{"id":94266,"date":"2023-02-26T14:00:26","date_gmt":"2023-02-26T13:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94266"},"modified":"2023-02-26T14:55:33","modified_gmt":"2023-02-26T13:55:33","slug":"perus-abgesetzter-und-inhaftierter-praesident-pedro-castillo-die-usa-arbeiten-mit-der-eu-zusammen-um-uns-zu-unterdruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94266","title":{"rendered":"Perus abgesetzter und inhaftierter Pr\u00e4sident Pedro Castillo: \u201eDie USA arbeiten mit der EU zusammen, um uns zu unterdr\u00fccken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Pedro Castillo war Ende letzten Jahres unter h&ouml;chst fragw&uuml;rdigen Umst&auml;nden zun&auml;chst als Pr&auml;sident abgesetzt und dann inhaftiert worden.&nbsp;Das spanische Portal <em>El Salto<\/em>&nbsp;konnte ihm eine Reihe von Fragen &uuml;bermitteln, die der Politiker aus dem Hochsicherheitsgef&auml;ngnis in Barbadillo beantwortete. Castillo sieht sich noch immer als verfassungsgem&auml;&szlig;er Pr&auml;sident und prangert die von der Interimspr&auml;sidentin Dina Boluarte ausge&uuml;bte Repression gegen die anhaltenden Proteste an. Zudem verweist er auf die Rolle transnationaler Konzerne sowie der USA und EU bei seiner Absetzung. Das Interview liegt nun auch in deutscher &Uuml;bersetzung vor und sei allen ans Herz gelegt, die die derzeitige Situation in Peru besser verstehen wollen. Von <strong>Julio Zamarr&oacute;n<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVorbemerkung des Interviewers: Das Barbadillo-Gef&auml;ngnis empfing die Delegation bei sengender Sonne. Die Beamten des peruanischen Nationalen Strafvollzugsinstituts lie&szlig;en die Besucher warten. In Castillos Zelle gibt es weder Fenster noch nat&uuml;rliches Licht, aber er hat Zugang zu einem kleinen Gem&uuml;segarten, in dem er Kartoffeln und Mais anbaut. In der Zelle gibt es einen kleinen Herd zum Kochen und einen Schreibtisch mit einigen B&uuml;chern. Derzeit liest der Pr&auml;sident Sun Tzu&rsquo;s&nbsp;<em>Die Kunst des Krieges<\/em>. Drinnen gibt es dar&uuml;ber hinaus nicht viel mehr als ein Bett und einen Fernseher, der zu seiner wichtigsten Verbindung zur Au&szlig;enwelt geworden ist, abgesehen von seinem Anwaltsteam.<\/p><p>Obwohl das Nationale Institut f&uuml;r Strafvollzug darauf bedacht war, das Treffen durch Behinderungen und Unannehmlichkeiten zu verhindern, konnte es schlie&szlig;lich stattfinden: Daraus stammen die Notizen, die die Grundlage dieses Interviews bilden, das zwischen den letzten Januartagen und der ersten Februarwoche m&uuml;ndlich und handschriftlich gef&uuml;hrt wurde. Alle Aufnahmeger&auml;te, einschlie&szlig;lich Mobiltelefone, waren ausdr&uuml;cklich verboten.<\/p><p><strong>F&uuml;rchten Sie im Moment um Ihr Leben?<\/strong><\/p><p>Ja, ich f&uuml;rchte um mein Leben. In Peru gibt es keinerlei rechtliche, politische oder zivile Sicherheit. Ich muss sagen, dass ich nicht erst jetzt um mein Leben f&uuml;rchte, sondern schon seit der zweiten Runde des Wahlkampfs um das Pr&auml;sidentenamt. Seit ich im Wahlkampf war, wurde ich politisch verfolgt, die Rechten haben ihre Wut an mir und meiner Familie ausgelassen, insbesondere an meinen j&uuml;ngsten Kindern und meiner Frau. Sie haben uns diffamiert, sie haben uns &ldquo;terruquisiert&rdquo; [Terrorismusvorw&uuml;rfe gegen linke Aktivisten erheben], sie haben uns nicht erlaubt, uns zu entwickeln, weder pers&ouml;nlich noch im Rahmen meiner Regierung. Die Anfeindungen waren st&auml;ndig, t&auml;glich und belastend. Diese Aktionen sch&uuml;rten Hass und Rassismus.<\/p><p>Ich habe Todesdrohungen von vielen Unbekannten erhalten. Meine Kinder und meine Frau ebenso. Deshalb habe ich immer versucht daf&uuml;r zu sorgen, dass meine Kinder in Sicherheit sind, denn sie sind das Wertvollste, was ich habe. Sicherheit f&uuml;r meine kleine Tochter, f&uuml;r meinen kleinen Sohn, f&uuml;r meine gro&szlig;e Tochter und f&uuml;r meine Frau.<\/p><p>Ich wurde mehrfach von rechtsgerichteten Leuten beschimpft, die mir vorwarfen, ein &ldquo;Terrorist&rdquo; zu sein. Sie wollten mich verletzen, ich w&uuml;rde sogar sagen, umbringen. In Tacna zum Beispiel wurde ich von mehreren Personen der Ultrarechten mit Bolzen und Metallst&uuml;cken geschlagen, ich wurde verletzt, aber ich habe das nicht angezeigt. Das ist eine der deutlichsten Erinnerungen, die ich an die zweite Runde der Kampagne habe.<\/p><p>Ich habe auch &ouml;ffentliche Drohungen erhalten, zum Beispiel von Rafael L&oacute;pez Aliaga [ultarrechter Gesch&auml;ftsmann und B&uuml;rgermeister von Lima], der offen zu meiner Ermordung aufrief. Auf seiner Kundgebung sagte er: &ldquo;Tod f&uuml;r Castillo&rdquo;.<\/p><p><strong>Konnten Sie mit Ihrer Frau und Ihren Kindern sprechen? Wissen Sie, wie es ihnen geht?<\/strong><\/p><p>Nein, ich kann nicht mit meiner Familie kommunizieren. Ich wei&szlig; wenig dar&uuml;ber, wie es ihnen geht, und ich hoffe, es geht ihnen gut. Ich habe weder Zugang zur Kommunikation, noch das Recht, sie per Videotelefonat anzurufen. Sie sind Fl&uuml;chtlinge in Mexiko. Ich w&uuml;rde gerne mit ihnen sprechen.