{"id":93375,"date":"2023-02-03T11:10:08","date_gmt":"2023-02-03T10:10:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93375"},"modified":"2023-02-03T12:10:23","modified_gmt":"2023-02-03T11:10:23","slug":"vor-zwei-jahren-der-burmesische-militaerputsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93375","title":{"rendered":"Vor zwei Jahren: der burmesische Milit\u00e4rputsch"},"content":{"rendered":"<p>Am letzten Mittwoch war ein grausamer und tragischer Jahrestag. Am 1. Februar 2021 marschierte der Milit&auml;rchef, General Min Aung Hlaing, mit seinen Truppen in die birmanische Hauptstadt ein und st&uuml;rzte die gew&auml;hlte Regierung Myanmars. Die demokratisch gew&auml;hlte Regierungschefin, Aung San Suu Kyi, und Staatspr&auml;sident U Win Myint<strong> <\/strong>wurden verhaftet. Der Konflikt zwischen dem birmanischen Milit&auml;r und den Aktivisten, die gegen den Putsch protestieren, eskalierte mit weitverbreiteter Gewalt im ganzen Land. Im vergangenen Jahr verst&auml;rkte die Milit&auml;rjunta ihre Bem&uuml;hungen, jegliche Opposition gegen ihre Machtergreifung auszul&ouml;schen. Von <strong>Marco Wenzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSeit dem Putsch verfolgt die Welt entsetzt, wie das birmanische Milit&auml;r die Bev&ouml;lkerung terrorisiert, um seine Macht zu erhalten. Die Zahl der Todesopfer ist ersch&uuml;tternd. Das Milit&auml;r geht in den gro&szlig;en St&auml;dten gegen Demonstranten vor und st&ouml;&szlig;t auf dem Lande regelm&auml;&szlig;ig mit aufst&auml;ndischen Rebellen zusammen.<\/p><p>Aung San Suu Kyi wurde in einem geheimen Verfahren wegen einer Reihe von erfundenen Anschuldigungen verurteilt, die sie f&uuml;r den Rest ihres Lebens hinter Gitter bringen. Das birmanische Milit&auml;r sorgte f&uuml;r internationale Schlagzeilen, als es vier Aktivisten, die gegen den Putsch protestierten, h&auml;ngte und damit zum ersten Mal seit &uuml;ber 30 Jahren wieder die Todesstrafe verh&auml;ngte.<\/p><p><strong>Stiller Streik legt Myanmar anl&auml;sslich des Jahrestages des Putsches lahm<\/strong><\/p><p>Die Stra&szlig;e in der N&auml;he der Sule-Pagode blieb gestern w&auml;hrend des &bdquo;stillen Streiks&ldquo; anl&auml;sslich des zweiten Jahrestages des Putsches in Yangon leer. Obwohl die Junta mit der Beschlagnahmung von Unternehmen und Strafverfolgung drohte, war es der vierte stille Streik nach fr&uuml;heren Schlie&szlig;ungen am 24. M&auml;rz 2021, am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2021 und am 1. Februar letzten Jahres.<\/p><p>Trotz der Drohungen des Regimes waren auch am Mittwoch die Gesch&auml;fte im ganzen Land durch einen landesweiten Schweigestreik geschlossen. Die Bewohner blieben in ihren H&auml;usern. Die Beteiligung war allumfassend und zeigte die Solidarit&auml;t der Bev&ouml;lkerung gegen das Regime. &bdquo;Wir sagen der Welt, dass wir nicht vergessen werden, was an diesem Morgen vor zwei Jahren geschah&ldquo;, so ein Einwohner von Rangun.<\/p><p>Parallel dazu kam es in fast allen gro&szlig;en St&auml;dten S&uuml;dostasiens zu Demonstrationen vor der Botschaft von Myanmar, insbesondere in Bangkok, dem Nachbarland mit einer gro&szlig;en Anzahl von Immigranten und Fl&uuml;chtlingen aus Myanmar. Myanmar war gestern Thema in allen gro&szlig;en Zeitungen und auf allen Fernsehkan&auml;len in der Region. Nur die Global Times brachte nichts, da die chinesische Regierung bedauerlicherweise der Milit&auml;rjunta, wenn auch zunehmend vorsichtiger, immer noch die Treue h&auml;lt.