{"id":92298,"date":"2023-01-10T11:15:43","date_gmt":"2023-01-10T10:15:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92298"},"modified":"2023-01-10T16:02:31","modified_gmt":"2023-01-10T15:02:31","slug":"welche-chancen-gibt-es-fuer-einen-frieden-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92298","title":{"rendered":"Welche Chancen gibt es f\u00fcr einen Frieden in der Ukraine*"},"content":{"rendered":"<p>Von <strong>Michael von der Schulenburg<\/strong>. &ndash; Ob es eine Chance f&uuml;r einen Frieden in der Ukraine geben wird, h&auml;ngt weitgehend von den Vereinigten Staaten ab! F&uuml;r die USA geht es in diesem Krieg aber um geostrategische Ziele und es werden auch nur geostrategische &Uuml;berlegungen sie dazu bewegen, einer Friedensl&ouml;sung mit Russland zuzustimmen. Dazu hier einige Gedanken und am Ende eine redaktionelle Nachbemerkung.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Nicht der Krieg, sondern was zum Krieg gef&uuml;hrt hat, muss gel&ouml;st werden<\/strong><\/p><p>Der Krieg in der Ukraine ist das Resultat eines Versuches der USA, nach dem Ende des Kalten Krieges in Europa eine Sicherheitsordnung &uuml;ber die von ihr dominierte NATO und unter Ausschluss Russlands aufzubauen. Dabei spielten f&uuml;r die USA Bedenken &uuml;ber die Sicherheit Europas kaum eine Rolle. Es ging und geht fast ausschlie&szlig;lich um das geostrategische Ziel der USA, ihre nach dem Ende des Kalten Krieges gewonnene Position der allein dominierenden globalen Gro&szlig;macht zu erhalten. Die Beitritte der Ukraine wie auch Georgiens zur NATO w&auml;ren die Kr&ouml;nung dieser seit 1994 betriebenen NATO-Erweiterung nach Osten. <\/p><p>&Uuml;ber eine solche NATO-Erweiterung w&uuml;rden die USA Russlands gesamte S&uuml;d-Westgrenze milit&auml;risch kontrollieren und somit Russland aus dem strategisch so wichtigen Schwarzen Meer und aus seinen traditionellen Einflussbereichen in Zentralasien verdr&auml;ngen k&ouml;nnen. So w&auml;re die Atommacht Russland als unliebsamer strategischer Mitkonkurrent weitestgehend ausgeschaltet. Die USA, ein Land, das &uuml;ber 8.000 km von der Ukraine entfernt auf einem anderen Kontinent liegt, k&ouml;nnte durch vorgeschobene Milit&auml;rbasen in der Ukraine Druck auf den gesamten asiatischen Raum inklusive China aus&uuml;ben und die stark an Bedeutung gewonnenen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Asien und Europa beeinflussen. Die USA verfolgen somit eigene machtpolitische und keine selbstlosen humanit&auml;ren Ziele in der Ukraine. Die Ukraine ist nur durch ihre strategische Lage zwischen Europa und Asien zum Kriegsschauplatz geopolitischer Interessen geworden. Bei einer Friedensl&ouml;sung d&uuml;rften daher auch die eigentlichen ukrainischen Interessen, trotz aller &ouml;ffentlicher Solidarit&auml;tsbezeugungen, nur eine untergeordnete Rolle spielen. <\/p><p>Einen wirklichen Frieden in der Ukraine und damit auch in Europa kann es nur geben, wenn es m&ouml;glich w&uuml;rde, eine neue, von der NATO weitestgehend unabh&auml;ngige Sicherheitsstruktur in Europa zu errichten, um so, wie in der Paris-Charta der OSZE von 1990 gefordert, ein gemeinsames Haus Europa ohne Trennlinien zu schaffen. Das ginge nur mit einer europ&auml;ischen Sicherheitsstruktur, die Russland einschlie&szlig;t. Hierf&uuml;r sind aber die aktuellen Aussichten ausgesprochen schlecht. Auch die Ukraine, obwohl wiederholt vom Westen vorgeschoben, kann dar&uuml;ber sicherlich keine selbstst&auml;ndigen Friedensverhandlungen mit Russland f&uuml;hren. Sie kontrolliert keine der in diesem Krieg ausgefochten geopolitischen Interessen der Atomm&auml;chte USA und Russland (und im gewissen Sinne auch Chinas). Zudem ist die Ukraine viel zu sehr von westlicher, insbesondere von amerikanischer finanzieller und milit&auml;rischer Unterst&uuml;tzung abh&auml;ngig, um eine unabh&auml;ngige Position zu vertreten. <\/p><p><strong>Wer kann einen Frieden mit Russland verhandeln?