{"id":92694,"date":"2023-01-19T12:53:23","date_gmt":"2023-01-19T11:53:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92694"},"modified":"2023-01-24T09:22:04","modified_gmt":"2023-01-24T08:22:04","slug":"ein-land-das-solche-helden-braucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92694","title":{"rendered":"Ein Land, das solche \u201eHelden\u201c braucht &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>In der Ukraine hat das neue Jahr wieder mit Ehrungen des Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera begonnen. Dies wird auch gar nicht verheimlicht, es ist Teil eines staatlich verordneten Heroenkults. Die bellizistisch gewordenen Medien im Westen tolerieren das, indem sie lieber wegschauen. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Oberkommandeur der ukrainischen Streitkr&auml;fte verehrt Nazi-Kollaborateur und Antisemiten<\/strong><\/p><p>Gl&uuml;ckwunsch mit Leichen: F&uuml;r den 1. Januar, an dem in der Ukraine nicht nur das neue Jahr, sondern auch der Geburtstag des zum Nationalhelden erkorenen Stepan Bandera gefeiert wird, hat sich dessen Fan-Gemeinde etwas Besonderes ausgedacht.  Sie marschiert diesmal nicht nur durch die Stra&szlig;en, sie stellt auch &ndash; mit Hilfe eines Computer-Bots &ndash; ein aus K&ouml;rpern toter russischer Soldaten arrangiertes Portr&auml;t des Antisemiten, Rassisten, Faschisten und Nazi-Kollaborateurs Bandera ins Netz. Andere Gl&uuml;ckw&uuml;nsche sind weniger makaber, daf&uuml;r aber offiziell: &bdquo;Alles Gute zum Geburtstag. Ruhm der Nation&ldquo;, so twittert etwa der Armeeoffizier Anatoli Stefan auf einem Foto, das den Oberkommandeur der ukrainischen Streitkr&auml;fte, Walerij Saluschnyi, vor einem gemalten Bandera-Portr&auml;t zeigt. Das Foto sei echt, stellen die ukrainefreundlichen Fact-Finder von Correctiv z&auml;hneknirschend fest. <\/p><p>Das Bandera-Erbe sei als Handlungsanweisung zu verstehen, so zitiert am 2. Januar die israelische Zeitung &bdquo;Haaretz&ldquo; (und warum eigentlich sonst kaum jemand?) aus dem Twitter-Account des ukrainischen Parlaments. Der Oberkommandeur Saluschnyi sei sich dessen sehr bewusst. Dieses Parlament erkl&auml;rt auch, dass &bdquo;der komplette und totale Sieg des ukrainischen Nationalismus&ldquo; dann feststehe, &bdquo;wenn das russische Reich aufgeh&ouml;rt hat zu existieren&ldquo;. Haaretz erinnert allerdings an Israels fr&uuml;heren Pr&auml;sidenten Reuven Rivlin und an den jetzigen Isaac Herzog, die davor warnen, Antisemiten und Nazikollaborateure zu &bdquo;glorifizieren&ldquo;, es sei an der Zeit, dass die Ukraine sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetze.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230119-Bild_1_Bandera.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Shutterstock \/ Oleksandr Polonskyi<\/p><p><strong>Deutsche Jungliberale mit Fascho-Gru&szlig;<\/strong><\/p><p>Und weiter hinein ins neue Jahr: Beim Dreik&ouml;nigstreffen der FDP am 6. Januar posieren die Jungen Liberalen mit d&uuml;mmlich-stolzem Konfirmandenl&auml;cheln vor der Stuttgarter Oper und halten ukrainische Flaggen hoch. Auf denen steht, als h&auml;tte sich die  Jungschar von Orwells &bdquo;1984&ldquo; und dessen Doublespeak-Slogans  (&bdquo;Krieg ist Frieden&ldquo;) inspirieren lassen: &bdquo;Krieg beenden, Panzer senden!