{"id":9386,"date":"2011-05-10T16:12:35","date_gmt":"2011-05-10T14:12:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9386"},"modified":"2014-11-22T16:50:22","modified_gmt":"2014-11-22T15:50:22","slug":"zusammenspiel-von-spiegel-online-und-bild-zu-gunsten-der-spekulanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9386","title":{"rendered":"Zusammenspiel von Spiegel Online und Bild zu Gunsten der Spekulanten"},"content":{"rendered":"<p>Nehmen Sie an, Sie w&auml;ren der Stratege einer gro&szlig;en Investmentbank, eines Hedgefonds oder der Deutschen Bank. Dann wissen Sie: Die gro&szlig;en Gewinne kommen nicht vom ordentlichen Bankgesch&auml;ft, sondern vom Mitspiel und Antreiben der Spekulation. Und dieses Spiel ist dann besonders sicher, wenn die Spekulationsgewinne staatlich abgesichert werden. Das ist dann besonders sicher, wenn Staaten oder staatliche Gemeinschaften aus &uuml;bergeordneten Gr&uuml;nden gezwungen sind, zu intervenieren. Das trifft zum Beispiel auf Griechenland und die Eurozone zu. Deshalb ist es so lukrativ, die Spekulation in diesem Bereich immer wieder neu anzuheizen. Das geschieht auf vielf&auml;ltige Weise und in Zusammenarbeit mit Medienpartnern und gef&uuml;gigen Wissenschaftlern und anderen Experten. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nSpiegel Online ver&ouml;ffentlichte am Freitag, den 06. Mai 2011 um 17:40&nbsp;Uhr einen Text mit der &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,druck-761136,00.html\">&bdquo;Pl&auml;ne f&uuml;r eigene W&auml;hrung&ldquo;<\/a> und der Behauptung, Griechenland&nbsp;erw&auml;ge den Austritt&nbsp;aus der&nbsp;Euro-Zone. <\/p><p>Einen Tag sp&auml;ter, am 07. Mai 2011 um 19:25&nbsp;Uhr legte Spiegel Online zur Erh&ouml;hung der Glaubw&uuml;rdigkeit der Meldung vom Vortag nach &ndash; mit der Meldung <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,druck-761266,00.html\">&bdquo;Top-&Ouml;konom sieht in Euro-Aus f&uuml;r Griechenland kleineres &Uuml;bel&ldquo;<\/a> und folgendem Eingangstext:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Euro-Finanzminister wiegeln nach Kr&auml;ften ab, doch die Diskussion &uuml;ber einen Verbleib Griechenlands in der W&auml;hrungsunion ebbt nicht ab. Ifo-Pr&auml;sident Hans-Werner Sinn ist der Ansicht, dass f&uuml;r das hochverschuldete Land der Austritt aus der W&auml;hrungsunion das kleinere &Uuml;bel w&auml;re.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es steht au&szlig;er Zweifel, dass die Situation f&uuml;r Griechenland und f&uuml;r die Europ&auml;ische Union insgesamt und die Eurozone noch schwieriger w&uuml;rde, wenn Griechenland aus der Eurozone ausscheiden w&uuml;rde. (Dazu <a href=\"?p=9383\">siehe auch hier<\/a>) Um einen anderen Eindruck zu vermitteln wird der Prof. Sinn ins Feld gef&uuml;hrt. Seine Glaubw&uuml;rdigkeit gr&uuml;ndet nicht auf seiner Leistung sondern auf einem gemachten guten Ruf. Die Bild-Zeitung hat ihn zum besten &Ouml;konomen Deutschlands hoch geschrieben (<a href=\"?p=1651\">hier<\/a> und <a href=\"?p=2051\">hier<\/a>) und dies zuf&auml;llig wenige Tage vor dem 6. Mai mit einer r&uuml;hrenden Homestory unterf&uuml;ttert. <\/p><p>Dass Prof. Sinn ein guter &Ouml;konom sei, ist ein Musterbeispiel daf&uuml;r, wie stark man die Meinung &uuml;ber eine Sache oder &uuml;ber eine Person steuern und machen kann. Aus einer f&uuml;r viele Zwecke brauchbaren Person wurde ein Top-&Ouml;konom gemacht &ndash; einer der im konkreten Fall der Krise um Griechenland bereit ist, die Spekulation ohne R&uuml;cksicht auf Verluste anzuheizen.