{"id":9464,"date":"2011-05-16T08:25:15","date_gmt":"2011-05-16T06:25:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9464"},"modified":"2014-09-01T10:20:33","modified_gmt":"2014-09-01T08:20:33","slug":"von-ruth-und-klarchen-idylle-hinter-der-ein-knallhartes-libertares-weltbild-steht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9464","title":{"rendered":"Von Ruth und Kl\u00e4rchen \u2013 Idylle, hinter der ein knallhartes libert\u00e4res Weltbild steht"},"content":{"rendered":"<p>Anders als sein Vorg&auml;nger Guido Westerwelle, der sich als seine eigenen &bdquo;Freiheitsstatue&ldquo; hoch jubelte, spielt R&ouml;sler den artigen Jungen, der sich um die &bdquo;Lebenswirklichkeit der Menschen&ldquo; und ihre &bdquo;Alltagssorgen&ldquo; k&uuml;mmern will. Statt mit hohlem Pathos und Phrasen versucht R&ouml;sler mit Beispielen aus der Alltagswelt, mit Schwieger- und Gro&szlig;mutter und ihrem vorbildlichen Familienleben das wirtschaftsliberale Weltbild menschlicher zu zeichnen. R&ouml;sler ist zwar moderat im Ton, doch hart in der Verteidigung der gegen den Staat gerichteten marktliberalen Ideologie. Er f&uuml;llte ein wenig neuen Wein in alte Schl&auml;uche und die Delegierten samt der ver&ouml;ffentlichten Meinung brechen in Verz&uuml;ckung aus. Es ist fast wie beim zur gleichen Zeit stattfindenden European Song Contest: So wenig muss man bieten, um als Star gefeiert zu werden. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nArtig und ein bisschen verkrampft, wie ein Jahrgangsbester bei seiner Rede auf der Abitursfeier, trug der neue FDP-Vorsitzende, Philipp R&ouml;sler seine auswendig gelernte, wohl komponierte <a href=\"http:\/\/www.fdp.de\">&bdquo;Grundsatzrede&ldquo; auf dem Rostocker Parteitag<\/a> vor.<\/p><p>Er lobte die Erfolge seiner Partei und alle Parteifreunde, die es bei so einer Rede zu loben gilt. <\/p><p>&bdquo;Deutschland steht gut da&ldquo;, sagte er mit f&uuml;r Verweis auf die aktuellen Wirtschaftsdaten. Den Menschen in Deutschland gehe es heute besser als zu Zeiten der Gro&szlig;en Koalition. Und er wundert sich, dass die Menschen diese Erfolge nicht mit der FDP verbinden. Dabei h&auml;tte er sich ja nur selbst fragen m&uuml;ssen, welche &bdquo;Erfolge&ldquo; in der schwarz-gelben Regierungskoalition das sein sollten, die den Menschen im Zusammenhang mit der FDP einfallen k&ouml;nnten. R&ouml;sler selbst ist dazu in seiner ansonsten an praktischen Beispielen gegliederten Rede, jedenfalls kein einziges Beispiel eingefallen. Auf die Klientelpolitik mit der Hotelierssteuer oder auf seine eigene Gesundheitsreform als ehemaliger Gesundheitsminister, die h&ouml;here Beitragss&auml;tze und eine Aufk&uuml;ndigung des Solidarprinzips durch Zusatzbeitr&auml;ge wollte er deshalb auch lieber nicht zu sprechen kommen.<\/p><p>Als Fehler r&auml;umt er allenfalls ein, dass die FDP &bdquo;mit R&uuml;cksicht auf den Koalitionspartner notwendige und dringende Projekte zur&uuml;ckgestellt&ldquo; und sp&auml;ter zu viel gestritten habe und dabei die &bdquo;b&uuml;rgerlichen&ldquo; Anstandsregeln nicht eingehalten worden seien. Ja, anst&auml;ndiger tritt er auf, der neue Vorsitzende. Die FDP m&uuml;sse durch &bdquo;Verl&auml;sslichkeit, Berechenbarkeit und Entschlossenheit&ldquo; verlorenes Vertrauen zur&uuml;ckgewinnen.