{"id":92072,"date":"2023-01-03T10:39:32","date_gmt":"2023-01-03T09:39:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92072"},"modified":"2023-01-03T14:51:14","modified_gmt":"2023-01-03T13:51:14","slug":"unternehmensranking-deutschlands-grosskonzerne-schaffen-sich-ab-us-konzerne-dominieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92072","title":{"rendered":"Unternehmensranking \u2013 Deutschlands Gro\u00dfkonzerne schaffen sich ab, US-Konzerne dominieren"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 geh&ouml;rte zum ersten Mal kein einziges deutsches Unternehmen mehr zu den einhundert wertvollsten Unternehmen der Welt. 2015 waren es immerhin noch sechs. Das ergab eine Untersuchung des Beratungsunternehmens EY, die kurz vor dem Jahreswechsel <a href=\"https:\/\/www.ey.com\/de_at\/news\/2022\/12\/ey-analyse-marktkapitalisierung-2022-top-100\">ver&ouml;ffentlicht wurde<\/a>. Europas und vor allem Deutschlands Gro&szlig;konzerne verlieren in Relation zum Rest der Welt seit den letzten beiden Jahrzehnten. Dominant in der Welt der Gro&szlig;konzerne sind mehr und mehr die USA. Neun der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt haben dort ihren Sitz. Dies ist auch eine Folge einer deutschen Politik, die direkt und indirekt den Interessen amerikanischer Gro&szlig;konzerne ins Blatt spielt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7959\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-92072-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230103_Unternehmensranking_Deutschlands_Grosskonzerne_schaffen_sich_ab_US_Konzerne_dominieren_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230103_Unternehmensranking_Deutschlands_Grosskonzerne_schaffen_sich_ab_US_Konzerne_dominieren_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230103_Unternehmensranking_Deutschlands_Grosskonzerne_schaffen_sich_ab_US_Konzerne_dominieren_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230103_Unternehmensranking_Deutschlands_Grosskonzerne_schaffen_sich_ab_US_Konzerne_dominieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=92072-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230103_Unternehmensranking_Deutschlands_Grosskonzerne_schaffen_sich_ab_US_Konzerne_dominieren_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230103_Unternehmensranking_Deutschlands_Grosskonzerne_schaffen_sich_ab_US_Konzerne_dominieren_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vor zwanzig Jahren sah die Welt f&uuml;r viele Beobachter noch anders aus. Ich kann mich noch lebhaft an Debatten im Freundes- und Kollegenkreis erinnern, bei denen die Sichtweise sehr popul&auml;r war, dass die USA &uuml;ber kurz oder lang wirtschaftlich auf globaler Ebene keine Rolle mehr spielen w&uuml;rden. Man verwies dabei gerne auf die Industrieruinen von Detroit und stellte dem die damals aufstrebende deutsche Automobil- und Maschinenbauindustrie entgegen. Es kam anders. Im September letzten Jahres kamen die beiden US-Automobilhersteller Tesla und Ford zusammen auf eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion US-Dollar &ndash; mehr als f&uuml;nfmal so viel wie die deutschen Gro&szlig;konzerne VW, Mercedes und BMW zusammen. Heute ist allein der wertvollste Konzern der Welt, der kalifornische Computerhersteller Apple, mehr wert als alle 40 Dax-Unternehmen zusammen. Und schaut man auf die Details, wird es noch d&uuml;sterer. Das gr&ouml;&szlig;te deutsche Unternehmen ist der Industriekonzern Linde, der jedoch mittlerweile seinen Sitz in Dublin und seine operative Zentrale in London hat. Der gr&ouml;&szlig;te Konzern, der tats&auml;chlich seinen Sitz in Deutschland hat, ist heute der Walldorfer Softwarekonzern SAP und der befindet sich mit einem Marktwert von 120 Milliarden Euro nicht unter den einhundert gr&ouml;&szlig;ten Unternehmen der Welt. <\/p><p>Was f&uuml;r Deutschland gilt, gilt jedoch unisono &ndash; wenn auch nicht derart dramatisch &ndash; f&uuml;r die gesamte EU. Neben den drei franz&ouml;sischen Luxusg&uuml;terkonzernen LVMH, Herm&egrave;s und Dior gibt es mit  Novo Nordisk (Pharma\/D&auml;nemark), ASML (Halbleiter\/Niederlande), L&rsquo;Or&eacute;al (Kosmetik\/Frankreich), Accenture (Unternehmensberatung\/Irland), Total (Energie\/Frankreich) und Prosus (Beteiligungen\/Niederlande) gerade mal eine Handvoll EU-Unternehmen unter den Top100 &ndash; weniger &uuml;brigens als China. Aus den USA kommen indes ganze 61 Unternehmen aus fast allen Branchen.  <\/p><p>Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genie&szlig;en. So k&ouml;nnte man einwenden, dass der Marktwert &ndash; also die B&ouml;rsenkapitalisierung &ndash; nicht der geeignete Marker ist, um die Bedeutung von Konzernen abzubilden. Da mag was dran sein. Nimmt man andere Marker, sieht die Verteilung f&uuml;r den Standort Deutschland aber auch nur unwesentlich besser aus. Gemessen am Umsatz findet sich mit Volkswagen, Mercedes Benz, BMW, der Allianz, der Deutschen Telekom, E.ON, der Deutschen Post, BASF und kurioserweise Uniper (eine Folge der hohen Gaspreise) zwar in der Tat die Cr&egrave;me de la Cr&egrave;me der deutschen Gro&szlig;industrie unter den einhundert umsatzst&auml;rksten Unternehmen der Welt, aber auch hier dominieren die USA mit 38 Unternehmen unter den Top100 und f&uuml;nf unter den Top10. Und auch hier ist die Entwicklung spiegelbildlich &ndash; w&auml;hrend US-Unternehmen Jahr f&uuml;r Jahr dominanter sind, nimmt die Rolle deutscher Unternehmen von Jahr zu Jahr ab.<\/p><p>Das war nicht immer so. Vor zwanzig Jahren war Deutschland &ndash; gemessen an seiner Gr&ouml;&szlig;e &ndash; in der Tat eine wirtschaftliche Macht. Will man einen Wendepunkt herausheben, so war dies die Finanzkrise von 2007\/2008. Seitdem ist der Trend eindeutig, wobei sich jedoch ein monokausaler Zusammenhang mit der Finanzkrise nicht erschlie&szlig;t. Es ist nat&uuml;rlich so, dass deutsche &ndash; und auch franz&ouml;sische &ndash; Banken vor der Finanzkrise zu den gr&ouml;&szlig;ten der Welt geh&ouml;rten und heute im Grunde kaum noch eine Rolle spielen &ndash; die einst so m&auml;chtige Deutsche Bank verf&uuml;gt heute &uuml;ber eine Marktkapitalisierung von 23 Milliarden Euro und liegt damit hinter der indonesischen Bank Mandiri und der malaysischen Maybank. Das erkl&auml;rt aber nicht den Absturz auf breiter Front und &uuml;ber alle Branchen hinweg.<\/p><p>Es gibt zahlreiche Gr&uuml;nde f&uuml;r den relativen Bedeutungsverlust und die meisten davon sind durchaus, wenn auch nicht politisch gewollt, so doch zumindest durch die Politik beg&uuml;nstigt. Vor allem bei der Digitalisierung wurde politisch eigentlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Man hat Konzernen wie Apple, Microsoft, Alphabet (Google) und Amazon, die heute zusammen mit dem saudischen Erd&ouml;lgiganten Saudi Aramco die Top5 bilden, den Markt &uuml;ber- und deren Monopole zugelassen, die heute kaum noch zu zerschlagen sind. Europa und allen voran Deutschland hat den Sprung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft schlicht verschlafen. &Auml;hnliches findet zurzeit mit der Energiewende statt. Ab 2035 sollen in der EU keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/auto\/eu-aus-fuer-autos-mit-verbrennungsmotor-ab-2035-das-ist-politisch-gefaehrlich-a-fdf59f73-24c8-425a-800e-868d590573fb\">zugelassen werden<\/a> und Stand heute &ndash; gerade mal 12 Jahre vor dem Verbot &ndash; sind die deutschen Automobilhersteller in Sachen Elektromobilit&auml;t so schlecht aufgestellt wie die Hersteller in keinem anderen Land der Welt. <\/p><p>Als wichtigster Faktor f&uuml;r den relativen Niedergang deutscher Konzerne ist jedoch die Liberalisierung der Finanzm&auml;rkte und die Privatisierung der Altersvorsorge zu nennen. Mit jedem Euro, den wir in private Altersvorsorgeprodukte stecken (m&uuml;ssen), w&auml;chst der relative Einfluss der US-Konzerne. Derartige Produkte sind meist &bdquo;breit aufgestellt&ldquo;, um Risiken zu minimieren und die Anbieter sind dabei bei der heute schon beinahe omnipr&auml;senten Anlageform &bdquo;ETF&ldquo; gezwungen, die Kundengelder auf dem Aktienmarkt zu investieren &ndash; und dies in einem festen, vorgegebenen Verh&auml;ltnis. Dies l&auml;sst sich gut am wohl weitverbreitetsten Aktienindex erkl&auml;ren, der bei der privaten Altersvorsorge mit ETFs die wichtigste Rolle spielt &ndash; der MSCI World.