{"id":9218,"date":"2011-04-27T09:50:15","date_gmt":"2011-04-27T07:50:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9218"},"modified":"2014-11-25T09:39:55","modified_gmt":"2014-11-25T08:39:55","slug":"kontenkrieg-gegen-libyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9218","title":{"rendered":"Kontenkrieg gegen Libyen"},"content":{"rendered":"<p>Weitestgehend unbeachtet von den Medien hat in den letzten Wochen eine Hand voll L&auml;nder libysche Verm&ouml;genswerte im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar eingefroren. Obgleich die Eigentumsfrage an diesen Verm&ouml;genswerte v&ouml;lkerrechtlich umstritten ist, wachsen dies- und jenseits des Atlantik bereits die Begehrlichkeiten. W&auml;hrend man in den USA und der EU noch taktiert, haben einige afrikanische Staaten kurzerhand die Besitzt&uuml;mer des ehemaligen Vorreiters eines politischen und wirtschaftlichen Panafrikanismus still enteignet. Je l&auml;nger der B&uuml;rgerkrieg in Libyen dauert, desto gr&ouml;&szlig;er wird auch das v&ouml;lkerrechtliche Dilemma rund um das eingefrorene Verm&ouml;gen. Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Mit der <a href=\"http:\/\/www.un.org\/News\/Press\/docs\/2011\/sc10187.doc.htm\">UN-Resolution 1970<\/a> ordnete der UN-Sicherheitsrat am 26. Februar dieses Jahres an, dass alle UN-Mitgliedsstaaten s&auml;mtliche Verm&ouml;genswerte einfrieren sollen, die direkt oder indirekt vom libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi und seinem Clan kontrolliert werden. Gleichzeitig bekundete der Sicherheitsrat die Absicht, dass die eingefrorenen Verm&ouml;genswerte zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt &bdquo;an das libysche Volk [&hellip;] zu seinem Nutzen&ldquo; &uuml;bereignet werden sollen. Anders als die <a href=\"http:\/\/www.un.org\/News\/Press\/docs\/2011\/sc10200.doc.htm#Resolution\">Nachfolgeresolution 1973<\/a>, die sich beim Thema &bdquo;Einfrieren der Verm&ouml;genswerte&ldquo; auf die Resolution 1970 bezieht und bei der sich unter anderem Deutschland, Russland und China der Stimme enthielten, wurde die Resolution 1970 vom Sicherheitsrat einstimmig angenommen.<\/p><p><strong>Die USA er&ouml;ffnen den Kontenkrieg<\/strong><\/p><p>Am 25. Februar &ndash; also bereits einen Tag vor der Verabschiedung der UN-Resolution 1970 &ndash; unterschrieb US-Pr&auml;sident Obama die <a href=\"http:\/\/www.treasury.gov\/resource-center\/sanctions\/Programs\/Documents\/2011_libya_eo.pdf\">Executive Order 13566 [PDF &ndash; 201 KB]<\/a>, auf deren Basis die US-Beh&ouml;rden innerhalb weniger Tage Finanztitel im Werte von mehr als 30 Milliarden Dollar einfroren. Der mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Anteil dieser Finanztitel bestand dabei aus den Bankverm&ouml;gen und kurzfristigen Einlagen des libyschen Staatsfonds LIA (Libyan Investment Authority) und den libyschen W&auml;hrungsreserven, die bei der amerikanischen Zentralbank FED in New York <a href=\"http:\/\/www.iie.com\/publications\/interviews\/pp20110303truman.pdf\">angelegt waren [PDF &ndash; 60 KB]<\/a>. Libysche Staatsb&uuml;rger verf&uuml;gen laut der Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich &uuml;ber ein Verm&ouml;gen von rund 62 Milliarden Dollar <a href=\"http:\/\/bis.org\/statistics\/provbstats.pdf#page=44\">bei