{"id":94138,"date":"2023-02-23T09:00:25","date_gmt":"2023-02-23T08:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94138"},"modified":"2023-02-24T07:37:03","modified_gmt":"2023-02-24T06:37:03","slug":"wird-deutschland-zur-europaeischen-speerspitze-der-usa-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94138","title":{"rendered":"Wird Deutschland zur europ\u00e4ischen Speerspitze der USA gegen Russland?"},"content":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Pr&auml;sident hat durch seinen Besuch in Kiew &ndash; nunmehr auch f&uuml;r die ganze Welt sichtbar &ndash; seine politische Zukunft mit einem milit&auml;rischen Erfolg der Ukraine im Krieg gegen Russland verbunden. Welche m&ouml;glichen Folgen k&ouml;nnte diese eindeutige Positionierung der USA und vor allem auch ihres Pr&auml;sidenten f&uuml;r Deutschland haben? Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2424\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94138-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230223_Wird_Deutschland_zur_europaeischen_Speerspitze_der_USA_gegen_Russland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230223_Wird_Deutschland_zur_europaeischen_Speerspitze_der_USA_gegen_Russland_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230223_Wird_Deutschland_zur_europaeischen_Speerspitze_der_USA_gegen_Russland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230223_Wird_Deutschland_zur_europaeischen_Speerspitze_der_USA_gegen_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94138-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230223_Wird_Deutschland_zur_europaeischen_Speerspitze_der_USA_gegen_Russland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230223_Wird_Deutschland_zur_europaeischen_Speerspitze_der_USA_gegen_Russland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die US-amerikanische Strategie im Ukraine-Krieg<\/strong><\/p><p>Die Ukraine k&auml;mpft gegen Russland nicht nur um ihre eigene Freiheit, sondern auch f&uuml;r die Interessen der USA, um Russland als Konkurrenten auf der weltpolitischen B&uuml;hne auszuschalten. Deshalb ist die umfassende milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung durch die USA nur auf den ersten Blick ein selbstloses Engagement f&uuml;r die Zukunft der Menschen in der Ukraine, sondern ein glasklares Umsetzen der globalen amerikanischen nationalen Interessen. Dazu braucht Washington die Unterst&uuml;tzung durch die europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten und zwar nicht nur milit&auml;risch, sondern auch wirtschaftlich. Deshalb haben die USA zun&auml;chst einmal die NATO wieder in die Spur gebracht, weil die NATO das entscheidende milit&auml;rische Instrument Amerikas ist.<\/p><p>Sicherheitspolitische Zielsetzungen haben aber auch immer starke wirtschaftliche Aspekte und deshalb musste zus&auml;tzlich auch die EU auf die amerikanische Linie eingeschworen werden. Dazu war es erforderlich, die europ&auml;ischen Wirtschaftsbeziehungen mit Russland zu reduzieren und gleichzeitig die Abh&auml;ngigkeiten der Europ&auml;er von den USA auszubauen. In diesem Zusammenhang sind alle Sanktionen gegen&uuml;ber Russland einzuordnen, vor allem nat&uuml;rlich die europ&auml;ische Zusammenarbeit auf dem Energiesektor. Das ist bereits weitgehend gelungen, nicht zuletzt durch den Sabotageanschlag auf die Pipelines Nordstream 1 und 2, f&uuml;r den offiziell noch kein Land verantwortlich gemacht wurde.