{"id":9192,"date":"2011-04-26T09:11:56","date_gmt":"2011-04-26T07:11:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9192"},"modified":"2014-08-26T11:16:41","modified_gmt":"2014-08-26T09:16:41","slug":"sarrazin-ein-weiterer-sargnagel-fur-die-spd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9192","title":{"rendered":"Sarrazin, ein weiterer Sargnagel f\u00fcr die SPD"},"content":{"rendered":"<p>Am Gr&uuml;ndonnerstag versuchte die SPD die Causa Sarrazin in der allgemeinen &ouml;sterlichen Ruhe still aus der Welt zu schaffen. Mit einer Erkl&auml;rung, in der Sarrazin nicht ein Jota seiner sozialdarwinistischen Thesen zur&uuml;cknimmt, wurde das Ausschlussverfahren gegen ihn eingestellt.<br>\nDie Thesen von &bdquo;Deutschland schafft sich ab&ldquo; gelten k&uuml;nftig als von den sozialdemokratischen Grunds&auml;tzen gedeckt. Die &bdquo;g&uuml;tliche Einigung&ldquo; hat nicht nur den Rechtspopulismus in der Gesellschaft gest&auml;rkt, sondern er wird sogar noch &uuml;ber die SPD gesellschaftsf&auml;hig gemacht. Sozialdemokratische Grundwerte sind damit der Beliebigkeit preisgegeben. Indem sie Sarrazins Thesen, wonach sich Deutschland abschafft, hinnimmt, schafft sich die SPD selbst als integrierende Volkspartei vollends ab. Es lohnt sich den Wortlaut dieser Erkl&auml;rung einmal genauer zu betrachten. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nAus der Erkl&auml;rung Sarrazins:<\/p><blockquote><p>&bdquo;1. Ich habe in meinem Buch nicht die Auffassung vertreten oder zum Ausdruck bringen wollen, dass sozialdarwinistische Theorien in die politische Praxis umgesetzt werden sollen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Das hei&szlig;t doch im Umkehrschluss Sarrazin vertritt sozialdarwinistische Theorien, er will nur nicht, dass sie in die politische Praxis umgesetzt werden. <\/p><p>Unter Sozialdarwinismus versteht man (verk&uuml;rzt gesagt), dass mehr oder weniger viele Teilaspekte der Darwinschen Evolutionstheorie in der Natur auf die menschliche Gesellschaft &uuml;bertragen werden. Darwin hat das selbst zwar (vielleicht nicht eindeutig genug) abgelehnt, aber schon vor ihm und vor allem in seinem Gefolge (Ende des 19. Jahrhunderts und dann vor allem als Kernelement der nationalsozialistischen Rassenlehre)  haben sich vielf&auml;ltige biologistisch determinierte sozialwissenschaftliche Theorien breit gemacht. Im Kern geht es dabei um das Bild des &Uuml;berlebenskampfes (der Evolution) der jeweils &bdquo;Fittesten&ldquo;, meist verstanden als &bdquo;St&auml;rksten&ldquo; oder &bdquo;H&ouml;herentwickelsten&ldquo;. Sozialdarwinistisches Gedankengut fand und findet sich  in nahezu allen politischen Lagern. So geh&ouml;rt etwa das &bdquo;Recht des St&auml;rkeren&ldquo; zur Ideologie des Wirtschafsliberalismus. Die Betonung der ethnischen Ungleichheit verbunden mit der Zuweisung eines minderen (gesellschaftlichen, rechtlichen) Status f&uuml;r bestimmte Gruppen ist aber ein durchg&auml;ngiges Merkmal des Rechtsextremismus. <\/p><p>Eindeutig sozialdarwinistisch ist etwa die Aussage Sarrazins: <\/p><blockquote><p>&bdquo;So wurde viel zu lange &uuml;bersehen, dass die Alterung und Schrumpfung der deutschen Bev&ouml;lkerung einhergeht mit qualitativen Ver&auml;nderungen in deren Zusammensetzung. &Uuml;ber die schiere Abnahme der Bev&ouml;lkerung hinaus gef&auml;hrdet vor allem die kontinuierliche Zunahme der weniger Stabilen, weniger Intelligenten und weniger T&uuml;chtigen die Zukunft Deutschlands.