<\/p><p>Ja, ich f&uuml;rchte um ihr Leben, denn als sie in Peru waren, haben sie rassistische Vorf&auml;lle erlitten. Meine Kinder haben sich zum Beispiel nie daran gew&ouml;hnt, im Regierungspalast zu wohnen, weil das bedeutete, in ein Lima zu ziehen, zu dem sie nicht geh&ouml;rten und dem sich nicht zugeh&ouml;rig f&uuml;hlten.<\/p><p>Meinem Sohn wurde der Zugang zu Schulen verweigert, weil sie herausgefunden haben, dass er mein Sohn ist. Es waren Schulen, die ich aus Sicherheitsgr&uuml;nden gew&auml;hlt habe. Man hat mir das nicht erlaubt. Mein Sohn wird am 8. Februar 18 Jahre alt, und es tut mir weh, in diesem Moment nicht bei ihm sein zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Meine j&uuml;ngere Tochter wurde nach der Geburtstagsfeier, die ihre Mutter und ich f&uuml;r sie organisiert hatten, gemobbt. Wie allen M&auml;dchen in diesem Alter bereiteten wir ihr ein Fest, damit sie sich gl&uuml;cklich f&uuml;hlt. &Uuml;ber dieses Fest wurde in den Medien berichtet, und sie wurde sp&auml;ter in ihrer Schule und auch beim Verlassen der Schule schikaniert. Wenn sie spazieren ging, wurde sie angeschrien: &ldquo;Du bist die Tochter des Esels&rdquo;, und sie weinte und f&uuml;hlte sich schlecht. Sie haben meine j&uuml;ngsten Kinder attackiert, um mich anzugreifen.<\/p><p>Was Yenifer betrifft, die ich als meine Tochter betrachte, so ist sie die &Auml;lteste und sehr mutig [Yenifer Paredes, Castillos Schw&auml;gerin, wird der Geldw&auml;sche und der Zugeh&ouml;rigkeit zu einer kriminellen Vereinigung beschuldigt]. Sie stellt sich dieser Situation als die starke Frau, die sie ist. Auch sie wurde zu Unrecht inhaftiert, sie ist ein Opfer all der Misshandlungen, denen meine ganze Familie ausgesetzt ist. Auch gegen sie werden jetzt unbegr&uuml;ndete Strafverfahren eingeleitet, sie hat ihre Freiheit verloren, und ich m&ouml;chte nur, dass sie eine normale junge Frau sein kann, die ein Leben ohne Angriffe f&uuml;hren kann, ich m&ouml;chte, dass sie gl&uuml;cklich ist.<\/p><p>Meiner Frau Lilia bin ich dankbar, dass sie in all dieser Zeit Widerstand geleistet hat, denn es war nicht leicht f&uuml;r sie. Oft wollte sie mit meinen Kindern nach Chota [Stadt im Departamento Cajamarca, aus der Castillo stammt] gehen, weil sie die Angriffe in dieser ganzen Region hier nicht ertragen konnte. Man machte sich &uuml;ber ihre Art der Kleidung lustig, &uuml;ber unsere andinen Wurzeln, &uuml;ber die Art, wie wir sprechen, es gab ethnische Diskriminierung. Sie erfuhr st&auml;ndige Angriffe auf ihre Person.<\/p><p>Meine Eltern leiden. Meine Mutter wei&szlig; nicht, dass ich im Gef&auml;ngnis bin. Sie haben sie angelogen und ihr gesagt, ich sei in einer anderen Region und w&uuml;rde nach Chota zur&uuml;ckkehren. Das ist die einzige M&ouml;glichkeit, ihre Gesundheit nicht zu beeintr&auml;chtigen. Mein Vater wei&szlig;, dass ich im Gef&auml;ngnis bin, aber er hat mich noch nicht besuchen k&ouml;nnen. Ich vermisse meine Eltern sehr und w&uuml;rde sie gerne bald sehen, aber ich wei&szlig;, dass sie, wenn sie kommen, von der Presse angegriffen werden.<\/p><p><strong>Was geschah nun am 7. Dezember? War es ein Versuch, die peruanischen Institutionen zu untergraben? Wenn das nicht der Fall war, was war an diesem Tag ihre Absicht als Pr&auml;sident von Peru?<\/strong><\/p><p>Das ist kompliziert und komplex zu erkl&auml;ren. Es l&auml;sst sich nicht nur politisch erkl&auml;ren. Ich habe nie versucht, die peruanischen Institutionen zu untergraben. Ich wollte n&auml;her an das Volk herankommen. Es war ein Tag, um den &ldquo;Niemanden&rdquo; einen Widerhall zu geben. Ich habe die Fahne der verfassungsgebenden Volksversammlung hochgehalten und meine Rede in Erinnerung und Treue zu den Menschen gehalten, die mich gew&auml;hlt und die mir vertraut haben.<\/p><p>Es war eine Bekr&auml;ftigung meinerseits. Ich wollte der politischen Klasse zu verstehen geben, dass die Volksmacht der h&ouml;chste Ausdruck der Gesellschaften ist. Ich wollte den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Machtgruppen nicht gehorchen. Ich wollte das Volk &uuml;ber alles andere stellen.<\/p><p>Es wurde viel geredet. Ich war nicht auf der Flucht, wie die Presse behauptete, ich brachte meine Familie in die mexikanischen Botschaft, es ging alles sehr schnell. Es war allein meine Entscheidung und von niemand sonst. Ich war nerv&ouml;s, aber ich habe es gemacht. Nach der Botschaft an die Nation war An&iacute;bal Torres [ehemaliger Pr&auml;sident des peruanischen Ministerrats, damals Berater von Castillo] sehr verwirrt, er sah verst&ouml;rt aus, weil er nicht begriff, warum ich tat, was ich tat. Das gilt auch f&uuml;r alle anwesenden Minister, die eintrafen, als ich bereits dabei war, die Botschaft zu verlesen.