{"id":92612,"date":"2023-01-17T12:45:39","date_gmt":"2023-01-17T11:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92612"},"modified":"2023-01-17T13:27:29","modified_gmt":"2023-01-17T12:27:29","slug":"das-schweigen-des-laemmerhirten-ein-bemerkenswerter-konflikt-in-der-evangelischen-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92612","title":{"rendered":"Das Schweigen des L\u00e4mmerhirten \u2013 Ein bemerkenswerter Konflikt in der Evangelischen Kirche"},"content":{"rendered":"<p>Im Dezember 2022 hat Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, ein Interview gegeben. Erschienen ist es im Publikationsorgan des Berufsverbandes der protestantischen Geistlichen in Bayern &ndash; dem Korrespondenzblatt, Ausgabe 12\/2022 S. 241-246&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pfarrverein-bayern.de\/system\/files\/dateien\/kblatt-2212.pdf\">Korrespondenzblatt 12\/2022<\/a>. In diesem Gespr&auml;ch &auml;u&szlig;ert sich Dr. Bedford-Strohm unter anderem zu den beiden gegenw&auml;rtig brisantesten Themen des Weltgeschehens: der Corona-Krise und dem Ukrainekrieg. Pfarrer i.R. J&uuml;rgen Fliege &ndash; fr&uuml;her bekannt als Fernseh-Pfarrer &ndash; und sein Kollege Pfarrer i.R. Hanns-Martin Hager widersprechen in einem Offenen Brief in bester protestantischer Tradition ihrem Bischof. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDer kritisierte Dr. Heinrich Bedford-Strohm ist seit September 2022 gleichzeitig Inhaber des h&ouml;chsten Amtes im Weltkirchenrat und spricht damit f&uuml;r 352 Kirchen mit insgesamt 580 Millionen Mitgliedern. Die beiden Pfarrer Fliege und Hager widersprechen seinen &Auml;u&szlig;erungen sehr deutlich. Sie sind der &Uuml;berzeugung, dass ein derartiger Widerspruch von Geistlichen gegen&uuml;ber ihrem Bischof einer breiten &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich gemacht werden sollte, zumal so ein kritischer Text gegen&uuml;ber einem leitenden Bischof im deutschsprachigen Raum bisher noch nicht geschrieben wurde.<\/p><p>Hier ist der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/230117-Das%20Schweigen-des-Laemmerhirten-1612023.pdf\">Offene Brief<\/a>:<\/p><p>J&uuml;rgen Fliege, Pfarrer i.R.<br>\nSeestra&szlig;e 16<br>\n82340 Feldafing<\/p><p>Hanns-Martin Hager, Pfarrer i.R.<br>\nWaldschmidtstr. 7<br>\n82487 Oberammergau<\/p><p>Herrn<br>\nLandesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm<br>\nLandeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Katharina-von-Bora-Stra&szlig;e 7-13<\/p><p>80333 M&uuml;nchen<\/p><p><strong>Offener Brief<\/strong><\/p><p><em>Feldafing Oberammergau, den 16. Januar 2023<\/em><\/p><p>Sehr geehrter Herr Bischof, lieber Bruder Dr. Bedford-Strohm,<\/p><p>wir sind zwei Ihrer Schutzbefohlenen, aber auch Amtsbr&uuml;der, mit der gleichen geistlichen Qualit&auml;t wie Sie. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.<\/p><p>Wo zwei oder drei solcher L&auml;mmer Christi zusammen sind, da ist er mitten unter ihnen. Zwei L&auml;mmer! Zwei L&auml;mmer in Christo! Und der allein ist unsere Hoffnung auf Geh&ouml;r unseres Aufschreis. Er lud uns ein zu schreiben. Denn unsere Erfahrung lehrt ja, dass wir nicht auf eine qualifizierte Antwort unseres Bischofs z&auml;hlen k&ouml;nnen. &bdquo;<em>Zu viel Post, zu viel Geschrei, zu viel unqualifiziertes Gerede irgendwelcher Feld-, Wald- und Wiesen-Pfarrer, wozu die Kraft zu antworten nun wirklich nicht reicht. Und jetzt erst Recht nicht, wo ein weiteres hohes Amt in der weltweiten &Ouml;kumene von meinen Kr&auml;ften partizipieren m&ouml;chte.