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Erkl&auml;rung Sarrazins:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es entspricht insbesondere nicht meiner &Uuml;berzeugung, Chancengleichheit durch selektive F&ouml;rderungs- und Bildungspolitik zu gef&auml;hrden; alle Kinder sind als Menschen gleich viel wert.<br>\nIch habe mit meinem Buch keine selektive Bev&ouml;lkerungspolitik verlangt; der Vorschlag, Frauen in akademischen Berufen und anderen gesellschaftlich hervorgehobenen Positionen Pr&auml;mien zu gew&auml;hren, sollte diesen Frauen lediglich die M&ouml;glichkeit verschaffen, ihre Berufe und T&auml;tigkeiten mit der Geburt eigener Kinder zu verbinden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Dass er sozialdarwinistischen Theorien tats&auml;chlich vertritt, belegt die Erkl&auml;rung durch ihre Wortwahl selbst. Sie spricht von &bdquo;selektiver&ldquo; F&ouml;rderungs- und Bildungspolitik. &bdquo;Selektion&ldquo;, also Auswahl oder Auslese ist einer der Kernbegriffe der Evolutionstheoretiker. Darwin pr&auml;gte den Begriff der &bdquo;nat&uuml;rlichen Selektion&ldquo; und verstand darunter, dass in der Natur diejenigen Lebewesen die eine h&ouml;here &bdquo;Fitness&ldquo; (Angepasstheit, nicht etwa St&auml;rke) haben, einen h&ouml;heren Fortpflanzungserfolg h&auml;tten.<br>\nWas hei&szlig;t Chancengleichheit durch selektive F&ouml;rderungs- und Bildungspolitik zu gef&auml;hrden? Soll also keine F&ouml;rderungs- und Bildungspolitik betrieben werden, die z. B. soziale <a href=\"?p=6955\">Benachteiligungen wenigstens ein St&uuml;ck weit auszugleichen versucht<\/a>? Schlie&szlig;lich geh&ouml;rt unser derzeitiges Bildungssystem nach allen bekannten Untersuchungen zu einem der sozial undurchl&auml;ssigsten. Sollte also nicht angestrebt werden, dass jeder seine F&auml;higkeiten bestm&ouml;glichst entfalten kann? <\/p><p>Was soll eigentlich die Einschr&auml;nkung &bdquo;alle Kinder sind als Menschen gleich viel wert&ldquo;? Sind Menschen als Erwachsene also etwa nicht gleich viel wert?<br>\nIn Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes hei&szlig;t es: &bdquo;Die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu sch&uuml;tzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.&ldquo; Es hei&szlig;t nicht die W&uuml;rde der Kinder, auch nicht die W&uuml;rde der Deutschen, sondern die W&uuml;rde &bdquo;des Menschen&ldquo;. Nach unserer Verfassung haben alle Menschen unabh&auml;ngig von ihrer Herkunft oder anderer Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes sch&uuml;tzenswertes Merkmal auszeichnen, die &bdquo;W&uuml;rde&ldquo;.<\/p><p>Der Vorschlag Sarrazins, Frauen etwa in akademischen Berufen eine <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/wir-koennen-nur-verlieren\/4094132.html\">Geburtenpr&auml;mie von 50.000 Euro zu gew&auml;hren<\/a>, basiert auf der <a href=\"?p=299\">falschen Behauptung<\/a>, &bdquo;dass der Anteil der kinderlosen Universit&auml;tsabsolventinnen die 40-Prozent-Marke &uuml;bersteigt&ldquo; (Deutschland schafft sich ab, S. 90) (Siehe dagegen auch: <a href=\"?p=307\">&bdquo;&Uuml;ber 40 Prozent aller Akademikerinnen bleiben kinderlos.