&ldquo; Alternativ steht auf den Fahnen der sendungsbewussten Jungliberalen &bdquo;Slawa Ukrajini&ldquo;, ein inzwischen nicht nur von ukrainischen Ultranationalisten, sondern auch von deutschen Politikern benutzter Gru&szlig;, zu dem der Journalist Denis Trubetskoy schon 2018 konstatiert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zwar stammt ,Ruhm der Ukraine&lsquo; schon aus der Zeit des Unabh&auml;ngigkeitskampfes 1917\/18. Besonders assoziiert wird die Formel, besonders in der Variante mit der ,Helden&lsquo;-Antwort, aber mit der ,Organisation Ukrainischer Nationalisten&lsquo;, kurz OUN um Stepan Bandera.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Deutscher Regierungsdiskurs: Ukraine verteidigt unsere Freiheit und Demokratie <\/strong><\/p><p>In der heutigen Ukraine jedoch werden laut Baerbock, Habeck, Hofreiter, von der Leyen, Strack-Zimmermann und Co. Freiheit und Demokratie verteidigt. Es werden dort also keine Faschisten als Vorbilder und Nationalhelden gepriesen, auch keine Oppositionsparteien verboten, auch nicht deren Chefs verhaftet, auch keine Gewerkschaftsrechte beschnitten, auch keine Minderheiten drangsaliert, auch keine Medien zensiert oder verboten? Und schon gar nicht gibt es dort eine mit dem ukrainischen Innenministerium und dem Geheimdienst im Bund stehende Internet-Denunziationsseite namens &bdquo;Mirotworez&ldquo;, die Namen und Adressen von Oppositionellen und angeblichen Russenfreunden ver&ouml;ffentlicht? Dass der in Gro&szlig;britannien erstellte &bdquo;Democracy Index&ldquo; die Ukraine nicht als Demokratie einstuft, sondern als &bdquo;Hybrides Regime&ldquo;, muss also ein Irrtum sein. Denn hybride Regime sind definiert durch Wahlf&auml;lschungen, durch Regierungen, die Druck auf die Opposition aus&uuml;ben, die keine unabh&auml;ngige Justiz haben, die weitgehend korrupt sind, die die Medien bedr&auml;ngen &ndash; und so weiter und so fort.  <\/p><p><strong>Ethnische S&auml;uberung als Grundverst&auml;ndnis der OUN<\/strong><\/p><p>Kleiner Einschub zur Erinnerung an die Untaten Banderas und seiner OUN, von denen bei uns kaum jemand wei&szlig; oder wissen will: Der Historiker Grzegorz Rossoli&#324;ski-Liebe etwa schreibt: &bdquo;Allen OUN-Mitgliedern war seit Mitte der 1930er Jahre klar, dass die F&uuml;hrung von ihnen erwartet, bei einer passenden Begebenheit &ndash; wie zum Beispiel einem Krieg &ndash; die Ukraine ethnisch zu s&auml;ubern. Als Methoden wurden Vertreibung und Massenmord verstanden und viele Nationalisten waren bereit, entsprechend zu handeln &hellip; die Zusammenarbeit im Holocaust funktionierte einwandfrei. OUN-Mitlieder schlossen sich der ukrainischen Polizei im Distrikt Galizien und Wolhynien an. Sie und ebenso viele ,gew&ouml;hnliche&lsquo; Ukrainer halfen den deutschen Besatzern, 800.000 Juden in der Westukraine zu ermorden. Der OUN kam das entgegen, weil es ein Teil ihres Plans war, die Ukraine in ein ethnisch-homogenes Land zu verwandeln&hellip; Auf diese Weise wurde die Westukraine Ende 1944 zu einem &uuml;berwiegend ethnisch-homogenen Gebiet. Die meisten Juden waren ermordet und Polen entweder ermordet oder vertrieben&hellip;&ldquo; In der Ukraine steht Kritik an Bandera und der OUN seit 2015 unter Strafe.<\/p><p>Es ist geradezu obsz&ouml;n, wenn die heutige Ukraine sich wegen russischer Angriffe so besorgt um die Gedenkst&auml;tte Babi Jar zeigt, sich selber bei der Judenvernichtung &bdquo;nur&ldquo; als Opfer sieht &ndash; und gleichzeitig die Mitt&auml;ter feiert. Der schwedische Historiker Per Anders Ruding formuliert es 2017 in einem Interview noch moderat: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist auch ein politisches Thema, wenn zum Beispiel das ukrainische Erinnerungsinstitut (,memory institute&ldquo;) beschlie&szlig;t, ein die OUN glorifizierendes