<\/p><p>Nach der Mitteilung dachte ich als Erstes an meine Familie. Ich wollte sie bei der mexikanischen Botschaft abliefern, aber zu keinem Zeitpunkt wollte ich fliehen. Ich wollte zur&uuml;ckkehren. Ich wollte meine Familie in Sicherheit bringen. Wir nahmen den Kombiwagen des Pr&auml;sidentenpalastes und waren unterwegs, als wir von der Polizei angehalten wurden. Es war eine v&ouml;llig illegale Situation, denn ich war ja immer noch der Pr&auml;sident. Meine kleine Tochter begann zu weinen, als sie auf meinem Scho&szlig; sa&szlig;, ich umarmte sie und beruhigte sie, damit sie nicht mehr weinte.<\/p><p>Die Polizei kam mit Maschinengewehren und stoppte den Wagen. Es waren viele Polizisten und es gibt Beweise daf&uuml;r, &uuml;ber die in den Medien berichtet wurde. F&uuml;r meine Kinder war das sehr traumatisch und gewaltt&auml;tig. In diesem Moment bat ich die Beamten, meine Familie nicht einzusch&uuml;chtern, dass ich aussteigen w&uuml;rde und dass es keinen Grund f&uuml;r Gewalt g&auml;be. Also stieg ich aus dem Auto aus, An&iacute;bal Torres ebenfalls, und verteidigte mich. Ich f&uuml;hlte mich sehr verwirrt, ich dachte nicht mehr wie ein Pr&auml;sident, ich dachte nur noch wie ein Familienvater. An&iacute;bal Torres bewies zu jeder Zeit Standhaftigkeit und wusste, wie er mich zu orientieren hatte. Daf&uuml;r bin ich ihm sehr dankbar.<\/p><p>Dann erinnere ich mich an Momente, in denen mein Blutzucker anstieg. Ich habe ein H&ouml;rproblem, ich benutze ein H&ouml;rger&auml;t, ich konnte die Hinweise, die mir gegeben wurden, nicht h&ouml;ren, es gab einen Moment, in dem ich nur noch Stille h&ouml;rte. Es war sehr verwirrend, ich f&uuml;hlte mich nicht wohl. Ich habe nur an meine Familie gedacht.<\/p><p>Es sei darauf hingewiesen, dass der Staatsanwalt bei meiner Verhaftung zu keinem Zeitpunkt anwesend war und dass es kein rechtliches Verfahren f&uuml;r mich als Peruaner mit seinen Rechten und erst recht nicht f&uuml;r mich als Pr&auml;sident gab, denn ich war immer noch Pr&auml;sident und bin weiterhin Pr&auml;sident. F&uuml;r dieses gewaltt&auml;tige Verhalten war [Harvey] Colchado verantwortlich. Am n&auml;chsten Tag brachten sie mich zur Diroes [Nationale Abteilung f&uuml;r Sondereins&auml;tze], und da erst kam der Staatsanwalt.<\/p><p><strong>Was halten Sie von denjenigen, die meinen, dass sie einen &ldquo;Selbstputsch&rdquo; begangen haben?<\/strong><\/p><p>Das ist ein Diskurs, der von der Rechten geschaffen wurde. Sie verkennen die Realit&auml;t, sie sind so unwissend, dass sie ihre eigenen Geschichten erfinden, die sie selbst wiederholen und st&auml;ndig wiederholen, ohne die korrekte Arbeit eines investigativen Journalismus zu leisten. Die traditionelle Presse in Peru ist eine Schande. Sie haben versucht, meine Familie zu zerst&ouml;ren, und sie zerst&ouml;ren viele andere Menschen, die sich dieser De-facto-Regierung widersetzen. Die Presseverantwortlichen scheinen mir die wahren Ignoranten zu sein, und die sind es auch, die sagen, es sei ein Selbstputsch gewesen, nicht das Volk.<\/p><p><strong>Sind Sie Opfer eines Komplotts? Wer hat dieses Komplott organisiert?<\/strong><\/p><p>Ja, ich bin Opfer eines Komplotts. Es wurde haupts&auml;chlich von der peruanischen Rechten organisiert, die den Interessen der internationalen Rechten, den neoliberalen und imperialistischen Gruppen dient. Sie hatten und haben alle ihre wirtschaftlichen und politischen Machtmittel eingesetzt. Dazu geh&ouml;rt auch die peruanische Presse, die ebenfalls diesen Interessen folgt.<\/p><p>Wir einfachen Leute, die wir in die Politik gegangen sind, um die Dinge zu ver&auml;ndern, sind vom ersten Moment an mit deren Interessen zusammengesto&szlig;en. Das ist eine Tatsache. Ich bin der erste Pr&auml;sident vom Land, Lehrer und Bauer. Sie wollten mich nie in der Regierung haben, und ich wurde vom Volk in einer demokratischen Wahl gew&auml;hlt. Das haben sie mir nie verziehen.<\/p><p><strong>Seit wann hatten Sie das Gef&uuml;hl, dass die peruanische Rechte Sie loswerden will?<\/strong><\/p><p>Man wollte mich vom Beginn der zweiten Runde der Wahlen an vernichten. Die ganze Zeit, jeden Tag, war ich Angriffen auf meine Ehre und mein Image als Kandidat ausgesetzt. Deshalb wollte ich der traditionellen Presse auch nie Interviews geben. Ich habe dem wahren Journalismus in den Regionen und der alternativen Presse Interviews gegeben, die echte Fragen mit Inhalt gestellt haben und nicht nur, um sich ihre Zeit mit Beleidigungen und derartigen Gemeinheiten zu vertreiben.<\/p><p>Die gesamte wirtschaftliche und politische Macht hat das Narrativ eines Wahlbetrugs geschaffen und die Menschen belogen. Sie gaben Studien von Anw&auml;lten in Auftrag, die den Interessen der Rechten entgegenkommen, um die Ung&uuml;ltigkeit der Stimmen meiner Geschwister im S&uuml;den zu fordern, und das Volk k&auml;mpfte f&uuml;r seine Stimmen, indem es M&auml;rsche, Mahnwachen und Sitzstreiks vor dem Nationalen Wahlgericht in meinem Land abhielt.<\/p><p>Wir alle haben es zusammen geschafft, dass die Volksmacht respektiert wird. Aber sie haben mich nie regieren lassen und immer versucht, meine Regierung zu zerst&ouml;ren.