{"id":92632,"date":"2023-01-18T10:30:17","date_gmt":"2023-01-18T09:30:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92632"},"modified":"2023-01-18T12:23:02","modified_gmt":"2023-01-18T11:23:02","slug":"emmanuel-todd-der-3-weltkrieg-zwischen-den-usa-und-russlandchina-hat-bereits-begonnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92632","title":{"rendered":"Emmanuel Todd: \u201eDer 3. Weltkrieg zwischen den USA und Russland\/China hat bereits begonnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der franz&ouml;sische Historiker Emmanuel Todd geh&ouml;rt seit vielen Jahren zu den profundesten kritischen Stimmen Europas, die den destruktiven Einfluss der USA auf die Welt kritisieren. Nun hat er dem Figaro <a href=\"https:\/\/www.lefigaro.fr\/vox\/monde\/emmanuel-todd-la-troisieme-guerre-mondiale-a-commence-20230112#Echobox=1673601494-1\">ein interessantes Interview gegeben<\/a>, das jedoch leider hinter einer Bezahlschranke verborgen ist. <strong>Ben Norton <\/strong>hat das Interview auf der Seite Geopolitical Economy Report <a href=\"https:\/\/geopoliticaleconomy.substack.com\/p\/world-war-3-us-russia-china-emmanuel-todd\">aufgegriffen<\/a> und unser Kollege <strong>Marco Wenzel<\/strong> hat den Text f&uuml;r unsere Leser dankenswerterweise ins Deutsche &uuml;bertragen. Wir stellen diesen Text gerne zur Debatte, halten jedoch seine makro&ouml;konomischen Ausf&uuml;hrungen nicht immer f&uuml;r korrekt und zielf&uuml;hrend.<br>\n<!--more--><br>\nDer franz&ouml;sische Intellektuelle Emmanuel Todd vertritt die Ansicht, der Stellvertreterkrieg in der Ukraine sei der Beginn des Dritten Weltkriegs und sowohl f&uuml;r Russland als auch f&uuml;r das &bdquo;imperiale System&ldquo; der USA, das die Souver&auml;nit&auml;t Europas eingeschr&auml;nkt hat, &bdquo;existenziell&ldquo;. Von <strong>Ben Norton<\/strong><\/p><p>Ein prominenter franz&ouml;sischer Intellektueller hat ein Buch geschrieben, in dem er darlegt, dass die Vereinigten Staaten bereits dabei sind, den Dritten Weltkrieg gegen Russland und China zu f&uuml;hren. Er warnt zudem davor, dass Europa zu einer Art imperialem &bdquo;Protektorat&ldquo; geworden ist, das wenig Souver&auml;nit&auml;t besitzt und im Wesentlichen von den USA kontrolliert wird.<\/p><p>Emmanuel Todd ist ein weithin anerkannter Anthropologe und Historiker in Frankreich. Im Jahr 2022 ver&ouml;ffentlichte Todd ein Buch mit dem Titel &bdquo;The Third World War Has Started&ldquo; (&bdquo;La Troisi&egrave;me Guerre mondiale a commenc&eacute;&ldquo; auf Franz&ouml;sisch). Zurzeit ist es nur in Japan erh&auml;ltlich. In einem franz&ouml;sischsprachigen Interview mit der gro&szlig;en Zeitung Le Figaro, das der Journalist Alexandre Devecchio f&uuml;hrte, erl&auml;uterte Todd jedoch die wichtigsten Argumente, die er in dem Buch anf&uuml;hrt.<\/p><p>Todd zufolge ist der Stellvertreterkrieg in der Ukraine nicht nur f&uuml;r Russland, sondern auch f&uuml;r die Vereinigten Staaten &bdquo;existenziell&ldquo;. Das &bdquo;imperiale System&ldquo; der USA werde in weiten Teilen der Welt geschw&auml;cht, was Washington dazu verleite, &bdquo;seinen Einfluss auf seine urspr&uuml;nglichen Protektorate zu st&auml;rken&ldquo;: Europa und Japan. Dies bedeute, dass &bdquo;Deutschland und Frankreich zu unbedeutenden Partnern in der NATO geworden sind&ldquo;, so Todd, und die NATO sei in Wirklichkeit ein &bdquo;Washington-London-Warschau-Kiew&ldquo;-Block.<\/p><p>Die Sanktionen der USA und der EU haben es nicht geschafft, Russland zu vernichten, wie die westlichen Hauptst&auml;dte gehofft hatten, stellte er fest. Dies bedeute, dass &bdquo;der Widerstand der russischen Wirtschaft das amerikanische imperiale System an den Abgrund dr&auml;ngt&ldquo; und &bdquo;die amerikanische W&auml;hrungs- und Finanzkontrolle &uuml;ber die Welt zusammenbrechen w&uuml;rde&ldquo;.