{"id":929,"date":"2005-11-04T14:31:20","date_gmt":"2005-11-04T12:31:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=929"},"modified":"2016-03-01T10:43:09","modified_gmt":"2016-03-01T09:43:09","slug":"spd-spitze-taumelt-orientierungslos-in-eine-grose-koalition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=929","title":{"rendered":"SPD-Spitze taumelt orientierungslos in eine Gro\u00dfe Koalition"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die SPD-Spitze vor allem im Wahlkampf noch &ouml;fters mal links geblinkt hat, tats&auml;chlich dann aber immer wieder nach rechts abgebogen ist oder bedingungslos dem Schr&ouml;derschen Regierungskurs gefolgt ist, hat die neue SPD-Spitze den Blinker gleich ganz abgeschafft und taumelt orientierungslos in eine Gro&szlig;e Koalition. Sie wirft den linken Fl&uuml;gel ab und nimmt so den Absturz in Kauf.<br>\n<!--more--><br>\nEs ist so gekommen, wie man vorhersagen konnte, Andrea Nahles, hatte die &bdquo;P&ouml;beleien&ldquo; (Spielgel-online) satt und wollte sich auf dem Parteitag nicht auch noch auf die Schlachtbank f&uuml;hren lassen und die linke Galionsfigur Heidemarie Wieczorek-Zeul hat gleichfalls eingesehen, dass sie in Karlsruhe nur noch abgestraft w&uuml;rde. Die &bdquo;Linke&ldquo; in der SPD ist marginalisiert, die &bdquo;Rechte&ldquo; jubelt. Zumindest das hat M&uuml;ntefering mit seinem unangek&uuml;ndigten R&uuml;ckzug jedenfalls erreicht. <\/p><p>Der neue engere Parteivorstand wird zwar etwas j&uuml;nger sein als der alte, bis auf die Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier, Peer Steinbr&uuml;ck (58), Kurt Beck (56) und B&auml;rbel Dieckmann sind nun mit Matthias Platzeck, Ute Vogt und Elke Ferner 40- bis Anfang-50-J&auml;hrige nachger&uuml;ckt. Als Youngster soll Hubertus Heil mit 33 Jahren Generalsekret&auml;r werden. <\/p><p>Die &Auml;lteren kennt man logischer Weise schon etwas l&auml;nger und kann sie einsch&auml;tzen: Man mag Kurt Beck und B&auml;rbel Dieckmann durchaus bescheinigen, dass sie in ihren jeweiligen &Auml;mtern als rheinland-pf&auml;lzischer Ministerpr&auml;sident und als Bonner Oberb&uuml;rgermeisterin durchaus erfolgreich sind. Beide sind jedoch nie damit aufgefallen, dass sie dem fr&uuml;heren Parteivorsitzenden Gerhard Schr&ouml;der oder seinem Nachfolger Franz M&uuml;ntefering, als autorit&auml;rer Exekutor der schr&ouml;derschen Kapriolen in die SPD hinein, in deren Paraden gefahren w&auml;ren. Im Gegenteil, Kurt Beck verstand sich geradezu als die Inkarnation eines Vermittlers. <\/p><p>Peer Steinbr&uuml;ck, der in Nordrhein-Westfalen eine epochale Wahlniederlage eingesteckt hat, war stets daf&uuml;r bekannt, dass er den vorgegebenen Kurs akkurat umsetzte, er hatte sogar seinen Wahlkampf mit der Hauptbotschaft &bdquo;Kurs halten&ldquo; bestritten. Wie seinem Vorg&auml;nger dem &bdquo;eisernen Hans&ldquo; fallen dem designierten Finanzminister nur die drei Hauptbotschaften ein, n&auml;mlich erstens sparen, zweitens sparen und drittens sparen. Das Ergebnis d&uuml;rfte das selbe sein wie bei Hans Eichel, die Sparabsichten werden beim neuen Kassenwart genauso wenig von Sparerfolgen gekr&ouml;nt sein, weil beide eine aktive, expansive Finanzpolitik f&uuml;r &bdquo;&uuml;berholt&ldquo; halten und so die Konjunktur weiter in den Keller reiten. <\/p><p>Mathias Platzeck m&ouml;chte man durchaus zubilligen, dass