{"id":93968,"date":"2023-02-17T15:00:07","date_gmt":"2023-02-17T14:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93968"},"modified":"2023-02-17T18:11:30","modified_gmt":"2023-02-17T17:11:30","slug":"neues-aus-tschechien-auch-bei-unserem-nachbarn-greift-die-militarisierung-um-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93968","title":{"rendered":"Neues aus Tschechien \u2013 auch bei unserem Nachbarn greift die Militarisierung um sich"},"content":{"rendered":"<p>Wir Bundesb&uuml;rger erleben hierzulande eine Militarisierung der Gesellschaft, die es so bisher nicht mal im so genannten Kalten Krieg vor einigen Jahrzehnten gab. Wohin man derzeit schaut, liest, zuh&ouml;rt &ndash; W&ouml;rter wie Panzer, Wehrhaftigkeit, Wehrpflicht, Aufr&uuml;stung, Bunker, Atomkrieg haben Hochkonjunktur, in den Ring geschmettert von Eiferern, die mehr und mehr aufdrehen. Wer sich diesen Leuten, dieser Stimmung, dieser Hetze entgegenstellt, dem fliegen Spotttiraden und Worte entgegen, mindestens solche wie &bdquo;Ponyhof-Mentalit&auml;t&ldquo; (denjenigen, die Friedensverhandlungen fordern, Dialog, Diplomatie). Doch endlich, Gott sei Dank, m&ouml;chte man sagen, entschiedene Einspr&uuml;che, heftige, zahlreiche W&ouml;rter und Aktionen gegen das Milit&auml;rische &ndash; diese Bewegungen nehmen ebenfalls Fahrt auf. Und leider, wir sind nicht allein in dieser Katastrophe. Was wir Deutschen daheim erleben, das erleben derzeit auch die Menschen in unserem Nachbarland Tschechien. Die Militarisierung nimmt dort ebenfalls Fahrt auf, vom neu gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten bis hin zum neuen Botschafter der USA in Prag befeuert, welcher f&uuml;r unsere Tschechen gar ein &bdquo;Hilfspaket&ldquo; als Antrittsgeschenk im Gep&auml;ck hatte. Aber auch in Prag und anderswo in CZ gef&auml;llt vielen Menschen solch ein Geschenk nicht. Eine Wortmeldung von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>US-Hilfe und Dank an die Journalisten<\/strong><\/p><p>Diese Nachricht aus Tschechien und vor allem der Stil der &Uuml;bermittlung an das Volk l&auml;sst einen den Kopf sch&uuml;tteln. So titelte und informierte das Internet-Portal Tschechien News:<\/p><blockquote><p>\nTschechische Armee erh&auml;lt 200 Millionen Dollar Finanzspritze aus den USA<\/p>\n<p>Das Hilfspaket wurde vom neuen amerikanischen Botschafter in Prag, Bijan Sabet, angek&uuml;ndigt<br>\nDie Vereinigten Staaten werden im Rahmen der ausl&auml;ndischen Milit&auml;rkooperation der Tschechischen Republik zus&auml;tzlich 200 Millionen Dollar (entspricht etwa 4,4 Milliarden Kronen) zur Verf&uuml;gung stellen, um die Armee des Landes zu modernisieren.\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Der neue US-Botschafter Bijan Sabet verk&uuml;ndete am Mittwoch die Nachricht bei der Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens beim scheidenden tschechischen Pr&auml;sidenten Milo&scaron; Zeman und stellte gleich noch klar, wie er, der Vertreter der Gro&szlig;macht USA, sich die Zusammenarbeit und das Benehmen der tschechischen Medien vorstellt (die sich wohl noch verneigten, weil ihr Beitrag entsprechend gelobt wurde).&ldquo;<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sabet erkl&auml;rte: &bdquo;Die Finanzierung soll dazu beitragen, die Kapazit&auml;ten unserer tschechischen Verb&uuml;ndeten zu st&auml;rken, damit sie der zunehmenden Bedrohung durch Russland entgegentreten und sich verteidigen k&ouml;nnen. Dar&uuml;ber hinaus soll sie die milit&auml;rischen F&auml;higkeiten ersetzen, die die Tschechische Republik der Ukraine bereits bereitgestellt hat oder noch bereitstellen wird.&ldquo;<br>\nLaut Sabet werden die Sicherheit und die Verteidigung der Demokratie zu seinen Priorit&auml;ten bei der Erf&uuml;llung seiner Aufgaben geh&ouml;ren. Er dankte den anwesenden Journalisten f&uuml;r ihren Beitrag zur Vertiefung dieser Werte und es sei ihm eine Ehre, US-Pr&auml;sident Joe Biden in Prag zu vertreten.