{"id":93950,"date":"2023-02-18T14:00:13","date_gmt":"2023-02-18T13:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93950"},"modified":"2023-02-18T15:14:34","modified_gmt":"2023-02-18T14:14:34","slug":"die-ungleichheit-in-der-welt-waechst-rasant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93950","title":{"rendered":"Die Ungleichheit in der Welt w\u00e4chst rasant"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend des vergangenen Jahrzehnts haben die Superreichen 50 Prozent des neu geschaffenen Reichtums angeh&auml;uft und ihr Verm&ouml;gen ist um 2,7 Milliarden US-Dollar pro Tag angewachsen, w&auml;hrend mehr als 1,7 Milliarden Werkt&auml;tige in L&auml;ndern leben, in denen die Inflation schneller steigt als die L&ouml;hne. Die h&ouml;here Besteuerung der Superreichen und der gro&szlig;en Unternehmen ist ein Ausweg aus den vielf&auml;ltigen Krisen, denen die Welt sich derzeit gegen&uuml;bersieht &ndash; darauf verweist der neue Bericht der Nichtregierungsorganisation Oxfam, &ldquo;<a href=\"https:\/\/Oxfamilibrary.openrepository.com\/bitstream\/handle\/10546\/621477\/bp-survival-of-the-richest-160123-en.pdf\">Survival of the Richest<\/a>&ldquo;. Allein in Lateinamerika erh&ouml;hte sich der Reichtum der Multimillion&auml;re in den letzten drei Jahren um 21 Prozent, w&auml;hrend zw&ouml;lf Millionen Menschen in die extreme Armut fielen. Von <strong>Isabella Arria<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas Dokument, das zu Beginn des elit&auml;ren Weltwirtschaftsforums in Davos ver&ouml;ffentlicht wurde, enth&uuml;llt die extreme Ungleichheit, die die Welt erlebt, wo das reichste eine Prozent sich ungef&auml;hr 50 Prozent des neu geschaffenen Reichtums abgegriffen hat, und verweist darauf, dass man mit der Erhebung einer Steuer auf den Reichtum von bis zu f&uuml;nf Prozent von Multimillion&auml;ren und Milliard&auml;ren j&auml;hrlich 1,7 Billionen Dollar einnehmen k&ouml;nnte, was es erm&ouml;glichen w&uuml;rde, dass zwei Milliarden Menschen aus der Armut herauskommen.<\/p><p>In Lateinamerika und der Karibik erh&ouml;hte sich der Reichtum der Multimillion&auml;re um 21 Prozent, f&uuml;nfmal schneller als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Region, das um 3.9 Prozent stieg, w&auml;hrend zw&ouml;lf Millionen Menschen in die extreme Armut fielen, bedingt durch die von der Pandemie entfesselten Krise; zur selben Zeit vermehrten 30 Million&auml;re ihre Verm&ouml;gen derartig, dass sie zu Superreichen wurden. Der Bericht hebt hervor: <\/p><blockquote><p>&ldquo;Unsere Reaktion auf die Pandemie brachte 400.000 Tausend Menschen in extremer Armut f&uuml;r jeden neuen Superreichen hervor.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Mindestens 700 Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen leben in L&auml;ndern, wo der Anstieg der Inflation &uuml;ber dem der L&ouml;hne liegt, und mehr als 820 Millionen Menschen auf der Welt (einer von zehn) leiden Hunger. Die Frauen und M&auml;dchen essen zumeist als Letzte und geringere Mengen. Sie stehen f&uuml;r 60 Prozent der an Hunger leidenden Bev&ouml;lkerung in der Welt. Gem&auml;&szlig; Weltbank handelt es sich um den gr&ouml;&szlig;ten Anstieg der Armut und der Ungleichheit zwischen L&auml;ndern seit dem Zweiten Weltkrieg.