{"id":92546,"date":"2023-01-16T10:42:58","date_gmt":"2023-01-16T09:42:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92546"},"modified":"2023-01-17T16:12:36","modified_gmt":"2023-01-17T15:12:36","slug":"politischer-aktivismus-und-militaerischer-realismus-ein-offensichtlich-unloesbarer-widerspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92546","title":{"rendered":"Politischer Aktivismus und milit\u00e4rischer Realismus \u2013 ein offensichtlich unl\u00f6sbarer Widerspruch"},"content":{"rendered":"<p>Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wird die aktuelle Diskussion von der Lieferung westlicher Sch&uuml;tzenpanzer und Kampfpanzer bestimmt. Frankreich, die USA und Deutschland haben entschieden, die ukrainischen Streitkr&auml;fte durch Sch&uuml;tzenpanzer zu unterst&uuml;tzen. Bevor jedoch die ersten Exemplare &uuml;berhaupt ausgeliefert wurden, werden die Forderungen der ukrainischen Regierung immer lauter, auch Kampfpanzer zu liefern, um gegen die russischen Streitkr&auml;fte bestehen zu k&ouml;nnen. Die Regierung Gro&szlig;britanniens hat bereits entschieden, Kampfpanzer vom Typ &bdquo;Challenger 2&ldquo; zu liefern, und auch Polen ist zur Unterst&uuml;tzung mit Kampfpanzern bereit, braucht aber f&uuml;r den Export ihrer &bdquo;Leopard 2&ldquo;-Kampfpanzer eine Genehmigung der Bundesregierung. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die westlichen Sch&uuml;tzenpanzer, die f&uuml;r die Lieferung an die Ukraine vorgesehen sind<\/strong><\/p><p>Um die Komplexit&auml;t der Thematik und die damit verbundenen Probleme zu verstehen, ist die Kenntnis der wesentlichen technischen Merkmale der Sch&uuml;tzenpanzer unbedingt erforderlich.<\/p><p><strong>Frankreich<\/strong><\/p><p>Frankreich wird nach aktuellem Informationsstand das Modell &bdquo;AMX-10 P&ldquo; liefern, hat aber die Anzahl noch nicht bekannt gegeben. Der Sch&uuml;tzenpanzer verf&uuml;gt &uuml;ber eine Kanone vom Kaliber 20 mm-M693-F1 und 1 Maschinengewehr vom Kaliber 7,62 mm. Besatzung: Kommandant, Fahrer, Richtsch&uuml;tze + 8 Soldaten. Er wird von einem&nbsp; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Hispano-Suiza_HS-115&amp;action=edit&amp;redlink=1\">Hispano-Suiza HS-115<\/a> V-8-<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dieselmotor\">Diesel<\/a> angetrieben.<\/p><p>Es gibt aber auch Informationen, die darauf hindeuten, dass Frankreich das Modell &bdquo;AMX-10 RC&ldquo; in die Ukraine entsenden wird. Dabei handelt es sich nicht um einen Sch&uuml;tzenpanzer, sondern um einen radgetriebenen Sp&auml;hpanzer, der haupts&auml;chlich zur Aufkl&auml;rung eingesetzt wird. Bewaffnung: 1 Kanone mit Kaliber 105mm, 1 Maschinengewehr zur Fliegerabwehr mit Kaliber 12,7mm und 1 Maschinengewehr mit Kaliber 7,62mm. Besatzung: Kommandant, Richtsch&uuml;tze, Ladesch&uuml;tze, Fahrer\/Funker. Der &bdquo;AMX-10 RC&ldquo; wird von einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Hispano-Suiza_HS-115&amp;action=edit&amp;redlink=1\">Hispano-Suiza HS-115<\/a> oder Baudouin Diesel 6F 11 SRX angetrieben.<\/p><p><strong>USA<\/strong><\/p><p>Die USA werden 50 Sch&uuml;tzenpanzer vom Typ &bdquo;Bradley CFV&ldquo; liefern. Die Kanone hat ein Kaliber von 25mm, das Maschinengewehr von 7,62mm. Zus&auml;tzlich verf&uuml;gt der Sch&uuml;tzenpanzer &uuml;ber eine Startvorrichtung mit 2 Rohren f&uuml;r das Panzerabwehrsystem &bdquo;TOW&ldquo;. Besatzung: Kommandant, Fahrer, Richtsch&uuml;tze + 6 Soldaten. Der &bdquo;Bradley&ldquo; wird von einem 8-Zylinder-<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dieselmotor\">Dieselmotor<\/a> Cummins VTA-903T angetrieben.