{"id":92717,"date":"2023-01-23T09:10:04","date_gmt":"2023-01-23T08:10:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92717"},"modified":"2023-01-23T10:37:56","modified_gmt":"2023-01-23T09:37:56","slug":"corona-grenzueberschreitungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92717","title":{"rendered":"Corona-Grenz\u00fcberschreitungen"},"content":{"rendered":"<p>Claudius Loga, Facharzt f&uuml;r Allgemeinmedizin, hat einen Bericht &uuml;ber seine &bdquo;Erfahrungen im Praxisalltag eines Hausarztes&ldquo; geschrieben und den NachDenkSeiten zur Verf&uuml;gung gestellt. Wir ver&ouml;ffentlichen diesen interessanten Bericht einschlie&szlig;lich des Anschreibens an die NachDenkSeiten-Redaktion. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nLiebe Nachdenkseiten-Redaktion,<\/p><p>Danke f&uuml;r 3 Jahre kritische Analyse und Hintergrundinformationen zur Coronakrise! Die Nachdenkseiten waren f&uuml;r mich st&auml;ndiger Begleiter und Mutmacher in dieser schwierigen Zeit.<\/p><p>Als Hausarzt habe ich in diesen 3 Jahren in unserer Praxis mit sehr vielen Menschen gesprochen, die unter den Grundrechtseingriffen und ihren Folgen leiden mussten. Dabei wurde mir schnell klar, dass gerade die verletzlichen, kranken oder traumatisierten Menschen diejenigen waren, die gesundheitliche Folgen durch die Ma&szlig;nahmen &ndash; die ja eigentlich dem Gesundheitsschutz dienen sollten &ndash; davontrugen. Sie erlebten Verletzungen ihrer pers&ouml;nlichen Grenzen, die eigentlich durch das Grundgesetz gesch&uuml;tzt sein m&uuml;ssten. &nbsp;Der pers&ouml;nlichen Raum, die Autonomie und Teilhabe dieser Menschen am gesellschaftlichen Leben wurden massiv eingeschr&auml;nkt, Dies habe ich pers&ouml;nlich als schwere, noch nie dagewesene Grenz&uuml;berschreitung des Staates gegen&uuml;ber dem einzelnen Menschen erlebt.<\/p><p>In der Anlage mein Erfahrungsbericht, den Sie gerne in den Nachdenkseiten ver&ouml;ffentlichen d&uuml;rfen.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nClaudius Loga, Facharzt f&uuml;r Allgemeinmedizin im linken &ldquo;praxiskollektiv&rdquo; in Berlin-Kreuzberg<\/p><p><strong>Corona-Grenz&uuml;berschreitungen <\/strong><\/p><p>Pandemische Erfahrungen im Praxisalltag eines Hausarztes<\/p><p>Der Entzug von Grundrechten dient nicht dem Gesundheitsschutz: Er nimmt vielen schw&auml;cheren und verletzlichen, kranken oder traumatisierten Menschen den Schutz ihres pers&ouml;nlichen Raumes und ihre Autonomie sowie die gesellschaftliche Teilhabe.<\/p><p><strong>Ein Erfahrungsbericht<\/strong><\/p><p>Jeder Mensch hat seine Grenzen. Als Hausarzt mit langj&auml;hriger Berufserfahrung habe ich gelernt, wie wichtig der &bdquo;eigene, gesch&uuml;tzte Raum&ldquo; f&uuml;r jede Patientin, f&uuml;r jeden Patienten, die und der zu meinen KollegInnen und mir in die Sprechstunde kommt, ist. Der Praxisalltag zeigt immer wieder, dass Menschen krank werden, deren &auml;u&szlig;ere Grenzen gebrochen wurden, die von au&szlig;en unter Druck gesetzt, verletzt und missbraucht werden und wurden, denen der Verlust von Wohnraum oder Arbeitsplatz droht, denen &bdquo;ihr Raum genommen&ldquo; wird, die keine Perspektive und keine Entfaltungsm&ouml;glichkeiten haben. Einige meiner PatientInnen sind auch auf der Flucht vor pers&ouml;nlichen Grenz&uuml;berschreitungen, vor dem Eingesperrtwerden, vor dem Verlust ihrer k&ouml;rperlichen und seelischen Unversehrtheit durch z.B. staatliche Gewalt &uuml;ber geschlossene Grenzen hinweg in unser Land gekommen, weil sie den Schutz ihrer Grenzen in Form von Asyl in Anspruch nehmen m&ouml;chten. Unser demokratisches System garantiert diesen Schutz im Grundgesetz.