{"id":93923,"date":"2023-02-17T10:00:40","date_gmt":"2023-02-17T09:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93923"},"modified":"2023-02-17T10:46:30","modified_gmt":"2023-02-17T09:46:30","slug":"zeitenwende-das-falsche-wort-zur-falschen-zeit-vom-falschen-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93923","title":{"rendered":"Zeitenwende &#8211; Das falsche Wort zur falschen Zeit vom falschen Mann"},"content":{"rendered":"<p>Eine n&uuml;chterne Betrachtung zeigt, dass Bundeskanzler Olaf Scholz seine Zeitenwende nur ausgerufen hat, weil jetzt nicht Nato-Staaten angegriffen haben, sondern Russland. Doch das allein rechtfertigt weder historisch noch linguistisch, von einer Zeitenwende zu sprechen. Die Wortwahl des Kanzlers zeugt vielmehr von sprachlicher Beliebigkeit, Geschichtsvergessenheit und vom Hang, mit zweierlei Ma&szlig;st&auml;ben zu messen. Von <strong>Peter Vonnahme.<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nAm 27. Februar 2022, drei Tage nach der russischen Invasion in die Ukraine, verk&uuml;ndete Kanzler Scholz: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der russische &Uuml;berfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Er bedroht unsere gesamte Nachkriegsordnung. Das ist v&ouml;lkerrechtswidrig. Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Richtig am Kanzlerwort ist, dass der Angriff auf die Ukraine v&ouml;lkerrechtswidrig ist. Trotzdem ist die Aussage zur Zeitenwende problematisch. <\/p><p><strong>V&ouml;lkerrecht<\/strong><\/p><p>Erinnern wir uns: Das V&ouml;lkerrecht wurde h&auml;ufig gebrochen. Das war so im Krieg der Nato gegen Jugoslawien von 1999. Weder gab es f&uuml;r das Bombardement Serbiens ein Mandat der UNO, noch lag ein Fall der Selbstverteidigung gem&auml;&szlig; Art. 51 UN-Charta vor. Auch der Nato-Vertrag rechtfertigte den Krieg nicht, weil es keinen bewaffneten Angriff auf ein B&uuml;ndnismitglied gab. Der fr&uuml;here Bundeskanzler Schr&ouml;der r&auml;umte 2014 den V&ouml;lkerrechtsbruch ausdr&uuml;cklich ein.<\/p><p>Der Irakkrieg von 2003 war aus denselben Gr&uuml;nden v&ouml;lkerrechtswidrig. Angreifer waren die USA, Gro&szlig;britannien und eine merkw&uuml;rdige &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo;. Der damalige US-Au&szlig;enminister Colin Powell gab sp&auml;ter zu, dass er vom US-Geheimdienst CIA get&auml;uscht worden ist. Die angeblichen Beweise f&uuml;r irakische Massenvernichtungswaffen waren manipuliert. Traurige Tatsache: Es gab Krieg, weil die USA Krieg wollten.<\/p><p>Auch die Kriege in Afghanistan, Libyen und Syrien waren zumindest teilweise v&ouml;lkerrechtswidrig. Ihre verheerenden Folgen wirken bis heute nach. <\/p><p><strong>Der falsche Begriff Zeitenwende<\/strong><\/p><p>Typisch f&uuml;r eine Zeitenwende ist, dass die Welt vor der Wende eine v&ouml;llig andere ist als in der Zeit danach. Das trifft fraglos f&uuml;r den deutschen &Uuml;berfall auf Polen am 1.9.1939 zu, weil damit der Zweite Weltkrieg begann &ndash; mit 80 Millionen Toten. Das gilt auch f&uuml;r die Terroranschl&auml;ge auf die USA vom 11.9.2001. Die Bilder des einst&uuml;rzenden World Trade Centers haben sich in das Weltged&auml;chtnis eingebrannt. 9\/11 war das Startsignal f&uuml;r den von Pr&auml;sident Bush ausgerufenen &bdquo;war on terror&ldquo;, an dem die Welt bis heute leidet.