{"id":93763,"date":"2023-02-14T12:00:00","date_gmt":"2023-02-14T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93763"},"modified":"2023-02-17T13:31:42","modified_gmt":"2023-02-17T12:31:42","slug":"die-olivgruenen-kreuzritter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93763","title":{"rendered":"Die olivgr\u00fcnen Kreuzritter"},"content":{"rendered":"<p>Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer haben ein &bdquo;Manifest f&uuml;r den Frieden&ldquo; publiziert, das nicht nur von zahlreichen Personen aus Politik, Kultur und Wissenschaft erstunterzeichnet wurde, sondern dessen dazugeh&ouml;rige <a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/manifestfuerfrieden-aufstandfuerfrieden\">Petition<\/a> mit zurzeit schon &uuml;ber 400.000 Mitzeichnern ein gewaltiger Erfolg ist. F&uuml;r den 25. Februar haben die Initiatoren eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor angek&uuml;ndigt. Dass dieses Manifest bei der ehemals links-pazifistischen, aber nun stramm auf olivgr&uuml;nen Mainstream geb&uuml;rsteten taz nicht gerade auf Gegenliebe st&ouml;&szlig;t, war zu erwarten. Mit welchem Furor Redakteur Jan Feddersen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Aufruf-von-Wagenknecht-und-Schwarzer\/!5912492\/\">im Namen der taz<\/a> wild um sich schl&auml;gt, zeigt jedoch, wie weit man sich dort von den ehemaligen Idealen entfernt hat. Man will keinen Frieden und hat die Welt in &bdquo;gut&ldquo; und &bdquo;b&ouml;se&ldquo; aufgeteilt. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3326\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-93763-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230214_Die_olivgruenen_Kreuzritter_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230214_Die_olivgruenen_Kreuzritter_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230214_Die_olivgruenen_Kreuzritter_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230214_Die_olivgruenen_Kreuzritter_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=93763-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230214_Die_olivgruenen_Kreuzritter_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230214_Die_olivgruenen_Kreuzritter_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer Friedensverhandlungen fordert, ist amoralisch. Diese Meinung vertritt zumindest taz-Redakteur Feddersen. Der Begriff &bdquo;amoralisch&ldquo; sollte an dieser Stelle nicht mit dem Begriff &bdquo;unmoralisch&ldquo; verwechselt werden. Der Duden definiert den Begriff vielmehr f&uuml;r eine Einstellung, die sich &bdquo;&uuml;ber die herrschende Moral hinwegsetzt&ldquo;. Die Moral hatte die taz freilich schon immer f&uuml;r sich gepachtet. Dass sie nun die von ihr und ihrem politischen Umfeld, das vor allem bei den Gr&uuml;nen und dem rechten Fl&uuml;gel der Linkspartei zu verorten ist, propagierte Unterst&uuml;tzung der Ukraine mit milit&auml;rischen Mitteln als &bdquo;herrschende Moral&ldquo; definiert, ist daher auch noch im Kern nicht wirklich &uuml;berraschend. Moral und Kriegsl&uuml;sternheit schlie&szlig;en sich ja auch keinesfalls aus. Ganz im Gegenteil. Viele Kriege wurden gef&uuml;hrt, weil ein Staat oder ein Volk sich moralisch &uuml;berlegen f&uuml;hlte. Die gesamte moderne Kriegsdoktrin des Westens, die sich hinter dem Begriff &bdquo;Responsibility to Protect&ldquo; verbirgt, begr&uuml;ndet sich letztlich in einer vermeintlich moralischen &Uuml;berlegenheit. Und wer moralisch im Recht ist, der hat laut taz zu k&auml;mpfen bis in den Tod. Alles andere w&auml;re eine &bdquo;Unterwerfung&ldquo;. Das ist nat&uuml;rlich einfach gesagt, wenn man selbst am Schreibtisch sitzt und das edle Sterben im Namen der Moral Anderen &uuml;berl&auml;sst.