<\/p><p>Ein Teil der Behandlung in unserer Praxis besteht darin, allen Menschen f&uuml;r kurze Zeit einen gesch&uuml;tzten Raum zu garantieren, in dem sie frei und sicher vor jeder Form von Bedrohung sein k&ouml;nnen.<\/p><p>&bdquo;Es gibt Grenzen!&ldquo;<\/p><p>So hei&szlig;t es in Dota Kehrs Lied &bdquo;Grenzen&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich schlie&szlig;e die T&uuml;r und genie&szlig;e die Stille<\/p>\n<p>Ich grenze mich ab, das muss sein<\/p>\n<p>Jeder hat seine Grenze die ihn umgibt<\/p>\n<p>Sie schlie&szlig;t ihn sch&uuml;tzend ein<\/p>\n<p>Jeder &Uuml;bergriff jeder Schlag<\/p>\n<p>Verletzt ein Menschenrecht<\/p>\n<p>Warum sch&uuml;tzt man die Grenzen der Staaten so gut und die Grenzen der<\/p>\n<p>Menschen so schlecht?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Jeder Mensch hat eine &auml;u&szlig;ere Grenze. Die Oberfl&auml;che seiner Haut, aber auch die Oberfl&auml;chen der Atemwege und der Darmschleimhaut sind die Fl&auml;chen, mit denen der Mensch mit seiner Umwelt in Kontakt tritt. Das, was von au&szlig;en an Reizen, Mikroorganismen und Stoffen auf die K&ouml;rperoberfl&auml;che trifft, wird von einem hochspezialisierten System analysiert und l&ouml;st verschiedene Reaktionen des Nerven- und Immunsystems aus, die dem Schutz des Organismus vor krankmachenden Reizen dienen. Die Gesunderhaltung des menschlichen Organismus ist also ein hochkomplexes Geschehen, das Entstehen einer Krankheit nicht allein von einer einzigen eindringenden Erregerart, z.B. einem Virus abh&auml;ngig.<\/p><p>Die Widerstandskraft eines Individuums h&auml;ngt auch von dem Schutz der &auml;u&szlig;eren Grenzen seines pers&ouml;nlichen Lebensraums ab. Jeder Mensch braucht einen Raum zum Wohnen, aber auch Bewegungsraum, Raum mit der M&ouml;glichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, R&auml;ume f&uuml;r Kontakt, Kultur und Kreativit&auml;t. Auch R&auml;ume f&uuml;r die M&ouml;glichkeit zu freier politischer Meinungs&auml;u&szlig;erung und religi&ouml;ser Gemeinschaft geh&ouml;ren dazu. Der Schutz der Grenzen dieser R&auml;ume dient sowohl der Gesundheit einzelner Menschen als auch der Gesunderhaltung der gesamten demokratischen Gesellschaft. Der Staat garantiert diesen Schutz durch die im Grundgesetz festgeschriebenen Grundrechte, auch gegen Eingriffe durch den Staat selbst.