Denkmal am Ort des gr&ouml;&szlig;ten Holocaust-Einzelmassakers zu errichten, an dem, in aller Wahrscheinlichkeit, OUN-Paramilit&auml;rs unter den T&auml;tern dieser Grausamkeiten waren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In der Ukraine aber werden OUN-&bdquo;Helden&ldquo; schon lange geehrt, vor allem nat&uuml;rlich Stepan Bandera, nach dem Stra&szlig;en und Pl&auml;tze umbenannt und f&uuml;r den Statuen aufgestellt werden. Die Statue in Lviv respektive Lemberg, Hochburg des &bdquo;Helden&ldquo;-Kults und Banderas Geburtsstadt &ndash; in deren Zitadelle die Nazis 140.000 russische Kriegsgefangene verhungern lie&szlig;en &ndash; diese Statue ist sieben Meter hoch. Im vergangenen Jahr beteiligte sich die Ukraine an der Venedig Kunst-Biennale mit einer durch Sands&auml;cke gesch&uuml;tzten Statue. Ob sich unter dieser H&uuml;lle auch Stepan Bandera verbarg?<\/p><p><strong>Der B&ouml;se ist immer der Russe<\/strong><\/p><p>In deutschen Medien sind Bandera-Statuen kaum zu sehen. Aber an der Lemberger Benennung einer Bandera-Stra&szlig;e haben sich, so schreibt Telepolis am 28.2.2019, auch deutsche St&auml;dte solidarisch beteiligt. Die Stadt Leipzig etwa, so hei&szlig;t es da, &bdquo;will in der dortigen ,B&uuml;rgerbeteiligung&lsquo; zur Bandera-Stra&szlig;e sogar eine ,wesentliche Qualit&auml;t demokratisch verfasster Gesellschaft erkennen&ldquo;. Telepolis zufolge sieht der St&auml;dtepartner Freiburg im Breisgau &bdquo;die laut Oberb&uuml;rgermeister Martin Horn ,hin und wieder negativen Entwicklungen&lsquo; in Lemberg entsprechend gelassen&ldquo;. Er kann immer noch gelassen sein, weil &uuml;ber b&ouml;se ukrainische Sachen bei uns selten berichtet wird. Der B&ouml;se ist immer der Russe. Glenn Greenwald, ma&szlig;geblich an der Ver&ouml;ffentlichung der Snowden-Enth&uuml;llungen zur NSA beteiligter Journalist, konstatiert im April 2022 in Bezug  auf die westliche Ukraine-Berichterstattung: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man kann so viele L&uuml;gen und so viel Desinformation verbreiten, wie man will, vorausgesetzt, sie sind dazu da, die Nato-Agenda f&uuml;r die Ukraine voranzubringen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Exkurs<\/strong><\/p><p>Die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung ver&ouml;ffentlichte am 20.2.2014, also an jenem Tag, an dem auf dem Majdan in Kiew Dutzende von Menschen von Scharfsch&uuml;tzen ermordet wurden (und nur drei Tage vor dem Machtwechsel!), den Aufruf einer &bdquo;Gruppe von Sozial- und Geisteswissenschaftlern&ldquo;, die sich nach Selbstaussage &bdquo;mit ukrainischer nationaler Identit&auml;t befassen&ldquo;. Die Unterzeichner erweisen sich tats&auml;chlich als Ukraine-Lobbyisten, sie wissen wohl, dass das rechte Lager die Proteste dominiert und am besetzten Rathaus Bandera-Portr&auml;ts prangen. Aber gerade deshalb wollen sie westliche Medien darauf einschw&ouml;ren, nicht mehr Journalismus, sondern Propaganda zu betreiben. Sie raten also &bdquo;Kommentatoren, etwa solche aus dem linken Spektrum, bei ihrer berechtigten Kritik des radikal ethnonationalistischen Lagers im EuroMaidan vorsichtig zu sein, da entsprechende Texte leicht von Moskaus ,Polittechnologen&lsquo; instrumentalisiert werden k&ouml;nnen, um Putins geopolitische Projekte umzusetzen&ldquo;. Die Unterzeichner haben auch schon im Voraus Verst&auml;ndnis f&uuml;r m&ouml;rderische Mittel: &bdquo;Angesichts der angewachsenen Regierungsgewalt, welche als Staatsterror gegen die ukrainische Bev&ouml;lkerung bezeichnet werden kann, halten