<\/p><p>Die wirtschaftlichen und politischen Eliten versammelten sich in dem Schweizer Skiort in einem Kontext, wo extremer Reichtum und extreme Armut in der Welt zum ersten Mal seit 25 Jahren gleichzeitig angewachsen sind. &ldquo;W&auml;hrend die normalen Leute t&auml;glich f&uuml;r wesentliche Dingen wie Nahrungsmittel Opfer bringen m&uuml;ssen, haben die Superreichen sogar ihre k&uuml;hnsten Tr&auml;ume &uuml;bertroffen. Nach nur zwei Jahren sch&auml;lt sich das gegenw&auml;rtige Jahrzehnt schon jetzt f&uuml;r die Milliard&auml;re als das bisher beste heraus: ein Jahrzehnt wirtschaftlichen Aufschwungs f&uuml;r die Reichsten der Welt&rdquo;, erkl&auml;rt Gabriela Bucher, Exekutivdirektorin von Oxfam International.<\/p><p>&ldquo;Die Erhebung h&ouml;herer Steuern bei den Superreichen und den gro&szlig;en Unternehmen ist ein Ausweg aus den vielf&auml;ltigen Krisen, denen wir uns gegenw&auml;rtig gegen&uuml;bersehen. Es ist an der Zeit, den Mythos zu entlarven, dass Steuersenkungen f&uuml;r die Reichsten letztlich schon in irgendeiner Art und Weise dem Rest zugutekommen werden. 40 Jahre Steuerreduzierungen f&uuml;r die Superreichen haben gezeigt, dass diese Flut an Privilegien am Ende nur ihnen selbst dient&ldquo;, f&uuml;gt sie hinzu.<\/p><p>Seit dem Jahr 2020, mit der Pandemie und der Krise der Lebenshaltungskosten, hortete das reichste eine Prozent 26 Billionen Dollar (63 Prozent des neu geschaffenen Reichtums) w&auml;hrend nur 16 Billionen Dollar (37 Prozent) beim Rest der Weltbev&ouml;lkerung ankamen. F&uuml;r jeden Dollar des neuen globalen Reichtums, den ein zu den &auml;rmsten 90 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung geh&ouml;render Mensch erh&auml;lt, steckt sich ein Milliard&auml;r 1,7 Millionen Dollar in die Tasche.<\/p><p>Das au&szlig;erordentliche Wachstum in Bereichen wie Energie oder Ern&auml;hrung lie&szlig;en wieder einmal die Verm&ouml;gen der Reichsten in die H&ouml;he schie&szlig;en. 95 gro&szlig;e Unternehmen der Energiewirtschaft und der Lebensmittelproduktion haben ihre Gewinne in 2022 mindestens verdoppelt. Die kolossalen Gewinne beliefen sich auf insgesamt 306 Milliarden Dollar; 257 Milliarden Dollar (84 Prozent) flossen als Verg&uuml;tung an ihre reichen Aktion&auml;re.<\/p><p>Oxfam hebt hervor, dass die Familiendynastie Walton, Eigent&uuml;merin von 50 Prozent des Multis Walmart, im Verlaufe des vergangenen Jahres 8,5 Milliarden Dollar an Dividenden erhalten hat. Allein 2022 ist der Reichtum des indischen Milliard&auml;rs Gautam Adani, Eigent&uuml;mer gro&szlig;er Energieunternehmen, um 42 Milliarden Dollar gewachsen. Und, Achtung: in Australien, den USA und Gro&szlig;britannien haben diese enormen Unternehmensgewinne zu mindestens 50 Prozent zum Anstieg der Inflation beigetragen.<\/p><p><strong>L&auml;nder im Bankrott<\/strong><\/p><p>Ganze L&auml;nder befinden sich am Rande des Bankrotts. Die &auml;rmsten von ihnen wenden viermal mehr an Ressourcen f&uuml;r den Schuldendienst (gegen&uuml;ber reichen Gl&auml;ubigern) auf als f&uuml;r das &ouml;ffentliche Gesundheitswesen. Drei von vier Regierungen in der Welt haben vor, durch Sparma&szlig;nahmen, die sich auf die Bereiche Gesundheit und Bildung erstrecken, in den n&auml;chsten f&uuml;nf Jahren die &ouml;ffentlichen Ausgaben insgesamt in der beachtlichen H&ouml;he von 7,8 Billionen Dollar zu k&uuml;rzen.