{"id":94478,"date":"2023-03-01T12:24:05","date_gmt":"2023-03-01T11:24:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94478"},"modified":"2023-03-01T16:57:55","modified_gmt":"2023-03-01T15:57:55","slug":"einst-von-moskau-heute-von-putin-gesteuert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94478","title":{"rendered":"Einst von Moskau, heute von Putin gesteuert?"},"content":{"rendered":"<p>Die Friedensbewegung wurde schon immer diffamiert. Fr&uuml;her galt sie den B&uuml;rgerlich-Rechten und ihren Medien als &bdquo;Moskaus rote Knechte&ldquo; &ndash; ferngelenkt, bestenfalls naiv, daf&uuml;r aber antiamerikanisch. Gefordert wurde eine Abgrenzung nach linksau&szlig;en. Heute haben sich lediglich einige Attribute ge&auml;ndert. Heute gilt die Friedensbewegung vor allem den B&uuml;rgerlich-Linksliberalen und ihren Medien als &bdquo;Putins Knechte&ldquo; &ndash; ferngelenkt, bestenfalls naiv, daf&uuml;r aber antiamerikanisch. Gefordert wird nun eine Abgrenzung nach rechtsau&szlig;en. Neu ist jedoch vor allem die Vehemenz, mit der diese Diffamierungen &uuml;ber das gesamte Medienspektrum laufen und dass ausgerechnet die Stimmen, die fr&uuml;her die Friedensbewegung eher differenziert begleiteten, heute zu den schlimmsten Hetzern mutiert sind. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1129\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94478-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230301_Einst_von_Moskau_heute_von_Putin_gesteuert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230301_Einst_von_Moskau_heute_von_Putin_gesteuert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230301_Einst_von_Moskau_heute_von_Putin_gesteuert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230301_Einst_von_Moskau_heute_von_Putin_gesteuert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94478-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230301_Einst_von_Moskau_heute_von_Putin_gesteuert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230301_Einst_von_Moskau_heute_von_Putin_gesteuert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Zeit heilt viele Wunden. Wenn man heute retrospektiv an die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94063\">Gro&szlig;demonstrationen der Friedensbewegung vor vierzig Jahren<\/a> denkt, so ist der Blick meist verkl&auml;rt. Und obgleich die Friedensbewegung damals ihr Hauptziel, die Verhinderung der Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses, nicht erreicht hat, sorgte Michail Gorbatschow wenige Jahre sp&auml;ter daf&uuml;r, dass abger&uuml;stet wurde. Die Friedensbewegung stand damit &ndash; zumindest f&uuml;r kurze Zeit &ndash; auf der Seite der Gewinner der Geschichte und vor allem die j&uuml;ngeren Jahrg&auml;nge, die damals &ndash; so wie ich &ndash; noch nicht aktiv dabei sein konnten, betrachten die Bilder von damals mit einer durchweg positiven Grundhaltung. Dass die Friedensbewegung damals vor allem von der politischen Rechten massiv angefeindet und diffamiert wurde, ger&auml;t dabei oft in Vergessenheit.<\/p><p>Damals waren es Journalisten wie der reaktion&auml;re Leiter des damaligen ZDF-Magazins, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JGQKvKFYcB0\">Gerhard L&ouml;wenthal<\/a>, die mit offenem Hass alle Kritiker der Hochr&uuml;stung als &bdquo;Linksradikale&ldquo; und &bdquo;Kommunisten&ldquo; titulierten, die &bdquo;von Moskau gesteuert&ldquo; seien. Ins selbe Horn blies damals die auflagenstarke und meinungsm&auml;chtige Springer-Presse und verschiedene Formate der ARD-Sender, wobei sich vor allem der Bayerische Rundfunk immer wieder durch besondere Sch&auml;rfe hervortat. Um das einordnen zu k&ouml;nnen, lohnt &ndash; vor allem f&uuml;r die J&uuml;ngeren &ndash; ein klitzekleiner Exkurs zur politischen Gemengelage in den fr&uuml;hen 1980ern. W&auml;hrend die SPD damals hitzig &uuml;ber ihre Position zur Aufr&uuml;stung stritt, war die CDU stets eine erkl&auml;rte Bef&uuml;rworterin der Aufr&uuml;stungspolitik und die damals erst gegr&uuml;ndeten Gr&uuml;nen waren &ndash; ganz anders als heute &ndash; pazifistisch gepr&auml;gt und entstanden unter anderem aus der damaligen Friedensbewegung. <\/p><p>T&ouml;ne, wie man sie heute auch und vor allem von Gr&uuml;nen-Politikern h&ouml;rt, waren fr&uuml;her die Linie des b&uuml;rgerlich-rechten bis reaktion&auml;ren Fl&uuml;gels der Unionsparteien. Ein <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/manche-kroete-a-e2d6a0a8-0002-0001-0000-000014020600\">SPIEGEL-Artikel aus dem Jahr 1983<\/a> gibt einen netten Einblick in die damalige Debattenlage. Zitiert werden dort Unions-Politiker, die argumentierten, die westdeutsche Friedensbewegung &bdquo;sei von Kommunisten unterwandert und vom Kreml ferngesteuert&ldquo;. &bdquo;Viele Menschen&ldquo;, bedauerte der damalige CDU-Generalsekret&auml;r Heiner Gei&szlig;ler, &bdquo;nehmen an Veranstaltungen teil, ohne zu wissen, dass sie von moskautreuen Kommunisten initiiert und gelenkt werden.