&ldquo;<\/a>) und deshalb auf der Annahme, dass den &bdquo;h&ouml;herentwickelten&ldquo; Frauen ein Anreiz geboten werden m&uuml;sse, mehr Kinder zu geb&auml;ren, damit nicht die (genetisch oder kulturell) &bdquo;minderwertigen&ldquo; Frauen &uuml;berproportional mehr Kinder in die Welt setzen und sich dadurch die &bdquo;nat&uuml;rliche Evolution&ldquo; umkehrt und sich die schw&auml;cheren nicht so wertvollen Bev&ouml;lkerungsschichten (also die t&uuml;rkisch oder arabisch st&auml;mmigen) durchsetzen und sich dadurch die h&ouml;herwertigen Deutschen &bdquo;abschaffen&ldquo;.<br>\nSarrazin: &bdquo;Denn ganz gleich, wie die Intelligenz zu Stande kommt: Bei h&ouml;herer relativer Fruchtbarkeit der weniger Intelligenten sinkt die durchschnittliche Intelligenz der Grundgesamtheit.&ldquo; Diese Aussage trifft nur zu, wenn Intelligenz vor allem als genetisch bedingt angesehen wird. Und Intelligenz ist ja laut Sarrazin &bdquo;zu 50 bis 80 Prozent erblich&ldquo;.<br>\nSarrazin weiter: &bdquo;So wurde viel zu lange &uuml;bersehen, dass die Alterung und Schrumpfung der deutschen Bev&ouml;lkerung einhergeht mit qualitativen Ver&auml;nderungen in deren Zusammensetzung. &Uuml;ber die schiere Abnahme der Bev&ouml;lkerung hinaus gef&auml;hrdet vor allem die kontinuierliche Zunahme der weniger Stabilen, weniger Intelligenten und weniger T&uuml;chtigen die Zukunft Deutschlands.&ldquo;<\/p><p>Erkl&auml;rung Sarrazins:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Hiermit habe ich auch nicht die Vorstellung verbunden, diese F&ouml;rderung lediglich Frauen mit akademischen Berufen oder mit bestimmter Nationalit&auml;t oder Religion zukommen zu lassen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Dieser einschr&auml;nkende Nachsatz schr&auml;nkt den sozialdarwinistischen Grundansatz nur ein. Damit erweitert Sarrazin nur die Gruppe der &bdquo;intelligenteren&ldquo; Frauen &uuml;ber die Akademikerinnen hinaus und auch auf solche &uuml;berdurchschnittlich intelligente Frauen anderer Nationalit&auml;t oder Religion aus.<\/p><p>Erkl&auml;rung Sarrazins:<\/p><blockquote><p>&bdquo;2. Mir lag es fern, in meinem Buch Gruppen, insbesondere Migranten, zu diskriminieren.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Wer unseri&ouml;se frei &bdquo;gesch&ouml;pfte&ldquo; Zahlen (S&uuml;ddeutsche Zeitung v. 1.3.2010) in die Welt setzt, wonach z.B. 70% der t&uuml;rkischen und 90% der arabischen Bev&ouml;lkerung Berlins den Staat ablehnten, wer entgegen der Polizeistatistik behauptet &bdquo;in Berlin werden 20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1000 t&uuml;rkischen und arabischen jugendlichen T&auml;tern begangen&ldquo; (S. 297)  der stellt diese Ausl&auml;ndergruppen nicht ohne Absicht in ein schlechtes Licht. Der benutzt auch nicht Formulierungen, wie die von angeblichen &bdquo;F&auml;ulnisprozesse im Innern der Gesellschaft&ldquo;<\/p><p>Erkl&auml;rung Sarrazins:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Vielmehr sollten meine Thesen auch der Integration von Migrantengruppen dienen, die bislang aufgrund ihrer Herkunft, sozialen Zusammensetzung und Religion nicht bereit oder in der Lage waren, sich st&auml;rker zu integrieren. Es entspricht nicht meiner Vorstellung, dass diese Gruppen bei eigenen Anstrengungen und einer erg&auml;nzenden Bildungspolitik etwa aus genetischen Gr&uuml;nden nicht integriert werden k&ouml;nnten.