{"id":91946,"date":"2022-12-29T09:30:12","date_gmt":"2022-12-29T08:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91946"},"modified":"2023-02-16T10:13:43","modified_gmt":"2023-02-16T09:13:43","slug":"brasilien-die-regierung-lula-wird-ums-ueberleben-kaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91946","title":{"rendered":"Brasilien: &#8220;Die Regierung Lula wird ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Der Sieg Lula da Silvas war hart errungen. Doch die gr&ouml;&szlig;ten Herausforderungen warten noch auf ihn. Der Linkspolitiker In&aacute;cio Lula da Silva (77) hatte mit rund 51 Prozent die Wahl zur Pr&auml;sidentschaft im Oktober wie erwartet f&uuml;r sich entschieden. Doch der bisherige Amtsinhaber Jair Bolsonaro (67) konnte 49 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Es war der knappste Wahlsieg seit Ende der Milit&auml;rdiktatur 1988. Gemessen an den Herausforderungen, die auf die linksgerichtete Regierung innerhalb der eigenen Koalition, im von der politischen Rechten beherrschten Kongress, im Milit&auml;r sowie in den Finanzm&auml;rkten und im Agrar- und Bergbausektor warten, war der Wahlsieg wom&ouml;glich noch das Leichteste. Von <strong>Mario Schenk<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Regierungskoalition<\/strong><\/p><p>Bereits innerhalb seiner Regierungskoalition wird Pr&auml;sident Lula da Silva auf Widerstand sto&szlig;en, denn es ist ein sehr breites B&uuml;ndnis, das sich nur um Lula gebildet hat, um sich auf parlamentarischem Weg dem Angriff der Rechten auf Demokratie und Rechtsstaat entgegenzustellen. Dem B&uuml;ndnis geh&ouml;ren zehn Parteien an und die drei linken Parteien &ndash; die Arbeiterpartei PT, die kommunistische Partei PCdoB und die sozialistische PSOL &ndash; sind in der Minderheit. Die anderen geh&ouml;ren programmatisch zur politischen Mitte. So ein B&uuml;ndnis zwischen der Linken und dem Zentrum war Ende der 1980er Jahre beim &Uuml;bergang von der Milit&auml;rdiktatur zur Demokratie erfolgreich. Wie damals h&auml;tte die Linke auch heute allein nicht die Kraft, den politischen Gegner abzusetzen.<\/p><p>Lula und die PT versprachen sich von der Allianz mit dem unternehmerfreundlichen und konservativen Geraldo Alckmin (PSB) als Vizepr&auml;sident einen Zugewinn von W&auml;hlern der politischen Mitte und so bessere Erfolgschancen gegen&uuml;ber Bolsonaro. Das ging auch knapp auf. Zwar gab es in sozial- oder wirtschaftspolitischen Fragen bisher keine Widerst&auml;nde von Seiten Alckmins. Doch Kritikerinnen und Kritiker bef&uuml;rchten durch die Zusammenarbeit mit dem wirtschaftsliberalen Partner eine weitere Entfremdung der PT von Gewerkschaften und arbeitnehmerfreundlichen Positionen. Auch offenbarten sich politische Differenzen bereits im Wahlkampf wie bei der Frage des Rechts auf Abtreibung. Im Sinne des Koalitionsfriedens und mit Blick auf die breite evangelikale Bev&ouml;lkerung gab Lula vor der Stichwahl seine progressivere Position auf und sprach sich ebenfalls gegen Abtreibung aus. Inwieweit derartige Zugest&auml;ndnisse die Arbeit einer zuk&uuml;nftigen Regierung kompromittieren, h&auml;ngt auch von Lulas taktischem Geschick ab. Um in Zukunft solche Kompromisse vermeiden zu k&ouml;nnen, hatten Linke und Aktivisten gehofft, ein Sieg Lulas im ersten Wahlgang oder zumindest ein deutlicher Sieg vor Bolsonaro in der Stichwahl w&uuml;rden linke Positionen innerhalb der Koalition mehr R&uuml;ckhalt verschaffen. Das knappe Ergebnis gibt nun den Konservativen in der Regierung Auftrieb. Einen Bruch der Koalition erwarten Beobachter allerdings nicht. Als zu wichtig bewerten alle Beteiligten die Einheit gegen Bolsonaro. Lula plant zudem zehn Ministerien zu gr&uuml;nden &ndash; auch um die Koalitionspartner mit Posten auszustatten.