&ldquo; Aus heutiger Sicht erstaunlich: Der SPIEGEL druckte zwar die Zitate dieser Unionspolitiker, ordnete sie jedoch kritisch ein und setzte ihnen Argumente entgegen, die diese Diffamierungen widerlegten. Ein wenig &uuml;berspitzt k&ouml;nnte man sagen: Der SPIEGEL machte damals den Job, den heute alternative Medien wie die NachDenkSeiten &uuml;bernehmen m&uuml;ssen.<\/p><p>Auch wenn der damalige Tenor von rechts war, dass die Friedensbewegung von den Kommunisten zumindest unterwandert, wenn nicht gar gesteuert sei, so gab es auch damals schon Versuche, Parallelen zwischen der Friedensbewegung und den Nazis zu ziehen. Unvergessen ist in diesem Kontext ein Zitat aus einer Bundestagsrede des bereits oben zitierten damaligen CDU-Generalsekret&auml;rs und Bundesfamilienministers Heiner Gei&szlig;ler.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Pazifismus der 30er Jahre, der sich in seiner gesinnungsethischen Begr&uuml;ndung nur wenig von dem unterscheidet, was wir in der Begr&uuml;ndung des heutigen Pazifismus zur Kenntnis zu nehmen haben, dieser Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst m&ouml;glich gemacht.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag3566~_mon-062008_tag-15062008.html\">wdr.de<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Ins gleiche Horn blies ein Gastkommentar des Bayerischen Rundfunks, den uns unsere Leserin Grit Reichert dankenswerterweise zuschickte und in dem der Journalist Ludolf Herrmann die Demonstranten im Bonner Hofgarten als &bdquo;kleine, rachitische Seelen&ldquo; in &bdquo;pickeligen K&ouml;rpern&ldquo; beschreibt und der Demonstration einen &bdquo;latenten Faschismus&ldquo; attestiert, den er mit der Sportpalast-Rede Joseph G&ouml;bbels verglich.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230301_BR1010.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230301_BR1010.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Waren die Anfeindungen, denen sich die Friedensbewegung durch die Medien damals ausgesetzt sah, also vergleichbar mit der heutigen Kampagne? Keineswegs! Hetze gab es auch damals, doch sie kam fast ausschlie&szlig;lich von b&uuml;rgerlich-rechten Medien, w&auml;hrend es beispielsweise mit der Frankfurter Rundschau, dem SPIEGEL und dem NDR-Magazin Panorama auch vernehmbare Gegenstimmen gab. Und selbst die Tagesschau <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49498\">berichtete damals durchaus fair<\/a>.<\/p><p>All dies ist heute undenkbar. Man vergleiche nur den verlinkten Beitrag der Tagesschau vom 10. Oktober 1981 &uuml;ber die Bonner Friedensdemo im Hofgarten mit der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94355\">heutigen Berichterstattung &uuml;ber die Berliner Friedensdemo<\/a>. Selbstverst&auml;ndlich h&auml;tten findige Journalisten auch damals irgendwelche DKP-Funktion&auml;re im Bonner Hofgarten aufsp&uuml;ren k&ouml;nnen und vereinzelte &bdquo;verstrahlte&ldquo; Teilnehmer vor die Mikrofone zerren k&ouml;nnen. Doch damals hatten die Kollegen offenbar noch sowas wie Anstand, Moral und Fairness. Heute gibt &ndash; fast &ndash; die gesamte Branche ein j&auml;mmerliches Bild ab.<\/p><p>Interessanterweise tun sich heute gerade die Medien mit Hetze hervor, die damals als Stimmen der Vernunft differenziert berichteten. Zahlreiche Akteure dieser Medien geh&ouml;rten damals &ndash; so darf man annehmen &ndash; vielleicht selbst zu den Teilnehmern der Friedensdemonstrationen. Heute sind sie zu neuen L&ouml;wenthals mutiert. Nun k&ouml;nnte man sagen: Die sch&auml;rfsten Kritiker der Elche, waren fr&uuml;her selber welche. Aber so einfach ist es dann wohl doch nicht. Passender w&auml;re wohl eine Zeile aus Marc-Uwe Klings Lied <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SRZ7C01mDRI\">&bdquo;Zug der Opportunisten&ldquo;<\/a> &ndash; &bdquo;Die Blumenkinder, wer konnte das ahnen, gingen den Weg aller Bananen &ndash; heute gr&uuml;n und morgen gelb und &uuml;bermorgen schwarz &hellip;&ldquo;.  Und so schlie&szlig;t sich dann der Kreis. <\/p><p>Titelbild: ZDF<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/84c6cbdeef994520bbaceba9d1b720c8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Friedensbewegung wurde schon immer diffamiert. Fr&uuml;her galt sie den B&uuml;rgerlich-Rechten und ihren Medien als &bdquo;Moskaus rote Knechte&ldquo; &ndash; ferngelenkt, bestenfalls naiv, daf&uuml;r aber antiamerikanisch. Gefordert wurde eine Abgrenzung nach linksau&szlig;en. Heute haben sich lediglich einige Attribute ge&auml;ndert. 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