{"id":94748,"date":"2023-03-08T09:22:25","date_gmt":"2023-03-08T08:22:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94748"},"modified":"2023-03-08T16:25:55","modified_gmt":"2023-03-08T15:25:55","slug":"schein-und-sein-die-lage-in-syrien-nach-dem-erdbeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94748","title":{"rendered":"Schein und Sein &#8211; Die Lage in Syrien nach dem Erdbeben"},"content":{"rendered":"<p>In den fr&uuml;hen Morgenstunden des 7. M&auml;rz hat die israelische Luftwaffe den Flughafen von Aleppo bombardiert. Die Raketen waren nach Angaben des syrischen Milit&auml;rs westlich der Hafenstadt Latakia &uuml;ber dem Mittelmeer abgefeuert worden. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, hie&szlig; es in arabischen Medien. Israel &auml;u&szlig;erte sich nicht. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/flughafen-in-aleppo-ausser-betrieb-100.html\">Deutsche Nachrichten gaben an<\/a>, Israel wolle verhindern, &bdquo;dass der Iran eine permanente milit&auml;rische Pr&auml;senz in Syrien aufbaut&ldquo;. Iran nutze die Flugrouten &bdquo;f&uuml;r Waffenlieferungen an Verb&uuml;ndete in Syrien und im Libanon&ldquo;. Belege daf&uuml;r gibt es nicht. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1220\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94748-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230308-Die-Lage-in-Syrien-nach-dem-Erdbeben-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230308-Die-Lage-in-Syrien-nach-dem-Erdbeben-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230308-Die-Lage-in-Syrien-nach-dem-Erdbeben-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230308-Die-Lage-in-Syrien-nach-dem-Erdbeben-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94748-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230308-Die-Lage-in-Syrien-nach-dem-Erdbeben-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230308-Die-Lage-in-Syrien-nach-dem-Erdbeben-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Aufgrund der Sch&auml;den an den Start- und Landebahnen wurde der Betrieb auf dem Flughafen Aleppo eingestellt. Damit stoppt die internationale Hilfe f&uuml;r die Erdbebenopfer in Aleppo und Umgebung. Auf dem Flughafen von Aleppo waren in den letzten Wochen viele Hilfsfl&uuml;ge aus arabischen und asiatischen L&auml;ndern gelandet. T&auml;glich landeten Hilfsfl&uuml;ge aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus Saudi-Arabien, die viele Jahre mit Geld und Waffen den Sturz der syrischen Regierung befeuert hatten. Die Not nach dem Erdbeben bietet den reichen Golfstaaten die M&ouml;glichkeit, ihre Kontakte zu Damaskus wieder zu normalisieren. <\/p><p>Der mit Syrien verb&uuml;ndete Iran geh&ouml;rte mit Irak und dem Libanon zu den Ersten, die Hilfe nach Syrien schickten. Iran ist erdbebenerfahren und konnte mit Rettungsteams, schwerem Ger&auml;t und mit medizinischer Versorgung helfen. Bei Jibreen, am &ouml;stlichen Rand von Aleppo, werden von den Irakischen Volksmobilisierungseinheiten (Al Hashd as Shaabi, PMF) 500 Fertigh&auml;user <a href=\"https:\/\/english.almayadeen.net\/news\/politics\/pmf-builds-temporary-housing-units-for-syrians-affected-by-e\">gebaut<\/a>, die 500 obdachlosen Familien bis auf Weiteres ein Dach &uuml;ber dem Kopf geben.<\/p><p><strong>Die Erdbebenkatastrophe<\/strong><\/p><p>Vier Wochen ist es her, dass die Menschen im t&uuml;rkisch-syrischen Grenzgebiet, entlang der &ouml;stlichen Mittelmeerk&uuml;ste bis nach Gaza, ein schreckliches Erdbeben erlebten, dem wenig sp&auml;ter ein zweites Beben folgte. Die Epizentren lagen im S&uuml;dosten der T&uuml;rkei bei Kahramanmaras und bei Gaziantep.