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Und so schreiben wir in der Zuversicht, dass Christus mit uns ist, einen offenen Brief, der auch ein Brief an die vielen anderen L&auml;mmer und Herden, Hirten und Oberhirten ist, auf dass sie sich ihrer teuflischen Lebensangst in Coronazeiten bewusst werden und nicht l&auml;nger mehr schweigen oder gar verstummen. Es ist ein offener Brief &uuml;ber unsere Gemeinden hinaus, dass er auch im Himmel gelesen werde, wo er verzeichnet sein wird f&uuml;r alle Zeiten, wie alle unsere Namen auch.<\/p><p>Wir haben ein paar Tage gewartet, Ihnen diesen Brief zu schreiben. Es waren Tage mit mehr Hoffnung als Zuversicht, dass andere L&auml;mmer ihrer Herde ihre Stimme erheben w&uuml;rden ob der eklatanten Verleugnung unserer ehrw&uuml;rdigen protestantisch-lutherischen Tradition angesichts Ihres pers&ouml;nlichen Resum&eacute;es Ihrer Rolle in der Coronakrise unserer Kirche. Wir hatten gehofft, unser Bischof habe mindestens so viel Bewusstsein f&uuml;r Bu&szlig;e und Schuld in seinem Herzen angesammelt wie weiland schon ein politisch ambitionierter Bankangestellter aus dem westlichen M&uuml;nsterland oder sein ministerieller Nachfolger, ein ehemaliger Pharmalobbyist aus der K&ouml;lner Tieflandsbucht, die beide nun mehr oder weniger ihre Fehleinsch&auml;tzungen und falschen Entscheidungen sehen. Auch wenn das nun kein gro&szlig;es politisches Thema sein soll, wiewohl es Menschenopfer wohl in die Tausende kostete und nach wie vor noch kosten wird, bekennen die Minister mittlerweile: Ja, es war falsch, wie wir mit den Alten, den Schwerkranken, den Sterbenden und den Trostlosen umgegangen sind! Es war sogar &bdquo;im Namen des Volkes&ldquo; Unrecht, die Kirchen zu schlie&szlig;en. Es war fatal, dass wir unsere Kinder f&uuml;r unsere Zwecke einer Todesangstkampagne missbraucht haben. Und nun? Jetzt ist wieder einmal schonungslose Aufarbeitung angesagt. Auf Deutsch: Schwamm dr&uuml;ber! Lasst uns lieber gleich &uuml;ber die Zukunft reden und nicht &uuml;ber Bu&szlig;e in einer neuen Fehlerkultur. Die ist eh nur protestantisches Feuilleton.<\/p><p>Und nun stellt sich unser ehrw&uuml;rdiger Bischof hin und sagt, er w&uuml;rde alles genauso machen wie vor drei Jahren. Er schweigt zu seinem Schweigen. Er schweigt zu seinen Fehlern! Dieses Schweigen des L&auml;mmerhirten schreit zum Himmel.<\/p><p>Dieses Schweigen trifft uns ins Herz. Wenn aber der oberste Hirte schweigt, dann werden L&auml;mmer schreien, Schwestern und Br&uuml;der in Christo. Sie werden aufm&uuml;pfig und meckern.<\/p><p>Was ist das f&uuml;r eine verheerende Leitung unserer Kirchen und Gemeinden, die entgegen ihrer eigenen Behauptung, sich von Berlin ohne jede vorherige Einvernahme (siehe Notker Wolf OSB, emeritierter Abtprimas der Benediktischen Konf&ouml;deration https:\/\/www.die-tagespost.de\/kultur\/feuilleton\/notker-wolf-jesus-war-nicht-politisch-korrekt-art-233858) haben verbieten lassen, Kirche zu sein! Berlin locuta, causa finita! Hat uns nicht Luther gelehrt, dass Kirche nur da ist, wo wir uns leiblich versammeln und uns gegenseitig unseres Glaubens versichern? Die Bekenntnisschriften, auf die Sie und wir zum geistlichen Amt ordiniert worden sind, sagen es unmissverst&auml;ndlich: Kirche ist dort, wo das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente gespendet werden und zwar in leibhaftiger Gegenwart und nicht digital.