<\/p><p>In diese Kategorie geh&ouml;rt der Krieg in der Ukraine nicht. Er ist ein Krieg wie viele andere zuvor oder anderswo in der Welt. Gro&szlig;e Teile des Globalen S&uuml;dens haben keine Ahnung von diesem Krieg fernab in Europa, sie leiden allenfalls unter seinen wirtschaftlichen Auswirkungen. Es vergeht kein Tag ohne Kriege irgendwo auf der Welt, derzeit im Jemen, im Kongo, im S&uuml;dsudan, in &Auml;thiopien und in mehr als einem Dutzend anderer L&auml;nder. Seit der Jahrtausendwende gab es viele schwere Kriege in unserer N&auml;he, etwa in Jugoslawien, Irak, Libyen und Syrien. Warum sprach damals niemand von Zeitenwende? Das h&auml;tte nahegelegen, vor allem weil sich Deutschland im Jugoslawienkrieg erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Kriegspartei bet&auml;tigte &ndash; fatalerweise auf der Seite der Rechtsbrecher! <\/p><p>Vor diesem Hintergrund ist es unverst&auml;ndlich, wenn Scholz jetzt mit Blick auf den Ukrainekrieg von einer Zeitenwende spricht. Die schlimmen Zivilisationsbr&uuml;che in Butscha und Mariupol sind kein Argument. Denn Vergleichbares gab es auch im Vietnamkrieg (Massaker von My Lai, Abwurf von Agent Orange) und im Irakkrieg (z.B. Folterskandal von Abu Ghraib). Erst recht gilt das f&uuml;r die US-amerikanischen Atombombenabw&uuml;rfe &uuml;ber Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden Toten. Auch das war zweifelsohne eine echte Zeitenwende, wurde aber nicht so bezeichnet.<\/p><p>Eine n&uuml;chterne Betrachtung zeigt, dass Scholz seine Zeitenwende nur ausgerufen hat, weil jetzt nicht Nato-Staaten angegriffen haben, sondern Russland. Doch das allein rechtfertigt weder historisch noch linguistisch, von einer Zeitenwende zu sprechen. Die Wortwahl des Kanzlers zeugt vielmehr von sprachlicher Beliebigkeit, Geschichtsvergessenheit und vom Hang, mit zweierlei Ma&szlig;st&auml;ben zu messen. <\/p><p><strong>Seitenblick auf Putin<\/strong><\/p><p>Doppelb&ouml;digkeit zeigt sich &ndash; nebenbei bemerkt &ndash; auch bei der politischen Bewertung des russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin. Er wird im Westen heute als das B&ouml;se schlechthin dargestellt, allenfalls vergleichbar mit Hitler. Das Bild ist richtig und falsch zugleich. Es ist richtig, weil der Putin von 2023 wie ein zynischer und empathieloser Zerst&ouml;rer auftritt. Es ist falsch, weil der junge Pr&auml;sident Putin 2001 im deutschen Bundestag mit seiner teilweise auf Deutsch gehaltenen Rede die Hand weit nach Westen ausgestreckt hat und daf&uuml;r von unseren Volksvertretern mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Abgesehen davon sind Gleichsetzungen mit Hitler immer historisch problematisch. Zwischen 2001 und 2023 liegt eine lange Reise von Putin, begleitet von westlicher Ignoranz und Arroganz. Das erkl&auml;rt manches, entschuldigt aber nichts.<\/p><p>Eine Frage dr&auml;ngt sich auf: Warum werden die f&uuml;r fr&uuml;here Kriege verantwortlichen US-Pr&auml;sidenten Clinton, Bush und Obama f&uuml;r ihre Verbrechen nicht ann&auml;hernd so verteufelt wie der russische Pr&auml;sident?<\/p><p>Durch diese Hinweise soll die russische Invasion nicht besch&ouml;nigt werden. Sie ist und bleibt ein Rechtsbruch. Und Putin bleibt ein Rechtsbrecher, der vor den Internationalen Strafgerichtshof geh&ouml;rt, wie auch die genannten US-Pr&auml;sidenten. Putin hat Russland ins Abseits gestellt. Trotzdem muss dieses gro&szlig;e Land Teil der V&ouml;lkerfamilie bleiben.<\/p><p><strong>Zwischenbilanz<\/strong><\/p><p>Wenn der Ukrainekrieg keine wirkliche Zeitenwende war, dann ist es notwendig, alles zu hinterfragen, was unter Berufung auf eine solche inszeniert worden ist. Das gilt zun&auml;chst f&uuml;r das sogenannte &bdquo;Sonderverm&ouml;gen&ldquo; von 100 Milliarden Euro f&uuml;r die Bundeswehr und f&uuml;r die Ausweitung der k&uuml;nftigen Milit&auml;rhaushalte. Das gilt erst recht f&uuml;r die umfangreiche Sanktionspolitik, die das eigene Land und die eigenen Menschen mehr sch&auml;digt als Russland. Das gilt f&uuml;r die damit verbundenen R&uuml;ckschritte im Klima- und Umweltschutz. Vor allem aber ist die massive Waffenlieferungspolitik Deutschlands kritisch zu untersuchen.