{"id":92023,"date":"2023-01-02T11:41:25","date_gmt":"2023-01-02T10:41:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92023"},"modified":"2023-01-03T10:32:28","modified_gmt":"2023-01-03T09:32:28","slug":"77-jahre-uno-kritische-gedanken-von-hans-von-sponeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92023","title":{"rendered":"77 Jahre UNO \u2013 kritische Gedanken von Hans von Sponeck"},"content":{"rendered":"<p>Im Oktober 1947 trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft. Das ist Grund zum Feiern, aber auch Anlass f&uuml;r Kritik, wird die UNO doch mehr und mehr f&uuml;r nationale und imperiale Eigeninteressen instrumentalisiert. Dazu hat der ehemalige deutsche UN-Diplomat <strong>Hans von Sponeck<\/strong> beim Kassler Friedensratschlag eine bemerkenswerte Rede gehalten. Das Thema: &bdquo;UNO befreien, Missbrauch internationaler Organisationen verhindern&ldquo;. Die NachDenkSeiten sind stolz, ihren Lesern zum Jahresbeginn das Manuskript dieser Rede zur Lekt&uuml;re vorzustellen. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3346\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-92023-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230102_77_Jahre_UNO_kritische_Gedanken_von_Hans_von_Sponeck_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230102_77_Jahre_UNO_kritische_Gedanken_von_Hans_von_Sponeck_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230102_77_Jahre_UNO_kritische_Gedanken_von_Hans_von_Sponeck_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230102_77_Jahre_UNO_kritische_Gedanken_von_Hans_von_Sponeck_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=92023-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230102_77_Jahre_UNO_kritische_Gedanken_von_Hans_von_Sponeck_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230102_77_Jahre_UNO_kritische_Gedanken_von_Hans_von_Sponeck_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Kassler Friedensratschlag &ndash; 2022<\/strong><\/p><p><strong>&bdquo;UNO befreien, Missbrauch internationaler Organisationen verhindern&ldquo;<\/strong><\/p><ul>\n<li>77 Jahre UNO &ndash; was braucht es, um die UNO vom Joch der Unterdr&uuml;ckung zu befreien?<\/li>\n<li>Wie kann der Missbrauch internationaler Organisationen, nicht nur der UNO, verhindert werden?<\/li>\n<\/ul><p>Zwei Themen, ein Problem!<\/p><p>Hierzu Gedanken eines Menschen, der die UNO  erlebt und gelebt hat und meint, dass unsere Welt ohne Multilateralismus keine lebensw&uuml;rdige Zukunft hat.<\/p><p>Es geht hier nicht nur um &sbquo;Reformen&lsquo;, sowieso ein schwaches Wort im Hinblick auf das katastrophale geopolitische Chaos, dem die B&uuml;rger heute weltweit ausgesetzt sind. Es geht um weit mehr, um sehr viel mehr.<\/p><p>Mensch und Natur sind von Krankheit befallen. Wir besitzen die &lsquo;Medikamente&rsquo;, die Globalen Gemeinschaftsg&uuml;ter, f&uuml;r eine Heilung, aber benutzen diese nicht. In den Jahren ist viel wichtiges Menschenrecht geschaffen worden. Die Verpflichtung f&uuml;r die Anwendung dieser Rechte existiert daher, um Frieden, menschliche Sicherheit und nachhaltige Entwicklung f&uuml;r alle zu erm&ouml;glichen. Anwendung w&uuml;rde bedeuten, dass unsere Welt genesen k&ouml;nnte.<\/p><p>Ohne einen Multilateralismus, wie er in der UNO-Charta vorgegeben ist, wird dies nicht gehen. Stalin, Roosevelt und Churchill, ein Kommunist aus dem Osten und zwei Kapitalisten aus dem Westen, hatten sich 1945 auf der Krim &uuml;ber die Schaffung der UNO geeinigt und der Welt eine Gemeinschaft versprochen. Das konnte nicht gutgehen. Zu gro&szlig; waren die ideologische Kluft und die unterschiedlichen nationalen geopolitischen Erwartungen. Es folgte der Kalte Krieg, der heute noch k&auml;lter geworden ist.  <\/p><p>Viel g&auml;be es hier zu erl&auml;utern. Die kurze Zeit, die ich habe, muss ich aber nutzen f&uuml;r eine Bestandsaufnahme der multilateralen Realit&auml;t im 21. Jahrhundert und nat&uuml;rlich f&uuml;r entsprechende Hinweise auf Erneuerung. <\/p><p>Aus 51 UNO-Gr&uuml;ndungsstaaten 1945 sind heute 193 UNO-Mitgliedstaaten geworden. Die UNO ist aber weiterhin macht-politisch eine west-zentrische Organisation geblieben, so wie die zwei Kapitalisten Churchill und Roosevelt es vor 77 Jahren haben wollten: <\/p><p>Von den f&uuml;nf permanenten Mitgliedern des Sicherheitsrates kommen drei (!) aus dem Westen; Afrika und Lateinamerika haben keine Sitze, Asien mit China nur einen. Das politische Hauptquartier der UNO befindet sich in New York; die UNO-Sonderorganisationen, -Fonds und -Programme haben ihre Zentralen, ohne Ausnahme, im Westen; die Weltbank und der Internationale W&auml;hrungsfonds, zwei UNO-Einrichtungen mit Sitz in Washington, unterliegen deutlich westlichen Interessen.  <\/p><p>Sie werden die Gewichtung einer solchen Darstellung infrage stellen. So ging es mir auch, bis ich &uuml;ber viele Monate hinweg die j&auml;hrlichen Abstimmungsergebnisse der UNO-Generalversammlung untersucht hatte. Was ich herausfand, ergab ein ersch&uuml;tterndes Zeugnis der Machtlosigkeit der Mehrheit der Staaten. Haupts&auml;chlich westliche L&auml;nder, vor allem die Vereinigten Staaten mit ihrem erzwungenen neo-liberalen Unilateralismus, haben Jahr f&uuml;r Jahr systematisch jeglichen Versuch, Menschenrechte und die menschliche Sicherheit f&uuml;r alle, wo immer sie leben, versucht zu unterdr&uuml;cken.  <\/p><p>Vom Kernwaffenstopp-Vertrag und atomfreien Zonen bis hin zur Entkolonialisierung von Territorien in Asien, Afrika und Lateinamerika und der Einf&uuml;hrung einer neuen  Weltwirtschaftordnung mit gleichen Wettbewerbsbedingungen f&uuml;r Industrie- und Entwicklungsl&auml;nder wurden weitgehend  vom Westen, oder korrekter von den USA, verhindert. Boykottiert! Die USA und Somalia sind &uuml;brigens die einzigen L&auml;nder, die bis heute die UNO-Kinderrechtskonvention von 1989 nicht ratifiziert haben; &Auml;hnliches gilt f&uuml;r die UNO-Frauenrechtskonvention von 1979, die ebenfalls bis heute von den USA abgelehnt wird.<\/p><p>Alle (!) rechtlichen Verpflichtungen der UNO-Charta mit ihren 111 Artikeln werden immer wieder von den St&auml;ndigen Mitgliedern des Sicherheitsrates skrupelos und straflos ignoriert oder gebrochen. Also genau von den  f&uuml;nf Staaten, denen die UNO-Generalversammlung die Hauptverantwortung f&uuml;r Weltfrieden und Weltwohlergehen anvertraut hat. Internationales Recht gilt also nur f&uuml;r die &sbquo;Anderen&lsquo;! An Beweisen der UNO-Machtlosigkeit fehlt es nicht. Die Kriege in Jugoslawien, im Irak, Syrien, Afghanistan, Libyen und nat&uuml;rlich in der Ukraine sind die entsetzlichen Zeugen dieser Doppelstandards. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ist bisher nur f&uuml;r diese &sbquo;Anderen&lsquo; 188 UNO-Mitgliedsstaaten zust&auml;ndig gewesen! Saddam Hussein wurde mit Recht verurteilt, George Bush und Tony Blair bleiben mit Unrecht straflos! <\/p><p>Es siegt weiterhin das Recht der Macht und nicht die Macht des Rechts! Es &uuml;berrascht daher nicht, dass das 1990er Versprechen von Paris f&uuml;r ein europ&auml;isches Friedensprojekt &ndash; wahrlich eine Sternstunde internationaler Beziehungen &ndash; schnell zu einem menschenverachtenden andauernden Kriegsprojekt verk&uuml;mmerte. Die gegenw&auml;rtigen Versuche der NATO, die &Ouml;ffentlichkeit f&uuml;r westliche Ukraine-Politik zu beeinflussen, &uuml;bersieht vollkommen, dass sie damit hilft, die Zivilgesellschaft aufzur&uuml;tteln und die Macht unseres Widerstands zu st&auml;rken. Aber: Die Voraussetzung f&uuml;r wirklichen dauerhaften Erfolg der Friedensbewegungen, in Deutschland und &uuml;berall, bleibt: Wir m&uuml;ssen zusammenr&uuml;cken, m&uuml;ssen uns b&uuml;ndeln und dies mit Mut, innerer &Uuml;berzeugung und ehrlicher Menschlichkeit.