{"id":94846,"date":"2023-03-10T09:00:24","date_gmt":"2023-03-10T08:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94846"},"modified":"2023-03-10T16:54:55","modified_gmt":"2023-03-10T15:54:55","slug":"diese-anti-russische-haltung-sitzt-wie-ein-geschwuer-in-vielen-koepfen-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94846","title":{"rendered":"\u201eDiese anti-russische Haltung sitzt wie ein Geschw\u00fcr in vielen K\u00f6pfen fest\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das Innenministerium (BMI) unter Nancy Faeser setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, um einen Ausschluss russischer und belarussischer Sportler bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu erreichen. Dabei schreckt es nicht davor zur&uuml;ck, massiven Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) und den Deutschen Olympischen Sportbund e.V. (DOSB) aufzubauen. Doch dagegen regt sich Widerstand. Der Trainer und Extremsportler <strong>Marco Henrichs<\/strong>, unterst&uuml;tzt von namhaften Sportlern (darunter Olympiasieger, Welt- und Europameister) hat eine <a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/kein-ausschluss-russischer-belarussischer-athleten-von-den-olympischen-spielen-2024?recruiter=1262142269&amp;recruited_by_id=9cc06b20-c077-11ec-9e7d-2bb6495aeb03&amp;utm_source=share_petition&amp;utm_campaign=share_for_starters_page&amp;utm_medium=copylink&amp;mibextid=Zxz2cZ\">Petition<\/a> ins Leben gerufen, die das Bundesinnenministerium aufruft, dieses Vorgehen einzustellen und auf den Boden der Olympischen Charta zur&uuml;ckzukehren. Im Interview mit den NachDenkSeiten erl&auml;utert Henrichs unter anderem, wie das BMI damit gegen olympische Vertragswerke verst&ouml;&szlig;t und wie diese Art der praktizierten Doppelmoral derzeit Deutschland &bdquo;zur Lachnummer im Weltsport&ldquo; macht. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_543\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94846-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310_Diese_anti_russische_Haltung_sitzt_wie_ein_Geschwuer_in_vielen_Koepfen_fest_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310_Diese_anti_russische_Haltung_sitzt_wie_ein_Geschwuer_in_vielen_Koepfen_fest_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310_Diese_anti_russische_Haltung_sitzt_wie_ein_Geschwuer_in_vielen_Koepfen_fest_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310_Diese_anti_russische_Haltung_sitzt_wie_ein_Geschwuer_in_vielen_Koepfen_fest_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94846-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310_Diese_anti_russische_Haltung_sitzt_wie_ein_Geschwuer_in_vielen_Koepfen_fest_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230310_Diese_anti_russische_Haltung_sitzt_wie_ein_Geschwuer_in_vielen_Koepfen_fest_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Henrichs, Sie haben mit Unterst&uuml;tzung namhafter Sportler als Erstunterzeichner eine Petition gestartet. In dieser Petition wird das Bundesinnenministerium unter Nancy Faeser aufgefordert, &bdquo;jegliche Versuche zu unterlassen, auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) und den Deutschen Olympischen Sportbund e.V. (DOSB) mit dem Ziel politisch einzuwirken, eine R&uuml;ckkehr der russischen und belarussischen Sportlerinnen und Sportler zu den Olympischen Spielen zu verhindern&ldquo;. Was hei&szlig;t das konkret, was hat das BMI bisher getan und gesagt, um eine Teilnahme russischer und belarussischer Sportler bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu verhindern?