<\/p><p>Die Grundrechte auf Freiheit der Person, der Bewegungsfreiheit, des menschlichen Kontakts, der Kommunikation und Teilhabe, auf Bildung, das Grundrecht, sich selbst seinen Lebensunterhalt verdienen zu k&ouml;nnen, auf k&ouml;rperliche Unversehrtheit, auf Unverletzlichkeit der Wohnung, das Demonstrationsrecht sowie das Recht auf Leben und auf ein Sterben in W&uuml;rde sollten die Autonomie und den Schutz des einzelnen Menschen vor staatlichem Zugriff gerade in Krisenzeiten gew&auml;hrleisten. Zwischen diesen Rechten muss in einer Demokratie st&auml;ndig ein Abw&auml;gungsprozess getroffen werden. Das Aussetzen von vielen Grundrechten zugunsten eines einzigen &ndash; also z.B. dem vermeintlichen Schutz von Leben &ndash; ist mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.<\/p><p><strong>Mangelnde Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit<\/strong><\/p><p>Mit dem Beginn der sogenannten Corona-Ma&szlig;nahmen, die ab M&auml;rz 2020 der Eind&auml;mmung der Ausbreitung von Sars-CoV-2-Infektionen dienen sollten, wurden Grundrechte auf unangetastete Freir&auml;ume eines jeden Menschen &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum in erheblichem Ausma&szlig; eingeschr&auml;nkt. F&uuml;r die meisten dieser staatlich verordneten Einschr&auml;nkungen bestand bis dahin keine wissenschaftliche Evidenz in Bezug auf die Verhinderung der epidemischen Ausbreitung einer Atemwegsinfektion. Dazu geh&ouml;ren die Kontaktbeschr&auml;nkungen, die Lockdowns mit Ausgangssperren, Gesch&auml;fts-, Universit&auml;ts-, Kita- und Schulschlie&szlig;ungen, das Verbot von Veranstaltungen von Sport und Kultur, von Demonstrationen und der Nutzung von &ouml;ffentlichen Verkehrsmitteln, das Abriegeln von Spielpl&auml;tzen, der Maskenzwang und anderes mehr. Zu diesen &bdquo;pr&auml;ventiven Interventionen&ldquo;, die die Grundrechte massiv beschnitten, gibt es zum gr&ouml;&szlig;ten Teil bis heute zwar eine Menge wissenschaftlicher Studien, aber keinen echten Wirksamkeitsnachweis. Im Gegenteil, der Schaden, der durch Lockdowns, Kita- und Schulschlie&szlig;ungen angerichtet wurde, ist &ndash; so das Ergebnis vieler Studien &ndash; gr&ouml;&szlig;er als der Nutzen.<\/p><p>Die massive F&ouml;rderung von Angst vor dem Corona-Virus durch mediale Berichterstattung &uuml;ber Horrormodellierungen und Politiker im Dauer-Warn-Modus f&uuml;hrte zum verst&auml;rkten Wunsch nach Sicherheit und zur Akzeptanz von grundrechtseinschr&auml;nkenden Ma&szlig;nahmen in der Bev&ouml;lkerung. Die in milit&auml;rischem Stil als &bdquo;Krieg gegen das Virus&ldquo; (Macron) durchgef&uuml;hrten Ma&szlig;nahmen f&uuml;hrten zur Hoffnung, gemeinsam die Wellen brechen und die Pandemie kontrollierbar machen zu k&ouml;nnen. Es wurde die Illusion hervorgerufen, durch gemeinsames solidarisches Gehorchen, durch Unterordnung des Einzelnen unter &bdquo;nun erforderliche Ma&szlig;nahmen&ldquo; die Pandemie in kurzer Zeit beenden zu k&ouml;nnen. Die in der Medizin geltenden Prinzipien der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit, der Nutzen-Risiko-Abw&auml;gungen und des Grundsatzes, durch Interventionen zun&auml;chst erstmal keinen Schaden hervorzurufen, sind bei dieser Erkrankung von der Politik unter dem &ndash; medial verst&auml;rkten &ndash; Druck zu handeln und der scheinbaren Alternativlosigkeit der Ma&szlig;nahmen au&szlig;er Kraft gesetzt worden.