<\/p><p>Oxfam dr&auml;ngt darauf, systematisch und generell die Besteuerung der Ultra-Reichen anzuheben, um einen Teil der enormen Gewinne, die diese w&auml;hrend der Krise angeh&auml;uft haben, zu kompensieren; diese Gewinne wurden in hohem Ma&szlig; als Ergebnis der F&ouml;rderprogramme durch den Zuschuss &ouml;ffentlicher Mittel und durch ihre gierige Ausnutzung der Marktbedingungen generiert.<\/p><p>Jahrzehnte der K&uuml;rzungen und Steuerprivilegien f&uuml;r die gro&szlig;en Verm&ouml;gen und f&uuml;r die gro&szlig;en Unternehmen sind mitverantwortlich f&uuml;r die Zunahme der Ungleichheit in der Weise, dass in der Praxis in vielen L&auml;ndern die Menschen mit den niedrigsten Einkommen am Ende Steuers&auml;tze bezahlen, die effektiv h&ouml;her sind als die der Multimillion&auml;re.<\/p><p>Der Bericht &ldquo;Survival of the Richest&rdquo; zeigt auf: Elon Musk, einer der reichsten M&auml;nner der Welt, zahlte zwischen 20214 und 2018 einen &ldquo;realen Steuersatz&rdquo; von ungef&auml;hr drei Prozent. Aber Christine, eine Mehlverk&auml;uferin in Uganda, die 80 Dollar im Monat Gewinn macht, zahlt einen Steuersatz von 40 Prozent.<\/p><p>Von jedem in der Welt an Steuern eingenommenen Dollar entstammen nur vier Cent der Verm&ouml;gensbesteuerung. Die H&auml;lfte der Milliard&auml;re auf der Welt lebt in L&auml;ndern, die keinerlei Art von Erbschaftssteuern auf Verm&ouml;gen erheben, die diese an ihre direkten Nachkommen &uuml;bertragen.<\/p><p>Daher werden f&uuml;nf Billionen Dollar steuerfrei an ihre Erben gehen; ein Betrag, der das Bruttoinlandsprodukt ganz Afrikas &uuml;bersteigt und eine neue Generation aristokratischer Eliten schafft.<\/p><p>Der gr&ouml;&szlig;te Teil der Einkommen der reichsten Personen entspringt nicht ihrer Arbeit, sondern es sind im Wesentlichen die Kapitaleink&uuml;nfte auf ihre Aktiva. Dabei liegt die Steuer auf Kapitaleink&uuml;nfte bei ungef&auml;hr 18 Prozent, das ist die H&auml;lfte der Steuers&auml;tze auf die geringen Arbeitseinkommen.<\/p><p>Die den Reichsten auferlegten Steuern waren in der Vergangenheit viel h&ouml;her gewesen. W&auml;hrend der letzten 40 Jahre haben Regierungen Afrikas, Asiens, Europas und Amerikas schrittweise die Steuers&auml;tze auf die h&ouml;chsten Einkommen reduziert, w&auml;hrend die Verbrauchssteuern auf G&uuml;ter und Dienstleistungen erh&ouml;ht wurden, was &uuml;berproportional schwer auf jene zur&uuml;ckf&auml;llt, die weniger haben und die Kluft zwischen den Geschlechtern vergr&ouml;&szlig;ert.<\/p><p>&ldquo;Die Superreichen st&auml;rker zu besteuern ist eine strategische Notwendigkeit, um die Ungleichheit zu verringern und die Demokratie wiederzubeleben. Wir m&uuml;ssen das tun, um die Innovation anzukurbeln. Um solidere &ouml;ffentliche Dienstleistungen zu schaffen und ges&uuml;ndere und gl&uuml;cklichere Gesellschaften aufzubauen. Auch um die Klimakrise zu bew&auml;ltigen, indem in L&ouml;sungen investiert wird, die den skandal&ouml;sen Emissionen der Reichsten entgegenwirken&rdquo; , betont Bucher.