{"id":94360,"date":"2023-02-27T12:02:31","date_gmt":"2023-02-27T11:02:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94360"},"modified":"2023-02-28T15:52:37","modified_gmt":"2023-02-28T14:52:37","slug":"nordkorea-besinnliches-inmitten-von-bizarrem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94360","title":{"rendered":"Nordkorea: Besinnliches inmitten von Bizarrem"},"content":{"rendered":"<p>Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK &ndash; Nordkorea) ist aus der Perspektive des &bdquo;Westens&ldquo; geblieben, was sie seit ihrer Staatsgr&uuml;ndung am 9. September 1948 war &ndash; bestenfalls terra incognita, normalhin aber ein &bdquo;Schurkenstaat&ldquo; oder &bdquo;letzter stalinistischer GULAG&ldquo;. Die dynastische F&uuml;hrung der DVRK &ndash; von Staatsgr&uuml;nder Kim Il-Sung &uuml;ber dessen Sohn Kim Jong-Il bis hin zum aktuell amtierenden Enkel Kim Jong-Un &ndash; wird in westlichen Medien entsprechend etikettiert: Sie gilt als &bdquo;Diktatur&ldquo; und mit eingerollter Zunge wird durchg&auml;ngig von &bdquo;Machthabern&ldquo; gesprochen. Dass ausgerechnet einem solchen Regime der Aufstieg zur neunten Atommacht gelang, ist Washington ein besonderer Dorn im Auge. Doch es waren US-amerikanische Politiker, Diplomaten und sogenannte Sicherheitsstrategen, deren Fehleinsch&auml;tzungen und mangelndes Geschick im Umgang mit der DVRK letztlich zur Entwicklung und Erweiterung des Nuklearprogramms Pj&ouml;ngjangs beitrugen. Das jedenfalls ist das ern&uuml;chternde Fazit der Mitte Januar von der Stanford University Press publizierten Studie <em>Hinge Points: An Inside Look at North Korea&rsquo;s Nuclear Program<\/em> (Dreh- und Angelpunkte: Einblicke in Nordkoreas Nuklearprogramm) aus der Feder des international renommierten Nuklearexperten Siegfried S. Hecker unter Mitwirkung von Elliot A. Serbin. Ein Kommentar unseres Ostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3735\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94360-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230228-Nordkorea-Besinnliches-inmitten-von-Bizarrem-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230228-Nordkorea-Besinnliches-inmitten-von-Bizarrem-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230228-Nordkorea-Besinnliches-inmitten-von-Bizarrem-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230228-Nordkorea-Besinnliches-inmitten-von-Bizarrem-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94360-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230228-Nordkorea-Besinnliches-inmitten-von-Bizarrem-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230228-Nordkorea-Besinnliches-inmitten-von-Bizarrem-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Martialische Drohgeb&auml;rden<\/strong><\/p><p>In den vergangenen Tagen und Wochen ist die DVRK erneut ins Blickfeld internationaler Medienberichterstattung geraten. Nat&uuml;rlich &ndash; aus westlichem Blickwinkel &ndash; mit reichlich Irrem, Wirrem und Bizarrem. Es gab in der Volksrepublik Raketentests zuhauf, Massenauftritte, Milit&auml;rparaden, eine martialisch auftretende Schwester und schlie&szlig;lich ein der &Ouml;ffentlichkeit lieblich pr&auml;sentiertes T&ouml;chterchen von Staatschef Kim Jong-Un, seines Zeichens Vorsitzender des Komitees f&uuml;r Staatsangelegenheiten der DVRK.