mehr und mehr einfache Ukrainer wie auch Kiewer Intellektuelle friedlichen Widerstand f&uuml;r inzwischen wirkungslos&hellip;&ldquo;<\/p><p>F&uuml;r die mehr als hundert Erschossenen macht die neue Regierung damals sofort die alte verantwortlich und erkl&auml;rt sie zu &bdquo;M&auml;rtyrern&ldquo;. In einer 2015 erstellten und immer wieder erg&auml;nzten <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/8776021\/The_Snipers_Massacre_on_the_Maidan_in_Ukraine\">Studie zu den Majdan-Vorg&auml;ngen<\/a> jedoch  &ndash; es geht unter anderem um Schusswinkel, Eintrittswunden und Munition &ndash; verwirft Ivan Katchanovski von der Universit&auml;t Ottawa diese Behauptung und kommt zu dem Schluss,  &bdquo;&hellip;dass das Massaker eine ,false flag&lsquo;-Operation&ldquo; war, dass die M&ouml;rder &uuml;berwiegend dem rechten Sektor angeh&ouml;rten und dass alles &bdquo;rational geplant wurde und ausgef&uuml;hrt mit dem Ziel, die Regierung zu st&uuml;rzen und die Macht zu &uuml;bernehmen&ldquo;. (Siehe dazu auch das Interview mit dem gefl&uuml;chteten ukrainischen Staatspr&auml;sidenten Nikolai Asarow, das Stefan Korinth 2016 <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Ohne-Hilfe-der-USA-haette-es-keinen-Staatsstreich-gegeben-3492309.html\">f&uuml;r Telepolis f&uuml;hrte<\/a>.) <\/p><p>Das Putschregime entfesselt bald einen Krieg in der russischsprachigen Ostukraine, die diese neue Regierung nicht als solche anerkennen will, und dieses Regime tut dies mit Hilfe von Neo-Nazis und Bandera-Verehrern wie etwa der Asow-Gruppe. &Uuml;ber deren terroristische Aktivit&auml;ten (&bdquo;a white supremacist militia&ldquo;) hat das Time-Magazin noch im Jahr 2021 ausf&uuml;hrlich berichtet. Jetzt aber, und bei uns in Deutschland, betreiben so genannte Ukraine-Experten wie Andreas Umland oder Anton Schechowzow die Reinwaschung von Asow. Schechowzow schreibt in der Zeit (5.5.2022): &bdquo;Das Asow-Regiment ist keine extremistische Organisation&ldquo;. Er spricht von einer &bdquo;Heldengeschichte&ldquo;. Umland und Schechowzow sind Unterzeichner des oben erw&auml;hnten Aufrufs, sie praktizieren in unseren Medien also genau jene Ukraine-Propaganda, die sie auch von anderen erwarten.<\/p><p><strong>Holocaust-Vergleich kein Tabu mehr f&uuml;r deutsche Leitmedien<\/strong><\/p><p>In Israel reagieren Medien und Politik manchmal noch empfindlich, wenn etwa der ukrainische Pr&auml;sident Selenski bei seinem Videoauftritt im Parlament den jetzigen Krieg mit dem Holocaust vergleicht. In Deutschland aber wird auch dieses Tabu gebrochen, wird also die sonst immer wieder angef&uuml;hrte Singularit&auml;t des Holocaust aufgehoben. Putin sei wie Hitler oder wie Hitler und Stalin zugleich, so flott und ma&szlig;los wird in unseren Medien fabuliert. Carolin Emcke etwa berichtet in der SZ vom 9.4.2022 nach einem Besuch in Lemberg\/Lviv, von einem &bdquo;russischen Vernichtungsrausch&ldquo; (von dem sie allerdings nur geh&ouml;rt hat), und sogar die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung erkl&auml;rt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;St&auml;dte wie Mariupol oder Charkiw und deren Umgebung erleben nicht zum ersten Mal einen Vernichtungskrieg. Vor 80 Jahren verw&uuml;stete die Wehrmacht das Land und t&ouml;tete rund ein Viertel der Bev&ouml;lkerung.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Begriff &bdquo;Vernichtungskrieg&ldquo; wurde bisher fast nur f&uuml;r den von einem ungeheuren Ausl&ouml;schungstrieb gepr&auml;gten Nazikrieg im Osten verwendet. Die inflation&auml;re Gleichsetzung dieses Nazi-Kriegs mit dem jetzigen Ukrainekrieg ist nicht nur fahrl&auml;ssig, sie ist bewusste Geschichtsklitterung. Wer auf russischer Seite das absolut B&ouml;se verortet, der will nicht verhandeln.