{"id":9355,"date":"2011-05-06T15:57:35","date_gmt":"2011-05-06T13:57:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9355"},"modified":"2014-08-28T15:18:16","modified_gmt":"2014-08-28T13:18:16","slug":"die-spekulation-brechen-und-verbannen-das-ist-entscheidend-finanzkrise-e","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9355","title":{"rendered":"Die Spekulation brechen und verbannen. Das ist entscheidend. (Finanzkrise E)"},"content":{"rendered":"<p>Geh&ouml;rt Spekulation notwendigerweise zum marktwirtschaftlichen Geschehen? Manche &Ouml;konomen versuchen das zu begr&uuml;nden. Das ist angesichts der Sch&auml;den, die Spekulanten anrichten, nicht mehr zu akzeptieren. Es gab einmal eine klare &Auml;chtung der Spekulation. Grundst&uuml;cksspekulanten und W&auml;hrungsspekulanten zum Beispiel waren noch vor 30 Jahren nicht gut angesehen. Das Bild hat sich gewandelt. Spekulanten und ihre Helfer unter den Investmentbankern werden bewundert wegen ihrer hohen Einkommen. Finanzminister von Eichel &uuml;ber Steinbr&uuml;ck bis Sch&auml;uble haben ihnen rote Teppiche ausgelegt. Wir Steuerzahler haben auf Gehei&szlig; der politisch Entscheidenden ihre Wettschulden &uuml;bernommen &ndash; konkret mit einem Bankenrettungsschirm &uuml;ber 480 Milliarden &euro; und mit der Rettung mehrerer Banken. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Die miese Rolle der Spekulation wird heute nicht mehr erkannt und noch weniger beim Namen genannt. Das lenkt ab von der zentralen Aufgabe, den Spekulanten das Handwerk zu legen&hellip;<\/p><p><strong>Die Sch&auml;den der Spekulation<\/strong><br>\nUnter der Spekulation mit Grundst&uuml;cken haben in den f&uuml;nfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts unsere St&auml;dte massiv gelitten. Das war der Grund daf&uuml;r, dass Oberb&uuml;rgermeister wie zum Beispiel der M&uuml;nchner Hans Jochen Vogel die Spekulation gegei&szlig;elt haben und Vorschl&auml;ge zur Reform des Bodenrechts entwickelt haben.<br>\nWenn jetzt Banken und Investmentbanker mit Rohstoffen spekulieren, dann r&uuml;hrt sich kaum jemand unter den verantwortlichen Politikern. Obwohl im konkreten Fall klar ist, dass wir alle und vor allem die &Auml;rmsten unter den steigenden Rohstoffpreisen leiden mussten und m&uuml;ssen. Die Spekulationsgewinne der Spekulanten fallen ja nicht vom Himmel. Sie werden &uuml;ber steigende Preise bezahlt. So wie auch die Gewinne der Bodenspekulation im Weichbild unserer St&auml;dte von den betroffenen Menschen, von den Mietern der auf den Grundst&uuml;cken gebauten H&auml;usern bezahlt werden mussten.<br>\nDie gel&auml;ufige Spekulation f&uuml;hrt auch zu v&ouml;llig falschen Signalen auf den M&auml;rkten. Durch Spekulation getriebene steigende Preise sind nicht der Beweis f&uuml;r die Knappheit eines Gutes, sondern der Beweis f&uuml;r den Herdentrieb der Spekulanten. Mit Marktwirtschaft und ihren Steuerungsvorteilen hat dies nichts mehr zu tun. Und dennoch wird die Spekulation als Ursache von Preis- und Kursver&auml;nderungen gro&szlig;en Ausma&szlig;es oft nicht gesehen.<\/p><p><strong>Die verheerende Rolle der Spekulation wird oft nicht beim Namen genannt.<\/strong><br>\nAktuelle Musterbeispiele daf&uuml;r sind wieder einmal zwei Beitr&auml;ge in Spiegel Online. Sie sind beispielhaft und mit Sicherheit nicht einzigartig. &Auml;hnlich wird in anderen Medien berichtet und kommentiert:<br>\nAm 05. Mai 2011 berichtete Spiegel online unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,760956,00.html\">Gold, Silber, &Ouml;l &ndash; Anlegerflucht l&auml;sst Rohstoffpreise abst&uuml;rzen<\/a>&ldquo; &uuml;ber den Abw&auml;rtstrend der Preise auf den Rohstoffm&auml;rkten. Typische Einlassungen dabei sind:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Experten begr&uuml;nden den Einbruch unter anderem mit Sorgen um die Weltkonjunktur.&ldquo;<\/li>\n<li>Der starke Anstieg des Dollar zum Euro belastete die &Ouml;lpreise, sagten Anleger. <\/li>\n<li>Der Euro sank um fast drei Cent auf rund 1,46 Dollar. Grund f&uuml;r den Absturz ist die Geldpolitik der Europ&auml;ischen Zentralbank. Die EZB hatte f&uuml;r den Juni einen unver&auml;nderten Leitzins signalisiert. &hellip;<\/li>\n<li>B&ouml;rsianer begr&uuml;ndeten den Kursverfall mit einer zunehmenden Furcht vor einer Abk&uuml;hlung der Weltkonjunktur. &hellip;<\/li>\n<\/ul><p>Nach dem gleichen Muster dann auch noch einmal <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/0,1518,761057,00.html\">am 06. Mai 2011 um 11:34&nbsp;Uhr<\/a>: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Sorge um US-Wirtschaft &ndash; &Ouml;lpreis im Abw&auml;rtsstrudel. Es ist eine Trendwende. Noch vor kurzem stieg der &Ouml;lpreis&nbsp;von Rekord&nbsp;zu Rekord&nbsp;&ndash; nun sackt er immer weiter ab. Vor allem die Sorge um die US-Konjunktur dr&uuml;ckt die Stimmung an den M&auml;rkten&hellip;.