<\/p><p>Pj&ouml;ngjang hat nach eigenen Angaben allein in den letzten Tagen mehrere Langstrecken-Marschflugk&ouml;rper getestet, die ostw&auml;rts in Richtung offenes Meer abgefeuert wurden und eine Flugzeit von ann&auml;hernd zwei Stunden und 50 Minuten gehabt haben sollen. Laut der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur <em>KCNA<\/em> sei damit &bdquo;klar demonstriert&ldquo; worden, dass die eigenen Streitkr&auml;fte &uuml;ber die F&auml;higkeit zum &bdquo;t&ouml;dlichen nuklearen Gegenangriff gegen die feindlichen Kr&auml;fte&ldquo; verf&uuml;gen. Darunter versteht Pj&ouml;ngjang die Republik Korea (ROK &ndash; S&uuml;dkorea) und deren langj&auml;hrig engsten Verb&uuml;ndeten, die USA. Die letzten Tests bezeichnete Nordkorea als Reaktion auf erneute gemeinsame Milit&auml;r&uuml;bungen und Man&ouml;ver der USA und S&uuml;dkoreas. Washington und Seoul warnen ihrerseits bereits seit Monaten, dass Nordkorea in naher Zukunft einen weiteren Atomwaffentest ausf&uuml;hren k&ouml;nnte &ndash; nach sechs vorangegangenen Tests seit 2006.<\/p><p><strong>&Uuml;ber Matten und Hochsitze<\/strong><\/p><p>Dass Nordkorea &uuml;berhaupt in die Lage versetzt wurde, ein eigenes Nuklearprogramm zu entwickeln, geschah nicht nur aus Gr&uuml;nden systemimmanenter Staatslogik, sondern auch und gerade aufgrund arroganten Machtgehabes Washingtons auf der Koreanischen Halbinsel. F&uuml;r Pj&ouml;ngjang ist sein Nuklearprogramm die wichtigste Lebensversicherung angesichts der US-Politiken vis-&agrave;-vis Irak, Libyen et al., wo aus seiner Sicht imperial exekutierte Regimewechsel mit eklatanten Wort- und Vertragsbr&uuml;chen einhergingen. Oberste raison d&rsquo;&ecirc;tre der nordkoreanischen Nomenklatur ist und bleibt es: Wenn wir schon nicht auf internationalem Parkett geachtet sind, wollen wir wenigstens auf Augenh&ouml;he ge&auml;chtet sein. Im Klartext: Es geht um gegenseitige Achtung, Anerkennung und Respekt. Ein koreanisches Sprichwort lautet: &bdquo;Wer auf der Matte schl&auml;ft, der f&auml;llt nicht tief.&ldquo; Das vertr&auml;gt sich schlecht mit einem imperialen Habitus, von einem Hochsitz aus alles ringsherum kommandieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Fatale Vers&auml;umnisse<\/strong><\/p><p>Da kommt so ein Buch wie das von Siegfried S. Hecker gerade zur rechten Zeit. Dieser macht wesentlich einen eben solchen Habitus daf&uuml;r verantwortlich, dass das US-amerikanisch-nordkoreanische Verh&auml;ltnis auch 70 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges, des ersten &bdquo;hei&szlig;en Konflikts&ldquo; im Kalten Krieg, erstarrt bleibt.<\/p><p>Von Anfang 2004 bis Ende 2010 hatte der ehemalige Direktor des Los Alamos National Laboratory wie kaum ein anderer Wissenschaftler seiner Zunft einen beispiellosen Zugang zu den nordkoreanischen Nuklearanlagen und den mit ihnen verbundenen Wissenschaftlern und Beamten. Nach seinen zahlreichen Besuchen in der DVRK und anschlie&szlig;enden Recherchen au&szlig;erhalb des Landes kam Hecker zu der &Uuml;berzeugung, dass die Standarddarstellung der USA &uuml;ber ihre verschiedenen gescheiterten Versuche, ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms auszuhandeln, v&ouml;llig falsch ist. In dieser Darstellung der USA wird Nordkorea als unzuverl&auml;ssig dargestellt, als ein Land, das immer wieder gegen diplomatische Vereinbarungen verst&ouml;&szlig;t und provoziert, um vom Westen Belohnungen zu erpressen.