<\/p><p>Sie hatten immer Angst, dass wir die Macht &uuml;bernehmen w&uuml;rden, denn sie wussten, dass sie ihre Privilegien verlieren k&ouml;nnten. Sie k&ouml;nnen Geld haben, sie k&ouml;nnen die Medien haben, aber sie haben nicht das Herz des Volkes und das werden sie auch niemals haben.<\/p><p><strong>Was ist die Rolle der extraktivistischen, neoliberalen und kapitalistischen Oligarchie?<\/strong><\/p><p>Aus Angst, dass wir ihre Vertr&auml;ge &uuml;berpr&uuml;fen k&ouml;nnten, haben sie eine putschistische Rolle &uuml;bernommen. Ich war dabei, alle Vertr&auml;ge der extraktivistischen, neoliberalen und kapitalistischen Bergbauunternehmen zu &uuml;berpr&uuml;fen. Sie alle haben die Rolle von Putschisten gespielt. Daf&uuml;r gibt es verschiedene Beispiele.<\/p><p>Das Budget, das alle Regierungen fr&uuml;her daf&uuml;r verwendet haben, um die Presse zu bezahlen, haben wir in meiner Regierung daf&uuml;r verwendet, es der Bildung zukommen lassen zu k&ouml;nnen. Dazu war ich fest entschlossen und wir haben uns daran gehalten. Deshalb hat mich die Presse angegriffen und tut dies auch weiterhin.<\/p><p>Die Presse hat hohe Schulden bei der Nationalen Aufsichtsbeh&ouml;rde f&uuml;r Zoll und Steuerverwaltung [Superintendencia Nacional de Aduanas y de Administraci&oacute;n Tributaria &ndash; Sunat]. Die zahlen ihre Zinsen nicht und das k&ouml;nnen Sie auf folgenden Plattformen &uuml;berpr&uuml;fen: Panamericana, Am&eacute;rica TV, Latina TV, ATV und Willax, dem Sender mit den meisten Verleumdungsdelikten in diesem Land. Das ist ein &ldquo;Piratensender&rdquo;.<\/p><p>Was die Geb&uuml;hren angeht, so ist es mir gelungen, diese beim Zoll, bei der &Ouml;lindustrie und im Seeverkehr zu erheben. Bei der Vertragsverl&auml;ngerung musste ich darauf achten, dass es Mindestparameter gibt. Es gibt viele Vertr&auml;ge, die ich nicht neu verhandeln konnte, weil die Verfassung mir das nicht erlaubt, da es sich um Vertr&auml;ge handelt, die die Vorg&auml;ngerregierungen per Gesetz abgeschlossen haben, wie zum Beispiel der Vertrag von Francisco Sagasti von der Partido Morado, der den Vertrag mit Peru Rail verl&auml;ngert hat, w&auml;hrend die Bev&ouml;lkerung von Cusco diesen nicht neu verhandeln wollte. Peru Rail ist im Besitz von Rafael L&oacute;pez Aliaga. Meine Regierung und ich wollten den Vertrag an die Bev&ouml;lkerung von Cusco zur&uuml;ckgeben, indem wir einen Verbund gr&uuml;ndeten.<\/p><p>In Puno wollten meine Regierung und ich das Camisea-Gas und das Lithium der Region retten. Das ganze Problem hat mit Lithium zu tun. Der Imperialismus will Lithium, und meine Regierung wollte das Lithium dem Volk geben.<\/p><p>Ich wollte auch die Vertr&auml;ge neu aushandeln, damit wir nationalen und nicht transnationalen Unternehmen eine M&ouml;glichkeit geben k&ouml;nnen. Wir wollten auch einen gr&ouml;&szlig;eren Etat f&uuml;r D&uuml;ngemittel f&uuml;r alle Viehzucht- und Landwirtschaftsregionen bereitstellen, aber auch das hat man uns nicht tun lassen. Es gibt viele Beispiele.<\/p><p>Siebzig Prozent des Titicacasees geh&ouml;ren einem Unternehmen, ebenso die Flugh&auml;fen, Stra&szlig;en und Mautstellen. Alles geh&ouml;rt transnationalen Unternehmen. Sie haben all das unter Beschlag genommen und es unterliegt einer Verfassung und Gesetzesdekreten, die diesen Raub unseres Territoriums, unserer L&auml;ndereien und unserer &ouml;ffentlichen Stra&szlig;en legalisiert haben.<\/p><p>Meine Regierung hat mehr als 76 Gesetzesprojekte zur R&uuml;ckgewinnung des Landes vorgelegt und keiner wurde vom Kongress angenommen. Das ging so weit, dass der Vorschlag meiner Regierung, ein Ministerium f&uuml;r Wissenschaft, Technologie und Innovation einzurichten, nicht angenommen wurde. Wir wollten eine Fluggesellschaft unter nationaler Flagge, die Einrichtung und das Budget f&uuml;r drei Flugh&auml;fen und sie legten all dem viele Hindernisse in den Weg. Sie haben mich nie regieren lassen.<\/p><p><strong>Inwieweit hat Ihre Position in Bezug auf Konzessionen f&uuml;r Bergbau- und &Ouml;lgesellschaften die Ereignisse beeinflusst? Haben europ&auml;ische multinationale Unternehmen, konkret spanische, eine Rolle beim Druck auf Ihr Amt gespielt?<\/strong><\/p><p>Was die multinationalen Unternehmen, vor allem in Europa, betrifft, so fallen mir die Au&szlig;enminister und Botschafter ein. Das ist ein Raum von heiligen K&uuml;hen. Die Botschaften sind eine elit&auml;re Welt, anders als das Volk. Meine Regierung wollte eine &Auml;nderung der Bedingungen f&uuml;r den Zugang zur peruanischen Diplomatie in Gang bringen, aber das haben sie nicht zugelassen. In diesem Bereich gibt es eine Menge Elitismus und Macht. Es gibt nur wenige Botschafter, die wirklich ein Gef&uuml;hl f&uuml;r den Schutz des peruanischen Volkes haben. Ihnen gilt mein tiefer Respekt und meine Bewunderung. Aber auch die Botschaften haben sich mit den transnationalen Unternehmen verb&uuml;ndet, und in Europa sogar noch mehr. Die transnationalen Unternehmen, die die Umwelt am meisten verschmutzen, sind die chinesischen, und sie sind auch diejenigen, die am meisten schulden und ausbeuten.