{"id":9471,"date":"2011-05-17T09:18:10","date_gmt":"2011-05-17T07:18:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9471"},"modified":"2016-07-19T11:56:08","modified_gmt":"2016-07-19T09:56:08","slug":"wieder-einmal-eine-in-die-irre-fuhrende-werbekampagne-der-insm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9471","title":{"rendered":"Wieder einmal eine in die Irre f\u00fchrende Werbekampagne der INSM"},"content":{"rendered":"<p>Angeblich wissenschaftlich untermauert durch eine Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) startet die arbeitgeberfinanzierte PR-Agentur, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wieder einmal eine <a href=\"http:\/\/www.dasrichtigetun.de\/index\/arbeit\/projekt_vollbeschaeftigung\/anzeigenmotive_vollbeschaeftigung.html\">Anzeigenkampagne<\/a>. Wieder einmal soll der Bev&ouml;lkerung eingebl&auml;ut werden, dass wir in der besten aller m&ouml;glichen Welten lebten, dass wir einen Aufschwung XXL und ein &bdquo;Jobwunder&ldquo; h&auml;tten, dass wir sogar &bdquo;Vollbesch&auml;ftigung&ldquo; erreichen k&ouml;nnten. Wenn&hellip;, ja wenn wir weiter machen wie bisher: wenn die &bdquo;Lohnzusatzkosten&ldquo; weiter gesenkt w&uuml;rden, wenn weiter &bdquo;Lohnzur&uuml;ckhaltung&ldquo; ge&uuml;bt w&uuml;rde, wenn die Arbeitszeiten flexibler w&uuml;rden, wenn der Arbeitsmarkt weiter &bdquo;liberalisiert&ldquo; w&uuml;rde, wenn nur die Arbeitnehmer mobiler w&uuml;rden, wenn die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I nicht verl&auml;ngert w&uuml;rde, wenn kein Mindestlohn eingef&uuml;hrt w&uuml;rde, wenn wir noch mehr Zeitarbeit h&auml;tten, wenn wir ein Leben lang lernten, wenn wir an der Rente mit 67 festhalten usw.. Die zur&uuml;ckliegenden &bdquo;Reformen&ldquo; d&uuml;rften keinesfalls in Frage gestellt werden. &bdquo;Weiter so&ldquo; das ist die Devise. Motto ist: Umso schlimmer f&uuml;r die Wirklichkeit, wenn sie nicht mit der Ideologie der INSM &uuml;bereinstimmt. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more-->Mehr<\/p><p><strong>Das &bdquo;Jobwunder&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Die Fakten lassen sich wohl nicht ganz unter den Teppich kehren. Denn immerhin muss die der INSM-Werbekampagne zugrunde <a href=\"\/upload\/pdf\/110517_studie_vollbeschaeftigung.pdf\">liegende HWWI-Studie [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a> einr&auml;umen, dass der Anstieg von sozialversicherungspflichtiger Besch&auml;ftigung zu zwei Dritteln aus Teilzeitbesch&auml;ftigung besteht. Und dass das Niveau der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten gerade mal wieder das Niveau um die Jahrtausendwende erreicht hat. Und die Zahl der durch arbeitsmarktpolitische Ma&szlig;nahmen gef&ouml;rderten Personen immer noch bei 1,5 Millionen liegt.  <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110517_neue_insm_kampange.jpg\" alt=\"Werbekampange der ISNM\"><\/p><p><strong>Tatsache ist:<\/strong> Im April 2011 wurden 3,078 Millionen Arbeitslose registriert. Es ist inzwischen wohl allgemein bekannt, dass die offizielle Arbeitslosenstatistik nur einen Teil der Besch&auml;ftigungsmisere abbildet.<br>\nNicht gez&auml;hlt werden exakt 1.007.763 Arbeitslose.<br>\nDarunter &uuml;ber 360.000 weil sie &auml;lter als 58 Jahr sind, 192.000 sind in Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), &uuml;ber 200.000 sind in beruflichen Qualifizierungsma&szlig;nahmen, &uuml;ber 180.000 befinden sich in sog. Aktivierung und <a href=\"http:\/\/die-linke.de\/politik\/themen\/tatsaechlichearbeitslosigkeit\/\">beruflicher Eingliederung etc.