<\/p><p><strong>Deutschland<\/strong><\/p><p>Deutschland wird 40 Sch&uuml;tzenpanzer vom Typ &bdquo;Marder&ldquo; liefern. Der Panzer verf&uuml;gt &uuml;ber eine Kanone vom Kaliber 20mm und 1 MG vom Kaliber 7,62mm, dazu 1 System &bdquo;MILAN&ldquo; zur Panzerabwehr. Besatzung: Kommandant, Fahrer, Richtsch&uuml;tze +6 oder 7 Soldaten, je nach Modell. Der &bdquo;Marder&ldquo; wird von einem V6-90&deg;-Viertakt-Dieselmotor <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/MTU_Friedrichshafen\">MTU<\/a> MB&nbsp;833 Ea-500 angetrieben.<\/p><p><strong>Bewertung<\/strong><\/p><p>Den genannten Sch&uuml;tzenpanzern ist lediglich jeweils ein Maschinengewehr mit identischem Kaliber gemeinsam. Der amerikanische &bdquo;Bradley&ldquo; hat eine 25mm-Kanone. Der &bdquo;AMX-10P&ldquo; und der &bdquo;Marder&ldquo; haben zwar beide Kanonen Kaliber 20mm, was aber nicht automatisch hei&szlig;t, dass damit auch identische Munition verschossen werden kann. Die Panzerabwehrwaffen &bdquo;TOW&ldquo; und &bdquo;MILAN&ldquo; sind v&ouml;llig verschieden. In den jeweiligen Herkunftsl&auml;ndern dauert eine solide Ausbildung der Besatzungen mehrere Monate, je nach Funktion der Soldaten. F&uuml;r den Kommandanten ist neben der fachlichen auch eine zus&auml;tzliche milit&auml;rische F&uuml;hrungsausbildung erforderlich.<\/p><p>F&uuml;r die drei verschiedenen Sch&uuml;tzenpanzer ben&ouml;tigen die zuk&uuml;nftigen ukrainischen Besatzungen jeweils eine auf den Sch&uuml;tzenpanzer-Typ abgestimmte spezielle Ausbildung. Das bedeutet, dass die Soldaten danach nur auf dem jeweiligen Typ eingesetzt werden k&ouml;nnen. Bedienungsanleitungen sind weder in russischer noch in ukrainischer Sprache verf&uuml;gbar. F&uuml;r die drei verschiedenen Sch&uuml;tzenpanzer m&uuml;ssen separate Logistikketten aufgebaut werden, nicht nur f&uuml;r die Munition, sondern vor allem auch f&uuml;r die Wartung und Instandsetzung.<\/p><p><strong>Zus&auml;tzliche deutsche Probleme<\/strong><\/p><p>Noch ist v&ouml;llig unklar, woher die zugesagten 40 Sch&uuml;tzenpanzer eigentlich kommen sollen, aus der Industrie, aus der aktiven Truppe oder sowohl als auch. Das Problem wird dadurch versch&auml;rft, dass die Bundesregierung Griechenland die Lieferung von 40 &bdquo;Mardern&ldquo; verbindlich zugesagt hat und die f&uuml;r die <em>NATO<\/em>-Speerspitze im Rahmen der &bdquo;Very High Readiness Joint Task Force 2023&ldquo; (VJTF) erforderlichen Sch&uuml;tzenpanzer &bdquo;Puma&ldquo; nicht einsatzbereit waren und durch &bdquo;Marder&ldquo; ersetzt werden mussten.<\/p><p>F&uuml;r den &bdquo;Bradley&ldquo; und vermutlich auch f&uuml;r den &bdquo;AMX-10P&ldquo; liegen Erkenntnisse aus Kampfeins&auml;tzen vor, an denen sich vor allem die Ersatzteilbevorratung orientiert. Das ist f&uuml;r den &bdquo;Marder&ldquo; nicht der Fall, weil dieser bislang lediglich in &Uuml;bungen erprobt wurde; denn der Einsatz in Afghanistan ist mit einem Kampfeinsatz nicht zu vergleichen. Man wei&szlig; also nicht, welche Schwachstellen das System im Dauereinsatz unter Kriegsbedingungen hat und wie man sich darauf vorbereiten kann.