ausl&auml;ndischen Banken [PDF &ndash; 721 KB]<\/a>. Die breiter gefasste Statistik des IWF, in der auch die Verm&ouml;gen der libyschen Zentralbank und des Staatsfonds LIA eingehen, <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/sec\/pn\/2011\/pn1123.htm\">beziffert<\/a> die libyschen Bankguthaben im Ausland sogar auf 151 Milliarden Dollar. Die 30 Milliarden Dollar, die die Amerikaner &uuml;ber Nacht sicherstellten, sind somit zwar die mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Summe, die jemals in der Geschichte von einem Staat eingefroren wurde, aber dennoch nur ein Bruchteil des libyschen Auslandsverm&ouml;gens. <\/p><p>Neben den USA engagierten sich auch Kanada, die Schweiz, &Ouml;sterreich, Gro&szlig;britannien, die Niederlande und Deutschland in den letzten Wochen an der gro&szlig;angelegten Suche nach libyschen Verm&ouml;genswerten. Es gibt keine konkreten Zahlen, wie viel Geld von diesen Staaten eingefroren wurde &ndash; auch das Bundesfinanzministerium h&auml;lt sich bedeckt und spricht vage von einer einstelligen Milliardensumme. Experten gehen davon aus, dass die weltweit eingefrorene Summe zwischen 50 und 60 Milliarden Dollar betr&auml;gt. Dennoch d&uuml;rften diese Wirtschaftssanktionen keinen kurzfristigen Erfolg haben, da ein signifikanter Teil der libyschen Gelder in den intransparenten Konstrukten des Schattenbanksystems der Offshore-Steuerparadiese versickert ist. So schafften es die Niederlande beispielsweise noch nicht einmal, die Gelder der niederl&auml;ndischen Holding des zu 100% der LIA geh&ouml;renden &bdquo;Oilinvest BV&ldquo; einzufrieren, &uuml;ber die unter anderem die Raffinerien und Tankstellen der Tamoil und der HEM in Europa verwaltet werden. <\/p><p><strong>Tamoil unter Beschuss der Konkurrenz<\/strong><\/p><p>Die Holding hat ihren Sitz in der unter niederl&auml;ndischer Jurisdiktion stehenden Steueroase Curacao und wurde laut <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/BT-CO-20110325-709495.html\">Informationen des Wall Street Journals<\/a> am 21. M&auml;rz aus dem Handelsregister gestrichen &ndash;  es ist erstaunlich, wie schnell man offenbar die Besitzverh&auml;ltnisse eines &Ouml;lmultis, der in Europa fast 3.000 Tankstellen betreibt und einen Umsatz von &uuml;ber sieben Milliarden Euro macht, im Dickicht der karibischen Steueroasen verstecken kann. Die Niederlande machten gute Miene zum b&ouml;sen Spiel und haben sich mit Tamoil darauf geeinigt, dass man das Unternehmen gew&auml;hren l&auml;sst, wenn es den Beh&ouml;rden im Gegenzug versichert, keine liquiden Mittel in den Dunstkreis des Gaddafi-Clans zu &uuml;berweisen. Tamoil steht somit weder in den USA noch in der EU auf der Liste der sanktionierten libyschen Unternehmen. Solch juristische Feinheiten interessieren die Konkurrenz jedoch nicht.