<\/p><p>Stattdessen ist Hecker der Ansicht, dass die Geschichte der Entwicklung und der Ausweitung des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals im 21. Jahrhundert eher als eine Reihe verpasster Gelegenheiten &ndash; von ihm eben als Dreh- und Angelpunkte bezeichnet &ndash; erz&auml;hlt werden kann. Diplomatische &Ouml;ffnungen, die zu einer Kontrolle des nordkoreanischen Atomprogramms h&auml;tten f&uuml;hren k&ouml;nnen, wurden untergraben, mitunter von Pj&ouml;ngjang, doch mehr noch und konsequenter seitens Washingtons.<\/p><p>In einem ausf&uuml;hrlichen Gespr&auml;ch mit John Mecklin, dem Chefredakteur des <em>Bulletin of the Atomic Scientists <\/em>(Chicago)<em>, <\/em>das am 20. Februar erschien, skizziert Hecker die Kernpunkte seines Buches, die ich hier in eigener &Uuml;bersetzung wiedergebe.<\/p><p>Die Hauptfehler der US-Politik liegen nach Heckers Ansicht darin, dass es wiederholt vers&auml;umt wurde, technisch fundierte Risiko-Nutzen-Analysen durchzuf&uuml;hren und Nordkoreas zweigleisigen Ansatz in Bezug auf Diplomatie <em>und<\/em> den Aufbau eines Atomprogramms zu verstehen. Die Vereinigten Staaten erkannten nicht, so Hecker, dass Pj&ouml;ngjang je nach den Umst&auml;nden dem einen oder dem anderen Weg den Vorrang gab, und vers&auml;umten es daher, die nordkoreanischen M&ouml;glichkeiten zu nutzen. Wie Hecker es ausdr&uuml;ckt, &bdquo;schloss [Washington] einen politischen Mittelweg aus, indem es Pj&ouml;ngjang schon fr&uuml;h zwang, zwischen Diplomatie oder Atomprogramm zu w&auml;hlen.&ldquo;<\/p><p>Jedes Mal argumentierten die Bef&uuml;rworter eines Engagements, begrenzte Fortschritte seien besser als gar nichts und es sei besser, Inspektoren vor Ort zu haben, um die nordkoreanischen Einrichtungen zu &uuml;berwachen, als dort nicht pr&auml;sent zu sein. Doch jedes Mal fanden die Hardliner &ndash; namentlich der au&szlig;enpolitische &bdquo;Superfalke&ldquo; und von 2018 bis 2019 sogar amtierende Nationale Sicherheitsberater unter Pr&auml;sident Donald Trump, John R. Bolton &ndash; einen Weg, um neue Abkommen zu blockieren oder bestehende zu torpedieren. Mit der Konsequenz, dass Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramme sukzessiv voranschritten.<\/p><p><strong>Vertane Alternative(n)<\/strong><\/p><p>Dabei h&auml;tte eigentlich bereits vor reichlich zwei Jahrzehnten eine umsichtige Politik Washingtons reale Erfolgschancen gehabt. Zur Beilegung des ersten Atomstreits mit Nordkorea war n&auml;mlich unter dem damaligen US-Verteidigungsminister William J. Perry im Herbst 1994 in Genf das sogenannte Rahmenabkommen <em>(Agreed Framework)<\/em> ausgehandelt worden, das immerhin in einem Zusatzprotokoll die Sicherheit Nordkoreas garantierte. Ein nordkoreanisch-amerikanischer Deal schien gar zum Greifen nahe, als US-Pr&auml;sident Bill Clintons Au&szlig;enministerin Madeleine Albright Ende Oktober 2000 in Pj&ouml;ngjang sondierte. Erstmals besuchte eine derart ranghohe US-Vertreterin die Volksrepublik. Zwei Wochen