<\/p><p>Nach einer neuen, von der Fight Inequality Alliance, dem Institute for Policy Studies, Oxfam und Patriotic Millionaires erarbeiteten Analyse w&uuml;rde eine progressive Verm&ouml;genssteuer bis zu f&uuml;nf Prozent auf die Verm&ouml;gen der Multimillion&auml;re und Milliard&auml;re j&auml;hrlich 1,7 Billionen Dollar an Einnahmen bringen.<\/p><p>Mit diesem Betrag k&ouml;nnte man es schaffen, dass zwei Milliarden Menschen aus der Armut herauskommen sowie die aktuell notwendigen humanit&auml;ren Hilfsaktionen finanziell umfassend absichern, einen Zehnjahresplan zur Beseitigung des Hungers in der Welt umsetzen, die &auml;rmsten L&auml;nder bei der Bew&auml;ltigung der Folgen des Klimawandels unterst&uuml;tzen und universelle Dienstleistungen bei Gesundheit und sozialem Schutz f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung der L&auml;nder mit niedrigen und niedrigem bis mittlerem Einkommen sicherstellen.<\/p><p>Oxfam dr&auml;ngt die Regierungen, tempor&auml;r solidarische Steuern auf das Verm&ouml;gen und die au&szlig;erordentlichen Gewinne der gro&szlig;en Konzerne zu erheben, die ausreichende Mittel generieren w&uuml;rden und verhindern, dass einige wenige sich die Krise zunutze machen.<\/p><p>Ebenso m&uuml;ssten sie systematisch die Steuers&auml;tze auf die Einkommen des reichsten einen Prozent der Weltbev&ouml;lkerung anheben, um beispielsweise einen effektiven Steuersatz von 60 Prozent, berechnet auf die Gesamtheit der Eink&uuml;nfte (sowohl aus Arbeit als auch aus Kapital) zu erreichen, mit h&ouml;heren S&auml;tzen f&uuml;r Multimillion&auml;re und Milliard&auml;re. Die Regierungen m&uuml;ssten die Besteuerung auf Kapitaleinkommen und Gewinne erh&ouml;hen, die in der Regel eine g&uuml;nstigere Besteuerung als andere Einkommensarten genie&szlig;en, unterstreicht die Nichtregierungsorganisation.<\/p><p>Oxfam fordert, auf das Verm&ouml;gen des reichsten einen Prozent Steuers&auml;tze zu erheben, die ausreichend hoch sind, um die enorme Konzentration des Reichtums und die Zahl der Ultra-Reichen zu reduzieren und damit eine gr&ouml;&szlig;ere wirtschaftliche Umverteilung zu schaffen. Das w&uuml;rde ein Paket implizieren, das sowohl Immobilien und Land als auch Erbschaften und Nachl&auml;sse oder das Nettoverm&ouml;gen der Personen besteuert.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/262571\/die-ungleichheit-der-welt-waechst\">Camilla Seidelbach, amerika21<\/a><\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Prazis Images<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91893\">Lateinamerika und die gr&ouml;&szlig;te aller Krisen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88665\">Stimmen aus Lateinamerika: Das Gesch&auml;ft mit dem Hunger<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92786\">Wie blickt die lateinamerikanische Linke auf den Krieg in der Ukraine?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d0349f29cedd40acbced1368e56fccbe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend des vergangenen Jahrzehnts haben die Superreichen 50 Prozent des neu geschaffenen Reichtums angeh&auml;uft und ihr Verm&ouml;gen ist um 2,7 Milliarden US-Dollar pro Tag angewachsen, w&auml;hrend mehr als 1,7 Milliarden Werkt&auml;tige in L&auml;ndern leben, in denen die Inflation schneller steigt als die L&ouml;hne. 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