<\/p><p><strong>Wer ist, im Licht der Ereignisse, Dina Boluarte? Wie war Ihre Beziehung zu ihr vor dem 7. Dezember?<\/strong><\/p><p>Ich habe Dina Boluarte kennen gelernt, weil Per&uacute; Libre sie als Vizepr&auml;sidentin vorgeschlagen hat. Ich habe sie virtuell getroffen. Sie hat in der ersten Runde keinen Wahlkampf gemacht, ich habe sie erst in der zweiten Runde pers&ouml;nlich getroffen. Alle sagten mir, dass sie keine Leute hatte, die sie unterst&uuml;tzten, aber dass sie sehr bestimmend auftrat und [Vladimir] Cerr&oacute;n sie ausgew&auml;hlt hat. Ich wusste nicht, was f&uuml;r ein Mensch sie war, erst im Lauf der Zeit wurde mir die Niedertr&auml;chtigkeit dieser Frau bewusst.<\/p><p>Man versicherte mir, dass sie Demokratin ist, aber das war blo&szlig;er Schein. Sp&auml;ter wurden die wahren Interessen deutlich. Sie war und ist berechnend und ehrgeizig. Sie hatte keine Basis, wie ich schon sagte, niemand kannte sie, niemand in ihrer Region wollte sie, weil, wie ich sp&auml;ter herausfand, sie extrem rassistisch und von Klassend&uuml;nkel gepr&auml;gt ist. Sie h&auml;ngte sich an den Kampf dran. Ich habe sie bekannt gemacht, weil ich Zugang zur Basis des Volkes hatte. Sie klammerte sich an ihre T&auml;tigkeit als Ministerin im Ministerium f&uuml;r Entwicklung und soziale Eingliederung und wollte nicht mehr loslassen. Wir hatten deswegen viele Auseinandersetzungen. Sie weinte, um nicht ihres Postens enthoben zu werden, sie sagte, sie habe Familie, und manipulierte uns auf diese Weise. Sie hat es immer geschafft, dass wir sie nicht aus dem Amt entfernen.<\/p><p><strong>In welchem Verh&auml;ltnis steht Boluarte derzeit zum Fujimorismus und zur peruanischen Oligarchie? Haben sie sich verb&uuml;ndet?<\/strong><\/p><p>Sie hat mit dem Fujimorismus zusammengearbeitet, sie alle haben das Komplott organisiert. Sie hat seine Unterst&uuml;tzung und das wei&szlig; ich sehr gut. Alles war mit der Polizei und den Streitkr&auml;ften vorbereitet. Sie, die Staatsanwaltschaft, die peruanische Rechte und insbesondere der Fujimorismus. Ich wei&szlig; jetzt, dass sie schon vor dem 7. Dezember 2022 eine gewisse N&auml;he zur peruanischen Rechten gezeigt hat. Sie hatte und hat Freundschaften innerhalb der Rechten. Sie haben sich verb&uuml;ndet, miteinander geredet, und das war schon vorher so, wie ich jetzt wei&szlig;. Sie stellte Leute aus dem Fujimorismus im Ministerium ein, gab aber nie denjenigen eine Chance, die aus dem Volk und aus den Regionen kommen. Und jetzt, wo sie entlarvt ist, hat sie die schlimmsten Menschenrechtsverletzer aus der Rechten ins Kabinett geholt. Die Liste ist bekannt. Sie hat nur so getan, als sei sie eine Demokratin, bis nun ihre wahre Pers&ouml;nlichkeit zum Vorschein gekommen ist: Diktatorin.<\/p><p><strong>Ist jetzt der Zeitpunkt, um die fujimoristische Verfassung von 1993 zu reformieren?<\/strong><\/p><p>Dies ist der verfassungsgebende Moment. Wir werden nicht danach suchen, die Geschichte sucht nach uns. Das Volk will eine &Auml;nderung der Verfassung, das Fujimori-Erbe loswerden. Ich bekr&auml;ftige, dass wir eine verfassunggebende Volksversammlung brauchen.<\/p><p><strong>Was halten Sie von der Entscheidung des Kongresses, die Wahlen nicht vorzuziehen?<\/strong><\/p><p>Der Kongress ist delegitimiert. Sein Handeln ist nicht mit den V&ouml;lkern abgestimmt. Die Mehrheit folgt den Drehb&uuml;chern, die in den Medien verbreitet werden. Warum halten sie zum Beispiel keine Plenarsitzung in einer Region ab? Sollen sie doch nach Ayacucho, Puno, Apur&iacute;mac, Ica, Cusco gehen, Regionen, in denen die Polizei und die Streitkr&auml;fte morden. Das Volk dort w&uuml;rde ihnen sagen, was es denkt. Sie sollten aus der Blase des Kongresses herauskommen, um zu erfahren, was das Volk wirklich denkt.<\/p><p><strong>Welche Rolle hat Ihrer Meinung nach der Rassismus bei den Ereignissen im sozialen Aufstand in Peru gespielt?<\/strong><\/p><p>Der historische Rassismus, den Peru erlebt hat und immer noch erlebt, wie auch der Klassend&uuml;nkel und die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit sind der Grund f&uuml;r das Massaker und die zahlreichen Rechtsverletzungen, die wir im heutigen Peru erleben, und die die Anw&auml;lte, da bin ich mir sicher, entschlossen und mutig auf die internationale Ebene tragen werden.<\/p><p><strong>Wie sch&auml;tzen Sie die Rolle der B&auml;uerinnen und Landfrauen bei den Protesten ein? Glauben Sie, dass die Macht der sozialen Anf&uuml;hrerinnen derzeit Gewicht hat?<\/strong><\/p><p>Die Beteiligung der Frauen in diesem Zusammenhang ist historisch. Ich wei&szlig;, dass es viele Frauen gibt, die sich selbst &uuml;berwinden m&uuml;ssen, um zu sagen, was sie denken. Der Kampf der Frauen ist permanent. Frauen sind Vision&auml;rinnen. Frauen sind K&auml;mpferinnen, Frauen vom Land, Frauen aus der Stadt, die sich mit dem Volk und dem Land solidarisieren, sie alle haben eine tausendj&auml;hrige Kraft mit der Identit&auml;t, ihr Heimatland zu verteidigen. Sie sind Tawantinsuyanas [Bezug auf das Quechua-Wort f&uuml;r das Inka-Reich].