<\/p><p><strong>Der Kongress<\/strong><\/p><p>Ein viel gr&ouml;&szlig;eres Hindernis f&uuml;r eine progressive Politik stellt das zu 70 Prozent konservativ bis reaktion&auml;r eingestellte Parlament dar. Insgesamt geht die politische Rechte gest&auml;rkt aus den Wahlen hervor. Viele aus Bolsonaros Liberaler Partei (PL) und von ihm unterst&uuml;tzte Kandidaten zogen ins Parlament ein oder gewannen direkt die Gouverneursposten wie in Rio de Janeiro und in den von der Agrarlobby gepr&auml;gten Bundesstaaten in der Amazonas-Region. Die meisten aktuellen oder ehemaligen Mitglieder der Bolsonaro-Regierung traten bei den Wahlen an und erzielten Traumergebnisse. Sie st&auml;rken demn&auml;chst das Profil und den Einfluss der reaktion&auml;ren Parteien im Parlament.<\/p><p>Ins Abgeordnetenhaus zog Bolsonaros Liberale Partei mit 99 Sitzen von 513 als st&auml;rkste Fraktion ein. Zusammen mit den rechtsgerichteten Parteien Progressistas (47 Sitze) und Republicanos (41 Sitze) versammelt die Allianz hinter Bolsonaro ein Drittel der Stimmen im Abgeordnetenhaus. Noch d&uuml;sterer sieht es im Senat aus, den rechte Parteien mit 55 Prozent bestimmen und so Gesetzesvorhaben der Regierung abschw&auml;chen oder blockieren k&ouml;nnen.<\/p><p>Das von der PT gef&uuml;hrte linke Wahlb&uuml;ndnis &ldquo;Hoffnung Brasilien&rdquo; erreichte 79 Sitze des Abgeordnetenhauses. Zusammen kommen die zehn linksgerichteten Parteien auf 138 Sitze, rund 27 Prozent des Abgeordnetenhauses. Im Senat sind sie noch weniger vertreten. Um Gesetzesprojekte durch das Parlament zu bringen, ist die neue Regierung auf Stimmen der konservativen Zentrumsparteien, dem sogenannten Centr&atilde;o, angewiesen. Diese gewannen mit 273 Sitzen 53 Prozent des Abgeordnetenhauses.<\/p><p>Das &ldquo;Centr&atilde;o&rdquo; vereint eine Handvoll konservativer Parteien, die sich in der Vergangenheit programmatisch flexibel zeigten, wenn sie daf&uuml;r belohnt wurden. Auch die kommende Regierung wird mit diesen Parteien Kompromisse aushandeln m&uuml;ssen. Analysten gehen davon aus, dass ein Pr&auml;sident Lula wie in seinen beiden fr&uuml;heren Amtsperioden (2003 &ndash; 2010) eine linke Koalition unter der punktuellen Beteiligung von Parteien des Centr&atilde;o bilden wird, um grundlegende Reformen durch das Parlament zu bringen. Die Zustimmung dieser taktischen Partner zu seiner Reformagenda, wie den Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r die Reichsten oder die Wiederaufnahme der Agrarreform, wird unter den aktuellen Kr&auml;fteverh&auml;ltnissen unweit schwieriger sein als beim letzten Mal, meint S&eacute;rgio Pra&ccedil;a, Professor an der sozialwissenschaftlichen Fakult&auml;t (CPDOC) der Getulio-Vargas-Stiftung (FGV). <\/p><p>Doch die Regierung Lula wird nicht nur um Mehrheiten k&auml;mpfen m&uuml;ssen, sondern auch ums &Uuml;berleben. &ldquo;Der Kongress wird aufgrund des Erstarkens der Rechten, insbesondere der extremen Rechten, gegen&uuml;ber einer links gef&uuml;hrten Regierung sehr feindselig eingestellt sein&rdquo;, erkl&auml;rt Oliver Stuenkel, Professor f&uuml;r internationale Beziehungen an der FGV. Politische Gegnerinnen und Gegner wie der wiedergew&auml;hlte Kongressabgeordnete und Pr&auml;sidentensohn Eduardo Bolsonaro (PL) oder der gew&auml;hlte Senator S&eacute;rgio Moro (Uni&atilde;o), der als Richter Lula im Lava-Jato-Prozess verurteilte, werden versuchen, dem PT-Pr&auml;sidenten das Leben zu erschweren. Amtsenthebungsantr&auml;ge k&ouml;nnten &ldquo;vom ersten Moment an&rdquo; gestellt werden, ist sich Stuenkel sicher.