{"id":93909,"date":"2023-02-18T11:45:53","date_gmt":"2023-02-18T10:45:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93909"},"modified":"2023-02-20T09:12:42","modified_gmt":"2023-02-20T08:12:42","slug":"muenchener-sicherheitskonferenz-platz-fuer-symbolpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93909","title":{"rendered":"M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz &#8211; Platz f\u00fcr Symbolpolitik?"},"content":{"rendered":"<p>An diesem Wochenende findet in M&uuml;nchen die 59. M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz statt. Themen sind unter anderem die Politik des Westens gegen&uuml;ber Russland und Iran. Dabei sind keine diplomatischen Ann&auml;hrungen zu erwarten, da Vertreter Russlands und des Iran bereits im Vorfeld ausgeladen wurden. Dies empfindet ein <strong>NachDenkSeiten-Leser aus dem Iran<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93909#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] im folgenden Gastartikel als fehlgeleitete Symbolpolitik und pl&auml;diert stattdessen f&uuml;r Diplomatie und Dialog.<br>\n<!--more--><br>\nDie M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz verpasst gerade die Chance, sich als ein international f&uuml;hrendes Forum f&uuml;r Debatte &uuml;ber Sicherheitsfragen und f&uuml;r Frieden in der Welt zu beweisen. Traditionell sollen bei der Tagung internationale Krisen, wie momentan z.B. der Ukraine-Krieg, oder wichtige internationale Sicherheitsfragen wie die Wiederbelebung des JCPOA, der die Aufhebung der Sanktionen gegen Iran im Austausch gegen die Kontrolle des iranischen Nuklearprogramms vorsah, in einem offenen Streit und im Gespr&auml;ch entsch&auml;rft bzw. gel&ouml;st werden. Man l&auml;dt aber Russland und Iran erst gar nicht ein.<\/p><p>Anders bei einer diplomatischen Festveranstaltung, bei der oft dem Wunsch des Gastgebers gem&auml;&szlig; pers&ouml;nliche Einladungen verschickt oder G&auml;ste mit einer entsprechenden Begr&uuml;ndung und jenseits diplomatischer Gepflogenheiten von der Liste gestrichen werden, um z.B. eine symbolische Geste zu setzen, ist eine Sicherheitskonferenz mit einer langen Tradition wie die MSC kein richtiger Platz f&uuml;r &bdquo;Symbolpolitik&ldquo;. Mit dem Ausladen bestimmter Teilnehmer schadet man nicht nur dem Ruf der Konferenz auf der internationalen B&uuml;hne, sondern auch der &bdquo;Streitkultur&ldquo;, die m.E. zu der Au&szlig;endarstellung des politischen Systems in Deutschland geh&ouml;rt. Erwartet werden im Bayerischen Hof in M&uuml;nchen kritische Auseinandersetzungen mit diversen au&szlig;enpolitischen Positionen; vor allem mit L&auml;ndern, die ein gro&szlig;er Teil der L&ouml;sung bei Sicherheitsfragen sind, die momentan die Lage der Weltpolitik ausmachen. Dass mit diesem Verhalten eine realistische Sichtweise beim Umgang mit dem Weltgeschehen ausbleibt, klingt sehr entt&auml;uschend. <\/p><p>Die MSC war nie &bdquo;neutral&ldquo; und immer &bdquo;transatlantisch&ldquo;, trotzdem oft eine Plattform zur kritischen Diskussion. Die diesj&auml;hrige Tagung &auml;hnelt aber eher einem Parteitag, an dem sich gr&ouml;&szlig;tenteils Vertreter einer mehr oder weniger gleichen Meinung zusammenfinden und die Gelegenheit nutzen, um Zusammenhalt zu demonstrieren, nur weil dies gerade im heutigen &bdquo;Systemwettbewerb&ldquo; f&uuml;r