<\/p><p>Allerdings verst&auml;rken sich die Hinweise, dass die USA nicht v&ouml;llig unbeteiligt daran waren, um es vorsichtig zu formulieren. Die Folgen von einem Gas- und &Ouml;lembargo gegen&uuml;ber Russland und dem Krieg in der Ukraine sind immens steigende Energiekosten und eine hohe Inflationsrate in Europa. Viele europ&auml;ische Firmen haben ihre Investitionen in Russland gestoppt und zu einem gro&szlig;en Teil bereits jegliche Zusammenarbeit mit Moskau eingestellt. Europ&auml;ische Firmen wurden quasi im Gegenzug durch attraktive Angebote eingeladen, statt in Russland oder anderen L&auml;ndern Europas in den USA zu investieren. Parallel dazu hat Pr&auml;sident Biden in seiner Ansprache zur Lage der Nation die Devise ausgegeben, dass Handelsketten in Zukunft nicht in den USA enden, sondern dort beginnen sollten.<\/p><p>Zus&auml;tzlich zu den amerikanischen Pl&auml;nen in und mit Europa gibt es auf der nuklearen Ebene weiterhin eine Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland, an der Europa aber nicht beteiligt ist. Allerdings gibt es in diesen Beziehungen mittlerweile erheblich Friktionen. Da ist in erster Linie das Aufk&uuml;ndigen des &bdquo;ABM-Vertrags&ldquo;, der &bdquo;INF-Vereinbarung&ldquo; und das Abkommen &bdquo;Open Skies&ldquo; durch die USA zu nennen.<\/p><p>Der &bdquo;Anti-Ballistic Missile Treaty&ldquo; (ABM-Vertrag) wurde am 28. Mai 1972 mit unbefristeter G&uuml;ltigkeit abgeschlossen. Es handelte sich um einen R&uuml;stungskontrollvertrag zwischen den USA und der Sowjetunion zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen (Anti-Ballistic Missiles, ABM). Nach den Terroranschl&auml;gen des 11. September 2001 traten die USA am 13. Juni 2002 einseitig vom Vertrag zur&uuml;ck, um neue Raketenabwehrsysteme entwickeln zu k&ouml;nnen, nachdem sie, wie vertraglich festgelegt, 6&nbsp;Monate zuvor eine Absichtserkl&auml;rung abgegeben hatten, in der sie dem Vertragspartner &ndash; dem Rechtsnachfolger der Sowjetunion, Russland &ndash; den R&uuml;cktritt ank&uuml;ndigten.<\/p><p>Der &bdquo;INF-Vertrag&ldquo; (Intermediate Range Nuclear Forces) war ein Abkommen zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion aus dem Jahr 1987. Der Vertrag wurde auf dem H&ouml;hepunkt des Kalten Krieges geschlossen und stellte einen Wendepunkt dar: Die beiden Gro&szlig;m&auml;chte vereinbarten, alle landgest&uuml;tzten Raketen und Marschflugk&ouml;rper mittlerer Reichweite (500-5.500km) zu vernichten. Gleichzeitig verbietet der Vertrag, neue Waffen dieser Kategorie zu produzieren oder zu testen. 2007 erkl&auml;rte Russland, der Vertrag entspreche nicht mehr seinen Interessen. Anstatt seine Inhalte neu zu verhandeln, wurde der Vertrag am 1. Februar 2019 durch die USA mit der vorgesehenen 6-monatigen Frist aufgek&uuml;ndigt.<\/p><p>&bdquo;Open-Skies&ldquo; ist die Bezeichnung f&uuml;r einen Vertrag aus dem Jahre 1992 zwischen 27&nbsp;damaligen KSZE-Staaten (NATO- und ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten), der es den Vertragsteilnehmern gestattet, gegenseitig ihre Territorien auf festgelegten Routen zu &uuml;berfliegen und Lagebilder durch Beobachter und mittels technischer Sensoren zu erstellen.<\/p><p>Durch diese vertrauensbildende Ma&szlig;nahme im KSZE\/OSZE-Raum sollen Vereinbarungen der R&uuml;stungskontrolle sowie zur Konfliktverh&uuml;tung &uuml;berwacht, Konflikte vermieden und der Frieden gesichert werden. Die Vereinigten Staaten sind als bisher einziger Staat rechtswirksam am 22.&nbsp;November 2020 aus dem Vertrag ausgestiegen. Am 15. Januar 2021 leitete Russland als Reaktion auf den Austritt der USA ebenfalls Schritte zum Austritt aus dem Abkommen ein.