{"id":94098,"date":"2023-02-22T08:15:15","date_gmt":"2023-02-22T07:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94098"},"modified":"2023-02-22T10:12:54","modified_gmt":"2023-02-22T09:12:54","slug":"putin-kuendigte-mitarbeit-am-vertrag-ueber-strategische-angriffswaffen-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94098","title":{"rendered":"Putin k\u00fcndigte Mitarbeit am Vertrag \u00fcber strategische Angriffswaffen auf"},"content":{"rendered":"<p>In seiner mit Spannung erwarteten <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/70565\">Rede vor der F&ouml;deralen Versammlung<\/a> (<a href=\"https:\/\/youtu.be\/WQycd27aUSo\">deutsche Version<\/a>) im Moskauer Konferenzzentrum Gostiny Dwor zeichnete der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin das Bild eines wirtschaftlich und politisch stabilen Russlands. Die Sanktionen h&auml;tten dem Westen mehr geschadet. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNachdem US-Pr&auml;sident Joe Biden am Montag dem ukrainischen Pr&auml;sidenten in Kiew &uuml;berraschend einen Besuch abgestattet hatte und der Jahrestag der russischen Intervention in die Ukraine am 24. Februar kurz bevorsteht, ist die Lage zwischen Russland und dem Westen angespannt wie nie. Die Welt&ouml;ffentlichkeit erwartet sowohl von den USA als auch von Russland zu diesem Jahrestag Reden, die Aufschluss dar&uuml;ber geben, wie es mit dem Krieg in der Ukraine weitergeht und ob es Chancen gibt, eine Eskalation zu verhindern.<\/p><p>Der russische Pr&auml;sident h&auml;lt einmal im Jahr eine Rede vor der F&ouml;deralen Versammlung. Zu der Versammlung geh&ouml;rten in diesem Jahr nicht nur die Mitglieder der Regierung, die Abgeordneten der beiden Parlamentskammern, die Vertreter der religi&ouml;sen Gemeinschaften und Vertreter des &ouml;ffentlichen Lebens, sondern auch Soldaten, die an der &bdquo;SVO&ldquo; teilnehmen. SVO ist die Abk&uuml;rzung f&uuml;r die &bdquo;Spezielle milit&auml;rische Operation&ldquo; in der Ukraine, die man im Westen &bdquo;russischer Angriffskrieg&ldquo; nennt. <\/p><p><strong>Starke patriotische Stimmung<\/strong><\/p><p>Die Stimmung im Konferenzsaal direkt am Roten Platz war sehr patriotisch. Die Rede des Pr&auml;sidenten wurde immer wieder von Applaus unterbrochen. Mehrere Male standen die Zuh&ouml;rer auf und klatschten.<\/p><p>Ich habe alle Reden von Wladimir Putin vor der F&ouml;deralen Versammlung geh&ouml;rt und nie war unter den Teilnehmern der Versammlung eine solche Spannung und Erwartung wie am Mittwoch zu beobachten. Nie sprach Putin so emotional und niemals zuvor appellierte er so oft an das &bdquo;splatschonni narod&ldquo; &ndash; das einm&uuml;tige Volk. <\/p><p>Immer wieder gab es Zwischenapplaus. Mehrere Male standen die Teilnehmer auf und reagierten damit auf bestimmte &Auml;u&szlig;erungen in der Rede des Pr&auml;sidenten. <\/p><p>Die Zuh&ouml;rer erhoben sich und klatschten, nachdem Putin den Menschen in Russlands neuen Gebieten, den Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie den Gebieten Saparoschije und Cherson, dankte, dass sie sich vor einem Jahr entschlossen hatten, sich Russland anzuschlie&szlig;en. <\/p><p>Der Saal stand auf, als Putin zu den reichen Russen, deren Immobilien und Jachten im Westen beschlagnahmt wurden, sagte, es habe sich gezeigt, dass der Westen &bdquo;kein sicherer Hafen ist. Niemand hat mit ihnen Mitleid. Denn die Menschen erinnern sich an die 1990er Jahre, als sie ihren Reichtum zur Schau stellten. Es hat keinen Sinn, im Westen um verlorenes Geld zu bitten. Ihr seid starke Leute. Investiert hier in Russland. So werdet ihr euer Geld vermehren und &uuml;ber mehrere Generationen zu Ansehen kommen.&ldquo;<\/p><p>Ein weiteres Mal erhoben sich die Zuh&ouml;rer, als der russische Pr&auml;sident in Anspielung auf die multinationale Zusammensetzung des russischen Volkes sagte, an der Front &bdquo;beten die Soldaten verschiedener Religionen&ldquo;. <\/p><p>Und die Zuh&ouml;rer erhoben sich und klatschten, als Putin den russischen Ministerpr&auml;sidenten Pjotr Stolypin (1862-1922) zitierte, der gesagt hatte, &bdquo;Russland hat das Recht, stark zu sein.