<\/p><p>Mehr als 51.000 Menschen verloren ihr Leben, Hunderttausende sind verletzt und obdachlos, die Zahl der Vermissten ist unbekannt. UNICEF gibt an, dass 850.000 Kinder in den Erdbebengebieten diesseits und jenseits der Grenze ihr Zuhause verloren. Die Erde in dem Gebiet kommt nicht zur Ruhe, mehr als 10.000 Nachbeben wurden registriert.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230308-Syrien-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230308-Syrien-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die Weltbank <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2023\/02\/28\/earthquake-direct-damage-in-syria-estimated-at-5-1-billion-in-areas-already-severely-ravaged-by-long-conflict-and-displa\">sch&auml;tzt<\/a> den reinen Sachschaden in der T&uuml;rkei auf mindestens 34,2 Milliarden US-Dollar (rund 32,4 Milliarden Euro). In Syrien geht die Weltbank von einem Schaden von mindestens 5,1 Milliarden US-Dollar (4,8 Milliarden Euro) aus. Die Wiederaufbaukosten k&ouml;nnten doppelt so hoch sein. Etwa die H&auml;lfte des Gesamtschadens seien demnach Sch&auml;den an Wohngeb&auml;uden, etwa ein Drittel betreffe Nichtwohngeb&auml;ude. Knapp ein F&uuml;nftel sei &ouml;ffentliche und zivile Infrastruktur wie Stra&szlig;en, Strom- und Wasserversorgung. Die Aufstellung ist vorl&auml;ufig.<\/p><p><strong>Geisterdebatte in Deutschland<\/strong><\/p><p>Die Katastrophe erfordert umfassende Hilfe, die aus allen Teilen der Welt diesseits und jenseits der Grenze eintraf. Doch w&auml;hrend Dutzende L&auml;nder ihre Hilfe in beide L&auml;nder schickten und ihr Mitgef&uuml;hl und ihre Solidarit&auml;t bekundeten, begann in Deutschland eine Geisterdebatte &uuml;ber Syrien.<\/p><p>Politiker und Medien spalteten die syrischen Erdbebenopfer in zwei Kategorien. Da waren diejenigen, die &bdquo;in regime-kontrollierten Gebieten&ldquo; lebten, und die anderen, die &bdquo;in Gebieten unter Kontrolle von Rebellen im Nordwesten&ldquo; lebten. Eine ehemalige ARD-Korrespondentin in Damaskus (2001-2008) und Nahost-Expertin kam in zahlreichen <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/audio\/wdr5\/wdr5-mittagsecho\/audio-situation-in-syrien-drei-wochen-nach-den-erdbeben-100.html\">Interviews<\/a> in Funk, Fernsehen und in den Printmedien zu Wort. &bdquo;Das Assad-Regime bestimmt, wem geholfen wird und wem nicht&ldquo;, so die Journalistin. Die &bdquo;Hilfsg&uuml;ter (werden) in Warenh&auml;usern des Regimes&ldquo; gestapelt und sp&auml;ter verkauft. Das &bdquo;Assad-Regime&ldquo; versuche, die &bdquo;Erdbebenhilfe f&uuml;r sich zu nutzen&ldquo;, und das &bdquo;Regime&ldquo; bekomme &bdquo;tonnenweise Hilfslieferungen&ldquo;, die t&auml;glich auf den syrischen Flugh&auml;fen Damaskus, Aleppo und Latakia landeten. &bdquo;Der ganz gro&szlig;e Teil der Hilfe geht an das Assad-Regime&ldquo;, sagte sie. Obwohl &bdquo;die Mehrheit der Erdbebenopfer in Syrien gar nicht in den Regime-Gebieten lebt, sondern in den oppositionell kontrollierten Gebieten &ndash; n&auml;mlich mehr als 80 Prozent&ldquo;. Bei diesen Menschen &bdquo;kommt diese Hilfe nicht an.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Assad erpresst die UN&ldquo; titelte die FAS (19. Februar 2023) einen Meinungsbeitrag ihres Korrespondenten. Der syrische Pr&auml;sident missbrauche die humanit&auml;re Hilfe, &bdquo;um seine Herrschaft zu zementieren&ldquo;, hie&szlig; es in dem Beitrag. &bdquo;Das Regime zweigt dreist Geld und G&uuml;ter von der UN-Hilfe ab.