{"id":93405,"date":"2023-02-04T14:00:49","date_gmt":"2023-02-04T13:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93405"},"modified":"2023-02-06T12:28:15","modified_gmt":"2023-02-06T11:28:15","slug":"reportage-ueber-humanitaeren-hilfstransport-von-moskau-nach-donezk-finanziert-von-deutschen-spendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93405","title":{"rendered":"Reportage \u00fcber humanit\u00e4ren Hilfstransport von Moskau nach Donezk, finanziert von deutschen Spendern"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt wohl wenige Deutsche, die einen so intensiven Kontakt mit den Menschen im Donbass haben, wie Liane Kilinc, die seit 2015 mit ihrem Verein <a href=\"https:\/\/fbko.org\/?lang=de\">&bdquo;Friedensbr&uuml;cke-Kriegsopferhilfe&ldquo;<\/a> in Not geratenen Menschen in dem Kriegsgebiet Donbass hilft. Liane Kilinc war dabei, als am Dienstag am &ouml;stlichen Stadtrand von Moskau der 52. Zwanzig-Tonnen-LKW mit humanit&auml;rer Hilfe f&uuml;r hilfsbed&uuml;rftige Menschen in Donezk beladen wurde. In den letzten f&uuml;nf Jahren finanzierte der Verein &bdquo;Friedensbr&uuml;cke&ldquo; mit Sitz in Wandlitz 17 Transporte der russischen Hilfsorganisation &bdquo;Moskau-Donbass&ldquo; nach Donezk. <strong>Ulrich Heyden<\/strong> sprach in Moskau mit den Organisatoren und Helfern des Hilfsg&uuml;tertransportes.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5158\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-93405-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230206-Hilfstransport-von-Moskau-nach-Donezk-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230206-Hilfstransport-von-Moskau-nach-Donezk-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230206-Hilfstransport-von-Moskau-nach-Donezk-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230206-Hilfstransport-von-Moskau-nach-Donezk-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=93405-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230206-Hilfstransport-von-Moskau-nach-Donezk-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230206-Hilfstransport-von-Moskau-nach-Donezk-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am &ouml;stlichen Stadtrand von Moskau im vierten Stock eines langgestreckten, modernen Lagerhauses befindet sich das Lager, in dem private Spenden von Russen f&uuml;r Hilfsbed&uuml;rftige im Donbass gesammelt werden. Liane Kilinc, von Beruf Finanzkauffrau, 19 Jahre in der Pflege t&auml;tig und neun Jahre lang DDR-Meisterin im Nationalkader des Jugend-Bahnradsports, f&uuml;hrte mich durch das Lager, in dem sich Kisten und dicke B&uuml;ndel mit Kleidung stapelten. <\/p><p>Die Hilfs-Organisatorin erz&auml;hlte, &bdquo;hier kommt alles an, was den allt&auml;glichen Bedarf betrifft. Zurzeit sind am n&ouml;tigsten Trinkwasser, Hygiene-Artikel, Kleidung, Baby-Nahrung und Mehl f&uuml;r Brot. Und wir haben hier auch Kinderb&uuml;cher. Wir k&ouml;nnen sagen, dass wir im Monat einen Transport von Moskau aus losschicken. Das sind immer zwanzig Tonnen Hilfsg&uuml;ter.&ldquo;<\/p><p><strong>Korridor f&uuml;r den LKW mit humanit&auml;rer Hilfe<\/strong><\/p><p>Ob es f&uuml;r den LKW-Fahrer gef&auml;hrlich sei, in das Kriegsgebiet Donezk zu fahren, fragte ich. Kilinc: &bdquo;Es gibt einen humanit&auml;ren Korridor. Der wird f&uuml;r zwei Tage festgelegt. An den m&uuml;ssen wir uns halten.