<\/a><\/p><p>830.000 beziehen Arbeitslosengeld I, mehr als 4,7 Millionen Arbeitslosengeld II, d.h. sie haben keinen Job oder verdienen so wenig, dass sie nicht aus Hartz IV herauskommen (das sind etwa 1,4 Millionen). Die Zunahme der Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten beruht zu einem gro&szlig;en Anteil auf der Zunahme der Leiharbeit auf inzwischen &uuml;ber eine Million und allein um rd. 200.000 im vergangenen Jahr. (Dabei gibt es 30 bis 50 Prozent weniger Lohn als bei der &bdquo;Stammbelegschaft.) Es gibt inzwischen 7,3 Millionen Mini-Jobs (4,6 Millionen Frauen). <\/p><p>Nach einer Statistik der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit (BA) in N&uuml;rnberg verdienten 2009 gut 22 Prozent der vollzeitbesch&auml;ftigten Arbeitnehmer (ohne Auszubildende) monatlich weniger als 1784 Euro brutto und arbeiteten damit unterhalb der Niedriglohnschwelle. Als Niedriglohn gilt ein Einkommen von h&ouml;chstens zwei Dritteln des mittleren Lohns (Medianlohns) <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/karriere\/berufsleben\/einkommen-arm-trotz-arbeit_aid_573404.html_1290098870\">in Deutschland<\/a>.<\/p><p>Seit 1998 ist die Zahl der Niedriglohnbesch&auml;ftigten um fast 2,3 Millionen gestiegen, gut jeder f&uuml;nfte Besch&auml;ftigte ist betroffen. Mit 7,09 Euro in West- bzw. 5,18 Euro in Ostdeutschland lagen die durchschnittlichen L&ouml;hne im Niedriglohnsektor im Jahr 2008 weit unter der Niedriglohnschwelle. Dabei steigt die Zahl der Geringstverdiener, die weniger als ein Drittel des mittleren Lohns erhalten &ndash; das waren 2008 Stundenl&ouml;hne unter 4,75 Euro in West- und 3,42 <a href=\"http:\/\/www.iaq.uni-due.de\/archiv\/presse\/2010\/100727.php\">Euro in Ostdeutschland<\/a>.<\/p><p>Es ist auch keineswegs so, dass im Niedriglohnsektor nur weniger Qualifizierte anzutreffen sind.<br>\nDer Anteil der Niedriglohnbesch&auml;ftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung hat sich deutlich erh&ouml;ht von 58,5 Prozent im Jahr 1995 auf 70,8 Prozent in 2007. Nimmt man die Arbeitnehmer mit einem akademischen Abschluss hinzu, sind mittlerweile vier von f&uuml;nf Niedriglohnbesch&auml;ftigten in Deutschland formal qualifiziert. Ohne Abschluss sind nur noch knapp 21 Prozent aller <a href=\"http:\/\/www.iaq.uni-due.de\/archiv\/presse\/2009\/090709.php\">Niedriglohnbesch&auml;ftigten<\/a>.<\/p><p>So sieht also das &bdquo;Jobwunder&ldquo; in der Wirklichkeit aus.<\/p><p><strong>Arbeit, egal welche<\/strong><\/p><p>Doch das Ausma&szlig; und die Zunahme der prek&auml;ren Besch&auml;ftigung interessieren die Hamburger &Ouml;konomen &uuml;berhaupt nicht. Im Gegenteil: Sie huldigen nach wie vor dem Fetisch der Grenzproduktivit&auml;t als Ma&szlig; f&uuml;r die Einstellung und Entlohnung von einzelnen Arbeitnehmern herangezogen. Nach der neoklassischen Schule reicht der R&uuml;ckgang der Kosten f&uuml;r die Arbeit aus, um Arbeitspl&auml;tze entstehen zu lassen. Ihre Anh&auml;nger sagen, solange Arbeitslosigkeit da ist, m&uuml;ssen die L&ouml;hne sinken.