&ldquo; <\/p><p>Und die langj&auml;hrige Damaskus-Korrespondentin der ARD sagte, sie &bdquo;bekomme Berichte aus den betroffenen Gebieten (&hellip;) unter Regimekontrolle, dass Menschen dort auch gar nicht vom Regime geholfen wird&ldquo;. Sie habe Berichte dar&uuml;ber, dass &bdquo;die Hilfsg&uuml;ter direkt in die Warenh&auml;user des Regimes gehen und dann verkauft werden&ldquo;. Die Menschen m&uuml;ssten sich untereinander helfen, und das hei&szlig;e: &bdquo;Assad ist eben nicht der Ansprechpartner.&ldquo;<\/p><p>Die Journalistin, die selbst nicht aus Syrien berichtet, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/die-folgen-des-erdbebens-in-syrien-kristin-helberg-journalistin-dlf-18c970f1-100.html\">beschuldigt dar&uuml;ber hinaus die UNO<\/a>, sie habe &bdquo;die Menschen im Stich gelassen&ldquo;. Sie habe zu sp&auml;t gehandelt, die Passage der Hilfsg&uuml;ter aus der T&uuml;rkei &uuml;ber drei Grenz&uuml;berg&auml;nge aus der T&uuml;rkei sei zu langsam und zu b&uuml;rokratisch. Man wisse &bdquo;sehr genau&ldquo;, wie es in Nordsyrien aussehe, weil man die Informationen von &bdquo;nicht-staatlichen Organisationen&ldquo; erhalte. Als Beispiel nennt sie die Hilfsorganisation &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo;, die in Idlib verschiedene Notfallkliniken betreibe. Die Organisation nutze keinen der &bdquo;drei autorisierten Grenz&uuml;berg&auml;nge, weil es viel zu umst&auml;ndlich ist. Es dauert ewig, von den UN dort gr&uuml;nes Licht zu bekommen.&ldquo; Daher f&uuml;hren die &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; mit einem Konvoi &uuml;ber einen anderen, s&uuml;dlicheren Grenz&uuml;bergang, so die Journalistin: &bdquo;Dort kann man einfach r&uuml;berfahren, das ist eben nicht von den UN kontrolliert.&ldquo; Und so machten es &bdquo;auch andere Organisationen&ldquo;, die in der Region mit Partnern arbeiteten.<\/p><p><strong>Warum die UNO Hilfslieferungen aus der T&uuml;rkei nach Idlib kontrolliert<\/strong><\/p><p>Zur journalistischen Arbeit geh&ouml;rt, die Lage zu erkl&auml;ren. Und um die politische Lage entlang der t&uuml;rkisch-syrischen Grenze und an den Grenz&uuml;berg&auml;ngen zu verstehen, sei hier auf die UN-Sicherheitsratsresolution 2254 verwiesen, die als Grundlage f&uuml;r eine politische L&ouml;sung in Syrien gilt. Diese Resolution betont die &bdquo;Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t&ldquo; Syriens. Besatzung, Land- und Ressourcenraub im Norden, Nordwesten und Nordosten Syriens verletzten sowohl die Souver&auml;nit&auml;t als auch die territoriale Integrit&auml;t Syriens. Die Grenz&uuml;berg&auml;nge (in die T&uuml;rkei) werden auf syrischer Seite nicht von der syrischen Regierung, sondern von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Darunter ist auch der Al-Qaida-Ableger Hay&rsquo;at Tahrir al Scham (vorher Nusra Front), der Idlib kontrolliert und international als Terrororganisation gelistet ist.<\/p><p>Um w&auml;hrend des Krieges Hilfsg&uuml;ter (u.a.) aus der T&uuml;rkei &uuml;ber die Grenze nach Idlib zu transportieren, wurde mit einer Sonderresolution des UN-Sicherheitsrates &uuml;ber &bdquo;grenz&uuml;berschreitende Hilfe&ldquo; die Souver&auml;nit&auml;t Syriens au&szlig;er Kraft gesetzt. Syrien lehnt die Ma&szlig;nahme ab und erreichte zumindest, dass diese Transporte von der UN kontrolliert werden m&uuml;ssen. Zuletzt war die UNSR-Resolution f&uuml;r grenz&uuml;berschreitende Hilfe am 9. Januar 2023 f&uuml;r sechs Monate <a href=\"https:\/\/press.un.org\/en\/2023\/sc15168.doc.htm\">verl&auml;ngert worden<\/a>.