppe zu finden. Nach dem Reportagen-Tsunami &uuml;ber tote Gastarbeiter, Menschenrechte und Korruptionsverdacht wurde nunmehr gen&uuml;sslich &uuml;ber halbleere Stadien, kleinere logistische Pannen und &ouml;de Stimmung wegen Alkoholverbot lamentiert. Als ob man sich nach Weltmeisterschaften sehnt, bei denen Massenschl&auml;gereien von betrunkenen Fan-Gruppen zum quasi offiziellen Begleitprogramm geh&ouml;ren oder gar, wie 1998 in Frankreich, darin gipfelten, dass deutsche Hooligans einen franz&ouml;sischen Polizisten zum Kr&uuml;ppel schlugen.<\/p><p>Doch je l&auml;nger die WM dauerte, desto kleinlauter wurden die Menschenrechtsk&auml;mpfer. Vor allem die Fangruppen aus Marokko, Tunesien, Mexiko und Argentinien vermittelten ein farbenfrohes, fr&ouml;hliches Bild, sowohl innerhalb als auch au&szlig;erhalb der Stadien. Das scheint auch ohne gro&szlig;e Mengen Alkohol m&ouml;glich zu sein &ndash; eine in Deutschland und einigen anderen L&auml;ndern vollkommen abwegige Vorstellung. Es ist wohl auch kein Zufall, dass zwei jener europ&auml;ischen Mannschaften, die mit dem Ged&ouml;ns nicht viel am Hut hatten, am erfolgreichsten spielten, n&auml;mlich Frankreich und Kroatien, w&auml;hrend die &bdquo;One Love&ldquo;-Protagonisten wie Deutschland und D&auml;nemark schon fr&uuml;h aus dem Turnier flogen. Was allerdings in beiden F&auml;llen auch noch andere Gr&uuml;nde hatte. So ist Deutschland ohne konkurrenzf&auml;hige Au&szlig;enverteidiger und mit einem international unerfahrenen Spieler als Sturmspitze nach Katar gefahren. Aber das nur nebenbei.<\/p><p>Ohnehin ist das nationale Ged&ouml;ns f&uuml;r die meisten Teilnehmer nur der &Uuml;berbau der gigantischen Geldmaschine Fu&szlig;ball-WM. Die beiden besten Spieler des Turniers, der Argentinier Lionel Messi und der Franzose Kilian Mbapp&eacute;, spielen im Hauptberuf zusammen beim franz&ouml;sischen Spitzenklub Paris Saint-Germain, der ebenfalls zum katarischen Investmentportefeuille geh&ouml;rt. Ab dem Achtelfinale gab es keine Mannschaft mehr, in der nicht fast alle Spieler bei Vereinsteams in anderen L&auml;ndern ihr Brot verdienen, die sich &ndash; wie etwa in England &ndash; im Besitz gro&szlig;er Finanzinvestoren befinden. Wobei nicht zu &uuml;bersehen ist, dass sich Erfolge von Nationalteams prima politisch instrumentalisieren lassen, etwa in L&auml;ndern wie Argentinien und Marokko, wo dem Volk dann f&uuml;r eine gewisse Zeit das Gekicke ihrer millionenschweren Auswanderer wichtiger ist als galoppierende Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut.<\/p><p>Aber das ist nur die &ndash; zweifellos unverzichtbare &ndash; Begleitmusik. Denn eigentlich geht es f&uuml;r alle Beteiligten um Geld, um sehr viel Geld. Um neue M&auml;rkte f&uuml;r Produkte und Senderechte, um die Erschlie&szlig;ung bislang &bdquo;fu&szlig;ballferner&ldquo; Regionen der Welt und f&uuml;r die Spieler um die Steigerung ihres Marktwertes. Das wei&szlig; man alles seit vielen Jahren, und auch dass die Vergabe der Weltmeisterschaften (wie auch Olympischer Spiele) schlicht k&auml;uflich ist, sollte in Deutschland keine Neuigkeit sein.<\/p><p>Die bittere Erkenntnis wird hierzulande f&uuml;r viele sein, dass die Welt immer weniger am deutschen Wesen genesen will. Bei den Sanktionen gegen Russland klappt das nicht so richtig, und auch bei dieser WM ist es gr&uuml;ndlich schiefgegangen. Die &bdquo;korrekten&ldquo; Kneipen k&ouml;nnen ihre Boykottschilder wieder entfernen, und die &bdquo;One Love&ldquo;-Binde wird es wohl nicht mal ins Deutsche Historische Museum schaffen. Auch die angeblich bei dieser WM deutlich gesunkenen Einschaltquoten werden nicht mehr t&auml;glich als Erfolgsmeldungen f&uuml;r den Menschenrechtskampf bejubelt werden. Der FIFA-Tross zieht weiter, die n&auml;chste Klub-WM findet in Marokko statt, die n&auml;chste Verbands-WM &ndash; dann mit 48 Mannschaften &ndash; in den USA, Kanada und Mexiko. Selbst die Erinnerung an die sportlich teilweise spektakul&auml;re WM wird zumindest in Deutschland sehr schnell verblassen. Fu&szlig;ball ist Teil der schnelllebigen Unterhaltungsindustrie. Und wer wei&szlig;: Vielleicht gehen die Rolling Stones ja doch noch 1 Mal auf Welttournee. Und dann werden sie bestimmt auch in Katar auftreten.   <\/p><p>Titelbild: ArifAsif\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fu&szlig;ball-WM in Katar ist Geschichte. Nach vier Wochen endete das Spektakel mit einem furiosen Finale, in dem sich Argentinien im Elfmeterschie&szlig;en mit 4:2 gegen Frankreich durchsetzte.<br \/> Sportlich war an diesem Event wenig auszusetzen, auch wenn das Teilnehmerfeld mit 32 Mannschaften arg aufgebl&auml;ht war. 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