{"id":92195,"date":"2023-01-08T14:00:33","date_gmt":"2023-01-08T13:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92195"},"modified":"2023-01-09T10:51:03","modified_gmt":"2023-01-09T09:51:03","slug":"adios-us-dollar-plaene-fuer-eine-gemeinsame-lateinamerikanische-leitwaehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92195","title":{"rendered":"Adi\u00f3s US-Dollar? Pl\u00e4ne f\u00fcr eine gemeinsame lateinamerikanische Leitw\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<p>&Uuml;ber die Pl&auml;ne in Lateinamerika, sich dem Dollar mit einer neuen W&auml;hrung und einer &ldquo;regionalen Finanzarchitektur&rdquo; zu widersetzen. Der US-Dollar wird f&uuml;r den Gro&szlig;teil des internationalen Handels verwendet, und sein Status als globale Reservew&auml;hrung verschafft den USA ein &ldquo;exorbitantes Privileg&rdquo;, das ihre geopolitische und wirtschaftliche Dominanz untermauert. Indessen w&auml;chst der Widerstand gegen die Hegemonie Washingtons weltweit. Die Institutionen der eurasischen Integration schlagen ihre eigenen W&auml;hrungen und Zahlungssysteme vor. Auch Lateinamerika hat ehrgeizige Pl&auml;ne, seine Abh&auml;ngigkeit vom US-Dollar zu beenden. Von <strong>Ben Norton<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer bekannte Wirtschaftswissenschaftler Andr&eacute;s Arauz, eine F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit der Linken, der im Jahr 2021 fast die Pr&auml;sidentschaftswahlen in Ecuador gewonnen h&auml;tte, ver&ouml;ffentlichte einen Plan f&uuml;r eine &ldquo;neue regionale Finanzarchitektur&rdquo;, die Lateinamerika vereinen und die Hegemonie des Dollars und die von Washington dominierter Institutionen wie den Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) herausfordern soll.<\/p><p>Im Mittelpunkt seines Plans steht die Schaffung einer neuen regionalen W&auml;hrung f&uuml;r internationale Transaktionen unter Umgehung des Dollars. Der Rahmen basiert auf einem Vorschlag des brasilianischen Pr&auml;sidenten Lula da Silva, der vor den Wahlen im Oktober versprochen hatte, &ldquo;dass wir eine W&auml;hrung in Lateinamerika schaffen werden, um uns vom Dollar zu befreien&rdquo;.<\/p><p>Die W&auml;hrung wird voraussichtlich &ldquo;Sur&rdquo; hei&szlig;en und soll von einer neu geschaffenen Zentralbank des S&uuml;dens (Banco Central del Sur) &uuml;berwacht werden. Um all dies zu erreichen, hat Arauz Lula geraten, bestehende regionale Integrationsinstitutionen wie die Union S&uuml;damerikanischer Nationen (Unasur) und die Bank des S&uuml;dens (Banco del Sur) wiederzubeleben und zu st&auml;rken. Beide wurden durch die von den USA unterst&uuml;tzten Putsche und den Aufstieg rechter Regierungen unterminiert.<\/p><p>Das Ziel ist die &ldquo;Harmonisierung der Zahlungssysteme&rdquo; der Unasur-Mitgliedsl&auml;nder, um &ldquo;Interbank-&Uuml;berweisungen an jede Bank in der Region in Echtzeit und von einem Mobiltelefon aus t&auml;tigen zu k&ouml;nnen&rdquo;, erkl&auml;rte Arauz.<\/p><p>Der ecuadorianische &Ouml;konom betonte au&szlig;erdem, dass Lateinamerika den von den USA dominierten IWF ablehnen und mit Afrika zusammenarbeiten m&uuml;sse, um Schuldenerlass und neue wirtschaftliche M&ouml;glichkeiten zu schaffen.