<br>\nMir ging es also darum, schwerwiegende Defizite der Migration, Integration und Fehlentwicklungen der Demografie in Deutschland anzusprechen, eine f&ouml;rdernde Integrationspolitik und Demografiepolitik zu entwickeln und daf&uuml;r insbesondere die vorhandenen Defizite des Bildungssystems zu &uuml;berwinden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Der Integration von Migrantengruppen wird sicherlich nicht dadurch &bdquo;gedient&ldquo;, dass, <\/p><ul>\n<li>Sarrazin entgegen empirischer Befunde etwa behauptet, dass es bei der Gruppe der Muslime keine positive Entwicklung der Bildungssituation gebe:<br>\n<blockquote><p>&bdquo;Besorgniserregend ist, dass die (&hellip;) Probleme der muslimischen Migranten auch bei der zweiten und dritten Generation auftreten, sich also quasi vererben, wie der Vergleich der Bildungsabschl&uuml;sse (&hellip;) zeigt.&ldquo; (S. 284)<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>dass falsche und ma&szlig;los &uuml;bertriebene Zahlen &uuml;ber den Hartz IV-Bezug von Menschen mit muslimischem Migrationshingergrund in die Welt gesetzt werden:<br>\n<blockquote><p>&bdquo;Bei den muslimischen Migranten entfallen auf 100 Menschen, die ihren Lebensunterhalt &uuml;berwiegend aus Erwerbst&auml;tigkeit bestreiten, 43,6 Menschen, die &uuml;berwiegend von Arbeitslosengeld und Hartz IV leben (&hellip;).&ldquo; (S. 282)<\/p><\/blockquote>\n<p>Laut Mikrozensus 2008 (2010) speziell f&uuml;r die Gruppe der Menschen mit t&uuml;rkischem Migrationshintergrund sind es 9,5%.<\/p><\/li>\n<li>oder dass Muslime oder T&uuml;rkischst&auml;mmige sich nicht bem&uuml;hten die deutsche Sprache zu lernen.<br>\nAllensbach hat im Jahr 2009 f&uuml;r 70% der Personen mit t&uuml;rkischem Migrationshintergrund gute bis sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache ermittelt.<\/li>\n<\/ul><p>(Alle Daten aus <a href=\"?p=7902#h17\">&ldquo;Sarrazins Thesen auf dem Pr&uuml;fstand&rdquo;<\/a>)<\/p><p>Sarrazin hat mit solchen Vorurteilen oder gar Vorverurteilungen, latent vorhandene Vorurteile in der Bev&ouml;lkerung vor allem gegen Muslime gest&uuml;tzt und sie <a href=\"?p=6572\">noch weiter verbreitet<\/a>. Er schiebt die Verantwortung f&uuml;r Defizite oder Vers&auml;umnisse bei der Integration nahezu ausschlie&szlig;lich den Migrantengruppen zu, die &bdquo;aufgrund ihrer Herkunft und Religion nicht bereit oder in der Lage waren, sich (!) st&auml;rker zu integrieren.&ldquo; Einen konstruktiven Beitrag, wie Integration besser gelingen k&ouml;nnte, leistet Sarrazin h&ouml;chst selten und in seiner politischen Praxis als Berliner Finanzsenator schon gar nicht.  <\/p><p>Erkl&auml;rung Sarrazins: <\/p><blockquote><p>&bdquo;3. Ich habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, mit meinen Thesen sozialdemokratische Grunds&auml;tze zu verletzen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Im Hamburger Programm der SPD von 2007 wurde bekr&auml;ftigt, dass &bdquo;Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarit&auml;t die Grundwerte des freiheitlichen, demokratischen Sozialismus&ldquo; seien. Die Idee des demokratischen Sozialismus sei eine &bdquo;Gesellschaft der Freien und