{"id":93048,"date":"2023-01-27T09:00:16","date_gmt":"2023-01-27T08:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93048"},"modified":"2023-01-28T13:04:42","modified_gmt":"2023-01-28T12:04:42","slug":"schriftsatz-des-bundesverwaltungsgerichts-belegt-bnd-setzt-journalisten-als-spitzel-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93048","title":{"rendered":"Schriftsatz des Bundesverwaltungsgerichts belegt: BND setzt Journalisten als Spitzel ein"},"content":{"rendered":"<p>Der Bundesnachrichtendienst (BND), der Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland, welcher aus der vom ehemaligen Chef der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) der Wehrmacht, Reinhard Gehlen, gegr&uuml;ndeten Organisation gleichen Namens hervorging, setzt nach wie vor Journalisten als Informanten oder wie es im BND-Fachjargon so sch&ouml;n hei&szlig;t als &bdquo;nachrichtendienstliche Verbindungen (NDV)&ldquo; ein. Dies geht aus einem Schriftsatz des BND an das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hervor. Pikant dabei: Eigentlich hatte das Bundeskanzleramt, dem der BND direkt untersteht, 2006 nach einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Journalisten-Skandal\">Bespitzelungsskandal<\/a> mit sofortiger Wirkung verf&uuml;gt, dass Medienvertreter nicht mehr vom BND als Quellen oder Informanten gef&uuml;hrt werden d&uuml;rfen. Selbst die staatstragende F&uuml;hrung des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) spricht von einem Skandal. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2489\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-93048-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230127_Schriftsatz_des_Bundesverwaltungsgerichts_belegt_BND_setzt_Journalisten_als_Spitzel_ein_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230127_Schriftsatz_des_Bundesverwaltungsgerichts_belegt_BND_setzt_Journalisten_als_Spitzel_ein_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230127_Schriftsatz_des_Bundesverwaltungsgerichts_belegt_BND_setzt_Journalisten_als_Spitzel_ein_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230127_Schriftsatz_des_Bundesverwaltungsgerichts_belegt_BND_setzt_Journalisten_als_Spitzel_ein_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=93048-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230127_Schriftsatz_des_Bundesverwaltungsgerichts_belegt_BND_setzt_Journalisten_als_Spitzel_ein_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230127_Schriftsatz_des_Bundesverwaltungsgerichts_belegt_BND_setzt_Journalisten_als_Spitzel_ein_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine Heranziehung von Vertretern der Medienbranche als NDVen ist auch heute noch m&ouml;glich.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So die lapidare Darlegung des BND in einem Schriftsatz vom 26. April 2022 an das Bundesverwaltungsgericht, der mehreren Medien <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/bnd-journalisten-informanten-nachrichtendienstliche-quellen-medien-pkg-djv-pressekodex-linke\/\">vorliegt<\/a> &ndash; unter anderem auch dem juristischen Fachmagazin <em>LTO.<\/em> Das Schreiben steht im Zusammenhang mit einem presserechtlichen Auskunftsersuchen der BILD-Zeitung (Aktenzeichen BVerwG 20 F 5.22).<\/p><p>Hierbei l&auml;sst insbesondere die Formulierung &bdquo;heute noch m&ouml;glich&ldquo; aufhorchen. Denn 2006 hatte der damalige Regierungssprecher unter Angela Merkel, Ulrich Wilhelm, auf der Bundespressekonferenz am 15. Mai &ouml;ffentlich <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/wirbel-um-aussage-in-bnd-prozess-wirbt-der-geheimdienst-wieder-journalisten-an-82496720.bild.html\">erkl&auml;rt:<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das Bundeskanzleramt hat heute den Bundesnachrichtendienst angewiesen, dass bei operativen Ma&szlig;nahmen seiner Eigensicherung keine Journalisten als Quellen zu f&uuml;hren sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Au&szlig;erdem, so Wilhelm damals weiter, sei der BND angewiesen worden, zu diesem Zweck &bdquo;k&uuml;nftig keine operativen Ma&szlig;nahmen gegen Journalisten durchzuf&uuml;hren&ldquo;.<\/p><p>Damit reagierte das Kanzleramt auf Vorw&uuml;rfe gegen den Auslandsnachrichtendienst der BRD im Zuge der jahrelangen Bespitzelung und Anwerbung von Journalisten. Der Dienst hatte nachweislich bis 2005 Journalisten benutzt, um undichte Stellen bei der Weitergabe geheimer Informationen ausfindig zu machen. Dabei haben einzelne Journalisten im BND-Auftrag und teilweise <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/bespitzelungsaffaere-bnd-darf-journalisten-nicht-mehr-zum-eigenschutz-abschoepfen-1327382.html\">gegen Bezahlung<\/a> auch Informationen &uuml;ber eigene Kollegen geliefert.<\/p><p>Von diesem Verbot will der BND heute scheinbar nichts mehr wissen. Im Gegenteil, der Dienst scheint von einer uneingeschr&auml;nkten Erlaubnis auszugehen, Journalisten als Spitzel und Quellen nutzen zu k&ouml;nnen. Laut LTO verneine der bundesdeutsche Auslandsnachrichtendienst in seinem Schreiben an das Bundesverwaltungsgericht, dass Medienvertreter eine Sonderstellung gegen&uuml;ber anderen Berufsgruppen inne h&auml;tten. In dem fraglichen Schriftsatz hei&szlig;t es dazu im Wortlaut: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Allerdings ist eine Heranziehung von Vertretern der Medienbranche als NDVen auch heute noch m&ouml;glich. Die Methoden in der Quellenf&uuml;hrung unterscheiden sich dar&uuml;ber hinaus nicht ma&szlig;geblich, je nachdem in welcher Branche eine NDV t&auml;tig ist.