<\/strong><\/p><p>Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat &uuml;ber das Bundesministerium des Innern wiederholt Stellung bezogen, dass Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen sollen. Die Argumentation ist: aus Solidarit&auml;t gegen&uuml;ber der Ukraine. Neben dieser Position hat das BMI zus&auml;tzlich politischen Druck auf das IOC und den DOSB ausge&uuml;bt, sich dieser Haltung anzuschlie&szlig;en, indem es deren Haltung offen kritisiert. F&uuml;r mich als deutscher Trainer, der auch einige Jahre im russischen Leistungssport, aber auch eine kurze Zeit in Kiew Athletinnen und Athleten trainiert hat, hat das mit einfachen Worten den Charakter einer Sippenhaft gegen&uuml;ber Sportlerinnen und Sportlern aus Russland und Belarus. Wenn schon unsere westliche Sanktionspolitik gegen&uuml;ber Russland &uuml;ber Jahre in ganzer Linie versagt hat, sollte gerade heute jede Chance genutzt werden, wenigstens auf gesellschaftlicher bzw. sportlicher oder kultureller Ebene Br&uuml;cken zu bauen.<\/p><p><strong>In der Petition werfen Sie dem BMI in diesem Zusammenhang vor, dass es mit seiner Haltung gegen die vom BMI eigens unterzeichnete <a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/2013\/berliner_erklaerung.pdf;jsessionid=A02E51DC65EC123A8B0E94186E978634.2_cid340?__blob=publicationFile&amp;v=2\">&bdquo;Berliner Erkl&auml;rung der 5. Weltsportminister-Konferenz&ldquo;<\/a> verst&ouml;&szlig;t und zudem das Internationale Olympische Komitee (IOC) sowie den Deutschen Olympischen Sportbund e.V. (DOSB) n&ouml;tigt, gegen die Olympische Charta zu versto&szlig;en bzw. satzungswidrig zu handeln. Diese Vorw&uuml;rfe an das BMI haben es in sich. Wie begr&uuml;nden Sie diese?<\/strong><\/p><p>Auf der 5. UNESCO-Weltkonferenz der Sportminister (MINEPS V) in Berlin wurde in der sogenannten&nbsp;Berliner Erkl&auml;rung vom 30. Mai 2013&nbsp;bekr&auml;ftigt, dass &bdquo;jeder Mensch die M&ouml;glichkeit des Zugangs zum Sport und zur Teilhabe am Sport als ein grundlegendes Recht haben muss. Unabh&auml;ngig von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Alter, gesundheitlicher Beeintr&auml;chtigung, kulturellem und sozialem Hintergrund, wirtschaftlichen Mitteln, sexueller Identit&auml;t oder sexueller Orientierung&ldquo;. In der Positionierung f&uuml;r einen Ausschluss russischer und belarussischer Sportlerinnen und Sportler verst&ouml;&szlig;t das Bundesministerium des Innern (BMI) deutlich gegen die eigene Berliner Erkl&auml;rung vom 30. Mai 2013.<\/p><p>In der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.doa-info.de\/images\/PDF\/Olympische_Charta_2014.pdf\"><strong>Olympischen Charta (Fassung vom 9. September 2013)<\/strong><\/a>&nbsp;sind unter den &bdquo;Grundlegenden Prinzipien des Olympismus&ldquo; folgende Prinzipien festgelegt:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;2. Ziel des Olympismus ist es, den Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung der Menschheit zu stellen, um eine friedliche Gesellschaft zu f&ouml;rdern, die der Wahrung der Menschenw&uuml;rde verpflichtet ist.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;4. Die Aus&uuml;bung von Sport ist ein Menschenrecht. Jeder Mensch muss die M&ouml;glichkeit zur Aus&uuml;bung von Sport ohne Diskriminierung jeglicher Art und im olympischen Geist haben; dies erfordert gegenseitiges Verstehen im Geist von Freundschaft, Solidarit&auml;t und Fairplay.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;6. Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gr&uuml;nden ist mit der Zugeh&ouml;rigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar.&ldquo;<\/li>\n<li>Unter Kapitel 1, Regel 2, Punkt 10 (&bdquo;Aufgabe und Funktion des IOC*&ldquo;) der Olympischen Charta hat das IOC sogar &bdquo;gegen jeden politischen oder kommerziellen Missbrauch des Sports und der Athleten vorzugehen&ldquo;. Es ist also eine aktive Verpflichtung des IOC, zu verhindern, dass die Politik in den Sport interveniert, gleich mit welcher Intention. Der Sport muss ausnahmslos ein politikfreier Raum sein.<\/li>\n<\/ul><p>Jedoch mischt sich das BMI durch seinen politischen Druck auf das IOC in seine sportlichen Belange ein. Es hat die Haltung des IOC mehrfach offen kritisiert und missachtet zudem in vielerlei Punkten die Olympische Charta. Die Olympischen Spiele haben, von der Olympischen Charta vorgegeben, als wichtigstes Ziel die Freundschaft und den Frieden auf der Welt zu f&ouml;rdern und zu schaffen. Nachdem in der aktuellen, nur verfahrenen Weltlage Mittel zur Schaffung von Frieden im Ukraine-Russland-Konflikt nicht greifbar scheinen oder nicht gesehen werden wollen, sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris zumindest eine Chance, im friedlichen Zusammenfinden der V&ouml;lker der Welt eine Konfliktl&ouml;sung zu initiieren. Der Ausschluss russischer Athleten sowie von Belarus w&uuml;rde eine solche Chance von vornherein zunichtemachen und die Olympischen Spiele in ihr Gegenteil kehren. Das kann und darf nicht im Interesse der Bundesrepublik Deutschland liegen &ndash; im Interesse der betroffenen Menschen so oder so nicht. Das BMI f&auml;llt somit in unzul&auml;ssiger Einmischung den nationalen und internationalen Sportverb&auml;nden in den R&uuml;cken.<\/p><p>Das BMI versucht des Weiteren, mit seiner politischen Positionierung deutlich den DOSB dazu zu bewegen, gegen seine j&uuml;ngste&nbsp;<a href=\"https:\/\/cdn.dosb.de\/user_upload\/www.dosb.de\/uber_uns\/Satzungen_und_Ordnungen\/Satzung_final_beschlossen.pdf\">Satzung des Deutschen Olympischen Sportbunds e.V. (DOSB)<\/a>&nbsp;satzungswidrig zu handeln.<\/p><p>Der DOSB schreibt in dieser Satzung u.a.:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;6. &hellip;der DOSB den Grundsatz religi&ouml;ser und weltanschaulicher Toleranz sowie parteipolitischer Neutralit&auml;t vertritt und sich fremdenfeindlichen Bestrebungen entgegenstellt. &hellip; Er vertritt den Grundsatz religi&ouml;ser und weltanschaulicher Toleranz sowie parteipolitischer Neutralit&auml;t. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen (&hellip;) entschieden entgegen&hellip;&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;8. Der DOSB f&ouml;rdert die kulturelle Vielfalt des Sports auf nationaler und internationaler Ebene und macht sie m&ouml;glichst vielen Menschen zug&auml;nglich. Durch internationale Zusammenarbeit tritt der DOSB f&uuml;r Frieden und V&ouml;lkerverst&auml;ndigung ein.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>Mit der Positionierung f&uuml;r einen fortgesetzten Ausschluss russischer und belarussischer Sportlerinnen und Sportler mit eindeutig politischer Motivation interveniert das BMI ohne jegliche rechtliche Grundlage in die Kompetenzen des IOC und des DOSB dahingehend, dass diese ihre eigenen Rechtsgrundlagen verletzen sollen.