<\/p><p>Der franz&ouml;sische Intellektuelle verwies auf die UN-Abstimmungen zu Russland und warnte davor, dass der Westen den Kontakt zum Rest der Welt verliere.<\/p><p>&bdquo;Die westlichen Zeitungen sind tragisch komisch. Sie schreiben st&auml;ndig: &lsquo;Russland ist isoliert, Russland ist isoliert&rsquo;. Aber wenn wir uns die Abstimmungen der Vereinten Nationen ansehen, sehen wir, dass 75 Prozent der Welt dem Westen nicht folgen, was dann sehr klein erscheint&ldquo;, bemerkte Todd.<\/p><p>Er kritisierte auch die von westlichen neoklassischen &Ouml;konomen verwendeten BIP-Kennzahlen, da sie die Produktionskapazit&auml;t der russischen Wirtschaft herunterspielen, w&auml;hrend sie gleichzeitig die der finanzialisierten neoliberalen Volkswirtschaften wie der Vereinigten Staaten &uuml;berbewerten.<\/p><p>In dem Le-Figaro-Interview argumentierte Todd:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das ist die Realit&auml;t, der Dritte Weltkrieg hat begonnen. Es ist wahr, dass er &bdquo;klein&ldquo; und mit zwei &Uuml;berraschungen begonnen hat. Wir sind in diesen Krieg mit der Vorstellung gegangen, dass die russische Armee sehr stark und die russische Wirtschaft sehr schwach ist.<\/p>\n<p>Man ging davon aus, dass die Ukraine milit&auml;risch und Russland wirtschaftlich vom Westen zerschlagen werden w&uuml;rde. Doch das Gegenteil war der Fall. Die Ukraine wurde nicht milit&auml;risch zerschlagen, auch wenn sie an diesem Tag 16 Prozent ihres Territoriums verlor; Russland wurde nicht wirtschaftlich zerschlagen. W&auml;hrend ich zu Ihnen spreche, hat der Rubel seit dem Tag vor Kriegsbeginn 8 Prozent gegen&uuml;ber dem Dollar und 18 Prozent gegen&uuml;ber dem Euro zugelegt.<\/p>\n<p>Es gab also eine Art Missverst&auml;ndnis. Aber es ist offensichtlich, dass der Konflikt, der sich von einem begrenzten Territorialkrieg zu einer globalen wirtschaftlichen Konfrontation zwischen dem gesamten Westen auf der einen Seite und Russland, das von China unterst&uuml;tzt wird, auf der anderen Seite entwickelt hat, zu einem weltweiten Krieg geworden ist. Auch wenn die milit&auml;rische Gewalt im Vergleich zu fr&uuml;heren Weltkriegen gering ist.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die Zeitung fragte Todd, ob er &uuml;bertreibe. Er antwortete: &bdquo;Wir liefern immer noch Waffen. Wir t&ouml;ten Russen, auch wenn wir uns nicht exponieren. Aber es bleibt wahr, dass wir Europ&auml;er vor allem wirtschaftlich engagiert sind. Wir sp&uuml;ren auch unseren wirklichen Kriegseintritt durch die Inflation und die Knappheit&ldquo;.<\/p><p>Todd untertrieb in seiner Argumentation. Er erw&auml;hnte nicht, dass die CIA und das Pentagon nach dem von den USA unterst&uuml;tzten Putsch, der 2014 die demokratisch gew&auml;hlte ukrainische Regierung st&uuml;rzte und einen B&uuml;rgerkrieg ausl&ouml;ste, sofort mit der Ausbildung ukrainischer Streitkr&auml;fte f&uuml;r den Kampf gegen Russland begannen. Die New York Times hat best&auml;tigt, dass die CIA und Spezialeinsatzkr&auml;fte aus zahlreichen europ&auml;ischen L&auml;ndern in der Ukraine vor Ort sind. Und die CIA und ein europ&auml;ischer NATO-Verb&uuml;ndeter f&uuml;hren sogar Sabotageanschl&auml;ge auf russischem Gebiet durch.<\/p><p>Dennoch, so Todd in dem Interview weiter:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Putin hat fr&uuml;h einen gro&szlig;en Fehler gemacht, der von gro&szlig;em sozialhistorischem Interesse ist. Diejenigen, die sich am Vorabend des Krieges mit der Ukraine besch&auml;ftigten, betrachteten das Land nicht als eine junge Demokratie, sondern als eine Gesellschaft im Verfall und als einen &bdquo;gescheiterten Staat&ldquo; im Entstehen.