{"id":92598,"date":"2023-01-17T11:13:47","date_gmt":"2023-01-17T10:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92598"},"modified":"2023-01-17T16:49:33","modified_gmt":"2023-01-17T15:49:33","slug":"lindners-aktienrente-ist-da-ein-taschenspielertrick-ohne-sinn-und-verstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92598","title":{"rendered":"Lindners Aktienrente ist da \u2013 ein Taschenspielertrick ohne Sinn und Verstand"},"content":{"rendered":"<p>&Uuml;ber ein Jahr hat es gedauert. Nun konnte Finanzminister Lindner am Freitag endlich mit gro&szlig;em Tamtam sein Lieblingsprojekt <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/finanzen\/aktienrente-lindner-101.html\">vorstellen<\/a> &ndash; die &bdquo;Aktienrente&ldquo;. Doch von der urspr&uuml;nglich geplanten Teilumstellung des gesetzlichen Rentensystems auf eine Kapitaldeckung ist zum Gl&uuml;ck nichts &uuml;briggeblieben. Daher ist jetzt auch nicht mehr von einer Aktienrente, sondern von einem Generationenkapital die Rede. Ein Begriff, der genau so unsinnig ist wie das ganze Projekt. Streng genommen macht der Staat nun das, wovon jeder Privatperson dringend abgeraten wird &ndash; er leiht sich Geld, um am Finanzmarkt zu spekulieren und mit dem Gewinn die Schulden zur&uuml;ckzuzahlen. Die Gewinne &ndash; so sie denn entstehen &ndash; sollen in 15 Jahren dann den Steuerzuschuss im Rentensystem erg&auml;nzen. Damit ist jetzigen und k&uuml;nftigen Rentnern aber kein Jota geholfen. Mehr noch &ndash; es ist nicht einmal ersichtlich, was dieser Taschenspielertrick &uuml;berhaupt mit dem Rentensystem zu tun haben soll. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5501\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-92598-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230117_Lindners_Aktienrente_ist_da_ein_Taschenspielertrick_ohne_Sinn_und_Verstand_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230117_Lindners_Aktienrente_ist_da_ein_Taschenspielertrick_ohne_Sinn_und_Verstand_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230117_Lindners_Aktienrente_ist_da_ein_Taschenspielertrick_ohne_Sinn_und_Verstand_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230117_Lindners_Aktienrente_ist_da_ein_Taschenspielertrick_ohne_Sinn_und_Verstand_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=92598-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230117_Lindners_Aktienrente_ist_da_ein_Taschenspielertrick_ohne_Sinn_und_Verstand_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230117_Lindners_Aktienrente_ist_da_ein_Taschenspielertrick_ohne_Sinn_und_Verstand_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ginge es nach der FDP, w&uuml;rde der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung um zwei Prozentpunkte von 18,6% auf 16,6% gesenkt und daf&uuml;r m&uuml;ssten alle Rentenversicherten zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens in eine verpflichtende gesetzliche Aktienrente einzahlen. Diese sollte als Fonds &auml;hnlich dem privaten Aktiensparen &bdquo;unabh&auml;ngig verwaltet&ldquo; werden. So lautete zumindest die Forderung der FDP in ihrem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75424\">Wahlprogramm<\/a> zu den letzten Bundestagswahlen. Aus dieser konkreten Forderung wurde in den Sondierungsgespr&auml;chen der sp&auml;teren Ampel-Koalition ein Pr&uuml;fauftrag. Mit der jetzt als &bdquo;Aktienrente&ldquo; bezeichneten Reform, die am letzten Freitag vorgestellt wurde, haben sowohl die FDP-Forderung als auch der sp&auml;ter im Koalitionsvertrag erw&auml;hnte &bdquo;Pr&uuml;fauftrag&ldquo; aber so ziemlich nichts zu tun. Das verabschiedete &bdquo;Generationenkapital&ldquo; entspricht vielmehr einem anderen Punkt aus dem Koalitionsvertrag, der interessanterweise bei keinem der drei Koalitionspartner im Wahlprogramm auftauchte. Dort hei&szlig;t es, man wolle &bdquo;langfristig&ldquo; in eine &bdquo;teilweise Kapitaldeckung&ldquo; der Gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen. Der Rentenversicherung solle es erm&ouml;glicht werden, &bdquo;ihre Reserven am Kapitalmarkt reguliert anzulegen&ldquo;. Den Kapitalstock daf&uuml;r soll der Bund aus Haushaltsmitteln bereitstellen.