zuvor hatte Bill Clinton Vizemarschall Jo Myong-Rok als Sondergesandten von Staatschef Kim Jong-Il mit einem H&auml;ndedruck im Wei&szlig;en Haus empfangen. Die damalige Nummer zwei der nordkoreanischen Nomenklatur &uuml;berreichte eine Einladung zum Staatsbesuch und erkl&auml;rte gegen&uuml;ber Clinton:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn Sie nach Pj&ouml;ngjang kommen, garantiert Ihnen Kim Jong-Il, allen Sicherheitsbed&uuml;rfnissen gerecht zu werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend Anfang 2001 starke Zeichen auf Entspannung deuteten, erledigte sich das br&uuml;sk nach dem Amtsantritt von Pr&auml;sident George W. Bush. Dieser sah pl&ouml;tzlich in Nordkorea einen &bdquo;Bedrohungsfaktor in Ostasien&ldquo; und er lie&szlig; s&auml;mtliche Kontakte so lange ruhen, bis eine komplette Neubestimmung der US-Asienpolitik stattgefunden hatte. Bush verortete Anfang 2002 neben Iran und Irak auch Nordkorea auf seiner &bdquo;Achse des B&ouml;sen&ldquo; und ersetzte die traditionelle Politik der Eind&auml;mmung durch eine neue Strategie pr&auml;ventiver Milit&auml;rschl&auml;ge. Und es war Bushs Parteikumpan John R. Bolton, 2001 als Staatssekret&auml;r f&uuml;r R&uuml;stungskontrolle vereidigt, der im Rahmen der sogenannten Sechs-Parteien-Gespr&auml;che besonders unangenehm auffiel. An dieser auf Initiative der VR China entstandenen Dialogrunde nahmen von 2003 bis 2009 neben dem Gastgeber auch Delegationen aus den USA, Japan, Russland und beiden koreanischen Staaten in Beijing teil. Bolton musste die US-Delegation verlassen, nachdem er Kim Jong-Il &ouml;ffentlich einen &bdquo;tyrannischen Diktator&ldquo; genannt hatte. Bolton &auml;u&szlig;erte sich im Jahre 2007 auf dem Parteitag der britischen Conservative Party mit Blick auf Nordkorea und den Iran in der ihm eigenen Weise:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die USA hatten einst die F&auml;higkeit, in verdeckter Weise einen Sturz von Regierungen einzuf&auml;deln. Ich w&uuml;nschte, wir k&ouml;nnten dies wieder haben.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Laut Hecker ereignete sich der verh&auml;ngnisvollste Dreh- und Angelpunkt im Oktober 2002, als die Bush-Regierung dem Rahmenabkommen von 1994 einen Todessto&szlig; versetzte, ohne die Risiken eines Ausstiegs vollst&auml;ndig zu bewerten oder richtig einzusch&auml;tzen. Ein Grund f&uuml;r das anhaltende Scheitern der US-Nordkoreapolitik liegt darin, dass es nie Konsequenzen f&uuml;r die Verantwortlichen gab, stattdessen immer wieder dieselben Personen in anderen Regierungen eingesetzt wurden, um die Dinge von neuem zu vermasseln. Wenn f&uuml;r kolossale Fehler kein politischer Preis oder kein schlechter Ruf zu zahlen ist, werden kurzfristige Anreize einer aggressiven Haltung die Oberhand gewinnen. Zieht diese Haltung am Ende ernsthafte Kosten f&uuml;r die Interessen der USA und ihre Verb&uuml;ndeten nach sich, sind die politischen Entscheidungstr&auml;ger, die den Schlamassel angerichtet haben, bereits auf dem Weg nach drau&szlig;en. Oder sie haben es sich zwischenzeitlich in Pfr&uuml;nden bequem gemacht und gerieren sich so schamlos, den Umgang der aktuellen Regierung mit just dem Problem zu attackieren, das sie selbst kreierten. In diesem Sinne l&auml;sst Hecker kein einziges gutes Haar an Bolton.