{"id":92471,"date":"2023-01-15T14:00:55","date_gmt":"2023-01-15T13:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92471"},"modified":"2023-01-16T15:27:23","modified_gmt":"2023-01-16T14:27:23","slug":"eindruecke-aus-tatarstan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92471","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke aus Tatarstan"},"content":{"rendered":"<p>An der Wolga leben Tataren in einer eigenen Republik seit 500 Jahren friedlich mit Russen zusammen. Aus der Hauptstadt Kasan berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMitte Dezember bekam ich vom russischen Au&szlig;enministerium die Einladung, zusammen mit anderen Auslandskorrespondenten nach Kasan, in die Hauptstadt der Republik Tatarstan zu fliegen. Ich nahm die Einladung an, denn ich wollte wissen, wie es heute aussieht in der russischen &bdquo;Provinz&ldquo;. Wie leben muslimische Tataren und orthodox gl&auml;ubige Russen zusammen? Wie steht es mit der tatarischen Sprache? Hat sie noch einen privilegierten Status? Nat&uuml;rlich kann man in drei Tagen nicht alles erfahren, aber man bekommt doch einen gewissen Eindruck und Anregungen zum Weiterforschen.<\/p><p>Unser Flugzeug startete in Moskau mit vier Stunden Versp&auml;tung. In Kasan war der Flughafen wegen Eisregen geschlossen. Nach zwei Stunden Flug landeten wir schlie&szlig;lich in Kasan. Beim Blick sah ich schon, dass es spannend werden w&uuml;rde: Am Flughafengeb&auml;ude prangte der Name der Hauptstadt in drei Sprachen, auf Russisch, Englisch und Tatarisch. Auch die Ansagen im Flughafen &ndash; auf Russisch und auf Tatarisch &ndash; klangen ungewohnt. <\/p><p><strong>Kasan ist &auml;lter als Moskau<\/strong><\/p><p>Kasan hat 1,3 Millionen Einwohner und liegt am linken Ufer der Wolga. Die Stadt wurde im Jahre 1005 gegr&uuml;ndet, ist also etwas &auml;lter als Moskau, dass im Jahre 1147 gegr&uuml;ndet wurde. Kasan ist aber deutlich j&uuml;nger als Kiew, das im 6. Jahrhundert nach Christi gegr&uuml;ndet und das Zentrum des Kiewer Rus wurde, dem Vorl&auml;uferstaat des heutigen Russlands. <\/p><p>Von den vier Millionen Einwohnern Tatarstans sind 53 Prozent Tataren und 39 Prozent Russen. Seit Iwan der Schreckliche 1552 Kasan eroberte, leben Tataren und Russen friedlich zusammen. In Tatarstan gibt es heute 1.428 Moscheen und 319 Kirchen. Die Republik an der Wolga ist in Russland eines der Vorbilder f&uuml;r die friedliche Koexistenz von Religionen und Kulturen.  <\/p><p>Die Tataren wurden nicht einfach nur von Russland erobert. Sie wurden &uuml;ber die Jahrhunderte in den Staat integriert. Auch in hohen staatlichen &Auml;mtern findet man Tataren. Elvira Nabiullina, Vorsitzende der russischen Zentralbank, und Marat Chusnullin, stellvertretender Ministerpr&auml;sident Russlands, sind tatarischer Abstammung. <\/p><p>Mancher wird denken, Krim-Tataren und Wolga-Tataren, seien ein und dasselbe. Nein, es sind zwei verschiedene V&ouml;lker. Beide V&ouml;lker stammen zwar von der &bdquo;Goldenen Horde&ldquo; unter Dschingis Khan ab, die im 14. Jahrhundert gro&szlig;e Teile des heutigen Russlands unter seine Kontrolle gebracht hatte. Auch sprechen beide V&ouml;lker eine