&ldquo; Liane erz&auml;hlte auch, dass sie schon mal solch einen Transport begleitet hat und dass sie plane, den n&auml;chsten Transport im Februar zu begleiten. &bdquo;Ich werde mich dann auch an der Verteilung beteiligen. Wir hatten einen Spendenaufruf. Dieser sowie der n&auml;chste und &uuml;bern&auml;chste Transport sind schon finanziert. Ein Transport mit 20 Tonnen von Moskau nach Donezk kostet 3.000 Euro.&ldquo;<\/p><p>In den letzten Wochen sei die Lage in der Volksrepublik Donezk sehr angespannt gewesen. &bdquo;Ich habe t&auml;glich von dort die Meldung bekommen, wir k&ouml;nnen gerade keine Hilfe ausliefern, der Beschuss ist zu stark, es ist zu gef&auml;hrlich.&ldquo;<\/p><p>Viele Menschen seien in den letzten acht Monaten wegen der ukrainischen Angriffe aus dem Donbass nach Russland evakuiert worden oder freiwillig in die Russische F&ouml;deration gegangen, erz&auml;hlt die Aktivistin. In die Lager, in denen diese Menschen wohnen &ndash; zum Beispiel in den Gebieten Kaluga und Anapa &ndash; bekomme man nur schwer Zutritt. &bdquo;Das ist ein abgetrennter Bereich. Direkt k&ouml;nnen wir die Menschen in den Fl&uuml;chtlingslagern nicht unterst&uuml;tzen. Aber wir haben Weihnachtsfeste und Veranstaltungen f&uuml;r diese Menschen finanziert.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Die falsche Hilfe, die falschen Leute, der falsche Ort&ldquo; <\/strong><\/p><p>Die meisten Medien in Deutschland berichteten nicht korrekt &uuml;ber die Hilfe von &bdquo;Friedensbr&uuml;cke-Kriegsopferhilfe&ldquo;, sagte Kilinc. &bdquo;Es ist die falsche Hilfe, es sind die falschen Leute und es ist der falsche Ort.&ldquo; <\/p><p>Schon vor dem Februar 2022 sei es nicht leicht gewesen. &bdquo;Aber ab Februar 2022 hat es sich versch&auml;rft. Wir werden in die strafrechtliche Ecke geschoben. Aber wir lassen uns von unserer humanit&auml;ren Hilfe nicht abbringen.&ldquo;<\/p><p>Die Reaktion der Menschen aus dem Donbass auf die Hilfe sei enorm. &bdquo;Allein im letzten Monat haben wir &uuml;ber hundert Briefe bekommen. Kinder malen Bilder f&uuml;r uns. Es gibt immer R&uuml;ckmeldungen.&ldquo;<\/p><p>Ob es &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist, alle Hilfsbed&uuml;rftigen im Donbass zu versorgen, frage ich. Kilinc: &bdquo;Wir sind nicht die Einzigen, die humanit&auml;re Hilfe leisten. Russland selbst leistet Hilfe. Und es gibt noch andere Organisationen, die das machen. Wir haben in Donezk ein zentrales Lager. Von dort wird es dann nach Bedarf und in Absprache mit den Verwaltungen verteilt. Es gibt Listen dar&uuml;ber, wer bed&uuml;rftig ist.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Alle Arbeit wird freiwillig geleistet&ldquo;<\/strong><\/p><p>Direkt vor dem LKW, der gerade beladen wurde, kam ich mit Elena Romanenko, der Leiterin der russischen Hilfsorganisation &bdquo;Moskau-Donbass&ldquo;, ins Gespr&auml;ch. Sie erz&auml;hlte, dass ihre Organisation seit 2015 insgesamt 52 Zwanzig-Tonnen-LKWs mit humanit&auml;rer Hilfe in den Donbass geschickt hat. &bdquo;Alle Pakete sind nummeriert. Auf jedem Paket steht der Inhalt, Schuhe, Konserven oder anderes. Die Pakete werden von Freiwilligen gepackt. Niemand bekommt Geld daf&uuml;r. Die humanit&auml;re Hilfe kommt aus verschiedenen St&auml;dten Russlands, Rjasan, Tula, aus dem Moskauer Gebiet, St. Petersburg und Jekaterinburg.