notwendig gehalten wird. Das f&uuml;hrt sicherlich zu einer noch verst&auml;rkten au&szlig;enpolitischen Polarisierung in der Welt und spiegelt auch nicht die Gem&uuml;tslage unserer Welt wider, in der Frieden so zerbrechlich ist wie nie zuvor. <\/p><p>Mit Blick auf die sehr kritische Haltung, die die deutsche Au&szlig;enpolitik in den letzten Monaten dem Iran und Russland gegen&uuml;ber zeigte, lag bereits im Vorfeld die Vermutung nahe, dass die Leitung der MSC, beeinflusst von dieser offiziellen Politik, die beiden L&auml;ndern ausschlie&szlig;en wird. Auch wenn die Iraner dies f&uuml;r sehr wahrscheinlich hielten, hatten sie trotzdem immer noch eine kleine Hoffnung auf einen Sieg der Diplomatie. Ironisch k&ouml;nnte man sagen: Kl&uuml;ger und zugleich diplomatischer w&auml;re daher gewesen, wenn die Organisatoren diese L&auml;nder erst sehr kurz vor dem Beginn der Konferenz ausgeladen h&auml;tten. Das w&auml;re die st&auml;rkere Sympolpolitik gewesen.<\/p><p>Nun besteht die ernsthafte Gefahr, dass es kein Hindernis mehr gibt, das die Hinterm&auml;nner dieser Einscheidung davon abh&auml;lt, die normalerweise gesch&auml;tzte MSC zu einem Schauplatz der Eindimensionalit&auml;t, einseitigen Argmentationen und des gegenseitigen Applauses zu verwandeln. <\/p><p>Es gibt im MCS-Bericht 2023 Stellen, die die Widerspr&uuml;che des &bdquo;Westens&ldquo; deutlich aufzeigen. Man propagiert Bem&uuml;hungen f&uuml;r die (Nuklear)abr&uuml;stung, r&uuml;stet aber zugleich im Rahmen einer &bdquo;Zeitenwende&ldquo; massiv auf und freut sich dar&uuml;ber, dass die &bdquo;demokratischen Nuklearm&auml;chte&ldquo; ihr Bekenntnis zur nuklearen Abschreckung bekr&auml;ftigt h&auml;tten. Das sind Widerspr&uuml;che, die die Realit&auml;t darstellen und viele in der Welt anregen, nach &bdquo;Alternativen&ldquo; zu suchen. Dass man ein bestimmtes Wertesystem instrumentalisiert, indem man dessen Ma&szlig;st&auml;be selbst (nicht) einh&auml;lt, wenn es die eigenen Interessen hergeben, ist ebenfalls eine Realit&auml;t, die in der &ouml;ffentlichen Meinung zunehmend sp&uuml;rbar wird. L&auml;nder wie Iran setzen auf eine dynamische Au&szlig;enpolitik, um sich gegen die jahrelange Sanktionspolitik zu wehren, die aus der &Uuml;berheblichkeit der &bdquo;westlichen Demokratie&ldquo; resultiert. Der Staatsbesuch des iranischen Pr&auml;sidenten in China in dieser Woche ist ein starkes Zeichen daf&uuml;r. Das Ausladen aus der MSC kann daher auch als eine Selbstisolation aus Angst vor diesen Realit&auml;ten gedeutet werden. <\/p><p>Ohne Diplomatie und Dialog &ndash; und gar nicht mit mehr Waffen oder Sanktionen &ndash; lassen sich die Sicherheitsfragen nicht l&ouml;sen. Sicherheit durch Dialog, nicht durch Symbolpolitik. <\/p><p>Titelbild: &copy; MSC<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Der Name des Lesers ist uns bekannt, wir verzichten jedoch auf dessen Wunsch hin auf die Nennung.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesem Wochenende findet in M&uuml;nchen die 59. M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz statt. Themen sind unter anderem die Politik des Westens gegen&uuml;ber Russland und Iran. Dabei sind keine diplomatischen Ann&auml;hrungen zu erwarten, da Vertreter Russlands und des Iran bereits im Vorfeld ausgeladen wurden. 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