<\/p><p><strong>Um das f&uuml;r unsere Leser verst&auml;ndlicher zu machen. Welche konkreten Einflussm&ouml;glichkeiten hat das BMI denn &uuml;berhaupt, um auf die genannten Institutionen wie IOC und DOSB Druck aus&uuml;ben zu k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Da es keinerlei juristische Verbindung zwischen dem BMI und dem IOC sowie dem DOSB gibt, kann das BMI zun&auml;chst beiden sportlichen Institutionen keine Vorgaben machen. Jedoch wird der DOSB durch das BMI gef&ouml;rdert. Es ist folglich eine Gratwanderung f&uuml;r den DOSB, wie es sich dem BMI &ndash; einem wichtigen Finanzier &ndash; gegen&uuml;ber positioniert.<\/p><p>Weitaus gravierender ist jedoch der mediale Druck, den das BMI auf den DOSB erzeugen kann. Man konnte deutlich feststellen, dass nach der Positionierung seitens des BMI f&uuml;r einen Ausschluss russischer Sportler der Druck aus der Presse- und Medienlandschaft gegen den DOSB und das IOC gewachsen ist. Getreu dem Motto: &bdquo;Wenn das BMI sich gegen Russen ausspricht, wie k&ouml;nnt ihr vom DOSB anderer Meinung sein?!&ldquo; Das ging sogar so weit, dass man den &uuml;blichen argumentfreien, billigen Journalismus ausgepackt hat, den Pr&auml;sidenten beider Verb&auml;nde eine Putin-N&auml;he oder die N&auml;he zum Kreml unterstellt und weitere haltungslose Verleumdungen ver&ouml;ffentlicht hat.<\/p><p><strong>Sie hatten beim Verfassen der Petition ja auch Unterst&uuml;tzung erhalten durch den bekannten deutschen Sportjuristen Dr. jur. Michael Lehner. G&auml;be es Ihrer Einsch&auml;tzung nach auch rechtliche M&ouml;glichkeiten, gegen das von Ihnen beschriebene Vorgehen des BMI vorzugehen? Und falls ja, ist sowas in Planung?<\/strong><\/p><p>In erster Linie geht es mir darum, auch &uuml;ber diese Petition die Menschen in unserem Land aufzukl&auml;ren, dass sich das BMI bzw. deren Innenministerin Frau Nancy Faeser in vielerlei Hinsicht falsch verhalten. Die gesammelten Unterschriften werden pers&ouml;nlich von mir an das Bundesministerium des Innern &uuml;bergeben. Nach meinem juristischen Verst&auml;ndnis kann man nur gegen den Versto&szlig; der Berliner Erkl&auml;rung durch das BMI vorgehen. Dieser juristische Schritt ist tats&auml;chlich im Gespr&auml;ch. Aber zun&auml;chst m&ouml;chte ich auf die Reaktion bzw. die Antwort der Petition warten.<\/p><p><strong>Das Leitmotiv Ihrer Petition ist die Forderung, dass die Olympischen Spiele nicht politisiert werden d&uuml;rfen. Ist das aber nicht illusorisch? Sind Sport und insbesondere die Olympischen Spiele nicht schon immer auch ein Instrument der Politik gewesen?<\/strong><\/p><p>Die Olympischen Spiele sind leider l&auml;ngst zum Sinnbild politischer Botschaften mutiert. Sei es, dass Veranstalter ihre Gr&ouml;&szlig;e und Macht mit unterschwelligen politischen Botschaften demonstrieren oder beispielsweise deutsche Athleten sich mit Regenbogenfarben selbstgef&auml;llig gegen Russland positionieren. Gerade auf Sportlerebene kann ich diese Athleten l&auml;ngst nicht mehr f&uuml;r voll nehmen. Sie sollen sich auf den Sport und ihre Leistung konzentrieren, statt sich zum Hampelmann oder -frau der Nation zu machen. Ich finde es recht am&uuml;sant, wenn deutsche Sportlerinnen und Sportler st&auml;ndig mit nacktem Finger auf Russland zeigen, sie seien angeblich zu politisch. Zeitgleich machen gerade deutsche Sportler (siehe FIFA-WM in Katar) sich weltweit mit ihren politischen Gesten zur Lachnummer im Weltsport.<\/p><p><strong>Zur historischen Einordnung: Gab es denn in der Geschichte der Olympischen Spiele schon einmal solche Bestrebungen wie jetzt, dass Sportler eines kriegsf&uuml;hrenden Landes, denken wir beispielsweise an den US-gef&uuml;hrten Angriffskrieg gegen den Irak 2003 mit Hunderttausenden zivilen Opfern, von den Spielen ausgeschlossen werden sollten?