<\/p><p><strong>In den Amerikas werden 96 Prozent des Handels in US-Dollar abgewickelt<\/strong><\/p><p>Sowohl Lula als auch Arauz haben deutlich gemacht, dass der Sur nicht an die Stelle lokaler W&auml;hrungen treten wird, wie der Euro in der Europ&auml;ischen Union. Die lateinamerikanischen L&auml;nder h&auml;tten weiterhin ihre eigenen nationalen W&auml;hrungen, so dass sie eine souver&auml;ne W&auml;hrungspolitik betreiben k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Idee ist vielmehr, den Sur anstelle des Dollars f&uuml;r den bilateralen Handel zwischen den L&auml;ndern zu nutzen. Der Vorschlag ist in Lateinamerika sehr beliebt, da es sich um die am st&auml;rksten vom US-Dollar abh&auml;ngige Region der Welt handelt. Nach Angaben der US-Notenbank wurde der Dollar zwischen 1999 und 2019 bei 96 Prozent der Handelstransaktionen zwischen den L&auml;ndern Amerikas verwendet.<\/p><p>Die Schaffung der W&auml;hrung Sur k&ouml;nnte dies grundlegend &auml;ndern.<\/p><p>Die Wirtschaft Lateinamerikas ist zusammengenommen etwa halb so gro&szlig; wie die Wirtschaft der USA. Der gr&ouml;&szlig;te Teil des Handels in Nord- und S&uuml;damerika wird von den USA dominiert, der zweitgr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Welt (nach der Volksrepublik China, gemessen an der Kaufkraftparit&auml;t). Das Bruttoinlandsprodukt der USA bel&auml;uft sich auf etwa 23 Billionen Dollar, das Kanadas auf fast zwei Billionen Dollar.<\/p><p>Es wird h&auml;ufig berichtet, dass das nominale BIP Lateinamerikas und der Karibik nach Angaben der Weltbank rund 5,5 Billionen Dollar betr&auml;gt und dass die drei gr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaften der Region Brasilien (1,6 Billionen), Mexiko (1,3 Billionen) und Argentinien (491 Milliarden) sind.<\/p><p>Nominale BIP-Messungen k&ouml;nnen jedoch irref&uuml;hrend sein und verst&auml;rken nur die Hegemonie des US-Dollars. Ein viel genaueres Ma&szlig; f&uuml;r das BIP, die Kaufkraftparit&auml;t (KKP), ber&uuml;cksichtigt die Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land.<\/p><p>Entsprechend dieser Kaufkraftparit&auml;t bel&auml;uft sich das BIP Lateinamerikas und der Karibik genaueren Sch&auml;tzungen nach tats&auml;chlich auf 11,4 Billionen Dollar, wobei das BIP Brasiliens 3,4 Billionen, Mexikos 2,6 und Argentiniens 1,1 Billionen betr&auml;gt. Dies zeigt, dass die Volkswirtschaften Lateinamerikas und der Karibik zusammengenommen fast halb so gro&szlig; sind wie die Wirtschaft der USA.<\/p><p>Die Region ist auch sehr reich an nat&uuml;rlichen Ressourcen, darunter &Ouml;l, Mineralien und Landwirtschaft. Wenn Lateinamerika sich mit seinen eigenen unabh&auml;ngigen Finanzinstituten vereinigen k&ouml;nnte, h&auml;tte es ein enormes wirtschaftliches Potenzial.<\/p><p><strong>Die (gescheiterte) Geburt der Banco del Sur<\/strong><\/p><p>Das enorme wirtschaftliche Potenzial Lateinamerikas wurde von den linken antiimperialistischen F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten der Region schon lange erkannt.<\/p><p>In den 2000er Jahren schmiedeten die linksgerichteten Pr&auml;sidenten von Venezuela (Hugo Ch&aacute;vez), Brasilien (Lula da Silva), Argentinien (N&eacute;stor Kirchner und Cristina Fern&aacute;ndez de Kirchner), Bolivien (Evo Morales), Ecuador (Rafael Correa) und Paraguay (Fernando Lugo) Pl&auml;ne zur Schaffung alternativer Finanzinstitutionen, um sich der von den USA dominierten Weltbank und dem IWF zu widersetzen.<\/p><p>Die Weltbank und der IWF haben die L&auml;nder des Globalen S&uuml;dens in der Vergangenheit regelm&auml;&szlig;ig in einer abscheulichen und unbezahlbaren Schuldenlast gefangen gehalten und dann neoliberale &ldquo;Strukturanpassungs&rdquo;-Programme aufgelegt, die die Regierungen zur Umsetzung einer erdr&uuml;ckenden Austerit&auml;tspolitik zwingen, von der die US-Konzerne profitieren.