<\/p><p><strong>Die westlichen Kampfpanzer, die f&uuml;r eine Lieferung in die Ukraine in Frage kommen<\/strong><\/p><p>Auch im Zusammenhang mit der Lieferung von Kampfpanzern ist die Kenntnis der wesentlichen technischen Merkmale unbedingt erforderlich, um die Komplexit&auml;t der Thematik und die damit verbundenen Probleme zu verstehen.<\/p><p><strong>Gro&szlig;britannien<\/strong><\/p><p>Der britische &bdquo;Challenger 2&ldquo; verf&uuml;gt &uuml;ber eine Kanone vom Kaliber 120mm und Maschinengewehre Kaliber 7,62mm. Besatzung: Kommandant, Richtsch&uuml;tze, Ladesch&uuml;tze, Fahrer. Der Panzer wird von einem Perkins CV-12-Diesel-Motor angetrieben.<\/p><p><strong>USA<\/strong><\/p><p>Der amerikanische &bdquo;M1-Abrams&ldquo; hat eine Glattrohrkanone vom Kaliber 120mm-L30A1 und 2 Maschinengewehre Kaliber 7,62mm und ein schweres Maschinengewehr Kaliber 12,7mm<\/p><p>Besatzung: Kommandant, Richtsch&uuml;tze, Ladesch&uuml;tze, Fahrer. Der Panzer wird von einer Gasturbine AGT-1500 angetrieben.<\/p><p><strong>Deutschland<\/strong><\/p><p>Der deutsche &bdquo;Leopard 2&ldquo;-Panzer hat eine Glattrohrkanone vom Kaliber 120mm und verf&uuml;gt zus&auml;tzlich &uuml;ber 2 Maschinengewehre vom Kaliber 7,62 mm. Besatzung: Kommandant, Richtsch&uuml;tze, Ladesch&uuml;tze, Fahrer. Der Panzer wird von einem 12-Zylinder-FM-Diesel-Vielstoffmotor MTU MB 873 angetrieben.<\/p><p><strong>Bewertung<\/strong><\/p><p>Die Kanonen des &bdquo;M1 Abrams&ldquo; und des &bdquo;Leopard 2&ldquo; sind baugleich und k&ouml;nnen deshalb dieselben Granaten verschie&szlig;en. Der Kanone des britischen &bdquo;Challenger 2&ldquo; hat zwar mit 120mm dasselbe Kaliber, braucht aber eine andere Munition, weil es keine Glattrohrkanone ist. Bis auf das schwere Maschinengewehr des &bdquo;M1-Abrams&ldquo; sind die Kaliber der Maschinengewehre bei den drei Panzertypen identisch. Der Antrieb des &bdquo;M1-Abrams&ldquo; ist wegen seiner Gasturbine v&ouml;llig anders als die Dieselmotoren des &bdquo;Challenger 2&ldquo; und des &bdquo;Leopard 2&ldquo;.<\/p><p>Auch f&uuml;r die Kampfpanzer dauert eine solide Ausbildung der Besatzungen in den jeweiligen Herkunftsl&auml;ndern mehrere Monate, je nach Funktion der Soldaten. F&uuml;r den Kommandanten ist neben der fachlichen auch eine zus&auml;tzliche milit&auml;rische F&uuml;hrungsausbildung erforderlich. F&uuml;r die drei verschiedenen Kampfpanzer ben&ouml;tigen die zuk&uuml;nftigen ukrainischen Besatzungen jeweils eine auf den Panzer-Typ abgestimmte spezielle Ausbildung. Das bedeutet, dass die ukrainischen Soldaten danach nur auf dem jeweiligen Typ eingesetzt werden k&ouml;nnen. Bedienungsanleitungen sind weder in russischer noch in ukrainischer Sprache verf&uuml;gbar.<\/p><p>F&uuml;r die drei verschiedenen Panzer m&uuml;ssen separate Logistikketten aufgebaut werden, nicht nur f&uuml;r die Munition und den unterschiedlichen Antrieb, sondern vor allem auch f&uuml;r die Wartung und Instandsetzung.<\/p><p><strong>Zus&auml;tzliche deutsche Probleme<\/strong><\/p><p>Die Entscheidung &uuml;ber die Lieferung von deutschen &bdquo;Leopard 2&ldquo;-Kampfpanzern ist noch nicht gefallen, wird aber immer intensiver von den Koalitionsparteien und auch von der CDU\/CSU-Opposition gefordert. Unklar ist auch, ob die Panzer aus der Industriereserve oder von der aktiven Truppe gestellt w&uuml;rden. Die Industrie hat aktuell signalisiert, dass sie fr&uuml;hestens 2024 in der Lage sein wird, einsatzbereite Kampfpanzer zur Verf&uuml;gung zu stellen. Sollten die Kampfpanzer aus dem Bestand der Truppe gestellt werden, w&uuml;rde das die F&auml;higkeit der Bundeswehr zur Landesverteidigung weiter schw&auml;chen. F&uuml;r den &bdquo;M1 Abrams&ldquo; und auch f&uuml;r den &bdquo;Challenger 2&ldquo; liegen langj&auml;hrige Erkenntnisse aus Kampfeins&auml;tzen vor, an denen sich vor allem die Ersatzteilbevorratung orientiert. Das ist f&uuml;r den &bdquo;Leopard 2&ldquo; nicht der Fall, weil dieser bislang lediglich in &Uuml;bungen erprobt wurde. Niemand kann deshalb einsch&auml;tzen, was z.B. die besonderen Verschlei&szlig;teile beim Dauereinsatz unter Kriegsbedingungen sind.