<\/p><p>Eine breite Allianz aus BP (Gro&szlig;britannien), Shell (Niederlande\/Gro&szlig;britannien), ENI (Italien) und Total (Frankreich) verh&auml;ngte seit Mitte M&auml;rz ihre  eigenen Sanktionen <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/BT-CO-20110325-709495.html\">gegen die Konkurrenz aus dem Hause Gaddafi<\/a>. BP hat beispielsweise s&auml;mtliche Vertr&auml;ge mit der Tamoil aufgel&ouml;st und <a href=\"http:\/\/in.reuters.com\/article\/2011\/03\/25\/idINIndia-55888520110325?feedType=RSS&amp;feedName=businessNews&amp;utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+reuters%2FINbusinessNews+%28News+%2F+IN+%2F+Business+News%29\">beruft sich dabei auf h&ouml;here Gewalt<\/a>. F&uuml;r Tamoil k&ouml;nnten diese &bdquo;Privatsanktionen&ldquo; ernsthafte Folgen haben, da in der Branche regionale Lieferkontrakte &uuml;berlebenswichtig sind. So beliefern beispielsweise die Tamoil-Raffinerien auch das gro&szlig;e Tankstellennetz der Konkurrenten BP und Shell. Ohne diese Gro&szlig;kunden k&ouml;nnte der Konzern bereits bald in eine finanzielle Notlage kommen.<\/p><p>Von den drei europ&auml;ischen Tamoil-Raffinerien arbeitet nur noch die Holborn-Raffiniere in Hamburg ordnungsgem&auml;&szlig; &ndash; die Tamoil-Raffinerie in Italien hat ihren Betrieb eingestellt, w&auml;hrend die Schweizer Raffinerie des Konzerns &bdquo;geplante Wartungsarbeiten&ldquo; auf den Monat April vorgezogen und damit ebenfalls <a href=\"http:\/\/af.reuters.com\/article\/topNews\/idAFJOE72T0OK20110330\">den Betrieb eingestellt hat<\/a>. Was die Konkurrenz mit ihrem Feldzug gegen Tamoil erreichen will, ist derweil unklar. Es k&ouml;nnte sein, dass man sich das Tamoil-Tankstellennetz einverleiben will, es k&ouml;nnte jedoch auch sein, dass man &Uuml;berkapazit&auml;ten vom europ&auml;ischen Markt fegen und damit die Preise nach oben manipulieren will. Der niederl&auml;ndisch-britische &Ouml;lmulti Royal Dutch Shell gab nach zwei Wochen offenbar dem politischen Druck nach und stellte seine &bdquo;Privatsanktionen&ldquo; gegen Tamoil <a href=\"http:\/\/af.reuters.com\/article\/energyOilNews\/idAFLDE73D0YH20110414?pageNumber=1&amp;virtualBrandChannel=0\">mittlerweile ein<\/a>. F&uuml;r BP k&ouml;nnte der Tankstellenkrieg jedoch ein teures Nachspiel haben &ndash; Tamoil hat vor einem deutschen Gericht <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/2011\/03\/25\/bp-tamoil-idUSLDE72O1LC20110325\">Klage gegen BP eingereicht<\/a> und die Chancen auf Erfolg stehen nicht eben schlecht.<\/p><p><strong>Afrika zeigt sich unsolidarisch<\/strong><\/p><p>Noch bedrohlicher f&uuml;r die libyschen Interessen stellt sich die Lage jedoch auf dem afrikanischen Kontinent dar. Muammar al-Gaddafi pflegt seit Langem sein Image als Interessenvertreter Afrikas, der das panafrikanische Projekt vorantreiben will. Hinter dem pomp&ouml;sen Postkolonialismus steckt jedoch auch ein wirtschaftliches Interesse, das nicht nur der amerikanischen und europ&auml;ischen Konkurrenz seit Langem ein Dorn im Auge ist. Der libysche Staat hat &uuml;ber diverse Finanzvehikel seines Staatsfonds LIA sehr massiv in die Wirtschaft der schwarzafrikanischen Staaten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Libyan_Investment_Authority\">investiert<\/a> &ndash; so geh&ouml;ren auch zentralafrikanische Diamantenminen, kongolesische S&auml;gewerke, sambische Villen, zahlreiche Luxushotels in verschiedenen L&auml;ndern und Beteiligungen an lokalen Wasser- und Energieversorgern sowie Telekommunikationsunternehmen zum Portfolio. Diese Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen sind jedoch h&auml;ufig strategische Investitionen, die noch lange nicht profitabel sind und denen bei den j&uuml;ngst verh&auml;ngten Sanktionen schon bald die liquiden Mittel ausgehen k&ouml;nnten.