{"id":94738,"date":"2023-03-07T12:48:17","date_gmt":"2023-03-07T11:48:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94738"},"modified":"2023-03-08T07:29:05","modified_gmt":"2023-03-08T06:29:05","slug":"warum-ich-die-medienberichterstattung-zum-manifest-fuer-frieden-und-der-friedensdemo-gut-finde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94738","title":{"rendered":"Warum ich die Medienberichterstattung zum \u201eManifest f\u00fcr Frieden\u201c und der Friedensdemo gut finde"},"content":{"rendered":"<p>Empfinden Sie, liebe Leserinnen und Leser, die vorstehende &Uuml;berschrift als Zumutung? Gemach, gemach. Urteilen Sie nicht vorschnell. Es gibt Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Bewertung. Gr&uuml;nde, die Teile der Medien verunsichern k&ouml;nnten, um einen fr&uuml;heren Innenminister leicht abgewandelt zu zitieren. Ich verspreche Ihnen, am Ende des Textes werden Sie meine Einsch&auml;tzung nachvollziehen, wenn nicht gar teilen k&ouml;nnen. Ein Kommentar von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3567\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94738-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230307_Warum_ich_die_Medienberichterstattung_zum_Manifest_fuer_Frieden_und_der_Friedensdemo_gut_finde_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230307_Warum_ich_die_Medienberichterstattung_zum_Manifest_fuer_Frieden_und_der_Friedensdemo_gut_finde_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230307_Warum_ich_die_Medienberichterstattung_zum_Manifest_fuer_Frieden_und_der_Friedensdemo_gut_finde_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230307_Warum_ich_die_Medienberichterstattung_zum_Manifest_fuer_Frieden_und_der_Friedensdemo_gut_finde_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94738-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230307_Warum_ich_die_Medienberichterstattung_zum_Manifest_fuer_Frieden_und_der_Friedensdemo_gut_finde_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230307_Warum_ich_die_Medienberichterstattung_zum_Manifest_fuer_Frieden_und_der_Friedensdemo_gut_finde_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die alles beherrschenden beiden Themen der letzten Wochen waren das &bdquo;Manifest f&uuml;r Frieden&ldquo;, in dem f&uuml;r diplomatische Verhandlungen im Ukrainekrieg aufgerufen wird und das als Petition inzwischen von mehr als 700.000 B&uuml;rgern unterzeichnet wurde, und die sich darauf beziehende Friedensdemonstration am 25. Februar in Berlin. In den Medien, privaten wie &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehsendern sowie den privaten Printmedien, wurde das Hauptaugenmerk weniger auf die Inhalte des Manifests und der Demonstration gelegt, der Fokus lag vielmehr auf einer angeblichen &bdquo;Rechtsoffenheit&ldquo; bis hin zu Querfront-Unterstellungen, denen gern noch &bdquo;Putin-irgendwas&ldquo;-Vorw&uuml;rfe beigef&uuml;gt wurden. Verst&auml;rkend &auml;u&szlig;erten sich in gr&ouml;&szlig;erer Anzahl einzelne Journalisten, Politiker, Politikberater, Milit&auml;rexperten und sonstige mehr oder weniger prominente Personen fast durchg&auml;ngig abwertend gegen&uuml;ber der Petition wie auch der Demonstration sowie den beiden Hauptprotagonistinnen Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht.<\/p><p>Dabei reichte die Ablehnung in ihrer mildesten Form von der Infragestellung der Motive f&uuml;r das Ergreifen der Friedensinitiative &uuml;ber verletzende &Auml;u&szlig;erungen &uuml;ber die einzelnen Personen bis hin zu <a href=\"https:\/\/exxpress.at\/putins-f-standard-mitarbeiter-befetzt-wagenknecht-und-feministin-schwarzer\/\">&uuml;belsten Verbalinjurien<\/a>. Dabei bedient man sich Behauptungen und unbewiesener Unterstellungen, die als Fakten deklariert werden, und schreckt nicht einmal vor <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94511\">nachweisbaren Falschbehauptungen<\/a> zur&uuml;ck. All dies ist in der Mehrzahl ad hominem angelegt und hat, wenn &uuml;berhaupt, nur marginalen Bezug zu den Sachthemen.<\/p><p>Dass dies allzu h&auml;ufig gerade genau durch jene Akteure erfolgt, die ansonsten bedeutungsschwer &bdquo;Hass-Sprache&ldquo; im Internet und den sozialen Medien beklagen, ist umso beachtenswerter. Dass eine Diskussion inzwischen in der &Ouml;ffentlichkeit auf eine solche Art gef&uuml;hrt wird (und gef&uuml;hrt werden kann), ohne dass dies einen energisch gef&uuml;hrten Widerspruch in der &Ouml;ffentlichkeit nach sich zieht, zeigt f&uuml;r jedermann sichtbar, wie erheblich die Verrohung in unserer Gesellschaft vorangeschritten ist, die ja bei jeder sich bietenden Gelegenheit als &bdquo;wertegeleitet&ldquo; bezeichnet wird. Kann sich eine derartige Debatte &uuml;berhaupt erst entfalten &ndash; und bleibt zudem ohne Folgen &ndash; dann haben die vielger&uuml;hmten Werte eine schwere Schlagseite.<\/p><p>Doch es ist nicht nur die Heftigkeit der Diffamierung, die diese &ouml;ffentliche Auseinandersetzung von vorherigen Debatten abhebt. Es ist auch die Einheitlichkeit des Angriffs auf die Petition und ihre Unterzeichner, auf die Demonstration samt deren Teilnehmer sowie die beiden Hauptinitiatorinnen Schwarzer und Wagenknecht. Zum einen geht es um die Medien an sich. Das Spektrum der kritisierenden bis diffamierenden Medien reicht von den &ouml;ffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern &uuml;ber bundesweite, regionale und lokale Tageszeitungen bis hin zu Meldungen und Kommentaren auf Portalen diverser E-Mail-Provider.