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Hier werden alle m&ouml;glichen Experten bem&uuml;ht und die Konjunktur und die Sorge um die US-Wirtschaft und die Politik der Europ&auml;ischen Zentralbank und der Anstieg des Dollarpreises verantwortlich gemacht. Erst am Ende des zweiten Artikels kann man dann lesen, eine wichtige Rolle am Markt spielten auch spekulativ orientierte Investoren, die nach dem Boom der Rohstoffe in den vergangenen Wochen nun Kasse machten.<br>\nKein Wort davon, dass sich professionelle Spekulanten den Rohstoffm&auml;rkten zugewandt haben, nachdem sie vorher mit Aktien, mit W&auml;hrungen und mit so genannten innovativen Finanzprodukten spekuliert hatten. Kein Wort davon, dass diese Spekulation von einsichtigen &Ouml;konomen wie etwa Heiner Flassbeck seit Anfang an kritisiert werden. Es wird so getan, als sei es ein normales Marktgeschehen, was hier abgeht.<br>\nDie Damen und Herren Redakteure von Spiegel Online br&auml;uchten nur bei ihren Kolleginnen und Kollegen vom Managermagazin vorbeischauen, wenn sie klarer blicken wollten. In der Online Ausgabe des Managermagazins wie auch in der <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/magazin\/artikel\/0,2828,751698,00.html\">April Ausgabe des Magazins selbst war am  27. April<\/a> unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Schattenbanken &ndash; Geldh&auml;user verschieben erneut Milliardenrisiken&ldquo; zu lesen, wie die Spekulanten ihre Risiken abzuschieben versuchen.<\/p><p>Wie Spekulation wirkt, kann man an den deutschen Aktienm&auml;rkten der letzten drei Jahrzehnte studieren. Ich habe das in einem Beitrag f&uuml;r die <a href=\"\/?p=3689\">NachDenkSeiten vom 7. Januar 2009 beschrieben<\/a>. Dort ist eine Abbildung zu finden, die zeigt, wie zweimal die Aktienkurse auf das vierfache gestiegen und wieder eingebrochen sind. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/20090107_abbildung1.jpg\" alt=\"Der Dax 30 Oktober 1959 bis heute\"><\/p><p>Die Kurve geht bis 2008. Inzwischen geht es wieder aufw&auml;rts. Und jeden Werktag Abend werden die Folgen der Spekulation in einer bekannten B&ouml;rsensendung bejubelt, wenn die Kurse steigen, und beweint, wenn sie sinken.<\/p><p>Diese Spekulation ist volkswirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich betrachtet v&ouml;llig nutzlos. Und sie ist sch&auml;dlich. Die Spekulation f&uuml;hrt zu erh&ouml;hten Risiken und im Extremfall zur Krise von gro&szlig;en Banken und wegen deren Macht zur Beteiligung der Steuerzahler an ihren Verlusten.<\/p><p><strong>Die Schonung der Spekulanten<\/strong><\/p><p>Immer wieder trifft man wie bei den zitierten Texten von Spiegel Online auf Versuche, die riskanten Preis- und Kursbewegungen anders als durch Spekulation erzeugt zu erkl&auml;ren. So wird oft  &ndash; gerade in progressiven Kreisen &ndash; dar&uuml;ber spekuliert, die krisenhaften Preis- und Kursbewegungen seien die Folge schwadronierender Geldverm&ouml;gen und damit auch die Folge der ungerechten Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung. Oder es wird auf die Geldpolitik der Zentralbanken verwiesen. Ein solcher Versuch ist in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2011\/04-30\/030.php\">&bdquo;jungen Welt&ldquo; vom 30.4.2011<\/a> gemacht worden. dort wird die Politik der US-Notenbank f&uuml;r das Steigen der Rohstoffpreise und den sich ausbreitenden Hunger in der Welt verantwortlich gemacht. Ich zitiere:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der zweite Grund f&uuml;r den sich ausbreitenden Hunger in der Welt ist die Politik der US-Notenbank Fed. Deren Ausweitung der Geldmenge und die Finanzierung der Staatsdefizite durch die Notenpresse haben weltweit nicht nur Inflations&auml;ngste gesch&uuml;rt, sondern diese auch tats&auml;chlich herbeigef&uuml;hrt. Zugleich hat die Fed mit ihrer Politik der fast unbegrenzten, zinslosen Kredite f&uuml;r heimische Gro&szlig;banken eine weitere gigantische Finanzspekulation beg&uuml;nstigt. Diesmal flossen die Zockermilliarden in Wetten mit Rohstoffen und insbesondere mit landwirtschaftlichen Produkten. Enorme Mengen spekulativer Dollars haben die Rohstoffm&auml;rkte &uuml;berflutet und destabilisiert. Einst sicherte sich beispielsweise die Lebensmittelindustrie mit Kontrakten die Lieferungen bestimmter Rohstoffe zu festgelegten Terminen und Preisen. Diese Terminkontrakte sind inzwischen zum Spielball der Finanzspekulanten geworden, die die Preise in die H&ouml;he treiben, was derzeit weltweit beim Lebensmitteleinkauf f&uuml;r Wut und &Auml;rger sorgt. Eine derart gro&szlig;angelegte Finanzspekulation mit Lebensmitteln ist ein perfekter Ausl&ouml;ser f&uuml;r einen globalen Tsunami aus Instabilit&auml;t und Aufruhr.