{"id":91820,"date":"2022-12-24T14:00:11","date_gmt":"2022-12-24T13:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91820"},"modified":"2022-12-25T17:50:31","modified_gmt":"2022-12-25T16:50:31","slug":"auf-unserem-kilometerlangen-schuetzengraben-noch-mehr-kerzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91820","title":{"rendered":"\u201e&#8230;Auf unserem kilometerlangen Sch\u00fctzengraben noch mehr Kerzen&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Weihnachten steht vor der T&uuml;r. In dieser innig gepflegten Zeit der Besinnlichkeit kam mir dieser Tage eher zuf&auml;llig wieder ein Drama und Wunder aus fernen Zeiten in den Sinn. Es hat seinen Ursprung auch im Vogtland, meiner Heimat. So trug sich tats&auml;chlich zu, dass sich feindlich gegen&uuml;berstehende Soldaten an der westlichen Front des 1. Weltkrieges nicht bek&auml;mpften, sondern 1914 gemeinsam Weihnachten feierten. Mit dabei waren auch Soldaten aus dem Vogtland. Der Frieden an der Front w&auml;hrte nur ein paar Tage. Der Befehl zur Fortsetzung des T&ouml;tens kam bald von den Vorgesetzten der Soldaten. Ohne Befehl &ndash; die Soldaten w&auml;ren nach Hause gegangen. Frieden w&auml;re eingekehrt&hellip; Es kam anders. Es sei dennoch gestattet, an dieses kleine, kurze Wunder zu erinnern und zu mahnen, ja zu fordern, das Kriege F&uuml;hren zu lassen. Kriege und Auseinandersetzungen fern von Frieden und Verbr&uuml;derung herrschen gerade viele weltweit und immer fort? Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_688\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-91820-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221224_Auf_unserem_kilometerlangen_Schuetzengraben_noch_mehr_Kerzen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221224_Auf_unserem_kilometerlangen_Schuetzengraben_noch_mehr_Kerzen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221224_Auf_unserem_kilometerlangen_Schuetzengraben_noch_mehr_Kerzen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221224_Auf_unserem_kilometerlangen_Schuetzengraben_noch_mehr_Kerzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=91820-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/221224_Auf_unserem_kilometerlangen_Schuetzengraben_noch_mehr_Kerzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"221224_Auf_unserem_kilometerlangen_Schuetzengraben_noch_mehr_Kerzen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Ein altes Geschichtsheft<\/strong><\/p><p>Beim Keller Aufr&auml;umen und Sortieren mitten in den Vorbereitungen f&uuml;r das Fest geriet mir eine alte Brosch&uuml;re in die H&auml;nde, ein regionales Bl&auml;ttchen &uuml;ber historische Ereignisse. Das Titelbild von &bdquo;Historikus&ldquo; warb f&uuml;r die wichtigste Story dieser Ausgabe. Ich war gebannt von einem Foto mit Soldaten, einem Weihnachtsbaum samt brennender Kerzen, aufgenommen an der Front 1914, mitten im Ersten Weltkrieg. Die Szenerie sah aus, als w&auml;re ein sch&ouml;ner Abend in sch&ouml;nen Zeiten gegenw&auml;rtig. Mitten unter den Protagonisten auf dem Bild sah man: Kurt Zehmisch, Leutnant aus dem vogtl&auml;ndischen Weischlitz bei Plauen, der das Regiment 134 f&uuml;hrte, welches in Friedenstagen im Vogtland stationiert war. Ich erinnerte mich wieder an dessen Geschichte(n), die ich schon mal vor einigen Jahren las, deren Inhalt gar Gegenstand von Verfilmungen wurde, so wie aktuell der Film &bdquo;Im Westen nichts Neues&ldquo; den Krieg zum Inhalt hat und im Mainstream sehr angesagt ist. Nebenbei, Filmkritiken &uuml;ber diesen aufw&auml;ndig gedrehten Streifen, der sogar im Wettbewerb um den Oscar ins Rennen gegangen ist, monieren, dass lediglich Remarques Buchtitel &uuml;bernommen, ansonsten allenfalls ein aktionsreicher Schocker realisiert wurde.   <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221201_121623.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221201_121623.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Frontbriefe auf Fotofilm<\/strong><\/p><p>Ich war vom neuerlichen Lesen der alten Geschichte sehr beeindruckt. Ich nahm mir vor, es nicht bei der Lekt&uuml;re des Heftes zu belassen, ich machte mich auf den Weg in die st&auml;dtische Bibliothek. Ich hatte gelesen, dass in alten Zeitungen regelm&auml;&szlig;ig Frontberichte und Briefe abgedruckt wurden. In der Regionalabteilung erkundigte ich mich, ob es wirklich Materialien aus dieser Zeit gab. Tats&auml;chlich gab es die, Dokumente, Fotos und Zeitungsausschnitte. Sie sind nicht digitalisiert vorhanden, erfuhr ich, sondern auf Filmrollen gebannt. Ich durfte Einsicht nehmen und wurde in die Funktionsweise eines alten Fotofilm-Sichtungsger&auml;tes eingeweiht. Das noch immer perfekt funktionierende Ger&auml;t ratterte, als ich die historischen Filmchen zur Ansicht auf dem matten Bildschirm vorsichtig hin und her rollte und unter anderem im &bdquo;Vogtl&auml;ndischen Anzeiger und Tagblatt&ldquo; von 1914 und 1915 f&uuml;ndig wurde. Was die Geschichten in der Brosch&uuml;re schon offenbarten, wurde in der alten Zeitung mit den kleinen Artikeln und Meldungen von der Front und &uuml;ber den Krieg best&auml;tigt. Die offiziellen Zeitungsmeldungen trieften vor Heldentum. Ganzseitig wurden die vielen Toten unter der zynischen Bezeichnung &bdquo;Verlustliste&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, gleich neben den Seiten der Werbeannoncen der einheimischen Wirtschaft, der L&auml;den, der Suche-und-Finde-Anzeigen. Zum Sparen wurde ebenso aufgerufen hinter der Front. Die Feindbilder wurden durch die Schreiberlinge des Tagblattes heftig gepflegt, im Osten der &bdquo;dreckige&ldquo; Russe beleidigt, im Westen der Franzose als &bdquo;stinkender Fisch&ldquo; betitelt. Dass Frontberichte ungeschminkt ins Blatt gerieten, die Redaktionen und die Befehlshaber hatten ob der Briefe der Soldaten wohl dennoch keine Angst, dass eine Wehrkraftzersetzung ihren Lauf nehmen k&ouml;nnte. Sie sollten recht behalten. Ja, der Kriegswahnsinn blieb, 1918 erst war Schluss mit dem Tod. Bis zum n&auml;chsten Krieg&hellip;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221201_123339.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221201_123339.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die Frontbriefe &ouml;ffneten eine tragische Welt von Menschen, die zwischen Leben und Tod f&uuml;r Volk und Vaterland Krieg f&uuml;hrten und in Wahrheit doch nur eines wollten: Frieden. S&auml;tze aus den Schilderungen der Soldaten, die dank ihrer Frontbriefe der Nachwelt erhalten sind, lesen sich so herzerw&auml;rmend wie schockierend. So geschah ein kleines Wunder. Einige Schnipsel der Briefe aus diesen Tagen um Weihnachten 1914 fasse ich zusammen.