<\/p><p>Pro-Junta-Loyalisten bedrohten diejenigen, die dazu aufriefen, die Gesch&auml;fte zu schlie&szlig;en. Das Regime sperrte geschlossene Gesch&auml;fte ab und drohte, dass die Besitzer bestraft w&uuml;rden, wenn sie nicht &ouml;ffneten.<\/p><p>Obwohl die Regimegegner f&uuml;r diesen Tag gr&ouml;&szlig;ere Aktionen angek&uuml;ndigt hatten, blieb es eigentlich erstaunlich ruhig. Das mag daran gelegen haben, dass die Opposition vorsichtig und kl&uuml;ger geworden ist und nicht gerade dann hervortritt, wenn die Junta nur darauf wartet. Die Taktik der Opposition ist, angesichts der &uuml;berlegenen Feuerkraft der Tatmadaw, eher eine Guerillataktik. Sie schlagen zu, wenn der Gegner es am wenigsten erwartet und ziehen sich zur&uuml;ck, sobald sie unterlegen sind. Der Tag kann trotzdem als Erfolg gewertet werden, hat er doch erneut die Einigkeit und Geschlossenheit der Bev&ouml;lkerung gegen das verhasste Regime gezeigt.<\/p><p>Die Junta &bdquo;feierte&ldquo; den Tag auf ihre Weise, indem sie den Ausnahmezustand um weitere sechs Monate verl&auml;ngerte. Myanmar wird also offiziell noch sechs weitere Monate unter Milit&auml;rherrschaft stehen. Nach dem Putsch hatte das Milit&auml;r den Ausnahmezustand f&uuml;r ein Jahr verh&auml;ngt und diesen darauffolgend jedes Mal f&uuml;r sechs Monate verl&auml;ngert. Der n&auml;chste &bdquo;Feiertag&ldquo; f&uuml;r das Milit&auml;r steht f&uuml;r den 27. Februar an, den traditionellen &bdquo;Tag des Milit&auml;rs&ldquo;. An diesem Tag vor zwei Jahren, einem Sonntag, gab es das erste gro&szlig;e Blutbad mit unz&auml;hligen Toten. (Wir berichteten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70296\">in diesem Artikel<\/a> dar&uuml;ber.)<\/p><p>Dieser 27. Februar war ein Wendepunkt. Das Regime hatte gezeigt, dass es jede Opposition mit Blut und Gewalt ersticken w&uuml;rde, und die Regimegegner hatten begriffen, dass sie mit friedlichen Demonstrationen nichts erreichen werden. Sie begannen, sich im Untergrund zu organisieren und zu bewaffnen. Kurz darauf wurde die Untergrundregierung NUG gegr&uuml;ndet und wenige Monate sp&auml;ter ihre Armee, die Volksverteidigungskr&auml;fte PDF.<\/p><p>Die Bewegung f&uuml;r zivilen Ungehorsam (Civil Disobedience Movement, CDM) und die Generation-Z haben unter dem Beifall der internationalen Gemeinschaft gleich am Anfang eine starke Rolle gespielt. Die CDM konnte die Mechanismen der Junta aufhalten und die Generation-Z spielte eine f&uuml;hrende Rolle in der Widerstandsbewegung. Die Volksverteidigungskr&auml;fte entstanden erst, als die Menschen versuchten, sich selbst zu verteidigen, nachdem das Milit&auml;r in Myanmar brutal gegen friedliche Kundgebungen vorgegangen war.<\/p><p><strong>Zwei Jahre Milit&auml;rherrschaft, eine schreckliche Bilanz<\/strong><\/p><p>Seit dem 1. Februar 2021 hat das Regime 2.947 Menschen bei Gr&auml;ueltaten im ganzen Land get&ouml;tet. Unter den Ermordeten befinden sich 282 Kinder. Mindestens 17.525 Menschen, darunter 489 Kinder, wurden verhaftet, weil sie sich der Milit&auml;rherrschaft widersetzten, und 13.719 sitzen noch im Gef&auml;ngnis. Milit&auml;rgerichte haben 143 Menschen, darunter auch Junta-Gegner, zum Tode verurteilt. Vier Urteile wurden bereits vollstreckt.