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Autor Rainer Rupp beschreibt den Schaden, den die Spekulation auf den Rohstoffm&auml;rkten anrichtet, richtig und es ist gut, dass er dies tut. Aber bei allem berechtigten Antiamerikanismus ist es wirklich abwegig, der US-Notenbank Fed die Spekulation und ihre Folgen in die Schuhe zu schieben. Spekuliert wird nicht, weil Geld da ist. Spekuliert wird nicht, weil die Zinsen niedrig sind. Wenn die Spekulationsgewinne 30 % und mehr betragen, dann ist es ziemlich unerheblich, ob die Zentralbanken 4 % Zinsen oder 0 % verlangen. Aus diesem Grund bin ich pers&ouml;nlich auch sehr skeptisch, ob eine Transaktionssteuer wirklich die Wunder gegen die Spekulanten und gegen die Spekulation bewirkt, die man ihr in manchen Kreisen zuordnet.<\/p><p>Auf den Beitrag von Rupp und andere Beitr&auml;ge &auml;hnlicher Art weise ich hin, weil sie aus meiner Sicht von wichtigen therapeutischen Schritten ablenken und &uuml;brigens auch in die Irre leiten. Was soll die amerikanische Zentralbank anderes tun? Soll sie die ohnehin schwierige Konjunktur weiter abw&uuml;rgen? Soll die Europ&auml;ische Zentralbank die Zinsen erh&ouml;hen und eine restriktive Geldpolitik beginnen? Das kann doch wohl nicht ernst gemeint sein.<\/p><p><strong>Nahe liegende Schritte gegen Spekulation wird nicht getan und wirksame Konzepte auch nicht diskutiert<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re zum Beispiel nahe liegend, endlich die Steuerbefreiung der Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen aufzuheben, die zum 1.1.2002 eingef&uuml;hrt wurde.<br>\nEs w&auml;re wichtig und richtig, Spekulationsgewinne abzusch&ouml;pfen.<br>\nEs w&auml;re wichtig, den deutschen Finanzmarkt f&uuml;r Hedgefonds und andere Spekulanten wieder zu schlie&szlig;en.<br>\nEs w&auml;re wichtig, an Konzepten zu arbeiten, die das Verbot von Spekulation m&ouml;glich machen. Das scheint mir entscheidend zu sein. Die Art meiner Formulierung l&auml;sst darauf schlie&szlig;en, dass mir daf&uuml;r noch kein Patentrezept vorliegt. Aber man muss beginnen, dar&uuml;ber mit dem Ziel der Untersagung von Spekulation zu beraten.<br>\nDer Anfang w&auml;re die &Auml;chtung der Spekulanten. Die Ackermanns, die Steinbr&uuml;cks, die Spekulanten von Goldman Sachs und ihre Berater vom Schlage Ottmar Issings. Sie geh&ouml;ren nicht an die Spitze einer von Frau Merkel eingerichteten Kommission zur Reform der internationalen Finanzm&auml;rkte sondern auf die Anklagebank. Zumindest moralisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geh&ouml;rt Spekulation notwendigerweise zum marktwirtschaftlichen Geschehen? Manche &Ouml;konomen versuchen das zu begr&uuml;nden. Das ist angesichts der Sch&auml;den, die Spekulanten anrichten, nicht mehr zu akzeptieren. Es gab einmal eine klare &Auml;chtung der Spekulation. Grundst&uuml;cksspekulanten und W&auml;hrungsspekulanten zum Beispiel waren noch vor 30 Jahren nicht gut angesehen. Das Bild hat sich gewandelt. Spekulanten und ihre Helfer unter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9355\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,123,41],"tags":[241,785,1117,420],"class_list":["post-9355","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienanalyse","tag-bankenrettung","tag-finanztransaktionssteuer","tag-managermagazin","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9355","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9355"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9355\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9358,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9355\/revisions\/9358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9355"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9355"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9355"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}