<\/p><p>Der Grund f&uuml;r die genauen UN-Kontrollen der Lastwagen ist, dass Waffenlieferungen unterbunden werden sollen. Dass Waffen auch mit Hilfsg&uuml;tern geschmuggelt werden, wei&szlig; man nicht erst, seit italienische Flughafenarbeiter im M&auml;rz 2022 am Galilei-Flughafen Pisa (Italien) Waffenlieferungen in die Ukraine <a href=\"https:\/\/global.ilmanifesto.it\/italian-airport-workers-refused-to-load-weapons-bound-for-ukraine\/\">stoppten<\/a>.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230308-Syrien-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230308-Syrien-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Im Februar 2012 <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2012\/feb\/11\/syria-french-surgeon-saves-lives\">berichtete<\/a> ein franz&ouml;sischer Arzt, der f&uuml;r &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; illegal nach Homs gereist war, &bdquo;um zu helfen&ldquo;, dass er in einem Fahrzeug von K&auml;mpfern aus dem Libanon nach Syrien geschmuggelt worden sei. Sein Arztbesteck habe dabei neben einer Kiste mit Raketenwerfern gestanden.<\/p><p><strong>Erdbebenhilfe f&uuml;r Syrien<\/strong><\/p><p>Gibt man das Stichwort &bdquo;Erdbebenhilfe f&uuml;r Syrien&ldquo; bei Google ein, reihen sich Spendenaufrufe von Hilfsorganisationen aneinander. Eine deutsche Mitarbeiterin des Kurdischen Roten Halbmonds, der von einer deutschen Hilfsorganisation unterst&uuml;tzt wird, begleitete einen Konvoi aus der nordsyrischen Stadt Qamishli in die Provinz von Aleppo nach Shehba\/Tell Rifaat. Dort leben seit Jahren kurdische Familien aus Afrin, die im Januar 2018 von der T&uuml;rkei vertrieben worden waren. <\/p><p>Tagelang sei der Konvoi an einem Kontrollpunkt der syrischen Armee aufgehalten worden, hei&szlig;t es in dem <a href=\"https:\/\/www.medico.de\/blog\/schwierige-hilfe-in-aleppo-18983\">Bericht<\/a>. Die Soldaten h&auml;tten die Herausgabe von Hilfsg&uuml;tern gefordert. Erst die Intervention von h&ouml;chster UN-Stelle in Genf habe schlie&szlig;lich die Weiterfahrt erm&ouml;glicht.<\/p><p>Wer mit den &ouml;rtlichen Gegebenheiten der Region nicht vertraut ist, kann den Bericht nur so verstehen, dass die syrische Armee sich an der humanit&auml;ren Hilfe bereichern und verhindern wollte, dass die Hilfe bei den Erdbebenopfern ankomme. Tats&auml;chlich aber gibt es in dem Gebiet, das der Konvoi vermutlich durchfahren hat, viele Frontlinien und Checkpoints. Um sich dort zu bewegen, ben&ouml;tigt man Genehmigungen und Absprachen zahlreicher bewaffneter Akteure: von den kurdisch gef&uuml;hrten Syrischen Demokratischen Kr&auml;ften (SDF), von der US-Armee, von der russischen Milit&auml;rpolizei, von der syrischen Armee, von der T&uuml;rkei, von der von der T&uuml;rkei finanzierten Nationalen Syrischen Armee, von der Nusra Front, heute Hay&rsquo;at Tahrir al Scham, um nur einige zu nennen. Hinter allen stehen verschiedene Geheimdienste, und alle versuchen, mehr oder weniger Geb&uuml;hren von jedem Hilfskonvoi zu kassieren.<\/p><p>Wenig wurde dar&uuml;ber berichtet, was der Chef des Weltern&auml;hrungsprogramms (WFP), David Beasley, am Rande der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/wfp-boss-warns-bottlenecks-northwest-syria-cash-running-out-2023-02-18\/\">erkl&auml;rte<\/a>. Auf Regierungsebene h&auml;tten Syrien und die T&uuml;rkei gut kooperiert, um Hilfslieferungen in alle betroffenen Gebiete in Syrien zu erm&ouml;glichen. Probleme gebe es allerdings mit den &bdquo;Autorit&auml;ten im Nordwesten&ldquo; Syriens. Sie blockierten die Durchfahrt von Hilfstransporten, die aus Syrien k&auml;men, sagte Beasley. Er wisse nicht, warum sie blockierten, das f&uuml;hre zu Engp&auml;ssen bei der Verteilung der Hilfsg&uuml;ter. &bdquo;Warum spielen sie jetzt solche Spiele? Ich fordere sie auf, das zu unterlassen, und werde dazu nicht schweigen.