<\/p>\n<p>Ich glaube, der Kreml rechnete damit, dass diese zerfallende Gesellschaft beim ersten Schock zusammenbrechen oder sogar dem heiligen Russland &bdquo;Willkommen, Mama&ldquo; sagen w&uuml;rde. Wir haben jedoch festgestellt, dass eine Gesellschaft, die sich in Aufl&ouml;sung befindet, im Krieg ein neues Gleichgewicht und sogar einen Horizont, eine Hoffnung finden kann, wenn sie von externen finanziellen und milit&auml;rischen Ressourcen gespeist wird. Die Russen konnten das nicht vorhersehen. Keiner konnte das.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Todd sagte, er teile die Ansicht des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers John Mearsheimer &uuml;ber die Ukraine, eines Realisten, der Washingtons hawkistische Au&szlig;enpolitik kritisiert hat.<\/p><p>Mearsheimer &bdquo;sagte uns, dass die Ukraine, deren Armee seit mindestens 2014 von NATO-Soldaten (Amerikanern, Briten und Polen) &uuml;bernommen wurde, daher de facto Mitglied der NATO sei, und dass die Russen angek&uuml;ndigt h&auml;tten, dass sie eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine niemals dulden w&uuml;rden&ldquo;, so Todd. F&uuml;r Russland sei dies ein Krieg, der &bdquo;aus ihrer Sicht defensiv und pr&auml;ventiv ist&ldquo;, r&auml;umte er ein.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Mearsheimer f&uuml;gte hinzu, dass wir keinen Grund h&auml;tten, uns &uuml;ber die eventuellen Schwierigkeiten der Russen zu freuen, denn da dies f&uuml;r sie eine existenzielle Frage sei, w&uuml;rden sie umso h&auml;rter zuschlagen, je h&auml;rter es sei. Diese Analyse scheint zuzutreffen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Todd argumentierte jedoch, dass Mearsheimer in seiner Analyse &bdquo;nicht weit genug geht&ldquo;. Der US-Politologe habe &uuml;bersehen, wie Washington die Souver&auml;nit&auml;t von Berlin und Paris eingeschr&auml;nkt habe, sagte Todd:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Deutschland und Frankreich seien zu unbedeutenden Partnern in der NATO geworden und w&uuml;ssten nicht, was in der Ukraine auf milit&auml;rischer Ebene geschehe. Die franz&ouml;sische und deutsche Naivit&auml;t wurde kritisiert, weil unsere Regierungen nicht an die M&ouml;glichkeit einer russischen Invasion glaubten. Das stimmt, aber weil sie nicht wussten, dass Amerikaner, Briten und Polen die Ukraine in die Lage versetzen k&ouml;nnten, einen gr&ouml;&szlig;eren Krieg zu f&uuml;hren. Die grundlegende Achse der NATO ist jetzt Washington-London-Warschau-Kiew.<\/p>\n<p>Mearsheimer, ein guter Amerikaner, &uuml;bersch&auml;tzt sein Land. Er ist der Ansicht, dass der Krieg in der Ukraine f&uuml;r die Russen existenziell ist, w&auml;hrend er f&uuml;r die Amerikaner nur ein &bdquo;Machtspiel&ldquo; unter anderen ist. Nach Vietnam, Irak und Afghanistan, ein Debakel mehr oder weniger&hellip; Was macht das schon?<\/p>\n<p>Das Grundaxiom der amerikanischen Geopolitik lautet: &bdquo;Wir k&ouml;nnen tun, was wir wollen, denn wir sind gesch&uuml;tzt, weit weg, zwischen zwei Ozeanen, uns wird nie etwas passieren&ldquo;. Nichts w&auml;re f&uuml;r Amerika existenziell. Eine unzureichende Analyse, die Biden heute zu einer Reihe von unbedachten Handlungen veranlasst.<\/p>\n<p>Amerika ist zerbrechlich. Der Widerstand der russischen Wirtschaft bringt das amerikanische imperiale System an den Rand des Abgrunds. Niemand hatte erwartet, dass sich die russische Wirtschaft gegen die &bdquo;Wirtschaftsmacht&ldquo; der NATO behaupten w&uuml;rde. Ich glaube, dass die Russen selbst nicht damit gerechnet haben.