<\/p><p>Als Bush sein Amt antrat, hatte Nordkorea keine Atomwaffen, als der Pr&auml;sident das Wei&szlig;e Haus verlie&szlig;, verf&uuml;gte die DVRK indes &uuml;ber f&uuml;nf oder gar mehr Atombomben.<\/p><p><strong>Kein substanzieller Wandel in Sicht<\/strong><\/p><p>Entt&auml;uscht &auml;u&szlig;ert sich Hecker auch &uuml;ber die Nordkorea-Politik unter Pr&auml;sident Barack Obama, der zu Beginn seiner Amtszeit mit Blick auf L&auml;nder wie den Iran und Nordkorea immerhin angek&uuml;ndigt hatte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich werde meine Hand ausstrecken, wenn ihr eure Faust lockert.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Doch zum Zeitpunkt von Obamas Ausscheiden aus dem Amt verf&uuml;gte die DVRK &uuml;ber gen&uuml;gend Brennstoff f&uuml;r 25 Atomwaffen.<br>\n&lt;&gt;<br>\nDas erste Amtsjahr von Pr&auml;sident Donald Trump &ndash; 2017 &ndash; war wahrscheinlich das gef&auml;hrlichste Jahr in Bezug auf Nordkorea. Als Trump Kim Jong-Un in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit &bdquo;Feuer und Zorn&ldquo; drohte, verf&uuml;gten die Nordkoreaner &uuml;ber ein Arsenal von mehr als 25 Atomwaffen und ein weitaus st&auml;rkeres Raketenarsenal, das in der Lage war, einen gro&szlig;en Teil S&uuml;dkoreas und\/oder Japans zu zerst&ouml;ren. Dennoch hegte Kim Jong-Un laut Hecker ein ernsthaftes Interesse an der Diplomatie, um eine Ann&auml;herung mit Washington zu erreichen. Trump erwiderte den Wink mit dem Zaunpfahl, nachdem er Kim zuvor noch als &bdquo;kleinen Raketenmann&ldquo; gescholten hatte.<\/p><p>Zur Jahreswende 2017\/18 hatte Nordkorea bereits eine Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von mehr als 200 Kilotonnen getestet &ndash; seinen sechsten Atomtest. Ebenfalls feuerte Pj&ouml;ngjang eine ballistische Interkontinentalrakete ab, die in der Lage war, die Vereinigten Staaten zu erreichen, allerdings in einer abgehobenen Flugbahn. In dieser &auml;u&szlig;erst brenzligen Situation beschlossen beide Seiten, es mit der Diplomatie zu versuchen. Just das geschah, als Trump und Kim sich erstmalig anl&auml;sslich eines &ndash; wahrlich historischen &ndash; Gipfels in Singapur im Juni 2018 pers&ouml;nlich trafen. In Singapur wurde, wenngleich ohne Details, immerhin eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea avisiert, was die DVRK seit fast drei Jahrzehnten angestrebt hatte.<\/p><p>Trump wurde weithin daf&uuml;r kritisiert, Kim Jong-Un die M&ouml;glichkeit gegeben zu haben, sich auf internationalem Parkett zu profilieren. Laut Hecker war es genau das Richtige und was auf dem Nachfolgetreffen in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi im Februar 2019 h&auml;tte vertieft werden sollen. Doch dort begingen, so Hecker, sowohl Trump als auch Kim den Fehler, dies nicht zu tun. Trump lie&szlig; sich von seinem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton beeinflussen, letztlich keine Einigung zu erzielen, worauf Letzterer nach eigenem Bekunden sichtlich stolz war. Kim Jong-Un beging den Fehler, dass er seine Diplomaten anwies, nicht mit dem US-Sondergesandten f&uuml;r Nordkorea, Steve Biegun, zu verhandeln &ndash; einem laut Hecker erfahrenen Diplomaten. Ein in der Sicht weiterer und letzter Dreh- und Angelpunkt, der in der Quintessenz dazu f&uuml;hrte, dass Trump einfach wegging und Kim eine Blamage hinnehmen musste.