&ldquo;<\/p><p><strong>Einstellung der Mitarbeit am &bdquo;Vertrag &uuml;ber strategische Angriffswaffen&ldquo; (Start 3)<\/strong><\/p><p>F&uuml;r das Ende seiner Rede hatte der Pr&auml;sident sich eine <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/5840507\">Ank&uuml;ndigung<\/a> aufgespart, die in westlichen Medien Alarmstimmung ausl&ouml;ste. <strong>Wladimir Putin sagte:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich bin heute gezwungen zu erkl&auml;ren, dass Russland seine Mitarbeit am Vertrag &uuml;ber strategische Angriffswaffen einstellt. Ich wiederhole, wir steigen aus dem Vertrag nicht aus, nein, wir stellen unsere Mitarbeit ein.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Am 8. April 2010 hatten die damaligen Pr&auml;sidenten von Russland und den USA, Dmitri Medwedew und Barack Obama, in Prag den Start-3-Vertrag unterzeichnet. <\/p><p>Putin begr&uuml;ndete seine Erkl&auml;rung zum Start-3-Vertrag. Die Nato habe angek&uuml;ndigt, sie wolle Russland &bdquo;strategisch vernichten&ldquo;. Im Februar h&auml;tten die USA von Russland den Zugang zu nuklearen Anlagen gefordert, um diese zu inspizieren. Gleichzeitig seien die USA beteiligt an den Versuchen der Ukraine, die strategische Luftwaffe Russlands anzugreifen. &bdquo;Das ist absoluter Unsinn in der heutigen Zeit.&ldquo;<\/p><p>Zur Erinnerung: Ukrainische Drohnen hatten am 5. Dezember und 26. Dezember 2022 zwei russische Luftwaffen-Basen im Gebiet Rjasan und bei der Stadt Engels &ndash; mehrere hundert Kilometer tief im russischen Territorium &ndash; angegriffen. Dabei waren zwei russische Flugzeuge besch&auml;digt und drei russische Milit&auml;rangeh&ouml;rige verletzt worden. <\/p><p>Russland beschuldigt die USA seit Langem, dass sie die Ukraine mit Daten ihrer milit&auml;rischen Satelliten-Aufkl&auml;rung versorgt. Gro&szlig;britannien wird beschuldigt, dass es bei der Modernisierung sowjetischer Strisch-Drohnen, die russische Luftwaffenbasen angriffen, geholfen hat. <\/p><p>Der russische Pr&auml;sident erkl&auml;rte, der erste Vertrag &uuml;ber strategische Angriffswaffen sei unter v&ouml;llig anderen Bedingungen unterzeichnet worden. Damals seien sich &bdquo;Russland und die USA nicht als Rivalen gegen&uuml;bergetreten&ldquo;. Jetzt stelle die USA Russland ein Ultimatum. Bevor Russland zu dem Vertrag &uuml;ber Angriffswaffen zur&uuml;ckkehre, m&uuml;sse klargestellt werden, wie das Angriffspotential der Nato-Staaten berechnet wird. Damit spielte Putin auf Gro&szlig;britannien und Frankreich an. &bdquo;Die Nato hat sich faktisch f&uuml;r eine Teilnahme am Vertrag &uuml;ber strategische Angriffswaffen angemeldet. Bitte. Die Situation daf&uuml;r ist seit Langem reif. Atomwaffenarsenale, die sich gegen Russland richten, haben nicht nur die USA.&ldquo;<\/p><p>Der ehemalige russische Pr&auml;sident Dmitri Medwedew, der heute stellvertretender Sekret&auml;r des russischen Sicherheitsrates ist, war im Ton noch sch&auml;rfer als Putin. Medwedew erkl&auml;rte an den Westen gewandt, &bdquo;so geschieht es euch recht.&ldquo; Der Westen k&ouml;nne nicht &bdquo;gegen Russland k&auml;mpfen und so tun, als ob in Fragen der strategischen Stabilit&auml;t alles weiterl&auml;uft wie bisher&ldquo;. Medwedew hatte den Start-3-Vertrag 2010 zusammen mit Obama unterschrieben.<\/p><p><strong>Putin: &bdquo;Wir wollten den Konflikt friedlich l&ouml;sen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der russische Pr&auml;sident erkl&auml;rte, Russland werde &bdquo;die Aufgaben der Spezialoperation Schritt f&uuml;r Schritt ausf&uuml;hren&ldquo;. Genauere Angaben, welche Territorien Russland noch zu erobern gedenkt, machte Putin nicht.