<\/p><p>Der Vision des revolution&auml;ren venezolanischen Pr&auml;sidenten Hugo Ch&aacute;vez folgend, vereinbarten die linken Anf&uuml;hrer Lateinamerikas die Gr&uuml;ndung einer Bank, die der regionalen Einheit dient und den Namen Bank des S&uuml;dens tr&auml;gt. Ch&aacute;vez, Lula, die Kirchners, Morales und Correa trafen sich 2007 in Argentinien und unterzeichneten einen Vertrag zur offiziellen Gr&uuml;ndung der Bank.<\/p><p>Doch die Schaffung der Bank des S&uuml;dens verz&ouml;gerte sich.<\/p><p>Im Jahr 2009 trafen sich die Staats- und Regierungschefs dieser L&auml;nder erneut zum Afrika-S&uuml;damerika-Gipfel in Venezuela, wo sie ein gemeinsames Startkapital von 20 Milliarden Dollar zusagten. Diese Pl&auml;ne wurden jedoch nie verwirklicht.<\/p><p>Mehrere linke Regierungen in Lateinamerika wurden durch eine Reihe brutaler geopolitischer Angriffe der USA und rechter Oligarchien destabilisiert und gest&uuml;rzt, insbesondere durch mehrere US-unterst&uuml;tzte Putsche: ein Milit&auml;rputsch in Honduras im Jahr 2009, ein Justizputsch in Paraguay im Jahr 2012, ein interner Putsch in Ecuador im Jahr 2017, &ldquo;weiche&rdquo; Putsche in Brasilien im Jahr 2016 und 2018, ein gewaltsamer Putsch in Bolivien im Jahr 2019 sowie zahlreiche gescheiterte Putschversuche in Venezuela und Nicaragua.<\/p><p>Diese Angriffe der USA und der anschlie&szlig;ende Aufstieg der Rechten f&uuml;hrten auch zur Sabotage eines anderen wichtigen Instruments der regionalen Integration, der Unasur. W&auml;hrend die Bank des S&uuml;dens der wirtschaftlichen Integration der Region dienen sollte, wurde die politische Integration von der Unasur geleitet. Sie wurde 2008 durch einen Vertrag formell gegr&uuml;ndet und nahm 2011 offiziell ihre Arbeit auf.<\/p><p>Doch w&auml;hrend Washington 2018 und 2019 einen weiteren Putschversuch gegen Venezuela vorbereitete, stimmten die rechtsgerichteten F&uuml;hrer Brasiliens, Argentiniens, Kolumbiens, Chiles, Perus und Paraguays ihren Austritt aus der Unasur ab und schw&auml;chten die Institution damit sehr.<\/p><p>Eine weitere wichtige regionale Institution, die parallel zur Bank des S&uuml;dens und zur Unasur geschaffen wurde, war die Alba: die Bolivarische Allianz f&uuml;r die V&ouml;lker unseres Amerikas (Alianza Bolivariana para los Pueblos de Nuestra Am&eacute;rica). Venezuela und Kuba gr&uuml;ndeten 2004 die Alba als ein Wirtschaftsb&uuml;ndnis linker Regierungen in Lateinamerika und der Karibik.<\/p><p>Alba schuf eine eigene W&auml;hrung f&uuml;r den zwischenstaatlichen Handel in der Region. 2009 beschlossen, erhielt sie den Namen Sucre: das &ldquo;Sistema &Uacute;nico de Compensaci&oacute;n Regional&rdquo;. (Dieses Akronym bezieht sich auch auf den s&uuml;damerikanischen Revolution&auml;r Antonio Jos&eacute; de Sucre, der sich Anfang des 19. Jahrhunderts General Sim&oacute;n Bol&iacute;var im antikolonialen Kampf gegen das spanische Imperium anschloss).<\/p><p>Auf ihrem H&ouml;hepunkt vereinte Alba Venezuela, Kuba, Nicaragua, Bolivien, Ecuador und Honduras in einem Handelsblock und nutzte den Sucre f&uuml;r bilateralen Handel von mehr als einer Milliarde US-Dollar im Jahr 2012.