&ldquo;<\/p><p>Was sind die wichtigsten Hilfsg&uuml;ter, will ich von Elena wissen. &bdquo;Kleidung, Schuhe und Medikamente. In vielen D&ouml;rfern und St&auml;dten gibt es keine Heizung. In Donezk gibt es schon seit einem halben Jahr kein Wasser und keinen Strom mehr. Wir helfen auch Schwerbehinderten mit Rollst&uuml;hlen, Pampers und verschiedenen Hygiene-Artikeln.&ldquo;<\/p><p>Die prek&auml;re Situation mit dem Wasser in der Gro&szlig;stadt Donezk kann ich best&auml;tigen. Als ich letztes Jahr im August und September in der Stadt war, gab es in meinem Hotel immer nur f&uuml;r ein paar Stunden Wasser. Trinkwasser kaufte ich mir im Supermarkt. <\/p><p><strong>&bdquo;Soldaten helfen hier nicht&ldquo;<\/strong><\/p><p>Elena Romanenko legte Wert auf die Feststellung, dass unter den zwanzig M&auml;nnern, welche die Pakete in den LKW luden, kein einziger Soldat sei. Es seien Angestellte, Bauarbeiter, Lehrer, Kleinunternehmer und dabei sei auch ein Fitness-Trainer. &bdquo;Viele unserer Helfer waren nie im Donbass. Einige unserer Helfer waren gezwungen, den Donbass nach den Ereignissen 2014 zu verlassen, weil sie am &sbquo;Russischen Fr&uuml;hling&lsquo; teilgenommen haben. Sie kommen aus Charkow, Nikolajew und Odessa.&ldquo; Als &bdquo;Russischer Fr&uuml;hling&ldquo; wird die Protestbewegung f&uuml;r eine F&ouml;deralisierung in der S&uuml;dostukraine im Fr&uuml;hjahr 2014 bezeichnet. <\/p><p>Elena erz&auml;hlte, die Sicherheitslage in Donezk sei seit dem Februar 2022 angespannt. &bdquo;Die Kinder gehen nicht in Kinderg&auml;rten und nicht zur Schule, weil das gef&auml;hrlich ist, wegen der Besch&uuml;sse durch die ukrainische Armee. Sie haben Distanzunterricht. In anderen St&auml;dten gehen die Kinder in Kinderg&auml;rten und in die Schule.&ldquo;<\/p><p>Wie k&ouml;nnen die Menschen in Donezk es &uuml;berhaupt in einer Stadt aushalten, die st&auml;ndig beschossen wird, frage ich Elena Romanenko. &bdquo;Die Menschen sind Patrioten ihrer Region. Trotz der Beschie&szlig;ungen wollen Viele diese Region nicht verlassen. Sie sagen, wenn ich wegfahre, wer bleibt dann in meiner Stadt? Die Stadt wird leer sein. Ich fahre nicht weg.&ldquo;<\/p><p>Einer der Helfer, die Pakete in den LKW hievten, war Gleb, ein Ingenieur aus Moskau. Er erz&auml;hlte, sein Gro&szlig;vater sei im Donbass Bergarbeiter gewesen und habe im Zweiten Weltkrieg dort gegen die Hitler-Wehrmacht gek&auml;mpft. <\/p><p>Warum er hier helfe, fragte ich Gleb. Er antwortete, &bdquo;ich helfe hier, weil in Donezk Menschen leben, die so denken wie ich. Ich kann sie nicht alleine lassen&ldquo;. <\/p><p>Mein Interview mit Liane Kilinc &uuml;ber humanit&auml;re Arbeit im Donbass im Juni 2022 findet sich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85056\">unter diesem Link<\/a>, meine Reportage &uuml;ber die Reise von Liane Kilinc in die Stadt Charzysk, wo sie Lebensmittel an kinderreiche Familien verteilte, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89063\">unter diesem Link<\/a>.<\/p><p>Titelbild: &copy; Ulrich Heyden<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/0c0fd652c624462484e6bdaa82a91546\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt wohl wenige Deutsche, die einen so intensiven Kontakt mit den Menschen im Donbass haben, wie Liane Kilinc, die seit 2015 mit ihrem Verein <a href=\"https:\/\/fbko.org\/?lang=de\">&bdquo;Friedensbr&uuml;cke-Kriegsopferhilfe&ldquo;<\/a> in Not geratenen Menschen in dem Kriegsgebiet Donbass hilft. 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