<\/p><p>Der fatale und unangemessene westliche F&uuml;hrungsanspruch (Westen: 8 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung!) in der Weltorganisation und das damit verbundene schwerwiegende Joch f&uuml;r die Friedensarbeit der UNO ist die Hauptursache f&uuml;r den j&auml;mmerlichen Zustand des UNO-Sicherheitsrates und bleibt die Hauptherausforderung f&uuml;r gef&auml;hrlich &uuml;berf&auml;llige Reformen der UNO. Meine 32 Jahre der Mitarbeit in den politisch so unvereinten Nationen und die Zeit des Nachdenkens danach geben mir das Selbstvertrauen f&uuml;r diese schwerwiegende und anklagende Aussage. <\/p><p>Der Traum des M&ouml;glichen f&uuml;r eine friedlichere und gerechtere  Welt ist in den 77 Jahren der UNO zu einem tragischen Albtraum des scheinbar Unm&ouml;glichen geworden. <\/p><p>Was muss geschehen, um das fatale Joch von der UNO zu entfernen? Dar&uuml;ber Konkretes, sobald ich das zweite Thema, den stattfindenden Missbrauch internationaler Organisationen, durch ein akutes Beispiel kurz angeschnitten habe.<\/p><p>Die Welt hat nicht vergessen, wie im Fr&uuml;hjahr 2003 die USA im UNO-Sicherheitsrat ihr gef&auml;hrliches Spiel mit der Unwahrheit &uuml;ber angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak (die es schon lange gar nicht mehr gab!) zur Schau getragen haben, als Vorbereitung auf den v&ouml;lkerrechtswidrigen anglo-amerikanischen Krieg gegen das Land. <\/p><p>Weniger bekannt, aber &auml;hnlich gef&auml;hrlich, sind Falschmeldungen der OVCW, der Organisation f&uuml;r das Verbot von Chemiewaffen in Den Haag, &uuml;ber den angeblichen Einsatz von chemischen Waffen am 7. April 2018 im syrischen Duma. Ein daraufhin von der OVCW entsandtes Expertenteam kam zu dem Schluss, dass die 43 Menschen, die bei diesem Angriff ums Leben kamen, ihren Tod nicht durch chemische Waffen gefunden hatten. <\/p><p>Anstelle ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse wurde von dem OVCW-Management ein Bericht ver&ouml;ffentlicht, der das Gegenteil beweisen wollte, n&auml;mlich dass chemische Waffen doch benutzt worden waren. Damit sollte der am 18. April 2018 stattgefundene Angriff in Syrien durch amerikanische, englische und franz&ouml;sische Luftwaffen legitimiert werden. <\/p><p>Seither sind zwei OVCW-Wissenschaftler, die f&uuml;r die Untersuchung vor Ort mitverantwortlich waren, aus Protest zur&uuml;ckgetreten, 28 international bekannte Personen, unter ihnen vier weitere OVCW-Wissenschaftler und der erste General-Direktor der OVCW, Jos&eacute; Bustani, haben in einer &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung ihre Besorgnis zu diesem sicherheitspolitisch so ernsten Zwischenfall und dem offensichtlichen Missbrauch einer internationalen Organisation zum Ausdruck gebracht. Dieser so ernste Vorfall ist von den Medien bei uns und im westlichen Ausland mehr oder weniger ignoriert worden. <\/p><p>2021 hatte sich eine kleine Gruppe von vier Personen, zu der ich geh&ouml;re, gebildet (<a href=\"https:\/\/berlingroup21.org\">https:\/\/berlingroup21.org<\/a>), die mit Hilfe von Experten und Parlamentariern eine 130-seitige Expertise erstellt hat, die Beweise liefert, dass nicht nur die Frage des Einsatzes von chemischen Waffen, sondern auch der Toxikologie und der Ballistik von der OVCW in Duma  politisiert und f&auml;lschlich dargestellt worden sind. Dieser Bericht wird in K&uuml;rze mit Unterst&uuml;tzung einer Gruppe von Abgeordneten einem Parlament in Europa und der &Ouml;ffentlichkeit vorgelegt werden mit der Forderung, dass alle OVCW-Wissenschaftler, die an der OVCW-Duma-Untersuchung mitgearbeitet haben, eine neue Untersuchung vornehmen und Falschdarsteller zur Rechenschaft gezogen werden. Es geht hier nicht um Ideologie oder die Verteidigung der syrischen Regierung, die anderswo im Land in der Tat chemische Waffen eingesetzt hat. Es geht darum, Wahrheit, Sicherheit und die Integrit&auml;t der OVCW, einer wichtigen internationalen Einrichtung, zu verteidigen. <\/p><p>Hierzu noch zwei weitere Bemerkungen: <\/p><ul>\n<li>Die UNO hat  sowohl auf der politischen als auch auf der operationalen Ebene trotz wiederholter Anfragen bez&uuml;glich Stellungnahmen zu Duma nicht reagiert &ndash; eine &auml;u&szlig;erst ernste Veruntreuung ihrer v&ouml;lkerrechtlichen Verpflichtung. Schlimmer noch, als Partnerorganisation im Verbund mit der OVCW haben sowohl die monatlichen Aussprachen im UNO-Sicherheitsrat &uuml;ber Chemiewaffen in Syrien als auch die Aussagen des UNO-Generalsekret&auml;rs und seiner h&ouml;heren Mitarbeiter gezeigt, dass es keine Bereitschaft in der UNO gibt, dem Anliegen der Zivilgesellschaft zu folgen, das Thema OVCW, Duma und Chemiewaffen neu zu untersuchen. Der Sicherheitsrat ist zu einem geopolitischen Theater geworden und dies auf Kosten der Menschen in Syrien.