{"id":93241,"date":"2023-01-31T13:00:20","date_gmt":"2023-01-31T12:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93241"},"modified":"2023-01-31T12:12:33","modified_gmt":"2023-01-31T11:12:33","slug":"kommentierte-leserbriefe-zu-hintergrund-denkfehler-dollarhegemonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93241","title":{"rendered":"Kommentierte Leserbriefe zu \u201eHintergrund: Denkfehler Dollarhegemonie\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In seinem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92712\">&bdquo;Hintergrund: Denkfehler Dollarhegemonie&ldquo;<\/a> greift Jens Berger verschiedene auch und gerade in kritischen und alternativen Medien verbreitete Thesen auf, in denen es um einen vermeintlichen Angriff auf den US-Dollar als R&uuml;ckgrat der globalen Hegemonialinteressen der USA geht. Dazu erreichten uns einige Leserbriefe, die jedoch oft weitere popul&auml;re Denkfehler zu makro&ouml;konomischen und finanzwirtschaftlichen Themen enthalten. Daher hat <strong>Jens Berger<\/strong> sich dazu entschlossen, die vorliegende Leserbriefsammlung ausf&uuml;hrlicher als &uuml;blich zu kommentieren.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>sch&ouml;n, dass Sie sich dieses wichtigen Themas angenommen haben. Vermutlich beziehen Sie sich insb. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92632\">auf den Beitrag &uuml;ber Emmanuel Todd in den nachdenkseiten<\/a>.<\/p><p>Ich stimme Ihnen zu, die technische Kontrolle der internationalen Finanzstr&ouml;me hat den USA eine enorme Macht verschafft und auch eine beachtliche Einnahmequelle. Das jetzt in der multidimensionalen Ukraine-Krise als Waffe eingesetzt zu haben, provoziert geradezu Anstrengungen, sich davon unabh&auml;ngig zu machen. In die gleiche Richtung wirkt das Wegwischen der b&uuml;rgerlichen Eigentumsrechte durch USA und EU gegen&uuml;ber verm&ouml;genden russischen Staatsb&uuml;rgern.<\/p><p>Einen entscheidend wichtigen Aspekt einer Transaktionsw&auml;hrung, also z.B. des Dollars, w&uuml;rdigen Sie aber m.E. nicht.<\/p><p>Ich gehe in meinen &Uuml;berlegungen davon aus, dass der Dollar und der ungarische Forint ebenso wie der Euro per Kreditvergabe aus dem Nichts gesch&ouml;pft wird.<\/p><p>Wenn Ungarn ein USA-Produkt kaufen will, dann n&uuml;tzt ihm seine aus dem Nichts gesch&ouml;pften Forints wenig. Es braucht Dollars. Die erh&auml;lt es durch die Lieferungen von Waren oder Dienstleistungen gegen Dollar. Ungarn hat also reale Werte geliefert, bevor es in den USA einkaufen kann.<\/p><p>Die USA (oder auch ein Euro-Staat) als Herrin der Transaktionsw&auml;hrung k&ouml;nnen aber direkt in Ungarn einkaufen unter Verwendung von aus dem Nichts gesch&ouml;pfter Dollars. Das ist ein enormes Privileg.<\/p><p>Warum spielt Ungarn da mit? Weil die eingenommenen Dollars momentan dauerhaft stabile Kaufkraft (fast) &uuml;berall auf der Welt repr&auml;sentieren. Und weil Ungarn keine Bedenken hat, aus machtpolitischen Gr&uuml;nden nicht &uuml;ber seine Dollars auf amerikanischen Banken verf&uuml;gen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Putin hat nach den westlichen Sanktionen darauf bestanden, russisches Gas nur gegen Rubel zu liefern. Denn das bedeutete, die USA mussten erst etwas Reales an Russland gegen Rubel verkaufen, um dann gegen Rubel was Reales von Russland zu bekommen. Das Privileg der Transaktionsw&auml;hrung war damit ausgehebelt.<\/p><p>Soweit die Theorie. Wie das in der Praxis sich dann entwickelt hat, habe ich nicht weiter verfolgt.<\/p><p>&Auml;hnlich das Privileg z.B. Italiens im fehlkonstruierten Euro-Raum. Ein Italiener nimmt einen Kredit auf und bezahlt mit diesen aus dem Nichts gesch&ouml;pften Euros einen realen BMW.  Die Verrechnung zwischen den beiden Euro-L&auml;ndern Italien und Deutschland erfolgt &uuml;ber das Target2-System (Hans-Werner Sinn). Wenn gegen&uuml;ber Italien Deutschland insgesamt wertm&auml;&szlig;ig mehr exportiert als importiert, wird Deutschland zwangsl&auml;ufig Gl&auml;ubiger von Italien. Ewa 400 Mrd. haben sich da angesammelt.<\/p><p>Die gro&szlig;e Frage ist meines Erachtens, wie schnell und in welchem Umfang dieses Privileg der USA, mit &ldquo;gedruckten&rdquo; Dollars auf weltweite Einkaufstour gehen zu k&ouml;nnen, durch die aktuellen geopolitischen Konflikte und Entwicklungen erodieren wird und wie stark das wiederum ihre geopolitische Stellung in der Welt vermindern wird.<\/p><p>Wird durch die steigende Verschuldung der USA dieses System irgendwann ins Rutschen geraten, weil durch Inflation der Dollar die Funktion als sicheres Wertaufbewahrungsmittel verliert?<\/p><p>Wie stark wird die Rolle des Dollars geschw&auml;cht, weil Teilbereiche sich davon abkoppeln?<\/p><p>Diese Fragen beantworten m.E. auch Sie nicht. Und das ist keine digitale Frage, sondern es geht um ein Mehr oder Weniger und das verteilt auf eine k&uuml;rzere oder l&auml;ngere Zeitachse. Emmanuell Todd behauptet einfach, dass mit dieser prinzipiell ja vorhanden Erosion der Einfluss der USA auf das Finanzsystem kollabieren (&ldquo;collapse&rdquo;) wird &ndash; also eine digitale Antwort ohne Begr&uuml;ndung (in den mir zur Verf&uuml;gung stehenden Texten von Todd).<\/p><p>Mit freundliche Gr&uuml;&szlig;en<br>\nReiner Felkel<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr Felkel,<\/em><\/p><p><em>Sie schreiben: &bdquo;Wenn Ungarn ein USA-Produkt kaufen will, dann n&uuml;tzt ihm seine aus dem Nichts gesch&ouml;pften Forints wenig. Es braucht Dollars. Die erh&auml;lt es durch die Lieferungen von Waren oder Dienstleistungen gegen Dollar. Ungarn hat also reale Werte geliefert, bevor es in den USA einkaufen kann.&ldquo;<\/em><\/p><p><em>Geld ist immer kreditgesch&ouml;pft oder wie Sie es ausdr&uuml;cken &bdquo;aus dem Nichts gesch&ouml;pft&ldquo;. Das gilt f&uuml;r alle W&auml;hrungen, nicht nur den US-Dollar. Das &bdquo;Privileg&ldquo;, wie Sie es nennen, gibt es also in dieser Form nicht f&uuml;r einzelne W&auml;hrungen. Auch die ungarische Notenbank sch&ouml;pft den Forint &bdquo;aus dem Nichts&ldquo; und wenn ein Ungar ein US-Produkt kaufen will, tauscht er seine kreditgesch&ouml;pften Forint gegen kreditgesch&ouml;pfte US-Dollar. Wenn ich Ihr Beispiel ein wenig polemisch zuspitzen w&uuml;rde, k&ouml;nnte ich nun schreiben: Der Ungar bekommt von den USA reale Werte gegen &bdquo;aus dem nichts gesch&ouml;pfte Forints&ldquo;. <\/em><\/p><p><em>Weiter schreiben Sie: &bdquo;Putin hat nach den westlichen Sanktionen darauf bestanden, russisches Gas nur gegen Rubel zu liefern. Denn das bedeutete, die USA mussten erst etwas Reales an Russland gegen Rubel verkaufen, um dann gegen Rubel was Reales von Russland zu bekommen.