<\/p><p>Ch&aacute;vez&rsquo; Traum von der Einigung der Region wurde durch seinen fr&uuml;hen Tod im Jahr 2013 zunichte gemacht. Was folgte, war ein verheerender Wirtschaftskrieg der USA gegen Venezuela, der einen k&uuml;nstlichen, von den USA inszenierten Rohstoffcrash im Jahr 2014, mehrere gewaltsame, von Washington unterst&uuml;tzte Putschversuche, die Verh&auml;ngung harter Sanktionen, die sich allm&auml;hlich zu einer Blockade &auml;hnlich der gegen Kuba ausweiteten, und Donald Trumps Versuch, den nicht gew&auml;hlten Putschisten Juan Guaid&oacute; gewaltsam als angeblichen &ldquo;&Uuml;bergangspr&auml;sidenten&rdquo; einzusetzen, umfasste.<\/p><p><strong>Die Linke in Lateinamerika erhebt sich wieder<\/strong><\/p><p>Trotz der R&uuml;ckschl&auml;ge des letzten Jahrzehnts ist die Linke in Lateinamerika ab 2022 wieder auf dem Vormarsch. Zum ersten Mal in der Geschichte werden die sieben bev&ouml;lkerungsreichsten L&auml;nder der Region von linksgerichteten Regierungen regiert (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Peru, Venezuela).<\/p><p>Die zutiefst US-freundlichen rechten Regierungen Kolumbiens waren schon immer ein Stachel im Fleisch des <em>Patria grande<\/em> (dem lateinamerikanischen Einigungsprojekt). Dies &auml;nderte sich jedoch mit der Wahl des ersten linken Pr&auml;sidenten Kolumbiens, Gustavo Petro, im Juni 2022.<\/p><p>Der Ecuadorianer Andr&eacute;s Arauz hat das Potenzial dieses historischen Moments f&uuml;r eine echte regionale Einheit erkannt und einen Plan f&uuml;r eine nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Integration vorgelegt. Arauz rief dazu auf, sowohl die Unasur (Uni&oacute;n de Naciones Suramericanas) als auch die Bank des S&uuml;dens zu reaktivieren und sie durch eine neue Zentralbank des S&uuml;dens (Banco Central del Sur) noch zu st&auml;rken.<\/p><p>Arauz ist ein erfahrener Wirtschaftswissenschaftler. Er arbeitete mehr als ein Jahrzehnt bei der ecuadorianischen Zentralbank und war schlie&szlig;lich ihr Generaldirektor. Derzeit schlie&szlig;t er seine Promotion im Bereich Finanzwirtschaft ab.<\/p><p>Unter dem ehemaligen Linkspr&auml;sidenten Ecuadors, Rafael Correa, leitete Arauz das Koordinationsministerium f&uuml;r Wissen und menschliches Talent. Seitdem ist er zu einer f&uuml;hrenden Figur der linken Bewegung in Ecuador geworden, welche die von Correa angesto&szlig;ene &ldquo;B&uuml;rgerrevolution&rdquo; (Revoluci&oacute;n Ciudadana) fortsetzt.<\/p><p>Arauz war Kandidat des Correismus bei den Pr&auml;sidentschaftswahlen 2021. Er gewann die erste Runde mit einem Erdrutschsieg, verlor aber die zweite Runde mit 47,6 Prozent der Stimmen gegen 52,4 Prozent f&uuml;r den derzeitigen Pr&auml;sidenten Guillermo Lasso, einen rechtsgerichteten Milliard&auml;r und Bankier, der f&uuml;r seine Korruption bekannt ist.<\/p><p>Auch wenn er offiziell kein Amt inne hat, fungiert Arauz als Wirtschaftsberater f&uuml;r linke Politiker in der Region. Er ist Mitbegr&uuml;nder der Puebla-Gruppe, einem politischen Forum, das die progressiven Kr&auml;fte in Lateinamerika zusammenbringt. Er ist auch Mitglied des Rates der Progressive Internationale und dort f&uuml;r die strategische Ausrichtung des B&uuml;ndnisses verantwortlich.<\/p><p>Lula da Silva, der Brasilien bereits von 2003 bis 2010 regierte, ist mit beiden Organisationen eng verbunden. Dies macht es wahrscheinlich, dass Arauz in irgendeiner Funktion als Berater der neuen brasilianischen Regierung dienen wird.<\/p><p>Im Jahr 2020 ver&ouml;ffentlichte Lula einen Artikel auf der Website von Progressive International mit dem Titel &ldquo;F&uuml;r eine multipolare Welt&rdquo;. Darin erkl&auml;rte der Anf&uuml;hrer der brasilianischen Linken, er strebe &ldquo;die Schaffung einer multipolaren Welt an, frei von einseitiger Hegemonie und steriler bipolarer Konfrontation&rdquo;.