<\/strong><\/p><p>Ich m&ouml;chte es so formulieren. Zu viele in Deutschland sind von unserer Presse- und Medienlandschaft sowie Politik so einseitig desinformiert und manipuliert, dass jeder US-Krieg angeblich eine Friedensoperation gewesen sei oder der US-Sport &uuml;ber die saubersten Athleten verf&uuml;gt. Dabei waren beispielsweise die russischen Sportlerinnen und Sportler w&auml;hrend des politisch instrumentalisierten Themas Doping in Russland im internationalen WADA-Ranking noch nicht mal auf den vordersten Pl&auml;tzen der prozentual positiv Getesteten. Andere Dopingnationen, die mehr auf dem Kerbholz haben, wurden in unserer Presse nahezu nie erw&auml;hnt. Auch hier wurde medial mit zweierlei Ma&szlig; gemessen.<\/p><p>Fakt ist, dass unterschwellig ununterbrochen suggeriert wird, dass Kriege oder Kriegsverbrechen nur durch Russen ver&uuml;bt werden &ndash; und dass russische Sportler doch eh alle gedopt sind. Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger Gehirnw&auml;sche aus Politik, Presse- und Medienlandschaft. Dass wir heute Russen pauschal verurteilen und auch auf h&ouml;chst politischer Ebene in Sippenhaft nehmen, wie aktuell Nancy Faeser, scheint normal geworden zu sein. <\/p><p>Eine Ironie, dass man uns zeitgleich verkauft, dass wir mit Waffenlieferungen in die Ukraine, die wir bis 2021 immer noch als einen der korruptesten Staaten weltweit verurteilt haben, pl&ouml;tzlich dort unsere &bdquo;europ&auml;ischen Werte&ldquo; verteidigen. Jedoch geht es unserer Bundesregierung oder Br&uuml;ssel wei&szlig; Gott nicht um europ&auml;ische Werte. Es geht auch nicht um das ukrainische Volk, sondern es geht um geopolitische Interessen, die vor Jahren schon abzusehen waren. Die Leidtragenden sind dabei in erster Linie die Menschen in der Ukraine, die f&uuml;r US- bzw. geopolitische Interessen geopfert werden bzw. die durch ihren eigenen Pr&auml;sidenten in einen sinnlosen Tod getrieben werden. H&auml;tte der Westen Interesse am Frieden, h&auml;tten sie ihr Versprechen gehalten, dass es mit dem Mauerfall keine weitere NATO-Osterweiterung gibt. Dann w&uuml;rde es den aktuellen Krieg in der Ukraine nicht geben.<\/p><p>Ich verurteile jeden Krieg und auch den in der Ukraine. Aber zu sagen, &bdquo;der Russe mal wieder&ldquo;, ist mir zu einfach. Solange unsere Politik die Fehler aus der Vergangenheit mit ihrer erfolglosen Sanktionspolitik und NATO-Osterweiterung nicht eingesteht, wird es auch keinen Frieden in der Ukraine geben. Der Ukraine stattdessen vorzugaukeln, sie k&ouml;nnte den Krieg gegen Russland gewinnen, ist an Absurdit&auml;t kaum zu &uuml;berbieten.<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich vor diesem Hintergrund, dass an russische Spitzensportler derzeit so ganz andere moralische Ma&szlig;st&auml;be angelegt werden als bei ihren westlichen Kollegen?<\/strong><\/p><p>Moralische Ma&szlig;st&auml;be? Was soll man von Politikern, Journalisten bzw. Menschen in diesem Land &uuml;ber Moral sagen, die Personen, die sich f&uuml;r den Frieden und den Dialog statt Waffenlieferungen einsetzen, pauschal als Putinversteher, Friedensschwurbler, Faschisten oder Verschw&ouml;rungstheoretiker diskreditieren? Das ist in meinen Augen eine moralische Bankrotterkl&auml;rung. Oder wie im Fall Sahra Wagenknecht oder meines guten Freundes Dr. Daniele Ganser, die sich seit Jahren f&uuml;r den Frieden und den Dialog einsetzen, einer medialen Hetzjagd ausgeliefert sind. Bezogen auf diese Hetzjagden kann man l&auml;ngst nicht mehr von Moral sprechen. Gerade die Parteien der Bundesregierung, in vorderster &bdquo;Front&ldquo; mit der Kriegspartei B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen, f&ouml;rdern durch ihr Gebr&uuml;ll nach Waffen und Kritik gegen&uuml;ber Friedensstiftern die zunehmende moralische Bankrotterkl&auml;rung.