<br>\nDie Menschen wollten liberale Ergebnisse. &bdquo;Ab heute wird die FDP liefern&ldquo; k&uuml;ndigte er gro&szlig;spurig an. Wenn man diese Ank&uuml;ndigung an R&ouml;slers bisherigen &bdquo;Reformen&ldquo; misst, dann muss man das eher als Drohung ansehen.<\/p><p>Es geh&ouml;rt zum Pflichtanteil einer Rede eines FDP-Vorsitzenden f&uuml;r seine Partei den Freiheitsbegriff als Alleinstellungsmerkmal zu bem&auml;chtigen. Dabei kam auch R&ouml;sler nicht ohne Pathos aus, als er auf Genschers Ausreisebotschaft vom Balkon der Prager Botschaft im Jahre 1989 an die dort ausharrenden DDR-Fl&uuml;chtlinge erinnerte und auf den aktuellen Freiheitskampf in der arabischen Welt anspielte &ndash; ohne allerdings darauf einzugehen, was eigentlich sein Vorg&auml;nger im Amt als verweilender Au&szlig;enminister zur Erf&uuml;llung des &bdquo;Wunsches und Drangs nach Freiheit&ldquo; in den arabischen L&auml;ndern beigetragen hat. <\/p><p>Wer erwartete, dass R&ouml;sler ausgef&uuml;llt h&auml;tte, was denn unter dem vom wiedergew&auml;hlten FDP-Generalsekret&auml;r Lindner angek&uuml;ndigten &bdquo;mitf&uuml;hlenden Liberalismus&ldquo; zu verstehen w&auml;re, sieht sich arg get&auml;uscht. Freiheit hei&szlig;t f&uuml;r R&ouml;sler: &bdquo;Dass jeder die M&ouml;glichkeit hat seinen Lebenstraum zu verwirklichen&ldquo;. Das ist in anderen Worten nichts anderes, als die abgestandene wirtschaftsliberale Parole, &bdquo;jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo;. Die materiellen Bedingungen f&uuml;r die M&ouml;glichkeit seine Freiheit und seinen Lebenstraum zu verwirklichen, bleiben ausgeblendet, mehr Demokratie oder soziale Gerechtigkeit kommen bei ihm nicht vor. <\/p><p>&bdquo;Die Freiheit stirbt scheibchenweise&ldquo;, zitiert er den bekannten, Karl-Hermann Flach, einem  Wegbereiter der sozial-liberalen Koalition zugeschriebenen Satz.  Doch sein Verst&auml;ndnis von der Verteidigung der B&uuml;rgerrechte beschreibt R&ouml;sler mit einem v&ouml;llig misslungenen Bild: Werfe man einen Frosch in hei&szlig;es Wasser, so springe er weg. (Wenn er denn dazu noch eine Chance hat. WL) Setze man den Frosch in kaltes Wasser, bleibe er brav sitzen. Erh&ouml;he man die Temperatur ganz langsam, dann registriere das Tier das erst, wenn es zu sp&auml;t sei. Dass  eine derart makabre Grobheit, die an die Spr&uuml;che von Medizinstudenten beim Mensaessen erinnert, einen Saal von Delegierten zum Kochen bringt, l&auml;sst einem kalte Schauer &uuml;ber den R&uuml;cken gehen. Dass R&ouml;sler diese Geschichte noch mit &bdquo;soviel zu dem netten Herrn R&ouml;sler&ldquo; abbindet, ist nur noch peinliche Kraftprotzerei eines offenbar noch pubertierenden neuen Vorsitzenden. <\/p><p>R&ouml;sler sieht die B&uuml;rgerrechte nicht zuerst durch den Staat sondern vor allem durch die Gr&uuml;nen gef&auml;hrdet. Die wollten angeblich Touristen aus dem Berliner Stadtteil Kreuzberg aussperren und Berlin wieder zu einer &bdquo;geteilten Stadt&ldquo; machen, polemisiert er auf Bild-Zeitungs-Niveau gegen eine Debatte um n&auml;chtliche Ruhest&ouml;rungen durch einen &uuml;berbordenden Tourismus in diesem Berliner Kiez.    <\/p><p>Noch l&auml;cherlicher wird R&ouml;slers Kampf um die B&uuml;rgerrechte, wenn er eine Kampagne f&uuml;r einen <a href=\"http:\/\/www.sein.de\/news\/2010\/januar\/bremen-fuehrt-vegetarischen-wochentag-ein.html\">&bdquo;Vegetarischen Tag&ldquo;<\/a> in Bremen gei&szlig;elt, wonach die Gr&uuml;nen den Menschen vorschrieben, was sie essen sollen. <\/p><p>Man mag gegen manchen Auswuchs gr&uuml;ner Gesinnungsmissionierung spotten, aber wem schon der Mut fehlt, dagegen eine eigene gesellschaftliche Gegenkampagne zu starten, bei dem kann es beim Kampfeswillen zur Verteidigung der B&uuml;rgerrechte gegen den Staat nicht weit her sein. Dementsprechend schw&auml;chlich ist auch die Abwehr gegen die von Bundesinnenminister Friedrich urspr&uuml;nglich geplante pauschale Verl&auml;ngerung der sog. Anti-Terror-Gesetze. Man m&uuml;sse jede einzelne Ma&szlig;nahme auf Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit &uuml;berpr&uuml;fen, setzte R&ouml;sler zaghaft dagegen. Allerdings ohne den geringsten Hinweis darauf, wo er die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit gest&ouml;rt sieht. Ein selbstbewusster B&uuml;rgerrechts-Liberalismus sieht anders aus.<\/p><p>Am Erfolg der FDP in Niedersachsen eine &bdquo;Sitzplatzverordnung&ldquo;, die in Steh-Caf&eacute;s getrennt geschlechtliche Toiletten verlangte, abgeschafft zu haben &ndash; mit einer alte Kamelle, die R&ouml;sler wortw&ouml;rtlich schon vor acht (!) Jahren wortw&ouml;rtlich im hannoverschen Landtag (<a href=\"upload\/pdf\/110515_Stenografischer_Bericht.pdf\">Stenografischer Bericht S. 2094 [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a>) gelutscht hat, will der neue Parteivorsitzende belegen, dass &bdquo;all diese Themen zeigen&ldquo;, dass die FDP keine Ein-Themen-Partei sei. <\/p><p>Polemik gegen sich in ihrer Ruhe gest&ouml;rten &bdquo;B&uuml;rger&ldquo; und gegen zivilgesellschaftliche Appelle f&uuml;r eine umweltbewusstere Ern&auml;hrung oder Plattit&uuml;den wie der Abschaffung des Toilettenzwangs in Kaffeebuden, das sind also R&ouml;slers Beispiele daf&uuml;r, dass R&ouml;sler das thematische Angebot der FDP verbreitern und deutlich machen will, dass &bdquo;Liberale auf alle Fragen dieser Gesellschaft eine liberale Antwort haben&ldquo;. <\/p><p>R&ouml;sler bekennt sich dazu, dass er immer ein Anh&auml;nger der Kernenergie war. Mit dem ziemlich unsinnigen Verweis, dass Fukushima das &bdquo;erste Ungl&uuml;ck aufgrund technischen Versagens sei&ldquo; (war Tschernobyl denn eine Naturkatastrophe?), erkl&auml;rt er seinen Gesinnungsumschwung, dass auch er nun auch aussteigen will aus der Kernenergie. Aber nat&uuml;rlich d&uuml;rfe es nicht zu einem &bdquo;&Uuml;berbietungswettbewerb&ldquo; beim Ausstieg kommen. Man m&uuml;sse Ruhe bewahren und solide Bedingungen einhalten, n&auml;mlich &bdquo;Umweltvertr&auml;glichkeit, Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie&ldquo;. So redete auch RWE-Chef Gro&szlig;mann auf seiner Aktion&auml;rsversammlung und genau das waren exakt auch die Konditionen, mit denen die Bundesregierung vor wenigen Monaten noch die Laufzeitverl&auml;ngerung der Atomkraftwerke begr&uuml;ndete. (Das Energiekonzept: Deutschlands Weg zu einer bezahlbaren, zuverl&auml;ssigen und <a href=\"http:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/StatischeSeiten\/Breg\/Energiekonzept\/auftakt.html\">umweltschonenden Energieversorgung<\/a>)<\/p><p>R&ouml;sler will immer wieder an Beispielen belegen, dass er sich um die Sorgen, der &bdquo;ganz normalen Menschen in Deutschland&ldquo; k&uuml;mmern m&ouml;chte. Die Beispiele dienen allerdings eher der populistischer Rhetorik und mehr dazu das eigene politische Handeln zu verdecken.