Gleichen, in der unsere Grundwerte verwirklicht sind&ldquo;. Die Vision einer &bdquo;freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft&ldquo; sei eine &bdquo;dauernde Aufgabe&ldquo;. <\/p><p>Wenn Sarrazin behauptet, er habe zu keiner Zeit &bdquo;die Absicht&ldquo; gehabt, mit seinen Thesen diese sozialdemokratischen Grundwerte zu verletzen, so kennt er entweder diese Grundwerte nicht oder er tut so, als habe er diese mit seinen Thesen nur fahrl&auml;ssig ignoriert &ndash; also nicht &bdquo;absichtlich&ldquo; dagegen versto&szlig;en. <\/p><p>Was hat es aber mit &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo; oder mit einer Gesellschaft der &bdquo;Freien und Gleichen&ldquo; zu tun, wenn Sarrazin diskriminierende Vorurteile gegen&uuml;ber Migranten vor allem t&uuml;rkischer und arabischer Abstammung und gegen&uuml;ber Muslimen sch&uuml;rt? Was hat es mit der Gleichheit aller Menschen zu tun, wenn Sarrazin bestimmte Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer genetischen Disposition oder ihrer Religion gegen&uuml;ber der deutschen Mehrheitsbev&ouml;lkerung abwertet, sie pauschal als bildungsresistent, als kriminelle Gefahr, als zu erheblichen Anteilen parasit&auml;r und letztlich als Gefahr f&uuml;r das &Uuml;berleben der Deutschen darstellt. <\/p><p>Erkl&auml;rung Sarrazins: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Sollten Mitglieder der Partei sich in ihrem sozialdemokratischen Verst&auml;ndnis beeintr&auml;chtigt f&uuml;hlen, bedauere ich dies, auch wenn ich meine, dass mein Buch hierzu keine Veranlassung gegeben hat. Bei k&uuml;nftigen Veranstaltungen und Auftritten in der &Ouml;ffentlichkeit werde ich darauf achten, durch Diskussionsbeitr&auml;ge nicht mein Bekenntnis zu den sozialdemokratischen Grunds&auml;tzen infrage zu stellen oder stellen zu lassen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Anmerkung WL: Sollten sich Mitglieder der Partei in ihrem sozialdemokratischen Verst&auml;ndnis beeintr&auml;chtigt f&uuml;hlen, so bedaure ich dies: Das ist die &uuml;blich gewordene Formel einer Selbst-Entschuldigung, die Schuld von sich selbst abweist und sie denjenigen zuweist, die sich betroffen f&uuml;hlen. Also nur f&uuml;r den f&uuml;r Sarrazin offenbar selbst nicht nachvollziehbaren Fall, dass sich Mitglieder in ihrem sozialdemokratischen Verst&auml;ndnis beeintr&auml;chtigt f&uuml;hlen sollten, bedauert er das. Aber nach seiner Meinung, sind diejenigen, die sich beeintr&auml;chtigt f&uuml;hlen, im Unrecht, denn er meint ja, dass sein Buch hierzu keine Veranlassung gegeben hat. Seine Kritiker in der SPD, wozu auch der gesamte Parteivorstand gez&auml;hlt werden m&uuml;sste, sind also diejenigen, deren sozialdemokratisches Verst&auml;ndnis in Zweifel zu ziehen ist.<br>\nSarrazin bedauert nichts von dem, was er geschrieben und dar&uuml;ber hinaus &ouml;ffentlich erkl&auml;rt hat, sondern er bedauert die Fehlreaktion seiner Kritiker. Ein Bedauern also, dass letztlich seine Kritiker in der Pflicht w&auml;ren, ihre Kritik an Sarrazin zu bedauern. <\/p><p>Was ist von der dezidierten und fundierten Kritik des <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/38\/SPD-Sigmar-Gabriel\">Parteivorsitzenden der SPD, Sigmar Gabriel<\/a>, &uuml;brig geblieben. Muss er nun seine begr&uuml;ndeten Vorhalte