<\/p><p>In einigen afrikanischen Staaten ist die Solidarit&auml;t mit dem panafrikanischen Hoffnungstr&auml;ger Gaddafi jedoch erstaunlich gering ausgepr&auml;gt. So hat beispielsweise die Regierung von Sambia kurzerhand den 75%-Mehrheitsanteil der Libyer am lokalen Mobilfunkunternehmen Zamtel kurzerhand eingefroren und bereits angek&uuml;ndigt, die Anteile zu &uuml;bernehmen, wenn das Unternehmen nicht mehr an liquide Mittel kommt. In Uganda wurden die Mehrheitsbeteiligungen der Libyer am lokalen Mobilfunkunternehmen kurzerhand konfisziert, womit das Unternehmen <a href=\"http:\/\/news.idg.no\/cw\/art.cfm?id=F64982B8-1A64-67EA-E40FCEDB0FAC787E\">de facto zwangsverstaatlicht wurde<\/a>. Noch rigoroser geht man in Ruanda gegen die Libyer vor &ndash; die ruandischen Beh&ouml;rden entzogen dem libyschen Mobilfunkunternehmen Rwandatel kurzerhand die Lizenz und <a href=\"http:\/\/www.bloomberg.com\/news\/2011-04-05\/rwandan-telecommunications-regulator-revokes-rwandatel-s-mobile-license.html\">konfiszierten<\/a> auch gleich ein Luxushotel, das mehrheitlich der LIA geh&ouml;rte. Diesem Beispiel folgte auch der westafrikanische Zwergstaat Gambia, der &uuml;ber Ostern s&auml;mtliche Besitzt&uuml;mer der LIA (unter anderem sechs Hotels, eine Bank und eine Baufirma) <a href=\"http:\/\/www.afriquejet.com\/news\/africa-news\/gambia-libya:-gambia-expels-libyan-diplomats,-citizens-2011042410003.html\">beschlagnahmte<\/a>. Auch S&uuml;dafrika <a href=\"http:\/\/www.crestedjournal.com\/news\/3-headlines\/492-south-africa-freezes-libyan-assets\">beteiligt sich bereitwillig<\/a> an den Sanktionen &ndash; dies ist kaum &uuml;berraschend, stehen der gr&ouml;&szlig;te &Ouml;lexporteur und die gr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft des schwarzen Kontinents doch in dauerhafter Konkurrenz um den wirtschaftlichen Einfluss s&uuml;dlich der Sahara.<\/p><p>Die UN-Sanktionen haben massive Auswirkungen auf die Arbeit des Staatsfonds LIA, auch wenn dessen Direktinvestitionen in Europa meist Minderheitsanteile an gro&szlig;en Unternehmen (z.B. FIAT, Rusal, ENI, Unicredit, Pearson (Financial Times)) sind, die den operativen Betrieb dieser Unternehmen jedoch kaum beeintr&auml;chtigen. Wirtschaftlich bedrohlich wirken sie sich aber auf die LIA-Beteiligungen in Afrika aus, die meist am finanziellen Tropf der Libyer h&auml;ngen. Ob sich die schwarzafrikanischen Staaten damit einen Gefallen tun, wenn sie Gaddafi fallen lassen wie eine hei&szlig;e Kartoffel, darf jedoch bezweifelt werden. Libyen ist nicht nur eines der <a href=\"http:\/\/www.ft.com\/cms\/s\/0\/59550c84-4819-11e0-b323-00144feab49a.html\">f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten Geberl&auml;nder<\/a> der Afrikanischen Union, sondern auch einer der Hauptfinanziers der African Development Bank (AfDB) und des African Development Fund (ADF). Es ist nicht eben wahrscheinlich, dass eine neue libysche Regierung Gaddafis Faible f&uuml;r panafrikanische Wohltaten teilen wird. Ohne die libyschen Gelder wird der Kontinent jedoch noch mehr am Tropf der Weltbank und des IWF h&auml;ngen, die knallharte Interessenpolitik im Sinne des Westens betreiben.