<br>\nEs gehe z.B. nicht um die Durchl&auml;ssigkeit zwischen den Schulen, sondern um die Durchl&auml;ssigkeit zwischen den unterschiedlichen Schulsystemen der Bundesl&auml;nder. Nun mag man jeder Partei zugestehen, dass sie dazu lernt, aber welche Partei hat den Wettbewerbsgedanken bei der Durchsetzung der sog. F&ouml;deralismusreform am massivsten vertreten, wenn nicht die FDP? Wer hat also die bildungspolitische Kleinstaaterei mit dem Wettbewerbsf&ouml;deralismus politisch am hartn&auml;ckigsten vorangetrieben? <\/p><p>Wenn R&ouml;slers Schwiegermutter Ruth Oma Kl&auml;rchen pflegt, so ist das die Idylle einer &bdquo;nahen Pflege&ldquo;. Hinter dieser vorgegaukelten heilen Welt steht allerdings R&ouml;slers realer Plan, die Pflegeversicherung zu privatisieren und ihre solidarische Finanzierung aufzuk&uuml;ndigen. Dar&uuml;ber hat er kein Wort verloren. <\/p><p>Traditionell darf in keiner Rede eines FDP-Vorsitzenden das hohe Lied auf den Mittelstand fehlen, so auch bei R&ouml;sler nicht. Man k&ouml;nne nur jedem empfehlen, bei einem mittelst&auml;ndischen Unternehmen zu arbeiten. Ein solcher Unternehmer k&auml;me auch nie auf die Idee, wenn es gut laufe, Menschen zu entlassen. Die &bdquo;menschliche Verbindung&ldquo; sei viel gr&ouml;&szlig;er als in gro&szlig;en Firmen.<br>\nDass trotz der Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes lediglich 29% der mittelst&auml;ndischen Unternehmen (von 20 bis 499) Besch&auml;ftigten <a href=\"http:\/\/www.ifm-bonn.org\/index.php?id=430\">&uuml;ber einen Betriebsrat verf&uuml;gen<\/a>, spottet dieser Art der &bdquo;menschlichen Verbindungen&ldquo; die in vielen dieser Unternehmen herrschen soll Hohn: Diese menschliche Verbindung ist vom Good-Will der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung abh&auml;ngig. Dass &uuml;berdurchschnittlich viele mittelst&auml;ndische Unternehmen Probleme mit den angeblich von au&szlig;en ins Unternehmen hineinregierenden Gewerkschaften haben, dass gerade dort der Fl&auml;chentarif und der K&uuml;ndigungsschutz als hinderlich gelten, ist Beleg genug, wie weit verbreitet der &bdquo;Herr im Haus&ldquo;-Standpunkt dort noch ist. Wer, wenn nicht die FDP, hat denn immer verlangt, die Kosten der betrieblichen Mitbestimmung zu senken, die Zahl der Betriebsratsmitglieder zu senken, Betriebsr&auml;te erst bei Unternehmen ab 20 Besch&auml;ftigte zu erm&ouml;glichen etc.? <\/p><p>F&uuml;r R&ouml;sler sind Forderungen nach Mitbestimmung auch in mittelst&auml;ndischen Betrieben nur eine Zote wert: Statt das angeblich so vorbildliche Verhalten von solchen Unternehmern zu f&ouml;rdern, wolle die Politik immer gleich ein Gesetz, am besten ein &bdquo;Deutsches Mittelstands- Aufbau-, Durchf&uuml;hrungs- und Qualit&auml;tssicherungsgesetz&ldquo;. Das ist also das intellektuelle Niveau mit dem sich die FDP den Problemen auch der Arbeitnehmer n&auml;hern will. Und mit dieser Polemik, die sich gegen Mitbestimmung und Fl&auml;chentarife wendet, will also die FDP daf&uuml;r sorgen, &bdquo;dass der Aufschwung