{"id":93570,"date":"2023-02-09T12:35:54","date_gmt":"2023-02-09T11:35:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93570"},"modified":"2023-02-10T11:31:14","modified_gmt":"2023-02-10T10:31:14","slug":"verloren-in-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93570","title":{"rendered":"Verloren in Syrien"},"content":{"rendered":"<p>Das schwere Erdbeben, das am vergangenen Montagmorgen das t&uuml;rkisch-syrische Grenzgebiet ersch&uuml;tterte, hat Reliefweb zufolge bis zu 15.000 Menschenleben gefordert. Die Zahl der Verletzten wird von dem <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2023\/02\/1133277\">UN-Portal<\/a>, das &uuml;ber humanit&auml;re Hilfe weltweit berichtet, mit mehr als 30.000 angegeben. Doch mit jeder Stunde steigen die Opferzahlen und die Sch&auml;den werden deutlich. Sowohl in der T&uuml;rkei als auch in Syrien sprachen &Uuml;berlebende davon, dass sie an den Weltuntergang dachten, als die Erde unter ihnen bebte und ihre Heimat, ihre Nachbarschaft, ihre Familien, ihren Alltag, ihr Lebenswerk und alle Pl&auml;ne zerst&ouml;rte. Das Erdbeben ist f&uuml;r die Menschen jenseits aller Grenzen eine schreckliche Erfahrung und eine schwere Belastung. F&uuml;r das kriegszerst&ouml;rte, international vom Westen politisch, wirtschaftlich und medial blockierte Syrien ist die Last dennoch gr&ouml;&szlig;er. Krieg und Wirtschaftskrieg, Flucht und Vertreibung, Tod und Zerst&ouml;rung &ndash; Syrien hat seit 2011 alles verloren, was es aus eigener Kraft aufgebaut hatte. Bei der international versprochenen Hilfe f&uuml;r die Menschen in den verw&uuml;steten Gebieten werden gro&szlig;e Unterschiede deutlich. USA, EU und auch die Bundesregierung verteilen ihre Hilfe selektiv. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9317\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-93570-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230209-Verloren-in-Syrien-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230209-Verloren-in-Syrien-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230209-Verloren-in-Syrien-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230209-Verloren-in-Syrien-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=93570-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230209-Verloren-in-Syrien-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230209-Verloren-in-Syrien-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>T&uuml;rkei<\/strong><\/p><p>Der T&uuml;rkei wurde aus 70 Staaten Hilfe versprochen, Millionensummen wurden in Aussicht gestellt oder schon &uuml;berwiesen. Flugzeuge mit ersten Hilfslieferungen landeten auf Flugh&auml;fen in der T&uuml;rkei, die nicht von dem Erdbeben besch&auml;digt waren. Nach offiziellen Angaben aus Ankara seien 36 Staaten bereits mit Hilfe vor Ort, mehr als 3.300 Rettungshelfer im Einsatz. Allein die EU schickte mehr als 1.000 Helfer in das t&uuml;rkische Erdbebengebiet, Bundesinnenministerin Nancy Faeser <a href=\"https:\/\/www.evangelisch.de\/inhalte\/212095\/07-02-2023\/erdbeben-faeser-sagt-tuerkei-hilfe-durch-thw-und-bundespolizei-zu\">erkl&auml;rte<\/a>: &bdquo;Wir stehen eng an der Seite der T&uuml;rkei.