<\/p><p>Aktuell hat der russische Pr&auml;sident Putin angek&uuml;ndigt, das erst 2021 verl&auml;ngerte &bdquo;NEW START&ldquo;-Abkommen mit den USA auszusetzen. Im &bdquo;New Start&ldquo;-Vertrag bekennen sich Russland und USA zur Verringerung strategischer Atomwaffen. Das Abkommen schreibt vor, dass die Vertragspartner die Zahl ihrer nuklearen Sprengk&ouml;pfe auf maximal 1.550 und die Zahl nuklearer Tr&auml;gersysteme auf 800 reduzieren &ndash; von Letzteren d&uuml;rfen maximal 700 im Einsatz sein. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow reagierte damit auf Kritik aus den USA an der Aussetzung von Kontrollen durch Russland wegen des Ukrainekrieges. Der russische Pr&auml;sident hat allerdings versichert, dass sich Russland trotzdem strikt an die vereinbarten Obergrenzen halten werde.<\/p><p><strong>Die Rolle Deutschlands in der amerikanischen Russland-Ukraine-Strategie<\/strong><\/p><p>Deutschland hat seine Wirtschaftsbeziehungen zu Russland radikal zur&uuml;ckgefahren und vor allem seine Zusammenarbeit im Energiesektor vollst&auml;ndig beendet. Ein Teil der bisherigen russischen Gaslieferungen wird durch amerikanisches LNG-Gas ersetzt, obwohl dieses durch Fracking gewonnen wird, ein Verfahren, das bislang von Deutschland kategorisch abgelehnt wurde. Die im Beisein von Bundeskanzler Scholz von US-Pr&auml;sident Biden gemachte Ank&uuml;ndigung, dass ein russischer Einmarsch in die Ukraine das Ende von Nordstream 2 bedeuten w&uuml;rde, hatte der Kanzler seinerzeit wortlos zur Kenntnis genommen. Der Ukrainekrieg und die gestoppten russischen Gaslieferungen haben in Deutschland in allen Wirtschaftsbereichen zu erheblichen Preissteigerungen gef&uuml;hrt.<\/p><p>W&auml;hrend sich Deutschland zu Beginn des Krieges bei der milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung der Ukraine zun&auml;chst auf nicht letale milit&auml;rische G&uuml;ter beschr&auml;nkt hatte, wurde schon sehr bald das Prinzip, keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete zu liefern, au&szlig;er Kraft gesetzt. Begonnen hatte Deutschland mit allen Arten von personengest&uuml;tzten Panzer- und Fliegerabwehrwaffen und hat mittlerweile die Ukraine mit deutschen Panzerhaubitzen, Flak-Panzern und mobilen Flugabwehrraketensystemen ausgestattet, nachdem zuvor ukrainische Soldaten in Deutschland an diesen Waffensystemen ausgebildet wurden. Dar&uuml;ber hinaus wurde die Lieferung von deutschen Sch&uuml;tzenpanzern zugesagt, wobei auch in diesem Fall die ukrainischen Besatzungen in Deutschland ausgebildet werden. Aktuell hat Deutschland nicht nur die Lieferung von Leopard-2- und Leopard-1-Kampfpanzern zugesagt, sondern sich auch bereit erkl&auml;rt, die F&uuml;hrung einer sogenannten &bdquo;Panzer-Allianz&ldquo; zu &uuml;bernehmen.<\/p><p>Alle Entscheidungen, schwere Waffen zu liefern, wurden nicht zuletzt auf Dr&auml;ngen westlicher Partnerstaaten, die nicht alle der NATO angeh&ouml;ren, getroffen. Aber wenn es um konkretere Waffenlieferungen ging, blieben und bleiben viele dieser L&auml;nder in der &bdquo;politischen Deckung&ldquo;. Innerhalb der Bundesregierung gab es, vor allem zur Lieferung schwerer Waffen, durchaus unterschiedliche Positionen. Aber der Druck von Seiten der Gr&uuml;nen und der FDP, weniger massiv durch die SPD und verst&auml;rkt durch die CDU\/CSU-Opposition haben den Bundeskanzler veranlasst, der Lieferung von immer schwereren Waffen zuzustimmen.<\/p><p>Neben der Lieferung von gepanzerten Waffensystemen hat Deutschland in der Slowakei, nahe der ukrainischen Grenze, ein Wartungs- und Instandsetzungszentrum f&uuml;r diese Waffen aufgebaut.