bedauern? Mehr als durch diesen &bdquo;Freispruch&ldquo; kann man einen Parteivorsitzenden nicht im Regen stehen lassen. <\/p><p>Sarrazin hat dadurch, dass die Schiedskommission diese Erkl&auml;rung akzeptiert hat, um das Ausschlussverfahren gegen&uuml;ber ihm einzustellen, zugestanden, dass er die in seinem Buch und sonstigen &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rungen vertretenen Thesen in keinem Punkt zu korrigieren, zu revidieren oder wenigstens zu relativieren braucht. Das hei&szlig;t, wenn Sarrazin k&uuml;nftig das Gleiche behauptet, was er bisher schon behauptet hat, so ist damit sein Bekenntnis zu den sozialdemokratischen Grunds&auml;tzen nicht in Frage gestellt. Die Thesen von &bdquo;Deutschland schafft sich ab&ldquo; sind also k&uuml;nftig von den sozialdemokratischen Grunds&auml;tzen gedeckt.<br>\nSozialdarwinismus und rechtsextremistische Untert&ouml;ne sind somit k&uuml;nftig mit den Grundwerten der SPD vereinbar. In Abwandlung eines Goethe-Zitats m&ouml;chte man sagen: Die SPD hat einen gro&szlig;en Magen. Selbst die konservativ gewirkte Deutsche Bundesbank war da mit der Entlassung Sarrazins aus dem Vorstand konsequenter. <\/p><p>Die Kritiker eines Parteiausschlusses von Sarrazin bringen immer wieder das Argument der Meinungsfreiheit ins Spiel. Sarrazin kann meinen was er will, aber mit seinem beharrlichen Festhalten an seiner Mitgliedschaft beweist er, dass er politisch darum k&auml;mpft, dass seine Meinung den Grunds&auml;tzen und Grundwerten der Sozialdemokratischen Partei entsprechen soll. <\/p><p>Ich lese, dass diese Erkl&auml;rung gar nicht von Sarrazin selbst stamme, sondern ihm von der Schiedskommission aufgedr&auml;ngt und auf Anraten seines Rechts-Beistandes Klaus von Dohnanyi von ihm akzeptiert wurde. Er selbst wollte offenbar viel offensiver vorgehen. Sollte also diese Erkl&auml;rung von der SPD-Generalsekret&auml;rin Andrea Nahles mitformuliert worden sein, so belegt das nur, das flache sprachliche, intellektuelle und politische Niveau auf dem da verhandelt wurde. Es wurde nicht einmal erkannt, dass Nahles und die Schiedskommission mit ihrer eigenen Erkl&auml;rung Sarrazin durchg&auml;ngig zum Gewinner dieses Ausschlussverfahrens machte. An keiner Stelle wurde auch nur der Versuch gemacht, eine argumentative Auseinandersetzung mit den Thesen Sarrazins zu f&uuml;hren. <\/p><p>Nun ist mir nicht unbekannt, dass sich in der Mitgliedschaft der SPD auch viel kleinb&uuml;rgerliches, ja sogar von rechtspopulistischen Spr&uuml;chen leicht ansprechbares Gedankengut finden l&auml;sst. Es war jedoch in der Geschichte dieser Partei immer auch deren Leistung, solche Mitglieder politisch mitzunehmen und an sozialdemokratische Grundwerte r&uuml;ckzubinden. Wenn aber k&uuml;nftig auf Parteitagen mit Sarrazins Thesen argumentiert wird, dann geh&ouml;ren solche Aussagen zum in der SPD zu tolerierenden Meinungsspektrum. Die &bdquo;g&uuml;tliche Einigung&ldquo; hat also nicht nur den Rechtspopulismus in der Gesellschaft gest&auml;rkt, sondern er wird damit &uuml;ber die SPD selbst noch gesellschaftsf&auml;hig gemacht. Sozialdemokratische Grundwerte sind damit der Beliebigkeit preisgegeben. Und diese Beliebigkeit hat nichts mit Toleranz zu tun, sondern das bedeutet, dass man von vorneherein gar keinen eigenen Standpunkt