<\/strong><\/p><p>Es k&auml;men daf&uuml;r nur die USA infrage; die Europ&auml;ische Union ist zu uneinig und schwach, um einen Schritt hin zu einem Verhandlungsfrieden mit Russland zu machen. Wie sehr dieser Krieg ein Krieg der USA ist, hat k&uuml;rzlich erst der Besuch des Pr&auml;sidenten Zelensky in Washington gezeigt; &uuml;ber Europa ist Zelensky einfach hinweggeflogen. <\/p><ul>\n<li><em><strong>Die USA und der Krieg um Macht<\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul><p>Das geopolitische Interesse der USA an der Ukraine geht auf die Zeit nach der Aufl&ouml;sung des Warschauer Paktes und des Zusammenbruchs der Sowjetunion Ende 1991 zur&uuml;ck. Damit endete auch jeder Versuch, in Europa eine ausgleichende Sicherheitsstruktur einzuf&uuml;hren, die auch Russland, dem nun erheblich geschw&auml;chten Nachfolgestaat der Sowjetunion, mit einbezieht. Die Hoffnung der Charta von Paris auf ein gemeinsames friedliches Europa war damit gestorben. Der Zusammenbruch der Sowjetunion wurde als Sieg eines &uuml;berlegenen westlichen liberal demokratischen Systems gewertet; die Welt w&uuml;rde sich nun in eine liberale Demokratie unter der F&uuml;hrung der USA verwandeln. War die USA bis dahin &bdquo;nur&ldquo; die F&uuml;hrungsnation westlicher Demokratien gewesen, w&uuml;rde sie nun zur einzigen F&uuml;hrungsmacht der ganzen Welt werden. Dieses Ziel schien damals realistisch, da Russland ins Chaos der Jelzin-Jahre versunken war und China, wie auch Indien, wirtschaftlich und milit&auml;risch keine Bedeutung hatte. Der NATO, in der Charta von Paris wird sie mit keinem Wort erw&auml;hnt, kam nun die alleinige Aufgabe zu, der milit&auml;rische Mantel einer von den USA beherrschten Welt zu werden. Dabei wurde der Ukraine schon damals eine zentrale Rolle zugedacht. <\/p><p>Bereits 1997 unterzeichnete die NATO mit der Ukraine einen Vertrag zur strategischen Partnerschaft. Was anfangs noch recht unschuldig klang, f&uuml;hrte aber dazu, dass eine NATO-Mitgliedschaft zum Ziel aller nachfolgenden amerikanischen Pr&auml;sidenten wurde. Trotz aller Proteste und Drohungen Russlands wurde diese mit zunehmender Aggressivit&auml;t verfolgt. Dies gipfelte im Jahr 2014 in dem von den USA organisierten und mit 5 Milliarden Dollar finanzierten gewaltsamen (und nach internationalem Recht illegalem) Sturz des demokratisch gew&auml;hlten ukrainischen Pr&auml;sidenten Janukowitsch und der Einsetzung einer pro-westlichen Regierung unter Poroschenko. Die Weichen f&uuml;r eine Einverleibung der Ukraine in die NATO waren damit gestellt. Russland antwortete mit der Annexion der Krim und der Unterst&uuml;tzung der Unabh&auml;ngigkeit des Donbas. Woraufhin der Westen mit einer massiven milit&auml;rischen Aufr&uuml;stung der ukrainischen Armee begann. Damit hatte eine Art latenter Krieg zwischen den USA und Russland um den Einfluss in der Ukraine begonnen. Nach der Ank&uuml;ndigung auf dem NATO-Gipfel im Juni 2021, die Mitgliedschaft der Ukraine nun voranzutreiben, eskalierte die Situation und f&uuml;hrte zur milit&auml;rischen Intervention Russlands. Bei alledem ging und geht es allein um die NATO-Erweiterung und es wird keinen Frieden geben, bis dies nicht diplomatisch gel&ouml;st wird.