<\/p><p>Mindestens 84 Mitglieder von Suu Kyis abgesetzter Regierungspartei wurden verhaftet und ermordet. Tausende von Parteimitgliedern wurden inhaftiert, darunter 80 gew&auml;hlte Abgeordnete. Die Junta beschlagnahmte 371 H&auml;user und Grundst&uuml;cke von NLD-Mitgliedern, griff die B&uuml;ros der Partei an und beschlagnahmte ihr Eigentum.<\/p><p>Nach Angaben des Amtes f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe der Vereinten Nationen und der Weltbank sind 1,1 Millionen Menschen aus ihren H&auml;usern vertrieben worden. 15,2 Millionen Menschen sind von Ern&auml;hrungsunsicherheit betroffen, mehr als 5 Millionen Kinder ben&ouml;tigen Hilfe und 22 Millionen Menschen leben nach zwei Jahren Junta-Herrschaft unterhalb der Armutsgrenze.<\/p><p>Das Regime fliegt Luftangriffe gegen juntafeindliche Kr&auml;fte und D&ouml;rfer. Die Luftwaffe hat letztes Jahr mindestens 668 Luftangriffe geflogen und in den vergangenen zwei Jahren mindestens 460 Menschen get&ouml;tet. Fast 50.000 H&auml;user wurden durch Brandanschl&auml;ge der Junta zerst&ouml;rt. Die Soldaten wurden mit Hubschraubern zu den D&ouml;rfern gebracht, sie fackelten dort alles ab, erschossen die Einwohner und wurden wieder per Hubschrauber abgeholt.<\/p><p>Die Wirtschaft Myanmars ist ruiniert, die W&auml;hrung im freien Fall. Ausl&auml;ndische Konzerne ziehen sich aus dem Land zur&uuml;ck, inl&auml;ndische Gesch&auml;ftsleute machen ihre L&auml;den zu. Das Land ist bankrott. Wegen der hohen Inflation und dem fallenden Kurs des Kyat sind Einfuhren aus dem Ausland unerschwinglich geworden und im Land selber wird immer weniger produziert.<strong> <\/strong>Die USA haben am Dienstag neue Sanktionen gegen Myanmar verh&auml;ngt, parallel dazu haben Kanada, Gro&szlig;britannien und andere L&auml;nder &auml;hnliche Ma&szlig;nahmen angek&uuml;ndigt. Die Felder der Bauern liegen brach, D&uuml;ngemittel sind zu teuer geworden. Es droht eine Hungersnot.<\/p><p>Das Milit&auml;r hat praktisch alle Reformen des letzten Jahrzehnts r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht und f&uuml;hrt einen brutalen Krieg gegen die Bev&ouml;lkerung, um an der Macht zu bleiben. Die Junta sieht sich jetzt einem unersch&uuml;tterlichen bewaffneten Widerstand gegen&uuml;ber und hat nur noch die Kontrolle &uuml;ber die gro&szlig;en St&auml;dte und &uuml;ber h&ouml;chsten noch 30 Prozent vom Rest des Landes. In den l&auml;ndlichen Gebieten haben die Volksverteidigungskr&auml;fte die Kontrolle und in den Regionen, wo die ethnischen Minderheiten ans&auml;ssig sind, haben deren Armeen die Kontrolle &uuml;bernommen.<\/p><p>In den letzten drei Tagen wurden mindestens 43 Soldaten der Junta get&ouml;tet, als die Volksverteidigungskr&auml;fte Ziele des Regimes im ganzen Land angriffen. Am Dienstag f&uuml;hrten die Volksverteidigungskr&auml;fte 70 Drohnenangriffe auf Regimekr&auml;fte durch, die H&auml;user in einem Dorf abfackelten. Nach Angaben der PDF wurden bei den Brandanschl&auml;gen der Junta rund 50 Geb&auml;ude niedergebrannt. Zehn Regimekr&auml;fte wurden durch Landminen der PDF in Mandalay get&ouml;tet. Mindestens 10 Regimekr&auml;fte wurden am Montag in der Region Mandalay get&ouml;tet oder verletzt, als die Nagar Ni Guerilla Force ein Fahrzeug mit 30 Soldaten mit Landminen in einen Hinterhalt lockte, wie die PDF-Gruppe mitteilte.