&rdquo; <\/p><p>Notstromaggregate, Zelte und Decken w&uuml;rden geschickt, das Technische Hilfswerk (THW) sende Bergungs- und Rettungsteams. Sie habe der T&uuml;rkei angeboten, dass das THW &bdquo;Camps mit Notunterk&uuml;nften und Wasseraufbereitungsanlagen zur Verf&uuml;gung&ldquo; stelle, so Faeser. Die Unterst&uuml;tzung werde &bdquo;eng mit der T&uuml;rkei koordiniert&ldquo;. Internationale Medien schickten Reporter vor Ort, um von dem Elend rund um die Uhr zu berichten.<\/p><p><strong>Syrien<\/strong><\/p><p>Syrien wartet derweil noch auf Hilfe der reichen, westlichen L&auml;nder, um die das Land bereits am Tag des verheerenden Erdbebens gebeten hatte. Das Au&szlig;enministerium in Damaskus hatte sich an &bdquo;die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen&ldquo; gewandt, an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und andere humanit&auml;re Organisationen, um Syrien bei der Bew&auml;ltigung der schrecklichen Auswirkungen des Erdbebens zu helfen. Der syrische Au&szlig;enminister Faisal Mekdad versicherte, die Regierung werde alles tun, um den internationalen Organisationen jede notwendige Unterst&uuml;tzung zu leisten, die sie br&auml;uchten, um den Syrern mit humanit&auml;rer Hilfe zur Seite zu stehen.<\/p><p>Ein Sprecher der EU-Kommission <a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/syrien-bekommt-noch-keine-eu-hilfe\/\">erkl&auml;rte<\/a> allerdings am folgenden Tag, man habe kein Hilfeersuchen aus Damaskus erhalten. Der Katastrophenschutz-Mechanismus sei daher nur f&uuml;r die T&uuml;rkei ausgel&ouml;st worden.<\/p><p>Aus dem Ausw&auml;rtigen Amt in Berlin war zu h&ouml;ren, die &bdquo;<em>bereits bestehende umfassende humanit&auml;re Hilfe in <strong>Nordwestsyrien<\/strong> durch humanit&auml;re NGOs und UN-Organisationen<\/em>&ldquo; werde fortgesetzt. Das &bdquo;dort bestehende und etablierte Partnernetzwerk&ldquo; werde &bdquo;auch in der aktuellen Situation helfen, schnell und direkt zu reagieren und die notleidenden Menschen zu unterst&uuml;tzen. Deutschland wird auf der Grundlage des in den n&auml;chsten Tagen ver&ouml;ffentlichten UN-Nothilfeplans umfangreiche weitere Hilfe vorbereiten.&ldquo; Der Organisation Malteser International wurden weitere 1 Million Euro zugesagt.<\/p><p>Die Bundesregierung, die sich immer wieder r&uuml;hmt, dass Deutschland zweitgr&ouml;&szlig;ter Geber f&uuml;r die notleidende syrische Bev&ouml;lkerung sei, sucht sich mit den Menschen im Nordwesten Syriens diejenigen aus, denen Hilfe zuteilwerden soll. Die syrischen Opfer &ndash; allein in Aleppo sind mehr als 100.000 Menschen obdachlos geworden &ndash; werden gespalten. Die Not wird benutzt, um den politischen Druck auf die syrische Regierung zu versch&auml;rfen. Der syrischen Regierung wird unterstellt, den vom Erdbeben betroffenen Menschen nicht zu helfen. Bundesau&szlig;enministerin Annalena Baerbock <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/video\/politik\/erdbebenhilfe-baerbock-zum-erdbeben-unsere-gedanken-sind-bei-den-angehoerigen\/28968048.html\">erkl&auml;rte dazu<\/a> am Dienstag vor Journalisten, in Syrien, &bdquo;wo die Menschen unter dem Assad-Regime auf keine Hilfe hoffen k&ouml;nnen&ldquo;, unterst&uuml;tze man die humanit&auml;ren Partner und werde weiter &bdquo;auf einen humanit&auml;ren Zugang dr&auml;ngen&ldquo;.