<\/p><p>W&auml;hrend seiner Pr&auml;sidentschaftskampagne versprach Lula auf einer Kundgebung im Mai 2022: &ldquo;Wir werden in Lateinamerika eine W&auml;hrung schaffen, denn wir k&ouml;nnen nicht weiter vom Dollar abh&auml;ngig sein&rdquo;. Lula gewann am 30. Oktober die Pr&auml;sidentschaftswahlen und ist seit dem 1. Januar 2023 wieder Staatschef des gr&ouml;&szlig;ten lateinamerikanischen Landes.<\/p><p><strong>Reaktivierung der Bank des S&uuml;dens und der Unasur mit neuer regionaler W&auml;hrung &ldquo;Sur&rdquo;<\/strong><\/p><p>Als Reaktion auf Lulas Wahlsieg entwarf Arauz einen Plan, in dem er die Schritte aufzeigte, die Brasilien unternehmen kann, um zur Entwicklung einer &ldquo;neuen regionalen Finanzarchitektur&rdquo; beizutragen. Der Artikel, der auf der lateinamerikaweiten Website Nodal ver&ouml;ffentlicht wurde, ist ein Leitfaden, an dem sich Lula orientieren kann, wenn er die Pr&auml;sidentschaft antritt.<\/p><p>&ldquo;Das Ziel ist, dass nach Lulas Amtsantritt die Vertr&auml;ge f&uuml;r die neue Unasur unterzeichnet werden&rdquo;, schrieb Arauz. &ldquo;Wir m&uuml;ssen die Bank des S&uuml;dens in Betrieb nehmen und den Gr&uuml;ndungsvertrag f&uuml;r die Zentralbank des S&uuml;dens und den Sur unterzeichnen, der regionalen W&auml;hrung &#8210; zus&auml;tzlich zu den nationalen W&auml;hrungen &#8210;, die Pr&auml;sident Lula vorgeschlagen hat&rdquo;, f&uuml;gte er hinzu. &ldquo;Der erste Schritt muss sofort erfolgen&rdquo;, betonte Arauz.<\/p><p>Das System soll &ldquo;die Unasur-Zahlungssysteme harmonisieren, um Interbank-&Uuml;berweisungen an jede Bank in der Region in Echtzeit und von einem Mobiltelefon aus zu t&auml;tigen&rdquo;, erkl&auml;rte er.<\/p><p>Arauz riet, dass diese Ma&szlig;nahmen umgehend und z&uuml;gig ergriffen werden m&uuml;ssten, denn &ldquo;das Fenster der politischen M&ouml;glichkeiten liegt zwischen Januar und September 2023, dem Datum der argentinischen Vorwahlen&rdquo;.<\/p><p>Die rechte argentinische Opposition, die sehr pro-USA ist und die Dollar-Hegemonie und die neoliberale Wirtschaft unterst&uuml;tzt, k&ouml;nnte diese Wahlen gewinnen, was das Projekt der regionalen Einheit zum Scheitern bringen w&uuml;rde.<\/p><p>Arauz warnte: &ldquo;Wir d&uuml;rfen dieses historische Chance nicht der Tr&auml;gheit der Au&szlig;enministerien und der R&uuml;ckst&auml;ndigkeit des &lsquo;Malinchismo&rsquo; &uuml;berlassen&rdquo;, ein abwertender Begriff f&uuml;r Menschen in Lateinamerika, die Selbstverachtung gegen&uuml;ber ihren eigenen Gesellschaften empfinden und den Minderwertigkeitskomplex des Kulturimperialismus verinnerlicht haben.<\/p><p>&ldquo;Die progressiven Pr&auml;sidenten m&uuml;ssen einen unmittelbaren Kommunikationskanal untereinander schaffen&rdquo;, betonte er. &ldquo;Der politische Wille ist da, es gibt keine Zeit zu verlieren&rdquo;. Wenn es Lateinamerika gelingt, diese &ldquo;neue regionale Finanzarchitektur&rdquo; zu schaffen, so der ecuadorianische &Ouml;konom, k&ouml;nnte dies Argentinien &ldquo;eine gewisse Atempause verschaffen&rdquo;.<\/p><p>Argentinien befindet sich in einer tiefen Wirtschaftskrise, die zu einem gro&szlig;en Teil durch die unbezahlbaren und verabscheuungsw&uuml;rdigen Schulden beim IWF verursacht wurde, nachdem die vorherige rechtsgerichtete Regierung in Buenos Aires den gr&ouml;&szlig;ten Kredit in der Geschichte des Fonds erhalten hatte.