bei den Menschen ankommt&ldquo;. Das Angebot R&ouml;slers einer Teilhabe von Arbeitnehmern an ihrem Unternehmen kann man im Zusammenhang mit dem pflichtschuldigen Lob f&uuml;r die Selbst&auml;ndigen nur als paradox bezeichnen. <\/p><p>R&ouml;sler ist zwar moderat im Ton, doch hart in der Verteidigung der gegen den Staat gerichteten marktliberalen Ideologie. &bdquo;Wenn man glaubt, dass der Staat der Probleml&ouml;ser Nummer eins ist, dann wird das Ergebnis immer B&uuml;rokratie sein immer ein hoher &ouml;ffentlicher Personalk&ouml;rper und hohe Steuern und Abgaben.&ldquo; Die FDP k&ouml;nne niemals die &bdquo;f&uuml;nfte sozialdemokratische Partei sein&ldquo;. Die Einordnung selbst von CDU und CSU als &bdquo;sozialdemokratisch&ldquo; l&auml;sst durchblicken, wie libert&auml;r R&ouml;sler denkt und wie weit er von den Grundprinzipien des Sozialstaats entfernt ist.<\/p><p>R&ouml;sler r&auml;umt ein, dass die FDP an Glaubw&uuml;rdigkeit verloren habe, weil man nicht erkannt habe, dass die Spielr&auml;ume f&uuml;r Steuersenkungen nach dem Krisenjahr 2009 nicht so schnell und so umf&auml;nglich m&ouml;glich gewesen seien. Die FDP habe nur nicht den richtigen Zeitpunkt f&uuml;r ihre Forderungen gefunden. Es bleibe aber nach wie vor das gemeinsame Versprechen &bdquo;einer b&uuml;rgerlichen Regierung&ldquo;, die Steuern zu senken, wenn die Spielr&auml;ume gr&ouml;&szlig;er w&uuml;rden. Er kommt dabei nochmals auf sein Bild mit dem Frosch zur&uuml;ck: Man d&uuml;rfe nicht einfach nur abwarten.<br>\nEs sei nicht so, dass keinerlei M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Steuersenkungen best&uuml;nden. Die Sparma&szlig;nahmen gegen&uuml;ber den &Auml;rmsten der Armen gehen die FDP ohnehin nichts an, diese gr&ouml;&szlig;er werdende Gruppe ist R&ouml;sler kein einziges Wort wert. <\/p><p>R&ouml;sler legt zwar ein Bekenntnis zum &bdquo;gemeinsamen Projekt und zur gro&szlig;en Idee eines gemeinsamen Europas&ldquo; ab und er tut besorgt, dass die Begeisterung f&uuml;r Europa schwinde.<br>\nEs d&uuml;rfe jedoch bei der Diskussion &uuml;ber Europa keine Tabus geben, sonst best&uuml;nde die Gefahr, dass die Grenzen wieder hochgezogen w&uuml;rden, wie in D&auml;nemark. Die Probleme in Europa seien nur entstanden, weil Rot-Gr&uuml;n die Stabilit&auml;tskriterien aufgeweicht h&auml;tten. Deshalb m&uuml;sse man klare Sanktionsma&szlig;nahmen gegen deren Verletzung durchsetzen, Darlehen nur unter strikten Bedingungen und nur unter Parlamentsvorbehalt gew&auml;hren. Griechenland, Portugal, Irland, Spanien oder allen anderen Staaten aus der Misere helfen, indem man ihnen Strafsanktionen aufbrummt und sie zwingt sich kaputt zu sparen, das ist also das Konzept mit dem man seitens der FDP &bdquo;Begeisterung&ldquo; f&uuml;r Europa wecken will. Das ist der Sachverstand mit dem der k&uuml;nftige Wirtschaftsminister sein Amt f&uuml;hren will? <\/p><p>In Anspielung auf seine Herkunft pl&auml;diert R&ouml;sler f&uuml;r eine st&auml;rkere Zuwanderung. Aus &bdquo;kulturellen und &ouml;konomischen Gr&uuml;nden&ldquo; sollen andere Menschen bei uns ihre &bdquo;Heimat&ldquo; finden. Aber nach dem Verst&auml;ndnis der FDP d&uuml;rfen das nur Menschen sein, die nach einem Punktesystem gesteuert, bei uns gebraucht werden. Der Drang und der Wille zur