<\/p><p>Baerbock hatte schon am Montag, unmittelbar nach Bekanntwerden der katastrophalen Ausma&szlig;e des Erdbebens, gefordert, Syrien solle seine Grenzen in die T&uuml;rkei &ouml;ffnen, um Hilfslieferungen zu erm&ouml;glichen. Bundestagspr&auml;sidentin B&auml;rbel Bas (SPD) verlangte im Bundestag am Mittwoch freien Zugang f&uuml;r Hilfsorganisationen in die betroffenen Regionen in Syrien. Und Bundeskanzler Olaf Scholz erkl&auml;rte, Deutschland liefere Hilfsg&uuml;ter in die T&uuml;rkei, die mit Hilfe der Vereinten Nationen (aus der T&uuml;rkei) in das syrische Erdbebengebiet gebracht werden k&ouml;nnten. &bdquo;Jetzt zeigt sich wieder einmal, wie lebenswichtig dieser grenz&uuml;berschreitende Zugang ist, f&uuml;r den wir uns seit Jahren (im UN-Sicherheitsrat, kl) einsetzen.&ldquo; <\/p><p>Scholz spricht von Bab al Hawa, einem Grenz&uuml;bergang zwischen der T&uuml;rkei und der syrischen Provinz Idlib, der von Hayat Tahrir al-Scham (HTS), Nachfolger der Nusra-Front, die aus Al Qaida im Irak hervorgegangen ist, kontrolliert wird. Aufgrund der UN-Sicherheitsratsresolution 2678, die im Januar 2023 f&uuml;r 6 Monate verl&auml;ngert wurde, k&ouml;nnen unter Aufsicht der UNO Hilfsg&uuml;ter aus der T&uuml;rkei nach Idlib gebracht werden. Syrien lehnt die Resolution ab, weil dem Land damit die souver&auml;ne Kontrolle &uuml;ber den Grenz&uuml;bergang genommen wird. Russland, China und andere Staaten unterst&uuml;tzen Syrien und fordern, dass der Grenz&uuml;bergang geschlossen und Hilfsg&uuml;ter aus Syrien in alle Teile des Landes verteilt werden. Die von der T&uuml;rkei und zahlreichen ausl&auml;ndischen Staaten unterst&uuml;tzten bewaffneten Regierungsgegner um HTS in Idlib lehnen das ab.<\/p><p>UN-Sprecher Stephane Dujarric verwies am Dienstag in New York darauf, dass der Grenz&uuml;bergang Bab al-Hawa und die dort hindurchf&uuml;hrende Stra&szlig;e durch das schwere Erdbeben besch&auml;digt worden seien. Die Politik solle &bdquo;beiseite&ldquo; gelassen werden, mahnte der Sprecher. Gefragt sei eine L&ouml;sung, wie die Hilfe bei den Menschen ankomme, die alles verloren h&auml;tten und in eisiger K&auml;lte ausharren m&uuml;ssten.<\/p><p><strong>In der Stunde der Not<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend Deutschland, EU und USA den Hilferuf aus Damaskus &bdquo;an die Staaten der Vereinten Nationen&ldquo; nicht h&ouml;rten, reagierten andere L&auml;nder sofort. Am Dienstag landete ein Flugzeug aus dem Iran mit 45 Tonnen Hilfsg&uuml;tern in Damaskus. Teheran bot sowohl der T&uuml;rkei als auch Syrien die Hilfe des Iranischen Roten Halbmonds und iranischer Rettungstrupps an. Am Mittwoch landeten Flugzeuge aus Indien, Irak und Algerien mit Helfern, Suchtrupps und Hilfsg&uuml;tern auf den Flugh&auml;fen von Damaskus und Latakia. Hilfsg&uuml;ter kamen auch aus &Auml;gypten und Jordanien per Flugzeug an. Der Oman k&uuml;ndigte eine Luftbr&uuml;cke an, auch Armenien sagte Hilfe zu. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ein Feldlazarett errichten und ein Rettungsteam schicken. Russland sandte Rettungsteams, die halfen, &Uuml;berlebende und Tote in Aleppo zu bergen.