<br>\nDeshalb wendet sich die &bdquo;Studie&ldquo; auch vehement gegen die Einf&uuml;hrung von Mindestl&ouml;hnen. Sozialvertr&auml;gliche Mindesteinkommen m&uuml;ssen dann eben durch staatliche Zusch&uuml;sse gew&auml;hrleistet werden. <\/p><p>Dieses Modell hat aber schon deshalb mit der Wirklichkeit nur wenig zu tun, weil kaum ein Unternehmer bei kaum einem Arbeitsprozess errechnen kann, wie viel der einzelne Arbeitnehmer zum Output (Grenzproduktivit&auml;t) beitr&auml;gt. Die &ouml;konomischen Annahmen folgen der eindimensionalen betriebswirtschaftlichen Unternehmerlogik, wonach L&ouml;hne eben nur gewinn- und investitionshemmende Arbeitskosten sind. Der Arbeitsmarkt ist f&uuml;r sie wie ein Kartoffelmark (Preise runter = Angebot ger&auml;umt). Die gesamtwirtschaftliche Betrachtung, wonach die Kosten des einen immer auch die Ertr&auml;ge des anderen sind,  wird v&ouml;llig vernachl&auml;ssigt. Dass L&ouml;hne und die Lohnentwicklung eine entscheidende Gr&ouml;&szlig;e daf&uuml;r sind, wie wiederum die Nachfrage nach G&uuml;tern und Dienstleistungen und damit wiederum die Nachfrage nach Arbeit ausf&auml;llt, kommt in ihrer einzelwirtschaftlichen Betrachtung gar nicht vor.  <\/p><p><strong>L&ouml;hne als variable Verf&uuml;gungsmasse<\/strong><\/p><p>Als Grundlage f&uuml;r die gute Arbeitsmarktentwicklung sieht die &bdquo;Studie&ldquo; die Tatsache, dass die Lohnpolitik den Verteilungsspielraum aus Produktivit&auml;tswachstum und Inflation nicht ausgesch&ouml;pft habe und damit die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit gest&auml;rkt habe. Die &bdquo;Lohnspreizung&ldquo; (will sagen, die Absenkung der Niedrigl&ouml;hne) habe die Besch&auml;ftigungssituation von gering Qualifizierten verbessert und das sei zumindest in Teilen auf die &bdquo;Arbeitsmarktreformen&ldquo; und den &bdquo;damit ausgel&ouml;sten Druck zur Arbeitsaufnahme&ldquo; herbeigef&uuml;hrt worden. <\/p><p>Selbst die Neoklassiker aus Kiel sehen aber inzwischen ein, dass die L&ouml;hne inzwischen so niedrig liegen, dass &bdquo;von der Lohnseite kaum noch Spielr&auml;ume f&uuml;r eine Zunahme der Besch&auml;ftigung vorhanden sind&ldquo;. Aber sofort wird dann wieder gewarnt, dass die Lohnsteigerungen nicht die durch die Steigerung bei den Rohstoffpreisen erh&ouml;hten Inflationsraten ausgleichen d&uuml;rften, denn das w&uuml;rde nach ihrer Ansicht nur wieder zu dauerhaft h&ouml;heren Inflationsraten f&uuml;hren. Denn das w&uuml;rde die Zentralbank wieder zu h&ouml;heren Leitzinsen zwingen mit der Folge eines schw&auml;cheren Wachstums und damit wieder geringerer Besch&auml;ftigung. <\/p><p>Wie man es auch immer dreht und wendet, die L&ouml;hne sind in diesem &ouml;konomischen Modell immer der variable Restposten auf dem alle sonstigen Kostenerh&ouml;hungen abgeladen werden k&ouml;nnen und m&uuml;ssen. <\/p><p>Die gerade auch jetzt bei dem leichten Aufschwung wieder zu beobachtende Tatsache, dass der Arbeitsmarkt dem Wachstum folgt und nicht umgekehrt, ist in dem &ouml;konomischen Modell des HWWI schlicht nicht vorgesehen. <\/p><p><strong>Wieder einmal der Mythos &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Um die Arbeitskosten (vor allem von Geringqualifizierten) zu senken, wird wieder einmal die &bdquo;Absenkung der lohnabh&auml;ngigen Sozialversicherungsbeitr&auml;ge&ldquo;, also die Senkung der sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; gefordert. <\/p><p>Die Forderung nach einer Senkung der Sozialbeitr&auml;ge ist aber in Wirklichkeit nichts anderes als eine verkappte Forderung nach Lohnsenkung. Der Arbeitgeberbeitrag ist nichts anderes als Teil der Arbeitskosten oder Teil des Bruttolohns, der durch Gesetz den Sozialkassen zugewiesen wird. Leider fallen auf diesen Gauklertrick auch viele Arbeitnehmer herein, denn auch sie freuen sich &uuml;ber die (meist allerdings sehr klein ausfallenden) Beitragssenkungen. Sie &uuml;bersehen dabei allerdings, dass sinkende Beitr&auml;ge