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der franz&ouml;sische Intellektuelle f&uuml;hrte in dem Interview weiter aus, dass Russland und China eine Bedrohung f&uuml;r &bdquo;die amerikanische W&auml;hrungs- und Finanzkontrolle der Welt&ldquo; darstellen, indem sie sich der vollen Wucht der westlichen Sanktionen widersetzen.<\/p><p>Dies wiederum stelle den Status der USA als Emittent der Weltreservew&auml;hrung infrage, der es ihnen erm&ouml;gliche, ein &bdquo;riesiges Handelsdefizit&ldquo; aufrechtzuerhalten:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn die russische Wirtschaft den Sanktionen auf unbestimmte Zeit widersteht und es schafft, die europ&auml;ische Wirtschaft zu ersch&ouml;pfen, w&auml;hrend sie selbst, unterst&uuml;tzt von China, bestehen bleibt, w&uuml;rde die amerikanische W&auml;hrungs- und Finanzkontrolle der Welt zusammenbrechen, und damit auch die M&ouml;glichkeit der Vereinigten Staaten, ihr riesiges Handelsdefizit umsonst zu finanzieren.<\/p>\n<p>Dieser Krieg ist also f&uuml;r die Vereinigten Staaten existenziell geworden. Genauso wenig wie Russland k&ouml;nnen sie sich aus dem Konflikt zur&uuml;ckziehen, sie k&ouml;nnen nicht loslassen. Deshalb befinden wir uns jetzt in einem endlosen Krieg, in einer Konfrontation, deren Ergebnis der Zusammenbruch des einen oder des anderen sein muss.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Todd warnte, dass, w&auml;hrend die Vereinigten Staaten in weiten Teilen der Welt schw&auml;cher werden, ihr &bdquo;imperiales System&ldquo; &bdquo;seinen Einfluss auf seine urspr&uuml;nglichen Protektorate verst&auml;rkt&ldquo;: Europa und Japan.<\/p><p>Er erkl&auml;rte:<\/p><blockquote><p>&bdquo;&Uuml;berall sehen wir die Schw&auml;chung der Vereinigten Staaten, aber nicht in Europa und Japan, denn eine der Auswirkungen des R&uuml;ckzugs des imperialen Systems ist, dass die Vereinigten Staaten ihren Einfluss auf ihre urspr&uuml;nglichen Protektorate verst&auml;rken.<\/p>\n<p>Wenn wir [Zbigniew] Brzezinski (The Grand Chessboard) lesen, sehen wir, dass das amerikanische Imperium am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Eroberung Deutschlands und Japans entstanden ist, die heute noch Protektorate sind. In dem Ma&szlig;e, wie das amerikanische System schrumpft, lastet es immer schwerer auf den lokalen Eliten der Protektorate (und ich schlie&szlig;e hier ganz Europa ein).<\/p>\n<p>Die ersten, die ihre nationale Autonomie verlieren, werden die Engl&auml;nder und die Australier sein (oder sind es bereits). Das Internet hat in der Anglosph&auml;re eine so intensive menschliche Interaktion mit den Vereinigten Staaten bewirkt, dass deren akademische, mediale und k&uuml;nstlerische Eliten sozusagen annektiert sind. Auf dem europ&auml;ischen Kontinent sind wir durch unsere Landessprachen einigerma&szlig;en gesch&uuml;tzt, aber der R&uuml;ckgang unserer Autonomie ist betr&auml;chtlich, und zwar schnell.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Als Beispiel f&uuml;r einen Moment in der j&uuml;ngeren Geschichte, in dem Europa unabh&auml;ngiger war, wies Todd darauf hin: &bdquo;Erinnern wir uns an den Irak-Krieg, als Chirac, Schr&ouml;der und Putin gemeinsame Pressekonferenzen gegen den Krieg abhielten&ldquo; &ndash; und bezog sich dabei auf die ehemaligen Staatsoberh&auml;upter von Frankreich (Jacques Chirac) und Deutschland (Gerhard Schr&ouml;der).<\/p><p>Der Interviewer der Zeitung Le Figaro, Alexandre Devecchio, konterte Todd mit der Frage: &bdquo;Viele Beobachter weisen darauf hin, dass Russland das BIP von Spanien hat. &Uuml;bersch&auml;tzen Sie da nicht seine Wirtschaftskraft und Widerstandsf&auml;higkeit?