&ldquo;<br>\n(<a href=\"https:\/\/www.tschechien.news\/post\/tschechische-armee-erh%C3%A4lt-200-millionen-dollar-finanzspritze-aus-den-usa?fbclid=IwAR2AiMq0jP8k1TknGGuJ2mFgxZ5NTxNIcsa1dguYnMCo80znobxBpM1o-T8\">Quelle<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Ein Fallschirmspringer wird Pr&auml;sident, ein Hoffnungstr&auml;ger der Jugend ist er nicht<\/strong><\/p><p>Unsere Nachbarn, die Tschechen, sind ein stolzes, renitentes, lebensfrohes Volk. Es gab Zeiten, in denen ihre tapfere, friedliche Revolution ihnen eine neue Epoche des freien Atmens und der optimistischen Zugewandtheit zum Leben er&ouml;ffnete. Die Tschechen begannen, einen neuen, souver&auml;nen, humanistischen Weg zu beschreiten. Zun&auml;chst. Die Wahl eines allseits geliebten, weil wunderbaren Pr&auml;sidenten namens V&aacute;clav Havel, ein beliebter Schriftsteller, Dramatiker, Essayist, Menschenrechtler, Feingeist machte deutlich, wie die Tschechen denken, welche Vorbilder sie wollen.<\/p><p>Nun aber gingen die Jahre ins Land. Die auf Havel folgenden Pr&auml;sidenten kn&uuml;pften nicht im Ansatz an die Strahlkraft und Souver&auml;nit&auml;t des verstorbenen, geliebten, weil volksnahen Staatsoberhauptes an. Das Land geriet wie Deutschland mehr und mehr in die Mangel eines entfesselnden Turbokapitalismus, in die Mache der Eliten, die sich die Geschicke und Abl&auml;ufe einer Gesellschaft so einrichteten, dass die ihnen, nur ihnen, den gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Vorteil verschafften. Und ja, es gab und gibt Wahlen, demokratisch genannt, und doch keinen Wettbewerb mit gleichen Chancen. Gerade wurde dies offenbar, als ein neuer Pr&auml;sident gew&auml;hlt wurde. Reiche, eitle, einflussreiche M&auml;nner kamen &ndash; wie kann es anders sein &ndash; schlie&szlig;lich in die finale Runde der Stichwahl. Einerseits stand Andrej Babi&scaron;, ein bekannterma&szlig;en ambivalenter ehemaliger Regierungschef, im Ring, andererseits Petr Pavel, ein ehemaliger Fallschirmspringer, Fan des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses NATO und Bef&uuml;rworter der Militarisierung der Gesellschaft.  <\/p><p>Dass viele Tschechen gern einen ganz anderen Kandidaten in der Prager Burg gehabt h&auml;tten, das wurde durch enorme Anstrengungen finanzieller, publizistischer und meinungsbildender Aktiv&auml;ten der tschechischen Eliten bis hinein in die Medien verhindert. Verhindert wurde damit die Kandidatin Danu&scaron;e Nerudov&aacute;, obwohl sie bei vielen W&auml;hlern auf dem Zettel stand. Sie schaffte es nicht in die Stichwahl. Dabei zeigte die erste Runde der Pr&auml;sidentschaftswahl am 13. und 14. Januar 2023 auf, dass sie gerade dieses Finale verdient h&auml;tte. Nerudov&aacute; kam mit mehr als 777.000 Stimmen (13,92 Prozent) auf den dritten Platz. Schlie&szlig;lich siegte der schneidige, attraktive Ex-Milit&auml;r Pavel, vielleicht auch deshalb, weil der Milliard&auml;r und unter Betrugsverdacht stehende Babi&scaron; den W&auml;hlern doch nicht ganz koscher war, Pavel als kleineres &Uuml;bel angesehen wurde und dieser zudem medial derart popul&auml;r und attraktiv dem Wahlvolk verkauft wurde, dass diesem nicht widerstanden werden konnte. So beobachtete es meine Zeitzeugin Eva Kramerova. Allein die Anzahl der gro&szlig;formatigen Hochglanzposter mit dem Konterfei des wie ein Popstar in Szene gesetzten Petr Pavel in Prag und vielen anderen St&auml;dten des Landes zeigte, wo es langgehen sollte und schlie&szlig;lich auch ging. Der alternative, wohl bessere Kandidat, die Kandidatin Danu&scaron;e Nerudov&aacute;, war und bleibt vor allem f&uuml;r die jungen und jung gebliebenen Tschechen Wunschkandidatin. Meine Zeitzeugin, die Tschechin Eva Kramerova, berichtete mir &uuml;ber den Verlauf der Wahl, &uuml;ber die Stimmung unter den Leuten, sie sch&auml;tzt ein:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Frau Danu&scaron;e Nerudov&aacute; w&auml;re eine wundervolle Pr&auml;sidentin gewesen, die Jugend hat sie gut gefunden. Ihr Wort hat Gewicht und sie ist anerkannt. Man muss wissen, sie war bis vergangenes Jahr Rektorin einer der wichtigsten Universit&auml;ten unseres Landes, der Mendel-Universit&auml;t in Brno. Jetzt haben wir einen eitlen Fallschirmspringer in der Prager Burg. Von ihm h&ouml;rte ich bisher nicht, dass wir Tschechen als Teil Europas fordern, den Krieg in der Ukraine mit Verhandlungen zu beenden. Der ist so im Milit&auml;rischen drin, es ist ein Jammer.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Eliten setzen auf die Militarisierung, den einfachen Menschen bereitet das Sorgen<\/strong><\/p><p>Eva Kramerova st&ouml;&szlig;t wie vielen B&uuml;rgern unseres Nachbarlandes Tschechiens derweil solche Meldungen bitter auf, wie sie Tschechien News aktuell ver&ouml;ffentlichte und zeigen, wohin die Reise mit Leuten wie Pavel, Sabet und Co geht.