jedenfalls f&uuml;r die Arbeitnehmer immer auch gleichbedeutend sind mit niedrigeren Renten, geringerem Arbeitslosengeld und mit schlechteren Leistungen bei Krankheit und Pflege. <\/p><p><strong>Von wegen mangelnde Flexibilit&auml;t der Arbeitnehmer<\/strong><\/p><p>Das &uuml;bliche Gerede der INSM von der mangelnden Flexibilit&auml;t der Arbeitnehmer wird sogar durch die von ihr in Auftrag gegebene Studie widerlegt. Dort wird n&auml;mlich festgestellt, dass am Arbeitsmarkt eine hohe Dynamik herrscht. Mehr als neun Millionen Arbeitssuchende im Jahr 2010 h&auml;tten auch wieder eine Arbeit gefunden. Jeden Monat w&uuml;rden 800.000 Personen arbeitslos und etwa die gleiche Anzahl verlasse die Gruppe der Arbeitslosen auch wieder. <\/p><p><strong>&bdquo;Vollbesch&auml;ftigung&ldquo; ab einer Arbeitslosenquote von 5 Prozent<\/strong><\/p><p>Wenn in der Studie von &bdquo;Vollbesch&auml;ftigung&ldquo; die Rede ist, dann gilt diese f&uuml;r die Hamburger &Ouml;konomen als erreicht, wenn die Arbeitslosenquote unter f&uuml;nf Prozent fallen w&uuml;rde. Diese F&uuml;nf-Prozent-Grenze wird einfach so als &bdquo;gesellschaftlich akzeptierte Arbeitslosigkeit&ldquo; unterstellt. <\/p><p>Diese Grenze k&ouml;nne erreicht werden, wenn &bdquo;zum einen die erfolgreiche Politik des vergangenen Jahrzehnts fortgef&uuml;hrt&hellip;(wird). Zum anderen m&uuml;ssen weitere Reformen erfolgen, um noch vorhandene Strukturprobleme am Arbeitsmarkt zu l&ouml;sen.&ldquo;<\/p><p>Diese Annahme und die Schlussfolgerung ist in mehrerlei Hinsicht reine Ideologie.<br>\nWer sagt eigentlich, dass 5 Prozent Arbeitslosigkeit gesellschaftliche akzeptiert ist? W&auml;re diese Marke gesellschaftlich akzeptiert, wenn sie damit erkauft w&uuml;rde, dass noch mehr prek&auml;re Arbeitspl&auml;tze entst&uuml;nden, dass noch mehr Arbeitnehmer &bdquo;aufstocken&ldquo; m&uuml;ssten? Kurz: W&auml;re es akzeptabel, dass die Lohnspreizung noch mehr zun&auml;hme und die jetzt schon tiefe Kluft in der Gesellschaft zwischen Arm und Reich noch tiefer w&uuml;rde? <\/p><p><strong>Das &bdquo;erfolgreiche&ldquo; Scheitern soll fortgesetzt werden<\/strong><\/p><p>Wohin die angeblich &bdquo;erfolgreiche Politik des vergangenen Jahrzehnts&ldquo; gef&uuml;hrt hat, das belegen ersch&uuml;tternde Tatsachen:  <\/p><ul>\n<li>Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut st&auml;rker zugenommen als in jedem anderen <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/dataoecd\/45\/27\/41525386.pdf\">OECD-Land [PDF &ndash; 251 KB]<\/a><\/li>\n<li>Die Unternehmens- und Verm&ouml;genseinkommen, die zwischen 2000 und 2010 um nominal 45 Prozent zulegten, fast dreimal so stark wie die Arbeitnehmerentgelte. Diese wuchsen &uuml;ber das letzte Jahrzehnt nominal lediglich um 16 Prozent. Real &ndash; also nach Abzug der Inflation &ndash; sind die durchschnittlichen Bruttoverdienste pro Besch&auml;ftigtem im vergangenen Jahrzehnt sogar gesunken: 2010 lagen sie nach Abzug der Inflationsrate um <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/547_112500.html\">vier Prozent niedriger als im Jahr 2000<\/a>.<\/li>\n<li>Die Lohnquote, also der Anteil der L&ouml;hne am Volkseinkommen, die in den 70er Jahren noch bei &uuml;ber 70 Prozent lag, ist um fast 10 Prozent auf etwas um die 60 Prozent abgesackt, w&auml;hrend im Gegenzug der Anteil der Kapital- und Verm&ouml;genseinkommen entsprechend zunahm.<\/li>\n<li>Die obersten 20% der Verm&ouml;gensverteilung besitzen rund 80% des Nettogeldverm&ouml;gens (also des Bruttogeldverm&ouml;gens minus Konsumentenkredite). Allein die obersten 10% besitzen zwei Drittel davon.