<\/p><p>Die lokale Widerstandsgruppe Unicorn Guerrilla Force hat nach eigenen Angaben zusammen mit sechs anderen PDF-Gruppen am Dienstag Drohnen eingesetzt, um die im Dorf Shin Hla Taung im Madaya Township in der Region Mandalay stationierten Regimekr&auml;fte zu bombardieren. Die PDF-Gruppe Tawgyi Mwaybwae hat in einem Hinterhalt f&uuml;nf Regimesoldaten get&ouml;tet. Milit&auml;rische Motorboote wurden auf dem Irrawaddy-Fluss in einen Hinterhalt gelockt und die Soldaten erschossen. Sieben Regimekr&auml;fte, darunter ein Hauptmann, wurden letzte Woche durch PDF-Landminen in Magwe get&ouml;tet.<\/p><p>Zwei Milit&auml;rkommandos und eine Polizeistation wurden in Myaung angriffen, so die Civilian Defense and Security Organization of Myaung. F&uuml;nf Regimekr&auml;fte, darunter Mitglieder der regimetreuen Pyu-Saw-Htee-Miliz, wurden am Dienstag in der Gemeinde Ayadaw in der Region Sagaing get&ouml;tet. F&uuml;nf Regimekr&auml;fte wurden am Montag von PDF-Kr&auml;ften schwer verletzt, als die eine Schule und H&auml;user in einem Dorf in der Region Magwe pl&uuml;nderten und in Brand setzten.<\/p><p><strong>Wahlen im Sommer?<\/strong><\/p><p>In einem verzweifelten Versuch, seine internationale Reputation aufzup&auml;ppeln, hat die Junta Neuwahlen im Sommer dieses Jahres angek&uuml;ndigt. Niemand in Myanmar oder im Ausland geht jedoch davon aus, dass das Milit&auml;r freie und faire Wahlen abhalten wird. Die jetzige Verfassung ist bereits so ausgelegt, dass das Milit&auml;r immer das Sagen im Land beh&auml;lt. Bereits das kurze Experiment des Milit&auml;rs mit der Demokratie unter der Regierung von Suu Kyi war eine Farce. Das Milit&auml;r hatte auch unter Suu Kyi stets das Sagen, obwohl die Partei des Milit&auml;rs nur kaum 6 Prozent der Wahlstimmen f&uuml;r das Parlament auf sich vereinigen konnte.<\/p><p>Um eine erneute Wahlschlappe wie 2015 und 2020 zu vermeiden, hat die von der Junta eingesetzte Wahlkommission die Bedingungen f&uuml;r die zur Wahl zugelassenen Parteien so abge&auml;ndert, dass nur noch Parteien, die zum Milit&auml;r stehen, eine Chance haben, zugelassen zu werden. Die NLD soll vernichtet werden. Eine neue Bestimmung besagt, dass keine Parteien zur Wahl zugelassen werden, die Mitglieder haben, die im Gef&auml;ngnis sitzen. Da das Milit&auml;r fast das gesamte F&uuml;hrungspersonal der NLD verhaftet hat, m&uuml;sste die NLD, die einzig ernstzunehmende Opposition, sich von Suu Kyi und ihrem gesamten F&uuml;hrungspersonal verabschieden, um teilnehmen zu d&uuml;rfen. Parteien, die nicht an den Wahlen teilnehmen, m&uuml;ssen aufgel&ouml;st werden. Die NLD hat bereits abgelehnt und steht kurz vor ihrer Aufl&ouml;sung durch die Junta. Zudem wurden die Geb&uuml;hren f&uuml;r die Einschreibung in astronomische H&ouml;hen getrieben, kleinere Parteien werden sich die Wahlteilnahme kaum leisten k&ouml;nnen.<\/p><p>International. haben bereits alle Regierungen, darunter auch die USA, gesagt, sie w&uuml;rden keine fairen Wahlen erwarten.