<\/p><p><strong>Welche Schritte m&uuml;ssen Ihrer Meinung nach unternommen werden, um die politische Gewalt gegen Boluartes Gegner zu beenden?<\/strong><\/p><p>Die Verfassung muss in dem daf&uuml;r n&ouml;tigen Zeitraum ge&auml;ndert werden, das ist der Weg, den das Volk braucht, und deshalb habe ich mich [in Bezug auf die Ereignisse vom 7. Dezember] mit dieser Botschaft an die Nation gewandt. Ich habe die Rechte der am meisten vergessenen V&ouml;lker eingefordert, der V&ouml;lker, die wir 500 Jahre lang in Unterdr&uuml;ckung gelebt haben.<\/p><p>Die Rechte wird uns immer verfolgen, sie werden uns immer beseitigen wollen. Und das ist etwas, wor&uuml;ber ich hier, wo ich inhaftiert bin, im Gef&auml;ngnis, ohne Familie, nachdenke und immer mehr reflektiere. Da meine Familie ebenfalls verfolgt wurde, verinnerliche ich dies als Pr&auml;sident und als Mensch. Es ist auch wichtig zu sagen, dass die politische Gewalt weitergehen wird, wenn diese Diktatur fortbesteht. Dina Boluarte ist ein Spielzeug der Rechten, sie ist jemand wie Keiko Fujimori, die berechnend, zweckorientiert, ohne Werte ist, die sich an den Meistbietenden verkauft, und jetzt hat sie sich an die Rechte verkauft, an die ranzigste und schmutzigste Rechte. Sie ist eine Frau, die wegen Menschenrechtsverletzungen und vor allem wegen Verbrechen gegen die Menschheit ins Gef&auml;ngnis gehen wird. Sie wird ins Gef&auml;ngnis gehen, und die internationale Justiz wird ihren Teil dazu beitragen, weil das Volk es so fordert.<\/p><p><strong>Haben Sie seit Beginn dieses Prozesses die Unterst&uuml;tzung der lateinamerikanischen Staats- und Regierungschefs versp&uuml;rt? Gauben Sie, dass deren Proteste gegen den von Ihnen erlittenen Staatsstreich die Situation umkehren k&ouml;nnten?<\/strong><\/p><p>Die Geschwister Amtstr&auml;ger der verschiedenen L&auml;nder haben sich mit Peru solidarisiert und es ist wichtig, demokratischen L&auml;ndern wie Bolivien, Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Ecuador sowie den V&ouml;lkern von Guatemala, Kuba, Italien, Griechenland, Frankreich, Deutschland und verschiedenen anderen L&auml;ndern zu danken. Ich glaube sehr wohl, dass die internationale Solidarit&auml;t diese Situation &auml;ndern kann.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie die Berichterstattung, die von Spanien aus gemacht wird?<\/strong><\/p><p>Was Spanien betrifft, so danke ich zun&auml;chst dem Bruder Pablo Iglesias f&uuml;r seinen Solidarit&auml;tsbrief, den er seitens&nbsp;<em>Podemos<\/em>&nbsp;als politischer Partei geschickt hat, wir kennen seinen Werdegang. Wir danken auch der Zeitung&nbsp;<em>El Salto<\/em>, die den Mut hat, meine Geschichte in Europa zu erz&auml;hlen. Ich habe erfahren, dass ihr Journalist Julio L. Zamarr&oacute;n von der Polizei verletzt wurde, ich m&ouml;chte ihm und all den Menschen meine Solidarit&auml;t bekunden, die unter diesen &Uuml;bergriffen leiden.<\/p><p><strong>Welche Botschaft w&uuml;rden Sie gerne nach Spanien senden, insbesondere an Ihre Landsleute, die in unserem Land leben?<\/strong><\/p><p>Meinen Landsleuten in Spanien m&ouml;chte ich sagen, sie sollen verbreiten, was in unserem Land geschieht. Nicht nur die Ungerechtigkeiten, die mir als Pr&auml;sident widerfahren, sondern auch die schweren Menschenrechtsverletzungen, die diese illegale De-facto-Regierung begeht. Lasst uns solidarisch sein und nicht gleichg&uuml;ltig. Ich m&ouml;chte diese Gelegenheit auch nutzen, um das Brudervolk von Mexiko zu bitten, meine Familie mit gro&szlig;er Menschlichkeit zu empfangen. Man hat mich daran gehindert, mit ihnen zu sprechen, ich habe keinerlei Kommunikation, sie erlauben mir nicht einmal einen virtuellen Anruf, absolut nichts. Sie, meine Kinder, Yenifer, meine j&uuml;ngeren Kinder und Lilia, meine Frau, wurden von der gesamten Macht der Presse und der peruanischen Rechten verfolgt und schikaniert.<\/p><p><strong>Wie war die Reaktion der internationalen Gemeinschaft, insbesondere der USA und der Europ&auml;ische Union, auf Ihren Fall? Und wie sehen Sie das Engagement dieser Organismen angesichts der systematischen Menschenrechtsverletzungen in Peru?<\/strong><\/p><p>Die USA arbeiten mit der Europ&auml;ischen Union zusammen, um unsere L&auml;nder, die V&ouml;lker, die Gemeinschaften zu unterdr&uuml;cken. Deshalb wollen sie mich ins Gef&auml;ngnis stecken, und deshalb schweigen die Machthaber dort zu den systematischen Menschenrechtsverletzungen in Peru: Ermordungen, Verhaftungen, Verletzungen und politische Verfolgung von F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten wie in meinem Fall und von so vielen anderen.<\/p><p><strong>Als ehemaliger Pr&auml;sident von Peru, welchen Ausweg sehen Sie aus der derzeitigen Situation der sozialen Explosion in Ihrem Land?<\/strong><\/p><p>Ich betrachte mich immer noch als Pr&auml;sident von Peru, und als Peruaner erkenne ich diese v&ouml;lkerm&ouml;rderische Regierung nicht als Vertretung Perus an. Ich spreche nicht nur als Pr&auml;sident, ich spreche als Peruaner, diese diktatorische Regierung vertritt uns nicht.