<\/p><p>Bei dem jetzt verabschiedeten Modell sind es jedoch nicht die Reserven der Rentenversicherung, sondern es ist ein neu aufgelegter staatlicher Fonds, dessen Mittel nur mit sehr viel Wohlwollen aus &bdquo;Haushaltsmitteln&ldquo; stammen &ndash; nimmt man es genau, so nimmt der Bund f&uuml;r diese Mittel vielmehr Schulden auf. 10 Milliarden Euro pro Jahr und das &uuml;ber mindestens 15 Jahre. Wenn dann im Jahr 2037 das Grundkapital vorhanden ist, sollen die Dividenden bzw. Zinsen, die dieser Fonds erwirtschaftet, direkt in die Rentenversicherung gehen und dort die j&auml;hrlichen Zusch&uuml;sse aus Steuermitteln zumindest zum Teil ersetzen.<\/p><p>Was man damit nun eigentlich bezwecken will, ist unklar. Letztlich ist dies das Prinzip linke Tasche, rechte Tasche &ndash; man spekuliert sicher darauf, dass die Renditen der Finanzmarktpapiere, in die der Fonds investiert, dauerhaft h&ouml;her sind als die Zinsen, die der Bund f&uuml;r den Kapitalstock dieses Fonds aufbringen muss. Wenn das aufgeht, w&uuml;rde der Bund ab 2037 einen kleineren Teil der Zusch&uuml;sse einsparen. Mehr aber auch nicht. Daf&uuml;r geht man das Risiko ein, dass die Zinsen langfristig h&ouml;her als die Rendite sind und so die Kosten nicht sinken, sondern steigen. <\/p><p>Die eigentliche Profanit&auml;t dieses Instruments l&auml;sst sich in den vollmundigen PR-Floskeln der Bundesregierung nat&uuml;rlich nicht erkennen. Stattdessen schwadroniert man lieber &uuml;ber einen zus&auml;tzlichen Kapitalstock, der dank der Kapitalm&auml;rkte das Rentenniveau langfristig sichern w&uuml;rde, da er als Generationenkapital Ertr&auml;ge f&uuml;r kommende Generationen erwirtschaftet. Was f&uuml;r ein Unsinn. Andersherum wird ein Schuh daraus: Man nimmt heute Schulden auf, um in den n&auml;chsten Jahrzehnten die Zusch&uuml;sse zu reduzieren. Die Idee, heute Schulden aufzunehmen, um sp&auml;ter weniger Schulden aufnehmen zu m&uuml;ssen, kann jedoch nicht eben als finanzpolitische Gro&szlig;tat bezeichnet werden. W&uuml;rde man wenigstens die Schulden f&uuml;r Investitionen einnehmen, die Einkommen generieren, die ihrerseits als Rentenbeitr&auml;ge das System stabilisieren, w&auml;re das ja durchaus diskutabel. Der Kauf von Aktien am Markt ist jedoch keine Investition im volkswirtschaftlichen Sinn. Man kauft Unternehmensanteile von einem anderen Aktion&auml;r. Dadurch haben die Unternehmen keinen Cent mehr f&uuml;r Investitionen, es entsteht kein einziger Arbeitsplatz, es wird kein einziger Cent an Einkommen generiert.<\/p><p>Da stellt sich die Frage: Wenn die Idee des Generationenkapitals angeblich so genial ist, warum macht der Bund das dann nicht auf anderen Feldern genauso? Man k&ouml;nnte dann doch auch ein Generationenkapital f&uuml;r das B&uuml;rgergeld, die Bildung, die Energiewende oder auch das Lieblingsthema der Ampel, die R&uuml;stungsausgaben, auflegen. Warum stellt man nicht den ganzen Bundeshaushalt auf ein Generationenkapital um und nimmt heute Schulden auf, um sp&auml;ter den gesamten Haushalt aus den Dividenden und Zinsen zu bezahlen? Dann m&uuml;sste man auch keine Steuern und Abgaben mehr erheben. Genial, nicht wahr? <\/p><p>Sogar Christian Lindner w&uuml;rde dies wohl als Schnapsidee bezeichnen. Aber warum dieses Modell nun ausgerechnet bei den Steuerzusch&uuml;ssen zur Rentenversicherung genial sein soll, erschlie&szlig;t sich nicht. Denn mit der &bdquo;Rente&ldquo; hat der ganze Klamauk schlie&szlig;lich nur sehr indirekt zu tun. Es geht nicht um die Rente, sondern um k&uuml;nftige Staatsausgaben. Oder geht es letztlich doch eher darum, Herrn Lindner zumindest einen kleinen PR-Erfolg zu g&ouml;nnen? <\/p><p>Titelbild: Bundesfinanzminsterium<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/42d3ee58fec949d68e628f21425e5613\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&Uuml;ber ein Jahr hat es gedauert. Nun konnte Finanzminister Lindner am Freitag endlich mit gro&szlig;em Tamtam sein Lieblingsprojekt <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/finanzen\/aktienrente-lindner-101.html\">vorstellen<\/a> &ndash; die &bdquo;Aktienrente&ldquo;. 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