<\/p><p><strong>Auswirkungen und Begehrlichkeiten<\/strong><\/p><p>Ihren offiziell beabsichtigen Zweck werden die Sanktionen jedoch aller Voraussicht nach nicht erreichen, da sich die gro&szlig;en Volkswirtschaften China, Indien und Russland <a href=\"http:\/\/articles.latimes.com\/2011\/apr\/24\/world\/la-fg-kadafi-money-20110424\">nur halbherzig an ihnen beteiligen<\/a>, weil sie wirtschaftliche Nachteile f&uuml;r sich selbst bef&uuml;rchten. Da die UN-Statuten den Mitgliedsstaaten ganze 120 Tage Zeit geben, die Resolution umzusetzen, ist es f&uuml;r die libyschen Beh&ouml;rden auch nicht sonderlich schwer, so viele Gelder in Sicherheit zu bringen, um zumindest den B&uuml;rgerkrieg noch sehr lange finanzieren zu k&ouml;nnen. S&ouml;ldnerfirmen und Waffenschieber haben bekanntlich keine Probleme mit Zahlungen von obskuren Finanzvehikeln aus noch obskureren Steueroasen. Und sollte das Geld doch ausgehen, verf&uuml;gt Libyen auch noch &uuml;ber physische Goldreserven im Gegenwert von <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/business-12824137\">sieben Milliarden Dollar<\/a>.<\/p><p>Kaum waren die libyschen Gelder eingefroren, meldeten sich schon weltweit Opfer der fr&uuml;heren libyschen Politik, die gerne Zugriff auf diese Gelder h&auml;tten. In Deutschland sind dies die Opfer des La-Belle-Anschlags, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,758518,00.html\">die gerne 600 Millionen Euro Entsch&auml;digungsgelder h&auml;tten<\/a>, in Gro&szlig;britannien die Opfer der <a href=\"http:\/\/www.ejiltalk.org\/what-happens-to-the-gaddafis%E2%80%99-fortune-could-frozen-assets-be-used-to-satisfy-claims-for-reparation\/\">von Libyen unterst&uuml;tzten Terrororganisation IRA<\/a> und in den USA <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/2011\/04\/12\/libya-usa-assets-idUSN1212007420110412\">die Opfer des Lockerbie-Anschlags<\/a>. Die Anspr&uuml;che dieser Gruppen auf die eingefrorenen Gelder sind jedoch v&ouml;lkerrechtlich sehr zweifelhaft, da die Staaten, die libysche Gelder eingefrorenen haben, treuh&auml;nderisch agieren m&uuml;ssen und gro&szlig;z&uuml;gige Kompensationszahlungen diesem Gebot widerspr&auml;chen. Mehr noch: Eine neue libysche Regierung h&auml;tte ihrerseits in einem solchen Fall sogar Anspruch auf die R&uuml;ckzahlung von m&ouml;glicherweise veruntreuten Geldern. Damit sollten unversch&auml;mte Forderungen aus den Reihen amerikanischer Politiker, <a href=\"http:\/\/money.cnn.com\/2011\/03\/31\/news\/international\/gadhafi_assets\/index.htm\">die sich w&uuml;nschen, ihren Krieg gegen Libyen mit libyschen Geldern zu finanzieren<\/a>, freilich ebenfalls ins Reich der Wunschgedanken verabschiedet werden. Bessere Chancen hat da schon die Idee, mit den Geldern &bdquo;humanit&auml;re Hilfslieferungen&ldquo; nach Libyen zu finanzieren, einer Forderung, der sich unter anderem auch Bundeswirtschaftsminister Br&uuml;derle anschloss. Eine solche Verwendung w&auml;re zwar nicht gegen den Gedanken der UN-Sanktionen, w&uuml;rde aber eines weiteren Entschlusses des UN-Sicherheitsrats bed&uuml;rfen.