<\/p><p><strong>Glauben Sie, dass Sie eines Tages wieder Pr&auml;sident von Peru sein werden?<\/strong><\/p><p>Ich betrachte mich nach wie vor als rechtm&auml;&szlig;igen, durch den Willen des peruanischen Volkes gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten.<\/p><p><strong>Was denken Sie &uuml;ber die exzessive Gewaltanwendung durch Staatsbedienstete? Glauben Sie, dass Peru heute eine Diktatur ist?<\/strong><\/p><p>Die &uuml;berm&auml;&szlig;ige Anwendung von Gewalt&hellip; es ist nicht nur das, was geschieht. Es ist ein Massaker. Sie bringen meine Landsleute um. Geschwister, mit denen ich ganz Peru durchquert habe, Arequipa, Cusco, Ayacucho. Ja, ich glaube, dass Peru Staatsterrorismus seitens dieser Regierung erlebt und eine Diktatur ist.<\/p><p><strong>Was ist Ihre Meinung zu den massiven willk&uuml;rlichen Verhaftungen in Peru?<\/strong><\/p><p>Die willk&uuml;rlichen Verhaftungen sind ein Beweis f&uuml;r die Diktatur von Dina Boluarte. Ihre H&auml;nde sind mit Blut befleckt und auch mit politischen Gefangenen. Br&uuml;der und Schwestern Anf&uuml;hrer, besonders in den Regionen, die am st&auml;rksten betroffen sind, werden heute verfolgt oder inhaftiert, wie in Ayacucho. Diese De-facto-Regierung hat Bewohner Ayacuchos verletzt, inhaftiert und ermordet. Deshalb bitte ich um Solidarit&auml;t mit dieser geschundenen Region.<\/p><p><strong>Wie bewerten Sie die von der Regierung Boluarte vorgebrachten Terrorismusvorw&uuml;rfe?<\/strong><\/p><p>Terrorismus ist etwas psychosoziales und eine L&uuml;ge, die diese Regierung benutzt, um uns Oppositionelle zum Schweigen zu bringen. Mich haben sie seit dem zweiten Wahlgang als Terrorist bezeichnet. Als ich Pr&auml;sident wurde, haben sie uns beleidigt und beschimpft, sie haben uns in der Presse Terroristen genannt, und jetzt sperren sie mich wegen eines Vergehens der Rebellion ein, das ich nicht begangen habe.<\/p><p><strong>Wie w&uuml;rden Sie Europ&auml;ern den Begriff &ldquo;Terruqueo&rdquo; erkl&auml;ren?<\/strong><\/p><p>Terruqueo ist jede Aktion, die denjenigen, der das System kritisiert, als Terrorist bezeichnet, und das geht von den peruanischen rechten Machtgruppen aus: Presse, Polizei oder Staatsanwaltschaft. Das f&auml;ngt bei Beleidigungen an und kann mit der strafrechtlichen Verfolgung von unschuldigen Menschen wegen Terrorismus enden, wie in meinem Fall und allen F&auml;llen von Anf&uuml;hrern. Sie sehen mich als ein Monster, das ist es, was die internationale Presse als Schilderung geschaffen hat. Ich bin der von den Peruanern durch Abstimmung des Volkes gew&auml;hlte Pr&auml;sident. Ich bin kein Terrorist und habe die mir vorgeworfene Straftat der Rebellion oder Verschw&ouml;rung nicht begangen, ich habe in meinem Leben noch nie eine Waffe angefasst.<\/p><p><strong>Was denken Sie &uuml;ber die Menschen, die wegen der Forderung nach einer neuen Verfassung inhaftiert sind?&nbsp;<\/strong><\/p><p>Ich bin in dieser Strafanstalt inhaftiert, ohne Kontakt zur Au&szlig;enwelt, sie verfolgen meine Familie, meine Anw&auml;lte, einfach alle. Ich bin hier f&uuml;r das, woran ich glaube, ich habe dem Land in der Botschaft an die Nation gesagt, dass eine verfassungsgebende Volksversammlung notwendig ist, um eine neue Verfassung zu bekommen, und ich gebe diesen Traum nicht auf und bewundere den Mut all meiner Landsleute und Geschwister, die inhaftiert und ermordet wurden, weil sie das Gleiche gefordert haben. Sie sind die Helden des Landes und ich bekunde meine Solidarit&auml;t mit den Familienangeh&ouml;rigen.<\/p><p><strong>Wie ist ihr aktueller Status?<\/strong><\/p><p>Ich bin f&uuml;r 18 Monate zu Unrecht in Untersuchungshaft f&uuml;r ein Delikt der Rebellion, das ich nicht begangen habe. Die Staatsanwaltschaft und die peruanische Justiz haben mich hinter Gitter gebracht. Sie haben viele Verfahren gegen mich eingeleitet, die keine Daseinsberechtigung haben. Alle Strafverfolgungsakten sind das Ergebnis der fehlerhaften und illegalen Anwendung des Justizsystems, sie benutzen den Justizapparat, um Menschen zu kriminalisieren, die wir Peru ver&auml;ndern wollen und als Feinde der Machtapparate angesehen werden.<\/p><p>Ich habe mehr als 60 Fallakten f&uuml;r ein und dasselbe Vergehen, das laut Staatsanwaltschaft in Korruption besteht. Alles wegen einer einzigen Handlung. Das ist illegal. Sie werden weiterhin Verfahren gegen mich einleiten. Ich bin jedoch nicht deswegen inhaftiert, sondern wegen des Strafverfahrens, das die Staatsanwaltschaft und die peruanische Polizei gegen mich wegen Rebellion und Verschw&ouml;rung eingeleitet haben. Sie sagen, dass ich zu den Waffen gegriffen habe, aber das ist eine L&uuml;ge. Ich habe nie eine Waffe angefasst und werde dies auch niemals tun. Ich habe keine Straftat begangen. Dies geschieht auch in so vielen anderen L&auml;ndern mit Kollegen Ex-Pr&auml;sidenten, wie Cristina Kirchner in Argentinien, Lula in Brasilien, Rafael Correa in Ecuador und anderen.