<\/p><p>Wenn wir also &uuml;ber moralische Ma&szlig;st&auml;be sprechen, leben wir im Westen seit vielen Jahren in einer Doppelmoral. Warum man sich auf die Russen seit Jahrzehnten einschie&szlig;t, liegt in erster Linie an geopolitischen Interessen der USA. Die meisten europ&auml;ischen Staaten agieren leider in US-Abh&auml;ngigkeit. Das geht durch die gesamte Politik &uuml;ber die Presse- und Medienlandschaft. Ich frage mich immer wieder aufs Neue, was dabei die gr&ouml;&szlig;ere Katastrophe ist. Sind es unsere Regierungsvertreter, die durch ihre Zugeh&ouml;rigkeiten in transatlantischen Verb&auml;nden, der Waffenindustrie oder Mitgliedschaft in Aufsichtsgremien &ouml;ffentlich-rechtlicher Sender gef&uuml;hlt ausschlie&szlig;lich US-Interessen vertreten? Sind es Reporter oder Journalisten, die das seelenlos in ihren Ver&ouml;ffentlichungen verbreiten? Oder ist die gr&ouml;&szlig;ere Katastrophe, dass zu viele Menschen das Ganze nicht hinterfragen und jede Pille blind schlucken, die ihnen der Spiegel, die S&uuml;ddeutsche Zeitung, die FAZ oder die Tagesschau etc. pr&auml;sentieren?<\/p><p>Fakt ist: Diese anti-russische Haltung sitzt im Grunde wie ein Geschw&uuml;r fest in vielen K&ouml;pfen. Und wer sich beispielsweise im Sport f&uuml;r russische Athletinnen und Athleten offen positioniert, hat Angst vor medialen Repressalien und Verlust von Sponsoren oder Arbeit. Da m&ouml;chte ich aus einem Gespr&auml;ch zitieren, das ich k&uuml;rzlich im Rahmen der Petition mit einer deutschen Olympiasiegerin gef&uuml;hrt habe. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip;Ich stehe vollkommen auf deiner Seite, Marco, und finde es eine riesige Sauerei, was erneut mit russischen Athleten abgezogen wird. Aber aus Angst vor der Brandpresse und Sponsorenverlust kann ich nicht offen als Erstunterzeichner f&uuml;r deine Petition unterschreiben.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn es um deutsch-russische Beziehungen geht, habe ich solche &auml;hnlichen Wortlaute in den letzten Jahren unz&auml;hlige Male zu h&ouml;ren bekommen. Viele Menschen wollen den Konflikt mit Russland nicht, haben aber aus Sorge vor Repressalien Angst, sich offen f&uuml;r ein Miteinander mit Russland zu positionieren.<\/p><p>Folgend ein Beispiel, wie unsere Presse- und Medienlandschaft in Deutschland auch sportpolitisch mit zweierlei Ma&szlig; misst. Der Athletenverband Deutschland e.V., der &uuml;brigens vom BMI gef&ouml;rdert wird, <a href=\"https:\/\/athleten-deutschland.org\/reaktion-auf-den-ioc-vorstoss-zur-wiedereingliederung-russlands-in-den-weltsport\/\">hat sich f&uuml;r einen Ausschluss russischer und belarussischer Sportlerinnen und Sportlern aus dem Weltsport positioniert<\/a>. Das hat in unseren Medien einige Schlagzeilen nach sich gezogen. Im Februar haben dagegen die Vereinten Nationen (UN), die in meinen Augen ein weitaus gr&ouml;&szlig;eres Gewicht haben als ein unbedeutender deutscher Athletenverband, sich f&uuml;r eine Teilnahme von Sportlern aus Russland und Belarus bei den Olympischen Spielen ausgesprochen. Jedoch gab es in unserer Presse und Medien ein kollektives Stillschweigen dar&uuml;ber. Ich denke, wir alle wissen: H&auml;tte sich die UN der Haltung des BMI angeschlossen, w&uuml;rde man das in Dauerschleife pr&auml;sentiert bekommen.