&ldquo;<\/em><\/p><p><em>Diese Entscheidung der russischen Regierung hat nichts mit &bdquo;Realem&ldquo; zu tun, sondern war schlicht eine Folge der Sanktionen. Wenn Russlands Banken keine Euro- und US-Dollar-Konten bei den jeweiligen Notenbankensystemen f&uuml;hren k&ouml;nnen, macht es wenig Sinn, diese W&auml;hrungen zu akzeptieren. Dazu hatte ich damals &uuml;brigens <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82268\">einen l&auml;ngeren Artikel auf den NachDenkSeiten geschrieben<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Auch zu dem von Ihnen erw&auml;hnten &bdquo;Target-2-Theorien&ldquo; des Hans-Werner Sinns <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=45529\">hatte ich bereits was geschrieben<\/a>. Leider hat Herr Sinn nicht sonderlich viel Ahnung von Finanzwirtschaft und bringt da einiges durcheinander, um seine ebenfalls mehr als fragw&uuml;rdigen makro&ouml;konomischen Thesen zu untermauern. <\/em><\/p><p><em>Kommen wir zu Todd. Dass mit dem relativen Aufstieg Asiens auch ein relativer Abstieg der USA und ihres Finanzsystems verbunden ist, steht ja au&szlig;er Frage. Aber welches Interesse sollten die Asiaten daran haben, ihre eigenen Exporte in die USA zu unterminieren? Bislang ist vor allem China mit der Strategie des &bdquo;Petrodollar-Recyclings&ldquo; doch sehr gut gefahren. Die eigene Wirtschaft brummt, man kann im In- und Ausland investieren und erwirbt gleichzeitig Besitztitel im Ausland, w&auml;hrend die Kunden im Westen (f&uuml;r die EU gilt das gleiche wie f&uuml;r die USA) vor allem verg&auml;ngliche Produkte bekommen. Ich glaube kaum, dass China dies als Problem sieht. Im Gegenteil! Die USA sehen dies als Problem und sowohl Biden als &ndash; mehr noch und zugespitzter &ndash; Trump haben genau dies immer wieder thematisiert.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger, liebe Nachdenkseiten,<\/p><p>kein Frage, die Aufkl&auml;rung, die Sie leisten ist unersetzlich und von gr&ouml;&szlig;ter Bedeutung.<\/p><p>Gerade auch deshalb zu ihrem Artikel &bdquo;Denkfehler Dollarhegemonie&ldquo; eine kritische Anmerkung:<\/p><p>Vieles in diesem Artikel ist sehr aufschlussreich. Aber es wird eine Frage so gut wie nicht angesprochen: Wer Geld aus dem Nichts drucken kann, der kann Reichtum schaffen, den er freih&auml;ndig verteilen kann.<\/p><p>Bei kleinen L&auml;ndern funktioniert das bekanntlich nicht, weil die Inflation zur Abwertung f&uuml;hrt, wodurch andere Staaten sich dagegen sch&uuml;tzen, dass lokale W&auml;hrungen einfach gedruckt werden und die L&auml;nder sich auf Kosten anderer L&auml;nder bereichern.<\/p><p>Hier zwei Beispiele &uuml;ber die Darstellung dieses Zusammenhangs:<\/p><p>Das Handelsblatt vom 3.1.2023 schrieb:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die hohe Inflation sorgt f&uuml;r eine deutliche Abwertung der t&uuml;rkischen W&auml;hrung.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und die Wiener Zeitung vom 24.1.2019 stellte fest:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Verbraucherpreise in Argentinien sind im Dezember stark angezogen. &hellip; Die Landesw&auml;hrung Peso verlor massiv an den Dollar, es war die st&auml;rkste Abwertung seit die W&auml;hrung vom US-Dollar entkoppelt wurde.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Bitte widersprechen Sie mir, wenn sie diesen Zusammenhang nicht so sehen.<\/p><p>Sie schreiben in Ihrem Artikel selbst, dass die USA beliebig Geld drucken k&ouml;nnen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip;die USA k&ouml;nnten sich problemlos in welchem Ma&szlig; auch immer &hellip;direkt bei der eigenen Notenbank FED verschulden&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn der Dollar in allen L&auml;ndern der Welt gebraucht wird, also als Reserve gehalten werden muss, bedeutet dies, dass der Dollar wahrscheinlicher seinen &bdquo;Wert&ldquo; beh&auml;lt, obwohl er de facto weniger Wert ist. Der Spiegel schreibt am 5.10.2022 (hinter Bezahlschranke):<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die USA profitieren vom starken Dollar und exportieren Inflation &ndash; der Rest der Welt leidet. Existenzielle Waren wie Nahrung und Energie werden global oft in der US-W&auml;hrung gehandelt. Kann das gutgehen?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn selbst der Spiegel diesen Zusammenhang sieht, warum stellen Sie ihn bei ihrem Artikel nicht viel mehr ins Zentrum der Argumentation?<\/p><p>Eine Schlussfolgerung wird man gewiss ziehen k&ouml;nnen: Wenn der Dollar nicht mehr die Welt-Reservew&auml;hrung w&auml;re, k&ouml;nnten die USA nicht mehr Inflation in gro&szlig;em Ma&szlig;stab exportieren, oder anders ausgedr&uuml;ckt sie k&ouml;nnten sich nicht mehr im selben Ma&szlig;stab durch Geld-Drucken auf Kosten der Arbeitsleistung anderer L&auml;nder bereichern.<\/p><p>Man kann den Zusammenhang auch erahnen, wenn man sich vorstellt, aller Warenaustausch zwischen den USA und China w&uuml;rde in Yuan erfolgen. Dann ist klar: China muss sich dann niemanden suchen, bei dem es Fremdw&auml;hrung anlegen muss.<\/p><p>Wenn Sie kritisch schreiben,<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;wenn China seine Devisen&uuml;bersch&uuml;sse nicht reinvestiert oder f&uuml;r Importe ausgibt, st&auml;rkt dies mittel- bis langfristig die eigene W&auml;hrung&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>so sehen Sie scheinbar diese M&ouml;glichkeit nicht, dass es ja auch so sein k&ouml;nnte, wie bei den USA: Sie m&uuml;ssen keine &bdquo;Reinvestitionen&ldquo; mit fremder W&auml;hrung vornehmen. Sie k&ouml;nnen souver&auml;n investieren, nur nach ihrem imperialen Geschmack.<\/p><p>Bitte widersprechen Sie mir, wenn sie diesen Zusammenhang nicht so sehen.<\/p><p>Ich w&uuml;rde mich sehr &uuml;ber eine kurze Antwort freuen, nat&uuml;rlich noch mehr, wenn Sie den Leserbrief ver&ouml;ffentlichen wollen. Die Debatte ist ganz sicher sehr wichtig!<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r ihre unerm&uuml;dliche Aufkl&auml;rungsarbeit!