<\/p><p><strong>&bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo;: Grenz&uuml;berschreitungen im Praxisalltag<\/strong><\/p><p>In unserer Praxis war bei unseren PatientInnen in den ersten Wochen der Pandemie eine alles umfassende Angst zu sp&uuml;ren, die durch relativierende Aussagen in Bezug auf die SARS-CoV2-Infektionen kaum zu mindern war. Sie wurde verst&auml;rkt durch das Ausrufen des Lockdowns, des &bdquo;Einschlusses&ldquo; in die eigenen vier W&auml;nde und das Verbot des Aufenthalts in &ouml;ffentlichen R&auml;umen. Als Folge spielten sich in den Wohnungen teils dramatische Szenen ab, wenn gro&szlig;e Familien auf kleinstem Raum zusammengepfercht, aber auch wenn Alleinlebende wochenlang keinen Kontakt zur Au&szlig;enwelt hatten. Auch drau&szlig;en wurden enge Grenzen gesetzt: PatientInnen, die z.B. ihre Erkrankungen des Bewegungsapparats, ihren hohen Blutdruck oder Diabetes durch regelm&auml;&szlig;igen Sport und Bewegung regulierten, konnten diesem nicht mehr nachgehen. Die Folge waren Beschwerdeverschlimmerungen und Entgleisungen der Werte, vielfach stellten wir Verschlechterungen des Gesundheitszustandes fest. Einer &uuml;ber 80-j&auml;hrigen Patientin mit einer Lungenerkrankung wurde von der Polizei untersagt, sich auf eine Parkbank zu setzen und zu verschnaufen. Die Kontaktbeschr&auml;nkungen zerst&ouml;rten soziale Zusammenh&auml;nge und f&uuml;hrten zu teils absurden Situationen. Einer Gro&szlig;mutter wurde monatelang von der Tochter verboten, ihre Enkel zu sehen, da sie ja durch diese gef&auml;hrdet sei. Menschen wurden gegen ihren Willen zur &bdquo;Risikogruppe&ldquo; erkl&auml;rt und in Heimen isoliert. Pl&ouml;tzlich wurde gesellschaftlich auch nach &bdquo;N&uuml;tzlichkeit&ldquo; unterschieden: Menschen, die &bdquo;nicht-systemrelevant&ldquo; waren, wurden vom Arbeitsleben ausgegrenzt.<\/p><p>Hinzu kamen Streits und Ausgrenzungen in Familien und zwischen Freunden, Nachbarn und ArbeitskollegInnen wegen unterschiedlicher Auffassungen in Bezug auf die Corona-Ma&szlig;nahmen: Wer die als &bdquo;alternativlos&ldquo; dargestellten, massiven Einschr&auml;nkungen der Grundrechte nicht akzeptieren wollte oder gar dagegen protestierte, wurde als unsolidarisch, als Gef&auml;hrder, Schwurbler, Verschw&ouml;rungstheoretiker oder Rechter bezeichnet und abgekanzelt. Wir erlebten in unserer Sprechstunde viele verzweifelte Menschen, die die Welt nicht mehr verstanden, sich ausgegrenzt f&uuml;hlten und darunter massiv litten. Dies zeigte sich auch in einer massiven Zunahme von psychosomatischen Beschwerden, Schlafst&ouml;rungen und Depressionen. &Auml;hnliche Beschwerden traten auch bei den Jugendlichen und Kindern durch die Abkapselung von ihrer Altersgruppe und den Bewegungsmangel im &bdquo;Homeschooling&ldquo; auf. Die &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; der Eingriffe in die Grundrechte waren und sind bei Kindern und auch bei Erwachsenen weiterhin deutlich im Praxisalltag zu sp&uuml;ren.