<\/p><p><strong>Die Finanzm&auml;rkte<\/strong><\/p><p>Auch au&szlig;erparlamentarisch wird Lula viel Verhandlungsgeschick beweisen m&uuml;ssen, will er seine wirtschafts- und steuerpolitischen Vorhaben umsetzen. Bolsonaro und sein marktradikaler Wirtschaftsminister Paulo Guedes haben die &ouml;ffentlichen und am Gemeinwohl orientierten Strukturen bis zur Unkenntlichkeit geschleift, den Arbeitsschutz zur Privatsache degradiert, die Renten und L&ouml;hne gesenkt und Unternehmen von Abgaben befreit. Um den Handel und die Finanzwirtschaft durch die Krise zu bringen und ihnen weiter hohe Gewinne zu erm&ouml;glichen, nahm Bolsonaro in Kauf, dass weite Teile der Bev&ouml;lkerung verarmten. Die Unternehmen bedankten sich mit millionenschweren Wahlkampfspenden bei Bolsonaro.<\/p><p>Die neue Regierung wird nicht nur daran gemessen werden, ob es ihr gelingt, die Ma&szlig;nahmen zur&uuml;ckzunehmen. Lula will die nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik der bisherigen PT-gef&uuml;hrten Amtszeiten wiederbeleben. Um die Konjunktur anzukurbeln, sollen staatliche Unternehmen Auftr&auml;ge vergeben und &ouml;ffentliche Banken g&uuml;nstige Kreditlinien bereitstellen. Lula will L&ouml;hne und Geh&auml;lter deutlich anheben, um die Kaufkraft zu erh&ouml;hen. Zudem hat er eine Steuerreform angek&uuml;ndigt, die gro&szlig;e Einkommen und Verm&ouml;gen so stark belastet wie nie zuvor &ndash; niedrige hingegen g&auml;nzlich befreit.<\/p><p>Die Unternehmerverb&auml;nde haben bereits gefordert, von einer Steuer- und Arbeitsmarktreform abzusehen. Repr&auml;sentanten der Finanzwirtschaft erkl&auml;rten, nur einen wirtschaftsliberalen Pr&auml;sidenten der Zentralbank zu akzeptieren. Zudem solle der Einfluss der Regierung auf die F&uuml;hrung der staatlichen Unternehmen, wie dem staatlichen Erd&ouml;lkonzern Petrobr&aacute;s oder die Entwicklungsbanken, nicht zu sp&uuml;ren sein. Gelingt es Lula nicht, den Unternehmen ausreichend Profite in Aussicht zu stellen, droht eine &auml;hnliche Kapitalflucht wie in der letzten Amtszeit Dilma Rousseffs 2016. Eine daraus resultierende weitere Verteuerung der Lebenshaltungskosten, hohe Zinsen auf Kredite und geringe Steuereinnahmen k&ouml;nnten Lulas sozialpolitische Konzepte unm&ouml;glich machen. Ihre Schlagkraft bekr&auml;ftigten die Finanzanleger, indem sie am Morgen nach der ersten Wahl das gute Abschneiden Bolsonaros und dessen Chance auf eine Wiederwahl mit einem B&ouml;rsenplus von 5,5 Prozent goutierten. L&auml;uft es gegen ihren Willen, k&ouml;nnte Kapital schnell au&szlig;er Landes geschafft werden und manchen Wirtschaftszweigen den Hahn abdrehen.<\/p><p><strong>Die Agrarwirtschaft und der Bergbau<\/strong><\/p><p>Unter Bolsonaro erlebten der Raubbau an der Natur und die Vertreibung lokaler und indigener Bev&ouml;lkerungen eine Hochkonjunktur. Bolsonaro k&uuml;rzte die Mittel der Beh&ouml;rden f&uuml;r Naturschutz und Indigene so weit, dass sie ihren Schutzaufgaben nicht mehr nachkommen konnten. Das Eindringen in den Amazonasraum pries er als Pionierleistung. Der Umfang gerodeter Fl&auml;chen und illegaler Minen als auch die Zahl ermordeter indigener Aktivisten erreichten 2021 und 2022 Rekordwerte. Die Polizei schaute vielerorts weg.