<\/p><p>Mit herzlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nBertram Burian<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr Burian,<\/em><\/p><p><em>im Artikel hatte ich doch das Thema &bdquo;Transaktionsw&auml;hrung&ldquo; sehr ausf&uuml;hrlich behandelt. Da die Kunden in den USA nun mal nicht in Yuan, sondern in Dollar zahlen, muss an irgendeiner Stelle in der Handelskette das Geld umgetauscht werden. An welcher Stelle der Handelskette dies geschieht, ist in der Tat irrelevant. W&uuml;rde zum Beispiel der Importeur in den USA die Ware in Yuan bezahlen, m&uuml;sste er halt Dollar in Yuan umtauschen, da er von seinen Kunden ja in Dollar bezahlt wird. Er m&uuml;sste sich die Yuan also gegen Dollar bei der chinesischen Notenbank eintauschen. Das ist gehupft wie gesprungen. Ob die chinesische Notenbank nun die Dollar vom chinesischen Exporteur oder vom amerikanischen Importeur bekommt, spielt keine Rolle. Wer in einen anderen W&auml;hrungsraum exportiert, kommt da nicht drumherum. <\/em><\/p><p><em>Und zu den Reinvestition und dem &bdquo;imperialen Geschmack&ldquo;. Das kann China doch heute schon und tut dies ja auch. Der Dollar ist schlie&szlig;lich frei konvertibel. Wenn China z.B. einen Hafen in Indonesien kaufen will, kann es seine Dollar-Guthaben in indonesische Rupiah umtauschen und den Kaufpreis entrichten. Ich verstehe daher ihre Argumentation nicht so ganz. Niemand zwingt China einen gro&szlig;en Teil seiner Devisenreserven in Dollar und Euro zu halten. Und die Zusammensetzung der Devisenreserven spielt keine Rolle bei deren Verwendung. Das ist die souver&auml;ne Entscheidung. <\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes Nachdenkseiten-Team,<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r Herrn Bergers interessanten und aufschlussreichen Artikel &ldquo;Hintergrund: Denkfehler &lsquo;Dollarhegemonie&rsquo;.&rdquo;<\/p><p>Es w&auml;re erg&auml;nzend vielleicht noch sinnvoll, etwas zu einer weiteren These zu sagen, die man immer wieder h&ouml;rt: Dass n&auml;mlich die USA ihrer hohen Staats-Schulden wegen in gro&szlig;en Schwierigkeiten stecken w&uuml;rden; oder gar, dass sie sich auf aggressive oder gar milit&auml;rische Weise &ouml;konomische Vorteile verschaffen m&uuml;ssten, um ihre &ldquo;exorbitanten&rdquo; Schulden zur&uuml;ckzahlen zu k&ouml;nnen.<br>\nTats&auml;chlich beruhen solche Annahmen auf grundlegenden Missverst&auml;ndnissen bzgl. moderner Staaten und ihrer selbsterzeugten Fiat-W&auml;hrungen; es sind dies Missverst&auml;ndnisse, die sich dann oft auch an anderer Stelle bemerkbar machen.<\/p><p>Jens Berger deutet es ja schon an: Ein Staat ist nie auf externe Gl&auml;ubiger angewiesen, soweit es um seine eigene W&auml;hrung geht; er kann sich immer auch direkt bei seiner eigenen Zentralbank (die ja letztlich ein Teil von ihm ist) Geld &ldquo;leihen&rdquo;. Oder genauso gut k&ouml;nnte er, sofern er sich nicht durch dysfunktionale Gesetze selbst blockiert, seine Zentralbank einfach anweisen, ihm das entsprechende Geld direkt zur Verf&uuml;gung zu stellen, ohne dass auch nur formell ein Gl&auml;ubiger-Schuldner-Verh&auml;ltnis best&uuml;nde.<\/p><p>Funktional unterscheidet sich eine direkte &ldquo;Finanzierung&rdquo; des Staates durch die eigene Zentralbank ohnehin kaum vom &ldquo;&uuml;blichen&rdquo; Prozedere, bei dem die staatliche Zentralbank den Gesch&auml;fts-Banken Geld leiht, welches diese dann wiederum dem Staat leihen (siehe Maurice H&ouml;fgen: Mythos Geldknappheit, Sch&auml;ffer &amp; Poeschel, 2020).<\/p><p>Es ist dabei auch zu beachten, dass auch der Zentralbank durch den Prozess der Geld-Erzeugung keine Schulden entstehen. Die Verbuchung von &ldquo;Reserven&rdquo; durch die Zentralbank als &ldquo;Verbindlichkeiten&rdquo; stellt einen Anachronismus aus dem Zeitalter des Gold-Standards dar, und die Zentralbank schuldet den Gesch&auml;fts-Banken in diesem Zusammenhang nichts au&szlig;er der Umwandlung von Zentralbank-Geld der einer Form in Zentralbank-Geld der anderen Form (vgl. Wolfgang Edelm&uuml;ller: Die verhinderten M&ouml;glichkeiten der Geldpolitik. Wirtschaft und Gesellschaft &ndash; WuG, 42(2), S. 257-280, 2016).<br>\nEin Staat, welcher mithilfe seiner Zentralbank Geld &ldquo;herstellt&rdquo; und ausgibt, verschuldet sich also erst einmal &uuml;berhaupt nicht.<\/p><p>Auch kann also ein Staat, der eine eigene W&auml;hrung herausgibt (und einige wenige weitere grundlegende Bedingungen erf&uuml;llt) niemals in Zahlungsschwierigkeiten im Hinblick auf seine eigene W&auml;hrung geraten. Dies zeigt sich etwa auch an Japan, einem Land, das formell mehr &ldquo;Staatsschulden&rdquo; hat als Griechenland sie je hatte &ndash; und das dank der Tatsache, dass es eine eigene Zentralbank hat, welche hinreichend viele japanische Staatsanleihen kauft, dennoch mit keinerlei &ldquo;Schuldenkrise&rdquo; konfrontiert ist.<\/p><p>Der Staat, der als W&auml;hrungs-Monopolist alles Zentralbank-Geld erst einmal emittiert (auch das, welches er dann sp&auml;ter eventuell als Kredit aufnimmt!), hat immer so viel Geld, wie er m&ouml;chte, und nichts k&ouml;nnte weiter entfernt sein von der Wahrheit als die Meinung, dass er auf die Gnade der &ldquo;Finanzm&auml;rkte&rdquo; angewiesen sei, deren &ldquo;Vertrauen&rdquo; oder &ldquo;Gunst&rdquo; er durch marktliberale Reformen irgendwie &ldquo;gewinnen&rdquo; m&uuml;sste.<br>\nUnd selbstverst&auml;ndlich sind die USA als der einzige Akteur weltweit, der g&uuml;ltige US-Dollar erzeugen kann, auch nicht auf einen fremden Staat wie China angewiesen, um an Geld in ihrer eigenen W&auml;hrung (d.h. US-Dollar) zu gelangen. Umgekehrt muss China s&auml;mtliche US-Dollar, die es haben will, von den USA beziehen &ndash; sei es direkt oder &uuml;ber Dritte. <\/p><p>Insbesondere gilt somit auch, dass &ldquo;Staatsschulden&rdquo; in der eigenen Landesw&auml;hrung eigentlich &uuml;berhaupt keine Schulden im genuinen Sinne darstellen. Sie unterscheiden sich n&auml;mlich radikal von &ldquo;gew&ouml;hnlichen&rdquo; Schulden:<\/p><p>Staatsschulden dieser Art k&ouml;nnen zum f&auml;lligen Zeitpunkt immer problemlos bedient werden. <\/p><p>Sie k&ouml;nnten tats&auml;chlich zu jedem beliebigen Zeitpunkt vollst&auml;ndig zur&uuml;ckgezahlt werden (auch wenn das in der Praxis nicht immer opportun sein mag).