<\/p><p>Und in all diesen wiederum werden fast s&auml;mtliche Formate mit der Kampagne abgedeckt. Dass Tagesnachrichten sich einem brisanten Thema widmen, ist nat&uuml;rlich selbstverst&auml;ndlich. Wenn diese Nachrichten jedoch durchg&auml;ngig wertend und h&auml;ufig in der Form eines Kommentars daherkommen, widerspricht dies journalistischen Standards. Doch es sind ja keineswegs nur Nachrichtenformate, die dieses Thema bearbeiten. Die Angriffe finden ihre Fortsetzung, indem s&auml;mtliche (!) Talkshow-Formate dieses Thema aufgreifen und dort einseitig, oft gar unter Nutzung von unbewiesenen Behauptungen und Unterstellungen bis hin zu falschen Informationen die &ouml;ffentliche Meinung zu formen versuchen.<\/p><p>Einen besonders absurden H&ouml;hepunkt bildet die Tatsache, dass anschlie&szlig;end gegen diese Talkshows der Vorwurf einer &bdquo;false balance&ldquo; erhoben wird. Und zwar nicht, wie man es jetzt erwarten k&ouml;nnte, dass die Zusammensetzung der Talkshowg&auml;ste kritisiert wird, weil da fast durchg&auml;ngig einem Kritiker bestimmter gesellschaftlicher Umst&auml;nde in der Regel drei Verteidiger, zzgl. einem voreingenommenen und damit einseitig zu verortenden Moderator, gegen&uuml;bersitzen. Nein, die Teilnahme des Kritikers selbst wird als falsche Ausgewogenheit betrachtet. Wohl dem, der darin noch einen von Meinungspluralismus gekennzeichneten Debattenraum zu erkennen vermag.<\/p><p>Doch es sind nicht nur Nachrichtensendungen und Talkshows, die sich unisono abwertend &uuml;ber die Friedenspetition und die Demonstration auslassen. Es setzt sich nahtlos in Politik-Magazinen, Verbraucher-Magazinen und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94699\">Satiresendungen<\/a> fort. Ist das eine Sendeformat beendet, folgt ein anderes, das mit gleichem Tenor die Kampagne fortf&uuml;hrt. Ein Entkommen ist unm&ouml;glich. Schl&auml;gt man die Zeitungen auf, liest man die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94355\">Online-Ausgaben diverser Zeitungen<\/a> &ndash; &uuml;berall dasselbe Spiel. Die Gleichf&ouml;rmigkeit der &bdquo;Berichterstattung&ldquo; hat ein unertr&auml;gliches Ausma&szlig; erreicht.<\/p><p>Wie komme ich nun nach all dem dazu, die Medienberichterstattung der letzten Wochen zu begr&uuml;&szlig;en? Ganz einfach. Diesmal haben die Medien endg&uuml;ltig &uuml;berzogen. Es gab in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder &ouml;ffentliche Debatten, bei denen ich mich an der mangelnden Ausgewogenheit gesto&szlig;en habe. Bei sozialen Themen, der Einf&uuml;hrung der Agenda 2010, den Kriegen in Jugoslawien, Afghanistan, Syrien und anderswo, den verschiedenen Freihandelsabkommen und nicht zuletzt dem alles bestimmenden Thema der letzten drei Jahre, Corona. Dennoch gab es immer wieder zumindest journalistische Einsprengsel, die andere Sichtweisen zugelassen und selbst get&auml;tigt haben. Auch wenn sie oftmals nicht viel mehr als das demokratische Feigenblatt darstellten, da sie sehr marginal waren.<\/p><p>Was jetzt jedoch zu erleben ist, hat eine neue Qualit&auml;t. Diese extreme Einf&ouml;rmigkeit, gepaart mit einer enormen Vehemenz, bleibt den B&uuml;rgern in diesem Land auch nicht verborgen. Viele sind dadurch aufgeschreckt. Erschreckt. Und das zu Recht. Denn aus diesen Erscheinungen grinsen totalit&auml;re Z&uuml;ge, die sich noch vor wenigen Jahren niemand in diesem Land h&auml;tte vorstellen k&ouml;nnen. Selbst ich nicht, der schon immer ein kritischer Geist gegen&uuml;ber vorherrschenden Dogmen war und auch noch bin.<\/p><p>Es gibt eine Menge Gr&uuml;nde, weshalb ich 1989 in Leipzig f&uuml;r ein anderes Land auf die Stra&szlig;e gegangen bin. Einer davon war: Die Partei, die Partei hat immer recht.<\/p><p>Titelbild: Kastoluza \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Empfinden Sie, liebe Leserinnen und Leser, die vorstehende &Uuml;berschrift als Zumutung? Gemach, gemach. Urteilen Sie nicht vorschnell. Es gibt Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Bewertung. Gr&uuml;nde, die Teile der Medien verunsichern k&ouml;nnten, um einen fr&uuml;heren Innenminister leicht abgewandelt zu zitieren. Ich verspreche Ihnen, am Ende des Textes werden Sie meine Einsch&auml;tzung nachvollziehen, wenn nicht gar teilen k&ouml;nnen.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94738\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":85648,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,123,183],"tags":[3058,2947,1544,2269,2422],"class_list":["post-94738","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-diffamierung","tag-herdenjournalismus","tag-kampagnenjournalismus","tag-konformitaetsdruck","tag-verrohung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/shutterstock_2118057515.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=94738"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94744,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94738\/revisions\/94744"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85648"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=94738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=94738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=94738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}