<\/p><p><strong>Ist Deutschland im Krieg?<\/strong><\/p><p>Der Bundeskanzler hat mit seiner leichtfertigen Rede von der Zeitenwende den Boden bereitet f&uuml;r eine beispiellose Diskriminierung Russlands, f&uuml;r eine weitere Entfremdung der globalen V&ouml;lkerfamilie, f&uuml;r wirtschaftliche Verwerfungen und f&uuml;r eine bedrohliche milit&auml;rische Eskalation. Scholz w&ouml;rtlich: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Bundeshaushalt 2022 wird dieses Sonderverm&ouml;gen einmalig mit 100&nbsp;Milliarden Euro ausstatten. Die Mittel werden wir f&uuml;r notwendige Investitionen und R&uuml;stungsvorhaben nutzen. Wir werden von nun an Jahr f&uuml;r Jahr mehr als 2&nbsp;Prozent des Bruttoinlandsprodukts in unsere Verteidigung investieren<\/em>.&ldquo;&nbsp;\n<\/p><\/blockquote><p>Daf&uuml;r bekam er im Bundestag stehenden Applaus, bemerkenswerterweise auch von der Oppositionspartei CDU\/CSU.<\/p><p>2022 hat sich die Stellung Deutschlands in der Welt ge&auml;ndert. Erstmals seit der Jahrtausendwende stellt sich die Frage, ob Deutschland wieder Kriegspartei ist. Im Normalfall l&auml;sst sich das mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Doch in Zeiten des Ukrainekrieges ist das anders. Die deutsche Au&szlig;enpolitik ist heute so verwirrend wie nie. Einerseits beschw&ouml;rt der Kanzler, Deutschland sei in der Ukraine keine Kriegspartei. Gleichzeitig br&uuml;stet sich seine Au&szlig;enministerin, die sich als &bdquo;V&ouml;lkerrechtlerin&ldquo; bezeichnet, auf h&ouml;chster internationaler B&uuml;hne: &bdquo;We are fighting a war against Russia.&ldquo; Man fragt sich unwillk&uuml;rlich, ist das Verwirrspiel Folge von Baerbocks diplomatischer Unerfahrenheit oder Resultat einer olivgr&uuml;nen &bdquo;wertebasierten Au&szlig;enpolitik&ldquo;? Gr&uuml;ne Parteifreunde beruhigen, es sei nur ein sprachlicher Lapsus gewesen. Wer das holprige Englisch der Ministerin schon mal geh&ouml;rt hat, h&auml;lt das f&uuml;r m&ouml;glich. Tatsache ist, dass der Kreml Baerbocks Fauxpas gen&uuml;sslich aufgreift und fragt: Was gilt nun? Kriegspartei oder nicht?<\/p><p>Zun&auml;chst f&auml;llt auf, dass unsere Regierung einen Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 1971, Waffen nur an B&uuml;ndnispartner zu liefern und keinesfalls an L&auml;nder, die in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt sind, still und heimlich beerdigt hat.<\/p><p>Das zeigt sich daran, dass Deutschland Selenskyj alles geliefert hat, was sein K&auml;mpferherz begehrt: Helme, Aufkl&auml;rungsdrohnen, Panzerf&auml;uste, Raketenwerfer, Haubitzen, Flak-, Sch&uuml;tzen- und Kampfpanzer. Dazu nat&uuml;rlich Munition und Granaten. Im Aufr&uuml;stungspaket ist weiter die Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland enthalten, ebenso die Wartung des Kriegsger&auml;ts in Deutschland. Eine lesenswerte Liste aller bisher an die Ukraine gelieferten Waffen und Ausr&uuml;stungsgegenst&auml;nde findet sich <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/themen\/krieg-in-der-ukraine\/lieferungen-ukraine-2054514\">unter diesem Link<\/a>.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/892384\/d9b4c174ae0e0af275b8f42b143b2308\/WD-2-019-22-pdf-data.pdf\">Ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages<\/a> l&auml;sst keinen Zweifel, dass damit die Grenze zur Kriegsbeteiligung &uuml;berschritten ist. <\/p><p>So &uuml;berzeugend diese v&ouml;lkerrechtliche Einsch&auml;tzung ist, sie hilft im konkreten Fall nicht weiter. Denn entscheidend ist nicht, was kluge Juristen und Milit&auml;rexperten in Berlin meinen, sondern wie der Kreml die Situation bewertet. Es ist n&auml;mlich offensichtlich, dass sich Putin nicht an rechtlichen Kriterien ausrichtet. Putin wusste auch vor dem Angriff auf die Ukraine, dass er damit V&ouml;lkerrecht bricht. Das scherte ihn allerdings nicht, weil er vitale Interessen seines Landes bedroht sah. Nichts deutet darauf hin, dass sich an dieser Haltung etwas ge&auml;ndert hat.