<\/p><p>Was ist das f&uuml;r eine verkommene Seelsorge, all den Angeh&ouml;rigen, die in dieser Zeit eine Mutter, einen Vater, einen Partner, eine Partnerin, ein Kind haben einsam und allein sterben lassen m&uuml;ssen, nun zu sagen: Das alles war richtig! Ging nicht anders! H&auml;tte Jesus auch genauso gemacht. Denn dem folgen wir nach.<\/p><p>Alle Welt sieht diesen Skandal. Unser Bischof sieht ihn nicht.<\/p><p>Was ist das f&uuml;r eine Unwahrheit, jetzt dreist drucken zu lassen, dass man Staat und Kirche im Gleichschritt der Cr&egrave;me de la Cr&egrave;me der deutschen Wissenschaft &agrave; la Leopoldina gefolgt ist, wo je mehr Reputation desto mehr Wahrheit versammelt sein soll! Das widerspricht jeder protestantischen Haltung, die immer schon wusste: Was ein Papst oder eine sonstige Autorit&auml;t sagt, ist f&uuml;r Protestanten nicht bindend, sondern vielmehr auf den Pr&uuml;fstand der Heiligen Schrift und unserer Bekenntnisse zu stellen, die bis zur Barmer Erkl&auml;rung von 1934 gehen. W&auml;hrend der gesamten Dauer der Corona-Krise gab es aber nur ein gemeinsames, donnerndes Schweigen der L&auml;mmerhirten. Unser Eindruck aus vielen Begegnungen und Gespr&auml;chen mag t&auml;uschen, aber am Ende sind Abertausende Seelen aus unseren Gemeinden getrieben worden.<\/p><p>Der Theologieprofessor Klaus Berger lehrte uns, dass wir als Kirche Jesu Christi nur dort eine Zukunft haben, wo wir als kritische Minorit&auml;t unseren Glauben leben. Wo wir das nicht tun, verraten wir Jesu Wort.<\/p><p>Und dann was ist das f&uuml;r ein arrogantes Richten &uuml;ber die besorgten weltweiten Kritiker dieser teuflischen Todesangstkampagne, die unser Herr Bischof in drei T&ouml;pfchen zum Wegwerfen &agrave; la Aschenputtel aussortiert:<\/p><p>Die Naturheilkundler ohne medizinische Ahnung als erste, wie Dr. Max Otto Bruker und seine Schule oder die Doktores Bircher-Benner, Dr. R&uuml;diger Dahlke etc., die von Anfang an die Verwerfungen der weltweiten Angstkampagne erkannten und analog zur Spanischen und zur Schweinegrippe die Aufr&uuml;stung unseres von Gott geschenkten Immunsystems als einziges Mittel der Wahl empfahlen.<\/p><p>Drei ber&uuml;hmte Namen, die f&uuml;r tausend andere stehen. Recht haben sie behalten. L&auml;ngst sehen wir jetzt, dass die allein selig machende Verk&uuml;ndigung der Impfkampagne und einer blasphemischen Hygienereligion auch in unseren Kirchen weder vor Ansteckung, noch vor Weitergabe des Virus und auch nicht vor einem schweren Krankheitsverlauf und Gott sei es geklagt leider auch nicht vor dem Tod sch&uuml;tzt.<\/p><p>Und dann im zweiten &bdquo;Aschenputtelt&ouml;pfchen&rdquo; sind wohl auch wir beide vereinnahmt, verirrte L&auml;mmer oder durch Social Media Verf&uuml;hrte.<\/p><p>Verehrter Herr Bischof und Bruder Dr. Bedford-Strohm, die wir im Namen der Querdenker Jesus aus Nazareth, Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Martin Niem&ouml;ller, Karl Steinbauer nur sagten: Moment! Lasst uns das pr&uuml;fen! Denn das haben wir gelernt, wie man wissenschaftlich arbeitet und das erkenntnisleitende Interesse hinter jeder wissenschaftlichen Position recherchieren kann. Das ist ja das Einmaleins der Bibelexegese. Da sind wir Fachleute. Lasst uns pr&uuml;fen, welche Interessen au&szlig;er den vollmundig durch die Pharmalobby in und au&szlig;erhalb der Parlamente vorgetragenen Horrorszenarien stehen! Lasst uns wach bleiben im Glauben und im Gottvertrauen. Statt dessen gab es abgesegnete Impfkampagnen in den Kirchen: &ldquo;<em>Impfen ist Christenpflicht, Impfen ist N&auml;chstenliebe.