<\/p><p>Es wird unter diesen Umst&auml;nden f&uuml;r die Junta auch technisch schwierig sein, &uuml;berhaupt Wahlen abzuhalten. Bereits jetzt, wo die ersten B&uuml;ros zur Zusammenstellung der W&auml;hlerlisten er&ouml;ffnet wurden und die ersten Beamten zur Erfassung der W&auml;hler losgeschickt wurden, weht ihnen von Seiten der Bev&ouml;lkerung und den PDF ein rauer Wind entgegen. Die Beamten werden als Feinde gesehen, angegriffen, sind in st&auml;ndiger Lebensgefahr, sobald sie einen Fu&szlig; nach drau&szlig;en setzen, einige wurden bereits get&ouml;tet, die ersten B&uuml;ros wurden in Brand gesetzt oder mit Sprengs&auml;tzen angegriffen.<\/p><p>In mindestens der H&auml;lfte des Landes sind Wahlen, zudem noch im Ausnahmezustand, unm&ouml;glich, da das Milit&auml;r die Gebiete nicht kontrolliert, was selbst Min Aung Hlaing in einer Sitzung zugab. Hinzu kommt noch, dass es in ganz Myanmar kaum jemanden gibt, der auch nur im Entferntesten daran denkt, unter solchen Bedingungen w&auml;hlen zu gehen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Wir glauben, dass wir siegreich sein werden&ldquo;&hellip;<\/strong><\/p><p>So die Meinung sowohl in der Bev&ouml;lkerung, bei der Untergrundregierung, bei den Volksverteidigungskr&auml;ften als auch bei den ethnischen Gruppen, die sich dem bewaffneten Kampf gegen die Milit&auml;rjunta angeschlossen haben. Die Untergrundregierung NUG, abgesehen von der Tatsache, dass sie in ganz Myanmar als die einzig legitime Regierung allgemein anerkannt wird, ist zunehmend international erfolgreich. In den zwei Jahren ihres Kampfes gegen das Regime hat die NUG in vielen Bereichen milit&auml;risch, in den internationalen Beziehungen und in der Politik bedeutende Fortschritte gemacht.<\/p><p>Der Putsch im Februar 2021 hat das Land mehr geeint als gespalten. Die verschiedenen Gruppen, die das Milit&auml;r in den letzten 60 Jahren Milit&auml;rdiktatur immer auseinanderzudividieren verstand, sind n&auml;her zusammenger&uuml;ckt im Kampf gegen den gemeinsamen Feind.<\/p><p>Immer mehr Gebiete geraten unter Kontrolle der Opposition. Diese organisieren jetzt dort das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die Verwaltung. Sie haben in diesen Gebieten mehr als 4.000 Schulen und 55 Krankenh&auml;user er&ouml;ffnet. Die NUG-Verwaltung ist in 80 Gemeinden in Kraft und ist dabei, die Verwaltung auf Bezirksebene auszuweiten. Das Justizsystem wird bald folgen.<\/p><p>Die NUG hat die fehlerhafte Politik von Suu Kyi erkannt, die es nie verstanden hat, die Minderheiten in Myanmar in ihre Politik mit einzubeziehen. Suu Kyis Stellungnahme zugunsten des Milit&auml;rs gegen die Rohingya im Jahre 2017 war in dieser Hinsicht eine Katastrophe und hat die NLD viel Kredit sowohl bei den Minderheiten in Myanmar als auch bei der internationalen Gemeinschaft gekostet. Die NUG jetzt ist auf die ethnischen Minderheiten zugegangen und schl&auml;gt nach der siegreichen Revolution eine f&ouml;derale Verfassung mit gleichen Rechten und Teilautonomie f&uuml;r alle 135 (!) ethnischen Gruppierungen im Land in einer zu errichtenden f&ouml;deralen Republik Myanmar vor. Zu den positiven Dingen, die die Revolution in den letzten zwei Jahren gebracht hat, geh&ouml;ren das Verst&auml;ndnis f&uuml;r die ethnischen V&ouml;lker und die Besinnung auf die f&ouml;derale Demokratie. Diese Dinge sind ein gro&szlig;er Fortschritt f&uuml;r die nationale Vers&ouml;hnung des Landes.