<\/p><p>Im konkreten Fall wei&szlig; jeder verantwortungsvolle und verhandlungsbereite Politiker und Wissenschaftler, dass man unter keinen Umst&auml;nden die Spekulation anheizen darf. Deshalb ist es auch verst&auml;ndlich, dass der Versuch gemacht worden ist, das Treffen in Luxemburg, von dem Spiegel online am 6. Mai berichtet hatte, zu dementieren. Das mag ungeschickt gemacht worden sein, aber solche Dementis, auch &uuml;brigens unwahre Behauptungen, sind &uuml;blich, wenn man damit W&auml;hrungsspekulationen meint verhindern zu k&ouml;nnen. Insofern ist die Emp&ouml;rung &uuml;ber die so genannten L&uuml;gen der betroffenen Politiker abstrus.<\/p><p>Spiegel Online dreht den Spie&szlig; herum und greift den luxemburgischen Ministerpr&auml;sidenten und Vorsitzenden der Euro Gruppe wegen des Treffens in Luxemburg an. (Siehe hier am 09. Mai 2011 um 19:11&nbsp;Uhr: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-761509,00.html\">&bdquo;Umstrittene Euro-Politik &ndash; Juncker ger&auml;t wegen Geheimtreffen unter Beschuss&ldquo;<\/a>)<\/p><p>Das Spiel von Spiegel Online geht dann am 10. Mai 2011 um 06:20&nbsp;Uhr mit einem Artikel, in dem dann versucht wird, Verst&auml;ndnis f&uuml;r die schwierige Situation Griechenlands zu erwecken, weiter: <\/p><blockquote><p>&bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,druck-761503,00.html\">Spar-Schulden-Spirale. Griechenland droht das doppelte Desaster.<\/a><br>\nGriechenland steckt in einem gewaltigen Dilemma: Das Land muss sparen, um weiter Hilfe der Euro-Partner zu bekommen. Doch die Radikalkur w&uuml;rgt das Wirtschaftswachstum ab &ndash; und macht damit neue Schulden notwendig. Die Hoffnung auf ein rasches Ende der Krise war&nbsp;naiv.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dieser Artikel ist der Versuch, ein St&uuml;ck Glaubw&uuml;rdigkeit f&uuml;r das Medium Spiegel online zu erhalten. Aber auch er ist geeignet, die Spekulation am laufen zu halten. Er ist auch insofern interessant, als jetzt entdeckt wird, was man bei sachlicher Betrachtung von vornherein wissen konnte: dass n&auml;mlich der Griechenland ausgedr&uuml;ckte Sparkurs nicht zum Erfolg f&uuml;hren kann, weil damit Besch&auml;ftigung, Produktion und Produktivit&auml;t gemindert wird. Nur wenn diese am laufen gehalten gesteigert werden, kommt Griechenland wieder auf die Beine und kann Schulden abbauen. Ohne reale Wertsch&ouml;pfung geht das nicht. Dies alles wusste man.<\/p><p>Da ich mir nicht vorstellen kann, dass Spiegel online wie auch andere Medien und ihre Helfer in der Wissenschaft und unter den so genannten Experten und Ratingagenturen die Spekulation anheizen, weil sie die Probleme nicht durchschauen, bleibt nur der Schluss, dass sie sich in den Dienst der Profiteure der Spekulation stellen und eine Art von PR-Arbeit f&uuml;r die Spekulationsgesch&auml;fte betreiben. <\/p><p>Es kann allerdings auch andere Auftraggeber geben: die USA haben vermutlich kein gro&szlig;es Interesse an einem stabilen Euro und einer eigenst&auml;ndigen Europ&auml;ischen Union.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nehmen Sie an, Sie w&auml;ren der Stratege einer gro&szlig;en Investmentbank, eines Hedgefonds oder der Deutschen Bank. Dann wissen Sie: Die gro&szlig;en Gewinne kommen nicht vom ordentlichen Bankgesch&auml;ft, sondern vom Mitspiel und Antreiben der Spekulation. Und dieses Spiel ist dann besonders sicher, wenn die Spekulationsgewinne staatlich abgesichert werden. Das ist dann besonders sicher, wenn Staaten oder<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9386\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,139,41],"tags":[459,1045,685,424,420],"class_list":["post-9386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-euro-und-eurokrise","category-medienanalyse","tag-bild","tag-grexit","tag-juncker-jean-claude","tag-sinn-hans-werner","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9386"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9388,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9386\/revisions\/9388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}