<\/p><p>Aufgabe des MSCI World ist es eigentlich, die Weltkonjunktur mittels eines globalen Aktienindizes zu spiegeln. Es gibt keinen Index, der breiter aufgestellt ist und sich nach Logik der Risikominimierung daher so gut f&uuml;r die Altersvorsorge &uuml;ber Aktien eignet. Das Problem: Obgleich die USA global nur f&uuml;r rund 15% des Bruttoinlandsprodukts stehen, bilden US-Konzerne mit rund 70% die absolute Mehrheit des MSCI World. Von jedem Euro, der weltweit in Altersvorsorgeprodukte geht, die sich am MSCI World oder einem &auml;hnlichen globalen Index orientieren, flie&szlig;en also 70 Cent in die USA &ndash; obgleich das streng genommen nicht stimmt, da bei einem Aktienkauf nicht die Aktiengesellschaft, sondern der Verk&auml;ufer der Aktie das Geld bekommt. Die stetige Nachfrage nach US-Aktien treibt jedoch deren Kurse und jede Neuausgabe von Aktien orientiert sich an diesem Aktienkurs. Wenn US-Konzerne ihre globalen Konkurrenten aufkaufen, zahlen sie den Kaufpreis in der Regel zu einem gro&szlig;en Teil ebenfalls in eigenen Aktien. Um es zuzuspitzen: Die US-Konzerne k&ouml;nnen dank des stetigen Kapitalabflusses der weltweiten Sparer Geld drucken, um Investitionen vorzunehmen und andere Unternehmen zu &uuml;bernehmen. Anders ist der Siegeszug der US-Gro&szlig;konzerne nicht zu erkl&auml;ren. <\/p><p>Nat&uuml;rlich reicht ein kleiner Artikel auf den NachDenkSeiten nicht aus, um die Problematik mit all ihren Facetten ausf&uuml;hrlich zu schildern. Diese Zahlen sind auch nur eine Momentaufnahme und die Dynamik d&uuml;rfte in diesem Jahr dramatisch zunehmen, da europ&auml;ische und vor allem deutsche Konzerne durch die sanktionsbedingten Energiepreissteigerungen auch realwirtschaftlich gegen&uuml;ber der Konkurrenz aus den USA und Asien an Boden verlieren werden. Deutschland schafft sich zwar nicht selbst ab, ist aber auf dem besten Weg, seine industrielle und wirtschaftliche Basis zu zerst&ouml;ren.<\/p><p>Dieser kleine Abriss soll zumindest einen Eindruck vermitteln, wo die Probleme liegen und welche Instrumente die Politik in der Hand h&auml;tte, um gegenzusteuern. Doch das wird in Deutschland nicht gemacht. Im Gegenteil. In Sachen Energiepolitik ist keine Wende in Sicht und auf der Ebene der Finanzstr&ouml;me werden die Weichen sogar in die Gegenrichtung gestellt. Aktuell <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/christian-lindner-will-kapital-fuer-aktienrente-deutlich-aufstocken-a-4d61af14-8f29-4be2-b182-d18be9669b3c\">plant die Ampel<\/a> die Einf&uuml;hrung einer Aktienrente &ndash; dazu werden die NachDenkSeiten in den n&auml;chsten Wochen noch ausf&uuml;hrlicher berichten. Setzt sich diese Politik fort, wird sich Deutschland &uuml;ber kurz oder lang endg&uuml;ltig aus der Reihe der f&uuml;hrenden Wirtschaftsm&auml;chte verabschieden. Polemisch k&ouml;nnte man sagen: &bdquo;Erst wenn der letzte Automobilhersteller Konkurs angemeldet, die letzte Chemiefabrik geschlossen und der letzte Maschinenbauer das Land verlassen hat, werdet ihr merken, dass man mit Gleichstellungsbeauftragten und Yogaschulen keine Volkswirtschaft ern&auml;hren kann.&ldquo; <\/p><p>Titelbild: Tomasz Makowski\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/697f88e1af4e423385d34da582a260fe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2022 geh&ouml;rte zum ersten Mal kein einziges deutsches Unternehmen mehr zu den einhundert wertvollsten Unternehmen der Welt. 2015 waren es immerhin noch sechs. Das ergab eine Untersuchung des Beratungsunternehmens EY, die kurz vor dem Jahreswechsel <a href=\"https:\/\/www.ey.com\/de_at\/news\/2022\/12\/ey-analyse-marktkapitalisierung-2022-top-100\">ver&ouml;ffentlicht wurde<\/a>. 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