Turk-Sprache. Doch die Sprache der Wolga-Tataren und der Krim-Tataren unterscheidet sich so stark wie das Ukrainische vom Russischen. <\/p><p><strong>Liebesgeschichte in tatarischem Dorf<\/strong><\/p><p>Wegen unserer Versp&auml;tung schafften wir es gerade noch zu der Vorstellung im staatlichen <a href=\"https:\/\/kamalteatr.ru\">Kamal-Theater<\/a>. In dem Theater werden St&uuml;cke in tatarischer Sprache gespielt. Die &auml;u&szlig;ere Erscheinung des Kamal-Theaters ist ungew&ouml;hnlich. Es ist ein 1986 errichteter, schlichter quadratischer Monumentalbau, der teilweise ein schr&auml;ges Dach hat. <\/p><p>Wir sahen das Schauspiel &bdquo;Senger Schel&ldquo; (&bdquo;Das blaue Tuch&ldquo;) von Karim Tinschurin. Der Saal war voll. Auch viele j&uuml;ngere Leute waren da. Wer kein Tatarisch versteht, konnte sich mit einem Kopfh&ouml;rer an seinem Sitzplatz einst&ouml;pseln und einer Simultan-&Uuml;bersetzung auf Russisch oder Englisch lauschen.<\/p><p>Das St&uuml;ck &ndash; eine Mischung aus Kom&ouml;die und Musical &ndash; handelt von der Liebe zwischen zwei jungen Leuten, Bulat und Majsar. Es wurde im Jahre 1926 &ndash; also wenige Jahre nach der Oktoberrevolution &ndash; geschrieben. <\/p><p>Wie ich sp&auml;ter vom Theater-Direktor Ilfir Jakupow erfuhr, ist das St&uuml;ck trotz dreist&uuml;ndiger Spieldauer ein Publikumsrenner. Es wird in der jetzigen Inszenierung schon seit zehn Jahren einmal im Monat gespielt. <\/p><p><strong>Eine Bande im nachrevolution&auml;ren Russland<\/strong><\/p><p>Welche Handlung hatte das St&uuml;ck? In einem tatarischen Dorf tanzt der junge Mann, Bulat, mit einem gro&szlig;en blauen Tuch. Die Frauen des Dorfes sind von dem Tuch fasziniert. Bulat wirbt um die junge Majsar, doch ihm kommt ein Mann in die Quere, der Bulat aus Eifersucht mit einem Messer bedroht. Bulat wehrt sich, entwendet dem Angreifer das Messer und t&ouml;tet ihn im Affekt.<\/p><p>W&auml;hrend Bulat sich im Wald versteckt h&auml;lt, wird Majsar von einem gesch&auml;ftst&uuml;chtigen Mullah zur f&uuml;nften Frau genommen. Der Mullah l&auml;sst sich von Dorfbewohnern Erzeugnisse landwirtschaftlicher Produktion bringen und vertreibt im Gegenzug &bdquo;b&ouml;se Geister&ldquo;. <\/p><p>Bulat schlie&szlig;t sich in seinem Gram einer Bande von Pferdedieben, Geldf&auml;lschern und Revolution&auml;ren an. Bei einer Zusammenkunft preist der Pferdedieb das sch&ouml;ne Gef&uuml;hl, nachts ein Pferd zu stehlen, der F&auml;lscher schwelgt von der Herrlichkeit vieler Geldscheine, der Anarchist von einer Gesellschaft ohne Staat. Ein Vierter erregt sich, warum man f&uuml;r das Abbrennen eines Herrenhauses lebensl&auml;nglich bekommt, f&uuml;r andere Verbrechen aber nur acht Jahre. Ein Waldschrat macht sich &uuml;ber den Falschm&uuml;nzer lustig. Bulat sitzt &ndash; den Kopf in die H&auml;nde gest&uuml;tzt &ndash; und sinnt dar&uuml;ber nach, wie er Majsar f&uuml;r sich gewinnen kann. <\/p><p>Die M&auml;nner im Wald beschlie&szlig;en, Majsar aus den F&auml;ngen des Mullahs zu befreien, was auch gelingt. In einer feierlichen Abschlussszene h&uuml;llt Bulat seine Geliebte in sein gro&szlig;es, blaues Tuch. Das Schauspiel war mitrei&szlig;end. Es wurde getanzt, gesungen, geschimpft und gescherzt. Das Orchester spielte eine Musik, die an Peking-Opern erinnerte.  <\/p><p><strong>Modernstes Rehabilitationszentrum der Region<\/strong><\/p><p>Am n&auml;chsten Tag besichtigten wir herausragende Objekte der sozialen Infrastruktur von Kasan. Dazu geh&ouml;rte das hochmoderne Rehabilitationszentrum im St&auml;dtischen klinischen Krankenhaus Nr. 7 in der Tschujkowa-Stra&szlig;e. <\/p><p>Wir fuhren in eine der oberen Etagen das Krankenhauses, wo ich Dinge sah, die ich in Russland bisher nicht gesehen hatte. An den Decken befestigte halbautomatische Transportanlagen, mit denen Kranke vom Bett zum Bad transportiert werden k&ouml;nnen, ein Beruhigungsraum mit ged&auml;mpftem Licht und afrikanischen Trommeln sowie ein gro&szlig;er Saal, wo Patienten mit Bewegungseinschr&auml;nkungen mit Hilfe von Trainern und elektronischen Ger&auml;ten lernen, Finger, Beine und das Becken wieder funktionsf&auml;hig zu machen. <\/p><p>Hier herrschte keine Hektik und man h&ouml;rte keine lauten Worte, wie es sie sonst oft in russischen Krankenh&auml;usern gibt. Hier sprach man ruhig und es war genug Personal da. Mir wurde versichert, dass diese zeit- und personalaufwendigen Rehabilitationsma&szlig;nahmen ausnahmslos von der staatlichen Pflichtversicherung OMS bezahlt werden.<\/p><p>Als ich die Rehabilitations-Abteilung verlie&szlig;, fragte mich eine Mitarbeiterin der Presseabteilung des Krankenhauses nach meinem Eindruck. Ich sagte, ich h&auml;tte so etwas seit 30 Jahren in Russland noch nicht gesehen und sei froh, dass Russen jetzt endlich diese F&uuml;rsorge bekommen. <\/p><p><strong>Die Schule &bdquo;Adymnar&ldquo;<\/strong><\/p><p>Nach dem Krankenhaus besuchten wir die Schule Adymnar. Die Schule ist n&ouml;rdlich des Stadtzentrums in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Pfe4h3UjET4\">luftigen Neubau<\/a> untergebracht. <\/p><p>In der Schule lernen auf 50.000 Quadratmetern 3.000 Sch&uuml;ler. In der ersten Klasse eingeschult werden vorwiegend Kinder aus dem Wohnbezirk. Nur wenn noch Pl&auml;tze frei sind, werden auch noch Kinder aus anderen Stadtbezirken genommen. Angegliedert an die Schule gibt es ein Internat f&uuml;r 300 Sch&uuml;ler, die von au&szlig;erhalb der Stadt kommen. <\/p><p>Die Sch&uuml;ler tragen eine Schuluniform, wei&szlig;e Hemden und dunkelblaue Jacken. Die Klassen sind mit Glasw&auml;nden vom Korridor getrennt. Die W&auml;nde in den Innenr&auml;umen sind in einem frischen Gr&uuml;n gestrichen. Es gibt eine Ambulanz, einen Zahnarzt, ein Schwimmbad, einen modernen Theater-Saal und einen gro&szlig;en Speisesaal. Die Schule finanziert sich neben staatlichen Zuwendungen auch &uuml;ber Spenden und kann deshalb mehr anbieten als &uuml;bliche Schulen. <\/p><p>Die Adymnar-Schule besteht aus zwei Fl&uuml;geln, erkl&auml;rte die Lehrerin Tatjana Dawidowa. In einem polylingualen Fl&uuml;gel wird die tatarische und englische Sprache unterrichtet und einige Unterrichtsf&auml;cher in der tatarischen Sprache. Ab der f&uuml;nften Klasse kommt Arabisch oder T&uuml;rkisch als zweite Fremdsprache hinzu. Im bilingualen Fl&uuml;gel der Schule ist Englisch die erste Fremdsprache. Ab der f&uuml;nften Klasse wird Spanisch als zweite Fremdsprache unterrichtet.