<\/p><p>Zur Tilgung alter Schulden &ndash; oder auch generell &ndash; m&uuml;sste der Staat sich noch nicht einmal formell neu verschulden, sondern er k&ouml;nnte das ben&ouml;tigte Geld einfach direkt erzeugen. (Und dies w&auml;re wohl auch das beste, weil auf diese Weise unn&ouml;tige Missverst&auml;ndnisse vermieden w&uuml;rden &ndash; abgesehen davon, dass Staatsanleihen, auch wenn sie zur &ldquo;Finanzierung&rdquo; des Staates nicht ben&ouml;tigt werden, andere sinnvolle Funktionen haben k&ouml;nnen.)<\/p><p>Per se belasten Staatsschulden auch k&uuml;nftige Generationen nicht im Mindesten.<\/p><p>Staatsschulden in eigener W&auml;hrung begrenzen den finanziellen Spielraum eines Staates nicht. Der Staat kann immer so viel Geld ausgeben, wie er will. Existieren freie verf&uuml;gbaren Ressourcen, die mithilfe der staatlichen W&auml;hrung mobilisiert werden k&ouml;nnen, so kann der Staat sie auch immer mobilisieren.<\/p><p>So etwas wie eine &ldquo;&Uuml;berschuldung&rdquo; des Staates in seiner eigenen souver&auml;nen W&auml;hrung kann es nicht geben.<\/p><p>Daher stellen die in US-Dollar denominierten Staatsschulden der USA per se auch keinerlei B&uuml;rde f&uuml;r die USA dar &ndash; so wenig wie die Staatsschulden der Schweiz, welche in Schweizer Franken denominiert sind, ein Problem f&uuml;r die Schweiz w&auml;ren. Die USA m&ouml;gen in vielerlei Hinsicht in einer schweren Krise stecken &ndash; man denke etwa an die verfallende Infrastruktur &ndash; aber Schulden in US-Dollar sind kein Teil ihrer Probleme.<\/p><p>Es w&auml;re daher m.E. auch erw&auml;genswert, im Zusammenhang mit w&auml;hrungspolitisch souver&auml;nen Staaten und ihren &ldquo;Schulden&rdquo; in der eigenen W&auml;hrung &uuml;berhaupt nicht von &ldquo;Staatsschulden&rdquo; zu sprechen, oder nur in Anf&uuml;hrungszeichen, da dieser Begriff zwar rein formell korrekt ist, in der Sache jedoch hochgradig missverst&auml;ndlich bzw. hochgradig irref&uuml;hrend. (So wie &uuml;brigens das ganze &ldquo;&uuml;bliche&rdquo; System, bei dem der Staat sich &uuml;ber Umwege sein eigenes Geld selbst ausleiht, kompliziert und irref&uuml;hrend ist).<\/p><p>Die einzige Grenze f&uuml;r einen Staat mit eigener W&auml;hrung besteht jedenfalls immer nur in der Begrenztheit der realen (!) verf&uuml;gbaren Ressourcen &ndash; und damit zusammenh&auml;ngend einer drohenden nachfragebedingten Inflation, die entstehen w&uuml;rde, wenn der Staat allzu viel Geld ausg&auml;be. (In einer solchen Situation m&uuml;sste der Staat dann seine Ausgaben vermindern oder dem privaten Sektor (etwa durch erh&ouml;hte Steuern) vermehrt Kaufkraft entziehen. Von einer kritischen nachfragebedingten Inflation sind wir allerdings ja schon seit Jahrzehnten weit entfernt.)<\/p><p>Es ist somit auch klar, dass ein Staat mit eigener W&auml;hrung durch h&ouml;here Staatsausgaben jederzeit diejenige Nachfrage schaffen kann, derer es bedarf, um Vollbesch&auml;ftigung zu erzeugen (er muss wie gesagt nur darauf achten, keine Inflation zu erzeugen, wenn die Ressourcen sich der maximalen Auslastung n&auml;hern).<\/p><p>Dass f&uuml;r den Staat keineswegs das Geld, sondern die realen Ressourcen der kritische Punkt sind, wird offenbar auch von amtierenden und ehemaligen Zentralbankern wie z.B. Alan Greenspan gesehen &ndash; etwa im Zusammenhang mit der Renten-Debatte (siehe z.B. das genannte Buch von M. H&ouml;fgen).<br>\nNur leider werden solche Einsichten nicht prominent und nachdr&uuml;cklich genug ge&auml;u&szlig;ert, oder sie finden nicht das Echo, das ihnen geb&uuml;hrt. Bedauerlicherweise ist die grundlegend falsche Betrachtungsweise, dass der Staat wie ein privater Haushalt oder ein privates Unternehmen funktioniere, noch immer weit verbreitet.<\/p><p>Nat&uuml;rlich kann sich der Staat &ndash; oder in unserem Fall die Euro-Zone &ndash; durch entsprechende Regelungen unn&ouml;tig selbst blockieren und sich k&uuml;nstlich selbst in eine Situation versetzen, in welcher es ihm am notwendigen Geld fehlt. Er kann so beispielsweise die Wirtschaft unn&ouml;tig strangulieren, Armut und Arbeitslosigkeit erzeugen oder Regelungen treffen, die dazu f&uuml;hren, dass k&uuml;nftige Generationen tats&auml;chlich durch (heutige) Staatsschulden belastet werden (zumindest falls die k&uuml;nftigen Generationen die entsprechenden Regelungen &uuml;bernehmen). In der Tat kann man durch entsprechende Entscheidungen v&ouml;llig unn&ouml;tig einen unermesslichen Schaden anrichten (die Griechenland-Krise l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en). Der Staat kann versuchen, mit Gewalt in die Rolle eines privaten Haushaltes oder Unternehmens zu schl&uuml;pfen und sich dementsprechend verhalten, obwohl er keines von beiden ist.<\/p><p>In diesem Zusammenhang ist jedoch aufs Nachdr&uuml;cklichste darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um rein politische Entscheidungen handelt, die nicht nur jeder Sachlogik entbehren, sondern auch im allerh&ouml;chsten Ma&szlig;e dysfunktional und destruktiv sind. Es ist ganz so, als ob jemand seine beiden v&ouml;llig gesunden Arme vollkommen unn&ouml;tig in einen dicken Gips-Verband packen und sich dann beschweren w&uuml;rde, dass er viele wichtige Dinge nicht tun k&ouml;nne, da er seine Arme nur sehr eingeschr&auml;nkt benutzen k&ouml;nne. <\/p><p>Es sollte daher alles daran gesetzt werden, die &Ouml;ffentlichkeit korrekt zu informieren und auf eine &Auml;nderung der politischen Regelungen hinzuwirken, so dass der Staat bzw. die Euro-Zone sich nicht unn&ouml;tig finanzielle Probleme schaffen, und damit stattdessen die realen Probleme diskutiert und angegangen werden. <\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJ.R.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>Ihr ausf&uuml;hrlicher und sehr informativer Artikel regt mich zu folgender Erwiderung an:<\/p><p>Au&szlig;erhalb der MSM ist hinreichend belegt, dass Gaddafi und S. Hussein sterben mussten &ndash; sie wurden von den US-Amerikanern auf bestialische Art und Weise ermordet &ndash; weil beide &Uuml;berlegungen angestellt hatten ihre Rohstoffe nicht mehr in US $, sondern in den jeweiligen Landesw&auml;hrungen zu handeln. Warum wurden beide Staatsm&auml;nner umgebracht, wenn doch der US $ als Reservew&auml;hrung nicht von so gro&szlig;er Relevanz ist?