<\/li>\n<li>Jeder Versuch unsererseits, dieses wichtige Thema verantwortlich zu diskutieren, hat bisher meist zu Schweigen, H&auml;me oder vulg&auml;rer Abweisung gef&uuml;hrt. Dies entmutigt nicht &ndash; im Gegenteil, es fordert heraus, weil diese Auseinandersetzung stellvertretend stattfindet f&uuml;r das globale Ringen zwischen einer geopolitisierten und kriegsl&uuml;sternen Welt des ungeheuren Reichtums bei gleichzeitiger Benachteiligung und Armut auf der einen Seite, und einer multipolaren Welt auf der anderen, in der Recht, Freiheit und Sicherheit unser Leben bestimmen und die UNO den ben&ouml;tigten  Katalysator liefern kann.<\/li>\n<\/ul><p>Die Liste der rechtlichen, strukturellen und inhaltlichen Anpassungen der UNO an die &uuml;berlebenswichtigen Belange unserer Welt im 21. Jahrhundert ist eine lange. <\/p><p>Ich m&ouml;chte erinnern an die in der UNO-Charta vorgeschlagene Konferenz aller Mitgliedsstaaten der UNO (Art.109), die bereits 1955 h&auml;tte stattfinden sollen, um &uuml;ber notwendige Reformen zu entscheiden. Gefordert ist hier politischer Wille der Generalversammlung, nach vielen Jahren der Nachl&auml;ssigkeit, eine solch wichtige Zusammenkunft zu beschlie&szlig;en.<\/p><p>Die UNO-Klimakonferenzen geben einen Vorgeschmack, wie schwierig es sein wird, sich auf wirkungsvolle Reformen zu einigen. Es stehen so wichtige Themen wie die Integration von nicht-staatlichen Organisationen und Jugendlichen in die Arbeit der UNO an; oder die Einf&uuml;hrung der Rechenschaftsverpflichtung von Personen und Einrichtungen; die Gew&auml;hrleistung des internationalen Charakters und die Unabh&auml;ngigkeit der UNO; die zuk&uuml;nftige Rolle des UNO-Generalsekret&auml;rs und die Auswahl von Bediensteten f&uuml;r den UNO-Dienst und vieles mehr.<\/p><p>Was folgt, ist eine enge Auswahl von Erneuerungen, die mir besonders akut erscheinen:<\/p><ol>\n<li>Das Hauptgremium der UNO, die Generalversammlung, hat keine Durchf&uuml;hrungsautorit&auml;t. Nur der Sicherheitsrat kann entscheiden, mit einer Ausnahme: wenn internationale Spannungen von bedrohlichem Ausma&szlig; bestehen und es an Einstimmigkeit der st&auml;ndigen Mitglieder im Sicherheitsrat mangelt, dann, aber nur dann, kann die Generalversammlung den Sicherheitsrat &uuml;berstimmen (A\/Res 377, 3. November 1950).\n<p><strong>Dieses Recht der Generalversammlung muss erheblich erweitert werden!<\/strong><\/p><\/li>\n<li>Die f&uuml;nf St&auml;ndigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates bestehen weiterhin auf dem Primat der Geopolitik, des Gro&szlig;macht-Nationalismus und der unzeitgem&auml;&szlig;en Zusammensetzung dieser Gruppe.\n<p><strong>Die Zusammensetzung der St&auml;ndigen Mitglieder im Sicherheitsrat hat sich in 77 Jahren nicht ver&auml;ndert und muss dringend angepasst werden, damit Afrika, Lateinamerika und Asien angemessen vertreten sind. Das bestehende Vetorecht hat immer wieder friedensbildende Ma&szlig;nahmen verhindert und verlangt eine grundlegende Reform, um Mehrheitsbeschl&uuml;sse zu erm&ouml;glichen, um damit Alleing&auml;nge  aus geopolitischen Interessen einzelner Mitglieder endg&uuml;ltig zu verhindern. An konstruktiven Vorschl&auml;gen mangelt es nicht.<\/strong><\/p><\/li>\n<li>Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat, ebenso wie die Generalversammlung, keine Durchf&uuml;hrungsautorit&auml;t, sondern nur beratende Funktionen und ist damit weitgehend real-politisch unbedeutend.