<\/p><p>Die konkreten Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen Deutschlands im humanit&auml;ren, wirtschaftlichen und vor allem auch im milit&auml;rischen Bereich wurden begleitet durch zahlreiche Ukraine-Besuche von Politikern der Regierungsparteien und der Opposition. Neben dem Bundespr&auml;sidenten besuchte auch der Bundeskanzler w&auml;hrend des Krieges die Ukraine, ebenso wie viele Kabinettsmitglieder. Die Au&szlig;enministerin fuhr sogar bei einem ihrer Besuche medienwirksam an die Front. Begleitet wurden und werden all diese Ma&szlig;nahmen von den sogenannten &bdquo;Leitmedien&ldquo;, die die Ukraine- und Russlandpolitik der Bundesregierung nicht nur eher wenig reflektiert unterst&uuml;tzen, sondern diese sogar massiv dazu dr&auml;ngen, vor allem auch schwere Waffen an die Ukraine zu liefern.<\/p><p>Neben den konkreten politischen Entscheidungen der Bundesregierung wurde das deutsche Engagement f&uuml;r die Ukraine und die konfrontative Haltung gegen&uuml;ber Russland nicht unwesentlich durch amerikanische Vorhaben auf deutschem Boden verst&auml;rkt. So tagt im Regelfall die von den USA gef&uuml;hrte &bdquo;Ukraine-Unterst&uuml;tzungsgruppe&ldquo; auf dem US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt in Ramstein, und auf dem amerikanischen Truppen&uuml;bungsplatz Grafenw&ouml;hr bilden die USA ukrainische Soldaten an den Waffensystemen aus, die Washington an Kiew liefert. Die ersten US-Sch&uuml;tzenpanzer f&uuml;r die Ukraine wurden in Bremerhaven angelandet, und Pr&auml;sident Biden hat auf seinem Flug nach Polen, um von dort mit dem Zug nach Kiew weiterzufahren, einen Stopp auf der US-Airbase in Ramstein eingelegt.<\/p><p><strong>Wird Deutschland zur europ&auml;ischen Speerspitze der USA gegen Russland?<\/strong><\/p><p>Deutschland wird nicht zur europ&auml;ischen Speerspitze der USA gegen Russland, sondern ist es bereits. Es gibt mittlerweile kein anderes EU-Land, das die Ukraine derart intensiv humanit&auml;r, wirtschaftlich und vor allem auch milit&auml;risch unterst&uuml;tzt wie Deutschland. Auch kein anderer EU- oder NATO-Staat hat mit so vielen Politikern die Ukraine besucht und dort &bdquo;Flagge gezeigt&ldquo; wie Deutschland.<\/p><p>F&uuml;r die USA ist Deutschland nach Polen mittlerweile zur wichtigsten Drehscheibe in der Unterst&uuml;tzung der Ukraine, bzw. im Stellvertreterkrieg mit Russland, geworden, ohne dass Deutschland um diese zentrale Rolle gebeten hat. Die Ukraine-Unterst&uuml;tzungsgruppe k&ouml;nnte ja auch in Br&uuml;ssel tagen und die ukrainischen Soldaten h&auml;tten von den USA ja auch in Polen ausgebildet werden k&ouml;nnen, aber das hat Washington wohl mit Bedacht anders entschieden. Ob das der politischen F&uuml;hrung in Berlin bewusst ist?<\/p><p>Die Deutschland aufgedr&auml;ngte F&uuml;hrung der sogenannten &bdquo;Panzer-Allianz&ldquo;, die allerdings noch immer nicht zustande gekommen ist, hat dazu gef&uuml;hrt, dass Pr&auml;sident Putin in seiner Rede zur Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad gesagt hat, dass es erneut soweit sei, dass Panzer mit dem Eisernen Kreuz wieder gegen Russland k&auml;mpfen w&uuml;rden. Da Moskau die direkte Konfrontation mit den USA, die behaupten, nicht im Krieg mit Russland zu sein, vermeiden will, ist zu bef&uuml;rchten, dass Deutschland sozusagen zu einem Ersatzziel werden k&ouml;nnte. Ob deutsche Politiker diese Gefahr sehen, muss bezweifelt werden, wenn man die Aussagen von einigen &bdquo;Polit-Amateuren&ldquo; h&ouml;rt, die den Ukrainekrieg mit einer Art Video-Spiel zu verwechseln scheinen. Eklatantestes Beispiel ist Annalena Baerbock, die einerseits sagt, Deutschland befinde sich im Krieg mit Russland, und andererseits ihren uns&auml;glichen Auftritt beim Karneval in Aachen mit den Worten begonnen hat, sie habe zun&auml;chst &uuml;berlegt, in einem Leopardenkost&uuml;m zu erscheinen.