&ldquo;<\/p><p><strong>Was in Syrien wirklich geschieht<\/strong><\/p><p>Am 10. Februar entschied die syrische Regierung, dass die Verteilung der humanit&auml;ren Hilfsg&uuml;ter vom Obersten Komitee f&uuml;r Hilfe &uuml;bernommen und kontrolliert wird. Dem Komitee geh&ouml;ren der Syrische Arabische Rote Halbmond (SARC), die UN-Organisationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) an. Von Regierungsseite sind das Gesundheitsministerium und das Ministerium f&uuml;r die lokale Verwaltung und Umwelt zust&auml;ndig. <\/p><p>Am 13. Februar stimmte Assad in Damaskus bei einem Gespr&auml;ch mit dem Leiter des UN-Nothilfeprogramms (OCHA), Martin Griffiths, zu, dass zwei weitere Grenz&uuml;berg&auml;nge aus der T&uuml;rkei &ndash; Bab al Salam und Al Ra&rsquo;ee &ndash; f&uuml;r den Transport von Hilfsg&uuml;tern aus der T&uuml;rkei genutzt werden k&ouml;nnen, um Hilfe in die Gebiete zu bringen, die nicht von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Diese Zusage wurde vom syrischen Parlament best&auml;tigt und ist auf drei Monate befristet. <\/p><p>Ebenfalls am 13. Februar (NY-Ortszeit) hie&szlig; es in einem <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/whatsinblue\/2023\/02\/syria-private-meeting-and-closed-consultations.php\">Vorbericht<\/a> zu einem UN-Sicherheitsratstreffen, dass die syrische Regierung am 10. Februar ein Dekret erlassen habe, wonach ein nationaler Fonds f&uuml;r den Wiederaufbau der vom Erdbeben betroffenen Gebiete in Aleppo, Latakia, Hama und Idlib eingerichtet worden sei. Das Dekret beinhaltet auch, dass humanit&auml;re Hilfe &uuml;ber innersyrische Frontlinien (in Gebiete unter Kontrolle von bewaffneten Regierungsgegnern) gebracht werden sollen. Dies soll in Koordination mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond (SARC) und den UN-Hilfsorganisationen geschehen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230308-Syrien-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230308-Syrien-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>In einem ersten Bericht des Obersten Komitees f&uuml;r Hilfe hei&szlig;t es, dass 91.794 Familien, insgesamt 414.304 Personen, registriert worden seien. 1.553 Personen seien lebend aus den Tr&uuml;mmern geborgen worden, sechs Personen w&uuml;rden noch vermisst. 4.444 Geb&auml;ude seien nicht stabil genug, um Menschen zu beherbergen. 29.751 Geb&auml;ude m&uuml;ssten restauriert werden. Weitere 30.113 Geb&auml;ude seien vom Erdbeben betroffen, aber stabil genug, um Menschen aufzunehmen. 292 H&auml;user seien abgerissen worden. Die Untersuchung der H&auml;user sei abgeschlossen, neue Unterk&uuml;nfte w&uuml;rden gebaut. Die Hilfsg&uuml;ter werden an die betroffenen Familien auf der Grundlage einer neu geschaffenen Datenbank verteilt. <\/p><p><strong>Nachrichten aus Syrien<\/strong><\/p><p>In verschiedenen Telefonaten soll die Darstellung in deutschen Medien mit der Realit&auml;t in Syrien &uuml;berpr&uuml;ft werden. Ein Gespr&auml;chspartner ist Elia S., der Mitglied der oppositionellen Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei (SSNP) ist. Die in den 1930er-Jahren von Antoun Saadeh gegr&uuml;ndete Partei gibt es heute im Libanon und in Syrien und ist in vier Fl&uuml;gel gespalten. Die SSNP, der Elia S. in Syrien angeh&ouml;rt, hat einen Fonds f&uuml;r Studierende aufgelegt, deren Familien vom Erdbeben betroffen sind. Die Parteimitglieder spenden, um die Studierenden finanziell zu