&ldquo;<\/p><p>Todd kritisierte den &uuml;berm&auml;&szlig;igen R&uuml;ckgriff auf das BIP als Ma&szlig;stab und bezeichnete es als &bdquo;fiktives Produktionsma&szlig;&ldquo;, das die wirklichen Produktivkr&auml;fte in einer Volkswirtschaft verschleiert:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Krieg wird zum Test f&uuml;r die politische &Ouml;konomie, er ist der gro&szlig;e Aufdecker. Das BIP Russlands und Wei&szlig;russlands entspricht 3,3 Prozent des westlichen BIP (der USA, der Anglosph&auml;re, Europas, Japans und S&uuml;dkoreas), also praktisch nichts. Man kann sich fragen, wie dieses unbedeutende BIP damit fertig werden und weiterhin Raketen produzieren kann.<\/p>\n<p>Der Grund daf&uuml;r ist, dass das BIP ein fiktives Ma&szlig; f&uuml;r die Produktion ist. Zieht man vom amerikanischen BIP die H&auml;lfte seiner &uuml;berh&ouml;hten Gesundheitsausgaben ab, dann den &bdquo;Reichtum&ldquo;, der durch die T&auml;tigkeit seiner Anw&auml;lte, durch die am st&auml;rksten gef&uuml;llten Gef&auml;ngnisse der Welt und durch eine ganze Wirtschaft mit undefinierten Dienstleistungen produziert wird, einschlie&szlig;lich der &bdquo;Produktion&ldquo; seiner 15- bis 20-tausend Wirtschaftswissenschaftler mit einem Durchschnittsgehalt von 120.000 Dollar, so stellt man fest, dass ein wichtiger Teil dieses BIP Wasserdampf ist.<\/p>\n<p>Der Krieg bringt uns zur&uuml;ck zur realen Wirtschaft, er erlaubt uns zu verstehen, was der wirkliche Reichtum der Nationen ist, die Produktionskapazit&auml;t und damit die F&auml;higkeit zum Krieg.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Todd stellte fest, dass Russland &bdquo;eine echte Anpassungsf&auml;higkeit&ldquo; gezeigt habe. Er f&uuml;hrte dies auf die &bdquo;sehr gro&szlig;e Rolle des Staates&ldquo; in der russischen Wirtschaft zur&uuml;ck, im Gegensatz zum neoliberalen Wirtschaftsmodell der USA:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn wir auf die materiellen Variablen zur&uuml;ckkommen, sehen wir die russische Wirtschaft. Im Jahr 2014 haben wir die ersten wichtigen Sanktionen gegen Russland verh&auml;ngt, aber dann hat es seine Weizenproduktion von 40 auf 90 Millionen Tonnen im Jahr 2020 gesteigert. W&auml;hrenddessen ist die amerikanische Weizenproduktion dank des Neoliberalismus zwischen 1980 und 2020 von 80 auf 40 Millionen Tonnen gesunken.<\/p>\n<p>&hellip;<\/p>\n<p>Russland hat also eine echte Anpassungsf&auml;higkeit. Wenn wir uns &uuml;ber zentralisierte Volkswirtschaften lustig machen wollen, betonen wir ihre Starrheit, und wenn wir den Kapitalismus verherrlichen, loben wir seine Flexibilit&auml;t.<\/p>\n<p>&hellip;<\/p>\n<p>Die russische Wirtschaft ihrerseits hat die Funktionsregeln des Marktes akzeptiert (es ist sogar eine Obsession Putins, sie zu bewahren), allerdings mit einer sehr gro&szlig;en Rolle f&uuml;r den Staat, aber sie bezieht ihre Flexibilit&auml;t auch aus der Ausbildung von Ingenieuren, die industrielle und milit&auml;rische Anpassungen erm&ouml;glichen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dieser Punkt &auml;hnelt dem, was der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson argumentiert hat &ndash; dass, obwohl Moskaus Wirtschaft nicht mehr sozialistisch ist, wie es die der Sowjetunion war, der staatlich gef&uuml;hrte Industriekapitalismus der Russischen F&ouml;deration mit dem finanzialisierten Modell des neoliberalen Kapitalismus kollidiert, das die Vereinigten Staaten versucht haben, der Welt aufzuerlegen.<\/p><p>Titelbild: Volodymyr Vorobiov\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der franz&ouml;sische Historiker Emmanuel Todd geh&ouml;rt seit vielen Jahren zu den profundesten kritischen Stimmen Europas, die den destruktiven Einfluss der USA auf die Welt kritisieren. 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