<\/p><p>Der neue Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete den Leopard 2 als &bdquo;Gamechanger&ldquo;, Bundestagsvizepr&auml;sidentin Katrin G&ouml;ring-Eckardt twitterte <i>&bdquo;The Leopard&acute;s feed !&ldquo;,<\/i> und das Ausw&auml;rtige Amt hatte in einem offiziellen Tweet, in dem es um Russlands Au&szlig;enpolitik ging, das Tier-Emoji eines Leoparden eingesetzt. Die SZ schrieb dazu am 21.02.23: <i>&bdquo;Krieg im Kinderzimmer, Gamefiction-und alles nicht so schlimm?&ldquo;<\/i><\/p><p>Was die deutschen Politiker dar&uuml;ber hinaus nicht zu kapieren scheinen, ist die Rolle Polens und der anderen osteurop&auml;ischen Staaten im amerikanischen Strategieansatz. Polen erf&uuml;llt f&uuml;r Washington eine Doppelfunktion. Zum einen ist es der amerikanische Grenz&uuml;bergang in die Ukraine und zum anderen bildet Warschau einen geographischen Puffer zwischen Deutschland und Russland, falls die Bundesregierung ihre einseitige und von Emotionen gepr&auml;gte Russlandpolitik &uuml;berdenken sollte. Da passt es bestens ins amerikanische Konzept, dass Polen auf Grund seiner Vergangenheit nicht nur Russland hasst, sondern auch zu Deutschland ein Verh&auml;ltnis pflegt, das noch immer vom 2. Weltkrieg gepr&auml;gt ist. Ein Beispiel daf&uuml;r sind die Forderungen von Reparationen an Deutschland, die von polnischen Politikern immer wieder ins Spiel gebracht werden.<\/p><p>Die Tatsache, dass sich Pr&auml;sident Biden nach seinem Auftritt in Polen ausschlie&szlig;lich mit den mittel- und osteurop&auml;ischen NATO-Staaten, dem &bdquo;Bukarest-9-Format&ldquo;, also neben Polen Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rum&auml;nien, Slowakei, Tschechische Republik und Ungarn, treffen wird, macht deutlich, dass er diesen NATO-Verb&uuml;ndeten mehr traut und vor allen Dingen davon &uuml;berzeugt ist, dass diese bei der Stange bleiben, solange die USA &ndash; nicht die NATO &ndash; ihre Sicherheit garantieren und zwar nicht zuletzt durch die Pr&auml;senz von amerikanischen Soldaten. In Polen allein sollen es aktuell circa 11.000 sein. Neben der Nibelungentreue dieser Staaten zu den USA &ndash; lediglich Ungarn sieht das etwas differenzierter &ndash; spielt bei diesem engen Verh&auml;ltnis mit den USA f&uuml;r Washington nat&uuml;rlich auch die geografische N&auml;he dieser L&auml;nder zu Russland eine wesentliche Rolle. Die amerikanischen &bdquo;Aegis Ashore&ldquo;-Raketenabwehranlagen in Polen und Rum&auml;nien sind daf&uuml;r ein deutlicher Beweis.<\/p><p>Und ein dritter Punkt scheint den deutschen Politikern nicht klar zu sein, dass n&auml;mlich nicht ausgeschlossen werden kann, dass Washington aus innenpolitischen Erw&auml;gungen seine Unterst&uuml;tzung der Ukraine so pl&ouml;tzlich und ohne R&uuml;cksprache mit den Verb&uuml;ndeten beendet, wie das in Afghanistan im August 2021 der Fall war. Wie bereits ausgef&uuml;hrt, hat Pr&auml;sident Biden seine politische Zukunft mit einem milit&auml;rischen Erfolg der Ukraine verbunden und dies mit seinem Besuch in Kiew nachdr&uuml;cklich unterstrichen. Nach Meinung von amerikanischen Experten sieht es allerdings aktuell &uuml;berhaupt nicht danach aus, sondern ganz im Gegenteil rechnen diese mit einer baldigen und entscheidenden russischen Offensive und einer milit&auml;rischen Niederlage der Ukraine.