unterst&uuml;tzen. <\/p><p>Auf die Frage, ob es zutreffe, dass &bdquo;Assad Hilfsg&uuml;ter in Lagern&ldquo; verstaue, um sie dann zu verkaufen, antwortet Elia S. mit einer Gegenfrage: &bdquo;Was ist mit &bdquo;Assads Lagern&ldquo; gemeint? Wenn damit die Lager des Gesundheitsministeriums, des Ministeriums f&uuml;r Lokale Administration und des SARC (Syrischer Arabischer Roter Halbmond) gemeint sind, lautet die Antwort: Ja, das ist richtig. Hilfsg&uuml;ter werden in Lagerh&auml;usern zwischengelagert und von dort weiter verteilt. Weil es anfangs keine zentrale Kontrolle bei der Verteilung der Hilfsg&uuml;ter gab, gab es beispielsweise an manchen Orten sehr viel Reis, aber kein Milchpulver. An anderen Orten war es umgekehrt. Jetzt gibt es ein Komitee, dem Vertreter der Ministerien (Gesundheit, Lokale Administration), SARC, die UNO und das IKRK angeh&ouml;ren. Die Unterbringung in den Lagerh&auml;usern ist vor&uuml;bergehend, die Hilfsg&uuml;ter werden t&auml;glich verteilt.&ldquo;<\/p><p>Einige Personen, die der (bewaffneten) Opposition nahest&uuml;nden, beschuldigten Assad, sich zu bereichern. Das treffe nicht zu, die Verteilung der Hilfsg&uuml;ter sei inzwischen gut organisiert. Ja, es sei richtig, dass die Gebiete, die nicht unter Regierungskontrolle seien, anfangs z&ouml;gerlich versorgt worden seien und insgesamt weniger Hilfe erhalten h&auml;tten. Die Zufahrtsstra&szlig;en (aus der T&uuml;rkei, kl) seien durch das Erdbeben besch&auml;digt worden, zudem habe es unter den bewaffneten Gruppen Streit &uuml;ber die Humanit&auml;re Hilfe gegeben. Wenn die Hilfslieferungen einmal die innersyrischen Frontlinien passiert h&auml;tten, habe die syrische Regierung keine Kontrolle mehr dar&uuml;ber. Man habe Kontakt zu Menschen in den Gebieten, die best&auml;tigt h&auml;tten, dass es keine Kontrolle bei der Verteilung der Hilfe gebe. <\/p><p>Auf die Frage, ob Hilfsg&uuml;ter gestohlen w&uuml;rden, antwortet Elia S.: &bdquo;Ja, es gibt Menschen, die sich bereichert haben. Weil es anfangs keine Kontrolle gab, gingen die Menschen von einer Verteilstelle zur n&auml;chsten und nahmen mit, was sie bekommen konnten. Was sie nicht f&uuml;r sich nutzten, haben sie verkauft. Inzwischen ist die Kontrolle gut, die Menschen m&uuml;ssen sich f&uuml;r die Hilfe registrieren und k&ouml;nnen nicht an beliebig vielen Verteilstellen etwas bekommen.&ldquo;<\/p><p>Allerdings d&uuml;rfe man auch nicht vergessen, wie schlecht die Lebensverh&auml;ltnisse der Menschen in Syrien seien. T&auml;glich w&uuml;rden Produkte teurer, die monatlichen Einkommen selbst von staatlichen Angestellten oder den Soldaten der Armee betr&uuml;gen nicht mehr als 25, 30 US-Dollar. &bdquo;Ja, es wird gestohlen, f&uuml;r sich und ihre Angeh&ouml;rigen.&ldquo;<\/p><p>Auf die Frage, ob es zutreffe, dass &bdquo;Assad die UN erpresst&ldquo;, antwortet Elia S., das sei komplett unkorrekt und eine &bdquo;politisch gef&auml;rbte&ldquo; Behauptung. &bdquo;Jede Regierung muss kontrollieren, was ins Land gebracht wird. Und jede Regierung hat dazu auch das Recht.&ldquo; Im &Uuml;brigen sei es schon w&auml;hrend des Krieges so gewesen, dass &bdquo;jede Seite die andere Seite beschuldigt&ldquo;, Hilfsg&uuml;ter zu stehlen. Er habe die M&ouml;glichkeit, mit Menschen in Idlib und Afrin zu sprechen, und die berichteten, dass es unter den bewaffneten Gruppen viel Konkurrenz gebe. Jeder wolle die Kontrolle &uuml;ber die Hilfsg&uuml;ter haben, um Einfluss auszubauen.