<\/li>\n<\/ul><p>Die unteren 25% der Bev&ouml;lkerung besitzen nicht nur kein Nettogeldverm&ouml;gen, sondern sie haben mehr Schulden als Guthaben. Zwei Drittel der Deutschen verf&uuml;gen laut einer DIW-Studie &uuml;ber gar kein oder nur ein sehr <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/immer-mehr-auf-der-hohen-kante\/-\/1472780\/5078646\/-\/index.html\">geringes Nettogeldverm&ouml;gen<\/a>.<\/p><p>Das sind nur einige der Fakten f&uuml;r das &bdquo;erfolgreiche&ldquo; Scheitern dieser Politik. Aber diese gescheiterte Politik soll also nach Meinung des HWWI und der INSM mit erh&ouml;hter Dosierung weiterbetrieben werden. Kein Wunder also, dass man zu dieser &ouml;ffentlichen Irref&uuml;hrung einen immensen Werbeaufwand betreiben muss. <\/p><p><strong>Erg&auml;nzende Anmerkung:<\/strong> <\/p><p><strong>Sch&auml;tzunsicherheit von Bev&ouml;lkerungsprognosen<\/strong><\/p><p>Interessant in der HWWI-&bdquo;Studie&ldquo; ist, dass dort entgegen des INSM-Protagonisten Raffelh&uuml;schen einger&auml;umt wird, dass die &bdquo;Bev&ouml;lkerungsentwicklung nur mit hoher Unsicherheit zur prognostizieren&ldquo; ist und die Sch&auml;tzunsicherheit im Zeitablauf zunimmt. Schon f&uuml;r das n&auml;chste Jahrzehnt l&auml;gen die unterschiedlichen Modellberechungen um &uuml;ber 800.000 Personen auseinander. Oder dass durch eine st&auml;rkere Integration von Frauen in die Erwerbst&auml;tigkeit bis 2025 bis zu drei Millionen Vollzeitarbeitspl&auml;tze gewonnen werden k&ouml;nnten.<br>\nDas sollte man sich merken, wenn bei uns bei n&auml;chster Gelegenheit Raffelh&uuml;schen bei der INSM wieder vorrechnet, dass uns irgendwann im Jahr 2050 aufgrund der demografischen Entwicklung irgendwelche Katastrophen bei den <a href=\"\/?p=9322\">sozialen Sicherungssystemen ins Haus stehen<\/a>. <\/p><p>Immerhin kommt die Studie auch zum Befund, dass die weitere Arbeitsmarktentwicklung wesentlich von der Bildungspolitik abh&auml;ngig sei. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/110517_arbeitslosikeitsrisiko_stand_2010.jpg\" alt=\"Arbeitslosikeitsrisiko 2010\"><\/p><p>Dazu ist anzumerken: Es ist nichts gegen eine allgemeine Verbesserung der beruflichen Qualifikation einzuwenden, aber auch hierbei sollte man sich h&uuml;ten, den Arbeitsmarkt ausschlie&szlig;lich von der Angebotsseite zu betrachten und nicht auch von der Nachfrageseite.<br>\nEine st&auml;rkere Nachfrage nach Arbeitskr&auml;fte bei einem entsprechenden Wachstum &bdquo;saugt&ldquo; nach aller Erfahrung auch jeweils geringer Qualifizierte auf. Jedenfalls hilft ohne mehr Besch&auml;ftigungsangebote auch eine h&ouml;here Qualifikation nicht aus der Misere der Arbeitslosigkeit: die Unternehmen werden immer nur die jeweils besser Qualifizierten einstellen. <\/p><p><strong>Strukturschwache Regionen werden einfach abgeschrieben<\/strong><\/p><p><em>&bdquo;Es wird jedoch auch Regionen geben, die kaum vom bundesweiten Besch&auml;ftigungsaufbau profitieren werden. Diese Regionen weisen h&auml;ufig eine periphere Lage auf, haben eine ung&uuml;nstige Branchenstruktur, ein niedriges Produktivit&auml;tsniveau und leiden unter der Abwanderung qualifizierter Arbeitskr&auml;fte. Diese Regionen werden auch k&uuml;nftig f&uuml;r Unternehmen keine attraktiven Standorte darstellen. Dort werden auch wirtschaftspolitische Ma&szlig;nahmen kaum in der Lage sein, eine solche Entwicklung zu verhindern. Wegen des Fachkr&auml;ftemangels in prosperierenden Regionen