\n<p><strong>Dieser UNO-Gerichtshof kann nur dann wirksam werden, wenn er das Mandat f&uuml;r verpflichtende Rechtssprechung bekommt und damit vollstreckbare Entscheidungen treffen kann.<\/strong><\/p><\/li>\n<li>Die Diskrepanz zwischen dem Verlangten und den Geldern, die dem UNO-Generalsekret&auml;r zur Verf&uuml;gung stehen, wird immer gr&ouml;&szlig;er. In diesem Jahr ist das sowieso schon erb&auml;rmliche Budget von $3.2 Milliarden f&uuml;r seine weltweite Initiativen weit geringer als das Budget der Polizei in New York. Der kleine Himalaya-Staat Bhutan zahlt pro Kopf mehr f&uuml;r das UNO-Budget als die USA und unser Land. Katars j&auml;hrlicher UNO-Beitrag betr&auml;gt $7.8 Millionen. F&uuml;r die Infrastruktur der Fussball-WM zahlt die Regierung in Doha angeblich (Reuters) $500 Millionen pro Woche!\n<p><strong>Das alte Thema: Die Welt hat mehr als genug Geld. Die Neu-Verteilung dieses Geldes sollte als eine nicht verhandelbare Voraussetzung f&uuml;r menschliche Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und eine UNO als globale Durchf&uuml;hrungsorganisation vorgenommen werden.<\/strong><\/p><\/li>\n<\/ol><p>Abschlie&szlig;end m&ouml;chte ich Ihnen versichern, dass ich mir voll bewusst bin, dass in der gegenw&auml;rtigen Welt des Staatszentrismus und des geopolitischen &sbquo;Rechts der Ausnahme&lsquo; weder der politische Wille, geschweige denn der ethische Ehrgeiz existieren, um die Umsetzung der hier gemachten UNO-Reform-Vorschl&auml;ge zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Def&auml;tismus? Dies w&auml;re wahrlich eine unverantwortliche Reaktion. <\/p><p>Ich glaube an das Potential der Kraft der aktiven Zivilgesellschaft bei uns und weltweit. Die Dringlichkeit der Mega-Krisen wie der Klimawandel oder die Ungleichheit der Lebenschancen und die Angst vor dem m&ouml;glichen Einsatz von Nuklearwaffen in Krisensituationen werden uns, die Zivilgesellschaft, und viele Regierungen zusammenf&uuml;hren, um im besten Kant&rsquo;schen Sinne den Mut f&uuml;r die eigene Vernunft zu entfalten, um damit u.a. eine UNO aufzubauen, die mit politischer Ehrlichkeit und Rechenschaftsverpflichtung eine Gemeinschaft werden kann, der alle angeh&ouml;ren.<\/p><p>Hans-C. von Sponeck<br>\nKassel,<br>\n11. Dezember 2022<\/p><p>Titelbild: kckate16\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Oktober 1947 trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft. Das ist Grund zum Feiern, aber auch Anlass f&uuml;r Kritik, wird die UNO doch mehr und mehr f&uuml;r nationale und imperiale Eigeninteressen instrumentalisiert. Dazu hat der ehemalige deutsche UN-Diplomat <strong>Hans von Sponeck<\/strong> beim Kassler Friedensratschlag eine bemerkenswerte Rede gehalten. Das Thema: &bdquo;UNO befreien, Missbrauch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92023\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":92024,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,212,189,211],"tags":[2020,1426,2392,641,1611,305,2359,1553,639,1556],"class_list":["post-92023","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-gedenktagejahrestage","category-parteien-und-verbaende","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-biochemische-waffen","tag-hegemonie","tag-internationaler-gerichtshof","tag-irak","tag-kriegsluegen","tag-menschenrechte","tag-opcw","tag-syrien","tag-uno","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Shutterstock_2071983536-Kopie.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=92023"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92071,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92023\/revisions\/92071"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/92024"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=92023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=92023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=92023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}