<\/p><p>Auf die Frage, ob es zutreffe, dass die &uuml;berwiegende Mehrheit der Erdbebenopfer &ndash; &bdquo;mehr als 80 Prozent&ldquo; &ndash; in Idlib lebten, antwortet Elia S. erneut mit einer Nachfrage: &bdquo;Man muss fragen, wie &bdquo;betroffen sein&ldquo; definiert wird. Je nachdem unterscheiden sich die Zahlen. Dass 80 Prozent in Idlib leben sollen, ist eine politische Aussage und soll erreichen, dass die Menschen dort mehr Aufmerksamkeit und mehr Hilfe bekommen sollen. Die Realit&auml;t ist so, dass fast alle Syrer betroffen sind &ndash; wenn nicht direkt, dann indirekt.&ldquo;<\/p><p>Ein anderer Gespr&auml;chspartner, George B., der mit kirchlichen Vertretern arbeitet, die Hilfe in alle vom Erdbeben betroffenen Landesteile schicken, berichtet, was der Leiter einer Notunterkunft in Aleppo ihm vorgerechnet habe: &bdquo;Nehmen wir an, in einer Schule sind 1.000 Erdbebenopfer untergebracht. Sie brauchen drei Mal am Tag etwas zu essen. Dazu kommen Kleidung und Hygieneartikel. Sie brauchen Matratzen und Decken. Sie brauchen &Ouml;fen zum Heizen und etwas zum Kochen. Normalerweise wird bei uns mit Gas gekocht, doch das gibt es nicht. &Ouml;l und Gas sind knapp und teuer. Alles wird nicht nur an einem Tag, sondern Monat um Monat gebraucht.&ldquo; Was immer an Hilfsg&uuml;tern geschickt werde, so das Fazit von George B., &bdquo;es ist nicht genug&ldquo;.<\/p><p>Nachtrag: Kurz vor Abgabe des Textes erreicht die Autorin eine Nachricht aus Aleppo. Der Absender ist Dr. Emile, der ein Krankenhaus leitet und in den letzten Tagen immer wieder Fotos der Menschen geschickt hat, die nach dem Erdbeben ohne Unterkunft sind. &bdquo;Hallo, liebe Freunde! Ich hoffe, dass es Euch gut geht. Abgesehen von den t&auml;glichen Ersch&uuml;tterungen, die uns an das gro&szlig;e Erdbeben vom 6. Februar erinnern, bombardierte die israelische Luftwaffe gestern Nacht um 2 Uhr den Flughafen von Aleppo, auf dem humanit&auml;re Hilfe ankam. Sie bringen L&auml;rm und Zerst&ouml;rung in dieser katastrophalen Lage, in der die Menschen sich befinden. Das alles h&auml;tten wir nicht gebraucht.&ldquo;<\/p><p>Titelbild und Bilder: &copy; Lama Khaly, Aleppo<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den fr&uuml;hen Morgenstunden des 7. M&auml;rz hat die israelische Luftwaffe den Flughafen von Aleppo bombardiert. Die Raketen waren nach Angaben des syrischen Milit&auml;rs westlich der Hafenstadt Latakia &uuml;ber dem Mittelmeer abgefeuert worden. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, hie&szlig; es in arabischen Medien. Israel &auml;u&szlig;erte sich nicht. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/flughafen-in-aleppo-ausser-betrieb-100.html\">Deutsche Nachrichten gaben an<\/a>, Israel wolle<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94748\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":94749,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,11],"tags":[1516,2222,1557,979,1553,950,639],"class_list":["post-94748","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-al-assad-baschar","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-naturkatastrophe","tag-syrien","tag-tuerkei","tag-uno"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/230308_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=94748"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94748\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94794,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/94748\/revisions\/94794"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/94749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=94748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=94748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=94748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}