Freiheit, &uuml;ber die R&ouml;sler an anderer Stelle schwelgt, findet also seine Grenzen an der Verwertbarkeit der zu uns Kommenden. <\/p><p>Und dann hat R&ouml;sler noch ein &bdquo;neues Thema&ldquo; entdeckt: die digitale Welt. Es werde in Zukunft im Rahmen der B&uuml;rgerrechte kein anderes Thema mehr geben, als Datenschutz, Datensicherheit und informationelle Selbstbestimmung. Bei den Vorschl&auml;gen, wie er die Schwachen vor den M&auml;chtigen im Staat oder in globalen Konzernen sch&uuml;tzen m&ouml;chte, bleibt er jedoch so vage, wie in seiner ganzen Rede. <\/p><p>&ldquo;Ich w&uuml;nsche mir Chancen, nicht Sicherheit. Ich will kein ausgehaltener B&uuml;rger sein, gedem&uuml;tigt und abgestumpft, weil der Staat f&uuml;r mich sorgt. Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten. Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben, noch meine Menschenw&uuml;rde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst f&uuml;r mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen.&rdquo;<\/p><p>Mit diesem Auszug aus dem Gedicht &bdquo;Ein freier Mensch&ldquo; des Urwalddoktors und Friedensnobelpreistr&auml;gers Albert Schweitzer beendet R&ouml;sler seine Rede. Ein leider schon ziemlich abgedroschenes Zitat, das schon seit l&auml;ngerer Zeit in vielen Ortsverb&auml;nden der FDP als Leitspruch gilt und mit dem inzwischen leider auch schon <a href=\"http:\/\/www.mein-finanzbrief.de\/GedankenPositiv\/freiheit.htm\">Finanzoptimierer werben<\/a>.<\/p><p>Dass R&ouml;sler gerade dieses Zitat von Schweitzer w&auml;hlt und nicht den Kern seines philosophischen Anliegens, n&auml;mlich dass sich die Menschen beim Nachdenken &uuml;ber sich selbst und ihre Grenzen wechselseitig als Br&uuml;der erkennen und sich solidarisch verhalten, ist ein abschlie&szlig;ender Beweis daf&uuml;r, wie sehr R&ouml;sler nur neuen Wein in alte Schl&auml;uche f&uuml;llt. Die Strophe in diesem Gedicht &bdquo;Ich habe gelernt selbst f&uuml;r mich zu denken und zu handeln&ldquo; hat R&ouml;sler wohlweislich ausgelassen, sonst w&auml;re ihm aufgesto&szlig;en, dass gerade dieses eigenst&auml;ndige Denken seiner v&ouml;llig Rede fehlte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anders als sein Vorg&auml;nger Guido Westerwelle, der sich als seine eigenen &bdquo;Freiheitsstatue&ldquo; hoch jubelte, spielt R&ouml;sler den artigen Jungen, der sich um die &bdquo;Lebenswirklichkeit der Menschen&ldquo; und ihre &bdquo;Alltagssorgen&ldquo; k&uuml;mmern will. Statt mit hohlem Pathos und Phrasen versucht R&ouml;sler mit Beispielen aus der Alltagswelt, mit Schwieger- und Gro&szlig;mutter und ihrem vorbildlichen Familienleben das wirtschaftsliberale Weltbild<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9464\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[163,193,160],"tags":[441,233,770,448],"class_list":["post-9464","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-atompolitik","category-fdp","category-markt-und-staat","tag-freiheit","tag-marktliberalismus","tag-roesler-philipp","tag-westerwelle-guido"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9464"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9466,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9464\/revisions\/9466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}