<\/p><p>Merken Sie was? Diese Argumentation ist keinesfalls neu. Fr&uuml;her nahm die Religion die Rolle der heutigen Moral ein. Kreuzritter, Jihadisten, Zeloten &ndash; all sie waren von dem Gedanken besessen, die richtige &bdquo;Moral&ldquo; gepachtet zu haben. Auch sie sahen sich durch eine h&ouml;here Instanz legitimiert. Jedoch waren auch ihre Ideale meist hohl und vorgeschoben. Den Kriegsf&uuml;rsten der Vergangenheit ging es ebenso wenig um die Inhalte der Bergpredigt, wie es den Pr&auml;sidenten und Kanzlern der heutigen Tage um Freiheit oder Menschenrechte geht. Aber irgendwie m&uuml;ssen Kriege ja begr&uuml;ndet werden und Religion und Moral sind da sehr n&uuml;tzlich, w&auml;hnen sich die Gefallenen, Verst&uuml;mmelten und Vergewaltigten dann doch zumindest auf der richtigen Seite.<\/p><p>Dies im Hinterkopf liest sich der Artikel von Jan Feddersen schon gleich anders. Das moralisierende Schwarz-Wei&szlig;-Denken hat er offenbar schon sehr weit verinnerlicht. Seine Welt besteht nur aus guten Freunden und b&ouml;sen Feinden. Und wenn man die Moral derart in den Mittelpunkt des eigenen Universums stellt, dann mag alleine der Gedanke an einen Friedensschluss zwischen &bdquo;Gut&ldquo; und &bdquo;B&ouml;se&ldquo; bereits eine &bdquo;Tods&uuml;nde&ldquo; oder, um in Feddersens Worten zu bleiben, ein &bdquo;politobsz&ouml;nses Manifest der Unterwerfung&ldquo; sein &ndash; &bdquo;amoralisch&ldquo; und &bdquo;emp&ouml;rend falsch&ldquo;. <\/p><p>W&auml;re Feddersen ein Jahrtausend vorher geboren, h&auml;tte er wohl als Priester das &bdquo;Deus vult&ldquo; verk&uuml;ndet und seine Sch&auml;fchen aufgefordert, das Kreuz und das Schwert zu nehmen und f&uuml;r den gerechten Krieg gegen das B&ouml;se ins Heilige Land zu ziehen. <\/p><p>Feddersen und die taz sind nicht allein. Diese Gedanken lassen sich auch bei den Politpredigern der Gr&uuml;nen so eins zu eins wiederfinden &ndash; egal ob sie nun Baerbock, Hofreiter oder G&ouml;ring-Eckardt hei&szlig;en. Das macht diese Politiker auch so gef&auml;hrlich. Mit rational denkenden Menschen kann man zumindest diskutieren. Mit &Uuml;berzeugungst&auml;tern, die sich selbst von einer h&ouml;heren Kraft, Ideologie oder eben einer &ndash; wenn auch pervertierten &ndash; Moral getrieben sehen, ist das nicht m&ouml;glich. Historisch war es die Aufkl&auml;rung, die dem religi&ouml;sen Eifer, dem Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, ein vor&uuml;bergehendes Ende gesetzt hat. Soll die Welt nicht auf einen Dritten Weltkrieg zusteuern, braucht es eine neue Aufkl&auml;rung. Das &bdquo;Manifest f&uuml;r den Frieden&ldquo; ist da zumindest ein Anfang und dass die Zeloten nun Gift und Galle spucken, geh&ouml;rt dazu.  <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93955\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: iobard\/shutterstock.com<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/735c69811f5546d8bec4f85124bea436\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer haben ein &bdquo;Manifest f&uuml;r den Frieden&ldquo; publiziert, das nicht nur von zahlreichen Personen aus Politik, Kultur und Wissenschaft erstunterzeichnet wurde, sondern dessen dazugeh&ouml;rige <a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/manifestfuerfrieden-aufstandfuerfrieden\">Petition<\/a> mit zurzeit schon &uuml;ber 400.000 Mitzeichnern ein gewaltiger Erfolg ist. F&uuml;r den 25. 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