wird es f&uuml;r die dort angesiedelten Unternehmen wichtig, Arbeitskr&auml;fte aus anderen Regionen anzuwerben und deren Mobilit&auml;tsbereitschaft aktiv zu f&ouml;rdern. Dies sollte nicht durch staatliche Ma&szlig;nahmen der Regionalf&ouml;rderung oder der Arbeitsmarktpolitik konterkariert werden. In den strukturschwachen Regionen werden insbesondere &Auml;ltere und solche Personen verbleiben, die nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen. Diese profitieren zwar von niedrigen Mieten und Immobilienpreisen, aber den St&auml;dten und Gemeinden stehen f&uuml;r die Bereitstellung von &ouml;ffentlichen G&uuml;tern kaum noch Mittel zur Verf&uuml;gung. Deshalb muss die regionale Konzentration von Wertsch&ouml;pfung und Besch&auml;ftigung durch regionalpolitische Ma&szlig;nahmen begleitet werden.&ldquo;<\/em><\/p><p>Hier zeigt sich ein weiteres Mal, wie sehr sich die Hamburger &Ouml;konomen in ihrer Modellwelt eingemottet haben. Das Ergebnis w&auml;re ein &bdquo;Mezzogiorno&ldquo; in weiten Teilen Ostdeutschlands  mit allen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen, die man in Italien studieren kann. W&uuml;rde die Wirtschaftspolitik solche Ratschl&auml;ge verfolgen, so w&auml;re das nicht nur ein Versto&szlig; gegen das grundgesetzliche Gebot der Einhaltung gleicher Lebensverh&auml;ltnisse, es k&auml;me auch die Volkswirtschaft insgesamt teuer zu stehen. <\/p><p><strong>Nachbemerkung:<\/strong><\/p><p>Es ist nicht weiter erstaunlich, dass die INSM zur &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Unterf&uuml;tterung ihrer Werbekampagne nun gerade auf das HWWI mit seinem Direktor Thomas Straubhaar zur&uuml;ckgreift. Schlie&szlig;lich ist Straubhaar &bdquo;Berater&ldquo; dieser PR-Agentur der Metall- und Elektroarbeitgeberverb&auml;nde.<br>\nStraubhaar war fr&uuml;her Pr&auml;sident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archives (HWWA). Die Leibniz-Gemeinschaft, in der sich 84 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen f&uuml;r die Forschung in Deutschland zusammengeschlossen haben, hatte im Fr&uuml;hjahr 2005 empfohlen, eine &ouml;ffentliche Weiterf&ouml;rderung des HWWA nicht l&auml;nger &bdquo;in Betracht zu ziehen&ldquo;. Selbst dem damaligen Pr&auml;sidenten der Leibniz-Gemeinschaft und ehemaligen Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, waren wohl die &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Erg&uuml;sse zu d&uuml;nn oder zu peinlich.<br>\nDer publizit&auml;tsgierige Straubhaar lie&szlig; sich durch dieses Verdikt nat&uuml;rlich nicht aufhalten und machte aus dem HWWA das HWWI. Dieses Institut wird nun komplett privat gesponsert. Gesellschafter sind die Handelskammer der Hansestadt und die Universit&auml;t Hamburg. (Die Uni ist sich nicht zu schade, dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.) Die Finanzierung erfolgt durch eine Partnerschaft mit der Berenberg Bank, der Bucerius Law School, der Hamburger Sparkasse, der Handelskammer, der Hamburg School of Business Administration sowie der HSH Nordbank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeblich wissenschaftlich untermauert durch eine Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) startet die arbeitgeberfinanzierte PR-Agentur, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wieder einmal eine <a href=\"http:\/\/www.dasrichtigetun.de\/index\/arbeit\/projekt_vollbeschaeftigung\/anzeigenmotive_vollbeschaeftigung.html\">Anzeigenkampagne<\/a>. 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