<\/p><p>Der Libanon geh&ouml;rte am Montag zu den ersten L&auml;ndern, die Rettungskr&auml;fte des libanesischen Zivilschutzes, Freiwillige der Roten-Kreuz-Gesellschaft und privater Hilfsorganisationen sowie Milit&auml;rtechniker und Ingenieure nach Syrien schickte. Am Mittwoch folgte eine Delegation der amtierenden Interimsregierung unter Leitung von Transportminister Ali Hamieh. Das Land &ouml;ffnete dar&uuml;ber hinaus seinen Luftraum und die H&auml;fen f&uuml;r Hilfslieferungen nach Syrien und setzt damit ausdr&uuml;cklich die von der EU und den USA gegen Syrien verh&auml;ngten einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen au&szlig;er Kraft. Ziel ist, die Nothilfe f&uuml;r das Land zu beschleunigen. Alle Unternehmen, die Lieferungen und Ausr&uuml;stungsgegenst&auml;nde f&uuml;r Syrien transportierten, seien von Hafengeb&uuml;hren befreit, hie&szlig; <a href=\"https:\/\/tass.com\/world\/1573073\"><\/a>es am Dienstag in Beirut. Das Gleiche gelte f&uuml;r Luftfracht, die &uuml;ber den Internationalen Rafik-Hariri-Flughafen nach Beirut gelangten. &bdquo;Das ist das Mindeste, das wir f&uuml;r unser Bruderland in der Stunde der Not tun k&ouml;nnen&ldquo;, erkl&auml;rte der amtierende libanesische Transportminister Ali Hamieh.<\/p><p><strong>Im Namen der Menschlichkeit <\/strong><\/p><p>Der direkteste Weg der Hilfe f&uuml;r die Menschen in Syrien sind die beiden Flugh&auml;fen in Damaskus und Aleppo. Daf&uuml;r m&uuml;ssten EU und USA ihre einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen gegen Syrien aufheben oder aussetzen. Alena Douhan, UN-Sonderberichterstatterin f&uuml;r die Auswirkungen einseitiger Strafma&szlig;nahmen auf die Menschenrechte der Bev&ouml;lkerung eines betroffenen Landes, konkret in Syrien, hatte nach einem 12-t&auml;gigen Aufenthalt und Dutzenden Gespr&auml;chen die sofortige Aufhebung der Sanktionen <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/node\/104160\">gefordert<\/a>. Deren Auswirkungen auf die Bev&ouml;lkerung k&auml;men einem &bdquo;Kriegsverbrechen&ldquo; gleich.<\/p><p>Auf die Frage der Autorin, ob die Bundesregierung im Rahmen der EU oder einseitig dazu bereit sei, angesichts des Erdbebens der Forderung der UN-Sonderberichterstatterin nachzukommen, verwies das Ausw&auml;rtige Amt auf eine &bdquo;Nachreichung zur Regierungspressekonferenz am 11.11.2022&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben die &Auml;u&szlig;erungen von Frau Douhan zur Kenntnis genommen. Wir wissen nicht, wie &ndash; also unter welchen Eindr&uuml;cken und mit Hilfe welcher Methodik &ndash; die Sonderberichterstatterin zu ihren Schlussfolgerungen gelangt ist. Klar ist f&uuml;r uns, dass das Assad-Regime die Verantwortung f&uuml;r die katastrophale Lage in Syrien tr&auml;gt. Das Regime f&uuml;hrt weiter einen brutalen Krieg gegen die eigene Bev&ouml;lkerung, es begeht best&auml;ndig Menschenrechtsverletzungen und blockiert jeden politischen L&ouml;sungsansatz f&uuml;r den Konflikt. Wir wissen auch, dass das Regime und seine Unterst&uuml;tzer &ndash; wie Russland &ndash; in zynischer Art und Weise immer wieder die EU-Sanktionen f&uuml;r das Leiden im Land verantwortlich machen. Richtig ist: Die EU-Sanktionen richten sich gezielt gegen diejenigen, die sich in Syrien schwerer Verbrechen schuldig gemacht haben. Und sie sehen zugleich sehr klare und weitreichende humanit&auml;re Ausnahmen vor.