<\/p><p>Arauz ist immer ein lautstarker Kritiker des IWF gewesen. In seinem Artikel sagte er, dass Lateinamerika &ldquo;kollektive Ma&szlig;nahmen ergreifen sollte, um die illegalen Aufschl&auml;ge des IWF r&uuml;ckwirkend aufzuheben&rdquo;.<\/p><p>Die IWF-Aufschl&auml;ge sind zus&auml;tzliche Zinszahlungen, die die von den USA dominierte Finanzinstitution von L&auml;ndern erhebt, die hohe Schulden bei ihr haben.<\/p><p>Das &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.brettonwoodsproject.org\/\">Bretton Woods Project<\/a>&rdquo; stellte fest, dass &ldquo;die zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschenrechtsexperten und andere argumentieren, dass die Aufschl&auml;ge die L&auml;nder, die am dringendsten auf IWF-Hilfe angewiesen sind, tats&auml;chlich diskriminieren und bestrafen&rdquo;.<\/p><p>Arauz schlug vor, Lateinamerika und Afrika sollten der UN-Generalversammlung eine Resolution vorschlagen, um die IWF-Zuschl&auml;ge zu streichen, &ldquo;falls dies notwendig ist&rdquo;. Er f&uuml;gte hinzu, dass Lateinamerika mit Afrika zusammenarbeiten sollte, um von den USA die Gew&auml;hrung von IWF-Sonderziehungsrechten zur Unterst&uuml;tzung ihrer Volkswirtschaften zu fordern. Die Region k&ouml;nnte dann diese Sonderziehungsrechte &ldquo;recyceln&rdquo;, um Argentinien zu helfen, sagte Arauz.<\/p><p>Der ecuadorianische &Ouml;konom schrieb au&szlig;erdem, die Unasur k&ouml;nne versuchen, dass ein Teil des Kapitals, das aus der Region in die USA flieht, in seine Herkunftsl&auml;nder zur&uuml;ckkehrt, und berief sich dabei auf Artikel VIII.2.b des IWF-Gr&uuml;ndungsabkommens. Arauz bot auch wirtschaftliche Beratung zu internen Angelegenheiten Brasiliens an.<\/p><p>Lula solle &ldquo;die De-facto-Privatisierung der brasilianischen Zentralbank r&uuml;ckg&auml;ngig machen&rdquo;, die vom ultrarechten Pr&auml;sidenten Jair Bolsonaro durchgef&uuml;hrt wurde, und &ldquo;die brasilianische Zentralbank im Sinne von Entwicklung, Integration und Demokratie neu aufstellen&rdquo;, schrieb er.<\/p><p>&ldquo;Es ist sehr schwierig, die Ziele der Beseitigung des Hungers und der Reindustrialisierung zu erreichen, die das brasilianische Volk braucht, wenn es eine Zentralbank hat, die das permanent boykottiert&rdquo;, so Arauz weiter.<\/p><p>Er wies darauf hin, dass die kolumbianische Zentralbank bereits Schritte unternommen hat, um sich den vom neuen linken Pr&auml;sidenten Gustavo Petro vorgeschlagenen Reformen zu widersetzen.<\/p><p>Arauz betonte jedoch, dass &ldquo;diese Welle der regionalen Integration nicht nur auf der Ebene der Pr&auml;sidenten bleiben kann, sondern eine echte Integration der V&ouml;lker sein muss&rdquo;.<\/p><p>&ldquo;Dies setzt eine umfassende Beteiligung der sozialen Bewegungen in der gesamten Region voraus, vor allem aber unmittelbare und greifbare Verbesserungen f&uuml;r die B&uuml;rger&rdquo;, unterstrich er.<\/p><p>&ldquo;Das bedeutet auch, dass kleineren L&auml;ndern eine Vorzugsbehandlung gew&auml;hrt wird&rdquo;, f&uuml;gte Arauz hinzu. &ldquo;Die F&uuml;hrungsrolle von Pr&auml;sident Lula ist entscheidend, um L&auml;nder mit unterschiedlichen ideologischen Ausrichtungen zu vereinen&rdquo;.<\/p><p>In dem Artikel schlug der ecuadorianische Wirtschaftswissenschaftler eine weitere Idee vor: die Schaffung eines &ldquo;ein massives Programm f&uuml;r Studentenaustausch&rdquo;, so dass &ldquo;junge Menschen im &ouml;ffentlichen Bildungswesen Lateinamerikas f&uuml;r ein Semester oder ein Jahr in einem anderen Land der Region studieren k&ouml;nnen&rdquo;. Das Ziel sollte sein, dass bis 2023 eine Million junge Menschen am Austausch teilnehmen&rdquo;, schrieb Arauz. &ldquo;Dies wird der Motor der Integration sein&rdquo;.