<\/p><p>Die Staaten Russland, China, Indien und jetzt sogar Saudi-Arabien bereiten erste Schritte vor, ihren Handel nur noch in Landesw&auml;hrung abzuwickeln. Warum? Diese Staaten werden sobald die ersten Kontrakte in Landesw&auml;hrung abgeschlossen sind, und China und die Saudis haben die ersten Vertr&auml;ge dazu unterzeichnet, sukzessive ihre in US $ gehaltenen Papiere auf den Markt werfen. Russland hat damit schon begonnen und legt R&uuml;cklagen z.Zt. in gro&szlig;en Mengen in Gold an. All das kann den US $ in Schieflage bringen, kann dazu f&uuml;hren, das die USA &uuml;ber kurz oder lang vor einem Bankrott stehen. (Was dieses Land ja eigentlich jetzt schon ist, und nur das Milit&auml;r, das r&uuml;cksichtslos eingesetzt w&uuml;rde, h&auml;lt die USA &ouml;konomisch und geopolitisch &uuml;ber Wasser).<\/p><p>Die L&auml;nder entwickeln sich wirtschaftlich. Sehen Sie sich China und Indien, die T&uuml;rkei, Brasilien, Argentinien, &Auml;gypten und viele L&auml;nder des afrikanischen Kontinents an. Angesichts der enormen Reserven an Bodensch&auml;tzen ist das Entwicklungspotenzial dort enorm. Es entstehen neue Zentren des Wirtschaftswachstums. Der Westen (die USA) versucht, das zu verhindern, unter anderem spekuliert er auf die Mechanismen, die in der von ihm geschaffenen Globalisierung seinen Interessen dienen sollen. Hier spielt der Dollar als Reservew&auml;hrung eine der wichtigsten Rollen. Sehen Sie das anders, Herr Berger?<\/p><p>Deshalb gibt es mehr als Versuche innerhalb der Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit, der BRICS, der GUS, der Eurasischen Wirtschaftsunion, in Zusammenarbeit mit den Verb&auml;nden Asiens, Afrikas und Lateinamerikas auf jede Weise neue Formen der Zusammenarbeit aufzubauen, um nicht vom Westen (USA) und seinen &ndash; inzwischen eindeutig &ndash; neokolonialen Methoden abh&auml;ngig zu sein. All das wird unternommen um die US $ Dominanz in der globalisierten Welt zumindest einzuschr&auml;nken, wenn nicht sogar aufzul&ouml;sen. <\/p><p>Ob sich die sog. Supermacht davon beeindrucken l&auml;sst, oder wieder ihre Milit&auml;rmaschinerie in Gang setzen wird, wenn es Spitz auf Knopf steht, kann ich nicht seri&ouml;s einsch&auml;tzen. Ich denke aber, dass die Politiker der von mir aufgez&auml;hlten L&auml;nder, diese milit&auml;rischen M&ouml;glichkeiten der Atommacht USA in ihre &Uuml;berlegungen einbeziehen. Von dem erpresserischen Mittel &ldquo;Sanktionieren&rdquo; gar nicht erst zu reden. Nat&uuml;rlich wird der US $ nicht von heute auf morgen im globalen Handel verschwinden, aber an den neuen &ldquo;Weltm&auml;chten&rdquo; China -&ouml;konomisch &ndash; und Russland &ndash; milit&auml;risch, k&ouml;nnen die USA nicht mehr in der Form agieren, wie sie es an Hussein und Gaddafi praktiziert haben. <\/p><p>Sollten sie sich zu milit&auml;rischen Aktionen &ndash; also nicht nur zu Stellvertreterkriegen wie z.Zt. in der Ukraine &ndash; hinrei&szlig;en lassen, dann werden wohl erstmals in der Geschichte auch in den USA selbst die ersten Wolkenkratzer im Raketenhagel zerst&ouml;rt. <\/p><p>Dieses, von mir beschriebene Szenario, l&auml;sst die Nationen, die sich f&uuml;r eine multipolare Welt stark machen auch absolut vorsichtig agieren.<\/p><p>Ich sehe &ndash; anders als Sie, Herr Berger &ndash; den $ in einer absteigenden Position. Liege so falsch?<\/p><p>Es gr&uuml;&szlig;t Sie aus G&ouml;ttingen<br>\nHelmut Ische<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Ische,<\/em><\/p><p><em>nicht alles, was &bdquo;au&szlig;erhalb der MSM&ldquo; steht, stimmt. Ich kenne diese Artikel und B&uuml;cher von z.B. Clark und Engdahl und halte sie f&uuml;r haneb&uuml;chen. Nur ein Punkt dazu: Saddam Hussein hat vor der Kriegserkl&auml;rung der USA sein &Ouml;l nicht in USD, sondern im Rahmen des Oil- for Food-Programms der UN verkauft und dies vornehmlich <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2000\/WORLD\/meast\/10\/30\/iraq.un.euro.reut\/\">in Euro und nicht in Dollar<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Nach dem Krieg hat &uuml;brigens die kurdische Region des Iraks ihre ersten Volumenvertr&auml;ge in Joint Ventures mit Total an Frankreich in Euro und mit Sinopec an China in Yuan abgeschlossen. Als dritter Player war noch Lukoil (Russland) mit Irak im Gesch&auml;ft. Ich hatte damals nicht herausgefunden, welche Transaktionsw&auml;hrung die Vertr&auml;ge von Lukoil hatten, aber man kann annehmen, dass sie nicht unbedingt zu 100% zu USD lauteten. Ansonsten kann ich Ihnen nur noch einmal die Lekt&uuml;re des Artikels nahelegen. Das sollte diese Punkte eigentlich kl&auml;ren.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger<\/p><p>Man findet leider sehr wenig wirklich erhellende Literatur zum Thema Geldpolitik, b&ouml;se Zungen behaupten das l&auml;ge daran das es sich hierbei um Herrschaftswissen handele. Man mag von Ernst Wolf halten was man will, aber er hat die Zusammenh&auml;nge auch f&uuml;r Laien verst&auml;ndlich recht gut in seinem Buch &bdquo;Wolf&rsquo;s wahnsinnige Wirtschaftslehre beschrieben.<\/p><p>Im ihrem Beispiel mit dem iranischen &Ouml;l Exporteur bleibt leider unklar wie denn die &uuml;berwiesenen Euro wieder auf den Markt geworfen werden sein Dienstleister tauscht die Euro ja in Real, und damit h&auml;tte der &Ouml;l Exporteur nun eine Forderung an seinen Inlandsmarkt und der Transaktionsdienstleister mit den Euros und nun eine Forderungen an den EU Binnenmarkt.<\/p><p>Hier einmal eine M&ouml;glichkeit wie es tats&auml;chlich funktionieren k&ouml;nnte, der Einfachheit halber setze ich den Transaktionsdienstleister mit der jeweiligen Landes Zentralbank gleich.<\/p><p>Der iranische Exporteur liefert also an ein EU Land &Ouml;l und wird daf&uuml;r in Euro bezahlt, seine Zentralbank tauscht f&uuml;r ihn die Euro in Real und &uuml;berweist ihm das Geld in seiner Landesw&auml;hrung. Dieser Vorgang d&uuml;rfte &auml;hnlich wie eine Kreditvergabe funktionieren, die Real werden von der iranischen Zentralbank aus dem Nichts gesch&ouml;pft. Im Gegenzug beh&auml;lt die Zentralbank zun&auml;chst die eingenommenen Euro als Devisenreserve. M&ouml;chte nun ein Iraner etwas im EU Binnenmarkt erwerben, &uuml;berweist er widerum Real an seine Zentralbank und diese &uuml;berweist den entsprechenden Eurobetrag an den EU Verk&auml;ufer. Die Iranische Zentralbank legt die eingenommenen Real nat&uuml;rlich nicht auf ein Konto sondern Bucht den Betrag auf ihrem Zentralbank Konto wieder aus, damit verschwinden die zuvor aus dem Nichts gesch&ouml;pften Real wieder, ein Nullsummenspiel f&uuml;r die Zentralbank.