mehr einnimmt, von dem aus man einen anderen Standpunkt tolerieren k&ouml;nnte. Anders als Nico Fried in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/die-spd-und-die-causa-sarrazin-gabriel-nahles-und-andere-sektierer-1.1088513\">S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/a> meint, ist das kein Ende mit Schrecken, sondern ein Schrecken ohne Ende. <\/p><p>Die SPD hat unter Schr&ouml;der mit ihrer Agendapolitik, z.B. mit Hartz IV oder mit der Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Rente bei vielen Arbeitnehmern Vertrauen verloren. Indem sie sich nun nicht einmal mehr von Sarrazin abgrenzt, wird sie auch noch ihre bisherige relative Beliebtheit bei den Migranten verlieren. (Siehe z.B. die <a href=\"http:\/\/www.tgd.de\/index.php?name=News&amp;file=article&amp;sid=1140\">Erkl&auml;rung des gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Vorstandes der T&uuml;rkischen Gemeine in Deutschland<\/a>) Dadurch, dass sie Sarrazins Thesen, wonach sich Deutschland abschafft hinnimmt, schafft sich die SPD selbst als integrierende Volkspartei vollends ab. <\/p><p>Die SPD hat sich einmal mehr einer vordergr&uuml;ndigen Meinungsmehrheit gebeugt (angeblich waren nach Meinungsumfragen 60 Prozent gegen einen Ausschluss Sarrazins), die Quittung wird sie schon bei den Wahlen zum Berliner Senat erhalten. In einer Stadt, mit einem Anteil von <a href=\"http:\/\/www.in-berlin-brandenburg.com\/News\/Infos\/auslaender.html\">13,5% ausl&auml;ndischer Mitb&uuml;rger<\/a>, k&ouml;nnen sich die Gr&uuml;nen &uuml;ber die Entscheidung der Schiedskommission nur voller Freude die H&auml;nde reiben.<\/p><p><strong>Hier noch einmal die Erkl&auml;rung Sarrazins im zusammenh&auml;ngenden Volltext:<\/strong><\/p><blockquote>\n<ol>\n<li>&ldquo;Ich habe in meinem Buch nicht die Auffassung vertreten oder zum Ausdruck bringen wollen, dass sozialdarwinistische Theorien in die politische Praxis umgesetzt werden sollen. Es entspricht insbesondere nicht meiner &Uuml;berzeugung, Chancengleichheit durch selektive F&ouml;rderungs- und Bildungspolitik zu gef&auml;hrden; alle Kinder sind als Menschen gleich viel wert. Ich habe mit meinem Buch keine selektive Bev&ouml;lkerungspolitik verlangt; der Vorschlag, Frauen in akademischen Berufen und anderen gesellschaftlich hervorgehobenen Positionen Pr&auml;mien zu gew&auml;hren, sollte diesen Frauen lediglich die M&ouml;glichkeit verschaffen, ihre Berufe und T&auml;tigkeiten mit der Geburt eigener Kinder zu verbinden. Hiermit habe ich auch nicht die Vorstellung verbunden, diese F&ouml;rderung lediglich Frauen mit akademischen Berufen oder mit bestimmter Nationalit&auml;t oder Religion zukommen zu lassen.&rdquo;<\/li>\n<li>&ldquo;Mir lag es fern, in meinem Buch Gruppen, insbesondere Migranten, zu diskriminieren. Vielmehr sollten meine Thesen auch der Integration von Migrantengruppen dienen, die bislang aufgrund ihrer Herkunft, sozialen Zusammensetzung und Religion nicht bereit oder in der Lage waren, sich st&auml;rker zu integrieren. Es entspricht nicht meiner Vorstellung, dass diese Gruppen bei eigenen Anstrengungen und einer erg&auml;nzenden Bildungspolitik etwa aus genetischen Gr&uuml;nden nicht integriert werden k&ouml;nnten. Mir ging es also darum, schwerwiegende Defizite der Migration, Integration und Fehlentwicklungen der Demografie in Deutschland anzusprechen, eine f&ouml;rdernde Integrationspolitik und Demografiepolitik zu entwickeln und daf&uuml;r insbesondere die vorhandenen Defizite des Bildungssystems zu &uuml;berwinden.