er kein Vertreter des bisherigen &bdquo;Basta-Stils&ldquo; in der SPD-Spitze ist. In Partei und Presse wird ihm hoch angerechnet, dass er bei den Landtagswahlen 2004 in Brandenburg den Agenda-Kurs Schr&ouml;ders verteidigt und sich gleichzeitig den Sorgen und N&ouml;ten seiner Brandenburger gestellt hat. Er wurde deshalb als personifizierter Beweis hochgespielt, dass man trotz eines standhaften Eintretens f&uuml;r &bdquo;Reformen&ldquo; auch als Sozialdemokrat noch Landtagswahlen gewinnen kann. Schaut man sich allerdings das Wahlergebnis genauer an, so ist dieses Bild genauso gesch&ouml;nt, wie alle &uuml;brigen Wahlniederlagen der SPD bis hin zur Bundestagswahl gesch&ouml;nt wurden. Platzeck hat n&auml;mlich tats&auml;chlich 7,4 % verloren und mit 31,9 % f&uuml;r die SPD ein gemessen an seinem Vorg&auml;nger Stolpe miserables Ergebnis eingefahren. Platzeck ist vielleicht der passende SPD-Parteivorsitzende f&uuml;r Zeiten einer gro&szlig;en Koalition, schlie&szlig;lich kommt er in seiner gro&szlig;en Koalition in Brandenburg sogar mit dem sogar in der CDU als Rechtsau&szlig;en geltenden J&ouml;rg Sch&ouml;nbohm zurecht. <\/p><p>Ute Vogt musste im engeren Vorstand bleiben, weil sie schon drin war, und weil man sie als Landesvorsitzende der baden-w&uuml;rttembergischen SPD als Herausforderin des dortigen CDU-Ministerpr&auml;sidenten vor den im Fr&uuml;hjahr anstehenden Wahlen nicht besch&auml;digen durfte. Ute Vogt hat gleichfalls jede Volte der Regierungspolitik mitgedreht und man hat nie etwas davon geh&ouml;rt, dass sie als Parlamentarische Staatssekret&auml;rin im Ministerium des Innern, gegen&uuml;ber dem &bdquo;eisernen Sheriff&ldquo; Otto Schily einen liberalen Kontrapunkt gesetzt h&auml;tte &ndash; was zugegebenerma&szlig;en bei dem autokratischen Charakter Schilys auch nicht ohne pers&ouml;nliche Verletzungen abgelaufen w&auml;re. Sie hatte sich als &bdquo;Modernisiererin&ldquo; sogar mit ihrem Pl&auml;doyer f&uuml;r Studiengeb&uuml;hren vergaloppiert und trat, als die SPD im Wahlkampf wieder mehr auf Sozialrhetorik achtete und Geb&uuml;hren als unsozial ablehnte, prompt den R&uuml;ckw&auml;rtsritt in die Kolonne an. <\/p><p>Dass j&uuml;ngere Politiker\/innen wie Elke Ferner oder Hubertus Heil nicht so bekannt sind, ist ihnen pers&ouml;nlich nicht vorzuwerfen. Ich hatte zwar registriert, dass Ferner Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) geworden war. Sie hat auch etwas Aufmerksamkeit damit erzielt, dass sie in ihrem Wahlkreis im Saarland mit 33,5% der Stimmen Oskar Lafontaine geschlagen hat. Abers sonst? Man darf und kann jemand nicht vorhalten, dass er j&uuml;nger ist, dass man aber allein schon deshalb f&uuml;r ein h&ouml;chstes Parteiamt vorgeschlagen wird, ist bemerkenswert. <\/p><p>Was bleibt einem &uuml;brig, wenn man jemand nicht kennt: Man googelt. Bei Heil und Ferner findet man dort allerdings au&szlig;er d&uuml;rren Biografien, der Nennung von Parteifunktionen und Mitgliedschaften in parteinahen Verb&auml;nden, Pressemitteilungen von SPD-Gliederungen, Wahlaufrufe, Zwischenrufe in Parlamentsprotokollen, Unterschriften unter Parteitagsantr&auml;gen und Bundestags- und Ausschussprotokollen, Firmen- und Vereinsbesuchen nicht viel. <\/p><p>Heil ist einer der Sprecher der Netzwerker und er soll sich in Telefonschaltkonferenzen f&uuml;r Nahles als Generalsekret&auml;rin eingesetzt haben. Das aber auch wohl eher, weil es eine Absprache zwischen &bdquo;Linken&ldquo; und &bdquo;Netzwerkern&ldquo; gab, dass keine der beiden Gruppierungen &ouml;ffentlich etwas gegen die Nominierung ihrer jeweiligen Favoriten im k&uuml;nftigen Kabinett einwenden w&uuml;rde, so akzeptierte die eine Seite Sigmar Gabriel als Umweltminister und die andere Seite das Verbleiben von Heidemarie Wieczorekt-Zeul auf ihrem Posten als Entwicklungshilfeministerin.