<\/p><p>Er rief auch zu Formen der kulturellen Integration auf und schlug einen regionalen Wettbewerb vor, bei dem Musiker, Schriftsteller und Dichter eingeladen werden sollten, eine Unasur-Hymne zu schreiben. Arauz schloss den Plan mit dem Vorschlag, Lula solle einen &ldquo;bevollm&auml;chtigten Botschafter f&uuml;r regionale Integration&rdquo; einsetzen.<\/p><p>Arauz machte deutlich, dass er gro&szlig;e Ambitionen f&uuml;r die Region hat. Es reiche nicht aus, dass sich Lateinamerika vereinige, sie brauche eine st&auml;rkere Vertretung in internationalen Institutionen. &ldquo;Die Unasur-L&auml;nder m&uuml;ssen eine gemeinsame Position am G20-Tisch einfordern, die die Afrikanische Union kurz davor ist zu bekommen&rdquo;, schrieb er.<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ rustamxakim<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Susanne Schartz-Laux, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/261975\/gemeinsame-waehrung-fuer-lateinamerika\">Amerika21<\/a> <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91893\">Lateinamerika und die gr&ouml;&szlig;te aller Krisen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91271\">&bdquo;Zeitenwende&ldquo; auf lateinamerikanisch? &ndash; Lateinamerika und der Krieg in der Ukraine<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90571\">Stimmen aus Lateinamerika: Die neue Welt aus Sicht der USA<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/bf6f89915a8042c9b3c17288f78bafdf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&Uuml;ber die Pl&auml;ne in Lateinamerika, sich dem Dollar mit einer neuen W&auml;hrung und einer &ldquo;regionalen Finanzarchitektur&rdquo; zu widersetzen. Der US-Dollar wird f&uuml;r den Gro&szlig;teil des internationalen Handels verwendet, und sein Status als globale Reservew&auml;hrung verschafft den USA ein &ldquo;exorbitantes Privileg&rdquo;, das ihre geopolitische und wirtschaftliche Dominanz untermauert. Indessen w&auml;chst der Widerstand gegen die Hegemonie Washingtons<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92195\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":92196,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,134],"tags":[3026,589,2145,2640,452,2056,3276,1418,325,2352,1556,600,3203],"class_list":["post-92195","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-finanzen-und-waehrung","tag-arauz-andres","tag-iwf","tag-lateinamerika","tag-leitwaehrung","tag-linksrutsch","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-multipolare-welt","tag-regime-change","tag-staatsschulden","tag-unasur","tag-usa","tag-weltbank","tag-zentralbank"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lateinamerika_W\u00e4hrung.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=92195"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92195\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92253,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92195\/revisions\/92253"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/92196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=92195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=92195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=92195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}