<\/p><p>Schulen vom Typ &bdquo;Adymnar&ldquo; gibt es in Tatarstan sechs. Ziel dieser Schulen ist der vertiefte Unterricht von Russisch, Tatarisch und Englisch, erkl&auml;rte der Bildungsminister von Tatarstan, Ilsur Chadiullinu, der uns beim Rundgang durch die Schule begleitete. Au&szlig;erdem k&ouml;nne man an den Adymnar-Schulen au&szlig;er Russisch, Tatarisch und Englisch noch T&uuml;rkisch, Arabisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch lernen, berichtete der Minister. Hochschulen in Kasan bildeten Lehrer aus, die auch in den Naturwissenschaften auf Russisch, Tatarisch und Englisch unterrichten k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Tatarische Sprache jetzt nur noch auf freiwilliger Basis <\/strong><\/p><p>In Tatarstan gab es seit 1990 zwei offizielle &bdquo;Staatssprachen&ldquo;, Russisch und Tatarisch. 1994 wurde zwischen Moskau und Kasan ein extra <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/3351733\">Vertrag vereinbart<\/a>, mit dem Tatarstan weitere Sonderrechte zugestanden wurden. Diese Sonderrechte &ndash; wie eine tatarische Staatsb&uuml;rgerschaft sowie die Verf&uuml;gungsgewalt &uuml;ber die Ressourcen in Tatarstan &ndash; wurden seit dem Amtsantritt von Wladimir Putin zum Pr&auml;sidenten im Jahre 2000 St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck abgeschafft. Bereits im Jahre 2000 bezeichnete Putin Sondervertr&auml;ge zwischen Moskau und den Republiken in Russland als &bdquo;Zeitbombe&ldquo;. Die Gefahr, dass Russland zerf&auml;llt, war damals noch nicht gebannt. <\/p><p>Bei meinem Besuch in Kasan zeigte mir eine Tatarin ihren russischen Pass, der 2010 ausgestellt worden war. Darin gab es noch eine Seite mit dem tatarischen Wappen. Solche P&auml;sse w&uuml;rden heute nicht mehr ausgegeben, erz&auml;hlte mir die Frau. <\/p><p>Im Jahre 2019 rechnete Putin auch mit Lenins Nationalit&auml;tenpolitik ab. Dass Lenin den Republiken der Sowjetunion das Recht zum Austritt aus dem Staatsverband zugestanden hatte, war <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57298\">nach Meinung<\/a> des russischen Pr&auml;sidenten eine Steilvorlage f&uuml;r den Separatismus. Putin f&uuml;rchtet vom Ausland angeheizte Unabh&auml;ngigkeitsbestrebungen, wie in den 1990er Jahren in Tschetschenien. <\/p><p>2018 erlie&szlig; das russische Parlament auf Dr&auml;ngen von Putin <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/5536780\">ein Gesetz<\/a>, nach dem die tatarische Sprache an Schulen in Tatarstan kein Pflichtfach mehr ist. Die Sprache kann aber auf Wunsch der Eltern und Kinder unterrichtet werden. Diese &Auml;nderung hat in Tatarstan heftige Diskussionen ausgel&ouml;st. <\/p><p><strong>Die Bezeichnung &bdquo;Pr&auml;sident von Tatarstan&ldquo; ist nur noch bis 2025 g&uuml;ltig.