<\/p><p>Zus&auml;tzlich zu der eventuellen Lieferung von deutschen &bdquo;Leopard 2&ldquo;-Kampfpanzern muss die Bundesregierung dar&uuml;ber entscheiden, ob sie anderen Staaten, in die der &bdquo;Leopard 2&ldquo; geliefert wurde, eine Genehmigung zum Export dieser Panzer in die Ukraine erteilt. Solange die vertraglich vereinbarte &bdquo;Endverbleibsklausel&ldquo; gilt, ist das nicht m&ouml;glich.<\/p><p><strong>Zusammenfassende Bewertung<\/strong><\/p><p>Aktuell sehen sich die westlichen Regierungen mit immer umfassenderen Forderungen nach immer schwereren Waffen zur Unterst&uuml;tzung der ukrainischen Streitkr&auml;fte konfrontiert. Darauf wird &ndash; in Deutschland in der Regel mit zeitlicher Verz&ouml;gerung &ndash; geradezu reflexartig positiv reagiert. Von Systemen zur Luftverteidigung &uuml;ber Sch&uuml;tzenpanzer steht jetzt die Lieferung von Kampfpanzern zur politischen Entscheidung an. Ich habe den Eindruck, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis auch konkret &uuml;ber die Lieferung von Kampfhubschraubern oder Kampfflugzeugen und vielleicht auch Kriegsschiffen diskutiert wird. Erste diesbez&uuml;gliche Stimmen aus der Ukraine sind schon seit geraumer Zeit zu h&ouml;ren. <\/p><p>Auff&auml;llig ist bei der Diskussion und letztlich auch den politischen Entscheidungen, dass diese getroffen werden, ohne &uuml;ber ihre milit&auml;rische Umsetzung nachzudenken. Ob dieses Problem f&uuml;r alle NATO-Staaten gilt, kann ich nicht beurteilen, aber in Deutschland ist das sozusagen &bdquo;ein Dauerbrenner&ldquo;, vor allem bei Politikern der Regierungsparteien, aber auch in der CDU\/CSU-Opposition. Man scheint sich dar&uuml;ber profilieren zu wollen, indem man am lautst&auml;rksten immer mehr und immer schwerere Waffen fordert.<\/p><p>Dabei ist mittlerweile jedem &uuml;ber gesunden Menschenverstand verf&uuml;genden B&uuml;rger klar, dass die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine, besonders nat&uuml;rlich mit schweren Waffen, nur zu Lasten der Verteidigungsf&auml;higkeit Deutschlands zu leisten ist. Ob das auch den Politikern bewusst ist oder ob sie diese Tatsache einfach ignorieren, sollte jeder B&uuml;rger, auch als W&auml;hler!, f&uuml;r sich entscheiden.<\/p><p>Unklar ist mir auch, ob die Politiker begriffen haben, wie lange eigentlich eine solide Ausbildung des Personals dauert, das diese Waffensysteme bedienen soll. F&uuml;r Fahrer, Richtsch&uuml;tzen, Ladesch&uuml;tzen und die Infanteristen in den Sch&uuml;tzenpanzern mag eine Schulung von einigen Wochen nach der Methode &bdquo;Learning by Doing&ldquo; ausreichen, aber f&uuml;r die Kommandanten ist eine solide Ausbildung von weniger als 6 Monaten nicht machbar und vor allem auch unverantwortlich. F&uuml;r die Offiziere, die die Sch&uuml;tzenpanzer und Kampfpanzer im Rahmen des &bdquo;Kampfes der verbundenen Waffen&ldquo; einsetzen sollen, dauert eine verantwortungsvolle Ausbildung deutlich l&auml;nger als ein Jahr, nicht zuletzt, weil unterschiedliche Waffensysteme eingesetzt werden, die zudem eine aufwendige Logistik erforderlich machen.