<\/p><p>Zu neuen Grenzverletzungen kam es durch die Aufhebung des Rechts auf k&ouml;rperliche Unversehrtheit. Die trotz mangelnder Evidenz verh&auml;ngte Maskenpflicht in vielen &ouml;ffentlichen Bereichen und am Arbeitsplatz &ndash; hier ist nicht die Evidenz des kurzzeitigen Tragens einer Maske beim Umgang mit einer infizierten Person gemeint &ndash; f&uuml;hrte bei vielen dazu, sich aus Solidarit&auml;t einem gegen ihren K&ouml;rper gerichteten Zwang unterordnen zu m&uuml;ssen. Ein Recht auf freie, unbehinderte Atmung wurde und wird jedem Menschen, egal wie es ihm damit gesundheitlich geht, abgesprochen. Die PatientInnen berichteten &ndash; je nach Grunderkrankung &ndash; &uuml;ber verschiedenste Beschwerden. Am st&auml;rksten beeintr&auml;chtigt waren nat&uuml;rlich die Menschen mit Atemwegserkrankungen. Hier zeigte sich die Erbarmungslosigkeit und Totalit&auml;t der Ma&szlig;nahmen: Uns wurde in zahlreichen Gespr&auml;chen gerade &uuml;ber Arztpraxen und Krankenh&auml;user berichtet, in denen Menschen trotz heftigster Luftnot eine Maske aufgezwungen oder sie des Hauses verwiesen wurden. Am st&auml;rksten ersch&uuml;ttert hat mich die Geschichte einer 85-J&auml;hrigen, die trotz ihrer Kurzatmigkeit bei einer starken Wirbels&auml;ulen- und Brustkorb-Deformation von ihrem Hausarzt nicht ihre lebenswichtigen Medikamente verordnet bekam, weil sie keine FFP2-Maske tragen konnte. Stark betroffen waren aber auch Menschen mit traumatischen Lebenserfahrungen in der Vergangenheit: Menschen, denen als Opfer von Gewaltanwendung der Mund zugehalten worden war, Menschen, die als Kinder misshandelt wurden, Menschen mit Erfahrungen des Ertrinkens oder Erstickens, aber auch von Folter oder Gef&auml;ngnis. In der Intoleranz des Staates und weiter Teile der Gesellschaft gegen&uuml;ber Individuen, die &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; die f&uuml;r &bdquo;alternativlos&ldquo; gehaltenen Ma&szlig;nahmen nicht befolgen konnten und wollten, zeigte sich die Doppelmoral der sogenannten Solidarit&auml;t.<\/p><p><strong>Ausgrenzung von nicht-geimpften Menschen<\/strong><\/p><p>Zu den st&auml;rksten Grenz&uuml;berschreitungen und Ausgrenzungen von Menschen kam es jedoch im Zusammenhang mit den neu entwickelten Impfstoffen gegen SARS-CoV2. Diese Substanzen arbeiten nicht nach dem klassischen Prinzip eines Antigen-Kontakts mit Ausl&ouml;sung einer Immunantwort des Individuums wie bei herk&ouml;mmlichen Impfungen. Vielmehr wird der gentechnisch hergestellte Bauplan eines Virusteils injiziert und im K&ouml;rper des Geimpften somit das Antigen als Protein selbst hergestellt und verbreitet. Viele Menschen wollten sich diesem Risiko eines noch unbekannten Wirkprinzips nicht unterziehen, zumal niemand vorhersagen konnte, wie sich das Immunsystem gegen&uuml;ber einem selbstproduziertem Fremdeiwei&szlig; verhalten w&uuml;rde. Nach Auswertung der sehr verk&uuml;rzten Zulassungsstudien war auch schnell klar, dass diese Impfstoffe keinen &bdquo;Fremdschutz&ldquo; bieten: Die geimpfte Person kann also weiter andere Menschen anstecken. Sp&auml;testens jetzt h&auml;tte sich also das Argument einer Impfung aus Solidarit&auml;t er&uuml;brigt. Statt die Impfung nur auf Risikogruppen zu beschr&auml;nken, wurde sie aber als Ausweg aus der Pandemie unisono von Medien und Politik propagiert unter Ignoranz der Studienergebnisse. Wer sich nicht impfen lassen wollte, wurde ausgegrenzt und als unsolidarisch gebrandmarkt. Dies wurde in den staatlich verordneten 2G-Regeln festgeschrieben, die