<br>\nDen &bdquo;Netzwerkern&ldquo; ging es bei der Kampfkandidatur von Nahles gegen M&uuml;nteferings Vorschlag Wasserh&ouml;vel im wesentlichen nur darum, dass sie ein Zeichen setzen wollten, dass die J&uuml;ngeren endlich einmal ran kommen m&uuml;ssten, bei der Verteilung von Posten und P&ouml;stchen. Dass dabei &ndash; anders als in der Presse &uuml;berwiegend kolportiert keineswegs um einen &bdquo;Linksruck&ldquo; in der SPD ging, bewies Hubertus Heil, sozusagen als Wiedergutmachung an das Parteiestablishment, indem er Wieczorek-Zeul mit aus ihrem Amt und ihrer Kandidatur als stellvertretende Vorsitzende mobbte. Aber halt, eine inhaltliche Aussage von Hubertus Heil lie&szlig; sich finden. Da hat er sich sogar in die Programmdebatte der SPD eingeschaltet und folgende richtungsweisende inhaltliche Aussage gemacht: &bdquo;Es gilt, der Regierungspolitik durch ein zeitgem&auml;&szlig;es sozialdemokratisches Leitbild eine klare Richtung, ein notwendiges Wertefundament zu schaffen.&ldquo; (Berliner Republik 03\/2004) Man muss sich diese Botschaft auf der Zunge zergehen lassen: Das Programm der SPD besteht also darin, der Regierungspolitik ein sozialdemokratisches M&auml;ntelchen &uuml;berzuziehen. Oder: Die Regierung macht die Politik und wir schaffen daf&uuml;r das passende Wertefundament.<\/p><p>Wenn so das &bdquo;politische Profil&ldquo; der SPD in der Gro&szlig;en Koalition geschaffen werden soll, wie jetzt immer wieder gefordert wird, dann viel Erfolg bei den n&auml;chsten Wahlen! Die Linkspartei kann sich die H&auml;nde reiben.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die SPD-Spitze vor allem im Wahlkampf noch &ouml;fters mal links geblinkt hat, tats&auml;chlich dann aber immer wieder nach rechts abgebogen ist oder bedingungslos dem Schr&ouml;derschen Regierungskurs gefolgt ist, hat die neue SPD-Spitze den Blinker gleich ganz abgeschafft und taumelt orientierungslos in eine Gro&szlig;e Koalition. Sie wirft den linken Fl&uuml;gel ab und nimmt so den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=929\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[191,190],"tags":[1260,1253,452,830,359,1723,253],"class_list":["post-929","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spd","category-wahlen","tag-groko","tag-heil-hubertus","tag-linksrutsch","tag-nahles-andrea","tag-parteistroemungen","tag-platzeck-matthias","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/929","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=929"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/929\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31697,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/929\/revisions\/31697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=929"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=929"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=929"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}