<\/em>&ldquo; Und viel theologisch Haarstr&auml;ubendes mehr.<\/p><p>Hatten wir nicht mit dem ehemaligen Kirchenpr&auml;sidenten von Hessen und Nassau, Martin Niem&ouml;ller, seligen Angedenkens versprochen, wir w&uuml;rden nicht nur schreien, wenn die Obrigkeit uns Christen diffamiert und kriminalisiert, sondern auch schon vorher, wenn bei anderen kritischen Mitb&uuml;rgern die Polizei vor der T&uuml;r steht, wie z.B. bei Michael Ballweg oder zahlreichen impfkritischen &Auml;rzten? Nur wer f&uuml;r die Ausgesto&szlig;enen schreit, hat auch das Recht Chor&auml;le zu singen.<\/p><p>Hat der unter Ihrer Verantwortung arbeitende Evangelische Pressedienst jemals dar&uuml;ber berichtet, wie die Regierungen und Pharmalobbies dieser Welt mit tapferen und renommierten &Auml;rzten wie Dr. Wolfgang Wodarg, Prof. John Ioannidis oder Prof. Sucharit Bhakdi umspringen? Da war es wieder: Das Schweigen der L&auml;mmerhirten! Hat die Kirche dar&uuml;ber nachgedacht, dass ein Richter in unserer kollektiven Todesangst vor dem Virus befangen ist und gar nicht unabh&auml;ngig urteilen kann? Das alles kommt jetzt St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck qu&auml;lend ans Tageslicht.<\/p><p>Aber unser Bischof hat alles richtig gemacht. Er hat sogar zugesehen, wie einer von uns beiden durch die kirchliche Hierarchie krank und f&uuml;r immer berufsunf&auml;hig gemacht wurde.<\/p><p>Und drittens: Der Rest der Coronama&szlig;nahmenkritiker, die auch in unserer Kirche allgemein nur als Corona-Leugner verspottet und verachtet werden, das waren nach Ihren Worten &bdquo;Leute, die ganz klar rechtsradikal gedacht haben.&ldquo;<\/p><p>Und mit denen redet man nicht. <em>Die haben ja quasi politischen Aussatz. Zu denen w&uuml;rde nicht einmal Jesu hingehen.<\/em> Der Herr Bischof wei&szlig; wohl aus eigener leidvoller Erfahrung, dass man mit Fundamentalisten jedweder Couleur nicht reden kann. Haben Sie mit Verlaub vielleicht einen sozial-autorit&auml;ren Balken vor den eigenen Augen und sehen jeden vermeintlich braun-autorit&auml;ren Splitter bei den Querdenkerdemos?<\/p><p>Wenn man nun wie Sie mit diesem klaren Weltbild von Gut und B&ouml;se, von Leuten, mit denen man reden kann oder nicht, von Seelen, die man retten kann oder nicht, durchs Leben geht, mit welcher Hoffnung f&uuml;hren Sie dann im verdunkelten Zug nach Moskau? Denn dort residiert auch einer, Kyrill I., Patriarch von Moskau und Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche, Putinversteher, von dem die ganze westliche Welt behauptet, dass man mit ihm nicht reden kann, weil er alle Menschlichkeit hinter sich gelassen haben soll.<\/p><p>Eine Reise nach Moskau, genau dahin, wo man ihn nicht erwartet, w&uuml;rde einem J&uuml;nger Jesu in diesem verantwortungsvollen Amt der Weltkirche wohl im Himmel angeschrieben werden.<\/p><p>Mit dem Segen des Himmels: Vergelt&rsquo;s Gott, Bruder Bischof<br>\nJ&uuml;rgen Fliege Hanns-Martin Hager<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dezember 2022 hat Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, ein Interview gegeben. 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