<\/p><p>An Lula liegt es nun, die Umweltzerst&ouml;rung einzud&auml;mmen. Seine Regierung muss die Kontrollbeh&ouml;rden wieder aufbauen und die Strafverfolgung reaktivieren. Dabei wird er auf breiten Widerstand lokaler Eliten und Profiteure treffen. In einigen Staaten des Amazonasgebietes, und zwar da, wo der Regenwald am meisten bedroht ist, stimmten bis zu 76 Prozent f&uuml;r Bolsonaro. In neun von zehn Gemeinden mit den h&ouml;chsten Raten an Waldeinschlag erhielt er bei dieser Wahl mehr Prozente als bei der Wahl 2018. Agrarunternehmer, Holzf&auml;ller und Goldgr&auml;ber bilden dort eine Mehrheitskultur, die die neue Regierung brechen muss. Ihre Gewinne h&auml;ngen vom unbegrenztem Raubbau ab und sie haben Milizen aufgestellt, die den Beh&ouml;rden gegen&uuml;bertreten k&ouml;nnen. Gewaltsame Auseinandersetzungen k&ouml;nnten die Region demn&auml;chst pr&auml;gen.<\/p><p>Auch auf nationaler Ebene wird es die neue Regierung betr&auml;chtlichen politischen Aufwand kosten, f&uuml;r mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit nat&uuml;rlichen Ressourcen zu sorgen. Lula hat erkl&auml;rt, das Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur-Staaten und der EU nachzuverhandeln. Der Pr&auml;sident will erreichen, dass Brasilien nicht l&auml;nger nur als Rohstofflieferant f&uuml;r den Norden fungiert. Doch die Besitzer und Vertreter gro&szlig;er Agrar- und Bergbaukonzerne sind sehr stark im Parlament vertreten. Als &ldquo;Bancada Ruralista&rdquo; bilden sie mit derzeit 158 Abgeordneten die gr&ouml;&szlig;te &uuml;berparteiliche Interessengruppe. Sie werden rigorosen Pestizidbestimmungen oder Auflagen f&uuml;r nachhaltigen Anbau zu verhindern versuchen, denn schlie&szlig;lich sind sie nur daf&uuml;r in die Politik gegangen. Unter dem Strich wird das Agrarbusiness aber davon profitieren, dass es durch Lula zur Ratifizierung des Freihandelsabkommens mit der EU kommen wird. Bisher weigerten sich EU-L&auml;nder, das Abkommen wegen Bolsonaros fehlendem Engagement f&uuml;r den Umweltschutz zu unterzeichnen.<\/p><p><strong>Die Milit&auml;rs<\/strong><\/p><p>Das Milit&auml;r hat derzeit enorm viel Einfluss bei der Mitgestaltung des Landes und viele Linke erwarten, dass Lula dessen Macht zur&uuml;ckdr&auml;ngt. Durch Bolsonaro gelangten sie auch ohne Putsch an die Macht. Hochrangige Offiziere stehen etlichen Ministerien und Beh&ouml;rden vor und verfolgen eine eigene politische Agenda. Sie erarbeiten in eigenen Thinktanks Strategiepapiere f&uuml;r die Au&szlig;en-, Innen-, Gesundheits- oder Sozialpolitik und bestimmten ma&szlig;geblich die zur&uuml;ckliegende Regierungsarbeit. Kritiker wie der Demokratieforscher Jorge Pereira von der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in S&atilde;o Paulo halten die brasilianische Demokratie derzeit f&uuml;r nicht vollwertig. Zu sehr lebe man in einem Regime, das von den Interessen der Milit&auml;rs abh&auml;ngig sei. Jede zuk&uuml;nftige Regierung werde die Milit&auml;rs auf eine untergeordnete Rolle zur&uuml;ckzudr&auml;ngen m&uuml;ssen, so Pereira. <\/p><p>Lula spricht vorsichtig davon, die Streitkr&auml;fte zu &ldquo;entpolitisieren&rdquo; und will die Dauer begrenzen, in der aktive Milit&auml;rs oder Reservisten zivile &Auml;mter bekleiden k&ouml;nnen. Dazu plant