<\/p><p>Einer, der beim tats&auml;chlichen Nazi-Vernichtungskrieg als Generalmajor der Abteilung &bdquo;Deutsche Heere Ost&ldquo; beteiligt war, hei&szlig;t Reinhard Gehlen. In dem gerade ausgestrahlten und in seiner kompromisslosen Sch&auml;rfe fast schon erstaunlichen ARD-Sechsteiler &bdquo;Alte Freunde, neue Feinde&ldquo; (auch in der Mediathek) ist zu sehen, wie dieser Mann im Jahr 1954 mit Unterst&uuml;tzung der Bundesregierung und der US-Dienste die naziverseuchte &bdquo;Organisation Gehlen&ldquo; aufgebaut hat. Diese sabotiert dann alle Bem&uuml;hungen des Verfassungsschutz-Konkurrenten Otto John, der zum Stauffenberg-Kreis geh&ouml;rte, deutsche Nazi- und Kriegsverbrecher aufzusp&uuml;ren. Die &bdquo;Organisation Gehlen&ldquo;, 1956 zum Bundesnachrichtendienst &bdquo;bef&ouml;rdert&ldquo;, spielt eine Schl&uuml;sselrolle im Kalten Krieg und im Kampf des Westens und seiner Geheimdienste gegen den Kommunismus. (Inzwischen bedienen sich deutsche Medien ungeniert bei Verlautbarungen vor allem des britischen Geheimdiensts &ndash; so als w&auml;re ein Geheimdienst eine seri&ouml;se Nachrichtenagentur.)<\/p><p><strong>Bandera, Gehlen und der Bundesnachrichtendienst<\/strong><\/p><p>Und wieder kommt Stepan Bandera ins Spiel, der von 1941 bis 1944 komfortabel als Nazi-Ehrenh&auml;ftling in Sachsenhausen untergebracht war (ein Disput unter Faschisten) und nach dem Krieg, so wie zahlreiche seiner OUN-Kumpane, im Verbund mit westlichen Geheimdiensten gegen den Sowjet-Kommunismus k&auml;mpft. &bdquo;In Deutschland unterst&uuml;tzte der Bundesnachrichtendienst, in dem zahllose ehemalige Nazis aktiv waren, die im Exil lebenden Nationalisten bei ihren antisowjetischen Aktionen&ldquo;, so schreiben Konrad Kreft und Clara Weiss auf der World Socialist Website. Und sie fahren fort: &bdquo;In M&uuml;nchen, dem Sitz des BND, entstand nach dem Krieg ein ukrainisches Emigrationszentrum, das Propagandaliteratur verbreitete. Auch Bandera und Stezko (RKo: Jaroslaw Stezko war Banderas Stellvertreter), die beiden wichtigsten OUN-B-F&uuml;hrer (RKo: das B steht f&uuml;r Bandera), lebten dort unter falschem Namen. Im Oktober 1959 wurde Bandera vom sowjetischen Geheimdienst KGB in M&uuml;nchen aufgesp&uuml;rt und ermordet. Stezko lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1986 als Exilf&uuml;hrer der OUN-B in der s&uuml;ddeutschen Stadt.&ldquo;<\/p><p>Am Grab Banderas in M&uuml;nchen versammeln sich seit langem ukrainische Ultranationalisten und Neonazis. Unter ihnen Andreij Melnyk, bis zum Oktober 2022 ukrainischer Botschafter in Deutschland, der in einem Interview erkl&auml;rte, es g&auml;be keine Beweise f&uuml;r die Beteiligung der OUN am Massenmord an Juden und Polen, auch habe Bandera nicht mit den Nazis zusammengearbeitet. Das ukrainische Au&szlig;enministerium distanzierte sich danach ein bisschen und zog Melnyk aus Deutschland ab, inzwischen ist er zum Vizeau&szlig;enminister der Ukraine bef&ouml;rdert worden und in Deutschland immer noch ein begehrter Interviewpartner. Im September 2022 twittert dieser Faschistenfreund: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir brauchen dringend Leoparden, Marder, F&uuml;chse, Dingos &amp; Fenneks, um Russlands Horden in die H&ouml;lle zu schicken.