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Einsch&auml;tzung des BND sorgt sogar beim sonst als sehr staatstragend bekannten Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank &Uuml;berall, der zugleich auch CDU-Mitglied ist, f&uuml;r Emp&ouml;rung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Diese Aussagen sind skandal&ouml;s. Journalistinnen und Journalisten sind keine Spitzel und stehen deshalb dem deutschen Auslandsgeheimdienst auch nicht als Quellen zur Verf&uuml;gung.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Weiter erkl&auml;rt &Uuml;berall gegen&uuml;ber LTO, dass es &bdquo;um nichts weniger als um die Glaubw&uuml;rdigkeit von Journalisten und ihren Medien und um das Redaktionsgeheimnis, das auch der BND zu achten hat&ldquo; ginge. Zudem verweist er in diesem Zusammenhang auf den Pressekodex, welcher Spitzel-T&auml;tigkeit von Journalisten explizit ausschlie&szlig;t. Unter Richtlinie 5.2. des Kodex <a href=\"https:\/\/www.presserat.de\/pressekodex.html\">hei&szlig;t es<\/a> unmissverst&auml;ndlich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nachrichtendienstliche T&auml;tigkeiten von Journalisten und Verlegern sind mit den Pflichten aus dem Berufsgeheimnis und dem Ansehen der Presse nicht vereinbar.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230126-journalist-Screen1.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230126-journalist-Screen1.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die Frage, die sich nun auftut, lautet, ob der BND mit seiner Auffassung wissentlich gegen geltende Weisungen des Kanzleramtes verst&ouml;&szlig;t und welche Konsequenzen daraus resultieren k&ouml;nnten. Doch diesbez&uuml;gliche Presseanfragen beantworten BND und Kanzleramt mit der immergleichen copy\/paste-Antwort: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Bundesnachrichtendienst nimmt zu Angelegenheiten, die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder T&auml;tigkeiten betreffen, grunds&auml;tzlich nicht &ouml;ffentlich Stellung. Damit ist keine Aussage getroffen, ob der Sachverhalt zutreffend ist oder nicht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch, wie unterschiedlich das Agieren des BND von Opposition und Regierungsvertretern beurteilt wird. <\/p><p>W&auml;hrend beispielsweise der Vertreter der Linksfraktion im f&uuml;r die Kontrolle der Nachrichtendienste zust&auml;ndigen Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr), Dr. Andr&eacute; Hahn, das Thema f&uuml;r h&ouml;chstproblematisch h&auml;lt und den Sachverhalt daher schnellstm&ouml;glich auf die Tagesordnung des Gremiums bringen will, <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/bnd-journalisten-informanten-nachrichtendienstliche-quellen-medien-pkg-djv-pressekodex-linke\/\">erkl&auml;rt<\/a> der rechtspolitische Sprecher der Gr&uuml;nen im Bundestag, Helge Limburg, er halte es grunds&auml;tzlich f&uuml;r legitim, dass der BND Im Ausland auch auf Journalisten als Informanten setzt. &bdquo;Befremdlich&ldquo; f&auml;nde der Gr&uuml;nen-Sprecher es lediglich, &bdquo;wenn der Auslandsnachrichtendienst versuchen w&uuml;rde, deutsche Korrespondenten anzuwerben&ldquo;. <\/p><p>Man sieht, die praktizierte Doppelmoral der Gr&uuml;nen in Regierungsverantwortung macht selbst bei der Frage zur Nutzung von Journalisten als Spitzel von deutschen Nachrichtendiensten keinen Halt. Anwerbung von Journalisten beim russischen<em> Kommersant<\/em>, der kubanischen <em>Granma<\/em> oder der franz&ouml;sischen <em>Le Monde diplomatique<\/em> sind nach dieser Logik v&ouml;llig legitim, nicht goutiert wird lediglich, wenn der BND sich dem Korrespondenten der Gr&uuml;nen-nahen <em>taz<\/em> oder der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> zuwenden w&uuml;rde. <\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ bofotolux<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92886\">Erst Pistorius bei Tagesschau hochgejubelt und jetzt sein Sprecher: ARD-Hauptstadt-Korrespondent wird neues Sprachrohr des Verteidigungsministers<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91856\">Ukrainischer Geheimdienst entzieht d&auml;nischer Star-Reporterin die Akkreditierung und bietet Deal an: R&uuml;ckgabe bei ausschlie&szlig;lich positiver Berichterstattung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88286\">Bundeswirtschaftsministerium unter Habeck: Vetternwirtschaft, Klima der Angst und Einsatz des Inlandsgeheimdienstes bei &bdquo;abweichenden Einsch&auml;tzungen&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/16e0a9aae6624b7395c211a527ee2576\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesnachrichtendienst (BND), der Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland, welcher aus der vom ehemaligen Chef der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) der Wehrmacht, Reinhard Gehlen, gegr&uuml;ndeten Organisation gleichen Namens hervorging, setzt nach wie vor Journalisten als Informanten oder wie es im BND-Fachjargon so sch&ouml;n hei&szlig;t als &bdquo;nachrichtendienstliche Verbindungen (NDV)&ldquo; ein. 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