<\/p><p>Das erkl&auml;rt auch, warum sich die USA vehement gegen jede Friedensl&ouml;sung wenden, die eine Neutralit&auml;t der Ukraine vorsieht. Noch im Dezember 2021 weigerten sich die USA, &uuml;ber einen NATO-Beitritt der Ukraine mit Russland zu verhandeln und im M&auml;rz 2022 torpedierte die NATO die ukrainisch-russischen Friedensgespr&auml;che, die eine neutrale Ukraine vorsahen. Auch jetzt lehnen die USA Friedensgespr&auml;che mit Russland &uuml;ber den zuk&uuml;nftigen Status der Ukraine ab. Nehmen die USA damit das Leiden des ukrainischen Volkes und die sukzessive Zerst&ouml;rung der Ukraine f&uuml;r ihre geostrategischen Ziele in Kauf? <\/p><ul>\n<li><em><strong>Die Europ&auml;ische Union und der Krieg in die Ohnmacht<\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul><p>Der Krieg in der Ukraine ist eine Schande f&uuml;r Europa und ganz besonders f&uuml;r die EU. Obwohl es sich hier um einen Krieg handelt, der auf dem europ&auml;ischen Kontinent zwischen zwei europ&auml;ischen Staaten ausgetragen wird und obwohl sich dieser Konflikt &uuml;ber die letzten 30 Jahre mit st&auml;ndig zunehmenden Spannungen angedeutet hatte, hat die EU nichts unternommen, um eine diplomatische L&ouml;sung zu finden und so den Krieg zu verhindern. Die EU degradierte sich zum willigen Mitl&auml;ufer der USA und wurde dadurch zum Mitschuldigen an diesem Krieg. Die Konsequenzen wird nun Europa tragen m&uuml;ssen, durch ein Abrutschen in eine politische Bedeutungslosigkeit, durch den Verlust des Zugangs zu Rohstoffen, durch eine Blockade der Landbr&uuml;cke zu den lukrativen M&auml;rkten Asiens und letztlich durch eine Abwertung seines Wirtschaftsstandortes und Milliarden an Transferzahlungen an die Ukraine &uuml;ber die kommenden Jahre hinweg. <\/p><p>Die bisherigen Versuche europ&auml;ischer Staaten, im Ukraine-Konflikt zu vermitteln, sind regelm&auml;&szlig;ig an europ&auml;ischer Uneinigkeit und amerikanischem Widerstand gescheitert. Ein Vermittlungsversuch der Au&szlig;enminister Deutschlands, Frankreichs und Polens bei den Unruhen auf dem Maidan-Platz in 2014 wurde ignoriert; nur Stunden sp&auml;ter kam es zum gewaltsamen Sturz des pro-russischen Pr&auml;sidenten. &bdquo;Fuck the EU&ldquo;, war Victoria Nulands Reaktion; sie ist heute amerikanische Vize-Au&szlig;enministerin. Auch die von Deutschland und Frankreich ausgehandelten Minsk-I- und Minsk-II-Vereinbarungen wurden nie umgesetzt, der EU war es unm&ouml;glich, Druck auszu&uuml;ben. Die Ohnmacht der EU wurde dann noch einmal bei der Sprengung der Nord Stream 1&amp;2 (wahrscheinlich durch die USA) deutlich. Der Krieg in der Ukraine ist eben auch ein Wirtschaftskrieg der USA gegen ein zu sehr nach Osten, vor allem nach Russland und China, ausgerichtetes Europa.<\/p><p>Die Tragik f&uuml;r die Ukraine ist es, dass damit eine Situation entstanden ist, in der sie selbst keinen Frieden verhandeln kann, in der die EU zu schwach und uneinig ist, um einen Frieden zu verhandeln, und die USA sich in einer so starken Position w&auml;hnen, dass sie keine Veranlassung haben, einen Verhandlungsfrieden mit Russland zu suchen. <\/p><p><strong>Was k&ouml;nnte die USA dennoch bewegen, einen Verhandlungsfrieden mit Russland zu suchen?<\/strong><\/p><p>Das k&ouml;nnte sich aber &auml;ndern. Die amerikanische Strategie, Russland in der Ukraine zur Kapitulation zu zwingen, baut auf dem Glauben ihrer &uuml;berlegenen Waffensysteme, ihrer besseren milit&auml;rischen Aufkl&auml;rung und letztlich auch ihrer wesentlich st&auml;rkeren Wirtschaftskraft auf. Diese Strategie hat jedoch drei Schwachstellen, die zu einem Einlenken der USA f&uuml;hren k&ouml;nnten:<\/p><ul>\n<li><em><strong>Nicht Russland, sondern die Ukraine k&ouml;nnte zuerst zerbrechen<\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul><p>Im Ukraine-Krieg liefern die USA und andere NATO-Staaten die Waffen und Munition, die Ukrainer zahlen aber mit ihrem Blut. Es ist ein typischer Stellvertreterkrieg, dessen