<\/p><blockquote><p>\nMeinen Leuten habe ich befohlen, dass heute am Heiligen Abend und in den Weihnachtstagen kein Schu&szlig; von unserer Seite abgegeben wird, wenn es zu umgehen ist. &hellip;. in den Sch&uuml;tzengr&auml;ben da suchen wir und die Engl&auml;nder uns gegenseitig bemerkbar zu machen. Es f&auml;llt kein Schuss. Wir rufen die Engl&auml;nder an, es entwickelt sich eine spa&szlig;ige Unterhaltung. Auf halben Weg treffen wir uns und tauschen Zigaretten aus. Jetzt stellten wir auf unserem kilometerlangen Sch&uuml;tzengraben noch mehr Kerzen auf. Sangen Weihnachtslieder. Tannenb&auml;ume. Engl&auml;nder klatschten und zollten ihre Freude &uuml;ber die pr&auml;chtige Weihnachtsfeier. Ein paar Kilometer weiter weg von den 134ern Fu&szlig;ball im Niemandsland. Am 28. Dezember pfeifen die Granaten der Engl&auml;nder wieder&hellip;\n<\/p><\/blockquote><p>Was ich las, ber&uuml;hrte mich wieder, das umso mehr wegen der kriegerischen Zeiten, in welchen wir, ja wir aktuell leben. Nein, es herrscht kein Frieden auf der Welt, mir rutschte das Herz in die Hose bei dem Gedanken, bei der n&uuml;chternen Feststellung. Allein angesichts unserer derzeitigen Kriege und der vielen sinnlosen Auseinandersetzungen weltweit muss es doch mehr als einen Gedanken wert sein, zu &uuml;berlegen, ja zu fordern, ob es nicht an der Zeit w&auml;re, wie damals die Waffen schweigen zu lassen, denke ich. Und das nicht nur an Weihnachten. Mehr noch und besser als damals: diese nicht wieder in die H&auml;nde zu nehmen. Man stelle sich das einfach mal vor: Es herrscht Krieg, noch dazu ein Weltkrieg, und die Feinde schie&szlig;en nicht aufeinander, also konkret die einfachen Soldaten, die, die in Sch&uuml;tzengr&auml;ben hocken und von ihren jeweiligen Vorgesetzten zum Gehorsam und dem Befolgen der Befehle getrimmt sind. Sie schie&szlig;en nicht, sie k&auml;mpfen nicht, sie t&ouml;ten und verletzen nicht, sie sind keine Soldaten, die andere Soldaten aus dem Weg r&auml;umen. Sie sind Menschen, sie gehen aufeinander zu. 1914.<\/p><p><strong>Dialog mit einer Buchh&auml;ndlerin<\/strong><\/p><p>Um weitere Informationen zu erhalten, suchte ich nach anderen B&uuml;chern. Ich wurde wieder f&uuml;ndig: In einem Buchladen am Markt in Oelsnitz bei Plauen sah ich im Schaufenster ein Buch mit dem Titel &bdquo;Der kleine Frieden im Gro&szlig;en Krieg&ldquo;. Es sei hier nach Lekt&uuml;re &uuml;beraus lobend gesagt: ist ein wunderbares Werk von Michael J&uuml;rgs, der &uuml;ber Verbr&uuml;derungen an der Westfront erz&auml;hlt, von Weihnachten im und neben dem Sch&uuml;tzengraben. Ich ging ins Gesch&auml;ft und kam mit der Inhaberin Kathrin Jakob ins Gespr&auml;ch. Sie schilderte mir ihre heutigen Beobachtungen, ihre Dialoge mit Mitmenschen, ihre Gedanken zu Krieg und Frieden, zum Auseinanderdriften der Gesellschaft und dass man dennoch nicht aufgeben d&uuml;rfe, sich zu Wort zu melden. <\/p><p>&bdquo;Ich habe den Eindruck, dass gerade wenig &uuml;ber den Frieden gesprochen wird. Dieses uns alle angehende Thema muss aber st&auml;ndig ganz oben auf unserer Liste stehen&ldquo;, sagte sie und zeigte mir ein Plakat, welches sie immer mal wieder ins Schaufenster stellt. Die Worte auf dem Poster stammen von Erich Maria Remarque, der Mann, der in seinen Romanen den Krieg entlarvt und den Frieden fordert. Die Buchh&auml;ndlerin und ich waren uns einig: Wozu das ganze Geld in Waffen, Panzer, Munition, Flugzeuge und und und stecken, gibt es doch so vieles Gutes, Wichtiges, Richtiges, Friedliches f&uuml;r ein sch&ouml;nes Leben in Gemeinsamkeit und W&uuml;rde zu tun. Werden wir nur Helden, wenn wir auf den Schlachtfeldern sterben, die von den Feldherren sicher von H&uuml;geln aus betrachtet werden, als w&uuml;rden sie eine Partie Schach spielen? Wie w&uuml;rde das mit den Kriegen ausfallen, w&uuml;rden die Feldherren sich gegen&uuml;berstehen und k&auml;mpfen m&uuml;ssen und nicht die einfachen Soldaten? Wir fragten uns das, wohl wissend, sicher von Kriegsverstehern bel&auml;chelnd mit &bdquo;naiv&ldquo; betitelt zu werden.