einen Teil der Bev&ouml;lkerung ausgrenzten. Auch in der &Auml;rzteschaft wurden diese Diskriminierungen praktiziert und propagiert. Viele PatientInnen, die sich nicht impfen lassen wollten, wurden von &Auml;rztInnen nicht weiterbehandelt oder so massiv unter Druck gesetzt, bis sie sich &ndash; gegen ihren eigenen Willen &ndash; impfen lie&szlig;en. Ungeimpfte sollten sich auch an den Behandlungskosten beteiligen, so ein Vorschlag des Vorstands der KV-Berlin, die damit das solidarische Gesundheitssystem preisgeben wollte.<\/p><p>Durch die institutionelle Impfpflicht wurde dieser Zustand dann noch versch&auml;rft. Viele Krankenschwestern und -pfleger, &Auml;rztInnen, TherapeutInnen, AltenpflegerInnen, Rettungssanit&auml;terInnen, Feuerwehrleute, aber auch z.B. ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen im Gesundheitswesen f&uuml;hlten sich diskriminiert und hatten Angst vor dem Arbeitsplatzverlust. In der durch das Gesetz verpflichtenden Weitergabe von pers&ouml;nlichen Gesundheitsdaten an den Arbeitgeber sahen zudem viele den Datenschutz gef&auml;hrdet und f&uuml;hlten sich ausgeliefert. Zahlreiche Krisengespr&auml;che mussten gef&uuml;hrt werden. Eine Bewohnerin einer Obdachlosenunterkunft, die sich aufgrund einer Autoimmunerkrankung nicht impfen lassen wollte, berichtete, dass sie von der Leitung als &bdquo;Schuldige&ldquo; f&uuml;r die anhaltenden Quarant&auml;nema&szlig;nahmen vor den anderen Heimbewohnern ver&auml;chtlich gemacht wurde. Ein Gro&szlig;teil der Gesellschaft, der Medien, alle Regierungsvertreter und selbst das Bundesverfassungsgericht ignorierten zum einen das Gebot des Grundgesetzes, in dem das Recht auf k&ouml;rperliche Unversehrtheit festgeschrieben ist, zum anderen aber die Tatsache, dass diese Impfung gar keinen Schutz f&uuml;r andere bietet.<\/p><p><strong>Die Ausgrenzungen fielen nicht vom Himmel<\/strong><\/p><p>Woher aber kam das ausgrenzende Verhalten, das meine KollegInnen und ich im Praxisalltag erlebt haben? Die um sich greifende Angst in der Bev&ouml;lkerung ist in meiner Wahrnehmung dadurch, dass relativierende Sichtweisen von vornherein ausgeschlossen wurden, gezielt gesch&uuml;rt worden. Wissenschaftler und Mediziner, die die SARS-CoV-Infektionen und deren Ausbreitung relativierten, also ins Verh&auml;ltnis zu anderen bestehenden Lebensrisiken setzten, die vor der Fokussierung auf PCR-Tests warnten, die die Rolle des Immunsystems betonten oder die mangelnde Evidenz der Ma&szlig;nahmen kritisierten und vor deren Folgen warnten, wurden von Politik und Medien ignoriert, ausgegrenzt, diffamiert. Pl&ouml;tzlich wurde &bdquo;die Wissenschaft&ldquo; wie eine Einheitspartei definiert und alle &bdquo;Abtr&uuml;nnigen&ldquo; aus der Gemeinschaft der Wissenschaftler ausgeschlossen. Dies ist aber wohl kein Zufall: Die Wissenschaft, und dabei insbesondere die Medizin, wurde in den letzten Jahrzehnten immer mehr von Lobbyinteressen eines global agierenden &bdquo;medizinisch-pharmazeutisch-digital-industriellen&ldquo; Komplexes gelenkt und geformt. Hier flie&szlig;en viele Milliarden Dollar von internationalen, durch Industriegelder finanzierten Stiftungen oder im Rahmen von public