<\/p><p><strong>Der Ritt auf der Rasierklinge <\/strong><\/p><p>Die deutsche Waffenlieferungspolitik ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Sie wird unterst&uuml;tzt durch das parlamentarische B&uuml;chsenspannerquartett Strack-Zimmermann, Hofreiter, Kiesewetter und Roth. Es gibt seit Monaten kaum eine TV-Talkshow, in der sie nicht f&uuml;r ihre bellizistische Weltsicht werben d&uuml;rfen. Sie betreiben das Gesch&auml;ft von Scholz, Merz, Baerbock und Lindner und damit das der USA. Stimmen, die zur Vorsicht und Diplomatie mahnen, sind medial deutlich unterrepr&auml;sentiert. Der regierungsnahe Mainstream in TV, Rundfunk und Presse versteht sich als Lautverst&auml;rker der ohnehin M&auml;chtigen und der nimmerm&uuml;den Waffenlobby, die auf die &Uuml;berzeugungskraft von Panzer &amp; Co. setzt.<\/p><p>Getragen von einem abgr&uuml;ndigen Ukraine-Hype und einer absichtsvoll entfachten Russophobie dreht der Hasardeur Selenskyj die Eskalationsschraube immer weiter. Kaum hatte Scholz der Lieferung von Kampfpanzern zugestimmt, forderte Selenskyj umgehend die Lieferung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen. Es ist zu bef&uuml;rchten, dass auch diesen Forderungen entsprochen wird. Der fr&uuml;here CIA-Chef und Vier-Sterne-General Petraeus glaubt jedenfalls daran. Zudem lehrt die Erfahrung, dass ein orientierungsloses Deutschland dem vereinten Druck von Ukraine, USA und Nato nicht standh&auml;lt. Zuerst wird gezaudert, gez&auml;hlt und gepr&uuml;ft. Zu guter Letzt wird gezockt &ndash; in Abstimmung mit Wei&szlig;em Haus und Nato. Und wieder dreht sich die R&uuml;stungsspirale eine Windung weiter. In der Logik von Selenskyjs Salamitaktik ist es nur eine Frage der Zeit, bis er seine alte Forderung nach einer Flugverbotszone wiederholt. Irgendwann wird er auch den Einsatz von westlichen Bodentruppen ins Spiel bringen. F&uuml;r Deutschland wird es von Tag zu Tag schwieriger, auf der absch&uuml;ssigen Bahn seiner bizarren Au&szlig;enpolitik einen aktiven Kriegseintritt zu vermeiden. <\/p><p><strong>Die eigentliche Zeitenwende<\/strong><\/p><p>Die Stimmen in Deutschland mehren sich, dass man sich von Putins Drohungen mit Atombomben nicht einsch&uuml;chtern lassen solle. Denn, so sagen sie, Hunde, die bellen, bei&szlig;en nicht. Au&szlig;erdem: Angst sei ein schlechter Berater, sie l&auml;hme nur. K&uuml;rzlich meinte einer: H&auml;tte Putin tats&auml;chlich Nuklearwaffen einsetzen wollen, dann h&auml;tte er es schon l&auml;ngst getan. Das hei&szlig;t nichts anderes als: Volles Risiko, Augen zu und durch!<\/p><p>Das ist frivol und lebensgef&auml;hrlich zugleich. Wer solches sagt, hat nichts begriffen. Diese Leute setzen die Angst vor dem Krieg mit Feigheit gleich. Sie tun das vermutlich, weil sie nicht wissen, wie sich Krieg anf&uuml;hlt. Das gilt praktisch f&uuml;r alle, die heute politische Entscheidungen treffen. Sie beschw&ouml;ren einen Sieg der Ukraine &uuml;ber Russland. Und je mehr sie das hoffen, desto sorgloser schwadronieren sie &uuml;ber westliche Wertegemeinschaft und regelbasierte Au&szlig;enpolitik. Die Worte Diplomatie, Interessenausgleich und Frieden fehlen im sprachlichen Repertoire der Nato-Mustersch&uuml;ler Annalena, Agnes und Anton. Ihre Gehirne wirken wie zubetoniert. Indiz f&uuml;r eine emotionale Zeitenwende? Oder f&uuml;r einen irrationalen Glauben