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221204_141729.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221204_141729.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Kriegerdenkm&auml;ler und keine f&uuml;r echte Kriegshelden<\/strong>  <\/p><p>In Weischlitz gibt es wie in vielen Kommunen der Region Kriegerdenkm&auml;ler mit sehr vielen Namen, die, die einst auf den Verlustlisten standen. Ein Denkmal f&uuml;r Kurt Zehmisch und die Feiernden der Friedensweihnacht 1914 gibt es indes keines.<\/p><p>Stattdessen herrscht <\/p><p><strong>Frieden auf der Welt? Von wegen &ndash; das T&ouml;ten, die Gewalt haben Hochkonjunktur<\/strong><\/p><p>Weihnachten, das Fest des Friedens, auch dieses Jahr ist die Welt in vielen Regionen nicht friedlich. Ja, Hoffnung gibt es auch, Weltregionen fernab westlicher Dominanz emanzipieren sich. Doch der Weg ist steinig. Derweil schaue man sich nur um: Kriege und kriegerische Konflikte beherrschen die Szenerie, im Irak, in Jemen, in der Ukraine, in Afghanistan, im Libanon, im Nahen Osten, in den Gebieten der Rohingya in Myanmar, in &Auml;thiopien, in Mexiko und anderen lateinamerikanischen L&auml;ndern herrscht kein Frieden. Zwischen S&uuml;d- und Nordkorea gibt es Dauerspannungen. Die Liste ist unvollst&auml;ndig. Wir sind ebenfalls mittendrin, Deutschland, Europa. <\/p><p>Anstatt offensiv Wege aus den Kriegen und Konflikten zu beschreiten, hat Eskalation Hochkonjunktur und Worte wie Wehrhaftigkeit feiern eine uns&auml;gliche Renaissance statt Entspannung, Koexistenz, Miteinander. Ich h&ouml;rte Deutschlandfunk und hier die Wirtschaftsnachrichten, die Sprecherin verk&uuml;ndete allen Ernstes &bdquo;freudige Neuigkeiten bei R&uuml;stungsfirmen&ldquo;. Der Bundestag winkte einen Beschluss durch, zig neue Kampfflugzeuge zu beschaffen. In meiner Heimat Vogtland erhielten derweil in der gleichen Woche 300 Mitarbeiter eines Krankenhauses die K&uuml;ndigung, die Einrichtung muss in Insolvenz gehen, es g&auml;be keinen Investor, das Haus zu erhalten. Friedliche Zeiten sehen da wie dort &ndash; anders aus. Dass richtige Kriege gef&uuml;hrt werden, die Wurzeln finden sich nicht in einer friedlichen Gesellschaft, sondern in einer mit vielen Konflikten, Ungerechtigkeiten, Gier, Neid und Missgunst. Ich habe mal einen Satz gelesen, dass egalit&auml;re Gesellschaften friedlich sind, je weniger gerecht es aber zugeht, desto gewaltt&auml;tiger &hellip;<\/p><p>Die Geschichte aus dem 1. Weltkrieg mahnt. Und ich merkte allein beim Gespr&auml;ch mit Kathrin Jakob, wie wichtig ist, sie immer und immer wieder zu erz&auml;hlen. &bdquo;Das meine ich, wir schieben die Realit&auml;t weg, es ist unangenehm, aber wir m&uuml;ssen dar&uuml;ber reden&ldquo;, sagte die Buchh&auml;ndlerin. Schriftsteller mahnen mit ihren wichtigen, richtigen Aussagen &ndash; allein, wenn sich keiner der Leute, die Entscheidungstr&auml;ger sind, daran h&auml;lt und dazu noch die Untertanen sie gew&auml;hren lassen &ndash; dann sind unsere friedlichen Zeiten eine Fata Morgana, ein uns selbst in die Tasche L&uuml;gen.