<\/p><p>Kritisch wird es erst dann wenn Iran durch seine Exporte permanent &Uuml;bersch&uuml;sse erzielt, dann steigen einerseits die Geldmenge in Real und andererseits die Euro Devisenreserven der iranischen Zentralbank permanent an. F&uuml;r den Euroraum bedeutet das, man bekommt das iranische &Ouml;l zun&auml;chst nur f&uuml;r ein Lieferversprechen ohne das man tats&auml;chlich etwas liefert. Das geht dann solange bis der iranische &Ouml;lexporteur genug Verm&ouml;gen angeh&auml;uft hat um in Europa auf Einkaufstour gehen zu k&ouml;nnen, z.B. sich in deutsche Infrastruktur einzukaufen. Das ist dann der Tag der Abrechnung, wir nennen das heute Privatisierungen.<\/p><p>An dieser Stelle kommen wir nun zum Petrodollar. Wenn es den USA gelingt das international die &Ouml;l Gesch&auml;fte ausschlie&szlig;lich auf Dollar Basis abgewickelt werden m&uuml;ssen, w&auml;re jedes Land gezwungen Dollar als Devisenreserven f&uuml;r ihre &Ouml;l Gesch&auml;fte in den USA einzukaufen, ohne das sie daf&uuml;r auf dem US Markt im Gegenzug einkaufen k&ouml;nnten. Die USA hingegen k&ouml;nnen die so eingenommenen internationalen Devisenreserven aber jederzeit nutzen um damit weltweit auf Einkaufstour zu gehen, z.B. europ&auml;ische Unternehmen aufkaufen. Der Petrodollar bietet den USA also durchaus ernstzunehmende Vorteile.<\/p><p>Die so generierten US Dollar h&auml;ufen sich dann als Devisenreserven in den &Ouml;l Export L&auml;ndern. Wir erinnern uns, wohin man in Europa auch schaut, &uuml;berall haben russische Oligarchen aufgekauft was nicht niet und nagelfest war.<\/p><p>Die L&ouml;sung f&uuml;r das Problem, sobald die Dollar Gl&auml;ubiger L&auml;nder anfangen ihre Dollar auf den Markt zu werfen erkl&auml;rt man sie kurzerhand zum Schurkenstaat, verh&auml;ngt Sanktionen, bricht Handelsbeziehungen ab oder f&uuml;hrt gleich Krieg und schon sind die Schulden vom Tisch.<\/p><p>Das k&ouml;nnte auch der wahre Grund sein, weshalb die EU derzeit bereitwillig das US Spiel mit spielt, schlie&szlig;lich ist es doch besser westliche Philanthropen statt russischer Oligarchen kaufen unsere Infrastruktur auf, oder gar, Gott bewahre uns davor, der chinesische Staat.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e und danke f&uuml;r ihre vorbildliche Arbeit<br>\nS.Thomas<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Sehr geehrter Herr Thomas,<\/em><\/p><p><em>da steckt nat&uuml;rlich viel Wahres drin. Aber letztlich geht es hierbei &ndash; so leid es mir tut &ndash; auch nicht um W&auml;hrungen, sondern um die Souver&auml;nit&auml;t, Devisen&uuml;bersch&uuml;sse zu verkonsumieren oder zu investieren. Dieses Problemstellung wurden interessanter im Hollywood-Film &bdquo;Syriana&ldquo; recht unterhaltsam dargestellt &hellip;<\/em><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/WhM-jitLSgI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><em>Solange die OPEC-L&auml;nder sich f&uuml;r die hereinflie&szlig;enden US-Dollar ihre &ldquo;Spielzeuge&rdquo; &ndash; also Yachten, Sportwagen, Kunstwerke, Kampfjets, Panzer usw. &ndash; gekauft oder das Geld im Ausland verjubelt haben, war dies den USA sehr recht. Nur investieren sollten sie das sch&ouml;ne Geld doch bitte sch&ouml;n nicht. Zumindest das hat sich &ndash; durchaus gegen den Willen der USA &ndash; in den letzten Jahrzehnten ja ge&auml;ndert.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktionsmitglieder,<\/p><p>den folgenden Leserbrief m&ouml;chte ich als Antwort auf Jens Bergers Artikel &bdquo;Hintergrund: Denkfehler Dollarhegenonie&ldquo; richten:<\/p><p>&bdquo;Sehr geehrter Jens Berger,<\/p><p>Ihren Artikel habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen. In manchen Punkten scheint er meinem Vorschlag einer Kunstw&auml;hrung zu widersprechen (<a href=\"https:\/\/www.cashkurs.com\/kolumne\/beitrag\/eine-kunstwaehrung-die-den-us-dollar-verdraengen-koennte\">cashkurs.com\/kolumne\/beitrag\/eine-kunstwaehrung-die-den-us-dollar-verdraengen-koennte<\/a>). Wenn ich als Ziel die Schw&auml;chung des US-Dollar anstrebe, dann bedeutet dies mittelbar eine St&auml;rkung des Yuan und der W&auml;hrungen anderer aufstrebender Nationen. Nach Ihren Ausf&uuml;hrungen seien aber Staaten bestrebt, die eigene W&auml;hrung schwach zu halten, um einerseits Importe zu verteuern und andererseits die eigenen Produkte auf dem globalen Markt wettbewerbsf&auml;higer zu machen.<\/p><p>Hierbei handelt es sich aus meiner Sicht eher um eine &bdquo;Lehrbuchweisheit&ldquo;, die zumindest nicht als alleiniges Kriterium gelten sollte. Die im Westen stattgefundene  De-Industrialisierung hat n&auml;mlich der Herstellung wettbewerbsf&auml;higer Produkte die Basis entzogen, sodass zumindest eine l&auml;ngere Anlaufzeit ben&ouml;tigen w&uuml;rde. Auch gibt es zahlreiche Mittel zur Erschwerung von Importen (u.a. Verweis auf Sozialstandards und Klimaneutralit&auml;t, politisch begr&uuml;ndete Autarkie) und zur Stimulierung von Exporten (u.a. Subventionierung, Steuererm&auml;&szlig;igungen). &Uuml;berhaupt sollte jedes Land gem&auml;&szlig; den eigenen volkswirtschaftlichen Zielsetzungen entscheiden k&ouml;nnen, inwieweit es sich dem globalen Handel &ouml;ffnet, was den meisten Staaten des globalen S&uuml;dens in der Praxis verwehrt wird.  <\/p><p>Schlie&szlig;lich ist der Entwicklungstrend einer W&auml;hrung wichtiger als ihr aktueller Kurs. Insbesondere Zentralbanken sind an der Wertbest&auml;ndigkeit ihrer R&uuml;cklagen interessiert. Wenn beispielsweise Saudi-Arabien sein &Ouml;l f&uuml;r Yuan statt US-Dollar verkauft, kann es bei einem Dollarschwund sein Staatsverm&ouml;gen erhalten.  <\/p><p>Sie verweisen darauf, dass gr&ouml;&szlig;ere und langfristig vereinbarte Transaktionen einer Absicherung durch Terminkontrakte bed&uuml;rfen, um das Risiko sowohl von Verk&auml;ufern als auch von K&auml;ufern zu vermindern. Daher kommen tats&auml;chlich nur W&auml;hrungen mit gro&szlig;er Verbreitung in Frage. Sollte sich nun aber der Dollar in einem Abw&auml;rtstrend befinden, d&uuml;rften solche Kontrakte f&uuml;r den K&auml;ufer recht teuer werden, sodass er vielleicht lieber in Yuan ausbezahlt werden m&ouml;chte.<\/p><p>Damit sich eine Kunstw&auml;hrung im von mir beschriebenen Sinn durchsetzen kann,  muss es Geldinstitute geben, die f&uuml;r den Handel notwenige Kontrakte zur Risikoabsicherung anbieten. Sie m&uuml;ssten mit gen&uuml;genden R&uuml;cklagen ausgestattet sein und sich auf ein m&ouml;glichst breites Spektrum von Akteuren st&uuml;tzen (etwa der BRICS+), um ausreichende Sicherheit gew&auml;hren.