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Realit&auml;t spricht eine andere Sprache. Es fehlt an allem, was Syrien urspr&uuml;nglich selber hergestellt hat. Die Sanktionen und Handelsbeschr&auml;nkungen f&ouml;rdern dagegen Schmuggel und Korruption an und &uuml;ber s&auml;mtliche Grenzen in die T&uuml;rkei, in den Irak*, nach Jordanien und in den Libanon. Es fehlt an Gas und &Ouml;l, weil US-Truppen die nationalen syrischen &Ouml;lfelder im Nordosten des Landes besetzt halten und Syrien den Zugang verwehren. Ein Grenz&uuml;bergang nach Jordanien und Irak wird von US-Truppen mit der illegalen Milit&auml;rbasis Al Tanf (Dreil&auml;ndereck Syrien-Irak-Jordanien) blockiert, so dass Hilfstransporte aus Irak oder Iran auf dem Landweg nicht nach Syrien gelangen. Der syrisch-irakische Grenz&uuml;bergang Al Bukamal wird immer wieder von Israel &ndash; das sich nicht dazu erkl&auml;rt &ndash; angegriffen. <a href=\"https:\/\/english.almayadeen.net\/news\/politics\/israeli-attack-on-al-bukamal-targeted-food-medicine-convoy-f\">K&uuml;rzlich erst war<\/a> ein Konvoi aus Iran mit Medikamenten und Nahrungsmitteln zerbombt worden.<\/p><p>Der Individual-, Nah- und Fernverkehr im Land ist fast zum Erliegen gekommen, weil Autofahrer und Busse nicht gen&uuml;gend Treibstoff finden oder die hohen Preise auf dem Schwarzmarkt nicht bezahlen k&ouml;nnen. Inflation und Teuerung ist hoch, die Menschen suchen im Abfall nach Essbarem. Christliche und muslimische Hilfsorganisationen und Stiftungen geben Menschen an ihren Toren zu essen. Ein Falafel-Sandwich, das vor dem Krieg f&uuml;r 25 Syrische Pfund (Lira, damals ca. 50 US-Cent) eine beliebte Zwischenmahlzeit war, die jeder sich leisten konnte, kostet heute 10.000 Lira (ca. 1,50 US-Dollar), und kaum jemand kann sich diesen Snack noch leisten. Die Folgen der Sanktionen sind ausf&uuml;hrlich in dem <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/node\/104160\">Douhan-Bericht<\/a> nachzulesen.<\/p><p>Dass die westlichen, reichen Staaten nicht dazu bereit sind, angesichts des Elends und der Sorgen der Menschen und der &ouml;rtlichen Beh&ouml;rden in Syrien auf ihre einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen und die anhaltende D&auml;monisierung der syrischen Regierung zu verzichten, wird im Land mit Bitterkeit kommentiert. <\/p><p>&bdquo;Wir wollen ihr Geld nicht, wir wollen keine Wohltaten&ldquo;, sagt ein Familienvater, der seinen Namen nicht nennen m&ouml;chte. &bdquo;Sie sollen nur die Blockade gegen unser Land aufheben, dann k&ouml;nnen wir uns selber helfen.&ldquo; Die Amerikaner sollten Syrien verlassen, dann k&ouml;nne Syrien wieder die eigenen &Ouml;lressourcen nutzen, so der Mann weiter. &bdquo;Sie klagen uns an, den Menschen nicht helfen zu wollen und uns an Hilfsg&uuml;tern zu bereichern. Aber sie sind es, die unser Land besetzt halten und sich an unserer Not, an unseren Ressourcen, dem &Ouml;l, dem Weizen, der Baumwolle bereichern.&ldquo; <\/p><p>So viele Jahre h&auml;tten die Menschen den Krieg ausgehalten und versucht, ihr Land zu sch&uuml;tzen. &bdquo;Wir haben uns an der Erde Syriens festgeklammert, um unsere Heimat nicht zu verlieren.&ldquo; Jetzt habe die Erde selbst sich gegen die Menschen gewandt, die so sehr versucht h&auml;tten, sie zu sch&uuml;tzen. &bdquo;Wie sollen wir das verstehen&ldquo;, fragt der Mann ratlos. &bdquo;Nach dem Krieg, nach der Wirtschaftsblockade, nach den Angriffen auf Syrien aus dem Ausland &ndash; t&ouml;tet uns jetzt unsere Erde. Warum?