Erfolg davon abh&auml;ngen wird, inwieweit die Ukraine diesen durchhalten kann. Obwohl auch Russland schwer von diesem Krieg getroffen ist, scheint es doch wahrscheinlicher, dass die Ukraine zuerst zerbrechen k&ouml;nnte. Und das liegt nicht nur an der milit&auml;rischen Lage. <\/p><p>Der Krieg spielt sich ausschlie&szlig;lich auf ukrainischem Boden ab. Das hei&szlig;t, dass nicht nur russische Waffen, sondern auch alle vom Westen gelieferten Waffen dazu beitragen, das Land zu zerst&ouml;ren. Inzwischen haben diese Zerst&ouml;rungen ein katastrophales Ausma&szlig; angenommen. Bereits vor dem Krieg war die Ukraine eines der weitaus &auml;rmsten L&auml;nder Europas. Die Lebensbedingungen f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Ukrainer ohne Strom und Wasser m&uuml;ssen unbeschreiblich hart sein, gerade jetzt im Winter. Es gibt kaum noch eine funktionierende Wirtschaft und das Land hat den lebenswichtigen Zugang zum Asowschen und Schwarzen Meer verloren. Die finanzielle Unterst&uuml;tzung des Westens an den inzwischen fast bankrotten ukrainischen Staat wird wahrscheinlich nie den finanziellen Bedarf decken k&ouml;nnen. So hat die EU f&uuml;r 2023 die Zahlung von 1,5 Milliarden Euro monatlich versprochen, w&auml;hrend die ukrainische Regierung zwischen 5,0 und 9,0 Milliarden Euro monatlich angefragt hatte. <\/p><p>Die Gr&auml;ben zwischen den westlichen und &ouml;stlichen Teilen des Landes, zwischen ukrainisch- und russisch-loyalen Ukrainern m&uuml;ssen heute noch tiefer, vielleicht sogar un&uuml;berbr&uuml;ckbar, geworden sein. Dieser Krieg hatte immer schon Aspekte eines Zivilkrieges, in dem Donbas-Milizen aus der Ostukraine gegen Asov-Brigaden aus der Westukraine k&auml;mpfen. Hinzu kommen nun noch gesetzliche Beschr&auml;nkungen der russischen Sprache und Kultur im &ouml;ffentlichen Raum, die Schlie&szlig;ung russisch-sprachiger Fernseh- und Radiostationen, das Verbot aller politischen Parteien der russisch-sprachigen Bev&ouml;lkerungsgruppen, die polizeilichen Durchsuchungen von &uuml;ber 300 russisch-orthodoxen Kl&ouml;stern, die Ank&uuml;ndigung des Verbots der russisch-orthodoxen Kirche und letztlich die Ermordungen angeblicher Kollaborateure. <\/p><p>Die Ukraine leidet unter einer h&ouml;chst instabilen Bev&ouml;lkerungsstruktur. Seit ihrer Unabh&auml;ngigkeit 1991 ist die Bev&ouml;lkerungszahl um 20 Prozent gesunken, ein Trend, der sich durch diesen Krieg sicherlich noch verst&auml;rkt hat. Seit dem Ausbruch des Krieges sind nach UN-Angaben etwa 8 Millionen Ukrainer geflohen, auch dies eine Zahl, die sich durch einen harten Winter noch erh&ouml;hen k&ouml;nnte. Zudem leben in der Ukraine etwa 7 Millionen Binnenfl&uuml;chtlinge, weitere 6-7 Millionen Ukrainer leben heute in von Russland kontrollierten Gebieten. <\/p><p>Unter diesen Bedingungen k&ouml;nnte eine Situation entstehen, in der weitere westliche Waffenlieferungen wenig ausrichten k&ouml;nnen. Vielleicht auch deshalb hat sich der rangh&ouml;chste amerikanische General, Marc Milley, im Widerspruch zu Pr&auml;sident Bidens erkl&auml;rter Politik des Durchhaltens, f&uuml;r sofortige Friedensverhandlungen ausgesprochen. Die USA k&ouml;nnten sich eines Tages gen&ouml;tigt sehen, die Rei&szlig;leine zu ziehen, um einen Zusammenbruch des ukrainischen Staates zu verhindern. <\/p><ul>\n<li><em><strong>Der Konflikt der USA mit China versch&auml;rft sich <\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul><p>China und nicht Russland wird in den USA zunehmend als der gro&szlig;e Gegner der Zukunft gesehen. W&auml;hrend der Konflikt zwischen den USA und China an Heftigkeit und Gef&auml;hrlichkeit zunimmt, k&ouml;nnte der Krieg in der Ukraine sich lange hinziehen, ohne eine