<\/p><p>Kriegerische Zust&auml;nde herrschen nicht nur an Fronten. Kriegerisch sind auch die Katastrophen in Zivilgesellschaften. In Mexiko sterben die Menschen im barbarischen Zwist der Kartelle um Waffen und Drogen. In Nahost verschwindet nach und nach ein Land und ein Volk, das dort zu Hause ist. In Europa r&uuml;sten die Regierungen auf, ihre Polizei, ihre Justiz, ihre Armeen. Die Vereinigten Staaten von Amerika scheinen das Mutterland vieler Konflikte zu sein, der Waffen, der Gewalt, des Selbsthasses, der Verachtung der Menschen. Man stelle sich vor, es gibt Statistiken, die darauf verweisen, dass in einem Jahr in den Staaten mehr als 3.000 Kinder durch Schusswaffengebrauch in Schulen zu Tode kommen. In Gebieten, in denen mittels Fracking Erdgas und Erd&ouml;l aus dem Erdreich gewonnen werden, sinkt die Lebenserwartung der dortigen Bev&ouml;lkerung, Konzerne und Regierung leugnen die Ursache. Wehrhaft soll der Frieden gesch&uuml;tzt werden, t&ouml;nt es aus M&uuml;ndern der Nutznie&szlig;er der Aufr&uuml;stung. Weltweit summieren sich die R&uuml;stungsausgaben auf mehr als eine Billion Euro pro Jahr, alles selbstredend f&uuml;r den Frieden. Hunger, Flucht und Vertreibung nehmen indes nicht ab, da stimmt doch etwas nicht, oder?<\/p><p><strong>Einen Weltkrieg &uuml;berlebt &hellip;<\/strong><\/p><p>Ich schaute mir das Titelbild der alten historischen Zeitschrift nochmal an. Der Tannenbaum mit seinen echten Kerzen und die Soldaten mit tapfer-frohem Blick in die Kamera mitten an der Front, ganz ohne Kanonendonner und Pfeifen der Sch&uuml;sse aus den Sch&uuml;tzengr&auml;ben, ohne Schreie der Verletzten und St&ouml;hnen der Sterbenden. Ich las die Geschichten von Fu&szlig;ballspielen zwischen den Fronten, von Liedersingen und Geschenke Austauschen. Und da war noch etwas mit Kurt Zehmisch. Der Leutnant kehrte tats&auml;chlich vom 1. Weltkrieg nach Hause zur&uuml;ck. Und wurde zu Beginn des 2. Weltkrieges, inzwischen war der Vogtl&auml;nder mehr als 50 Jahre alt, wieder in die Wehrmacht eingezogen. Er kam diesmal nicht zur&uuml;ck.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221201_123036.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/221224_IMG_20221201_123036.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten steht vor der T&uuml;r. In dieser innig gepflegten Zeit der Besinnlichkeit kam mir dieser Tage eher zuf&auml;llig wieder ein Drama und Wunder aus fernen Zeiten in den Sinn. Es hat seinen Ursprung auch im Vogtland, meiner Heimat. So trug sich tats&auml;chlich zu, dass sich feindlich gegen&uuml;berstehende Soldaten an der westlichen Front des 1. Weltkrieges<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91820\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":91821,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171,161],"tags":[2104,1367,966],"class_list":["post-91820","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","category-wertedebatte","tag-kriegsopfer","tag-ruestungsausgaben","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/221224_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=91820"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91969,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91820\/revisions\/91969"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/91821"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=91820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=91820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=91820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}