<\/p><p>Die Volksrepubliken Donezk und Lugansk h&auml;tten sich 2022 mit der Bitte an Russland gewandt, &bdquo;das Recht auf Leben und die eigene Sprache zu sch&uuml;tzen&ldquo;. Der Westen verschweige nicht, dass er &uuml;ber all die Jahre andere Ziele verfolgt und sich auf einen milit&auml;rischen Konflikt vorbereitet habe. <\/p><p>Der Westen w&uuml;rde ukrainische Offiziere ausbilden. Milit&auml;rtechnik sei an die Ukraine geliefert worden. An der Grenze zu Russland seien Milit&auml;rbasen der Nato und biologische Geheimlabore eingerichtet worden. Damit habe der Westen gezeigt, dass das Minsker Abkommen nichts weiter als ein Bluff war. <strong>Wladimir Putin:<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die ganze Zeit, als der Donbass brannte und Blut floss, hat Russland ehrlich, wirklich ehrlich, auf eine friedliche L&ouml;sung hingearbeitet. Aber sie spielten mit dem Leben der Menschen und, wie man in bestimmten Kreisen sagt, mit gezinkten Karten.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Den russischen Vorschlag f&uuml;r Sicherheitsgarantien h&auml;tten die USA und die Nato abgelehnt. Die Scheinheiligkeit des &bdquo;kollektiven Westens&ldquo; werde auch daran deutlich, dass die Hilfe f&uuml;r die &auml;rmsten L&auml;nder der Welt &ndash; 60 Milliarden Dollar &ndash; deutlich unter der Summe liegt, welche die Ukraine an milit&auml;rischer Technik bekommt, n&auml;mlich 150 Milliarden Dollar.<\/p><p>Wenn die Ukraine vom Westen weitreichende Waffen bekomme, werde Russland gezwungen, die Front weiter von der russischen Grenze weg zu verschieben.<\/p><p>Der russische Pr&auml;sident betonte, Russland k&auml;mpfe nicht &bdquo;gegen das ukrainische Volk&ldquo;, welches &bdquo;zur Geisel des Westens geworden ist&ldquo;. Das Resultat westlicher Politik sei &bdquo;die Zerst&ouml;rung der ukrainischen Wirtschaft und Industrie, die Pl&uuml;nderung der nat&uuml;rlichen Reicht&uuml;mer, der kolossale Anstieg der Armut und Ungleichheit&ldquo;.<\/p><p>Wladimir Putin dankte allen, die zum Gelingen der &bdquo;SWO&ldquo; (Spezielle milit&auml;rische Operation) beitragen w&uuml;rden, von der Krankenschwester, dem R&uuml;stungsarbeiter, der im Drei-Schicht-Betrieb arbeitet, bis hin zum Soldaten. Den Teilnehmern der russischen Milit&auml;roperation versprach er f&uuml;r sechs Monate Dienst zwei Wochen Urlaub. <\/p><p>Der Pr&auml;sident rief dazu auf; eine spezielle Hilfs-Organisation zu schaffen, welche die Familien der Soldaten, die k&auml;mpfen oder gestorben sind, unterst&uuml;tzt. Diese Organisation m&uuml;sse sich um alle sozialen, medizinischen und psychologischen Fragen k&uuml;mmern.<\/p><p><strong>&bdquo;Wirtschaftliche Lage stabil&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der Kreml-Chef erkl&auml;rte, es sei gelungen, in Russland eine neue wirtschaftliche Entwicklung einzuleiten. Die russische Wirtschaft und die Verwaltung seien &bdquo;stabiler als man es im Westen angenommen hat&ldquo;. Das Ziel des Westens, dass &bdquo;die Russen leiden&ldquo;, sei nicht erreicht worden. Es g&auml;be kein Defizit an Waren und ausreichend Arbeitspl&auml;tze. <\/p><p>Der russische Bankensektor habe 2022 einen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro gemacht. Das Bruttoinlandsprodukt sei 2022 nur um 2,1 Prozent gesunken. Der Anteil des russischen Rubels im internationalen Handel habe sich im Vergleich zum Dezember 2021 verdoppelt. <\/p><p>Putin, der sich aller Voraussicht nach im n&auml;chsten Jahr der Wiederwahl stellt, schlug vor, den Minimallohn in Russland im n&auml;chsten Jahr um 18 Prozent auf 240 Euro zu erh&ouml;hen. Au&szlig;erdem schlug der Pr&auml;sident vor, das sogenannte &bdquo;Mutterkapital&ldquo; &ndash; eine Einmalzahlung f&uuml;r Neugeborene in H&ouml;he 6.000 Euro beim ersten und 2.000 Euro beim zweiten Kind &ndash; auch f&uuml;r die Kinder zu zahlen, die seit 2007 in Russlands neuen Gebieten, den Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie den Gebieten Saporoschije und Cherson, geboren wurden.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/b0cabac4714349bfa4ddabec5b3a4472\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner mit Spannung erwarteten <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/70565\">Rede vor der F&ouml;deralen Versammlung<\/a> (<a href=\"https:\/\/youtu.be\/WQycd27aUSo\">deutsche Version<\/a>) im Moskauer Konferenzzentrum Gostiny Dwor zeichnete der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin das Bild eines wirtschaftlich und politisch stabilen Russlands. 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