milit&auml;rische Entscheidung zu bringen. Das kann zu einer Situation f&uuml;hren, in der die USA zu dem Schluss kommen, dass sie sich nicht gleichzeitig einen Konflikt mit Russland und China leisten k&ouml;nnen. Die amerikanische Entscheidung k&ouml;nnte in diesem Fall darauf hinauslaufen, den teuren, aber wenig erfolgversprechenden Konflikt mit Russland zu beenden. <\/p><ul>\n<li><em><strong>Die &ouml;ffentliche Meinung in westlichen L&auml;ndern wendet sich zunehmend gegen den Krieg <\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul><p>In fast allen westlichen L&auml;ndern, auch in den USA, sinkt in der Bev&ouml;lkerung, wenn auch langsam, die Zustimmung zu weiteren Waffenlieferungen; in vielen L&auml;ndern gibt es bereits eine Mehrheit, die eine diplomatische L&ouml;sung bef&uuml;rwortet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden diesen Trend aller Voraussicht nach noch verst&auml;rken. Mit einem andauernden Krieg d&uuml;rfte auch die zurzeit sehr einseitige Berichterstattung in den meisten westlichen Medien L&ouml;cher bekommen. Berichte &uuml;ber die hohen Kosten dieses Krieges und &uuml;ber die Milliarden an monatlichen Transferzahlungen an die Ukraine werden zunehmen. Damit werden auch kritische Berichte &uuml;ber unkontrollierbare Korruption, den illegalen Weiterverkauf von Waffen und die fehlende Transparenz &uuml;ber den Gebrauch der Transferzahlungen in die &Ouml;ffentlichkeit kommen. Schon vor dem Krieg war die Ukraine eines der korruptesten L&auml;nder Europas, ein Umstand, der sich in Zeiten eines Krieges wohl eher verschlechtert hat. Und es k&ouml;nnte zunehmend auch Berichte &uuml;ber ukrainische Kriegsverbrechen geben &ndash; in einen Krieg bleibt keine Seite sauber. Die &ouml;ffentliche Meinung im Westen k&ouml;nnte umschwingen und sich den konstanten Forderungen der ukrainischen Regierung gegen&uuml;ber eher ablehnend aufstellen. Damit w&auml;re dann ein Krieg nicht mehr zu gewinnen. <\/p><p><strong>Das Friedensdilemma <\/strong><\/p><p>Die hier aufgef&uuml;hrten Argumente sind rein machtpolitische &Uuml;berlegungen, wie sie Gro&szlig;m&auml;chte verfolgen k&ouml;nnten. Das zu verstehen, w&auml;re wichtig. Aber sie zeigen auch die ganze Perversion dieses Krieges auf und das Dilemma, mit der jede Friedensbewegung konfrontiert ist. Denn kein Mensch sollte hoffen, dass es erst zu einer Zerst&ouml;rung der Ukraine kommen muss, um &uuml;ber einen Frieden zu verhandeln und keiner sollte sich eine Versch&auml;rfung des Konfliktes mit China mit der Gefahr eines weiteren Krieges w&uuml;nschen, um in der Ukraine endlich zu einer Friedensvereinbarung zu kommen. Auch w&auml;re es f&uuml;r die leidenden Menschen in der Ukraine katastrophal, sollte sich die &ouml;ffentliche Meinung im Westen gegen die Ukraine wenden. Sie werden noch sehr lange eine westliche Unterst&uuml;tzung brauchen &ndash; auch und gerade in Friedenszeiten.<\/p><p>Es m&uuml;sste doch einen anderen Weg zu einem Frieden geben k&ouml;nnen. Den kann es aber nur geben, wenn wir aufh&ouml;ren zu glauben, dass nur Waffen oder die Annexion fremder Landesteile einen Frieden bringen k&ouml;nnen, wenn wir akzeptieren, dass die Welt nicht nur dem Westen geh&ouml;rt, es keine alleinige Weltmacht USA geben wird und die Ausweitung der NATO nicht zur Stabilit&auml;t in Europa beitr&auml;gt. Da Staaten hier versagen, kann nur eine erstarkende Friedensbewegung von Lissabon bis Wladiwostok etwas erreichen. Nur gibt es diese Friedensbewegung nicht &ndash; zumindest jetzt noch nicht.