&ldquo;<\/p><p>Es sei &bdquo;wie das J&uuml;ngste Gericht&ldquo; gewesen, sagt Fadi I. aus Aleppo, der Fotos schickt: Menschen versuchen, eine Leiter zu bilden, um ein totes Kind zu bergen, das zwischen herabgest&uuml;rzten Steinbrocken h&auml;ngt. &bdquo;Im Namen der Menschlichkeit &ndash; beendet die Sanktionen gegen Syrien&ldquo;, steht darunter. Ein anderes Foto zeigt die Leichen eines Mannes und eines Kindes, die zwischen Betonplatten festh&auml;ngen und nicht geborgen werden k&ouml;nnen. Auf einem anderen Foto sind zwei Menschen zu sehen. Der Mann hat seinen Arm sch&uuml;tzend &uuml;ber den Kopf eines Menschen gelegt, der sich an ihn schmiegt und einen Arm um das Gesicht des Mannes gelegt hat. Es ist nicht zu erkennen, ob die Person seine Frau oder sein Kind ist. Beide sind tot, von Tr&uuml;mmern und Schutt versch&uuml;ttet.<\/p><p>&bdquo;Es war wirklich schrecklich, sehr schrecklich&ldquo;, sagt Anas B., Student der Architektur in Aleppo, mit unsicherer Stimme. Seiner Familie gehe es gut, &bdquo;Gott sei Dank&ldquo;. Anas wohnt in Neu Aleppo, wo die H&auml;user nicht so hoch und stabil gebaut sind. W&auml;hrend des Krieges wurde dort nicht so viel zerst&ouml;rt wie im Osten und im Zentrum der Stadt, wo die meisten Erdbebenopfer zu beklagen sind. Wegen der vielen Nachbeben habe die Familie zwei N&auml;chte im Auto geschlafen, erz&auml;hlt Anas. Jetzt seien sie damit besch&auml;ftigt, den &Uuml;berlebenden zu helfen. &bdquo;Wir sammeln Decken, warme Kleidung, bereiten Essen zu &ndash; ich hoffe, dass wir helfen k&ouml;nnen. Aber es ist so viel, so schrecklich.&ldquo; Anas steckt in den Abschlusspr&uuml;fungen seines Studiums, doch nun wisse er nicht, wo sie studieren k&ouml;nnten. Der Stadtrat von Aleppo hat Schulen zu Notunterk&uuml;nften erkl&auml;rt, die Universit&auml;ten sind geschlossen. &bdquo;Wir sind ratlos, wir wissen nicht, wie das Studium weitergehen kann&ldquo;, sagt Anas und verstummt.<\/p><p>Nachtrag: Am Mittwochnachmittag wurde bekannt, dass die syrische Regierung sich direkt an die EU gewandt und einen Antrag auf Katastrophenhilfe gestellt hat. Man habe eine &bdquo;lange Liste g&auml;ngiger Katastrophenschutzg&uuml;ter&ldquo; erhalten, sagte EU-Kommissar Janez Lenarcic, der in Br&uuml;ssel das Ressort f&uuml;r Krisenmanagement leitet. Gefragt werde nach Medikamenten, Lebensmitteln und nach medizinischen Ger&auml;ten. Er ermutige die EU-Staaten, auf den Antrag aus Syrien zu reagieren, sagte der Kommissar. Holland erkl&auml;rte sich bereit, 10 Millionen Euro zu &uuml;berweisen. (kl)<\/p><p>* Korrektur 10.2.2023: In einer fr&uuml;heren Version stand an dieser Stelle irrt&uuml;mlich Iran.<\/p><p>Titelbild: mustafaclk\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das schwere Erdbeben, das am vergangenen Montagmorgen das t&uuml;rkisch-syrische Grenzgebiet ersch&uuml;tterte, hat Reliefweb zufolge bis zu 15.000 Menschenleben gefordert. Die Zahl der Verletzten wird von dem <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2023\/02\/1133277\">UN-Portal<\/a>, das &uuml;ber humanit&auml;re Hilfe weltweit berichtet, mit mehr als 30.000 angegeben. Doch mit jeder Stunde steigen die Opferzahlen und die Sch&auml;den werden deutlich. 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