<\/p><p>Eine schrittweise Abl&ouml;sung des US-Dollar als dominante Handels- und Reservew&auml;hrung erscheint mir auch dann m&ouml;glich, wenn die USA nicht Staaten zu Sanktionszwecken aus dem Dollar-basierten Finanzsystem ausschlie&szlig;en. Existiert eine Alternative zum US-Dollar und wird immer offensichtlicher, dass dessen Wert nicht durch wirtschaftliche Realdaten gest&uuml;tzt ist, w&auml;re eine Beschleunigung des Abw&auml;rtstrends zu erwarten, indem vermehrt Spekulanten aufspringen.&ldquo;<\/p><p>B.M.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger<\/p><p>Ich bin sicher kein Experte, was Finanzsysteme, W&auml;hrungen etc. betrifft.<br>\nNur eines finde ich super einfach erkl&auml;rbar: Ist mein Spielgeld von anderen akzeptiert und begehrt, habe ich vielf&auml;ltige M&ouml;glichkeiten, dieses Spielgeld zu meinen Bedingungen in beliebigen Mengen zu drucken, solange wie die anderen mitmachen.<br>\nUnd habe ich durch eine quasi Monopolstellung die M&ouml;glichkeit, anderen die Bedingungen rund um mein Spielgeld zu diktieren, dann bin ich faktisch auf einer Augenh&ouml;he mit Gott.<\/p><p>Was Sie gerade in Ihrem Artikel hingegen versuchen zu vermitteln &ndash; alles halb so wild und &uuml;bersch&auml;tzt &ndash; ist in meinen Augen falsch und &uuml;beraus kontraproduktiv f&uuml;r die nachdenkseiten. Sie greifen einige dedizierte M&ouml;glichkeiten auf, wo es tats&auml;chlich so sein k&ouml;nnte oder gar ist, um sie anschlie&szlig;end gleich wieder zu relativieren. Das zieht sich durch Ihren gesamten Beitrag. Letzten Endes ist es anscheinend nach Ihrer Auffassung egal, welches Geld wer wann wo einsetzen tut, um zu handeln. Sanktionen wurden Ihrerseits nicht einmal erw&auml;hnt, wenn ein Unternehmen\/Land versucht, andere W&auml;hrungen zu verwenden. Sanktionen tauchen lediglich in Bezug auf Wirtschaft auf, also faktisch Warenboykott. Was ist mit Libyen, mit Syrien, mit Iran und weiteren L&auml;ndern passiert, als diese versuchten, den Dollar zu umgehen? Nicht ein Wort. M.E. liegt hier ein Schwachpunkt Ihrer gesamten Argumentation: Sie untersch&auml;tzen die Bedeutung f&uuml;r die FED, falls sich umsatzstarke L&auml;nder vom Dollar abwenden. Zumal dann, wenn es um &ldquo;strategische Ressourcen&rdquo; geht.<\/p><p>Der Dollar ist m.E. nun mal Spielgeld in den H&auml;nden von US-Oligarchen, und die spielen mit vollem und vor allem hohen Einsatz, wo andere schwer mithalten k&ouml;nnen. Mit dem Wirtschaftsstandort China ist allerdings eine Kraft entstanden, die davon weitestgehend unbeeindruckt agieren kann, zumal wenn sie andere Mitspieler findet. Und das passiert zunehmend und auch immer schneller. Nat&uuml;rlich k&ouml;nnen die USA die Gelddruckpresse anschmei&szlig;en, wie es ihnen beliebt, da der Finanzmarkt und damit der Wirtschaftsmarkt vom Dollar abh&auml;ngig ist. Die Banken regieren doch schon lange, und der Wirtschaft bleibt lediglich &uuml;brig, dem Finanzmarkt zu entsprechen. Der Westen ist wirtschaftlich fertig, er will es nur nicht wahrhaben. Er wird von Banken regiert.<\/p><p>Wo kommen z.B. in Deutschland pl&ouml;tzlich 100 Milliarden Sonderverm&ouml;gen her, ja jetzt wohl an die 300 Milliarden? Hat da jemand einen Schatz gefunden? Sicherlich nicht. Das Geld existierte einfach nicht bis dahin, es wurde &ldquo;geschaffen&rdquo;. Genau das, was die USA schon seit Jahrzehnten praktizieren. Nur hatten die die M&ouml;glichkeit, dank dem Petro-Dollar  und W&auml;hrungsreserven das Risiko auf andere zu verteilen. Prost.<\/p><p>Soweit meine unwesentliche Meinung.<\/p><p>LG Rayk.H.<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Rayk H.,<\/em><\/p><p><em>sch&ouml;nen Dank f&uuml;r Ihr Feedback. Aber leider vermute ich, dass Sie den Artikel nicht vollst&auml;ndig gelesen haben. Selbstverst&auml;ndlich spreche ich die &bdquo;nicht-monet&auml;ren&ldquo; Faktoren und da insbesondere die Sanktionsproblematik im Artikel an. Der Begriff &bdquo;Sanktionen&ldquo; kommt im Artikel ganze elfmal vor.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger, <\/p><p>herzlichen Dank f&uuml;r die Darstellung zu Zusammenh&auml;ngen des internationalen W&auml;hrungssystems. Ich fand ihn sehr erhellend und habe gemerkt, dass mir viele wirtschaftliche Zusammenh&auml;nge  theoretisch und begrifflich vertraut sind. Das bedeutet aber leider nicht immer, das mir die dahinter stehende Realit&auml;t klar ist. Gelegentlich f&auml;llt mir deshalb auch eine alte Frage an mich selbst ein: &ldquo;Verstehst du auch, was du so gel&auml;ufig liest?&rdquo;. Unter P&auml;dagogen ist die Ansicht weit verbreitet, dass ein Gegenstand erst dann &ldquo;begriffen&rdquo; ist, wenn man ihn erkl&auml;ren kann. DANKE! Solche Beitr&auml;ge sind eine gro&szlig;e Hilfe: in der  Argumentation und zur &Uuml;berpr&uuml;fung des eigenen Wissensstandes.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nChrista P. Meist<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte NDS Redaktion,<\/p><p>Ich versuche ein zus&auml;tzliches Element ins Licht zu r&uuml;cken.<br>\nKredit beruht voll und ganz auf Vertrauen, genauer gesagt das Vertrauen dass der Kredit zur&uuml;ckgezahlt wird.<br>\nDieses Vertrauen ist aber hochgradig abh&auml;ngig von psychologischen und subjektiven Elementen.<\/p><p>Der Schuldenberg der USA ist gigantisch, super gigantisch.<br>\nGerade jetzt steht die USA mal wieder wie jedes Jahr vor dem finanziellen Shutdown.<br>\nSchuldenberg = etwa 100000 $ pro Einwohner, Tendenz steigend.<\/p><p>Wie lange h&auml;lt dieses Vertrauen noch der USA Kredite zu gew&auml;hren?<br>\nBeurteilungen der Ratingbureaus d&uuml;rften als virtuell anzusehen sein.<br>\nSollte das Vertrauen aufh&ouml;ren der USA endlosen Kredit zu verschaffen klappt das finanzielle System der Welt wie ein Kartenhaus zusammen.<\/p><p>Die Gefahr der Dollarhegemonie liegt in ihrer Monokultur.<br>\nIst wie B&ouml;rse und Kasino alles auf eine Aktie oder 1 Roulettezahl.<br>\nFr&uuml;her oder sp&auml;ter geht das schief.<\/p><p>Mit freundlichem Gru&szlig;<br>\nPatrick Janssens<br>\nBrasschaat<br>\nBelgien<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>danke f&uuml;r die klar geschriebene und gut verst&auml;ndliche Erkl&auml;rung. Ich habe viel daraus gelernt.