<\/p><p>In dem Zusammenhang sei &uuml;brigens angemerkt, dass ein deutscher pensionierter Generalleutnant des Heeres vor ein paar Tagen in einem Interview Klartext gesprochen hat, indem er festgestellt hat, dass der Einsatz von Sch&uuml;tzenpanzern nur im Verbund mit Kampfpanzern Sinn mache, ansonsten mehr oder weniger wirkungslos sei. Neben den Problemen im Zusammenhang mit Ausbildung und Einsatz stellt sich f&uuml;r mich die Frage, auf welchem Wege eigentlich die &bdquo;Marder&ldquo; und sp&auml;ter vielleicht sogar die &bdquo;Leopard 2&ldquo;-Kampfpanzer eigentlich in die Ukraine gelangen sollen. Luft- und Seetransport fallen ebenso aus wie vermutlich auch der Stra&szlig;entransport. Bleibt die Option Bahn. Das wird vermutlich &uuml;ber Polen geschehen, aber was ist mit dem notwendigen Stopp in der Spurwechselzone und vor allem mit dem Grenz&uuml;bertritt in die Ukraine? Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, dass Moskau weiterhin tatenlos zusieht, wie die ukrainische Armee mit schweren westlichen Waffen aufger&uuml;stet wird. Bleibt die Frage, wie ein solcher Transport innerhalb der Ukraine bis zu der mehrere Hundert Kilometer entfernten Front ablaufen soll.<\/p><p><strong>Deutschland als Kriegspartei und Gefahr eines NATO-B&uuml;ndnisfalls<\/strong><\/p><p>Zus&auml;tzlich zu diesen Problemen gibt es aber auch das Risiko, dass Deutschland durch seine immer intensivere milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine, vor allem durch die Art der Waffen, aber auch besonders durch die Ausbildung ukrainischer Soldaten, zur Kriegspartei wird. Auch der B&uuml;ndisfall ist im Zusammenhang mit dieser Gesamtentwicklung nicht auszuschlie&szlig;en, weil es daf&uuml;r ausreichen w&uuml;rde, wenn es z.B. bei einem russischen Angriff auf einen westlichen Panzertransport beim Passieren der polnisch-ukrainischen Grenze zu Sch&auml;den auf der polnischen Seite k&auml;me.<\/p><p>Last but not least m&uuml;sste den milit&auml;rischen Amateuren in der Politik doch klar sein, dass die Ukraine diesen Krieg auch mit Hilfe schwerer westlicher Waffen nicht gewinnen kann und wird. Um das zu erkennen, empfehle ich das Interview mit dem US-amerikanischen pensionierten Oberst Douglas Macgregor und auch den aktuellen Artikel des ehemaligen UN-Waffeninspekteurs Scott Ritter. Nicht nur diese Beiden, sondern alle milit&auml;rischen Fachleute in den USA und grunds&auml;tzlich auch in Deutschland sind sich dar&uuml;ber einig, dass die Ukraine &uuml;ber einen sehr begrenzten verbleibenden Zeitraum im besten Fall ein Patt auf dem Gefechtsfeld halten kann. Der Preis daf&uuml;r sind weitere gefallene und schwer verwundete Soldaten auf beiden Seiten, noch mehr Tote in der Zivilbev&ouml;lkerung, noch mehr Fl&uuml;chtlinge und eine weitere Zerst&ouml;rung der Ukraine. Professor Reinhard Merkel hat am 28. Dezember 2022 in der FAZ einen Artikel geschrieben unter der &Uuml;berschrift: &bdquo;Verhandeln hei&szlig;t nicht kapitulieren.&ldquo; Ich frage mich seit Langem: Warum will das, auch in Deutschland, niemand begreifen?<\/p><p>Titelbild: Deutsche Hauptpanzer Leopard beim Einsatz in Polen, shutterstock \/ Mike Mareen<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92293\">Quo vadis, Deutschland? 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