<\/p><p><strong>Worauf st&uuml;tzt sich Ihre Verteidigung?<\/strong><\/p><p>Ich habe von Anfang an die Verletzung meiner Rechte auf ein ordnungsgem&auml;&szlig;es Verfahren erfahren. Meine Anw&auml;lte k&auml;mpfen f&uuml;r meine Freiheit und einen fairen Prozess. Ich m&ouml;chte meinem Anwaltsteam danken, das sich nach und nach aus angesehenen nationalen und internationalen Anw&auml;lten gebildet hat: Das Hauptanwaltsteam besteht aus dem Nationalen Menschenrechtsnetzwerk unter der Leitung des venezolanischen Anwalts Asdrubal Gonzales.<\/p><p>Ich werde auch von dem peruanischen Anwalt Wilfredo Robles und seit kurzem von den Straf- und Menschenrechtsanw&auml;lten Indira Rodr&iacute;guez, Eugenio Zaffaroni und Guido Croxatto unterst&uuml;tzt. Sie alle sind Fachleute, die sich f&uuml;r die Menschenrechte einsetzen und Erfahrung in der Verteidigung im Rahmen von Strafverfahren haben, bei denen es um Rechtsverletzungen geht.<\/p><p>Sie haben komplexe F&auml;lle verteidigt, und deshalb habe ich sie zusammengerufen und ausgew&auml;hlt. Sie sind sehr professionell und auch fest davon &uuml;berzeugt, dass das, was in Peru passiert, schwerwiegender ist, als bekannt ist. In Peru existiert der Rechtsstaat nicht mehr. Alle meine Rechte sind verletzt worden.<\/p><p>Ich werde zudem von den Rechtsanw&auml;lten Nicol&aacute;s Bustamante, Eduardo Pachas, Sifuentes und Walter Ayala bei der Verteidigung in den F&auml;llen der Staatsanwaltschaft von falschen Korruptionsvorw&uuml;rfen begleitet. Ich bin dankbar, dass sie ein Habeas Corpus zur Verteidigung meiner Freiheit, zum Schutz meiner Rechte und auch zur R&uuml;cknahme meiner Absetzung eingelegt haben. Jeder einzelne von ihnen ist im verfassungsrechtlichen und im strafrechtlichen Bereich f&uuml;r meine Verteidigung und meine Freiheit zust&auml;ndig. Alle meine Anw&auml;lte koordinieren sich f&uuml;r die Verteidigung meiner Rechte.<\/p><p>Vieles ist in tendenzi&ouml;ser Art und Weise &uuml;ber meine Anw&auml;lte gesagt worden, &uuml;ber die Anzahl der Anw&auml;lte, dar&uuml;ber, dass es viele sind. Es ist wahr, es ist offensichtlich, dass ich angesichts so vieler Verletzungen meiner Rechte ein mutiges Anwaltsteam f&uuml;r meine Verteidigung und meine Freiheit brauche. Sie erfahren Verfolgung und Diffamierung, sie werden von der traditionellen Presse, die der peruanischen Rechten zuarbeitet, schikaniert.<\/p><p>Richter C&eacute;sar San Mart&iacute;n war der Richter, der Alberto Fujimori, den gr&ouml;&szlig;ten Diktator der letzten Jahre, wegen Verbrechen gegen die Menschheit ins Gef&auml;ngnis brachte. Daf&uuml;r wurde er bewundert. Heute verliert dieser Richter jede Glaubw&uuml;rdigkeit und Unabh&auml;ngigkeit, da er mich als einen Kriminellen verurteilt und nicht der Aufgabe eines fairen Richters gewachsen ist, der er sein sollte. Ich bin der Pr&auml;sident von Peru und werde f&uuml;r ein Verbrechen der Rebellion inhaftiert, das ich nicht begangen habe.<\/p><p><em>Das Interview (<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/info\/licencia\">Lizensiert<\/a>&nbsp;unter&nbsp;<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/es\/\">CC BY-SA 3.0 ES<\/a>) erschien im spanischen Original bei&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elsaltodiario.com\/peru\/pedro-castillo-entrevista-exclusiva-carcel\">elsaltodiario<\/a>. Organisiert und gef&uuml;hrt wurde es von Julio Zamarr&oacute;n in Lima, Peru, unter Mitarbeit von Irene Zugasti Herv&aacute;s und Pablo Elorduy in Madrid. Die deutsche &Uuml;bersetzung stammt von Klaus E. Lehmann und Vilma Guzm&aacute;n, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/262732\/castillo-ich-bin-der-praesident-von-peru\">Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Ein Foto aus besseren Zeiten: Perus damaliger Pr&auml;sident Pedro Castillo spricht am 21. September 2021 in New York auf der 76. Tagung der UN-Generalversammlung &ndash; Quelle: shutterstock \/ Salma Bashir Motiwala<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93112\">Interview zur Lage in Peru: &bdquo;Die Regierung konstruiert b&ouml;swillig einen Diskurs, um die Demonstranten als Terroristen darzustellen&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91583\">Zahl der Toten steigt: Anhaltende Proteste in Peru<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75553\">Peru &ndash; Das Regierungsprogramm Pedro Castillos und der menschen- und umweltverschlei&szlig;ende Bergbau der sogenannten &bdquo;Industriel&auml;nder&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/920bce7ba3eb40efb0435d3f478c6219\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pedro Castillo war Ende letzten Jahres unter h&ouml;chst fragw&uuml;rdigen Umst&auml;nden zun&auml;chst als Pr&auml;sident abgesetzt und dann inhaftiert worden.&nbsp;Das spanische Portal <em>El Salto<\/em>&nbsp;konnte ihm eine Reihe von Fragen &uuml;bermitteln, die der Politiker aus dem Hochsicherheitsgef&auml;ngnis in Barbadillo beantwortete. 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