private partnerships ganz offiziell in Forschungseinrichtungen und nationale und internationale Gesundheitsorganisationen wie die WHO und beeinflussen so die Gesundheitspolitik. Selbst Kontrollorganisationen wie die f&uuml;r die europ&auml;ische Arzneimittelsicherheit zust&auml;ndige EMA werden &ndash; so eine j&uuml;ngst im BMJ erschienene Studie &ndash; von im Jahr 1990 zu 20 Prozent inzwischen zu 89 Prozent von der Pharmaindustrie finanziert. Kapitalistische Gewinninteressen pr&auml;gen heute die Medizin, aber nat&uuml;rlich auch die ganze Gesellschaft wie nie zuvor. Das ganze Gesundheitswesen wird durch die fortschreitende neoliberale Umgestaltung zur Gewinnmaximierung von Kapitalanlegern und zum Nachteil der darin arbeitenden Menschen und der Gesundheit der Bev&ouml;lkerung ausgepresst. Das System ist &bdquo;exklusiv&ldquo; f&uuml;r die, die daran verdienen, die Gesellschaft kann zahlen. Hier beginnt die Ausgrenzung, wo der Staat nicht mehr am Gemeinwohl und die Wissenschaft nicht mehr an verschiedenen Standpunkten und echter Evidenz interessiert ist. Und so wurde die Angst gesch&uuml;rt, vielleicht keines der knappen Intensivbetten mehr zu bekommen und zu ersticken anstatt das Gesundheitssystem auf schon immer vorhandene saisonale &Uuml;berlastungen vorzubereiten und einen menschenw&uuml;rdigen Lohn in der Pflege zu zahlen. Und so wurden neuartige Impfstoffe ohne evidente Datenlage in Rekordzeit und mit risikofreiem Milliardengewinn als alleiniges Heilsversprechen entwickelt, produziert und verkauft. Wer daran nicht glaubte, wurde und wird ausgegrenzt.<\/p><p><strong>Die rote Linie <\/strong><\/p><p>Unsere Gesellschaft ist ein hochkomplexes System, jeder Mensch sollte die Freiheit haben, die eigene Autonomie zu sch&uuml;tzen und seine Grenzen zu setzen, aber auch die Grenzen zu &ouml;ffnen, zu erweitern, hinein in die lebendige Gemeinschaft, den sozialen Raum. Hierin gleicht die demokratische Gesellschaft dem sich selbst regulierenden menschlichen Immunsystem: Es entsteht ein dynamisches Gleichgewicht von innen und au&szlig;en, von Abgrenzung und Anregung. Jede staatliche oder pr&auml;ventivmedizinische Intervention &ndash; und sei sie mit der besten Absicht durchgef&uuml;hrt &ndash; kann dramatische Folgen haben.<\/p><p>Die Grenze, die bei den Eingriffen &uuml;berschritten wurde, ist eine rote Linie in der Demokratie: Die Grundrechte wurden verletzt und damit ein wichtiger Gesundheitsschutz f&uuml;r jeden einzelnen Menschen au&szlig;er Kraft gesetzt. Wunden m&uuml;ssen nun versorgt werden, Narben werden bleiben, gesellschaftliche Aufarbeitung ist dringend notwendig. Und eine zarte, aber stark wirksame Heilpflanze f&uuml;r die Gesellschaft sollte wieder gepflegt werden: der Respekt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Claudius Loga, Facharzt f&uuml;r Allgemeinmedizin, hat einen Bericht &uuml;ber seine &bdquo;Erfahrungen im Praxisalltag eines Hausarztes&ldquo; geschrieben und den NachDenkSeiten zur Verf&uuml;gung gestellt. Wir ver&ouml;ffentlichen diesen interessanten Bericht einschlie&szlig;lich des Anschreibens an die NachDenkSeiten-Redaktion. 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