an die Heilkraft von Waffen? An dem Tag, als der Kanzler die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine zusagte, r&uuml;ckten amerikanische Wissenschaftler die Zeiger der symbolischen Weltuntergangsuhr (&bdquo;Doomsday Clock&ldquo;) auf 90 Sekunden vor Mitternacht vor. Das ist der dramatischste Wert seit ihrer Einf&uuml;hrung im Jahre 1947; selbst bei der Kubakrise 1962 waren es noch sieben Minuten bis Mitternacht. <\/p><p>Wenn man heute von einer Zeitenwende sprechen will, dann besteht sie darin, dass es keines Atomschlags mehr bedarf, um die Welt an den Rand des Abgrunds zu f&uuml;hren. Kennzeichen der westlichen Politik nach dem Ukraine&uuml;berfall ist es, dass das in der UN-Klimakonferenz von Paris 2015 feierlich vereinbarte &bdquo;1,5-Grad-Ziel&ldquo; zugunsten einer gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Sanktionierung Russlands hintangestellt wurde. Dahinter steht der Glaube, dass der Ruin Russlands wichtiger ist als die Bewahrung unseres Planeten in einem bewohnbaren Zustand. Doch an das dachte unser aller Olaf nicht, als er unter Beifall des Hohen Hauses die Zeitenwende verordnete. Er ist n&auml;mlich Realpolitiker durch und durch, notfalls bis zum Untergang der ihm Anvertrauten. <\/p><p><em>Nachbemerkung des Textverfassers: Das ist die Weltsicht eines Mannes, der mitten im Zweiten Weltkrieg geboren wurde, und heute als Achtzigj&auml;hriger bekennt, dass er trotz eines Lebens in Frieden die Schrecken des Krieges nicht vergessen hat. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Schreiber seinen Vater nicht kennengelernt hat, weil dieser als deutscher Landser in Russland den Heldentod gestorben ist.<\/em><br>\n<em>Au&szlig;erdem ist der Schreiber bekennender Putin-&bdquo;Versteher&ldquo;, nicht in dem Sinne, dass er Putins Handlungen billigt, sondern, dass er verstehen (begreifen) will, warum dieser so gehandelt hat. Das ist ein gro&szlig;er Unterschied.<\/em><\/p><p>Titelbild: Gints Ivuskans\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine n&uuml;chterne Betrachtung zeigt, dass Bundeskanzler Olaf Scholz seine Zeitenwende nur ausgerufen hat, weil jetzt nicht Nato-Staaten angegriffen haben, sondern Russland. Doch das allein rechtfertigt weder historisch noch linguistisch, von einer Zeitenwende zu sprechen. Die Wortwahl des Kanzlers zeugt vielmehr von sprachlicher Beliebigkeit, Geschichtsvergessenheit und vom Hang, mit zweierlei Ma&szlig;st&auml;ben zu messen. Von <strong>Peter Vonnahme.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":93924,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,171],"tags":[1519,2665,3212,641,462,466,915,1367,259,831,2299,260,1703,2377,3321],"class_list":["post-93923","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-baerbock-annalena","tag-doppelte-standards","tag-irak","tag-jugoslawien","tag-nato","tag-putin-wladimir","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-scholz-olaf","tag-sprachkritik","tag-ukraine","tag-voelkerrecht","tag-waffenlieferungen","tag-zeitenwende"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Shutterstock_2138860327.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93923","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=93923"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93923\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93934,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93923\/revisions\/93934"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/93924"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=93923"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=93923"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=93923"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}