<\/p><p><strong>Redaktionelle Nachbemerkung:<\/strong><\/p><p>Es ist gut, dass Michael von der Schulenburg auslotet, was helfen k&ouml;nnte, die USA zu einem Verhandlungsfrieden mit Russland zu bewegen. Er nennt drei Motive. Beim dritten Motiv, bei der Diagnose &bdquo;Die &ouml;ffentliche Meinung in westlichen L&auml;ndern wendet sich zunehmend gegen den Krieg&ldquo; bin ich ausgesprochen unsicher. Leider. Nach meinem Eindruck hat sich zum Beispiel die vermutlich vor zehn Jahren noch fest verankerte Meinung, Frieden mit Russland haben und sichern zu wollen, verfl&uuml;chtigt. Wir m&uuml;ssen heute beobachten, dass an jeder Ecke Propaganda gegen Russland und auch f&uuml;r Krieg &ndash; und f&uuml;r Waffenlieferungen ohnehin &ndash; gemacht wird. Nur ein Beispiel daf&uuml;r: <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/hart-aber-fair\/ein-land-wird-aermer-wer-zahlt-die-krisenrechnung-2023\/das-erste\/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLTk2Mjc5ZmM4LTM3NTUtNGVjZS1hNDliLTJjNTQ1MWUyZjU0NQ\">Gestern Abend in Hart aber fair<\/a>. Da haben alle Gespr&auml;chsteilnehmer zum Beispiel die Personalisierung des Konfliktes mitgemacht und weiterbef&ouml;rdert: Putin Putin Putin. Diese Personalisierung hilft dabei, die Kriegsbereitschaft anzustacheln. Andere, erkennbar abgesprochene und wiederholte Botschaften wie die Erz&auml;hlung, Putin und die Russen w&uuml;rden vor allem zivile Einrichtungen zerst&ouml;ren, tun das ihre dazu, dass sich die &ouml;ffentliche Meinung in den westlichen L&auml;ndern eben nicht zunehmend gegen den Krieg wendet, wie Autor von der Schulenburg meint. &ndash; Das bleibt anzumerken, obwohl ansonsten das St&uuml;ckchen Optimismus im Text durchaus guttut. Albrecht M&uuml;ller.<\/p><p><strong>Michael von der Schulenburg, <\/strong>ostdeutscher Herkunft, seit 1969 Flucht nach W-Deutschland, ist ein ehemaliger Assistant Secretary-General der UNO; Studien in Berlin, London und Paris; war &uuml;ber 34 Jahre f&uuml;r die UNO t&auml;tig, danach kurz auch f&uuml;r die OSZE. Hatte l&auml;ngerfristige Missionen in Haiti, Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak und Sierra Leone sowie kurfristigere Eins&auml;tze in Syrien, Balkan, Somalia, Sahel und Zentralasien. 2017 publizierte er das Buch &bdquo;On Building Peace &ndash; rescuing the Nation-State and saving the United Nations&ldquo;.<br>\nE-Mail: <a href=\"mailto:contact@michael-von-der-schulenburg.com\">contact@michael-von-der-schulenburg.com<\/a><\/p><p><em>* Dies ist die &uuml;berarbeitete Fassung eines Redebeitrags Schulenburgs auf dem <strong>Kassler Friedensratschlag <\/strong>am 11.12.2022.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von <strong>Michael von der Schulenburg<\/strong>. &ndash; Ob es eine Chance f&uuml;r einen Frieden in der Ukraine geben wird, h&auml;ngt weitgehend von den Vereinigten Staaten ab! F&uuml;r die USA geht es in diesem Krieg aber um geostrategische Ziele und es werden auch nur geostrategische &Uuml;berlegungen sie dazu bewegen, einer Friedensl&ouml;sung mit Russland zuzustimmen. Dazu hier einige<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92298\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171],"tags":[3180,379,2102,1426,466,3175,259,2794,260,1556],"class_list":["post-92298","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-charta-von-paris","tag-china","tag-geostrategie","tag-hegemonie","tag-nato","tag-neutrale-laender","tag-russland","tag-stellvertreterkrieg","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=92298"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92323,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92298\/revisions\/92323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=92298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=92298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=92298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}