er, ein Dekret von Bolsonaro zu &uuml;berpr&uuml;fen, das Milit&auml;rangeh&ouml;rigen die unbefristete &Uuml;bernahme von &ouml;ffentlichen &Auml;mtern erm&ouml;glicht hat. Den Posten des Verteidigungsministers oder der Verteidigungsministerin soll wieder eine Person aus der Zivilgesellschaft &uuml;bernehmen, erkl&auml;rte Lula. <\/p><p>Zudem k&uuml;ndigte die PT an, eine Nationalgarde zu schaffen, die dem Pr&auml;sidenten untersteht &ndash; und nicht dem Kommando der Streitkr&auml;fte &ndash; und bei Gefahren f&uuml;r die &ouml;ffentliche Sicherheit anstelle des Milit&auml;rs aktiv wird. Diese &uuml;berf&auml;llige Entbindung der Streitkr&auml;fte von innenpolitischen Aufgaben bedeutet einen weitreichenden Machtverlust, den die Milit&auml;rs ablehnen. Die Gener&auml;le hatten ihre Dialog- und Reformbereitschaft erkl&auml;rt &ndash; vorausgesetzt, man entbinde sie nicht von Aufgaben der inneren Sicherheit. Wie zur Bes&auml;nftigung versprach Lulas ehemaliger Au&szlig;enminister und strategischer Berater, Celso Amorim (PT), man wolle generell &ldquo;keinen linken General, sondern einen gesetzestreuen und gewissenhaften&rdquo;. Ferner gedenkt die PT in einem sehr strittigen Punkt die W&uuml;nsche der Milit&auml;rs zu erf&uuml;llen, indem sie die staatliche Aufarbeitung der Verbrechen der Milit&auml;rdiktatur f&uuml;r beendet ansieht. Die Wahrheitskommission, die unter Dilma Rousseff zum Zerw&uuml;rfnis mit der Generalit&auml;t gef&uuml;hrt hatte, sei &ldquo;Geschichte&rdquo;, so Amorim.<\/p><p>Der Entmachtung im Inneren will Lula mit einem st&auml;rkeren Fokus auf der Landesverteidigung ausgleichen. Lula will die Milit&auml;rs st&auml;rker einbinden, um eine regionale Verteidigungsstrategie zu entwickeln, die die Nachbarstaaten als Partner und nicht als Gegner betrachtet wie noch unter Bolsonaro. Ferner sollen die Streitkr&auml;fte modernisiert und mit technologisch neuen Waffen ausgestattet und fr&uuml;here nationale Projekte der Raketen- und U-Boot-Produktion wiederbelebt werden. Lula offeriert den Milit&auml;rs also, Brasilien zur milit&auml;rischen Ordnungsmacht der s&uuml;damerikanischen Hemisph&auml;re zu machen, um ihre Anspr&uuml;che zu befriedigen.<\/p><p>Die Widerst&auml;nde und Herausforderungen f&uuml;r eine linksgef&uuml;hrte Regierung unter Lula sind enorm. Wie viel progressive Politik die neue Regierung durchsetzen kann und wie viel davon taktischen Kompromissen zum Opfer f&auml;llt, h&auml;ngt sicher vom Verhandlungsgeschick Lulas ab, aber auch und nicht zuletzt vom Druck der Stra&szlig;e.<\/p><p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst in dem Fachmagazin BrasilienNachrichten, Dezember 2022, Ausgabe 166<\/em><\/p><p>Titelbild: In S&atilde;o Paulo rufen Bolsonaro-Anh&auml;nger die brasilianischen Streitkr&auml;fte zur Intervention auf, um den Amtsantritt von Lula da Silva zu verhindern &ndash; shutterstock \/ NANCY AYUMI KUNIHIRO<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema: <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91905\">Wegen Putschversuch: Gro&szlig;einsatz in Brasilien gegen Bolsonaro-Anh&auml;nger aus Milit&auml;r und Politik<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89081\">Brasilien vor der Entscheidung<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/54b1508117ac4655a47af50be8034e7d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sieg Lula da Silvas war hart errungen. 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