<\/strong><\/p><p>Auch die von Putin verf&uuml;gte Anordnung, dass die Pr&auml;sidenten der Republiken in Russland sich jetzt nur noch &bdquo;Glawa&ldquo; (Oberh&auml;upter) nennen d&uuml;rfen, sorgte in Tatarstan f&uuml;r Diskussionen. <\/p><p>Doch die F&uuml;hrung der Republik Tatarstan will keinen Konflikt mit Moskau und ausdr&uuml;cklich &bdquo;nicht protestieren&ldquo;, wie der Pr&auml;sident von Tatarstan, Rustam Minnichanow, am 23. Dezember 2022 vor dem Staatsrat von Tatarstan <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=olS-wNbkzT4\">erkl&auml;rte<\/a>. Tatarstan sei auf Gelder aus Moskau f&uuml;r Infrastruktur- und Industrieprojekte angewiesen. Au&szlig;erdem f&uuml;hre der Westen eine Kampagne gegen Russland. Man wolle nicht, dass der Westen sagen kann, &bdquo;in Tatarstan gibt es einen Aufstand&ldquo;. Immerhin habe man in einem Dialog mit Moskau erreicht, dass der Leiter von Tatarstan sich noch bis 2025 &bdquo;Pr&auml;sident&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/5758406?query=%D0%BC%D0%B8%D0%BD%D0%BD%D0%B8%D1%85%D0%B0%D0%BD%D0%BE%D0%B2\">nennen darf<\/a>. <\/p><p><strong>Wie kam es zu den Republiken in Russland?<\/strong><\/p><p>Russland besteht heute aus 89 Subjekten, darunter sind 14 Republiken, die bisher alle von einem Pr&auml;sidenten geleitet wurden. <\/p><p>Nach der Oktoberrevolution gab Lenin den von nationalen Minderheiten kompakt bewohnten Gebieten den Status einer Republik, mit der Absicht, diese Gebiete besser in die Sowjetunion zu integrieren. <\/p><p>Mit der Statuserh&ouml;hung sollte den Republiken eine nachholende Entwicklung auf dem Gebiet der nationalen Kultur erm&ouml;glicht werden. Erst nach der Oktoberrevolution erhielten viele der kleinen V&ouml;lker ihre ersten W&ouml;rter- und Lehrb&uuml;cher in der eigenen Sprache. <\/p><p><strong>Boris Jelzin 1990 in Kasan: &bdquo;Nehmt euch so viel Souver&auml;nit&auml;t, wie ihr k&ouml;nnt!&ldquo;<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der Perestroika instrumentalisierte Boris Jelzin &ndash; damals Volksdeputierter eines Moskauer Bezirks &ndash; den Drang nach Unabh&auml;ngigkeit der kleinen V&ouml;lker im Kampf gegen Gorbatschow. Am 6. August 1990 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FOprLcRfEHE\">erkl&auml;rte Jelzin<\/a> auf einer Kundgebung in Kasan, &bdquo;nehmt Euch so viel Souver&auml;nit&auml;t, wie ihr k&ouml;nnt&ldquo;. Der Aufruf von Jelzin gab dem schon in der Perestroika begonnenen Staatszerfall neuen Schub. <\/p><p><strong>Tataren und Russen feiern gemeinsam<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend unserer Rundg&auml;nge in der Stadt befragte ich unsere Begleiterinnen zum Zusammenleben von Russen und Tataren. Jekaterina Tschernjak, eine Journalistin, erz&auml;hlte, sie sei 1986 geboren worden und &bdquo;zur H&auml;lfte Russin, zur H&auml;lfte Tatarin. Ich bin ein Kind der Sowjetunion. Man erzog uns so: Wir sind eine Familie. Wir haben keine Unterschiede zwischen den Nationen. Wenn es einen Feiertag der Tataren gibt, gehen wir Russen dorthin. Und Ostern gehen dann alle Tataren zu den Russen. So leben wir schon viele Jahre.&ldquo; <\/p><p>Lilia, eine Tatarin im Alter von etwa 50 Jahren, erkl&auml;rte, &bdquo;die wichtigste Idee unserer Republik ist die Toleranz. Nationalisten haben bei uns haben keine Chance, weil die meisten Familien russisch-tatarisch gemischt sind. Mein Mann ist zur H&auml;lfte Russe, zur anderen H&auml;lfte Tatare&ldquo;.