<\/p><p>Seitdem hat Pj&ouml;ngjang, wie kaum anders zu erwarten, sein Atomprogramm wieder priorit&auml;r verfolgt. Die Diplomatie wurde nicht nur auf die lange Bank geschoben. Es scheint, als habe sich Kim von Washington losgesagt und eine engere Anbindung an Russland und China favorisiert. Was nicht zuletzt die offene Unterst&uuml;tzung der DVRK f&uuml;r Russlands Invasion in der Ukraine verdeutlicht.<\/p><p>Titelbild: Anton Watman\/shutterstock.com<\/p><p><em><strong>Links zum Thema:<\/strong><\/em><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/nordkorea-feuert-raketen-ab-und-kim-jong-uns-schwester-droht-dem-westen-a-7d92d6bb-91dc-455a-ac93-2b94900a4c38\">spiegel.de\/ausland\/nordkorea-feuert-raketen-ab-und-kim-jong-uns-schwester-droht-dem-westen-a-7d92d6bb-91dc-455a-ac93-2b94900a4c38<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/nordkorea-staatszeitung-nennt-auslaendische-hilfen-vergiftet-a-d9379a62-d015-4267-996f-c66b55b2b4ed\">spiegel.de\/ausland\/nordkorea-staatszeitung-nennt-auslaendische-hilfen-vergiftet-a-d9379a62-d015-4267-996f-c66b55b2b4ed<\/a><\/li>\n<li><em><strong>Nordkorea-Diktator Kim Jong-un erl&auml;sst bizarres neues Gesetz f&uuml;r M&auml;dchen *<\/strong><\/em> <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/nordkorea-kim-jong-un-tochter-name-news-verbot-ju-ae-92100781.html\">merkur.de\/politik\/nordkorea-kim-jong-un-tochter-name-news-verbot-ju-ae-92100781.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siegfried_Hecker\">de.wikipedia.org\/wiki\/Siegfried_Hecker<\/a><\/li>\n<li><em><strong>Hinge Points: An Inside Look at North Korea&rsquo;s Nuclear Program &ndash; Siegfried S. Hecker, with Elliot A. Serbin *<\/strong><\/em> <a href=\"https:\/\/www.sup.org\/books\/title\/?id=35730\">sup.org\/books\/title\/?id=35730<\/a><\/li>\n<li><em><strong>Interview: Siegfried Hecker on two decades of missed chances to deal with North Korea&rsquo;s nuclear program &ndash; Bulletin of the Atomic Scientists *<\/strong><\/em><a href=\"https:\/\/thebulletin.org\/2023\/02\/interview-siegfried-hecker-explains-how-washington-and-pyongyang-missed-chances\/\">thebulletin.org\/2023\/02\/interview-siegfried-hecker-explains-how-washington-and-pyongyang-missed-chances\/<\/a><\/li>\n<li><em><strong>Daniel Larison: Failure of US North Korea policy is a bipartisan affair &ndash; Responsible Statecraft * <\/strong><\/em><a href=\"https:\/\/responsiblestatecraft.org\/2023\/02\/20\/failure-of-us-north-korea-policy-is-a-bipartisan-affair\/\">responsiblestatecraft.org\/2023\/02\/20\/failure-of-us-north-korea-policy-is-a-bipartisan-affair\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_R._Bolton\">de.wikipedia.org\/wiki\/John_R._Bolton<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kerntechnische_Anlage_Ny%C5%8Fngby%C5%8Fn\">de.wikipedia.org\/wiki\/Kerntechnische_Anlage_Ny%C5%8Fngby%C5%8Fn<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK &ndash; Nordkorea) ist aus der Perspektive des &bdquo;Westens&ldquo; geblieben, was sie seit ihrer Staatsgr&uuml;ndung am 9. 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