<\/p><p>Suu Kyi hatte eine F&ouml;deration abgelehnt. Wie sie das heute sieht, kann niemand wissen, da sie keinen Zugang zur Au&szlig;enwelt hat. Vielleicht k&ouml;nnte die Junta sie in einem letzten verzweifelten Versuch freilassen in der Hoffnung, dass sie wieder eine gewaltfreie L&ouml;sung mit Kompromissen f&uuml;r eine Einigung mit dem Milit&auml;r predigt. Das aber will niemand in Myanmar mehr h&ouml;ren und obwohl Suu Kyi noch immer als Mutter der Nation verehrt wird, wird keiner mehr auf solche Worte h&ouml;ren. Es ist Konsens unter allen Teilen der Bev&ouml;lkerung, dass das Milit&auml;r ein f&uuml;r alle Mal entfernt werden muss.<\/p><p>2023 soll laut Aussagen der meisten Oppositionsgruppen das entscheidende Jahr werden. Sie haben geschworen, dieses Jahr ihre Anstrengungen zu verdoppeln und sich nicht weiter auseinanderdividieren zu lassen. Gemeinsam wollen sie das Milit&auml;r noch in diesem Jahr nicht nur zum Teufel jagen, sondern auch zur Rechenschaft ziehen und sicherstellen, dass es nie wieder eine Rolle in Myanmar spielen wird. Der Kampf gegen das Regime gewinnt nach zwei Jahren weiter an Schwung und wird mit Sicherheit noch blutiger werden. Das Volk von Myanmar hat heldenhaft reagiert, indem es sich mit unglaublichem Mut und Widerstandskraft gegen das Milit&auml;r erhoben hat und den Wunsch des Milit&auml;rs, das Land in die dunklen Tage der Vergangenheit zur&uuml;ckzuversetzen, nicht akzeptieren wird.<\/p><p>Das Milit&auml;r steht mit dem R&uuml;cken zur Wand. Es gibt keine Hoffnung f&uuml;r die Junta. Der Hass ist ins Unermessliche gestiegen, Nichtbetroffene k&ouml;nnen sich das nur schwer vorstellen. Jedes einzelne Junta-Mitglied kann von Gl&uuml;ck sagen, wenn es nicht auf der Stelle gelyncht wird, wenn es dem Volk in die H&auml;nde f&auml;llt. Und weil die Tatmadaw das selber wissen, werden sie sich bis zur letzten Patrone wehren. Die Nazis wussten auch, was sie dem Volk angetan hatten und dass man sie nicht ungeschoren davonkommen lassen w&uuml;rde. Viele haben damals, als es zu Ende ging, Selbstmord begangen. In Myanmar ist es &auml;hnlich. Es wird nach allem, was passiert ist, nach all dem Morden, Pl&uuml;ndern und Brandschatzen kein Verzeihen mehr geben.<\/p><p>Das Volk von Myanmar ist allerdings frustriert &uuml;ber die mangelnde internationale Aufmerksamkeit f&uuml;r ihre Notlage und die unzureichende Unterst&uuml;tzung, die sie von der internationalen Gemeinschaft, auch von den ASEAN, erhalten haben.<\/p><p>Dazu Bertil Lintner am 13. Dezember 2022 in <a href=\"https:\/\/www.irrawaddy.com\/opinion\/guest-column\/myanmars-generals-the-banality-of-evil.html\">&bdquo;The Irrawaddy&ldquo;<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Inzwischen sollte die internationale Gemeinschaft aus ihren groben Fehlinterpretationen der politischen Kultur des Milit&auml;rs in Myanmar vor dem Staatsstreich gelernt haben. Sie h&ouml;ren nur auf sich selbst, und die einzige Sprache, die sie verstehen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie wollen, ist Gewalt. Aber das geschieht gerade jetzt. Westliche Weltverbesserer sind wieder unterwegs, in der Hoffnung, eine Art von Beziehung zu den Gener&auml;len aufzubauen, um das Unerreichbare zu erreichen: sie in anst&auml;ndige Menschenfreunde zu verwandeln.