<\/p><p>Aber nat&uuml;rlich gibt es ein &ldquo;Aber&rdquo;. Vielleicht k&ouml;nnen Sie mir das auch noch aufkl&auml;ren.<\/p><p>Dass der Dollar von Staaten und Unternehmen auf der ganzen Welt als Transaktions- und Reservew&auml;hrung verwendet wird, hat ja auch zur Folge, dass vermutlich der gr&ouml;&szlig;te Teil der jemals emittierten Dollars heute au&szlig;erhalb der USA umgesetzt wird. Wenn die USA (oder Unternehmen in den USA) im Ausland mit Dollars bezahlen, dann senkt das nicht den Wert des Dollars, weil a) der Dollar auch von Anbietern au&szlig;erhalb der USA nachgefragt wird und b) alle Beteiligten, wie Sie gezeigt haben, ein Interesse daran haben, den Dollar stabil zu halten.<\/p><p>Diese Konstruktion erm&ouml;glicht den USA ihr gigantisches Handelsbilanzdefizit. Seit ungef&auml;hr Ende der 70er Jahre (vermutlich nicht zuf&auml;llig ungef&auml;hr seit dem Ende von Bretton-Woods, oder?) haben die USA erst langsam, dann beschleunigt immer mehr gekauft, als sie verkauft haben (s. z.B. hier: https:\/\/de.investing.com\/economic-calendar\/trade-balance-286). Da man Geld nicht essen kann und auch nicht zu erwarten ist, dass die USA diese Rechnung jemals ausgleichen, kann man plakativ sagen: Die USA haben sich vom Rest der Welt Waren von durchschnittlich ca. 30 Mrd Dollar pro Jahr schenken lassen. Das geht nur deshalb, weil der Rest der Welt das Geld nicht wieder zur&uuml;ck auf die Realg&uuml;term&auml;rkte der USA tr&auml;gt &ndash; dann w&uuml;rde der Dollar abst&uuml;rzen.<\/p><p>Das geht aber nur solange gut, wie der Rest der Welt diese Dollars akzeptiert, weil die Warenverk&auml;ufer davon ausgehen, daf&uuml;r ihrerseits etwas im selben Wert kaufen zu k&ouml;nnen. Wenn aber die Rolle des Dollars als Reservew&auml;hrung schwindet, werden die USA ihre Schulden irgendwann in Leistung bezahlen m&uuml;ssen (was sie weder k&ouml;nnen noch wollen), oder bankrott gehen.<\/p><p>Stimmt das, oder ist das ebenfalls ein Denkfehler?<\/p><p>Mit herzlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nKonrad Lehmann<\/p><p><em><strong>Antwort Jens Berger:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Lieber Herr Lehmann,<\/em><\/p><p><em>das kann man in dieser Klarheit nicht sagen. Es gibt einen Unterschied zwischen Dollar-Guthaben und Dollar-Forderungen und die wiederum sind von Dollar-Konten zu unterscheiden. Hier wird es jedoch sehr kompliziert. Aus Sicht der FED sind auch alle Auslandskonten, die in Dollar notieren, Verbindlichkeiten, w&auml;hrend z.B. US-Staatsanleihen Forderungen sind. Ich f&uuml;rchte aber, dies jetzt im Detail auseinander zu nehmen, w&uuml;rde zu weit gehen und auch nicht unbedingt weiterf&uuml;hren. Zu ihrem Punkt: Ich habe im Artikel ja das Petrodollar-Recyling angesprochen. Es ist nicht so, dass &bdquo;nur&ldquo; die USA ein &ouml;konomisches Interesse daran haben, dass ihre Au&szlig;enhandeldefizite zur&uuml;ckflie&szlig;en. Die L&auml;nder mit permanenten Au&szlig;enhandels&uuml;bersch&uuml;ssen haben ein mindestens genau so gro&szlig;es Interesse. Die Handelskriege der letzten Jahrzehnte gingen nicht um eine Auf-, sondern um eine Abwertung der eigenen W&auml;hrung, um international konkurrenzf&auml;hig zu bleiben\/werden. Sie m&uuml;ssen hier auch sehen, dass die L&auml;nder mit &Uuml;bersch&uuml;ssen permanent Forderungen aufbauen. Das k&ouml;nnen Staatsanleihen sein, das k&ouml;nnen aber auch Besitztitel (Aktien, Immobilien, Unternehmen usw) sein. <\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>Ihr Artikel stellt viele technische Punkte anschaulich dar, ich habe ihn gerne gelesen.<\/p><p>Allerdings finde ich, dass Sie den Wald vor lauter B&auml;umen nicht meh sehen und das Thema letztlich untersch&auml;tzen. Meiner Meinung nach wird der Niedergang des Dollars nat&uuml;rlich nicht &uuml;ber Nacht, aber doch unaufh&ouml;rlich stattfinden mit gravierenden Konsequenzen, die letztlich eben doch die Weltmachtstellung der USA beenden werden. <\/p><p>Es geht auf den Finanzm&auml;rkten letztlich immer um Vertrauen. Dieses hatte der Rest der Welt bisher freiwillig oder unfreiwillig in die St&auml;rke der amerikanischen Volkswirtschaft und des US-Milit&auml;rs. Beides hat bereits stark gelitten und wird sich fortsetzen. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus ist es nat&uuml;rlich m&ouml;glich, eine alternative technische Infrastruktur f&uuml;r das US-dominierte Finanzsystem bereitzustellen &ndash; also Alternativen f&uuml;r SWIFT, f&uuml;r den Dollar als Weltreservew&auml;hrung, usw. Und ich gehe fest davon aus, dass das durch BRICS+ forciert vorangetrieben wird. <\/p><p>Nicht zuletzt: Die nichtwestliche Welt hat einen immer gr&ouml;&szlig;eren Willen sich aus der jahrhundertelangen Unterjochung durch den Westen zu befreien, auch wenn es kurzfristig Nachteile bedeuten mag. Das sollte man keinesfalls untersch&auml;tzen.<\/p><p>Sie wissen vermutlich, dass u.a. Ray Dalio, Michael Hudson und Zoltan Poszar dieses Thema g&auml;nzlich anders bewerten als Sie.<br>\nUnd diese Leute verstehen m.E. nun wirklich das Finanzsystem bis in alle Details.<\/p><p>Machen Sie weiter mit Ihrer wichtigen Arbeit!<\/p><p>VG<br>\nSiegler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/f8d3bb83e324488db90aa452fe850b81\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92712\">&bdquo;Hintergrund: Denkfehler Dollarhegemonie&ldquo;<\/a> greift Jens Berger verschiedene auch und gerade in kritischen und alternativen Medien verbreitete Thesen auf, in denen es um einen vermeintlichen Angriff auf den US-Dollar als R&uuml;ckgrat der globalen Hegemonialinteressen der USA geht. Dazu erreichten uns einige Leserbriefe, die jedoch oft weitere popul&auml;re Denkfehler zu makro&ouml;konomischen und finanzwirtschaftlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93241\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-93241","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93241","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=93241"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93241\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93244,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93241\/revisions\/93244"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=93241"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=93241"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=93241"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}