<\/p><p>Sollte das zutreffen, m&uuml;sste der amerikanische Pr&auml;sident &ndash; falls er das US-Engagement beenden wollte &ndash; rechtzeitig versuchen, die bis dahin praktizierte amerikanische Ukraine- und Russlandpolitik innenpolitisch trotzdem als Erfolg zu verkaufen. Daf&uuml;r h&auml;tte er ggf. im Wesentlichen folgende Argumente:<\/p><ul>\n<li>Russland wurde als Konkurrent auf der weltpolitischen B&uuml;hne erheblich geschw&auml;cht.<\/li>\n<li>Die NATO ist wieder in der Spur und die europ&auml;ischen Staaten sind bereit, ihre Verteidigungsanstrengungen zu erh&ouml;hen.<\/li>\n<li>Schweden und Finnland wollen der NATO beitreten.<\/li>\n<li>Die meisten Staaten und Republiken der ehemaligen Sowjetunion sind bereit, die dauerhafte Stationierung von US-Truppen zu erlauben.<\/li>\n<li>Die EU wurde von der preiswerten Energieversorgung durch Russland abgeschnitten und Amerika wurde die T&uuml;r zum europ&auml;ischen Energiemarkt weit aufgesto&szlig;en.<\/li>\n<li>Insgesamt ist die EU bereit, sich wirtschaftlich wieder mehr in Richtung der USA zu orientieren, als dies vor dem Krieg der Fall war.<\/li>\n<li>Die EU hat sich bereits verpflichtet, den Wiederaufbau der Ukraine entscheidend mitzufinanzieren.<\/li>\n<li>Die amerikanische R&uuml;stungsindustrie hat prall gef&uuml;llte Auftragsb&uuml;cher und wird vor allem f&uuml;r viele Jahre US-Waffensysteme an die osteurop&auml;ischen NATO-Staaten verkaufen.<\/li>\n<li>Die finanziellen Aufwendungen der USA f&uuml;r die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine werden zu einem nicht unerheblichen Teil im Rahmen des amerikanischen &bdquo;Lend-Lease-Act&ldquo; von den Europ&auml;ern kompensiert, weil die Ukraine dazu nicht in der Lage sein wird.<\/li>\n<\/ul><p>F&uuml;r die USA standen und stehen immer die nationalen Interessen im Vordergrund, und diese sind globaler Natur. Das ist legitim, muss allerdings den europ&auml;ischen und vor allem auch den deutschen Politikern klar sein. Sollten sich die USA aus nationalem Interesse und handfesten politischen &Uuml;berlegungen der Demokraten und auch des US-Pr&auml;sidenten im Hinblick auf die 2024 anstehenden Pr&auml;sidentschaftswahlen, f&uuml;r die der Wahlkampf bereits begonnen hat, entschlie&szlig;en, ihr massives Engagement in der Ukraine zu beenden, st&auml;nde Deutschland als europ&auml;ische Nummer 1 in der Ukraine-Unterst&uuml;tzung pl&ouml;tzlich mitten im Fadenkreuz des russischen Pr&auml;sidenten. Es muss bezweifelt werden, ob dies der Bundesregierung klar ist.<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Animaflora PicsStock<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93901\">Warum der Weltfrieden von Deutschland abh&auml;ngt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92915\">Uranhaltige Munition Teil des letzten US-&bdquo;Unterst&uuml;tzungspaketes&ldquo;? &ndash; Was ihr m&ouml;glicher Einsatz in der Ukraine bedeutet<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/d0349f29cedd40acbced1368e56fccbe\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-amerikanische Pr&auml;sident hat durch seinen Besuch in Kiew &ndash; nunmehr auch f&uuml;r die ganze Welt sichtbar &ndash; seine politische Zukunft mit einem milit&auml;rischen Erfolg der Ukraine im Krieg gegen Russland verbunden. Welche m&ouml;glichen Folgen k&ouml;nnte diese eindeutige Positionierung der USA und vor allem auch ihres Pr&auml;sidenten f&uuml;r Deutschland haben? 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