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Putschgeneral Min Hlaing ist ein Verlierer an allen Fronten, lokal und international. Die Revolution gegen ihn findet im ganzen Land statt. Die Widerstandsgruppen sind jetzt in der Lage, miteinander zu kooperieren, um Angriffe auf die Junta zu starten. Min Hlaing wird in diesem Jahr verzweifelte Versuche unternehmen, einschlie&szlig;lich der Abhaltung von Wahlen, da ihm die M&ouml;glichkeiten ausgehen. Unsere Priorit&auml;t muss sein, wie wir sie von dieser Erde loswerden! Ich wage zu behaupten, dass es in diesem Jahr milit&auml;risch und politisch zu Ver&auml;nderungen kommen wird. Die Milit&auml;rs haben f&auml;lschlicherweise geglaubt, ihr Putsch w&uuml;rde gelingen, weil sie Waffen haben. Sie haben das Volk untersch&auml;tzt. Jetzt, zwei Jahre sp&auml;ter, k&ouml;nnen sie das Land immer noch nicht kontrollieren, denn die Revolution gegen sie ist in vollem Gange. Politisch gesehen ist jetzt eine Zeit der nationalen Einheit, wie wir sie noch nie erlebt haben, da die verschiedenen Kr&auml;fte, die sich gegen das Regime stellen, zu einer Einheit geworden sind,&ldquo; so ein Soldat der PDF.<\/p><p>Titelbild: Bumble Dee\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am letzten Mittwoch war ein grausamer und tragischer Jahrestag. Am 1. Februar 2021 marschierte der Milit&auml;rchef, General Min Aung Hlaing, mit seinen Truppen in die birmanische Hauptstadt ein und st&uuml;rzte die gew&auml;hlte Regierung Myanmars. Die demokratisch gew&auml;hlte Regierungschefin, Aung San Suu Kyi, und Staatspr&auml;sident U Win Myint<strong> <\/strong>wurden verhaftet. Der Konflikt zwischen dem birmanischen Milit&auml;r<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93375\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":93376,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,212,20],"tags":[3033,2169,912,282,3024,2163,2840,2177,2875,2263,663,309,1176,2852],"class_list":["post-93375","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","tag-aung-san-suu-kyi","tag-ausnahmezustand","tag-buergerkrieg","tag-buergerproteste","tag-ethnische-minderheiten","tag-gefaengnis","tag-massenmord","tag-militaerdiktatur","tag-myanmar","tag-neuwahl","tag-putsch","tag-repressionen","tag-streik","tag-wirtschaftsdepression"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Shutterstock_1898310430.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93375","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=93375"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93375\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93379,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93375\/revisions\/93379"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/93376"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=93375"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=93375"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=93375"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}