<\/p><p><strong>Amerikanische Firmen gehen, chinesische und deutsche kommen<\/strong><\/p><p>Wirtschaftlich ist Tatarstan eine Schl&uuml;sselregion in Russland. Hier wird nicht nur &Ouml;l gef&ouml;rdert, sondern auch weiterverarbeitet. Aus Tatarstan stammen 25 Prozent der russischen Polyethylen-Kunststoffe, 41 Prozent des synthetischen Kautschuks, 59 Prozent der russischen Lastwagen-Reifen und 37 Prozent der russischen Lastwagen. In Tatarstan wird der ber&uuml;hmte &bdquo;Kamas&ldquo;-Lastwagen hergestellt. <\/p><p>Die von der russischen Regierung angeordnete Ersetzung ausl&auml;ndischer durch russische Zulieferprodukte hat Kamas teilweise umgesetzt, wie die Tatarische Agentur f&uuml;r Investitionsentwicklung mitteilte. <\/p><p>Die Flugzeugfabrik von Kasan bereitet sich auf die Wiederaufnahme der Serienfertigung der Tupolew 214 vor. Das Passagierflugzeug, das ganz ohne Teile aus dem Ausland auskommt, wurde noch in der Sowjetunion entwickelt, dann aber von Boeing und Airbus vom russischen Markt <a href=\"https:\/\/mdz-moskau.eu\/tu-214-hoffnungstraeger-aus-der-mottenkiste\/\">verdr&auml;ngt<\/a>. <\/p><p>Das Bruttoregionalprodukt von Tatarstan ist im letzten Jahr &ndash; trotz der westlichen Sanktionen &ndash; nur leicht gesunken. Nach Angaben der tatarischen Agentur f&uuml;r Investitionsentwicklung verringerte sich das Bruttoregionalprodukt von Tatarstan von 49 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 47 Milliarden Euro im Jahr 2022.<\/p><p>Die ausl&auml;ndischen Investitionen in Tatarstan sanken allerdings 2022 um 71 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. US-amerikanische Firmen wie Ford, Coca-Cola und Kentucky Fried Chicken verlie&szlig;en Tatarstan, aber auch die finnische Baufirma YIT, die franz&ouml;sische Schneider Electric sowie Siemens und Ikea. <\/p><p>Daf&uuml;r gab es Neuansiedlungen von chinesischen Unternehmen. Ein chinesischer Hersteller von Haushaltstechnik baute drei Fabriken in dem Industriezentrum Nabereschnije Tschelny. Zwei weitere chinesische Firmen nahmen die Produktion im Bereich der Metallverarbeitung und der Glasproduktion auf. Als neue Investoren in die Republik an der Wolga kamen au&szlig;erdem: Iida Sangyo, eine japanische Firma f&uuml;r Fertigh&auml;user, und zwei deutsche Plastikhersteller, Sch&uuml;lken Form Rus und Polychem Systems. Die t&uuml;rkische Firma Polimeks baute zwei Hotels.<\/p><p><a href=\"https:\/\/ulrich-heyden.de\/article\/Tour_in_Kasan\">Mein Gesamteindruck von Kasan war sehr gut<\/a>. Die Fu&szlig;m&auml;rsche durch die Stadt waren zwar nicht einfach, weil alle Wege durch Eisregen glatt waren und nicht gestreut wurde. Aber die vielen neuen Eindr&uuml;cke &uuml;berlagerten diese Unannehmlichkeit. Wenn es eine Gelegenheit gibt, werde ich sehr gerne wieder nach Tatarstan fahren.<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Kosmogenez<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/43a7b27027044abbae13a89702580b02\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Wolga leben Tataren in einer eigenen Republik seit 500 Jahren friedlich mit Russen zusammen. 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