<\/p><p>Und wenn wir schon bei den deutschen Spitzensportlern sind, die sich offen gegen eine Teilnahme russischer Sportlerinnen und Sportler aussprechen. Mein Vater sagte stets scherzhaft &uuml;ber diese Spezies von Menschen, es seien Rohrkrepierer, die sogar ihre eigene Oma verkaufen w&uuml;rden, um ja den Mainstream zu bedienen bzw. um positiv dazustehen. Dem muss ich leider zustimmen.<\/p><p>Ich sehe diese Positionierung deutscher Athleten aber auch aus dem Blickwinkel der Konkurrenz, denn die USA, China und Russland geh&ouml;ren seit Jahrzehnten zu den f&uuml;hrenden Sportnationen weltweit. Der Erfolg im deutschen Leistungs- und Spitzensport geht dagegen schon seit einigen Olympischen Spielen immer mehr in Richtung Bedeutungslosigkeit. Wenn russische Sportlerinnen und Sportler nicht teilnehmen, steigen im Schnitt die Chancen deutscher Sportlerinnen und Sportler auf Medaillen. Nat&uuml;rlich gestehen sich das diese Sportler nicht offen ein. Stattdessen machen sie in der &Ouml;ffentlichkeit einen auf Solidarit&auml;t gegen&uuml;ber der Ukraine. Wo war deren Solidarit&auml;t gegen&uuml;ber den Irakern, Afghanen u.v.m., als diese Nationen von den USA angegriffen wurden?!<\/p><p><strong>Abschlie&szlig;end noch eine Frage zur Rolle Deutschlands in diesem Kontext. Nimmt die Bundesrepublik bei der aktiven Forderung nach Ausschluss russischer und belarussischer Sportler eigentlich eine Sonderrolle ein oder spricht sie f&uuml;r die Mehrheit der IOC-Mitgliedsl&auml;nder?<\/strong><\/p><p>Es sind aktuell nur 35 Nationen (die meisten aus Europa), die sich gegen eine Teilnahme russischer und belarussischer Athleten bei den kommenden Olympischen Spielen positionieren. Wir haben jedoch &uuml;ber 200 IOC-Mitgliedsl&auml;nder, die bei den kommenden Olympischen Spielen teilnehmen werden. Da sind die 35 Nationen gerade mal 17 Prozent, die sich wie Moralapostel aufspielen. Der &uuml;berwiegende Teil von 165 Nationen enth&auml;lt sich bzw. ist f&uuml;r eine Teilnahme Russlands und Belarus bei den Olympischen Spielen. Diese &uuml;ber 165 Nationen leben zum Gl&uuml;ck das Motto &bdquo;Sport verbindet&ldquo;.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch. <\/strong><\/p><p>Die Petition unter dem Titel &bdquo;Kein Ausschluss russischer &amp; belarussischer Athleten von den Olympischen Spielen 2024&ldquo; kann <a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/kein-ausschluss-russischer-belarussischer-athleten-von-den-olympischen-spielen-2024?recruiter=1262142269&amp;recruited_by_id=9cc06b20-c077-11ec-9e7d-2bb6495aeb03&amp;utm_source=share_petition&amp;utm_campaign=share_for_starters_page&amp;utm_medium=copylink&amp;mibextid=Zxz2cZ\">hier unterzeichnet werden.<\/a><\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Singulyarra<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=57624\">Marco Henrichs: &bdquo;Ein Krieg mit Russland wird sich in Europa abspielen&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86860\">Hinter vorgehaltener Hand gab es immer wieder Stimmen, dass &bdquo;es knallen wird&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/770cbb7cb9e042d89714dce07404c2a0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Innenministerium (BMI) unter Nancy Faeser setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, um einen Ausschluss russischer und belarussischer Sportler bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu erreichen. 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