&rdquo;<\/li>\n<li>&ldquo;Ich habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, mit meinen Thesen sozialdemokratische Grunds&auml;tze zu verletzen. Sollten Mitglieder der Partei sich in ihrem sozialdemokratischen Verst&auml;ndnis beeintr&auml;chtigt f&uuml;hlen, bedaure ich dies, auch wenn ich meine, dass mein Buch hierzu keine Veranlassung gegeben hat. Bei k&uuml;nftigen Veranstaltungen und Auftritten in der &Ouml;ffentlichkeit werde ich darauf achten, durch Diskussionsbeitr&auml;ge nicht mein Bekenntnis zu den sozialdemokratischen Grunds&auml;tzen in Frage zu stellen oder stellen zu lassen.&rdquo;<\/li>\n<\/ol>\n<\/blockquote><p><strong>Und hier noch einmal die Gedankenwelt Sarrazins in einigen Zitaten:<\/strong><\/p><blockquote><p>&ldquo;Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, f&uuml;r die Ausbildung seiner Kinder nicht vern&uuml;nftig sorgt und st&auml;ndig neue kleine Kopftuchm&auml;dchen produziert. Das gilt f&uuml;r 70 Prozent der t&uuml;rkischen und 90 Prozent der arabischen Bev&ouml;lkerung in Berlin.&rdquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&ldquo;Ich m&ouml;chte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu gro&szlig;en Teilen muslimisch ist, dass dort &uuml;ber weite Strecken T&uuml;rkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. Wenn ich das erleben will, kann ich eine Urlaubsreise ins Morgenland buchen.&rdquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&ldquo;Die T&uuml;rken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine h&ouml;here Geburtenrate.&rdquo;<\/p><\/blockquote><blockquote><p>&ldquo;Es ist n&auml;mlich zu bef&uuml;rchten, dass sie zur &uuml;berdurchschnittlichen Vermehrung jener bildungsfernen und von Transfers abh&auml;ngigen Unterschicht beitragen, welche die Entwicklungsaussichten Deutschlands verd&uuml;stert.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Zitiert nach <a href=\"http:\/\/feynsinn.org\/?p=7997\">Feynsinn<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Gr&uuml;ndonnerstag versuchte die SPD die Causa Sarrazin in der allgemeinen &ouml;sterlichen Ruhe still aus der Welt zu schaffen. Mit einer Erkl&auml;rung, in der Sarrazin nicht ein Jota seiner sozialdarwinistischen Thesen zur&uuml;cknimmt, wurde das Ausschlussverfahren gegen ihn eingestellt.<br \/> Die Thesen von &bdquo;Deutschland schafft sich ab&ldquo; gelten k&uuml;nftig als von den sozialdemokratischen Grunds&auml;tzen gedeckt. Die &bdquo;g&uuml;tliche<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9192\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,125,191],"tags":[401,305,830,705,389],"class_list":["post-9192","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-rechte-gefahr","category-spd","tag-gabriel-sigmar","tag-menschenrechte","tag-nahles-andrea","tag-sarrazin-thilo","tag-sozialrassismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9192"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22952,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9192\/revisions\/22952"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}