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die tschechische Armee plant, in diesem Jahr mehr Soldaten als je zuvor zu rekrutieren &ndash; insgesamt 2.200. Das Milit&auml;r m&ouml;chte das aktuelle Interesse am Milit&auml;rdienst nutzen und bereitet f&uuml;r die Zukunft eine neue Personalstrategie vor. Der Generalstab setzt dabei auf ein virtuelles Rekrutierungszentrum sowie auf Investitionen in Kasernen und Einrichtungen. Derzeit dienen 27.000 M&auml;nner und Frauen in der tschechischen Armee.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Das neue Menschenbild?<\/strong><\/p><p>Damit der kleine Mann von der Stra&szlig;e begreift, warum die Menschen gebraucht und die kleine Armee der Tschechen unbedingt so richtig fit gemacht werden muss, erl&auml;utert der Generalstabschef:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Menschen sind alles. Sie gewinnen Kriege, nicht Waffen. Die Armee ben&ouml;tigt mehr Soldaten, muss verj&uuml;ngt und daher systematisch ver&auml;ndert werden&ldquo;, sagte der Generalstabschef Karel &#344;ehka bereits im vergangenen Herbst.<br>\n(<a href=\"https:\/\/www.tschechien.news\/post\/tschechische-armee-will-in-diesem-jahr-%C3%BCber-zweitausend-soldaten-rekrutieren\">Quelle<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>In dem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89636\">&bdquo;Was die Regierenden sagen, sagen die Leute auf der Stra&szlig;e &hellip; nicht&ldquo;<\/a>  schrieb ich:<\/p><blockquote><p>\n<strong>Kafkaeske Lage<\/strong><br>\nViele Tschechen wissen um die Gr&uuml;nde ihrer Lage. Sie wollen die Militarisierung der Gesellschaft, die sture Friedensverweigerung der Eliten, deren Absage, diplomatisch, sachlich und verbindend zu sein, nicht hinnehmen. Der fortlaufende Krieg in der Ukraine beinah direkt vor der Haust&uuml;r und die zahlreichen ukrainischen Gefl&uuml;chteten im eigenen Land (an die 450.000 meldet die Regierung) &ndash; diese Katastrophe zu beenden, das ist dringend geboten, fordern sie. Ihre Wut t&ouml;nt laut, allein die M&auml;chtigen in der Prager Burg haben Watte in den Ohren. Kafkaeskem sehen sich die B&uuml;rger mit einem nicht nur in Tschechien zu beobachtenden Widerspruch gegen&uuml;ber: Schaut und h&ouml;rt man den namhaften Politikern und Medien zu und vergleicht das mit den Menschen auf der Stra&szlig;e, stellt man fest, dass deren Worte zu den gleichen Themen nicht die gleichen sind. Obwohl die Politiker und Pers&ouml;nlichkeiten aus Presse, Funk und Fernsehen behaupten, im Namen des Volkes zu sprechen, ist das Gegenteil der Fall. Das kommt einem aus unserem Land sehr bekannt vor.\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Milan Sommer\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir Bundesb&uuml;rger erleben hierzulande eine Militarisierung der Gesellschaft, die es so bisher nicht mal im so genannten Kalten Krieg vor einigen Jahrzehnten gab. Wohin man derzeit schaut, liest, zuh&ouml;rt &ndash; W&ouml;rter wie Panzer, Wehrhaftigkeit, Wehrpflicht, Aufr&uuml;stung, Bunker, Atomkrieg haben Hochkonjunktur, in den Ring geschmettert von Eiferern, die mehr und mehr aufdrehen. Wer sich diesen Leuten,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93968\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":93969,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,190],"tags":[893,2050,1556],"class_list":["post-93968","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-wahlen","tag-militarisierung","tag-tschechien","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Shutterstock_2259733097.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=93968"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93968\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93994,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/93968\/revisions\/93994"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/93969"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=93968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=93968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=93968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}