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und im Dezember darf Melnyk in der Stuttgarter Zeitung seine Weihnachtsw&uuml;nsche ver&ouml;ffentlichen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es m&uuml;ssen noch sehr viele Tabus gebrochen werden. Wir brauchen dringend westliche Panzer, Kampfjets, Kriegsschiffe, Mehrfachraketenwerfer. Munition. Das ist mein einziger Wunsch an das Christkind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Den Erzfeind besiegen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Womit wir wieder im neuen Jahr sind: Am 7. Januar publiziert Newsweek ein Interview mit dem ukrainischen UK-Botschafter Vadym Prystaiko. Er besteht auf der R&uuml;ckeroberung des gesamten Territoriums, inklusive der Krim. &bdquo;Der Westen hat jetzt eine einzigartige Chance&ldquo;, so Prystaiko, und er sondert einen Satz ab, auf den auch Melnyk und Bandera stolz sein k&ouml;nnten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es gibt nicht viele Nationen in der Welt, die sich erlauben w&uuml;rden, so viele Leben zu opfern, so viel Land und so viele Jahrzehnte der Entwicklung, um den Erzfeind zu besiegen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Am 15. Januar sekundiert ihm auf t-online der sich sonst so kindlich-naiv gebende Wladimir Kaminer, er lobt die ukrainische Bev&ouml;lkerung, die bereit sei, f&uuml;r das Land ihr Leben zu riskieren, lobt auch das Milit&auml;r und stellt begeistert fest: &bdquo;Diese Armee hat bereits Blut geleckt&hellip;&ldquo;<\/p><p><strong>Kindgerecht erkl&auml;rt: Was sind eigentlich Sch&uuml;tzenpanzer?<\/strong><\/p><p>Doch auch in diesen Zeiten, in denen jeder Anflug von Pazifismus (der nur im Frieden erlaubt scheint!) brachial abgeschossen wird, in diesen Zeiten, in denen der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an einen ukrainischen Schriftsteller nicht trotz, sondern eher wegen dessen Bezeichnung aller Russen als &bdquo;Abschaum&ldquo; und &bdquo;Unrat&ldquo; vergeben wird, auch in diesen Zeiten m&uuml;ssen die ganz jungen Menschen, damit sie eigene Kriegserkl&auml;rungen in die Welt setzen k&ouml;nnen, von unseren Medien erst &uuml;ber die relevanten Handwerkszeuge aufgekl&auml;rt werden. Die Stuttgarter Zeitung marschiert am 13. Januar auf ihrer Kinderseite mit gutem Beispiel voran. Der Pinguin-Reporter Paul beantwortet unter der in kunterbunten Buchstaben gedruckten Rubrik &bdquo;kinderleicht&ldquo; die Frage: &bdquo;Was sind eigentlich Sch&uuml;tzenpanzer?&ldquo; Die n&auml;chsten &bdquo;kinderleichten&ldquo; Fragen k&ouml;nnten lauten: Was ist eigentlich ein Kampfpanzer? Und schlie&szlig;lich: Was ist eigentlich ein Atomsprengkopf?<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ DVKi<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86230\">V&ouml;lkerkunde mit Anna Kupriy bei der Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung: Die Russen sind faul, die Ukrainer flei&szlig;ig<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85208\">Faktencheck zu Unterrichtsmaterialien der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung zum Ukraine-Krieg: Tendenzi&ouml;se Sprache und nachweislich falsche &bdquo;Fakten&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85554\">Ein Botschafter, der einen Faschisten als Vorbild hat &ndash; Andrij Melnyk, Stepan Bandera und deutsche Kriegstreiber<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/acb887dcabf847e19fc56c9288813bcd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Ukraine hat das neue Jahr wieder mit Ehrungen des Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera begonnen. 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