<\/p><p><strong>V&ouml;lkerrechtliche Probleme<\/strong><\/p><p>So klar die UN-Resolutionen 1970 und 1973 formuliert sind, so umstritten ist ihre  v&ouml;lkerrechtliche Interpretation. Die US-Regierung vertritt dabei die Position, dass die eingefrorenen Gelder dem libyschen Volk geh&ouml;ren und im Idealfall auch wieder an eine weltweit anerkannte libysche Regierung in der Post-Gaddafi-&Auml;ra zur&uuml;ckgegeben werden sollten. Der Rechtsexperte Hal Eren, der sich acht Jahre lang f&uuml;r die US-Exportkontrollbeh&ouml;rde OFAC mit Wirtschaftssanktionen besch&auml;ftigt hat, widerspricht jedoch der US-Regierung und <a href=\"http:\/\/money.cnn.com\/2011\/03\/31\/news\/international\/gadhafi_assets\/index.htm\">unterstreicht gegen&uuml;ber CNN<\/a>, dass die eingefrorenen Gelder rechtlich immer noch denselben Personen und Institutionen geh&ouml;ren und die US-Beh&ouml;rden ohne eine explizite Einwilligung des Gaddafi-Clans in keiner Form &uuml;ber die eingefrorenen Gelder verf&uuml;gen k&ouml;nnen. Die Frage, wie mit eingefrorenen oder konfiszierten &bdquo;Potentatengeldern&ldquo; umzugehen ist, ist auf dem Gebiet des V&ouml;lkerrechts immer noch Neuland, wobei sich jedoch die Praxis durchgesetzt hat, dass Nachfolgeregierungen, die v&ouml;lkerrechtlich anerkannt sind, als Rechtsnachfolger Zugriff auf die eingefrorenen Gelder haben. Aber was passiert, wenn es keine v&ouml;lkerrechtlich anerkannte Nachfolgeregierung gibt?<\/p><p>Es scheint unwahrscheinlich, dass die USA oder die EU die eingefrorenen Gelder jemals einer libyschen Regierung zur&uuml;ckgeben, der ein Mitglied der Familie Gaddafi angeh&ouml;rt. Sollte die jetzige libysche Regierung jedoch den B&uuml;rgerkrieg gewinnen, st&uuml;nde nicht nur die UN vor einem Dilemma. F&uuml;r einen solchen Fall ist keine Regelung, wie mit den eingefrorenen Geldern verfahren werden soll, vorgesehen. Da die R&uuml;ckzahlung an das libysche Volk nur eine Absichtserkl&auml;rung ist, k&ouml;nnten die westlichen Staaten diese Gelder theoretisch bis in alle Ewigkeit als Treuh&auml;nder f&uuml;r eine zuk&uuml;nftige libysche Regierung verwalten. Irgendwann wird dann wahrscheinlich Gras &uuml;ber die Sache wachsen und das Geld wandert still und heimlich in die Verm&ouml;gensposten der westlichen Staaten. <\/p><p>Nach Angaben der &ndash; sicher nicht neutralen &ndash; iranischen Nachrichtenagentur FARS sind die USA immer noch im Besitz von rund 11 Milliarden Dollar iranischer Gelder, die sie vor nunmehr 30 Jahren bei der Macht&uuml;bernahme der Mullahs &bdquo;<a href=\"http:\/\/edition.presstv.ir\/detail\/110771.html\">einfroren<\/a>&ldquo; &ndash; die USA bestreiten dies jedoch vehement. Solange es keine &uuml;bergeordnete Gerichtsbarkeit f&uuml;r solche F&auml;lle gibt, gilt im internationalen Recht die Staatenimmunit&auml;t, nach der ein Staat nicht der Gerichtsbarkeit eines anderen Staates unterliegt. Die Chancen, dass Muammar al-Gaddafi die Fronten im Kontenkrieg auf dem Rechtsweg zu seinen Gunsten wenden kann, sind in diesem weitestgehend rechtsfreien Raum jedoch ebenfalls verschwindend gering.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/cc70d6b48c1c41938c658f93d9dba962\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weitestgehend unbeachtet von den Medien hat in den letzten Wochen eine Hand voll L&auml;nder libysche Verm&ouml;genswerte im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar eingefroren. Obgleich die Eigentumsfrage an diesen Verm&ouml;genswerte v&ouml;lkerrechtlich umstritten ist, wachsen dies- und jenseits des Atlantik bereits die Begehrlichkeiten. 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